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Once A Wildcat, Always A Wildcat

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Gabriella Montez Troy Bolton
21.02.2021
16.05.2021
11
42.500
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01.04.2021 3.325
 
Er sieht anders aus, war das Erste, das Taylor sich dachte, als sie Troy am nächsten Tag die Tür öffnete. Sie hatten ihn zum Grillen eingeladen und immer, wenn sie Troy in den letzten Jahren gesehen hatte, war er gut gelaunt gewesen, voller Energie und in Plauderstimmung. Als er jetzt vor ihr stand, bemerkte sie vor allem, wie müde er aussah. Müde und ausgebrannt. Die Saison hatte an ihm gezehrt, an seinen Wangen und an seinem Blick, bis er die Anstrengungen mit einem strahlenden Lächeln kaschierte.

„Hi Taylor!“

Er breitete die Arme aus und zog sie fest an sich. Taylor drückte ihn herzlich.

„Schön, dass du da bist, Troy! Chad freut sich schon so sehr auf dich!“

Troy lachte und wirkte im gleichen Augenblick wieder so vertraut, wie Taylor ihn kannte.

„Danke für die Einladung, ich hab euch echt vermisst“, sagte er. „Die kurzen Haare stehen dir übrigens fantastisch!“

„Danke dir.“ Taylor hatte sich erst vor Kurzen zu dem knappen Bob-Schnitt hinreißen lassen, um auf der Arbeit etwas reifer zu wirken. „Aber denk du bitte auch daran, dass du niemals eine Einladung brauchst, um uns zu besuchen. Für dich steht unsere Tür immer offen!“

Es war Troy förmlich anzusehen, wie er mit jedem Wort mehr entspannte. Seine Schultern sanken herab und sein Atem wurde ruhiger, als würde er die ganze Anspannung, die er mitgebracht hatte, an der Türschwelle lassen.

Bei Taylor und Chad fühlte er sich mehr als willkommen. Er liebte auch das Haus der beiden, angefangen beim Flur, dessen Bilder an den Wänden die Geschichte von Taylors und Chads Beziehung erzählten. Fotos von ihren East High- und Uni-Abschlüssen hingen neben Schnappschüssen von gemeinsamen Urlauben und besonderen Dates und schließlich auch Fotos mit den Zwillingen. Auf die beiden Mädchen war Troy gespannt; er bekam zwar regelmäßig von Chad Fotos geschickt, aber das war natürlich kein Vergleich dazu, sie im Arm zu halten.

„Wie geht es Ruby und Maya?“, fragte er neugierig.

„Chad ist mit ihnen im Garten. Sie haben sich gemacht, seit du das letzte Mal hier warst! Ich wünschte, ich könnte mehr Zeit mit ihnen verbringen.“

In Taylors Stimme schwang Bedauern mit und Troy legte ihr einen Arm um die Schultern.

„Viel zu tun auf der Arbeit?“

„Viel zu tun, lange Arbeitstage, kaum Wochenende und auch nach Feierabend ist man immer noch erreichbar.“ Taylor seufzte. „Ich würde meinen Job niemals tauschen wollen und ich stehe komplett hinter dem, was ich mache, aber Chad und ich haben schon eher den unkonventionellen Weg gewählt.“

Sie hatten das Wohnzimmer durchquert und standen in der Terrassentür. Troy sah Chad auf dem Rasen sitzen, eines der Mädchen auf dem Arm, das andere auf einer Decke vor ihm. Er grinste.

„Ich glaube, Chad ist ganz glücklich mit eurer Arbeitsteilung.“

Beim Klang von Troys Stimme drehte Chad sich um, ein nicht weniger breites Grinsen im Gesicht. Er sprang auf, so schnell es mit einem Baby im Arm ging, und zog Troy in eine so feste Umarmung, dass dieser Angst bekam, Maya zu zerquetschen.

„Da bist du ja endlich! Mensch, warum dauern eure Saisons immer so lange, du verpasst hier alles! Wie lang warst du schon nicht mehr hier? Schau dir die Mädels an, sind sie nicht groß geworden?“

Seine Augen leuchteten voller Glück, als er seine Töchter zeigte.

