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AMOUR III

von annakrs27
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk "Bela B." Felsenheimer OC (Own Character)
22.02.2021
05.03.2021
4
6.685
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22.02.2021 1.519
 
Jetzt saß ich hier. Meine Beine baumelten ins Wasser und Wellen schlugen gegen mein Schienbein. Einige Möwen zogen über meinem Kopf ihre Kreise und kreischten dabei laut in die Stille. Das Meer rauschte. Ich drehte mein Handy zwischen meinen Händen hin und her und strich über die grüne Rückseite. Mit einem Finger fuhr ich die Silhouette des angebissenen Apfels nach. Vor diesem Moment hatte ich mich die letzten 2 Jahre am meisten gefürchtet. Ich hatte Zeit gebraucht. Abstand von Berlin und Rammstein. Vor allem vor Richard. Er hatte nichts falsch gemacht, nein. Das Problem lag eindeutig bei mir. Vielleicht war ich auch einfach nicht der Mensch für Beziehungen. Ich hatte diese Pause wirklich gebraucht. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung, was in den vergangenen Jahren in Deutschland passiert war. Wie sollte ich auch? Mein Handy hatte ich komplett ausgeschaltet und da ich hier bei meiner uralten Oma lebte, war Fernseher oder Radio auch ein Fremdwort gewesen. Mein Tagesablauf hatte nur aus Zitronen pflücken, Tiere füttern, kochen und reden mit meiner Oma bestanden. Vielleicht war das meine perfekte Therapie gewesen. Ein Schaf mähte im Hintergrund und ich schaute mich um. Raubtierfütterung. Meine Oma war von Schafen umzingelt und versuchte hilflos die Brotstücke gerecht aufzuteilen. Ein Lächeln schlich sich über mein Gesicht und ich fühlte tief in mich hinein. Ich war entspannt und ausgeglichen. Ich nutzte diese Gunst und drückte lange auf den Startknopf meines Handys. Es vibrierte kurz. Lange passierte nichts, doch dann hieß es endlich, dass ich meinen Pin eingeben sollte. Natürlich wusste ich den noch. Im Passwörter merken war ich ein echter Freak. Als ich die große Zahl an verpassten Anrufen auf dem Display sah, wurde mir echt übel und ich war kurz davor, mein Handy einfach über Bord gehen zu lassen. Doch wenn ich meine beste Freundin wieder sehen wollte, musste ich da durch. Mit zitternden Fingern drückte ich auf das Telefonsymbol.

Piep

Hey, Anna wo bist du ich habe gerade Richard aus deinem Zimmer kommen sehen und er hat gesagt, du warst heute Morgen schon weg als er aufgewacht ist. Ich würde echt gern wissen wo du bist, ich will wissen was ihr noch beredet habt. Der Typ hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd.

Piep

Anna ich mache mir echt Sorgen. Wieso bist einfach abgehauen? Du weißt doch, dass du immer zu mir kommen kannst, wenn irgendetwas bist. Wir haben uns doch geschworen, dass alles wieder gut wird. Wieso ziehst du das jetzt ab? Ich vermisse dich, ich mache mir Sorgen ich kann gar nicht klar denken.

Piep

Ich bin deinetwegen gerade auf Richard losgegangen und hätte ihn beinahe getötet. Geh doch bitte an dein scheiß Telefon. Wie kannst du mich einfach so zurücklassen?

Piep

Du kleines mieses Arschloch. Du hast gekündigt. Du hast einfach alles aus deinem Leben verbannt. Du läufst vor dir selbst weg. Merkst du das eigentlich? Eine kleine Nachricht wäre schön gewesen. Nur eine kleine damit ich nicht vor Sorge umkommen muss. Aber anscheinend bin ich dir genauso egal wie Richard, dem du ja anscheinend gestern noch deine Liebe gestanden hast. Du bist ein egoistisches Arschloch. Nicht nur Richard hast zurückgelassen. Sogar mich. Wir haben so viel miteinander durchgemacht. Wie kannst du das alles einfach nur so wegschmeißen… Ich verstehe es nicht. Ich verstehe dich nicht.

Piep

Hallo Anna, hier ist Alex. Ja, der Barkeep…

Piep

Sorry, ich kam mir gerade irgendwie dumm vor. Ich versuche es nochmal. Hallo Tequila-Frau… Hier ist Alex. Wo steckst du? Veronika dreht am Rad. Sie hat sich gestern in Stuttgart echt die Kante gegeben und ich musste sie vom Polizei-Revier abholen, weil sie oberkörperfrei durch die Innenstadt gelaufen ist… Du hast ihr echt wehgetan. Richard übrigens auch. Er lässt sich nur noch zu Konzerten sehen und sieht echt abgemagert aus. Und mir auch. Ich vermisse dich… Ich will dir auch hier keine Schuld aufhalsen. Aber wir machen uns alle echt unglaubliche Sorgen um dich. Veronika hat mir von deiner schwierigen Vergangenheit erzählt. Mit deiner Drogensucht und den Tod deiner Eltern. Ich hoffe, du hast dich nicht umgebracht, sondern nur einen neuen Lebensabschnitt angefangen. Ich… ich würde mir echt wünschen du wirst glücklich. Ich wünsche dir das echt. Wirklich… Naja wie dem auch sei. Ich weiß nicht, ob du die Nachricht jemals abhören wirst. Wenn ja, ich wünsche dir das Beste. Wenn Nein, dann wünsche ich dir trotzdem dasselbe. Du bist ein wundervoller Mensch.

Piep

Hey Anna. Weißt du was? Ich hasse dich.

