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Once A Wildcat, Always A Wildcat

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Gabriella Montez Troy Bolton
21.02.2021
18.04.2021
7
25.401
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
07.04.2021 4.718
 
Hallo ihr Lieben,
da bin ich wieder! Ich hoffe, ihr hattet schöne Ostern, wenn ihr denn feiert ;)
Hier ist das neue Kapitel und ich hoffe, dass es ab jetzt schneller mit den Uploads geht.
Über ein paar reviews würde ich mich wirklich sehr freuen!

LG Jenni


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Troy rief Jasmine trotz allem erst drei Tage später an. Er hatte die ganze Zeit über die Hoffnung gehegt, dass sie sich doch noch irgendwann melden würde, aber er war enttäuscht worden. Ausgerechnet Jasmine, die sonst den ganzen Tag lang reden konnte.

Aber er merkte auch, dass Chad Recht gehabt hatte, als er gesagt hatte, dass es Troy nach einem klärenden Gespräch besser gehen würde. Von Jasmine so in der Schwebe gelassen zu werden, sorgte nur dafür, dass Troys Gedankenkarussell an Fahrt aufnahm.

War es eine einmalige Sache gewesen oder hatte sie ihn schon länger mit Ray betrogen? Wie lange ging das Ganze schon? Warum hatte er nie etwas gemerkt? Was hatte er getan – oder nicht getan – dass Jasmine ihn nicht mehr wollte? Reichte er ihr nicht?

Er merkte, wie seine Gedanken unweigerlich zu Gabriella drifteten. Gabriella, die mit ihm Schluss gemacht hatte, weil er sich viel zu wenig Zeit für sie genommen hatte.

„Ich will nicht immer mit dem Basketball konkurrieren müssen“, hatte sie ihm gesagt. „Ich weiß, dass du es nicht böswillig machst und dass du dich auch entscheiden musst, aber das ist dein Job und ich bin nur deine Freundin –“

„Du bist überhaupt nicht ‚nur‘!“, hatte Troy ihr energisch widersprochen. „Ich liebe dich, ich habe nie jemanden mehr geliebt und du weißt, wie sehr ich es hasse, mich immer wieder entscheiden zu müssen, und ich würde so gern mehr Zeit mit dir verbringen, aber ich muss auch trainieren, wenn ich hiermit wirklich Geld verdienen will. Ich wünsche mir jeden Tag, dass ich mehr Stunden mit dir hätte, aber –“

„Genau das ist es doch.“ Ihre Augen – ihre wunderschönen, weichen, liebevollen Augen – hatten in Tränen geschwommen. „Es ist immer das Aber. Jedes Mal gibt es einen Grund, warum du nicht kannst, warum du zu spät zu unseren Verabredungen kommst, warum du kurzfristig absagst, und ich will das nicht mehr.“

„Ich mach das doch nicht freiwillig!“

Troys Stimme hatte sich fast überschlagen, so verzweifelt war er. Tief in seinem Innersten spürte er, dass dieser Streit anders war als ihre bisherigen, dass Gabriella an einem anderen Punkt stand als sonst.

„Was denn sonst, Troy? Du hast dir diese Karriere ausgesucht, du wusstest, wie viel es kosten würde.“

Er hatte den Kopf geschüttelt.

„Ich wusste nicht, dass ich so wenig Zeit für dich haben würde. Wenn ich mehr Zeit hätte –“

„Wenn du dir mehr Zeit nehmen würdest. Am Ende des Tages sind wir es, die unsere Prioritäten wählen. Und ich ertrage es nicht länger, dass ich mit jemandem zusammen bin, um dessen Aufmerksamkeit ich grundsätzlich kämpfen muss. Das macht uns beide nicht glücklich, Troy.“

„Nein, es macht mich auch nicht glücklich, aber ich hab doch jetzt den Vertrag unterschrieben, das ist ein bisschen mehr Sicherheit, dann kann ich mir wieder mehr Zeit für dich nehmen und ich verspreche dir –“