„Sie sind riesig!“, stimmte Troy ihm lachend zu. „Und genauso schön wie ihre Mutter!“

Maya beäugte ihn mit einem sehr kritischen Blick, aber Ruby auf der Decke unten quietschte ihn an. Troy ging in die Knie, streckte behutsam eine Hand nach ihr aus. Ruby griff nach seinem Finger und hielt ihn fest.

„Du meinst wohl wie ihr Vater“, entgegnete Chad im gleichen Moment, die Stimme voller Entrüstung.

Troy verdrehte die Augen.

„Das hättest du wohl gern!“

„Das ist ein Fakt.“

„Sei bloß froh, dass ich das jetzt mal geflissentlich überhöre“, neckte Taylor ihn und begann, den Gartentisch zu decken.

„Du kannst Ruby ruhig auf den Arm nehmen“, schlug Chad vor. „Sie fremdelt nicht so sehr wie Maya.“

In der Tat strahlte Ruby übers ganze Gesicht, als Troy sie ein wenig ungelenk hochhob. Sein Herz klopfte schneller mit dem winzigen Mädchen in seinem Arm und Chad lachte.

„Keine Sorge, du wirst sie nicht fallen lassen und ihr auch nicht weh tun.“

„Aber –“

„Kein Aber. Als du sie das letzte Mal gehalten hast, war sie viel kleiner.“

Das stimmte zwar, aber es half nicht unbedingt, Troy zu beruhigen. Er drückte Ruby vorsichtig an sich, ihren Kopf geschützt in seiner Hand.  

Chad hingegen, der mit Maya auf dem Arm tausendmal entspannter wirkte, obwohl sie gerade wieder anfing zu weinen, schien in seiner Vaterrolle aufzublühen. Troy hatte alles von Anfang an mitbekommen: Taylors ungeplante Schwangerschaft in den letzten Zügen ihres Studiums, ihr unbedingter Wunsch, so schnell wie möglich in der Stadtpolitik aktiv zu werden, Chads Desinteresse an einem Bürojob und die Entscheidung der beiden, dass Chad die Elternzeit übernehmen würde. Vom ersten Moment an war Chad als Vater präsent gewesen, hatte in Eltern-Kind-Kursen und auf Spielplätzen sämtliche Rollenklischees gebrochen (und Troy jedes Mal detailliert davon berichtet) und schien rundum zufrieden mit dieser unerwarteten Wendung seines Lebens zu sein. Er strahlte, sobald er seine Töchter ansah oder von ihnen sprach, und schien keinen Tag älter geworden zu sein, seit sie die East High verlassen hatten; etwas, worum Troy ihn durchaus beneidete.

Troy war so müde geworden und Chad war überglücklich. Wenn er es sich eingestand, war Troy ein klein wenig neidisch, als er Chad beobachtete, mit seinen Kindern, seiner Freundin und seinem Haus, das Freude und Wärme ausstrahlte. Sein bester Freund schien gerade der glücklichste Mensch der Welt zu sein.

Ruby patschte ihm ins Gesicht. Troy zuckte zusammen und lachte.

***

Gabriella war abgelenkt. Hunderte Gedanken strömten gleichzeitig durch ihren Kopf, während sie gleichzeitig versuchte, ihrer Mutter und Martin zuzuhören. Am späten Nachmittag war das Gespräch auf Martins Job gekommen. Gabriella war immer wieder aufs Neue beeindruckt, wie ihre Mutter sich wirklich Mühe gab, Martins komplizierte Physikforschung zu verstehen, auch wenn ihre Versuche selten von Erfolg gekrönt waren. Aber ihr Engagement war bewundernswert.

Auf jeden Fall bewundernswerter als die Motivation, die Gabriella gerade an den Tag legte. Sie rieb sich über die Augen. Der gestrige Tag steckte ihr noch ein wenig in den Knochen, so viel war passiert. Das Forschungsprojekt beschäftigte sie am meisten und auch Lydia, denn die beiden hatten fast den ganzen Tag miteinander geschrieben, feilten noch an der genauen Thematik. Am liebsten hätte Gabriella den ganzen Tag im Labor verbracht, so sehr brannte sie darauf, ihre Gedanken in die tat umzusetzen. Aber ihre Mum hatte sich so sehr darauf gefreut, dass Gabriella und Martin kamen, dass abzusagen keine Option gewesen wäre. Ihre Mutter liebte Martin fast so sehr, wie Gabriella ihn liebte, und hatte in Gedanken wohl schon die Hochzeit geplant.

