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Once A Wildcat, Always A Wildcat

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Gabriella Montez Troy Bolton
21.02.2021
08.05.2021
10
37.040
1
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04.05.2021 3.076
 
Troy blieb noch, nachdem die Schüler die Aula verlassen hatten, und half Sharpay, ihre Zettel zu suchen. Sie lächelte ihn an.

„Danke, dass du das mitgemacht hast.“

„Auch wenn du mir fast keine andere Möglichkeit gelassen hast?“ Troy fuhr sich durch die Haare. „Aber ich hatte echt Spaß mit dir … auf der Bühne!“

Sharpay lachte.

„Das hat man dir angesehen. Du solltest öfter singen.“

Troy schüttelte energisch den Kopf und ordnete einen Stapel Papier.

„Ne ne, ich hab mich für Basketball entschieden.“

„Das hattest du schon mal, hielt nicht lang an.“

Troy warf ihr einen perplexen Blick von der Seite zu.

„Hey, nicht frech werden!“

„Ich sag’s nur, wie es ist“, erwiderte Sharpay. „Miss Darbus war ja nicht die Einzige, die gesehen hat, wie gut du auf die Bühne passt.“

„Ich hab hier ja auch Spaß, aber auf einer Bühne muss ich im Moment nicht unbedingt stehen.“

„Zu viel Aufmerksamkeit?“

Troy nickte.

„Ich bin so froh, dass ich gerade nicht in LA bin.“

Sharpay sah ihn mitfühlend an.

„Das kann ich mir vorstellen. Ist nicht immer so toll, im Rampenlicht zu stehen.“

„Es ist der größte Scheiß!“, platzte Troy unvermittelt heraus. „Ich will doch einfach nur Basketball spielen!“

„Hast du jemals einfach nur so gespielt?“

„Ja natürlich, bei den Wildcats –“ Troy hielt inne und blickte sie nachdenklich an. „Wobei, wenn du so fragst…“

Sharpay grinste.

„Hier hast du es immer genossen, der Basketballstar zu sein.“

„Weil ich so die High School überlebt hab. Über die Basketballer macht sich keiner lustig.“

Sharpay schloss die Aula ab. Gemeinsam liefen sie Richtung Parkplatz, während die Sonne die East High in ein warmes Licht tauchte. Sharpay blinzelte und setzte ihre Sonnenbrille auf. Im ersten Moment wirkte sie damit so unnahbar wie als Schülerin, aber ihre nächsten Worte ließen Troy anders denken: „Was für einen Druck wir uns damals alle gemacht haben.“

Er nickte.

„Und wie ich dachte, dass alles von diesen Pokalen abhängt. Ich hab so viel dafür gegeben.“

„Für dich war es ja auch wichtig“, bestätigte Sharpay ihn. „Und du hattest mit deinem Dad mehr Druck als andere.“

„Das haben mir immer alle gesagt, aber ich wollte es auch so. Profi-Basketballer zu werden, war immer mein Traum.“

Sharpay legte den Kopf schief.

„Und wie fühlt sich der Traum jetzt an?“, wollte sie wissen.

„Anstrengend“, rutschte es Troy heraus. „Versteh mich nicht falsch, ich liebe es dafür bezahlt zu werden, dass ich Basketball spiele, aber das Drumherum ist so anstrengend. Warum interessiert es irgendwen, wo ich mit meiner Freundin Essen gehe?“

Sharpay nickte nachdenklich. Sie blickte an ihm vorbei auf den Parkplatz.