„Nein, Troy.“ Gabriellas Hände hatten gezittert, als sie nach seinen gegriffen hatte. „Du versprichst mir seit Jahren das Gleiche und dann klappt es drei, vier Wochen und ich fühle mich wie das glücklichste Mädchen auf der Welt und dann geht es wieder von vorne los und am Ende der Saison frage ich mich, was ich dir eigentlich wert bin. Unterbrich mich jetzt bitte nicht. Wir haben seit Jahren den gleichen Streit und es ändert sich nicht. Ich wünsche dir, dass du erfolgreich bist, weil ich weiß, wie sehr du Basketball liebst und dafür brennst, aber ich will nicht mehr länger meinen eigenen Wert in Frage stellen, weil der Mann, den ich liebe, keine Zeit für mich hat. Ich hab viel für dich geopfert in den letzten Jahren und ich habe immer wieder Entschuldigungen für dein Verhalten gefunden und mich immer wieder an die hinterste Stelle gestellt, um eine gute Freundin zu sein, die dich unterstützt. Aber das kann nicht ewig so weitergehen. In den letzten Wochen habe ich mich jede Nacht gefragt, wer ich eigentlich bin, warum ich immer wieder auf dich warte, wenn es genug Jungs am Campus gibt, die mir mehr Zeit schenken würden. Ich liebe dich, Troy, und ich werde auch nicht aufhören, dich zu lieben, aber ich liebe auch mich selbst und möchte mir gerecht werden. Und dafür … dafür ist es besser, wenn wir ab jetzt getrennte Wege gehen.“

Bei den letzten Worten hatte ihre Stimme ebenso gezittert wie ihre Hände. Sie hatte Troy fest in die Augen gesehen und nicht versucht, die Tränen abzuwischen oder zu verstecken, und er hatte gewusst, dass sie es ernst meinte.

Für einen langen, langen Moment hatte er keine Worte gefunden. Gabriellas Entscheidung war final gewesen und er hätte auf keinen Fall gewollt, ihr noch weitere Schmerzen zuzufügen.

„Es tut mir so Leid“, hatte er schließlich stockend herausgebracht.

Gabriella hatte genickt und endlich ihren Blick gesenkt. Sie hatte seine Hände losgelassen.

„Ich weiß. Mir auch. Aber das ist nicht genug.“

Mit Jasmine hatte Troy den gleichen Fehler nicht nochmal gemacht. Sie musste ebenso viel trainieren wie er und sie konnten ihre Trainingspläne gut miteinander koordinieren, was ihnen eine große Hürde nahm. Sie hatten ein wöchentliches Date festgelegt, das nur im allergrößten Notfall abgesagt werden durfte (und ein allergrößter Notfall war nicht, dass sein Coach spontan das Training verlängerte). Troy hatte sich Zeit für sie genommen, ganz bewusst, so viele Dates geplant, Jasmine seiner Familie und seinen Freunden vorgestellt und sie gebeten, in seine Wohnung zu ziehen. Wann immer es in der Saison wirklich stressig geworden war, hatte er versucht, die fehlende Zeit durch klare Kommunikation und kleine Geschenke auszugleichen. Ein neues Trainingsoutfit für Jasmine, eine Halskette, ein Strauß Blumen, kleine Botschaften auf Klebezetteln, alles was ihm eingefallen war, um ihr zu zeigen, dass er sie liebte, auch wenn er nicht immer Zeit hatte.

Jasmine hatte ihm immer wieder bestätigt, dass sie seine Gesten zu schätzen wusste, dass sie verstehen konnte, warum er so viel trainieren musste. Es hatte ein paar Gespräche gegeben, in denen Troy von Gabriellas Trennung erzählt hatte und Jasmine sich über Gabriellas fehlendes Verständnis für seine Arbeitseinstellung hatte aufregen wollen, aber da hatte Troy sie jedes Mal gestoppt. Gabriella hatte es nicht verdient, dass Jasmine über sie herzog, denn die Trennung hatte Troy sich ganz allein selbst zuzuschreiben.  Mit Jasmine hatte er es besser machen wollen und war trotzdem gescheitert. Woran hatte es gelegen? Hatte er etwa doch nicht genug getan? Hatte er wieder darin versagt, seiner Partnerin das Gefühl zu geben, dass sie ihm wichtig war?

Als er diese Gedanken gegenüber Chad äußerte, bekam er nur eine skeptische Nachricht zurück.

Dude! SIE hat dich betrogen! SIE hat Scheiße gebaut und nicht du!

Troy war sich nicht sicher, ob ihn das tröstete, aber es reichte, um ihn endlich zu einem Anruf zu bewegen. Jasmine hob ab und Troy musste schlucken.

„Hi.“

„Hi.“

Er wusste, was er sagen wollte, hatte sich extra Notizen gemacht, um nicht ganz hilflos dazustehen. Aber jetzt waren die Worte wie weggeblasen.