Gabriella war längst nicht so weit. Sie und Martin waren seit drei Monaten zusammen und sie war wirklich sehr in ihn verliebt, aber ans Heiraten verschwendete sie jetzt noch keinen Gedanken. Es war wunderschön, endlich jemanden gefunden zu haben, der genauso in seiner Arbeit aufging wie Gabriella, sodass es kein Problem war, wenn einer der beiden mal länger arbeitete und so einen gemeinsamen Abend verpasste. Die Zeit, die sie allerdings miteinander verbrachten, war umso schöner. Martin hatte so viele Ideen, zeigte Gabriella so viel Neues und redete nie um den heißen Brei herum. Sie schätzte seine Ehrlichkeit und seinen Wissensdurst und seine Leidenschaftlichkeit und wenn sie ihn jetzt ansah, wie er ihrer Mutter zugewandt war und ihr mit Begeisterung erklärte, woran er forschte, hüpfte ihr Herz.

Das war definitiv eine Zukunft, die sie sich vorstellen konnte.

Ihre Gedanken schweiften wieder ab, zu dem anderen Thema, das sie seit gestern beschäftigte. Das Treffen mit Troy war so unerwartet gewesen, dass es sie ein wenig aus der Bahn gerissen hatte. Die Tage, an denen sie sich seit ihrer Trennung vor einigen Jahren gesehen hatten, konnte Gabriella an einer Hand abzählen. Sie hatte auch den starken Verdacht, dass Chad und Taylor es ganz bewusst vermieden hatten, sie zusammen einzuladen. Aus gutem Grund, denn weder Troy noch Gabriella hatten die Trennung sonderlich gut weggesteckt, obwohl es Gabriellas Entscheidung gewesen war. Sie bereute das Ende ihrer Beziehung keine Sekunde, aber zu behaupten, es hätte nicht geschmerzt, wäre eine Lüge gewesen.

Dass Troy ihr jetzt hier einfach so über den Weg lief, war ebenso überraschend gewesen wie ihr Gespräch, das sie danach gehabt hatten. Es war so leicht gewesen, unkompliziert und ohne Zurückhaltung, als hätten sie nie aufgehört ihr Leben miteinander zu teilen.

Vielleicht bin ich endlich über die Trennung hinweg, dachte Gabriella. Und vielleicht könnten wir jetzt Freunde werden.

***

„Wie geht es deiner Hand?“, fragte Chad und deutete mit der Grillzange darauf. Er hatte Maya inzwischen ins Tragetuch gesteckt, in der Hoffnung, dass sie trotz ihrer Zahnschmerzen einschlafen würde.

Troy, der Rubys Kopf mit besagter Hand streichelte, betrachtete seine Finger.

„Die Schwellung ist schon fast weg; ich denke, ich kann morgen damit zum Arzt.“

„Und dann?“

„Und dann willst du sicherlich eine Runde Basketball spielen, sobald ich kann.“

„Nur eine Runde?“ Chad zog eine Grimasse. „Das ist aber wenig.“

Troy grinste.

„Vielleicht auch eine zweite.“

Chad lachte herzhaft.

„Wie lang bleibst du eigentlich?“

Troy zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß noch nicht“, sagte er unschlüssig. „Vielleicht länger, bis das Training wieder anfängt.“

Chad wandte sich vom Grill ab, die Stirn in Falten gelegt. Troy war seinem Blick ausgewichen. Chad tischte ihm sein Steak auf und machte sich eine Notiz im Hinterkopf, ihn später darauf nochmal anzusprechen.

„Die Jungs freuen sich schon, dich wiederzusehen“, wechselte er für den Moment das Thema und nahm Troy Ruby ab, setzte sie in den Hochstuhl.

„Zeke und Jason?“

Chad nickte. Troys Augen leuchteten ein wenig auf.