„In New York hatte ich oft das Gefühl, dass ich gar kein Privatleben mehr hatte. Überall waren Kameras.“

„Wem sagst du das?“, seufzte Troy. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen das Auto seines Dads, machte aber keine Anstalten einzusteigen. „Man kann sich nicht mal in Ruhe trennen.“

„Wie geht es dir damit?“ Sharpay ließ sich auf der kleinen Mauer nieder. „Also, nur wenn du mit mir darüber reden willst natürlich.“

„Ich hab echt keine Ahnung“, gab Troy zu. „In meinem Kopf ist so viel los, ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll.“

„Bei dem Gefühl, das allem zugrunde liegt“, riet Sharpay ihm. „Und von da aus arbeitest du dich weiter durch.“

Troy betrachtete sie lange. Die Augen hinter der Sonnenbrille versteckt, den Kopf in den Nacken und die Beine elegant übereinander gelegt, hätte Sharpay auch immer noch ein Filmstar sein können, der nicht erkannt werden wollte. Äußerlich hatte sie sich seit ihrer Schulzeit kaum verändert, aber ihre Nähe hatte jetzt eine andere Wirkung auf Troy. Sie wirkte so in sich ruhend.

„Was hat dich aus New York vertrieben?“, fragte er ziemlich direkt.

Sharpay wich seiner Frage nicht aus, aber sie zuckte merklich zusammen.

„Mein damaliger Freund“, antwortete sie überraschend leise.

Sofort bekam Troy ein schlechtes Gewissen. Er wusste so gut wie jeder andere wie weh es tat, alte Wunden aufzureißen.

„Du musst nicht –“

„Doch. Piedro und ich haben zusammen Chestnut Trees gedreht und ich war so verliebt in ihn.“

Troy hatte die Romantikkomödie vor ein paar Jahren im Kino gesehen, hauptsächlich weil er mitbekommen hatte, dass Sharpay darin mitspielte. Die Rolle war ihr auf den Leib geschrieben worden: eine junge Frau aus gutem Hause, die so weit nach oben wie möglich wollte.

„Piedro hatte alles, was ich wollte“, fuhr Sharpay fort. „Das Talent, das Aussehen, die Berühmtheit. Und dann hat er mich ausgesucht und ich dachte, wir wären das perfekteste Paar der Welt. Bis er mir gesagt hat, dass ich die Persönlichkeit eines Pappkartons habe.“

„Was?“

Troy starrte sie entsetzt an.

„Nein, er hatte schon Recht“, winkte Sharpay ab. „Ich wollte unbedingt berühmt werden, aber mehr hatte ich nicht zu bieten. Ich war damals kein besonders interessanter Mensch zum Daten.“

„Aber du hast so viel Persönlichkeit!“, widersprach Troy ihr. „Du hattest immer so viel Ehrgeiz und Disziplin und hast es geliebt, auf der Bühne zu stehen. Du hast so für deine Ideen gebrannt und warst mit so viel Leidenschaft dabei!“

„Es ist sehr süß, dass du das sagst, Troy“, sagte Sharpay mit einem leichten Lächeln. „Ich hab seitdem sehr an mir gearbeitet.“

„Das merkt man.“

„Ja?“

Troy nickte nur. Sharpay grinste und lehnte sich zurück, reckte das Gesicht in die Sonne.

„Weißt du, seit ich hier mit den Kids arbeite, ist es das, was ich weitergeben möchte“, sagte sie nachdenklich. „Dass du du selbst sein kannst. Dass du das machen sollst, was dich interessiert. Ohne dass dich jemand einschränkt. Das soll das Theater ihnen zeigen.“

Troy lächelte bei ihren Worten und dachte zehn Jahre zurück.

„Dass man Basketball und Singen mögen kann.“

Sharpay nickte.

„Oder Singen lieben und im Business erfolgreich sein.“

„Basketball spielen und intelligent sein“, lachte Troy, aber Sharpay legte den Kopf schief.

„Ich dachte immer, dass das mal deine und Gabriellas Kinder sein würden“, sagte sie vorsichtig.

Troy starrte sie an.

„Wir sind –“

„Getrennt, das weiß ich.“ Sharpay biss sich auf die Lippe. „Ich möchte nicht zu weit gehen, aber du liebst sie immer noch, oder? Deine Augen haben so geleuchtet, als ich sie letztens erwähnt hab.“

Troy lief ein Schauer den Rücken hinunter. Er räusperte sich.