Piep

Ähm Anna, hier ist Till. Till Lindemann. Veronika geht es echt schlecht. Sie… sie entwickelt gerade sowas wie eine Häkelsucht. Sie macht dauernd Figuren aus Disneyfilmen. Irgendwie macht mir das ständige Rumgehäkle Angst. Ihre Hände sind mit Blasen übersät und die springen immer auf, wenn sie die Häkelnadel wieder benutzt. Und sie blutet dabei. Ich weiß nicht was ich mit ihr anstellen soll… Wäre echt nett, wenn du antworten könntest oder so.

Piep

Hi Anna, hier ist Veronika. Ich hasse dich nicht. Es tut mir leid ich wollte das nicht so sagen, aber es kam einfach aus mir raus. Außerdem könnte es sein, dass ich stark alkoholisiert war. Egal, vergiss es einfach ja?

Piep

Ich bin´s nochmal, Till. Veronika hat mit dem Häkeln aufgehört und jetzt vertickt sie diese Figuren im Internet zu echt überteuerten Preise und irgendwelche Idioten kaufen ihr das auch noch ab. Wie dem auch sei… Ich habe nur gedacht, vielleicht interessiert dich das.

Piep

Richard hier. Anna ich weiß nicht wo ich anfangen soll… Ich, ich bin enttäuscht. Ich dachte wir hätten eine Zukunft, ich dachte alles wäre gut. Wie kannst du nur so egoistisch sein…

Piep

Sie hat wieder mit dem Häkeln angefangen.

Piep

Hey, ich bin´s Vroni. Ich schaffe es nicht, dir keine Nachrichten zu schicken. Es geht nicht, sonst häkel´ ich dauernd wie eine Bekloppte. Till hat letztens meine Häkelsachen angezündet und meinte, ich sollte mit dem Müll aufhören und endlich über dich hinwegkommen. Aber ich schätze ich kann das nicht… Auf jeden Fall nicht so gut wie Richard. Du bist jetzt mittlerweile schon über 1 Jahr verschwunden und er hat was mit einer Neuen am Laufen. Weißt du was? Ich kann es ihm gar nicht verübeln. Er versucht wirklich, über dich hinwegzukommen. Ich denke, er liebt sie. Er will zu ihr nach New York ziehen. Habe ich schon erwähnt, dass sie Bass spielt? In seiner Band? Wenn nicht, dann weißt du´s jetzt.

Piep

Hallo, dein Alex meldet sich auch mal wieder. Vielleicht interessiert dich, was in meinem Leben so abgeht. Also erstens, du fehlst. Du fehlst überall. Dein ansteckendes Lachen am Set, deine Kotzorgien im Auto… Zweitens, ich habe einen Freund. Ja du hast richtig gehört. Er heißt Josef. Und weißt du was das Tolle ist? Er ist Polizist. Mhm, ja da staunst du. Ich stehe auf Männer in Uniformen. Wie dem auch sei… Ich liebe ihn. Am Liebsten würde ich ihn heiraten. Aber genug von mir. Ich hoffe dir geht es gut. Es würde mich freuen, wenn du dich mal melden würdest…

Piep

Ich bin´s Vroni. Ich vermisse dich. Du bist jetzt schon solange weg… So lang, dass ich dich die letzten Monate fast vergessen hätte. Es tut mir so leid.

Piep

Uuuuund hier spricht nochmal Vroni. Ich kanns einfach nicht lassen. Heute sind es genau 2 Jahre seit deinem Verschwinden. Du hast mir zwar ein echt tiefes Loch in die Brust gerissen, aber mein Leben geht weiter.

Piep

Suprise suprise. Heute habe ich meinen zweiten Jahrestag mit Till. Ich wünschte, du wärst hier in Deutschland. Hier bei mir…

Piep

Hey, Anna. Ich bins Vroni. Schon wieder. Ich vermisse dich.



Ein dicker Kloß hatte sich in meinem Hals gebildet, während ich die Nachrichten abgehört hatte. Tränen liefen meine Wangen hinab, doch der kühle Wind der vom Meer her wehte trocknete diese noch auf meinem Gesicht. Mit dem Handrücken wischte ich über meine Augen und atmete einmal tief ein. Erst jetzt war mir bewusst geworden, wie ahnungslos ich alle zurückgelassen hatte. Doch ich hatte Angst, dass mich alle vor meinem Vorhaben hätte abhalten wollen. Damals hielt ich diesen stillen Abgang für die beste Methode. Ich hörte Schritte hinter mir. Meine Oma ließ sich neben mich auf den Steg fallen. Sie warf mir nur einen kurzen Blick zu und lenkte ihre Augen dann auf die offene See. Ihre knochige Hand griff nach meiner. „Hai ascoltato le notizie? (Hast du die Nachrichten abgehört?)“, fragte sie und richtete ihren Blick weiterhin starr nach vorne. Ihre krausigen grauen Haare flogen durch die Luft. „Sì. Loro me manco nonna. (Ja. Sie vermissen mich Oma.)“.

„Allora dovresti andare da loro. (Dann solltest du zu ihnen gehen.)“. Vorsichtig schaute ich sie von der Seite an. Ihre braunen Augen funkelten mich auffordernd an. Als Bestätigung drückte sie meine Hand und nickte mit dem Kopf in Richtung der Straße, die aus unserem kleinen Dorf hinausführte. „Ti voglio bene nonna. (Ich liebe dich Oma)“. Zum Abschied drückte ich ihr einen Kuss auf die Wange und umarmte ihren zierlichen Körper. Mir liefen wieder einige Tränen hinab. „Non piangere Anna. Vedrai che la tua vita cambierà. (Wein nicht Anna. Dein Leben wird sich ändern, du wirst sehen.)“. Ich schniefte und drückte sie nochmal an mich.
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