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Kohlrabigrün

KurzgeschichtePoesie, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
23.02.2021
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Anmerkung: Ja, ich weiß irgendwie nie, ob ich meine Gedankenkonstrukte bei Poesie, oder Prosa einordnen soll. Heute sind wir bei Prosa.
Ich wünsche dir ganz arg viel Spaß beim Lesen. ♥

Auch in gelesener Variante verfügbar: fuchs liest
Mehr von Helene und Minerva: Hitzebrandrücken




Kohlrabigrün


Sie spürte Einsamkeit in der Brust und Regenwolken in ihrem Herzen.
Herzregenwolken mit Sturmwarnung und Glatteisschlitterpartie.
Sie drehte sich im Kreis und drehte, drehte, drehte sich.
Drehte sich nur um sich selbst und damit um die Welt. – Um das Universum und alles darüber hinaus.
Sie wusste nicht, wo dieses Universum begann, wo es endete und ob ein Kreis irgendwann einen Anfang finden würde.
Sie wusste nicht, warum Schatten nach einem greifen, aber Licht nicht um die Ecke schauen konnte.
Sie wollte wissen, wie Kribbelschmetterlinge geboren wurden und wo Störche Kinder klauten. – Ja, sie wollten wissen, warum Hexen auf Besen flogen und Menschen mit Raketen zum Mond.

Sie wollte mit Haien schwimmen und bei Morgengrauen Dracheneier ausbrüten, während sich Seesterne und Motten Lagerfeuergeschichten erzählten.
Sie wollte tanzen und sich drehen, nicht vergehen und das im Licht des Anbeginns der Zeit.
Sie wollte sich recken und strecken und lachen und lachen und so sehr lachen, dass ihre Stimmbänder rissen und es dennoch nicht stoppte. - Nicht endete.
Sie wollte von allem ein wenig und davon richtig viel. - Sie wollte Leben und Lieben und das mit Haut und Haar und auch mit dem, was dort zwischen ihrer linken Rippe rechts unten war.

Traumgestalten wollte sie spinnen, barfuß durch die Pfützen springen und niemals vergessen, was dort war. - Wie es das erste Mal geschah.
Herzregenwolken mit Sturmwarnung und Glatteisschlitterpartie.
Sie wollte sehen und spüren und berühren und das jeden Tag auf jetzt und immer und ganz egal in welchem Universum auch sonst.
Minerva roch wohl nach Patschuli, nach Zimt und ein wenig Kohlrabigrün.
Minerva trug Sonnenbrillen bei Nacht, aß Spaghetti mit den Händen und fragte sich danach, warum die Tasten des Pianos so klebten, sich nur so schlecht bewegten.
Ja, Helene wollte all das wirklich sehen, es spüren und berühren und erleben wollte sie Tomatensoßeneskapaden auf dem Badezimmerboden.
Es war so weit weg von perfekt und doch das Schönste, was sie jemals gesehen hatte.

Sie liebte all die Narben, all die Lasten ... all das Schöne oder Dunkel, wie auch die Glitzersteinkarfunkel.
Jede Falte und jeden schiefen Ton.
Sie liebte, liebte, liebte sie so sehr ... mit Haut und Haar ... all den tiefsten Tiefen ... und alledem, was da sonst noch in ihr war ...


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