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Once A Wildcat, Always A Wildcat

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Gabriella Montez Troy Bolton
21.02.2021
14.06.2021
13
48.499
1
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.03.2021 4.305
 
Hat auch nur ~ewig~ gedauert, dieses Kapitel zu schreiben, aber ich hoffe, es gefällt euch! Vorletztes Wochenende wurde ich geimpft, das hat mich kurzzeitig etwas ausgeknockt^^ wurde schon von euch jemand gegen corona geimpft?

LG Jenni

__________________________________________________


Maya hatte Chad um vier Uhr geweckt. Trotz all seiner Bemühungen war sie nicht mehr eingeschlafen und um sechs hatte Ruby sich dazu gesellt. Chad hatte die Zwillinge mit ins Wohnzimmer genommen. Ruby war vom Moment des Aufwachens an in Brabbelstimmung gewesen und erzählte ihm alles, was sie in ihrem Tierbuch entdecken konnte. Maya hingegen hatte immer noch mit ihrem Zahn zu kämpfen. Sie ließ Chad nicht eine Sekunde los, krallte sich an ihn und nuckelte an ihrer Milchflasche. Chad hatte ihren Beißring schon im Kühlschrank bereitgelegt.

„Atata!“, quietschte Ruby und patschte mit ihrer Hand auf das Buch.

„Eine Katze“, erklärte Chad ihr zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Morgen. „Eine schwarz-weiße Katze. Schau, sie spielt mit der roten Wolle.“

„Hadada?“

„Mit der roten Wolle“, wiederholte Chad.

Er zeigte auf das Bild. Ruby folgte seinem Finger interessiert. Im gleichen Moment fing Maya an zu brüllen. Chad wiegte sie sanft in seinem Arm.

„Ist schon gut, Mäuschen“, murmelte er. „Wir haben’s fast geschafft, dann ist der Zahn auch durch.“

Als Taylor um kurz nach acht ins Wohnzimmer kam, saßen die drei immer noch auf dem Teppich. Sie hielt in der Tür inne, um den Anblick zu genießen, aber Chad hatte sie längst gehört und sich zu ihr umgedreht.

„Mach mir bitte einen Kaffee“, war das Erste, was er sagte, und die Schatten unter seinen Augen bestätigten ihn.

Taylor ging zu ihm hinüber und kniete sich neben ihn, streckte die Arme nach Maya aus. Maya krallte sich nur noch fester in Chads T-Shirt und brüllte lauter. Dafür kam Ruby zu ihr gekrabbelt.

„Guten Morgen, Liebling“, sagte Taylor und küsste erst Chad, bevor sie den beiden Mädchen einen Kuss gab.

„Morgen, Schatz.“ Chad erwiderte den Kuss innig, aber der fehlende Schlaf war ihm mehr als deutlich anzusehen. Seine Augenlider waren schwer. „Ich fürchte, Maya wird mich den ganzen Tag nicht loslassen.“

„Muss sie aber spätestens, wenn du zum Basketball gehst“, widersprach Taylor. Jeden Samstag traf Chad sich mit Zeke und Jason (und Troy, wenn er bei seinen Eltern war) und vor allem seit der Geburt der Zwillinge legte Taylor großen Wert darauf, dass Chad die Treffen nicht ausfallen ließ. Er verbrachte die meiste Zeit mit den Kindern und er brauchte auch mal Freizeit.

„Ich könnte die Jungs hierhin einladen –“

„Auf gar keinen Fall! Du brauchst auch Zeit für dich und wenn die Jungs hierhin kämen, wärst du bei jedem Schreien sofort bei Maya.“

„Sie schreit ja auch, weil sie ein unbefriedigtes Bedürfnis hat –“

„Das ich ebenso befriedigen kann“, versicherte Taylor ihm.

Chad schmunzelte. Die wilden Locken hingen ihm tief in die Stirn und streiften Taylors Schulter.

