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Once A Wildcat, Always A Wildcat

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Gabriella Montez Troy Bolton
21.02.2021
04.05.2021
9
33.803
1
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11.04.2021 3.019
 
Und wieder ein neues Kapitel ;) wenn alles gut läuft gibt es ab jetzt zwei mal pro woche eins!
Ich würde mich wirklich sehr, sehr freuen von euch eine rückmeldung zu bekommen und wenns nur eine kleine ist!

LG Jenni


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Sharpay lächelte ihn an und etwas an ihrem Lächeln war anders, als Troy es kannte. Er konnte nur nicht beschreiben, was es war.

„Sharpay! Schön, dich zu sehen! Was machst du denn hier?“, fragte er neugierig. „Und ein All-Star bin ich ganz sicher nicht.“

„Wenn man Direktor Matsui, deinem Dad und ungefähr allen Wildcats Glauben schenkt, dann schon“, lachte Sharpay und strich sich die schulterlangen, blonden Haare aus der Stirn, die sich wie ein Fächer um ihr Gesicht gelegt hatten. „Herzlichen Glückwunsch übrigens! Ich hab ja immer noch keine Ahnung von Basketball, aber selbst ich hab mitbekommen, dass es was ganz Großes ist, die NBA zu gewinnen.“

„Danke dir.“

„Um auf deine Frage zurückzukommen, ich bin Lehrerin hier – ich weiß, wer hätte das gedacht?“ Sie lachte wieder, als sie Troys entgeisterten Blick sah. „Du könntest wenigstens versuchen so zu tun, als ob das im Bereich des Möglichen läge!“

„Entschuldige.“ Troy fuhr sich verlegen durch die Haare. „Ich dachte nur, dass du … wolltest du nicht nach New York? Als Schauspielerin?“

Sharpay nickte.

„Ja, das war mein großer Traum. Und dafür lohnt es sich zu kämpfen, oder?“

Troy schwieg und dachte an seinen Basketball.

Sharpay fuhr etwas ernster fort: „Bist du merkst, dass es gar nicht so traumhaft ist und deine Stärken ganz woanders liegen. Dann hab ich angefragt, ob ich Miss Darbus‘ Assistentin werden kann, und als sie zum Halbjahr in Rente gegangen ist, habe ich ihre Stelle bekommen.“

„Herzlichen Glückwunsch. Die Kinder können sicher viel von dir lernen.“

„Ich hoffe doch“, lachte Sharpay. „Ich hab auf jeden Fall viel, was ich ihnen mitgeben möchte!“

Jetzt erkannte Troy, was ihm an Sharpay so fremd vorkam: Ihr Lachen war herzlich. Viel wärmer, als er es von ihr gewohnt war. Zum ersten Mal wirkte sie nicht, als wenn sie sich selbst darstellen wollte. Es war fast ein wenig unerwartet, aber schließlich hatten sie sich seit gut zehn Jahren nicht mehr gesehen und in zehn Jahren konnte viel passieren, das wusste Troy besser als jeder andere. Es stand Sharpay gut.

„Hey, ich muss los“, fiel ihr ein, „aber wenn du eh hier bist, kannst du ja vielleicht auch mal beim Drama Club vorbeischauen?“

„Mach ich gerne die Tage mal“, sagte Troy sofort. „Viel Spaß!“

Nur eine Sekunde, nachdem sie weggerauscht war, kam sein Vater aus dem Lehrerzimmer, einen dicken Stapel Papiere unter den Arm geklemmt.

„Auf geht’s, Sportsfreund! Glaub mir, die Jungs werden ausrasten, wenn sie dich sehen!“

Das taten sie in der Tat. Kaum dass die Wildcats die Sporthalle betraten und Troy erkannten, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Natürlich wussten sie, dass ihr Coach Troys Vater war, aber mit einem Besuch – vor allem so kurz nach dem Finale – hatte wohl niemand gerechnet. Schüchtern waren sie aber keineswegs. Vom ersten Moment an wurde Troy mit Fragen bombardiert zum Finale, zu seinen Mitspielern, seinen Gegnern, seiner Verletzung. Er versuchte hinterherzukommen, auf alles eine Antwort zu geben, denn er wusste, wie sehr er sich gefreut hatte, wenn er als Schüler Profis getroffen hatte.