„Sie hat einen Freund. Wir haben uns jetzt sechs Jahre kaum gesehen und ich finde es einfach schön, wieder mit ihr zu reden. Mehr nicht.“

Seine Stimme klang fest, aber in seinem Inneren rumorte es. Sharpay sagte fast das Gleiche wie Chad, aber sie beide hatten nicht Recht. Er war einfach froh, Gabriella wiederzusehen und einigermaßen normal mit ihr reden zu können, und sie kannten einander so lange und so gut, dass sie einfach vertraut miteinander umgingen, aber das hieß nicht, dass sie noch Gefühle füreinander hatten! Oder?

„Das werden Chads und Taylors Kinder sein“, fiel ihm plötzlich auf.

Sharpay blickte ihn verwirrt an.

„Was?“

„Die Kinder, die Basketball lieben und super intelligent sind.“

„Oh! Ja, das passt. Warte – Chad und Taylor haben Kinder? Und sind noch zusammen?“

„Ja, wusstest du das nicht?“ Troy zog sein Handy aus der Tasche und zeigte ihr ein Foto von Ruby und Maya. „Zwei großartige Mädels.“

„Wie süß“, sagte Sharpay, aber ihre Körpersprache hatte sich von einem Moment auf den anderen verändert. Sie ließ ihre Haare ins Gesicht fallen, senkte den Blick und verschränkte die Arme. „Ich … hab eigentlich keinen Kontakt mehr mit irgendwem aus der High School, Troy.“

„Oh.“ Troy hatte keine Ahnung, wie er auf diese Aussage reagieren sollte. In Sekundenbruchteilen wurde ihm klar, dass Sharpay wahrscheinlich nie eine Freundschaft wie er und Chad gehabt hatte, dass niemand sie so von Herzen unterstützt hatte wie Taylor Gabriella. Er wollte eine Hand ausstrecken, aber Sharpay war schon aufgesprungen.

„Ich muss langsam los, bis dann, Troy!“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln.



***



Taylor und Gabriella hatten sich zum Abendessen verabredet und ausnahmsweise war es nicht Taylor, die zu spät kam, sondern Gabriella. Mit einem entschuldigenden Lächeln huschte sie ins Restaurant, warf ihre riesige Handtasche auf den freien Stuhl und drückte Taylor ein Küsschen auf die Wange.

„Es tut mir Leid, dass ich so spät bin, unser Versuch hat so lange gedauert! Erst war Lydia weg, während ich mit Troy geübt hab, und dann kam sie ewig nicht wieder und dann hat der Versuch natürlich viel länger gedauert, als wir dachten, aber –“

„Alles gut, hol erstmal tief Luft“, winkte Taylor lächelnd ab. „Ich finde es sehr beruhigend, dass auch andere Leute mal zu spät kommen.“

„Sorry“, sagte Gabriella nochmal, setzte sich und strich sich die langen Haare aus der Stirn. Ihre Augen leuchteten aufgeregt, beflügelt von den Erfolgen ihres Versuchs und dem Gedanken, dass sie und Lydia bei dem Forschungswettbewerb eine echte Chance hatten. „Aber wie geht es dir?“

„Alles bestens“, erwiderte Taylor. „Ich hab die Hoffnung, dass wir endlich das Grünflächengesetz durchkriegen in den nächsten Wochen!“

„Das wär ja klasse!“

„Ja, wird auch Zeit.“ Taylor seufzte. „Das dauert schon viel zu lange. Als wenn wir noch eine zweite Welt im Keller hätten. Was möchtest du essen?“

Der Kellner hatte sich unauffällig zu ihrem Tisch gesellt und bedachte Gabriella mit einem deutlich weniger unauffälligen Blick. Sie schien es nicht zu bemerken, aber Taylor runzelte die Stirn.

