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Dunkle Schatten - Helles Licht

von jolannasa
SammlungAllgemein / P16 / Gen
21.02.2021
30.11.2021
44
53.852
2
Alle Kapitel
55 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.11.2021 1.376
 
AU: James Potter geht zu einem Vorstellungsgespräch bei der Polizei

Anmerkung 1 in eigener Sache: Ja, ich bin zwei Tage zu spät und ja, ich habe es vergessen. Im Moment ist bei mir einfach vieles neu und ich muss mich erst noch einfinden. Deswegen hier das Versprechen: Das Kapitel kommt sicher einmal die Woche, möglichst Dienstags. Aber festlegen kann ich mich im Moment nicht. Deswegen entschuldigt heute nochmals die Verspätung.

Anmerkung 2 zur Geschichte: Ihr seht vielleicht im Inhaltsverzeichnis (Anfang) bei den nächsten Geschichten das AU vor dem Inhalt. Das ist kein Zufall, denn die nächsten Geschichten stammen alle aus einer Sammlung mit dem Titel „Erinnerungen an den kommenden Krieg“, die auf dem alternativen Universum basiert, das hier unter dem Kapitel „Harry Potter, ein besonderer Stein und die Hoffnung der Zaubererwelt“ schon einen Auftritt hatte und in dem nur Lily Potter starb, James Potter jedoch überlebte. Die Handlung beginnt mit diesem Oneshot, der im März 1982 angesiedelt ist…

"Mister Potter", sagte die Frau und rückte ihre Brille zurecht. Ein wenig erinnerte sie James an seine alte Professorin Minerva McGonagall. Aber im Gegensatz zu ihr trug die Frau keinen Hexenhut und keinen Smaragdgrünen Umhang. Stattdessen hatte sie keine Kopfbedeckung, was in dem geschlossenen Raum vermutlich auch unhöflich gewesen wäre und das dunkelblaue Kostüm stand ihr recht gut. Nicht das James darauf achtete, er hatte immer nur auf eine Frau geachtet und die war nicht mehr da.
"Warum wollen sie Polizist werden?".

'Weil ich meine Frau nicht beschützen konnte. Weil sie mir vertraut hat und ich sie nicht beschützen konnte. Weil ein Mann, von dem ich dachte er wäre mein Freund, uns verraten hat. Jetzt bin ich allein mit unserem Sohn und auch wenn ich theoretisch nicht arbeiten müsste, so kann ich auch nicht den ganzen Tag Zuhause sitzen, ohne sie. Außerdem wäre es auch sonst nicht richtig nicht arbeiten zu gehen. Was soll ich sonst machen?
Mein ganzes Leben ist in einer Nacht zerstört worden. Der Sinn ist verloren gegangen und nun muss ich mit der Leere leben. In meinen alten Beruf kann ich nicht zurück, denn da würde mich alles an sie erinnern. Das war vor dem Krieg, vor dem Schrecken und den Monaten des Versteckens.
In mein Altes Leben kann ich nicht mehr zurück, denn das gibt es ohne sie nicht mehr. Aber da ist unser Sohn und der soll eine Schöne, eine glückliche Kindheit haben. Wie soll das gehen, wenn überall die Leute über uns reden? Wird er sich nicht irgendwann fragen, ob das was die Leute sagen stimmt? Er ist das Einzige von ihr, was mir geblieben ist und das, was mich am Leben hält. Deswegen konnte ich nicht bleiben und habe mir ein Zeugnis besorgt, sobald das Ministerium irgendwie wieder auf Stand war. Doch genommen haben sie mich nirgends, nicht mal in der Bohrmaschinenfirma meines Schwagers. Also bin ich hier. Weil ich Auror bin und Auror das ist, was ich kann und Polizist nun mal eine nicht magische Variante ist. Ich weiß, dass niemand von ihnen weiß, was in den letzten Monaten los war, aber sie sollten glücklich darüber sein es nicht zu wissen, denn ich weiß es und irgendwo in mir steckt vielleicht immer noch der Widerstandskämpfer. Vielleicht kann ich mir damit doch eine neue Zukunft aufbauen'. Das alles war die Wahrheit, aber James sagte sie nicht. Niemand wollte je die Wahrheit hören. Nicht die komplette, schonungslose, schreckliche. Allen reichten Teile und dieser Frau würde sogar weniger reichen, denn sie hatte keine Ahnung.

"Ich dachte eigentlich immer, dass es mich irgendwann zur Polizei verschlägt. Meine Eltern waren in diesem Bereich tätig und ich habe sie immer bewundert. Ich denke, dass Polizisten einen wirklich wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten und ich möchte meinen Teil dazu beitragen". Das war auch die Wahrheit. Es war ein Teil von dem, was er damals gesagt hatte, als er sich für die Lehrstelle als Auror beworben hatte. Damals waren sie gerade aus Hogwarts draußen gewesen. Der Krieg hatte sie noch nicht eingeholt und Sirius und er hatten die ganze Zeit im Wartezimmer Späße gemacht, bevor sie hereingerufen worden waren. Zwei Wochen danach hatte man Tamina Waselevska tot aufgefunden. Die Muggelstämmige war bei ihnen im Jahrgang gewesen. Ihre Familie war vor den Nazis nach Großbritannien geflohen, wo sie die Nazis der Zaubererwelt erwischt hatten. So hatte es Remus zumindest gesagt und Peter, dessen Verrat ihn immer noch schmerzte, hatte stumm dabei gesessen. Damals hätte James nicht gedacht, wie schlimm es werden könnte. Es war ein Fall gewesen, dann waren es plötzlich viele und dann war der Krieg vorbei und James stand vor einem Scherbenhaufen und wusste nicht mehr weiter.