„Ich hab gedacht, dass du dich meldest.“

Es klang verbitterter, als er beabsichtigt hatte.

„Hätte das irgendwas geändert?“, fragte Jasmine kurz angebunden.

„Ich hätte vielleicht das Gefühl gehabt, dass es dir Leid tut.“

„Troy –“

„Warum, Jas? Sag mir wenigstens, warum.“

Er wollte es nicht hören, aber gleichzeitig wusste er, dass er es hören musste, um überhaupt irgendwie klarzukommen.

Als sie antwortete, wirkten Jasmines Worte wohlüberlegt. Zurechtgelegt.

„Ray ist lustiger als du, lockerer. Er nimmt das Ganze nicht so ernst. Du machst dir immer solchen Stress, wenn du ein Date nicht einhalten kannst. Ist doch kein Weltuntergang. Dann sehen wir uns halt mal ‘ne Woche nicht. Jeder Mensch braucht doch seine Freiheiten und ich hab mich von dir fast erdrückt gefühlt.“

Es war wie ein Schlag in die Magengrube für Troy. Er ließ sich auf seinem Bett nieder.

„Als müsstest du irgendwie der Welt beweisen, dass unsere Beziehung perfekt ist“, fuhr Jasmine fort und streute damit nur noch mehr Salz in die Wunde. „Deine ganzen Geschenke, deine Entschuldigungen – als wir uns kennengelernt haben, dachte ich, du wärst ein cooler Typ, der genauso sportversessen ist wie ich. Du warst so ehrgeizig und fokussiert und ich dachte, wenn ich mit dir zusammenkomme, wird es irgendwie entspannt. Ich dachte, wir trainieren und können trotzdem zusammen auf die coolen Parties. Ich dachte, es wird lustig und zwanglos, aber du – ich hab das Gefühl, dass du direkt heiraten willst und schon unser ganzes Leben durchgeplant hast – wo bleibt da der Spaß, Troy? Wir sind doch jung, wir können doch mal spontan sein, oder?“

„Du kannst spontan aus meiner Wohnung ausziehen“, rutschte es Troy heraus, sehr viel wütender als er sich selbst kannte. In ihm brodelte es. Wie konnte Jasmine sagen, dass er sich zu viel Mühe gab, wenn es genau das war, was Gabriella immer gefehlt hatte?

„Mach ich“, sagte sie bereitwillig. „Wie lang bist du nochmal in Albuquerque?“

„Weiß ich noch nicht.“

„Ich kann Ende der Woche raus sein. Dann leg ich dir den Schlüssel in den Briefkasten.“

Sang- und klanglos. Als hätte sie schon lange damit abgeschlossen. Das war es, was Troy am meisten schmerzte. Sie hatte ihm nicht mal die Möglichkeit gelassen, das Problem zu lösen, weil sie ihm nie gezeigt hatte, dass es ein Problem gab.

„Warum hast du nie was gesagt?“

Jasmines lange Pause verhieß nichts Gutes.

„Ich weiß nicht“, sagte sie nach einer Weile. „Vielleicht weil du so ehrlich warst. Du hast dich immer für alles entschuldigt und dir so viel Mühe gegeben mit deinen Geschenken, das wär nicht fair gewesen.“

Aber es ist fair, mich zu betrügen?, fragte Troy sich.

Jasmine setzte wieder an: „Apropos Geschenke … die Ohrringe, die du mir vor zwei Wochen geschenkt hast…“

„Behältst du. Und alle anderen Geschenke auch.“

Es war das einzig Anständige, was er ihr heute sagen konnte.

„Danke, Troy.“ Wenigstens dieses Mal klang sie, als ob die Worte aus ihrem Herzen kamen. „Das mit Ray ging kurz nach Valentinstag los. Es wirkte so einfach mit ihm und so aufregend. Ich schätze, ich wollte wieder mit dem Feuer spielen.“

Das hatte sie immer gern getan. Sie war immer mehr aufs Risiko gegangen als Troy, hatte immer das Abenteuer gesucht. Aus diesem Grund glaubte er, die Antwort auf seine letzte Frage schon zu kennen: „Hast du wenigstens ein schlechtes Gewissen?“

Jasmines Antwort ließ auf sich warten, aber schließlich murmelte sie: „Wir müssen alle unser eigenes Glück suchen, Troy.“

***

Kelsi und Ryan hatten sich in Kalifornien getroffen. Er hatte einen Dreh in San Francisco gehabt, sie ein Konzert. Nach dem Beifall wartete er hinter der Bühne auf sie.