„Wie geht es Martin?“, fragte sie schnell, während Gabriella noch die Menükarte studierte.

Verwundert blickte sie auf.

„Ganz gut, warum? Wir arbeiten beide gerade viel und er muss morgen los nach Tucson bis Freitag und ich freu mich schon, wenn wir dann das Wochenende ganz für uns haben. Eine Cola und eine große Margaritha, bitte“, sagte sie an den Kellner gewandt und blickte dann wieder direkt zu Taylor, die ein Nudelgericht bestellte.

„Er hat dich angestarrt“, erklärte Taylor leise, als der Kellner außer Hörweite war.

„Oh.“ Gabriella verdrehte die Augen, aber schon einen Augenblick später lächelte sie wieder. „Genau, also Martin ist bis Freitagabend weg und schafft es dann nicht mit zum Konzert, aber ich hab Troy gefragt, ob er mitkommen will, das ist doch auch gut, oder? Chad freut sich sicher!“

„Warte, was?“ Taylor starrte sie überrascht an.

Gabriella blickte verunsichert.

„Keine gute Idee?“

Zum Glück kamen in diesem Moment ihre Getränke, was Taylor eine Sekunde zum Nachdenken gab.

„Doch, klar, Chad freut sich auf jeden Fall. Aber nochmal: Troy übt irgendwie mit dir deinen Vortrag und er kommt mit zum Konzert und das, obwohl ihr in den letzten Jahren kaum ein Wort miteinander gesprochen habt?“, rekapitulierte sie.

Gabriella nickte.

„Ich glaub, wir sind mittlerweile beide über die Trennung hinweg, wenn du das meinst.“

Taylor zog die Augenbrauen hoch.

„Und es war einfach schön, ihn wiederzusehen“, fuhr Gabriella schnell fort. „Troy ist ein toller Mann und ich bin froh, dass wir wieder miteinander reden können.“

„Das will ich gar nicht abstreiten, aber kommt dir das nicht selbst etwas komisch vor? Was sagt Martin denn dazu?“

„Was soll er sagen?“

„Naja, er ist Physiker, du könntest genauso gut mit ihm deinen Vortrag üben. Ich bezweifle stark, dass Troy Ahnung davon hat.“

„Darum geht’s doch gar nicht, er hilft mir einfach nur, mich bei der Präsentation wohler zu fühlen. Troy kennt mich doch auf der Bühne und weiß, wie unsicher ich bin, wenn ich vor Menschen sprechen muss, und er war halt einfach da und hat seine Hilfe angeboten, da wusste Martin noch gar nichts davon, dass ich den Vortrag halten muss“, stammelte Gabriella und wurde mit jedem Wort unsicherer.

„Weiß er denn, dass Troy dir hilft?“

Gabriella lief rot an. Sie senkte den Blick.

„Nein, weiß er nicht“, gab sie zu. „Er weiß überhaupt nicht, dass Troy und ich wieder Kontakt haben, und er weiß auch nicht, dass wir mal zusammen waren, nur, dass wir uns kennen. Zufrieden?“

Ihr Ton war zum Ende hin etwas schärfer geworden. Taylor griff die Hand ihrer Freundin und drückte sie leicht.

„Ich wollte dich nicht ärgern“, sagte sie leise. „Ich wundere mich nur, dass du und Troy plötzlich so schnell wieder zueinander gefunden habt. Bist du dir sicher, dass es nicht vielleicht doch alte Gefühle sind?“

„Ich liebe Martin“, erwiderte Gabriella sofort. „Nicht Troy. Aber es ist schön, ihn wieder hier zu haben. Vielleicht klingt das komisch, aber es kann ja nicht jeder so eine perfekte Beziehung wie du und Chad haben.“

Die letzten Worte waren ihr unabsichtlich rausgerutscht. Taylor blickte sie überrascht an und schüttelte dann den Kopf.