„Machst du mir jetzt trotzdem Kaffee?“

„Klar.“ Taylor stand auf, Ruby auf ihrer Hüfte. „Warum hast du dir selbst noch keinen gemacht?“

„Die Maschine ist so laut, damit hätte ich dich geweckt.“



***



Troy wachte auf, als die Sonne schon hoch am Himmel stand und durch sein Fenster schien. Er blinzelte, brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Sein Zimmer leuchtete rot und weiß in Wildcat-Farben, voller Trikots, Team-Fotos, Medaillen und Pokale. Seit er ausgezogen war, hatten seine Eltern hier nicht ein einziges Detail verändert. Selbst wenn seine Mum putzte, stellte sie danach alles an Ort und Stelle zurück. Alles, was nach der High School passiert war, hatte seinen Platz an anderen Stellen im Haus gefunden. Im Flur hing eine ganze Fotoserie von Troys erfolgreichsten Spielen, die er bei jedem Besuch zu ignorieren versuchte, obwohl er wusste, dass sie der ganze Stolz seines Dads war. Im Wohnzimmer hing – nicht besonders groß, aber für jeden sichtbar – ein gerahmtes Foto von Troys erstem NBA-Sieg. Es war direkt nach der Pokalverleihung aufgenommen worden und zeigte die ganze Familie. Seine Eltern waren extra zum Finale angereist. Auf dem Bild umarmte Troy seine Mum strahlend, während sein Dad in einem Arm den Pokal hielt, den anderen Arm um Troys Schultern gelegt.

Jedes Mal, wenn er sein Elternhaus betrat, wurde Troy daran erinnert, dass er das einzige Kind seiner Eltern war und sich für ein Leben in einem anderen Staat entschieden hatte. Das schlechte Gewissen nagte an ihm, wenn er anschließend im Flugzeug saß. Letztes Jahr hatte er sich geschworen, sich mehr Zeit für seine Eltern zu nehmen, und dieses Jahr setzte er es wirklich um. Für den Geburtstag seiner Mum nach Hause zu fliegen, obwohl er mit den Jungs aus seiner Mannschaft hätte feiern können, war einer dieser Schritte.

Als er jetzt jedoch aufwachte und sah, wie hell es schon war, zuckte er erschrocken zusammen. Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, dass es nach zehn war. Er sprang auf. So wie er seine Eltern kannte, saßen sie schon seit Ewigkeiten am Frühstückstisch und warteten auf ihn, aber sie wären niemals auf die Idee gekommen, ihn zu wecken.

Er rannte nach unten.

Auf Lucille Boltons Gesicht erschien ein amüsiertes Lächeln, als sie erst ein Trampeln auf der Treppe hörte und dann ihren Sohn sah, der in die Küche stürmte und verlegener nicht hätte aussehen können. Wie sehr sie dieses Gesicht vermisst hatte! Troys Gesichtsausdrücke hatten sich seit Kindertagen nicht verändert und selbst wenn jetzt natürlich ein junger Mann vor ihr stand, gehörten die weit aufgerissenen Augen und das peinlich berührte Lächeln dem Fünfjährigen, der mal wieder zu spät vom Spielen nach Hause gekommen war. Das alte T-Shirt und die verwaschenen Shorts, in denen er geschlafen hatte, taten ihr Übriges.

„Guten Morgen, Troy“, sagte sie liebevoll.

Während Mascot kläffend an ihm hochsprang, fuhr Troy sich durch die Haare, verstrubbelte sie noch mehr, als sie eh schon waren.

„Ich muss meinen Wecker überhört haben“, entschuldigte er sich. „Alles Liebe zum Geburtstag. Du bist die beste Mum der Welt!“

Er küsste sie auf die Wange, als er sie fest an sich drückte.

„Du hast Urlaub, Liebling, da musst du doch nicht früh aufstehen“, versicherte Lucille ihm. „Außerdem hast du in der letzten Zeit hart genug gearbeitet.“

„Du hast gestern noch im Finale gespielt“, stimmte Jack ihr zu. „Dann kannst du heute ruhig mal eine Pause einlegen.“

„Wie geht es deinem Finger?“, fragte Lucille.