„Du warst großartig, Kel!“

Er gab ihr einen Schmatzer auf die Wange und sie lachte.

„Die Musiker waren großartig.“

„Nur so großartig wie ihre Dirigentin! Du hast sie geführt.“

Sein Lob ließ Kelsi übers ganze Gesicht strahlen. Noch vor ein paar Jahren hätte sie sich niemals zugetraut, ein Orchester zu führen. Sie war nicht der Mensch, der anderen sagte, was sie zu tun hatten. Oder zumindest hatte sie das gedacht. Bis ihr die Stelle von ihrem damaligen Direktor angeboten worden war. Und dabei hatte sie festgestellt, dass sie – zumindest in der Musik – Menschen doch ziemlich gut führen konnte, weil sie einen Überblick über die Gesamtkomposition des Stücks hatte.

„Wollen wir Essen gehen und dabei über die Show quatschen?“, schlug Ryan vor. „Ich verhungere fast!“

Eine halbe Stunde später fanden sie sich in einem schicken Restaurant wieder, für das sie beide eindeutig nicht schick genug gekleidet waren. Aber ihre Namen konnten zumindest bei kunstbegeisterten Menschen Türen öffnen und sie bekamen einen Tisch in einer versteckten Ecke des Restaurants angeboten, an dem sie ungestört diskutieren konnten. Kelsi hatte neue Songs geschrieben und spielte sie Ryan auf ihrem Handy vor, während sie das Menü betrachteten.

„Ich schwanke noch zwischen der Trüffelpasta und dem Hummer“, murmelte Ryan und rief im gleichen Moment: „Oh, der Höhepunkt ist Wahnsinn!“

Kelsi lachte und flüsterte: „Vielleicht solltest du dem Rest des Restaurants mitteilen, dass du einen musikalischen Höhepunkt meinst. Ich nehme übrigens den Hummer.“

„Dann nehme ich die Pasta und wir können gegenseitig probieren. Seit wann bist du so frech, Kelsi?“

„Seit ich gemerkt habe, dass ich nicht das machen kann, was ich will, wenn ich zu allem Ja und Amen sage.“

„Wahre Worte.“ Ryan hob sein Sektglas an und prostete ihr zu. „Auf dich und dein kreatives Genie!“

***

Chad öffnete einem ziemlich fertig aussehenden Troy die Tür.

„Du hast endlich Jasmine angerufen“, stellte er fest und nahm Troy in den Arm. Troy ließ sich an seine Schulter fallen und schluchzte auf.

Nach einer Weile fragte er: „Warum kann ich nichts richtig machen?“

„Das stimmt nicht“, widersprach Chad sofort. „Du hast sie geliebt und hast alles für sie getan.“

„Und das war auch falsch!“

In Troys Augen glitzerten die Tränen.

„Liebe ist niemals falsch“, sagte Chad sanft.

„Anscheinend doch, weil ich sie in ihrer Freiheit eingeschränkt habe.“

„Ist sie bescheuert? Ihr hattet eine Beziehung und keinen One-Night-Stand! Da macht man nun mal Sachen zusammen!“

Troy zuckte hilflos mit den Schultern. Dann erzählte er Chad von dem gesamten Telefonat. Chad wurde mit jedem Wort wütender. Was bildete sich Jasmine eigentlich ein, so mit seinem besten Freund umzugehen? Wenn er sie jemals wiedersah, hatte er eindeutig ein Hühnchen mit ihr zu rupfen!

„Komm erstmal rein“, bat er Troy schließlich, als ihm auffiel, wie lange sie schon in der Tür standen. Troy hatte offensichtlich versucht, beim Joggen seine Gefühle herauszulassen, denn er war verschwitzt und steckte in einem Set Sportklamotten, das Chad noch aus Schulzeiten kannte. Chad gab ihm ein Handtuch.

„Ich hol dir was zu trinken.“

„Danke.“

Troy streifte seine Laufschuhe ab und fühlte sich unwillkürlich zehn Jahre zurückversetzt. Chad schien den gleichen Gedanken zu haben, denn er grinste breit, als er ihm ein Glas Wasser in die Hand drückte. Dann strich er sich verlegen über den Hinterkopf.