Die Frau notierte sich etwas auf ihrem Klemmbrett. Mitarbeiter, die für die Besetzung offener Stellen verantwortlich waren, brauchten immer Klemmbretter. Das hatte James inzwischen gelernt. Einer hatte auch einen Computer gehabt, aber bei diesen Geräten wussten die Muggel selbst noch nicht wirklich, was sie davon halten sollten, er als Zauberer schon gleich zweimal nicht.
"Und was haben sie nochmal vor ihrer Bewerbung bei uns gemacht?", fragte die Frau nun und klang sogar mäßig interessiert. Vermutlich waren die meisten Bewerber direkt nach ihrem Schulabschluss gekommen. Bei ihm hatte es noch fast vier Jahre gedauert.

'Ich habe eine Ausbildung in meinem Traumjob angefangen und abgebrochen um mich dem Widerstand gegen einen gefährlichen dunklen Zauberer anzuschließen. Dort habe ich unter Gefahr für mein Leben geholfen zu retten, was zu retten war.
Ich habe die Frau meiner Träume geheiratet und mit ihr einen Sohn bekommen.
Ich habe mich mit meiner Familie vor dem schlimmsten dunklen Zauberer der Geschichte versteckt, dessen Namen niemand aus Angst ausspricht. Ein Freund hat uns verraten.
Ich habe meine Frau verloren und den Sinn, den mein Leben zuvor gemacht hat. Das habe ich zuvor gemacht'. Natürlich sagte James nichts davon. Die Wahrheit war nicht wichtig und das Ministerium würde es wohl nicht sehr gerne sehen, wenn er das Geheimhaltungsstatut bräche.
"Ich war für die Army in Nordirland. Als meine Frau starb bin ich zurück nach England um mich um unseren Sohn zu kümmern und dachte es wäre nun Zeit meinen Kindheitstraum zu verfolgen". Sein Kindheitstraum war zerplatzt wie eine Seifenblase, spätestens am 31. Oktober des letzten Jahres, als er nach Hause gekommen war und Lily nicht mehr lebte. Allein der Gedanke an sie tat so unglaublich weh und doch war er immer da. Es war der erste Gedanke, wenn er erwachte, der letzte wenn er einschlief. An ihrer Beerdigung hätte er sich gerne betrunken, aber da war Harry und auch Harry hatte sie verloren. Deswegen hatte er keinen Alkohol angerührt. Weil es Harry gab und er nicht noch ein Elternteil verlieren sollte.

Die Frau notierte wieder etwas auf ihrem Klemmbrett, sie wirkte immer noch wie Professor McGonagall. Vielleicht sollte er seiner ehemaligen Verwandlungslehrerin ein Klemmbrett zu Weihnachten schenken. Ob sie sich darüber freuen würde? Ob sie überhaupt wollte, dass er ihr etwas schenkte? In den letzten Monaten war er nicht unbedingt nett gewesen.

"Ihre Noten sind ausreichend, ihre Testergebnisse außerordentlich gut, sie haben keine Vorstrafen und so wie es hier steht auch keine finanziellen Probleme. An ihrem psychischen Zustand gibt es noch Arbeitsbedarf, aber der Psychologe meint, dass sei so kurz nach dem Tod ihrer Frau normal. Ich muss gestehen, ich war wirklich neugierig auf ihre Person". Die Frau hob den Blick und schaute ihn direkt an. Sie war jünger als Minerva, vermutlich war das aber auch nicht so schwer. Ihr Blick war jedoch ungefähr derselbe. Nur war er nicht vom Krieg verändert. Vielleicht hatte Minerva McGonagall auch so geschaut, als sie noch jünger gewesen war. Ein seltsamer Gedanke. Außerdem, was sollte diese Ansprache? Brachte sie ihm gerade schonend bei, dass er den Ausbildungsplatz nicht bekommen würde?

"Nachdem ich mit ihnen gesprochen habe teile ich die Einschätzung des Psychologen, sie werden wieder auf die Beine kommen". Nun legte die Frau das Klemmbrett zur Seite und erhob sich leicht.
"Die endgültige Entscheidung wird in den nächsten Tagen getroffen, aber sie werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen der Plätze bekommen". James wusste nicht, ob er traurig sein oder sich freuen sollte. Er fühlte sich nur leer.

Und nächstes Mal:

Rückblick

AU: Sirius Black muss eine Therapie machen
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