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Übersprungshandlung

GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Kriminaloberkommissarin Karin Gorniak Kriminaloberkommissarin Leonie Winkler
22.02.2021
16.03.2021
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22.02.2021 483
 
Ungewollt verkrampfte sich ihre Hand, die den Spüllappen hielt. Sie hätten das Radio anmachen sollen, den Fernseher, irgendetwas. Hintergrundgeräusche wären jetzt gut, um weiter so zu tun, als könne sie die beiden Männer im Esszimmer nicht hören. Als würde sie einfach nur hier stehen und den Abwasch machen. Als würde sie /nicht/ hören wie ihr Vater über sie redete.

Plötzlich wünsche sie sich, doch mehr von dem uralten Rotwein getrunken zu haben, den er eigens für sie auf den Tisch gestellt hatte - er trank ja nur Bier.
Ihr Vater.
Nein, anderes Thema.
Konzentriert wandte sie sich dem Teller zu, den sie minutenlang geistesabwesend unter den Wasserstrahl gehalten hatte.

„Otto, die ist auch dein Kind!“
Flüstern war nach dem dritten Bier wohl auch etwas schwierig, zumindest drang jedes Wort aus dem Esszimmer problemlos zu ihr. Wunderbar.
Es brauchte kein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen, um vor ihrem geistigen Auge zu sehen, wie ihr Vater auf diesen Vorwurf hin mit den Schultern zucken würde. Sicher, sie war sein Kind. Ob er wollte, oder nicht.

Und Otto Winkler wollte nicht.

„Ich bin gleich wieder da, ich muss nur kurz…“ Eine vage Handbewegung Richtung Haustür während sie an der Garderobe nach ihrem Mantel griff. Das Geschirr unbeachtet in der Spüle zurückgelassen, wo ihre Mutter sich sicherlich über die Unordnung beklagen würde.  Wasser spritze nun einmal, wenn einem Teller aus den Fingern glitten, weil diese unkontrolliert zu zittern begonnen hatten.

Sollten sie doch weiter über sie reden, als wäre sie nicht da.
Die Tür fiel hinter ihr mit einem beruhigend lautem Knall ins Schloss, die Stimmen aus dem Esszimmer jetzt endlich nicht mehr hörbar.
Aber kalt war es hier draußen. Egal.
Mit fahrigen Händen durchsuchte sie die Taschen ihrer Jacke, bis sich ihre Finger um die vertraute Form einer Zigarettenpackung schlossen.
Leonie Winkler rauchte nicht.
Besser: Leonie Winkler rauchte nicht, außer sie befand sich in emotionalen Ausnahmesituationen.

Mit den Augen verfolgte sie die Rauchwolke, die sie Richtung Himmel pustete. Beruhigend, irgendwie.
Ihre freie Hand schob sich in die Jackentasche, um wenigstens ein bisschen Restwärme zu bewahren - sie hatte nicht vor, hier draußen zu erfrieren. Dabei stießen ihre Finger an den Rahmen ihres Handys, das sie, als sie das Haus ihres Vaters betrat, höflicherweise in der Jacke zurückgelassen hatte. Damit es nicht hieß, sie arbeite zu viel und könne sich nicht auf Gespräche einlassen. Tja.

Bevor sie über die eventuelle Dummheit nachdenken konnte, die sie da gerade beging, zog Leo es aus der Tasche und tippte mit vor Kälte protestierenden Fingern auf das Telefon-Symbol. Entweder sie suchte sich einen Vorwand, noch länger hier draußen zu bleiben, oder ihre Mutter würde sie in spätestens zwei Minuten freundlich aber bestimmt wieder nach drinnen bitten, das wusste sie.

Eine Dummheit war das hier trotzdem.

Man rief spät abends, besonders nach zwei Gläsern Rotwein, keine Kolleginnen an.

Nur leider sprach das unverkennbare Geräusch des Freizeichens an ihrem Ohr da eine ganz andere Sprache.
 
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