„Ich hab übrigens voll vergessen, dass Taylor Gabriella eingeladen hat“, gab er zu. „Also, ja … die beiden sitzen im Wohnzimmer.“

„Oh.“ Instinktiv strich Troy sein T-Shirt glatt. „Ich mein, ich hab mich ja auch nicht angekündigt. Ich kann wieder gehen, wenn du –“

„Quatsch, du bleibst hier! Ich lass dich doch jetzt nicht allein!“

Troy lächelte ihn ziemlich erleichtert an. Er fuhr sich durch die Haare.

„Wie seh ich aus?“

Chad betrachtete ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. Troys Augen waren rot und leicht geschwollen.

„Passt schon.“

Troy spürte, wie er nervös wurde, als er sich dem Wohnzimmer näherte. Gabriella saß mit Taylor auf dem Sofa, fröhlich ins Gespräch vertieft. Die beiden senkten die Stimmen, als Troy und Chad eintraten, und blickten zu ihnen auf, als hätten sie nicht gerade das ganze Gespräch durch den Flur hören können.

„Hi“, sagte Troy kleinlaut. „Ich wollte euch nicht stören.“

„Du störst nicht“, erwiderten Taylor und Gabriella wie aus einem Mund.

Trotzdem herrschte für einen Moment eine unangenehme Stille, in der Troys Blick Gabriella traf. Sie biss sich auf die Unterlippe und senkte die Augen. Er knetete seine Hände.

„Troys Freundin – Ex-Freundin – hat ihn betrogen“, brach Chad schließlich das Schweigen und sprach damit die unangenehme Wahrheit aus. „Wir können in den Garten gehen, dann habt ihr Mädels eure Ruhe.“

„Nein, nein“, widersprach Gabriella peinlich berührt und wandte sich direkt an Troy: „Du kannst gerne auch mit uns reden, wenn du magst. Also, ich weiß nicht, ob ich ausgerechnet die Richtige dafür bin –“

„Du hast wenigstens erst nach dem Ende unserer Beziehung mit anderen Männern geschlafen“, rutschte es Troy heraus und Gabriella lachte.

Sie sah so schön aus, dachte Troy, wenn sie herzlich lachte, mit ihren leuchtenden Augen und den kleinen Lachfältchen. Er setzte sich neben ihr aufs Sofa und sie legte ihm automatisch einen Arm um die Schultern.

Chad und Taylor wechselten einen überraschten Blick.

„Es tut mir Leid mit deiner Freundin“, sagte Gabriella ernsthaft. „Jemanden zu betrügen, den man geliebt hat, ist einfach nur gemein, egal was die Beweggründe waren.“

Troy nickte.

„Ich bin mir sicher, dass du sie sehr geliebt hast“, fuhr Gabriella fort. „Wie geht es dir jetzt?“

„Ich weiß nicht. Schätze, ich sollte wütend sein.“

„Egal, welches Gefühl du hast, es ist berechtigt.“

Ihre Stimme war weich und sie rieb mit ihrer Hand unauffällig über seine Schulter. Es war die kleine Geste, die sie früher immer benutzt hatte, um Troy in Stresssituationen zu beruhigen. Die Erinnerung daran trieb Troy die Tränen in die Augen. Er wischte sich schnell übers Gesicht.

„Es ist okay, Troy“, murmelte Gabriella, die seine feuchten Augen etwas missverstanden hatte.

Er nickte, räusperte sich.

„Sorry … ich wollte wirklich nicht euren Abend ruinieren.“

„Schon okay. Du siehst aus, als könntest du die Gesellschaft gut gebrauchen.“

Damit hatte sie wohl recht.

„Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll“, murmelte Troy.

„Du brauchst nichts zu sagen“, bestätigte Gabriella ihn. „Ist es dir lieber, wenn wir über etwas Anderes reden?“

Troy dachte einen Moment nach. Es fiel ihm schwer, einen klaren Gedanken zu fassen, während sie ihren Arm um seine Schulter gelegt hatte, sodass er schließlich nur nickte. Gabriella sprang sofort darauf an, indem sie erzählte, wie sie von einer Kritik zu Kelsis Orchester gelesen hatte und wie stolz sie auf ihre gemeinsame Freundin war. Auch Chad und Taylor gingen dankbar auf das Thema ein und beobachteten gleichzeitig mit wachsender Verwirrung, wie selbstverständlich die beiden anderen miteinander umgingen, als hätte es niemals einen Grund gegeben, sie getrennt voneinander einzuladen.