„Okay, Jungs, langsam reicht’s mit den Fragen, wir wollen ja auch mal loslegen!“, unterbrach Coach Bolton sie nach zehn Minuten und Troy stand unwillkürlich genauso stramm wie die anderen Jungs. In der Sporthalle der East High war und blieb sein Vater der Coach, ganz egal, wie lange Troy schon nicht mehr unter ihm spielte.

„Alles klar, wenn ich darf, spiel ich mit“, schlug Troy vor, was mit einem begeisterten Aufschrei begrüßt wurde. „Ich hab nur eine Bitte, nehmt ein wenig Rücksicht auf meinen Finger, ich hab vor, noch eine Zeitlang damit zu spielen.“

„Schwache Ausrede, wenn du gleich von meinen Jungs abgezogen wirst“, neckte sein Vater ihn. „Auf geht’s, lauft euch erstmal zehn Runden warm!“

Troy mischte sich folgsam unter die Jungs und lief entspannt los. Es dauerte nur wenige Minuten, bis er sich auf die neue Mannschaft eingelassen hatte und sich in der Sporthalle wieder wie zu Hause fühlte. Beim Aufwärmen übte er Pässe mit verschiedenen Schülern, lernte langsam die Namen. Er war vorsichtig mit seiner Hand, und merkte gleichzeitig, wie gut ihm die leichte Anstrengung tat. Sein Kopf war ganz im Spiel, unabhängig von allem, was in der letzten Zeit passiert war.

Als der Coach die Mannschaft in zwei Teams aufteilte und eine Partie ausrief, war Troy in seinem Element. Er fügte sich gut in sein Team ein, ließ den anderen Jungs den Vortritt und achtete vor allem darauf, dass seine Form gut war. Seine Pässe waren präzise, trieben das Spiel voran. Er bemerkte die bewundernden Seitenblicke von den Jungs, wie sehr sie auf ihn achteten und sich an ihm orientierten.

Das Gefühl war unerwartet.



***



Gabriella und Lydia arbeiteten hart an ihrer Präsentation. Was als Spaß und kleine Herausforderung angefangen hatte, hatte sich inzwischen zu einem waschechten Geschlechterkampf entwickelt. Sie hatten Wind davon bekommen, dass ihre Kollegen aus dem Labor gegenüber (drei schmierige Typen, die regelmäßig ihre Meinung darüber kundtaten, was sie von Frauen in den Naturwissenschaften hielten) auch an dem Wettbewerb teilnehmen würden.

Gabriella konnte die Drei nicht ausstehen. Allein um sich für die ganzen Sprüche zu revanchieren, die sie und Lydia hatten erdulden müssen, lohnte es sich.

Sie hatten mittlerweile eine gute Übersicht ausgearbeitet und Gabriella hatte sich damit beim Direktor des Instituts vorgestellt. Er betrachtete das Dokument lange und gründlich, schob seine Brille am Nasenbügel hoch und blickte dann von seinem Schreibtisch zu Gabriella auf.

Sie atmete tief durch.

„Das sieht sehr gut strukturiert aus, Dr. Montez“, lobte er sie. „Sie werden viel Erfolg mit Ihrer Forschung haben. Ich freue mich schon sehr darauf, dass Sie den Vortrag halten werden.“

Er blickte sie auffordernd an und Gabriella merkte, wie sie nervös wurde.

„Oh, Sir, wir hatten eigentlich geplant, dass Miss Wilkinson den Vortrag hält“, stammelte sie.