„Schon besser“, antwortete Troy, was nicht ganz der Wahrheit entsprach. „Aber es soll doch jetzt nicht um mich gehen, du hast doch Geburtstag! Hier, ich hoffe, es gefällt dir.“

Er überreichte ihr einen kleinen Umschlag, eingeschlagen in ein rotes Band. Seine Mutter löste die Schleife behutsam und öffnete den Umschlag. Zwei Gutscheine lagen darin, für einen Wellness-Tag in einem nahen Spa.

„Sie arbeiten dort nur mit Naturkosmetik und traditionellen Heilmethoden; ich hab extra danach gesucht, weil du dich doch in der letzten Zeit so dafür interessiert hast! Ich dachte mir, vielleicht willst du eine Freundin mitnehmen oder –“

„Oder dich?“

„Mich?“ Troy blickte sie perplex an, aber dann legte sich ein Lächeln auf seine Lippen. „Gerne, wenn du dir das wünscht!“

Mascot schleckte unterdessen hingebungsvoll sein Knie ab. Lucille schob Troy einen Teller Pancakes hinüber.

„Hier, iss erstmal was“, sagte sie. „Und dann erzählst du uns, wenn du möchtest, was sich zwischen dir und Jasmine verändert hat.“

Troy, der direkt zugelangt hatte, verschluckte sich fast an seinem ersten Bissen. Er hustete und nutzte den Moment, um die Frage zu verarbeiten.

„Woher weißt du –“

„Troy.“ Lucille sah ihn mit diesem Blick an, dem er am liebsten ausgewichen wäre.

Woher wussten Mütter immer alles? Und wieso wollten sie dann immer, dass man es nochmal erzählte?

„Als du verletzt wurdest, ist sie nicht zu dir gekommen“, sagte Lucille. „Und nach dem Abpfiff auch nicht. Da ist sie zu dem anderen Spieler gelaufen –“

„Ray.“ Troy musste schlucken. „Die haben auch miteinander geschlafen.“

Es fühlte sich falsch an, seinen Eltern davon zu erzählen. Vor allem, weil die beiden sofort ihr Entsetzen äußerten, sein Vater ziemlich lautstark, seine Mutter eher traurig.

„Ich möchte nicht darüber reden“, sagte Troy, bevor sie ihn mit Fragen bombardieren konnten, und träufelte Honig über seine Pancakes. „Außerdem ist es dein Geburtstag, Mum, heute soll es um dich gehen!“



***

In Los Angeles hingegen war Ryan Evans schon lange bei der Arbeit. Wobei die Formulierung „bei der Arbeit“ in diesem Fall hieß, dass er auf dem Boden seines Wohnzimmers saß, nur mit Boxershorts bekleidet, die Kaffeetasse neben sich, einen Stift in der Hand. Auf dem Boden lagen hastig bekritzelte Zettel wahllos („mit System“, wie er selbst behauptete) verstreut. Im Hintergrund lief die Rohversion des Songs, den Kelsi ihm geschickt hatte. Er hatte sich schon beim ersten Hören in ihre Idee verliebt, genau so, wie er jedes ihrer Werke liebte, aber der Vorschlag, mit ihr bei einem Musical zu kollaborieren, war einfach zu gut gewesen, um ihn auszuschlagen. Jetzt feilte Ryan schon an den Tänzen und sein Arbeitsprozess war, wie Nic immer sagte, eine Mischung aus Konfetti, klassischer Musik und Kunstgalerie. Er sammelte die schönsten Stücke, abstrahierte sie und streute zum Schluss eine große Portion Glitzer darüber. Es war bemerkenswert, dass man bis vor ein paar Jahren Sharpays Arbeitsprozess so ähnlich hätte beschreiben können.

Ryan summte die Melodie vor sich her, während er nachdachte. Kelsi hatte den Höhepunkt des Stücks wunderbar ausgearbeitet und der Tanz dazu, musste ihrer Arbeit würdig sein. Ryan stand auf. Seine nackten Füße glitten über das Parkett und er schwang sein Bein nach hinten, lehnte den Oberkörper gleichzeitig nach vorn. Langsam streckte er den Arm aus – und fluchte laut. Genau an dieser Stelle blieb er immer wieder hängen!

„Nic?“, rief er.

Aus der Küche vernahm er das sanfte Geräusch der French Press, mit der Nic sich gerade einen Kaffee machte.