„Unsere Beziehung ist alles Andere als perfekt.“

Gabriella hielt inne, als sie Taylors Tonfall bemerkte.

„Was ist los?“, fragte sie besorgt, denn Taylor hatte überhaupt nicht glücklich geklungen.

„Ach, gar nichts“, winkte Taylor schnell ab, aber jetzt war es an Gabriella nachzuhaken.

„Doch, es ist was. Bist du nicht glücklich mit Chad?“

„Ich liebe Chad über alles, gar keine Frage, aber…“

Taylors Zögern ließ Gabriella erstarren. Ihre Freundin war gerade dabei, ihr ganzes Weltbild auf den Kopf zu stellen. Gabriella hatte immer angenommen, dass Taylor und Chad die glücklichsten Menschen der Welt sein müssten. Sie liebten einander, ließen keinen Zweifel an ihrer Beziehung, hatten zwei wunderbare, gesunde Kinder und Chad unterstützte Taylor so sehr darin, dass sie ihrer Berufung nachgehen konnte.

Gabriella konnte sich kein schöneres Leben vorstellen.

„Ich schätze, nach außen sieht es vielleicht gut aus“, sagte Taylor nachdenklich. „Mit Maya und Ruby und dem Haus und meinem Job, das wirkt sicher sehr fortschrittlich … aber es ist nicht einfach. Es ist sogar verdammt schwer. Ich habe Tage, da sehe ich meine Familie kaum, weil ich so viel arbeite. Und auf der Arbeit muss ich mich genauso beweisen. Ich krieg fast jeden Tag zu hören, dass ich als schwarze Frau ja gar nicht so gut sein kann wie die weißen Männer, und gleichzeitig muss ich darum kämpfen, dass sie mir nicht meine Ideen klauen und als ihre eigenen verkaufen, weil ihnen nichts einfällt. Und dann komm ich nach Hause und Maya und Ruby schlafen schon und ich hab sie nicht gesehen und dann hab ich Chad den ganzen Tag mit ihnen allein gelassen und er sieht dann manchmal so fertig aus und trotzdem hat er für mich Abendessen gekocht und ich hab keine Möglichkeit, ihm das irgendwie zurückzugeben, und er gibt sich so viel Mühe und dann versuche ich schon immer irgendwie Zeit freizuschaufeln, die er für sich hat, und dann hab ich Maya und Ruby und … Hilfe, Gabriella, es ist manchmal so schwierig mit ihnen! Ich hab das Gefühl, dass Chad sie so viel besser kennt als ich, und dann frag ich mich, ob ich eine schlechte Mutter bin, weil sie bei mir so viel weinen und weil ich nie genug Zeit für sie habe, und auch nicht für Chad und ich hab Angst, dass ihm das irgendwann mal zu viel wird, dass er nicht immer mit Maya und Ruby zu Hause sitzen will, sondern sich selbst verwirklichen will, und manchmal frag ich mich, ob wir das alles so richtig gemacht haben mit den Kindern und uns.“

Die Worte waren aus ihr herausgepurzelt ehe sie sie zurückhalten konnte. Gabriella blickte sie erschrocken an. Diese Zweifel kannte sie von Taylor nicht. Sie hatte nicht gewusst, dass ihre Freundin so unsicher sein konnte. Und gleichzeitig wusste sie ja auch, dass Chad einen Verlobungsring gekauft hatte.

„Möchtest du meine Meinung hören oder willst du dich erstmal aussprechen?“, fragte sie behutsam.

Taylor seufzte.

„Manchmal denke ich, dass wir das alles falsch gemacht haben.“

„Taylor, atme tief durch.“ Gabriella legte ihre Hand auf Taylors. „Du bist die stellvertretende Bürgermeisterin von Albuquerque, hast eine wunderbare Beziehung zu Chad und zwei atemberaubende Kinder. Was könnte denn besser sein?“

„Ich habe einfach das Gefühl, dass ich irgendwas verpasst habe.“

„Was denn?“

Taylor zuckte hilflos mit den Schultern.

