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Stets sind die Engel hell

OneshotDrama, Tragödie / P12 / Gen
22.02.2021
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Macduff reitet nach England auf der Suche nach einem Kopf, auf den er eine Krone setzen kann. Er findet einen König.

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Ein Gewitter folgt Macduff und seinem Pferd in den Burggarten. Der Mann, der flankiert von Wachen aus der Burg tritt, sieht der Wolkenwand entgegen als könne er sie mit dem Blick teilen. Schottische Dunkelheit so weit im Süden- sie folgt Macduff wohin er auch flieht.

„Mein Lord, Malcolm“ grüßt Macduff den  jungen Mann.  Der Prinz, Macduffs einzige Hoffnung, angeklagt des Hochverrats, nickt ernst. Prinz Malcolm sieht  nicht mehr aus wie das Kind, das die Hunde bei Hofe ganz gerecht füttern wollte. Er ist auch nicht mehr der Malmstrom aus Verzweiflung, der in der Mordnacht die Leiche seines Vaters zurückließ.
Es ist etwas Hartes an ihm- wie Klippen, von denen das Wasser zurückgetreten ist.  

Macduff sitzt ab, übergibt sein Pferd, lässt die Routine der Durchsuchung über sich ergehen. Entwaffnet tritt er vor den Prinzen.

Prinz Malcolm schüttelt seine Hand nicht. „Es wird dunkel.“ Sagt er und führt Macduff zu einer dichtbelaubten Eiche. Diener bringen ihnen Wein unter den Baum. Macduff zögert Bevor er trinkt.
Das Misstrauen ist für sie alle eine zweite Natur geworden. Selbst das Essen und das Trinken in diesem Land ist das des Verrats, seitdem McBeth König ist.


     Sie reden. Macduff  tanzt um das Loch, das in der Familie des Prinzen prangt- das Vakuum, dass das ganze Land aufzusaugen droht.  Sagt nicht: "Dein Vater war ein guter Mann". Stattdessen sagt er, Prinz Malcolm sehe aus, wie sein Bruder. Dabei trennt sie der Ernst.  Malcolm ist feierlicher als Donalban, der nach Irland geflohen ist, um ungerechter Strafe zu entgehen. Als wäre Irland nicht schon Strafe genug.

   „Lass uns weinen“ sagt Malcolm. Donalban, bemerkt Macduff mit Verdruss, ist nicht der einzige flüchtige Prinz. Es gibt viele Arten, ein Volk im Stich zu lassen.
Er sagt zu Malcolm: „Dafür ist keine Zeit. Schottland weint. Witwen, Waisen, Mütter deren Kinder starben- sie alle weinen. Unser Los ist es, zu kämpfen. Ich bin hier um euch heimzuholen- den rechtmäßigen König.“

Malcolms Blick ist eine Zurechtweisung. Ganz der Sprössling einer uralten Linie von Gebietern.
Er sagt:
„Ich glaube was ich sehe und höre. Um zu kämpfen muss ich erst Freunde finden. Macbeth war euer Freund- bevor er uns alle verraten hat.  Euch hat er nichts getan. Was wäre ein besseres Geschenk an euren Freund, als der Prinz der  ihm entfloh?“

Die hohe Stirn des Prinzen erinnert Macduff an lustwandelnde Knaben auf Gemälden, an Alabaster und Sternenweißen Flieder. Er möchte all das Blut darauf schmieren, in dem Schottland ertrinkt- jetzt, in ihrem Rücken.  
Malcolm lächelt melancholisch:
„Wäre ich nicht das perfekte Opferlamm, um Macbeth zu besänftigen?“

Macduff nimmt seine Wut in Zaum. Eine Handlung, in der er Übung hat. So sagt er nur:
„Ich bin kein Verräter.“

Prinz Malcolm tigert um den Baum. Ein falscher Schritt und sein Gewand hinge im Tau.

„Ich weiß nicht ob ich euch trauen kann. Die Tugend des Menschensehens- Männer wirklich zu sehen, ist schwer. Ich glaube ich beherrsche sie nicht. Die Engel selbst strahlen hell und doch gab es Verrat unter ihnen. Der Engel der am hellsten leuchtete, ist gefallen.“

Macduff ist so müde. Es ist nicht der Ritt, der ihm in den Knochen steckt. Es ist jede Minute, seitdem der verfluchte  Goldreif der Krone Macbeths Kopf berührte. Das Land ist ein Reigen aus Schatten und Geistern, die sich über die Schulter umgucken und mit Schwertern zu ihrer Seite schlafen.
„Wenn ihr so denkt, mein Prinz, ist die Hoffnung verloren.“

Malcolm fragt: „Warum lässt du Weib und Kind zurück wenn du es mit dem Aufstand ernst meint? Sie schweben in Gefahr. Du solltest sie schützen.“

Fast hätte Macduff das Mitleid in Malcolms Blick geglaubt. Aber dieser Prinz vor ihm will lieber die Regeln einhalten, lieber unbefleckt sein, als mit eigenen Händen den Blutstrom zu stillen. Macduff fragt:
„Ihr wollt meine Bitte also nicht erwägen. Schottlands bitte. Ihr wollt nicht der König werden, zu dem Ihr geboren seid.“

Malcolm antwortet ihm: „Ich weiß, dass Schottland blutet. Ich weiß dass ich eine Armee anführen könnte und den Thronräuber töten. Aber danach würde eine neue Hölle über euch hereinbrechen.“

