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In Feuer und Schnee geschmiedet

von Monama
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Balin Dwalin Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
23.02.2021
16.04.2021
20
60.218
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23.02.2021 1.047
 
„Kennen wir jemanden, der Altzwergisch spricht?", fragte Thorin schroff und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Er stürmte inzwischen wie ein wilder Eber vor seinem rustikalen Schreibtisch aus Eichenholz auf und ab, und wenn er sich weiter so aufregte, würden noch die Bodendielen in dem Gemach, das seinen Staatsgeschäften vorbehalten war, zu vibrieren beginnen.
Balin schwieg einen Moment und antwortete dann: „Die Prinzessin von Eloradis.“ Thorin starrte ihn entgeistert an: „Was???" und wurde blass. „NEIN!", blaffte er. Balin und Dwalin schauten erst ihren König an, dann einander. Die Ratlosigkeit des einen spiegelte sich im Blick des anderen. Schließlich sprach Balin aus, was sie alle drei dachten: „Was machen wir dann, wenn wir weitere Nachrichten bekommen, wir können doch Gleein nicht mitnehmen..."
Der uralte Zwerg war der Einzige im Berge, der noch Altzwergisch sprach und der ihnen die Nachricht übersetzt hatte. Danach hatte es mehrerer Aufbautranks von Oin beduft, um den alten Mann zu beruhigen, der seinerzeit König Thrain noch als Kind gekannt hatte. Die Nachricht hatte den alten Zwerg furchtbar aufgewühlt. Außerdem musste er versprechen, dass er niemandem im Erebor von dem, was er gerade gelesen hatte, erzählen würde. Und für Oin hatten sie gute Ausreden gebraucht, wofür sie diese Aufbautranks überhaupt brauchten, da war einmal mehr Balins ganze Intelligenz und Schläue gefragt gewesen.

Thorin rauschte der Puls in den Ohren, was sollten sie bloß machen? Ausgerechnet Marién könnte ihnen helfen! Die Frau, die er zuerst nie hatte kennenlernen wollen, die er danach so rüde abgefertigt hatte und die zuletzt noch sein Leben gerettet hatte! Die Frerin geliebt hatte, was Thorin unterbunden hatte und die Thorin selbst seitdem nicht vergessen konnte!
War es wirklich möglich, dass sein Vater noch am Leben war? Seit 100 Jahren war Thrain schon verschwunden!! Und was würde dann mit ihm, Thorin, dem jetzigen König unter dem Berge, werden? Thorin würde wieder nur der einfache Thronfolger sein, nach allem, was er getan hatte, um das Königreich zurückzuerobern??
Andererseits, was hatte es ihm gebracht? Er fand keine Freude mehr an seinem Dasein als König, an seinem Gold, noch nicht mal mehr an der Gesellschaft seiner Schwester und Neffen, die er doch liebte, oder an der seiner besten Freunde und Berater, Dwalin und Balin, denen er so sehr vertraute wie sonst niemandem. Seine Schwester war sowieso inzwischen mit Dwalin vermählt, Dwalin war der Stiefvater von Thorins Neffen Fili und Kili. Nur er, der König, er war immer noch einsam. Ausgerechnet die Frau, die seinen Bruder geliebt hatte und außerdem eine Elbin war, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf; an anderen Frauen fand er wiederum gar nicht erst Gefallen.
Dann quälte ihn die Schulter, die nicht heilen wollte. Hier war in der Schlacht um den Erebor eine Speerspitze steckengeblieben, hatte Nerven verletzt und die Wunde heilte nicht. Oin schien mit seinem Latein am Ende, und immer, wenn Thorin aufgewühlt war, schmerzte auch die Wunde stärker, sowieso auch wenn er ungünstig schlief, sich falsch bewegte. Er war nicht zimperlich, aber es zehrte zunehmend an seinen Nerven. Thorin weigerte sich aber auch, immer wieder diese Schmerztrunke einzunehmen, die ihn dann zunehmend benebelten, und von einer Elbenheilerin, die Oin schon konsultieren wollte, wollte er überhaupt nichts wissen. Wenn er schon das Wort „Elbin“ hörte, raste sein Puls, auch wenn die Rede gar nicht von IHR gewesen war. All das brauchte er nicht, er war kein schwacher Mann!
Thorin wurde jedoch immer einsamer und er wurde immer verbitterter, auch jetzt mahlten seine Unterkiefer wie Mühlsteine und seine Schulter schmerzte fast unerträglich. Warum demütigte ihn das Schicksal immer wieder? Er wusste nicht, was er von alldem halten oder was er tun sollte. Und sollte er nun jetzt dieser Botschaft nachgehen, deren Verfasser nicht einmal mutig genug gewesen war, seinen Namen darunter zu setzen? Der schrieb, er würde weitere Nachrichten schicken, die Thorin zu seinem Vater führen würden. Wütend knüllte er das Pergament in seiner Hand zusammen. SO konnte man mit dem König unter dem Berge nicht umgehen!

„Wir reiten los und werden meinen Vater finden!", blaffte er in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Wie das mit den weiteren Botschaften dann werden sollte, die keiner von ihnen lesen konnte, ließ er einfach im Raum stehen. Balin und Dwalin wechselten einen weiteren Blick. Balin ging im Kopf durch, wie schnell ein Rabe mit einem Brief zu Marién fliegen würde und wie lange der Vogel mit dem Antwortschreiben für die Rückreise bräuchte, doch musste er dann hoffen, dass sie sich in Eloradis aufhielt, und das war so weit weg, dass sie gar nicht zusammenreisen konnten. Es war ein Desaster.


                                                                                ****


Marién starrte fassungslos auf das Pergament in ihren Händen. Eine auf Altzwergisch verfasste Botschaft teilte ihr mit, dass Thrain, der alte König der Zwerge, gefangengehalten wurde und auf Rettung hoffe. Dafür müsste Thorin, sein Sohn, der König unter dem Berge, dieser und weiteren Botschaften folgen, um seinen Vater zu finden und solle sich zunächst auf den Weg zu den Nebelbergen machen, genauere Informationen würden folgen. Ein zusätzlicher Hinweis unter dem eigentlichen Schreiben unterwies Marién, den König vom Erebor auf der Reise zu begleiten, damit sie „ihre Schuld gegenüber der Familie Durin“ begleichen könne.
Thrain! Thorin!! Ihre SCHULD!! Mariéns Herzschlag raste. Thorin!! Wie sehr sie diesen Mann verabscheute. Marién trauerte seit nunmehr 150 Jahren um Frerin, den einzigen Mann, den sie je geliebt hatte, und Thorin hatte sich seinerzeit geweigert, dieser Verbindung zuzustimmen und hatte damit auch den Rest seiner Familie gegen sie beeinflusst. Unbesehen hatte man sie abgelehnt, und das nur, weil sie eine Elbin war! Und weil Oakenshield ein Vorurteil gegen Elben hatte! Diesen Leuten schuldete sie gar nichts!
Und doch – sie verdankte nicht nur Frerin, sondern auch seinem Vater Thrain ihr Leben. Was sollte sie also tun? Sie würde doch keine Reise zusammen mit dem erhabenen König der Zwerge, der nun endlich seinen Klunkerberg vom Drachen zurückerobert hatte, unternehmen? DEM schuldete sie jedenfalls nichts, gar nichts. Sie atmete tief durch. Was würde Frerin wollen? Die Antwort war klar. Marién seufzte. „Na, dann, Oakenshield", dachte sie mit zusammengebissenen Zähnen und Wut im Herzen.
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