„Du weißt, wie viel ich für die Uni getan hab und vielleicht hätte ich mir stattdessen mehr Zeit für Chad nehmen sollen. Vielleicht hätten wir unsere Freiheit genießen sollen, bevor Ruby und Maya gekommen sind. Und jetzt hab ich das Gefühl, dass ich viel zu wenig Zeit mit ihnen verbringe und Chad zu viel aufhalse –“

„Ich glaube, Chad ist sehr glücklich mit den Zwillingen und dir“, unterbrach Gabriella sie. „Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, wirkt er so zufrieden.“

„Das sagt er mir auch immer, aber ich hab Angst, dass er mir vielleicht nicht alles erzählt, weil er das Gefühl hat, mir damit noch mehr Arbeit zu machen.“

„Du wirkst jetzt schon so, als würdest du dir viele Gedanken darüber machen.“ Gabriella blickte sie nachdenklich an. „Was hältst du davon, wenn ich mir die Tage mal Ruby und Maya schnappe und du nimmst dir mit Chad mal richtig Zeit für euch?“

Taylor blickte sie hoffnungsvoll an.

„Würdest du das wirklich machen?“

„Natürlich, wofür bin ich denn Patentante und deine beste Freundin?“, lachte Gabriella und drückte Taylors Hand fest.

„Du bist vor allen Dingen ein Schatz!“, sagte Taylor deutlich erleichtert.

„Ich mach alles für dich, Tay“, versicherte Gabriella ihr. „Aber wenn ich dir etwas sagen kann, ich bin mir sicher, dass Chad dich über alles liebt.“



***



Am Freitagnachmittag traf Ryan in Sharpays Wohnung ein, damit sie sich beide für Kelsis Konzert fertigmachen konnten. Während Sharpay sich ihre Haare glättete, gelte Ryan seine in die Höhe.

„Wie geht’s Nic?“, fragte Sharpay ihn.

„Richtig gut, er tanzt gerade eine Show in San Diego, die würde dir gefallen!“

Immer, wenn sie seinen Freund erwähnte, leuchtete Ryans ganzes Gesicht auf. Sharpay machte es überglücklich, ihn so zu sehen.

„Ich würde so gerne kommen, aber ich hab hier so viel zu tun mit Lava Springs und mit der Schule … die Kids sind so toll! Sie geben sich solche Mühe und die Arbeit mit ihnen lohnt sich so sehr!“, schwärmte sie.

Ryan drehte sich zu ihr um und richtete eine verirrte Strähne.

„Weißt du, Schwesterlein, jedes Mal, wenn ich dich so höre, denke ich mir, wie sehr du dich verändert hast.“

Sharpay blickte zu ihm auf. Ihre braunen Augen, seinen so unähnlich, strahlten.

„Danke dir, Ryan.“ Sie dachte an Troy. „Ich bin froh, dass ich diesen Weg eingeschlagen hab.“

„Das merkt man dir auch an. Du wirkst viel ruhiger.“

Sharpay lachte.

„Im Sinne von: Ich lasse dich jetzt ausreden?“

„Das auch“, grinste Ryan. „Aber ich hab auch endlich was, worüber ich mit dir reden kann.“

Er hatte Recht, in der letzten Zeit hatten die Zwillinge sich wirklich aneinander angenähert und Sharpay spürte, wie gut es ihr tat, Ryan als Ebenbürtigen zu sehen. Peinlich berührt erinnerte sie sich daran, wie sie ihn früher behandelt hatte. Es war einzig und allein Ryans gutem Herzen zuzuschreiben, dass sie überhaupt noch miteinander redeten.

„Ich bin froh, dass ich dich habe, Ry“, sagte sie leise.

Ryan legte die Arme um sie.

„Ich auch, Shar. Und jetzt lass uns Albuquerque zeigen, wer die am besten gekleidete Familie ist!“
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