Es war eine einfache Entscheidung gewesen: Gabriella konnte es immer noch kaum aushalten, von vielen Menschen angestarrt zu werden, während Lydia es liebte, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren.

„Nein, nein, Sie werden den Vortrag halten, Dr. Montez“, sagte Professor Baskin nachdrücklich. „Sie sind besser qualifiziert als Miss Wilkinson. Außerdem arbeiten Sie seit einem halben Jahr hier und ich habe noch nicht einen Vortrag von Ihnen gehört. – Dr. Montez“, er lehnte sich etwas vor, „Forschung allein ist schön und gut, aber sie finanziert sich nicht von allein. Wir brauchen die Vorträge und es ist hilfreich, wenn Sie das so schnell wie möglich lernen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“

„Ja, Sir“, antwortete Gabriella verlegen. „Danke, Sir.“



***



Taylor war früh nach Hause gekommen. Chad schien mit den Zwillingen im Garten zu sein; sie hörte sie schon in der Einfahrt. Mit einem Lächeln im Gesicht ging Taylor ins Haus, legte ihre Tasche beiseite und holte sich ein kühles Glas Wasser.

Leise trat sie in den Garten hinaus. Chad hatte die Mädchen in den Sandkasten gesetzt. Maya hatte heute einen guten Tag und spielte fröhlich, während Ruby immer wieder versuchte, aus dem Sand heraus zu robben.

Taylor setzte sich neben sie.

„Hi!“, sagte Chad überrascht. „Du bist aber früh!“

Taylor grinste.

„Muss ja auch mal sein, oder? Ich glaube tatsächlich, wir haben für heute alle Aufgaben erledigt.“

„Bist du sicher?“, fragte Chad spöttisch. „Bestimmt fällt dir in zwei Stunden noch was ein, was unbedingt heute getan werden muss.“

Es war nur ein Scherz, aber Taylor merkte, wie der kleine Seitenhieb ihr einen Stich versetzte. Ist es das, was Chad über meine Arbeitshaltung denkt? Dass ich die Arbeit immer mit nach Hause nehme? Dass mir die Arbeit vielleicht wichtiger als unsere Familie ist?

Ja, ihr Job war anstrengend und zeitraubend, und ja, manchmal nahm sie unnötigerweise Aufgaben mit nach Hause, aber im Moment versuchte sie wirklich ernsthaft an ihrer Work-Life-Balance zu arbeiten. Es wurde ihr jedes Mal schmerzlich bewusst, wenn sie alleine mit den Zwillingen war. Chad hatte ein viel besseres Verhältnis zu ihnen, aber Taylor war doch ihre Mutter! Sollten ihre Instinkte nicht natürlich sein? Sollte sie nicht automatisch nach ihren Kindern streben?

Wenn sie ehrlich zu sich war, tat sie das nämlich nicht. Auf der Arbeit war sie ganz bei der vor ihr liegenden Aufgabe. Und zu Hause war sie in Gedanken auch noch auf der Arbeit.

„Wir haben einfach viel zu tun und wenn ich nicht aufpasse, gibt es locker fünfzig Männer, die scharf auf meinen Posten wären“, erwiderte sie, mehr um sich selbst zu beruhigen als für Chad.

Er lachte herzlich, nahm sie in die Arme und drückte ihr einen dicken Kuss auf die Lippen.

„Also, ich kann dir versichern, dass ich keinen von denen so gern küssen würde wie dich!“

Sie stieg in sein Lachen ein und lehnte sich an ihn. Ruby und Maya blickten irritiert zu ihren Eltern auf. Taylor streckte die Arme aus und nahm Maya hoch, während Chad Ruby nahm. Sie wechselte einen Blick mit ihm. Er war der Vater ihrer Kinder. Der einzige Mann, den sie je geliebt hatte. Als sie schwanger geworden war, hatte Chad sich vom ersten Moment an vollkommen darauf eingelassen, war noch überzeugter gewesen, die Kinder zu bekommen, als Taylor selbst. Sie wollte auf keinen Fall, dass er unglücklich mit seiner Entscheidung war.