Troy und Gabriella bemerkten die Blicke nicht, aber als sie den ganzen Abend lang nebeneinander saßen, fühlte es sich vertraut an und tröstlich. Gabriella war einer der empathischsten Menschen, die Troy kannte, und spürte, wie viel Nähe ihm gut tat. Sie kannte ihn gut genug, um die kleinen Signale seinerseits zu kennen, das Lehnen seiner Schulter, der ihr zugewandte Kopf.

Ihm ging es nicht anders, er merkte, wie sie zu ihm sprach, auch wenn ihre Worte die ganze Gruppe betrafen, wie sie den Blickkontakt zu ihm suchte, wie sie ihn leicht drückte. Er war dankbar, dass niemand von ihm erwartete, sich am Gespräch zu beteiligen, denn dieser Abend war mehr als anders verlaufen, als er gedacht hatte. Neben Gabriella zu sitzen, fühlte sich gleichzeitig sicher und nervenaufreibend an. Zu viele Gedanken kreisten in seinem Kopf. Warum ist das, was bei Gabriella gefehlt hat, für Jasmine genau das Falsche gewesen? Warum hab ich nicht gemerkt, dass sie sich unwohl fühlt? Hätte ich es sehen müssen? Hat es jeder andere gesehen, nur ich nicht? Und warum hat es mir dann keiner gesagt? Warum fühlt sich Gabriella so warm an? Hat es mit dem Team zu tun? Bin ich nicht gut genug, nicht cool genug? Aber in einem Team wird jeder eingeschlossen oder etwa nicht? Und warum wollte ich so lange von Gabriella nichts wissen? Sie ist so aufmerksam, so interessiert. Hat mir das nicht die ganze Zeit gefehlt? Warum fühlt es sich mit ihr so leicht an? Und mit Jasmine nicht? Hab ich Jas nur benutzt, um die Leere zu füllen, die Gabriella hinterlassen hat? Konnte es deswegen mit Jasmine gar nicht gut enden?

Als die Gedanken zu viel wurden, stand er abrupt auf. Die anderen starrten ihn überrascht an.

„Es tut mir Leid, mir ist das alles gerade zu viel, ich muss nach Hause“, stammelte er.

„Ich kann dich fahren“, boten Chad und Gabriella gleichzeitig an.

„Danke, ich lauf lieber“, lehnte Troy ab. „Vielleicht krieg ich so den Kopf frei. Danke, dass ihr alle für mich da wart.“

„Sind wir doch immer, Mann“, sagte Chad und klopfte ihm auf die Schulter.

Troy wagte ein kleines Lächeln und verabschiedete sich, so schnell es ging. Kaum, dass er aus der Tür raus war, rannte er los, gerade noch rechtzeitig, bevor sein Kopf explodiert wäre. Der Lauf nach Hause half zumindest für den Moment, die Gedanken zu verdrängen, aber zu Hause angekommen fiel er ins Bett und das Karussell ging wieder von vorne los.

***

Am nächsten Morgen hämmerte es in seinem Kopf und er schloss die Augen, weil er das helle Sonnenlicht nicht ertrug. Hätte er die Nacht durchgefeiert, hätte er die Reaktion seines Körpers verstanden, aber stattdessen hatte er den Großteil der vergangenen Stunden damit zugebracht, sich herumzuwälzen und nach Antworten zu suchen, die er nicht finden konnte.

Erst am Nachmittag schaffte er es aus dem Bett heraus und unter die Dusche. Er ließ sich auf den Boden sinken, saß dort so lange, bis das Wasser kalt wurde, und trocknete sich dann ab. In solchen Momenten, wo ihm alles zu viel wurde, hätte er am liebsten Basketball geübt, aber ihr Korb stand in der Einfahrt und als professioneller NBA-Spieler machte es keinen guten Eindruck, wenn die ganze Straße ihm dabei zuschauen konnte, wie er einen Ball nach dem anderen versemmelte.

Anfang der Woche war er beim Arzt gewesen, der sich seinen Finger nochmal angeschaut hatte und die Verstauchung dankenswerterweise als nicht so schlimm eingestuft hatte wie angenommen. Er hatte Troy noch ein paar Tage Schonfrist verschrieben und danach ein vorsichtiges Training, aber am Donnerstag fühlte Troy sich schon wieder ziemlich sicher mit seiner Hand. Trotzdem schonte er sie, mehr aus Angst vor den Blicken der Nachbarn, und ging stattdessen laufen. Als er endlich allein war, keine Menschenseele um ihn herum, schrie er.