„Das wär schön! Wie geht’s ihnen? Ich hab sie ewig nicht mehr gesehen!“

Chad gab ihm bereitwillig Antworten, sodass ihr Gespräch während des Essens bei Basketball und ihren Freunden blieb. Troy wirkte locker und aufgeschlossen, aber Chad spürte, dass er noch etwas auf dem Herzen hatte.

Nach dem Nachtisch schon Troy den Teller dankend von sich und strich sich über den Bauch.

„Das war genau das, was ich nach einer langen Saison gebraucht hab!“, seufzte er zufrieden.

Chad und Taylor zwinkerten einander zufrieden zu.

„Die geben dir da ja auch nicht genug zu essen, so wie du aussiehst“, neckte Chad Troy. Während jeder Saison war Troy zwar auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Fitness, aber am Ende sah man ihm an, wie viel Kraft ihn das kostete. Chad kannte es nur zu gut von ihm: Im Spiel gab Troy 110 Prozent und danach konnte er im Stehen einschlafen.

„Ne, da muss ich selbst kochen und du weißt, wie ungern ich das mache“, lachte Troy. „Deswegen bin ich euch umso dankbarer, dass ihr euch heute ums Essen gekümmert habt!“

„Dann kannst du ja jetzt mit mir spülen und Tay bringt die Mädchen ins Bett“, schlug Chad vor. Er warf Taylor einen bedeutungsvollen Blick zu und sie nickte.

„Ich kann auch allein spülen, dann könnt ihr sie zusammen ins Bett bringen“, bot Troy sofort an.

Er sah Chads leichtes Kopfschütteln nicht, aber Taylor widersprach sofort: „Nein, nein, das schaff ich schon alleine. Maya schläft ja auch schon fast. Und ihr genießt die Zeit miteinander.“

Chad warf Troy einen Handkuss zu. Troy erwiderte die Geste lachend.

„Bist du sicher?“, hakte er trotzdem nach. „Ich möchte euren Familienalltag nicht aus der Bahn werfen.“

Taylor und Chad schüttelten einstimmig die Köpfe.

„Normalerweise bringt Chad die Kinder ins Bett, weil ich oft noch arbeiten bin“, erklärte Taylor. „Deswegen ist es umso schöner, wenn ich es auch mal machen kann. Und ich glaub, ich bleib auch direkt oben, wenn die beiden schlafen, dann kann ich selbst ein bisschen Schlaf nachholen. Du kommst ja sicher in den nächsten Tagen nochmal vorbei, oder?“

„Aber klar doch!“, versicherte Troy ihr. „Schlaft gut!“

Als Taylor mit den Zwillingen verschwunden war, machten Chad und Troy sich an den Abwasch. Chad verschwendete keine Zeit damit, auf den Punkt zu kommen.

„Ich wollte mit dir allein sein. Wie geht’s dir?“

Troy blickte ihn verwundert an.

„Was meinst du?“

„Du hast vorgestern die NBA gewonnen und hast das kaum erwähnt. Du hast herausgefunden, dass deine Freundin dich betrügt, und hast nichts dazu gesagt. Ich bin dein bester Freund und ich merke, dass du mir nichts erzählst. Also nochmal: Wie geht es dir?“

Troy musste schlucken. Chad hatte recht, er hatte beide Themen den ganzen Nachmittag über geflissentlich vermieden.

„Es ist das erste Mal, dass ich dich seit Monaten sehe, da will ich nicht über mich reden“, wich er aus.

Chad drückte ihm ein Holzbrettchen zum Abtrocknen in die Hand.

„Ich würde sagen, wir haben inzwischen genug über meine Kinder und unsere Schulfreunde gesprochen. Taylors Job haben wir auch durch, in unserer Beziehung läuft’s wunderbar, ich überlege, wie ich ihr am besten einen Antrag mache, und jetzt bist du dran!“

„Du willst ihr einen Antrag machen?“, platzte Troy heraus.

„Nicht so laut!“ Chads Augen leuchteten auf. „Aber ja, was sonst? Sag‘s ihr bloß nicht!“

„Das würde mir nicht im Traum einfallen. Aber das ist Wahnsinn, Chad! Ich freu mich für euch!“

„Freu dich nicht zu früh, sie muss ja erstmal ja sagen. Außerdem lenkst du ab.“

Troy wandte den Blick wieder dem Geschirr zu. Er schätzte Chads Ehrlichkeit wirklich sehr, aber gerade in diesem Moment war es fast zu viel. Als er zu seinem Freund aufblickte, blinzelte er.