„Was gibt’s, Schatz?“, erklang seine engelsgleiche Stimme einen Moment später und er steckte den Kopf durch die Tür. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er sah, wie Ryan in der Tanzposition schwebte. „Weißt du, die Welt hat einen wahren Comedian verloren, als du Choreograph wurdest.“

„Wie gut, dass sie stattdessen dich gewonnen hat“, gab Ryan zurück.

„Touché.“ Nic betrat das Zimmer und lehnte sich lässig gegen den Türrahmen. Seine langen Beine steckten in pastellfarbenen Leggings, darüber trug er nur ein schwarzes Tanktop. Gestern hatte er sich die Haare neu gefärbt und sein Gesicht wurde nun von zartrosafarbenen Strähnen eingerahmt. Das Lippenpiercing glänzte im Sonnenlicht.

„Tu mir den Gefallen und nimm mal diese Pose ein“, bat Ryan ihn.

„Kann ich das auch in elegant machen?“

Ryan küsste ihn auf die Nasenspitze.

„Sei froh, dass du nicht in meinem Ensemble tanzt, sonst könntest du dir solche frechen Bemerkungen nicht erlauben!“

„Und was würdest du dagegen machen, mir den Hintern versohlen?“

Das provozierende Grinsen auf Nics vollen Lippen wich einem konzentrierten Blick, als er Ryans Pose einnahm. Ryan trat einen Schritt zurück und versuchte, sich nicht von Nics knackigem Allerwertesten ablenken zu lassen, als er den Tanz zu Ende dachte.

Das Sonnenlicht bildete einen Kegel, als es ins Wohnzimmer schien. Ryan starrte auf den erleuchteten Kreis.

„Zeig mir mal einen Sprung ins Licht“, überlegte er laut. „Mit weiten Armen, als würdest du dein Herz aufreißen und alle Gewissheit hineinlassen … und dann bleib stehen, lass die Arme sinken und schließ die Augen.

Nic führte die Abfolge leichtfüßig aus und sah dabei genau so aus, wie Ryan es sich vorgestellt hatte.

„Halt den Moment aus. Spür dein Herz.“

Nics Brust hob und senkte sich sanft. Er stand kerzengerade und seelenruhig. Ryan konnte den Tanz vor sich auf der Bühne sehen. Er trat vor Nic, legte ihm den Zeigefinger unters Kinn.

„Und wenn du die Augen wieder öffnest, dann weißt du es … wofür du hier bist.“

Nics Lippen verschmolzen mit seinen. Ryan zog ihn zu sich in die Arme. Ihm war sonnenklar, wofür er hier war.

„Gehört das noch zum Tanz oder ist das deine Fantasie?“, hauchte Nic schließlich.

„Wo ist der Unterschied?“



***



„Gabriella!“, brüllte Lydia aufgeregt ins Handy. „Hast du es schon gesehen?“

„Was denn?“, fragte Gabriella verwirrt und checkte in Gedanken, ob sie auf irgendwelchen sozialen Netzwerken die Verlobung oder Trennung gemeinsamer Bekannter verpasst hatte, denn das war es normalerweise, was Lydia so laut kreischen ließ. „Dein Date ist erst später, oder?“

„Ja, aber das sag ich vielleicht sogar ab, check mal deine E-Mails!“, forderte Lydia sie auf und erklärte im gleichen Atemzug, was los war: „Weißt du noch, die Wissenschaftsausstellung, über die wir uns letztens noch unterhalten haben? Die haben noch Plätze frei und haben dem Labor einen angeboten! Und das Lab macht eine Ausschreibung! Das Projekt, das ausgewählt wird, kriegt nicht nur einen Platz bei der Ausstellung, sondern auch Forschungsgelder von 250.000 Dollar!“

„Was?!“ Gabriella sprang auf. Forschungsgelder für ihr Projekt? „Das ist nicht dein Ernst?“

„Doch, schau in deine Mails, wenn du mir nicht glaubst!“ Lydia klang, als würde sie am anderen Ende der Leitung auf und ab hüpfen. „Machen wir bitte mit? Bitteeeee!“

„Natürlich, was für eine Frage! Was müssen wir tun, um ausgewählt zu werden?“

„Eigentlich nur eine Präsentation über unser Research Topic halten mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.“

„Das klingt doch ganz machbar.“

„Find ich auch und da werden sicher alle mitmachen und deswegen brauchen wir einen richtigen Knaller! Stell dir mal vor, Herman gewinnt sonst!“

Gabriella lachte beim Gedanken daran, dass der alte, knauserige Kollege einen Flur unter ihnen gewählt werden könnte, aber ihr Ehrgeiz war geweckt.