Er schrie so laut, dass die Vögel in den Bäumen davonstoben.

Er schrie, damit Jasmine und Ray es bis nach Kalifornien hören konnten.

Und er schrie, damit er endlich einen Platz für seinen Schmerz fand.

Und dann weinte er. Die Tränen rollten über sein Gesicht, hier, wo ihm niemand zusah, wo niemand ihm sagen konnte, dass er schwach war, dass er alles falsch gemacht hatte, dass er versagt hatte, außer er selbst.

Am Ende setzte er sich kraftlos auf einen umgestürzten Baumstamm. Hörte dem Wind zu und den Vögeln, die er mit seinem Lärm noch nicht vertrieben hatte. Er zog sein Handy aus der Tasche.  Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass ihm eine Nachricht auf Facebook angezeigt wurde, was er seit Monaten nicht mehr benutzt hatte. Er öffnete sie und stellte zu seiner noch größeren Verwunderung fest, dass sie von Gabriella war.

***

Hi Troy :) Ich hoffe, das kommt jetzt nicht komisch rüber, aber ich wollte wissen, wie es dir nach gestern geht, und ich hab deine Nummer nicht. Bist du gut nach Hause gekommen?

Gabriellas Finger hatte eine Sekunde lang über dem Display geschwebt, bevor sie die Nachricht abschickte.

Das ist doch albern!, sagte sie sich selbst. Bloß weil er mein Ex ist, heißt das doch nicht, dass ich mich nicht nach seinem Wohlbefinden erkundigen kann.

Troy hatte ihr am gestrigen Abend so Leid getan, er hatte so verletzt und so verloren ausgesehen. Ihr Instinkt war es gewesen, ihn in den Arm zu nehmen, ihm den Schutz zu geben, den er in diesem Moment brauchte. Sie konnte nicht mitansehen, wie Troy litt. Sich um ihn zu kümmern, war das Natürlichste auf der Welt gewesen.

Ihr Handy piepste.

Hallo Gabriella :) Mir geht es besser, ich versuche gerade, mich irgendwie zu sortieren. Danke für deine Worte gestern. Und sorry nochmal, dass ich euren Abend gecrasht habe.

Kein Problem, textete sie zurück. Schön, dass du dich besser fühlst!

***

Das Sortieren, wie Troy es genannt hatte, war keine leichte Aufgabe und zog sich lange hin. Er war dankbar, als er am Samstag ein wenig Ablenkung fand. Chad hatte ihn eingeladen, mit ihm, Zeke und Jason Basketball zu spielen, und die Gesellschaft seiner Freunde lenkte Troy bestens ab. Er war noch etwas zurückhaltend mit seiner Hand, aber als er merkte, dass sein Finger überhaupt nicht schmerzte und er alle Bewegungsabläufe routiniert durchführen konnte, wurden seine Spielzüge wieder mutiger.

Die Jungs neckten ihn, dass er gar nicht so viel besser spielte als sie und was er überhaupt in der NBA mache, und Troy lachte mit ihnen. Als Wildcat fühlte er sich deutlich wohler, so wohl, dass er am Montag seinen Vater zur East High begleitete, wo dieser immer noch die Basketballmannschaft trainierte.

Seine alte Schule zu sehen, löste bei Troy eine Welle der Gefühle aus und für einen Moment fragte er sich, ob es richtig gewesen war, zurückzukommen. Dann betrat er das Gebäude und alle Zweifel waren wie weggeblasen. Die Flure sahen noch genauso aus wie vor zehn Jahren, mit den gleichen Spinden, den gleichen Plakaten für die Clubs, den gleichen Ankündigungen von Sportturnieren.

Sie kamen während einer Schulstunde an, sodass die Flure wie leergefegt waren, bis auf den ein oder anderen Schüler, der sich zur Toilette verdrückt hatte. Troy war erleichtert, denn bei seinen vorherigen Besuchen war er immer direkt von einer Traube Menschen umringt worden, und darauf hatte er jetzt wenig Lust. Aber durch die East High zu laufen, fühlte sich fast so gut an, wie nach Hause zu kommen. Hier kannte er jeden Winkel, jeden Gang, jeden Raum. Hier war er der Star der Schule, der Spielmacher der Wildcats. Und der Sohn des Coaches.