„Ich weiß gerade gar nichts. Ich kann dir nicht mal sagen, wie es mir geht, weil ich einfach nur müde bin.“

„Das sieht man dir an“, sagte Chad mitfühlend. Obwohl Troy die ganze Zeit über viel gelacht hatte und die Gesellschaft seiner Freunde sichtlich genossen hatte, steckte die Erschöpfung in jeder Faser seines Körpers.

„Na, herzlichen Dank!“

„Einen Schönheitspreis gewinnst du so wohl nicht.“

„Du aber auch nicht!“

„Ich hab zwei Babies, die mich wach halten, was ist deine Entschuldigung?“

Troy stockte. Er stellte das Geschirr weg, bevor er eine Antwort gab: „Das Training ist hart. Klar, wir trainieren für die NBA und das ist mein Beruf und es ist ein Privileg, überhaupt professionell Basketball spielen zu dürfen –“

„Du musst mir nicht den Müll erzählen, den du der Presse erzählst“, unterbrach Chad ihn sanft. „Das kann ich in jedem Interview nachlesen.“

Troy biss sich auf die Unterlippe. Chad räumte das restliche Geschirr ein und ging dann mit ihm zurück in den Garten. Die Sonne ging gerade unter und tauchte die Hecke in ein warmes Orange.

„Es ist so anstrengend“, sagte Troy langsam. „Ich weiß nicht, an der East High war es irgendwie einfacher. Natürlich hatten wir nicht so viel Training wie ich jetzt, aber da war ja auch noch die Schule und durch Dad hab ich mir immer viel Druck gemacht, also eigentlich nichts Anderes als jetzt. Aber irgendwie war es trotzdem anders. Vielleicht ist es die Mannschaft oder …“

Er ließ den Satz in der Luft hängen. Chad schwieg und betrachtete ihn nachdenklich. Er konnte spüren, wie sehr Troy dieses Gespräch gebraucht hatte, wie sehr er seine Gefühle in den letzten Wochen, vielleicht auch Monaten unterdrückt hatte, um eine gute Saison zu spielen, obwohl er so offensichtlich nicht glücklich war. Früher hatten seine Augen geleuchtet, wenn er vom Basketball gesprochen hatte, von allem, was er mit seinen verschiedenen Teams erlebt hatte, von allen Spielzügen, und Chad hatte diese Begeisterung geteilt. Jetzt sah Troy alles Andere als begeistert aus.

„Weißt du noch, wie Dad uns immer beigebracht hat, dass in einem Team alle zusammenhalten? Dass wir füreinander da sein müssen, dass wir in der Gruppe am stärksten sind?“

Chad nickte.

„Wie die drei Musketiere. Einer für alle und alle für einen.“

„Das Gefühl vermiss ich.“

Chad legte ihm einen Arm um die Schultern. Troy lehnte sich an ihn und schloss die Augen.

„Wir sind wahre Freunde gewesen“, murmelte er. „Und jetzt weiß ich nicht mal, ob –“

„Ein Freund oder auch nur ein anständiger Teamkollege schläft nicht einfach mit deiner Freundin“, brachte Chad es auf den Punkt. „Das tut man einfach nicht. Du wärst doch nie auf die Idee gekommen, mit Taylor zu flirten, oder ich mit Gabriella, obwohl sie beide attraktive Frauen sind.“

„Ich hab sie getroffen“, sagte Troy beiläufig.

„Wen?“

„Gabriella. Gestern beim Joggen. Ich hab sie fast umgerannt.“

„Charmant wie immer“, kommentierte Chad trocken und entlockte Troy so ein kleines Schmunzeln.

„Ich hab sie ewig nicht mehr gesehen.“ Troys Lächeln wurde breiter. „Sie wirkte so glücklich.“

„Sie hat einen Freund“, sagte Chad leise, obwohl es ihm das Herz brach, aber Troy sah weit weniger enttäuscht aus, als er erwartet hatte. Chad hatte es immer vermieden, Troy auf Gabriella anzusprechen, weil er wusste, wie sehr Troy mit der Trennung zu kämpfen gehabt hatte.