„Was meint ihr, Prinz?“

Es tritt ein morbides Funkeln in die Augen des Prinzen.
„Macbeth ist gegen mich ein Unschuldslamm. Der Unterschied zwischen ihm und mir ist nur, dass er einen Thon hat. Wenn ich erst einen habe, werdet ihr alle mich kennen. Das ganze Land wird mich kennen. Eine schwarze Saat, die jetzt noch in mir schläft wird aufgehen.“

Macduff trinkt. Der Wein schlägt hart hinten gegen seine Kehle „Tausend Höllen sind nicht so schlimm wie Macbeth.“


Wein schwappt über Macduffs Hand, als Malcolm mit ihm anstößt.
„Ich habe auch einmal diese Geschichte geglaubt, die Du dir da erzählst, Macduff. Dass wir Mächtigen das Beste für das Land wollen. Dass ein König für Gerechtigkeit sorgen wird, die Schwachen retten. Du behandelst mich wie einen weisen Mann. Wenn ich etwas kenne, dann Freuden. Ich will Reichtümer. Ich will das ganze Gold Schottlands haben und die Töchter auch.“

Macduff erstickt die Verzweiflung, die in ihm aufsteigt. Nicht alles ist verloren. Er ist nicht hier, weil er diesen Mann braucht. Er braucht die Massen, die ihm folgen. Prinz Malcolm. Ein Name und ein Gesicht.  Mag er hinter der blau geäderten Stirn perverse Fantasien hegen, wie es ihm beliebt.  Er ist es nicht, den Macbeth fürchtet. Macbeth fürchtet die Stimme im inneren jedes Schotten, die sagt dass der Thron Malcolms Recht ist.


„Also gut.“ Knurrt Macduff.
  „Ihr seid also ein Lüstling und gierig. Aber ihr habt andere Tugenden. Ihr seid kein Meuchelmörder wie der Tyrann. Eure Familie ist eine Linie edler Könige. Eure fromme Mutter betete jeden Tag Stundenlang und euer Vater war der Inbegriff des Herrschers.“

Malcolm lacht in den einsetzenden Regen.
„ Du irrst dich. Ich habe jede Sünde begangen die es gibt. Ich würde den Frieden aus purer Lust zerstören. Mein Edler Stammbaum? Meine Kniende Mutter, als erwarte sie jeden Moment geköpft zu werden für die Sünden ihrer Vorfahren. Mord, Totschlag, Jahrhunderte des Blutvergießens. Du kommst in einem Land voller Lügner zum Enkel von Tyrannen und sucht das seltsame Wunder, dass mein Vater war. Reite heim, Macduff. Versteck dich wo niemand dich findet.“

„Ein Mörder also.“ Wiederholt Macduff.

„Möchtest du trotzdem, dass ich regiere?“ fragt Malcolm.

Der Nachkomme der Königsfamielie brandmarkt sich selbst, lässt ihm nur eine Antwort. Macduff hat, wenn er ehrlich mit sich selbst ist, lange ein übles Ende kommen sehen. Das Ende der Welt, wie sie sie kennen. Er sollte bei seinen Kindern sein.

„Nein.“  Sagt er. Er bemerkt die Stille erst, als Malcolm sie mit einer Feststellung beendet.

„Ihr wollt mich nun doch nicht auf dem Thron. Nicht zu jedem Preis. Nicht, wenn ich ein Tyrann bin.“
Macduff schüttelt den Kopf.

„Also gut, ich beanspruche den Thron. Alles, was ich eben gesagt habe war gelogen.“

Macduff starrt Malcolm an.  Seine Jungenzüge offen und verletzlich unter dem verhangenen Himmel. Macduff versucht einen Riss in der Maske zu finden aber da ist nichts.

Malcolm sagt:
„Ich weiß jetzt, dass du redlich bist und will dich nicht länger prüfen. Ich würde niemals meine eigenen Wünsche über die des Volkes stellen.“

Macbeth und sein verdammter Goldreif und sein Blutmeer fühlen sich Welten entfernt an.

„Ich danke dir?“ fragt  Macduff.

„Komm, Macduff.“

Die Männer gehen durch den Regen in Richtung des Hauses. Die Wachen hängen sich an ihre Fährte, die Beschützer zweier Verschwörer.

„Jetzt bin ich es, der euch kaum glauben kann. Ihr werdet ein Heer gen Norden führen und König werden?“ Sagt Macduff.

Prinz Malcolm antwortet: „Ich habe bereits den alten Siward mit einer Tausendschaft vorausgeschickt, bevor du ankamst.“

Das Regenrauschen verebbt hinter ihnen, als sie die Burg betreten. Entfernter Hufschlag mischt sich hinein. Der Prinz stellt sich vor Macduff und wischt sich feuchtes Haar aus der Stirn. Er sieht aus wie sein Vater.

„Eine Sache, Freund.  Ich werde Herrscher sein, nicht König von deinen Gnaden. Du wirst durch mich keine Armee lenken. Nicht deine Kinder werden die Krone tragen. Schwörst du mir Treue?“

„Dein Reich komme.“ Macduff weiß nicht, wann er sich das letzte Mal so leicht fühlte.

Das ist der Moment, als Ross aus dem Regen hereinkommt.
 
 
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