„Wir müssen wenigstens einmal bei Matsui vorbeischauen, sonst bringt er mich um, wenn ich unseren Star nicht bei ihm zeige“, hatte Jack Bolton gesagt und Troy hatte widerwillig zugestimmt.

Er war schon lange nicht mehr der Star der Wildcats, aber er konnte verstehen, welche Wirkung er als erfolgreicher Basketballprofi auf die Schule hatte. Etwas verlegen wurde er trotzdem, als sein Vater ihn einfach in Direktor Matsuis Büro schleifte.

„Troy Bolton!“, rief der Direktor aus und ein breites Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Welch eine Überraschung und welch eine Ehre! Herzlichen Glückwunsch zum Sieg letzte Woche, was für ein Spiel das war! Ich habe natürlich jede Sekunde verfolgt! Wie bedeutsam es ist, dass du immer noch an deine alte Schule denkst, das ist eine großartige Wertschätzung für uns!“

„Danke, Direktor Matsui“, sagte Troy peinlich berührt und trat von einem Fuß auf den anderen. Er war wirklich nicht hergekommen, um sich bis in den Himmel loben zu lassen, aber genau das schien der Schulleiter jetzt im Sinn zu haben.

„Ach, Matsui, was soll das denn“, winkte er gönnerhaft ab. „Nenn mich Dave! Deine Taktik im Spiel war hervorragend und dass du euren eigenen Vorteil abgelehnt hast, zeugt von wahrer Größe und Fairness, was einer der wichtigsten Werte ist, die wir hier an der East High verkörpern! Coach Bolton, Sie können sehr stolz auf Ihren Sohnemann sein!“

Er fuhr fort damit, Troy die nächsten zehn Minuten lang über den grünen Klee zu loben und dabei auch immer wieder darauf einzugehen, wie die East High zu Troys Charakterentwicklung und seinen technischen Fähigkeiten als Spieler beigetragen hatte. Troy wäre am liebsten im Boden versunken. Ganz abgesehen davon, dass er sich momentan eh nicht so fühlte, als hätte er gerade das wichtigste Turnier seiner Karriere gewonnen, war es ihm mehr als unangenehm, so sehr auf ein Podest gestellt zu werden.

Zum Glück bemerkte Jack irgendwann, wie unwohl Troy sich fühlte, und unterbrach die Lobeshymne des Direktors, indem er darauf verwies, dass er zu spät zum Training kam, wenn er und Troy sich jetzt nicht auf den Weg machten.

„Aber selbstverständlich!“, rief der Schulleiter. „Es war mir eine Freunde, dich wiedergesehen zu haben, Troy, und deine Anwesenheit wird die neuen Wildcats sicher zu Höchstleistungen motivieren!“

Troy bedankte sich hastig und folgte dann seinem Vater. Als sie endlich wieder auf dem Flur waren, lachte Jack laut und wuschelte seinem Sohn durch die Haare.

„Er ist einfach mächtig stolz darauf, was aus dir geworden ist“, erklärte er gutmütig. „Und das bin ich auch.“

„Danke, Dad“, sagte Troy und meinte es auch so.

„Was nicht heißt, dass du dich jetzt auf deinen Lorbeeren ausruhen kannst!“, ermahnte Jack ihn noch grinsend. „Du bist trotzdem für den Abwasch zuständig und der Müll bringt sich auch nicht von alleine raus.“

Troy lachte.

„Ich muss nochmal schnell ins Lehrerzimmer, da liegen noch meine neuen Trainingspläne“, sagte sein Vater.

„Ich warte draußen.“

„Genug Aufmerksamkeit?“

Troy nickte und lehnte sich an die Flurwand neben der Tür, während Jack im Lehrerzimmer verschwand. Er schloss die Augen, aber nur für eine Sekunde, denn sogleich flog die Tür wieder auf und ein Paar klackernder Absätze rauschte an ihm vorbei. Troy starrte mit offenem Mund auf die junge Frau, die in ihren hautengen Jeans und der fließenden Bluse weitaus besser gekleidet war als die anderen Lehrer, die er von der East High kannte. Sie fuhr im gleichen Moment herum, in dem er sie erkannte, und stemmte eine Hand in die Hüfte.

„Na, wen haben wir denn da? Wenn das mal nicht All-Star Troy Bolton ist!“, sagte Sharpay Evans.
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