***



Am Nachmittag hatte Troy den Hund auf einen längeren Spaziergang mitgenommen. Er musste wieder einmal den Kopf freikriegen und nichts war dafür passender als ein Ausflug mit Mascot, der nicht für fünf Pfennig hören konnte, wenn er etwas Interessantes entdeckt hatte.

Troy hatte sein Handy ausgeschaltet, denn seit ein paar Tagen war es von Nachrichten überflutet worden. Jasmine hatte anscheinend nicht lang gefackelt und sie und Ray hatten sich schon einen Tag nach Troys Anruf sehr verliebt in der Öffentlichkeit gezeigt. Die Bilder gingen jetzt durchs Netz und lösten jede Menge Kommentare aus. Troys Instagram war von Direktnachrichten überschwemmt worden und bisher hatte er noch nicht die Energie gefunden, sich damit auseinanderzusetzen. Er wusste, dass von ihm erwartet wurde, noch ein offizielles Statement abzugeben. Der Social-Media-Manager seiner Mannschaft hatte ihn extra angerufen, um Strategien mit ihm zu besprechen.

Jasmine und ich haben uns in gegenseitigem Einvernehmen getrennt…

Jasmine und ich haben gemeinsam beschlossen, von nun an getrennte Wege zu gehen…

Jasmine und ich haben uns weiterentwickelt…

Er wollte das Telefonat so schnell wie möglich vergessen. Ja, er hatte einen Job gewählt, der ihm zu einem gewissen Bekanntheitsgrad verhalf. Ja, seine Ex-Freundin ebenso. Ihre Beziehung sowie ihr gesamtes Privatleben hatten von Anfang an im Rampenlicht gestanden. Jasmine war darin aufgegangen, angetrieben von den vielen Likes und Kommentaren, badete sich im Glanz eines erfolgreichen, hübschen Freundes, der ihre Karriere vorangetrieben hatte, wie gewisse Medien geschrieben hatten.

Troy hingegen hatte es gehasst. Sonnenbrillen und Kapuzen waren in LA zu seinen besten Freunden geworden, wenn er allein unterwegs war, aber mit Jasmine zusammen hatte er den Paparazzi immer eine Show liefern müssen. Perfekt gestylt, ganz der Gentleman, der seiner Freundin die Tür aufhielt. Selbstverständlich hätte er Letzteres auch ohne Publikum getan, aber Jasmine war es wichtig gewesen, dass auch jeder mitbekam, wie makellos ihre Beziehung war.

Nur wenn sie alleine waren und auch dann nur in ganz besonderen Momenten hatte sie ihm eine andere Seite von sich gezeigt, eine verletzliche, zutiefst verunsicherte Seite. Das waren die Augenblicke gewesen, in denen Troy sie am meisten geliebt hatte.

Mascot rannte ihn fast um.

Troys Kopf schnellte hoch, gerade noch rasch genug, um mitzubekommen, dass der aufgedrehte Hund einen dicken Stock im Maul hatte und spielen wollte. Er warf den Stock ein paar Mal, so lange, bis Mascot ein Eichhörnchen entdeckte und diesem hinterherjagte. Sie verließen den Park eine halbe Stunde später, quer durchs Dickicht, nachdem Troy bemerkt hatte, wie ein paar der anderen Spaziergänger bei seinem Anblick ihr Handy gezückt hatten. Einer von ihnen hatte sogar eine Kamera dabei gehabt, die verdächtig professionell aussah. Dass er jetzt schon in Albuquerque fotografiert wurde, war neu, aber andererseits war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere, und der Tratsch um Jasmine sorgte sicherlich auch für genug Bekanntheit in Klatschmagazinen.

