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Summer Days bittersweet

von ruawei
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Caroline Fuchs Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.02.2021
04.04.2021
14
16.631
5
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
23.02.2021 936
 
Passend zur Witterung lege ich eine Sommergeschichte auf.
Viel Spaß damit! Reviews sind wie immer herzlich willkommen!

ruawei



Polizeiobermeister Franz Hubert sitzt auf seinem Fahrrad und fährt entspannt zwischen den Feldern entlang vom Starnberger See nach Hause. Er hat sich bewusst nicht für den Radweg neben der vielbefahrenen Bundesstraße, sondern für die längere steinige unebene Strecke etwas oberhalb durch das offene Gelände entschieden, denn er braucht Ruhe. Ruhe, um seine Gedanken zu ordnen.

Zu seiner Linken erstreckt sich ein riesiges Weizenfeld mit seinen goldgelben Ähren bergauf bis oben zum Waldrand, rechts von ihm versperren die hohen Pflanzen eines Maisfeldes den Blick hinunter zur Straße und schlucken auch deren Lärm fast vollständig.

Es ist ein wunderschöner Hochsommersonntagnachmittag. Der Himmel strahlt im tiefsten Blau, keine Wolke ist zu sehen - und die Sonne macht ihrem vielzitierten Ruf als "Quelle des Lichts, der Wärme und des Lebens" alle Ehre, denkt der Polizist beinahe pathetisch. Eine fast unwirkliche Stille liegt über der Landschaft. Kein Windhauch bewegt das reife Korn, kein Vogel schreit in der Ferne im Wald und nur ein paar Insekten tänzeln in der gleißenden Sommerhitze. Franz Hubert, oder Hubsi, wie ihn die meisten nennen, lässt seinen Blick über die friedliche Idylle gleiten. Es ist sein letzter Urlaubstag. Am nächsten Morgen wird er wohl oder übel wieder seinen Dienst im Wolfratshauser Polizeireviers antreten müssen. Doch heute genießt er den freien Tag noch einmal richtig. Er ist stundenlang auf dem Starnberger See gewesen, ist wie so oft schon früh mit seinem Boot hinausgefahren, hat seine Angeln ausgeworfen, den Motor abgestellt und sich dann einfach treiben lassen.

Diesmal allerdings nicht allein. Das erste Mal seit langer Zeit, mindestens seit seiner Scheidung, war er in weiblicher Begleitung. Die Pathologin des Wolfratshauser Krankenhauses, Frau Dr. Caroline Fuchs, leistete ihm Gesellschaft. Hubsi radelt zügig weiter, tief in Gedanken versunken. Ist er drauf und dran, nach so langer Zeit des Alleinseins eine neue Beziehung einzugehen? Noch beteuern beide, außerdienstlich nur eine Freundschaft pflegen zu wollen. Beruflich sind sie ja schon eng verbunden, denn wenn der Polizist mit seinem Partner Girwidz auf ihren dienstlichen "Streif-Zügen" durch die nähere und weitere Umgebung wieder einmal eine Leiche aufstöbert, muss diese von Caroline in der Pathologie obduziert werden.

Pathologinnen!, sinniert Hubert nachdenklich. Anscheinend sind die sein Schicksal! Seine blonde Ex-Frau war die Vorgängerin der dunkelhaarigen Caroline in der hiesigen Klinik - und auch mit ihr musste der Polizeibeamte trotz Scheidung lange Zeit eng zusammenarbeiten. Allerdings ging das meist weniger harmonisch vonstatten. Auch deshalb zog diese vor einiger Zeit aus Wolfratshausen weg, trotz wieder aufflammender Gefühle, und hat ihm, Hubsi, damit signalisiert, dass sie an keine gemeinsame Zukunft mehr glaubt. Seit ihrem Weggang hat sich tiefe Niedergeschlagenheit in ihm breitgemacht. Ist es nun ausgerechnet ihre Nachfolgerin, die ihn aus seiner Melancholie reißt und ihm hilft, gefühlsmäßig wenn schon nicht gleich auf die Überholspur, dann wenigstens auf die Beschleunigungsspur zurückzufinden? Welch besonderer Twist des Schicksals!

Lächelnd tritt Hubert in die Pedale. Von weitem sieht er schon das Wegekreuz, bei dem sich der Feldweg mit einem schmalen geteerten Fahrweg kreuzt, der von der Bundesstraße die Anhöhe hinauf bis zum Waldrand führt. Ein dumpfes Brummen, erst leise, dann immer lauter, reißt ihn aus seinen Gedanken. Als er das Marterl erreicht, gibt das Maisfeld den Blick auf einen alten Mercedes frei, der langsam die steile Anhöhe von der Straße her hochschnauft und eine dicke schwarze Abgaswolke hinter sich her zieht. Hubert bremst sofort und lässt sich nach vorne vom Sattel gleiten, während er sein Fahrrad mit seinen Beinen fixiert.

"Kreizkruzefix, was ist denn das für eine Umweltsau!", empört er sich, "noch dazu auf einer Fahrstraße, die nur für die Landwirtschaft zugelassen ist!"

Durch die tiefstehende Sonne kann er das Innere des Fahrzeugs, das trotz der Steigung immer mehr beschleunigt, nur schemenhaft erkennen. Aber sitzt da nicht auf dem Fahrersitz der Söder? Und neben ihm der Stoiber? Der Polizist traut seinen Augen kaum. Sekunden später röhrt der Wagen an ihm vorbei. Alle vier Insassen, Söder, Stoiber, Seehofer und auch der FJS, der eigentlich lang schon verblichene Franz-Josef Strauß, starren ihn im Vorbeifahren aus dem Auto heraus an, bevor auch Hubert in eine schwarze Abgaswolke gehüllt  wird.

Mit seinem Körper schiebt er sein Rad einen Schritt nach vorne, während er sein Handy aus der Tasche zieht, um ein Foto vom Nummernschild des mysteriösen Stinkers zu machen. Der Polizist drückt gerade auf den Auslöser, als das Fahrzeug scharf bremst und abrupt zurückstößt, direkt auf ihn zu. Mit seinem Fahrrad zwischen den Beinen hat Hubsi keine Chance, zu reagieren, auszuweichen oder schnell zur Seite zu springen. Intuitiv drückt er auf einen Notrufkontakt auf seinem Handy, während er mit schreckgeweiteten Augen zusehen muss, wie das Auto näher und näher kommt, und schon spürt er den dumpfen Aufprall, als das Fahrzeug ihn mit Wucht erfasst. Er hört das hässliche Geräusch seiner eigenen brechenden Knochen und sofort fühlt er höllische Schmerzen in seinem Bein, während er abhebt und durch die Luft geschleudert wird. Seine Finger umklammern immer noch das Smartphone. Er lässt es los und versucht instinktiv, sich mit den Händen abzustützen, um den Aufprall abzufangen, doch die Flieh- , Schwer- und sonstigen physikalischen Kräfte, die gerade auf ihn einwirken, sind einfach zu groß. Sekundenbruchteile später schlägt er hart mit Kopf und Körper auf dem Weg auf. Seine Hand hängt danach in seltsam verrenkter Haltung neben seinem Körper, während sie von einem stechenden Schmerz durchzogen wird. Auch sein Bein steht in einem unnatürlichen Winkel ab.  Hubert nimmt noch verschwommen wahr, wie neben ihm sein Handy auf den Boden knallt und das Display zersplittert, dann wird es dunkel um ihn herum.
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