„Treffen wir uns gleich im Labor?“, fragte sie.

„Genau das wollte ich hören!“, quietschte Lydia zufrieden. „Bis in einer halben Stunde!“

Gabriella, die bis zu diesem Moment noch in Unterwäsche und einem alten T-Shirt in der Küche gesessen hatte, huschte ins Bad und saß schon wenige Minuten später in Jeans und einem frischen T-Shirt im Auto.

Als sie am Research Institute hielt, sah sie schon von Weitem Lydias orangenes Fahrrad. Sie sprang aus dem Auto und rannte fast ins Gebäude, nahm die Treppe statt des Fahrstuhls.

Im Labor hämmerte Lydia schon fleißig in die Tasten.

„Du hast schon einen Plan, oder?“, fragte Gabriella sie grinsend.

„Nicht ganz“, antwortete Lydia, ohne von ihrem Computer aufzusehen. „Ich brauch auf jeden Fall deine Kreativität!“

Gabriella räumte schon ihren Versuchstisch frei. Sie verlor keine Zeit und über mehrere Stunden arbeiteten die beiden konzentriert miteinander, bis ihnen die Köpfe rauchten. Erst am frühen Nachmittag blickte Gabriella auf ihr Handy und sah die verpassten Nachrichten von Martin.

Hi Schatz, schrieb sie zurück, wir haben eine mega Chance bekommen!

Knapp erzählte sie, was Lydia ihr Stunden zuvor erklärt hatte, und legte ihr Handy dann wieder beiseite. Sie hatte komplett vergessen, dass er mit seinen Kumpels unterwegs war, so sehr war sie in ihren Arbeitsprozess versunken gewesen. Aber es tat ihr auch so gut!

Sie hatte sich extra im Research Lab beworben, um an den kniffeligen Aufgaben zu arbeiten, und seit sie mit Lydia in einem Team war, ging sie jeden Tag mit einem Strahlen zur Arbeit. Die neue Herausforderung beflügelte sie. Ihr Kopf sprühte nur so vor Ideen und am liebsten hätte sie alles gleichzeitig ausprobiert.



***



Maya weinte mit ihren Zahnschmerzen ununterbrochen. Taylor hatte schon gefühlt alles versucht, ihr einen gekühlten Beißring nach dem anderen gegeben, aber nichts half. Ruby war mittlerweile auch nicht mehr so zufrieden und hatte angefangen, ihr Spielzeug auf dem Teppich herumzuschleudern. Chad war noch keine zwei Stunden weg und Taylor gingen schon die Ideen aus. Erst hatte sie die Mädchen in den Kinderwagen gepackt, aber nach einer Weile konnte sie Mayas Geschrei den Nachbarn wirklich nicht mehr antun. Das kleine Kind ließ sich überhaupt nicht beruhigen.

Komm schon, das schaffst du, sagte Taylor sich selbst zum wiederholten Male, als sie Maya auf den Arm nahm. Chad macht es auch jedes Mal so.

Chad kommt aber auch viel besser mit den Babies klar, meldete sich die kleine, gemeine Stimme in ihrem Hinterkopf zu Wort, die Taylor erstmals vor ein paar Wochen gehört hatte.

Chad verbringt auch mehr Zeit mit ihnen, widersprach ihre rationale Seite.

Was für eine erbärmliche Mutter du bist, keine Zeit für deine Kinder!

Es war unsere Absprache, als wir schwanger geworden sind – ich hatte gerade die Stelle im Stadtrat bekommen und Chad war noch in der Uni. So hat es am besten gepasst.