Er war dankbar, dass er wenigstens Mascot hatte, der ungeduldig an der Leine zerrte und sich keinen Deut darum scherte, was Troy gerade belastete. Sie schlichen gemeinsam durch die Büsche und kamen schließlich am Hinterhof des Albuquerque Institutes of Organic Research heraus. Troy runzelte überrascht die Stirn. Hier arbeitete Gabriella, oder nicht?

Er ging um das Gebäude herum zum Haupteingang und tatsächlich – dort verließ gerade eben Gabriella schnellen Schrittes das Gelände.

„Ich wusste gar nicht, dass wir verabredet waren!“, rief Troy ihr grinsend hinterher und sie fuhr auf dem Absatz herum.

Die Überraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Er lachte.

„Troy? Was machst du hier?“, fragte sie ungläubig und strich sich fahrig die Haare aus der Stirn, zwirbelte eine Strähne um ihren Finger.

„Ich dachte mir, ich hol dich ab“, antwortete Troy mit einem Zwinkern.

Gabriella schien sich wieder gefangen zu haben, denn sie lachte herzlich und hielt Mascot ihre Hand zum Beschnüffeln hin.

„An deinem Fahrgestell musst du aber noch arbeiten.“

„Besser als mein alter Truck, oder nicht?“, gab Troy zu, als Mascot Gabriellas Hand abschleckte und versuchte, an ihr hochzuspringen. „Mascot, nein!“

„Ist schon gut.“ Gabriella blickte zu ihm auf. Sie lächelte, aber Troy merkte, wie ihre Finger unruhig über den Griff ihrer Handtasche wanderten.

„Was ist los?“, fragte er ganz direkt.

„Was soll los sein?“, fragte Gabriella zurück und lief hochrot an. Sie hatte noch nie gut lügen können.

„Du bist nervös. Ist alles ok? War es was auf der Arbeit?“

Sie senkte ihren Blick und Troy wusste, dass er Recht hatte.

„Hey“, sagte er sanft und strich ihr behutsam eine Haarsträhne hinters Ohr. „Egal was es ist, wir finden eine Lösung.“

Gabriella schluckte. Ihr war die Intimität der Geste nicht entgangen. Warum fühlte es sich so selbstverständlich an, mit Troy zu reden? Als wäre er nie weg gewesen.

„Ich hab dir doch von dem Forschungswettbewerb erzählt“, begann sie und kam dann direkt auf den Punkt: „Mein Professor will, dass ich die Präsentation halte, und da gucken mindestens zweihundert Leute zu!“

Troy verstand ihr Problem sofort. So nervös, wie Gabriella von einem Fuß auf den anderen trat, konnte sie immer noch so wenig vor Publikum reden wie vor zehn Jahren.

„Okay, wie kann ich dir helfen?“, wollte er wissen. „Sollen wir gemeinsam üben?“



***



„Ich würde gerne mit dem Patissier sprechen“, bat Sharpay freundlich den Kellner. „Zeke Baylor, wenn ich mich nicht irre.“

„Selbstverständlich, Miss Evans.“

Der Kellner verbeugte sich und verschwand Richtung Küche. Sharpay zückte einen Taschenspiegel und zog ihren Lippenstift nach, zupfte ihre Haare zurecht. Wenn sie irgendetwas darauf gab, wie Troy Bolton heute Morgen bei ihrem unerwarteten Treffen reagiert hatte, sah sie gut genug aus, um etwas herzumachen. Für den Abend hatte sie sich nochmal extra in Schale geworfen und ein schlichtes Cocktail-Kleid angezogen, schick genug, um ihre Vorzüge zu betonen, einfach genug, dass es nicht allzu gewollt aussah.

Sharpay wusste, wie sie ihren Körper zu ihrem Vorteil einsetzen konnte, und auch wenn es nicht das war, warum sie bei Zeke war, konnte ein weiteres Argument nicht schaden.

Zeke kam auf ihren Tisch zugeeilt, die weiße Haube noch auf dem Kopf. Schnell verstaute sie ihren Spiegel in ihrer Handtasche und tat, als hätte sie Zeke nicht gesehen.