„Ich weiß, das hat sie erzählt.“ Troy richtete sich ein wenig auf. „Aber darum ging’s nicht. Es war einfach schön sie zu sehen und mit ihr zu reden. Als wär nie was gewesen.“

Chad horchte auf. Konnte es etwa sein, dass Troy langsam bereit war, Gabriella wieder zu treffen, sodass Chad und Taylor ihre gemeinsamen Freunde wieder zusammen einladen konnten?

„Jasmine ist ganz anders als Gabriella“, öffnete Troy sich vorsichtig. „Ich dachte, es wäre gut, jemanden zu daten, der ebenso viel trainieren muss wie ich, damit uns das nicht in die Quere kommt. Und das war gut, wir hatten viel weniger Streit als Gabriella und ich. Wir haben kaum gestritten, eigentlich nie.“

Chad dachte daran, wie oft bei ihm und Taylor die Fetzen flogen. Meist lag es daran, dass bei einem von ihnen die Nerven blank lagen, aber er wusste mit unumstößlicher Sicherheit, dass es bei jedem Streit immer nur um die Sache selbst und nicht um ihre Liebe zueinander ging.

Jasmine hatte er auch ein paar Mal getroffen in den letzten zwei Jahren. Sie war Fitnessmodel und verbrachte ihre Zeit im Gym, während Troy in der Halle war. Natürlich hatten ihre Berufe gut zueinander gepasst und Jasmine war auch nett gewesen, offen, selbstbewusst, lustig. Chad verstand, was Troy in ihr gesehen hatte: eine Leichtigkeit, eine Art, das Leben sehr viel lockerer zu nehmen, die ihm mit Gabriella immer gefehlt hatte.

„Ich bin mir nicht sicher, ob Jasmine mich so tief geliebt hat wie ich sie“, führte Troy den unausgesprochenen Gedankengang zu Ende. Seine Stimme begann zu zittern. „Oder wie ich dachte, dass ich sie liebe. Ich bin mir gar nicht mehr sicher. Ob unsere Beziehung überhaupt das war, was ich dachte, oder ob … ob ich mir nur was eingeredet hab, weil ich es perfekt haben wollte. Weil ich wollte, dass jemand mich versteht, dass ich jemanden habe, der versteht, warum Basketball mir so viel bedeutet und warum ich so viel trainieren muss.“

Die Worte purzelten nur so aus ihm heraus und Chad hörte ruhig zu. Er nickte gelegentlich.

„Hast du seitdem mit Jasmine gesprochen?“, fragte er schließlich.

Troy schüttelte den Kopf.

„Ich wüsste nicht, was ich sagen sollte. Sie hat nicht mal geschrieben.“

„Feige.“

„Aber ich weiß, dass wir es unter uns klären sollten, bevor es an die Medien gelangt. Das wär sonst keine schöne Sache.“

Troy klang distanzierter, als er von den Medien sprach. Chad wusste, wie sehr er seine Bekanntheit verabscheute, wie unangenehm es ihm war, wenn es wegen ihm einen Auflauf am Flughafen oder in der Stadt gab. Troy wollte Basketball spielen, auf allerhöchstem Niveau, weil er es konnte und die Herausforderung liebte, aber alles Andere, was zu seinem Beruf gehörte, war ihm zuwider.

„Dann ruf sie an.“

„Nein!“

„Doch.“

Troy blickte ihn an. Chad hätte ihm am liebsten den ganzen Schmerz genommen und selbst getragen, aber für den Moment musste er sich mit einer festen Umarmung zufriedengeben.

„Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Aber es wird dir helfen, wenn du Klarheit hast.“

Troy hielt sich an ihm fest, mit jeder Sekunde ein bisschen weiter entfernt von Troy, dem makellosen Basketballprofi, und näher an Troy, Chads bestem Freund. Schweigend saßen sie so mehrere Minuten aneinander gelehnt auf dem Rasen. Die Sonne war inzwischen untergegangen.

Schließlich machte Troy den Mund auf: „Und du willst wirklich Taylor einen Antrag machen?“
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