Und wenn du ehrlich zu dir bist, findest du es ganz gut so. Du hast den einfachen Job ergattert.

Als ob irgendeine Aufgabe als stellvertretende Bürgermeisterin einfach wäre! Taylor hasste diese Gedanken, aber sie konnte sie auch nicht abstellen. Mit der Zeit waren sie immer hartnäckiger geworden, vor allem in den Wochen, in denen Taylor viel Arbeit hatte.

Maya und Ruby waren jetzt acht Monate alt und insgesamt überglücklich darüber, mit Chad zu Hause zu sein. Die Drei waren so ein eingespieltes Team, dass Taylor sich am Morgen wie ein Eindringling vorgekommen war.

Ihr war von Anfang an wichtig gewesen, dass Chad auch seine Zeit für sich hatte, dass es nicht rund um die Uhr in der Vaterrolle feststeckte – denn davor, dass Chad nicht glücklich mit ihrem Arrangement war, hatte Taylor am meisten Angst – aber jedes Mal, wenn Taylor mit den Kindern allein war, fühlte sie, wie wenig sie vom Alltag der Mädchen miterlebte.

Sie schluckte.

Maya hatte für einen kurzen Moment aufgehört zu weinen. Sie blickte zu ihrer Mama auf mit großen, dunklen Augen.



***



Sharpay versenkte den Kopf in den Händen. Heute wollte bei ihr so gar nichts klappen: Erst hatte sie vergessen, an der Rezeption zu sagen, dass sie zum Sonnenaufgang geweckt werden wollte, sodass sie ihre morgendliche Yoga-Einheit völlig verspätet angefangen hatte, dann war ihr Vater überraschend zu einem Meeting einberufen worden, zu dem sie nicht eingeladen war, dann kam sie auch mit Zeke nicht voran, da er heute nicht auf der Arbeit war, und zuguterletzt wollte ihr Musical nicht so wie sie.

Es lag nicht an den Kindern, sagte Sharpay sich immer wieder, nicht jeder von ihnen hatte die Chance auf ein Bühnentraining gehabt, die sie und Ryan bekommen hatten, weshalb sie im vergangenen Sommer damit angefangen hatte, den Kindern überhaupt erst einmal beizubringen, wie man sich auf einer Bühne bewegte, was Schauspieltraining, Stimmtraining und Tanztraining überhaupt bedeutete. Sie war stolz auf das, was sie an der East High auf die Beine gestellt hatte. Die Winteraufführung war erfolgreich gewesen, aber da hatte sie noch zusammen mit Miss Darbus gearbeitet und von ihrem Wissensschatz viel mehr profitiert, als sie es zu Schulzeiten getan hatte.

Für das Sommermusical war sie allerdings ganz allein verantwortlich, da Miss Darbus mit Ablauf des letzten Halbjahres in Rente gegangen war. Selbstverständlich war sie zur Aufführung eingeladen und Sharpay bekam jetzt schon feuchte Hände, wenn sie daran dachte, ihrer alten Lehrerin ihr eigenes Werk zu präsentieren. Die Aufführung musste perfekt werden, nicht nur wegen Miss Darbus, sondern auch wegen ihrer Eltern, die nicht glaubten, dass Sharpay als Theaterlehrerin das Richtige mit ihrem Leben anfing, und auch natürlich für Ryan.

Und für mich selbst. Damit ich allen zeigen kann, dass ich etwas Eigenes schaffen kann.

Nur dafür mussten die Texte der Schüler endlich mal sitzen! Einer der männlichen Hauptdarsteller wurde oft nervös und begann dann, seinen Text zu freestylen – was bei einem Stück von Shakespeare eher ungünstig war. Sharpay zerbrach sich schon seit Stunden den Kopf, wie sie ihn unterstützen konnte. Sie hatte schon das gesamte Internet durchforstet nach nützlichen Ratschlägen, aber sie hatte immer noch nicht das Gefühl, den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben.

Es musste doch irgendetwas geben, was ihm helfen würde, auf der Bühne die Nerven zu bewahren!



***



Troy war eine Runde joggen gegangen.