„Miss Evans?“, fragte er höflich und sie strahlte ihn freudig an.

„Zeke! Sag doch bitte Sharpay!“

„Hi Sharpay.“ Sein formvollendetes Lächeln wurde ehrlicher, als er spürte, dass sie ihm nicht den Kopf abreißen wollte. „Du wolltest mich sprechen?“

„Ja, setz dich bitte.“

„Ich muss eigentlich noch arbeiten…“

Er zögerte, nahm aber ihr gegenüber Platz, als Sharpay ihn ohne zu blinzeln mit ihrem Blick traktierte.

„Das Restaurant ist so gut wie leer und eure Küche schließt in fünfzehn Minuten“, sagte sie. „Deine Kollegen können dich sicher kurz entbehren.“

Sie breitete das Dessertmenü vor ihm aus.

„Zeke, in den letzten zwei Wochen war ich immer wieder hier und habe mich durch deine Karte probiert“, fuhr sie fort. „Jede einzelne Kreation schmeckt fantastisch. Elegant, perfekt aufeinander abgestimmte Komponenten, und eine Kreativität, die ich anderswo vermisse. Du bringst etwas Neues, Unerwartetes für jeden Gast und das gefällt mir.“

Zekes Gesicht leuchtete auf, aber er sagte bescheiden: „Danke dir. Ich werde dein Feedback an meine Kollegen weiterleiten.“

„Das kannst du gerne tun und das ehrt dich, aber ich meine dich damit, Zeke. Ich sehe deine Ideen hier vor mir, deinen Schöpfergeist. Und ich sehe dein großes Potenzial.“

Zeke biss sich auf die Lippe.

„Wenn es um Lava Springs geht, dein Vater hat vor Monaten schon –“

„Mein Vater ist ein Geschäftsmann“, fiel Sharpay ihm ins Wort. „Ich hingegen bin Visionärin.“

„Wenn du mir eine Stelle anbieten willst, ich bin wirklich sehr glücklich hier –“

„Eine Stelle?“ Sharpay schnaubte. „Ich glaube kaum, dass eine einfache Position als Angestellter dir gerecht würde. Hör mir zu: Ich möchte Lava Springs neu denken. Mein Vater und die anderen Board Members sind in die Jahre gekommen. Ihre Ideen sind veraltet. Sie sehen das zum Glück und wissen, dass sie, wenn Lava Springs weiterhin ein Name für Klasse, Innovation und Lifestyle bleiben soll, neue Wege gehen müssen. Ich entwickele ein neues Konzept, aber das kann ich nicht allein. Patisserie ist dein Spezialgebiet und wir möchten dir die Chance geben, dein Genie auszuleben. Du wirst Chefpatissier, erstellst dein eigenes Konzept, bestimmst deine Arbeitszeiten und dein Team, und über allem steht dein Name. Hier ist meine Karte, denk darüber nach.“

Ohne Zeke zu Wort kommen zu lassen, schob sie ihre Visitenkarte zu ihm hinüber, griff ihre Handtasche und erhob sich.

„Schönen Feierabend, Zeke.“

Schwungvoll schritt sie aus dem Restaurant, ihre Jacke geschickt über die Schultern gelegt, sodass er einen guten Blick auf ihre Hinteransicht hatte. Das Erste, was sie gewollt hatte, war einen Eindruck zu hinterlassen, die Samen für ihre Idee in seinen Kopf zu pflanzen.

Auf dem Weg nach Hause wanderten ihre Gedanken zu ihrem Musical zurück. Lava Springs war schön und gut, aber ihr Herz hing inzwischen mehr an den Kindern, mit denen sie arbeitete. Das war es, was ihr Herz höher schlagen ließ. Ihrem Vater zu beweisen, dass sie sehr wohl ein Business führen konnte, war bloß ein Bonus.
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