Für den Nachmittag hatte seine Mutter ihre Freundinnen eingeladen, bevor sie abends mit Troy und seinem Vater Essen gehen wollte. Troy nutzte die Gelegenheit, dem Getratsche aus dem Weg zu gehen, indem er sich nach draußen verzog. Sein Körper war ohnehin noch auf das tägliche Training eingestellt, und Krafttraining hätte er mit seiner Hand jetzt nicht machen können. Beim Laufen bekam er den Kopf frei.

Er liebte die Nachbarschaft seiner Eltern. Jeden Winkel kannte er, es war nirgendwo zu voll und wenn er nicht gerade sein Lakers-Trikot trug, beachtete ihn auch niemand. Während er lief, verflogen der Stress der vergangenen Saison und die Gedanken an Jasmine. Endlich konnte er durchatmen.

Ende Mai war es in Albuquerque wärmer als in LA und wie so oft staubtrocken. Als Troy nach fast einer Stunde den Park verließ und in die Straße einbog, klebte sein T-Shirt auf der Haut und Schweißperlen liefen ihm über die Stirn. Aber er war zufrieden. Tief in seine Gedanken versunken, umrundete er eine Kurve – und lief fast in eine junge Frau hinein.

Gabriella zuckte zusammen und blieb wie angewurzelt stehen.

Troy riss die Arme hoch und stolperte nur beinahe in sie hinein.

„Tut mir Leid, ich wollte nicht –“, begann er und erkannte dann, wen er vor sich hatte. „Oh. Hi. Gabriella.“

„Troy.“ Sie sah nicht weniger überrascht aus. „Hi!“

Sie sah wunderschön aus, war Troys erster Gedanke, so wie immer. Fast einen ganzen Kopf kleiner als er, mit ihren ewig leuchtenden Augen und den immer lächelnden Lippen. Ihre Haare trug sie wieder lang, nachdem sie sie in der Uni mal abgeschnitten hatte, und um ihren Hals hing eine feingliedrige Goldkette. Selbst in Jeans und T-Shirt sah sie atemberaubend aus und Troy biss sich auf die Unterlippe. Er fuhr sich durch die Haare, nahm die Kopfhörer ab.

„Hi“, sagte er noch einmal und kam sich ziemlich dämlich dabei vor. „Sorry, ich wollte dich nicht umrennen.“

Gabriella, die zuerst unsicher gelächelt hatte, lachte unwillkürlich.

„Nichts passiert“, winkte sie schnell ab, mit fliegenden Händen, die Troys Unterarm leicht streiften.

„Ich –“ Ihm blieben die Worte im Hals stecken. Mit allem hätte er gerechnet, aber nicht damit, Gabriella hier zu treffen, obwohl er wusste, dass sie seit Anfang des Jahres wieder in Albuquerque arbeitete.

„Was machst du hier?“, fragte Gabriella ganz direkt, aber in einem neugierigen, freundlichen Ton. „Hab ich dich nicht gestern noch im Fernsehen gesehen?“

„Meine Mum hat Geburtstag“, erklärte Troy und trag von einem Fuß auf den anderen. „Ich bin gestern Abend noch geflogen.“

Gabriellas Augen weiteten sich.

„Oh, dann grüß Lucille bitte ganz lieb von mir!“

„Mach ich, danke.“ Troy wusste schon wieder nicht, was er sagen sollte.

Gabriella lächelte so fröhlich. Ihr Blick fiel auf Troys getapeten Finger.

„Wie geht es deiner Hand? Ich hab’s nicht gesehen, aber Martin hat sich richtig erschrocken, also war es sicher schmerzhaft, oder?“

„Ist nur verstaucht, das sollte in ein paar Tagen wieder in Ordnung sein“, beruhigte Troy sie und konnte sich nicht verkneifen nachzufragen: „Martin?“

„Mein Freund“, antwortete Gabriella strahlend.

Troy musste schlucken. Gabriella sah wahnsinnig glücklich aus. Es war lang her, dass er sie so gesehen hatte. Sie hatten sich während der Uni getrennt, als er gerade mit dem Profi-Basketball angefangen hatte, und seitdem konnte er die Male, die sie sich getroffen hatten, an einer Hand abzählen. Er hatte auch dein Eindruck, dass Chad und Taylor versuchten, sie nicht gleichzeitig einzuladen, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Aber das hier war gerade alles Andere als unangenehm.

„Kommst du gerade von ihm?“, rutschte es Troy heraus.

Gabriella schien sich nicht daran zu stören.

„Nein, ich war spontan noch auf der Arbeit, wir haben einen Auftrag bekommen und meine Kollegin und ich haben uns direkt daran gesetzt“, fing sie an und erzählte Troy die nächsten paar Minuten lang alles über ihr Forschungsprojekt und den dazugehörigen Wettbewerb. Troy hörte ihr gebannt zu, obwohl er von dem Meisten keine Ahnung hatte. Aber Gabriella sprudelte immer, wenn sie von ihrer Forschung berichtete, und Troy merkte mit jedem Wort, wie sehr er ihre Begeisterungsfähigkeit und ihre ansteckende Fröhlichkeit vermisst hatte. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht und wurde immer breiter.

„Entschuldige, ich rede viel zu viel“, stellte Gabriella nach einer Weile erschrocken fest.

„Nein!“, widersprach Troy ihr sofort, vielleicht etwas energischer als angemessen gewesen wäre. „Ich hör dir gern zu.“

Gabriella lächelte verlegen.

„Danke. Aber jetzt hab ich so viel erzählt und du kommst gar nicht zu Wort. Was machst du so?“

Troy zuckte mit den Schultern.

„Die Saison ist zu Ende und ich hab erstmal ein paar Wochen frei. Ich denke, ich bleibe eine Weile hier. Ich wüsste gerade nicht, wo ich sonst hin soll…“

Gabriella runzelte die Stirn – sie hatte den Unterton bemerkt – aber sie ging taktvollerweise nicht darauf ein.

„Dann laufen wir uns bestimmt öfter über den Weg!“

„Also hier ist eine tolle Joggingstrecke, wenn du –“

„Troy.“ Gabriella sah ihn an, als hätte er nicht mehr alle Latten am Zaun gehabt. „Du weißt ganz genau, wie gerne ich laufen gehe.“

Er lachte.

„Hätte ja sein können, dass sich das inzwischen geändert hat! Immerhin ist hier der Park und –“

„Und das Research Institute ist direkt um die Ecke. Ich wollte ein bisschen spazieren gehen, bevor ich nach Hause fahre. Oh, wenn du magst, kann ich dich mitnehmen, euer Haus liegt auf dem Weg!“, bot Gabriella an und blickte fragend zu ihm hinauf.

„Aber ich bin ganz verschwitzt –“

Gabriella schnaubte.

„Wie oft hatte ich dich schon verschwitzt in meinem Auto?“

Sie mussten beide lachen. Gabriella nickte mit dem Kopf in die Richtung, aus der sie gekommen war.

„Komm mit.“

Troy starrte wie gebannt auf ihre langen, schwarzen Haare, die mit jedem Schritt mitschwangen.

„Hast du Taylor und Chad in der letzten Zeit gesehen?“, fragte Gabriella ihn.

„Schon ewig nicht mehr, während der Saison hatte ich überhaupt keine Zeit, aber morgen besuche ich sie. Ich bin richtig gespannt auf die Zwillinge!“

„Kennst du sie schon?“

„Ich hab sie das letzte Mal kurz nach der Geburt gesehen, bestimmt sind sie schon richtig groß geworden.“

„Oh ja und wie!“

Sie unterhielten sich den ganzen Weg zu Gabriellas Auto zurück und während der kurzen Fahrt. Es war so einfach mit ihr zu reden, so selbstverständlich, dass Troy sich fragte, ob wirklich schon so viele Jahre vergangen waren. Mit Jasmine hatte er sich bemüht, bei jedem Satz das Richtige zu sagen, aber mit Gabriella purzelten die Worte einfach aus ihm heraus, ungefiltert, unbekümmert. Als sie ihn vor seinem Elternhaus absetzte, drückte sie ihn rasch mit einem Arm, winkte ihm. Troy starrte ihr hinterher.
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