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Lady Cat - Rumtreiberin No. 5

GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
21.02.2021
28.02.2021
5
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23.02.2021 3.113
 
Trotz dessen, dass sie genau gegenüber ihrer nun ehemaligen Schulleiterin saß, konnte Cathrina ein Grinsen nicht mehr zurückhalten. Selbst hier oben, weit über Hogwarts, konnte sie das laute Lachen und Gegröle ihrer Mitschüler hören. Und Madame Maxime sicherlich ebenso.

»Miss Jones!«, rief die Halbriesin empört aus. »Haben Sie gerade etwa Raketen an meiner Kutsche gezündet?«

Sie hab sich alle Mühle eine Unschuldsmiene aufzusetzen, wusste aber augenblicklich, dass sie kläglich daran scheitern würde. »Nein, habe ich nicht.« Was generell auch nicht gelogen war – es waren keine Raketen gewesen, sondern kleine Beutel gefüllt mit gefärbtem Pulver, das sie heimlich während des Zaubertränkeunterrichts zusammengemischt hatte. Ein kleiner, unauffälliger Wink mit dem Zauberstab hatte genügt, um die Beutel hochgehen zu lassen. Ein zweiter Zauber hatte für die eigentliche Überraschung, die Katzenpfote, gesorgt. Sie hatte fast die gesamten Ferien über damit verbracht, das Luftbild ordentlich hinzukriegen.

Madame Maxime sah einen Moment lang so aus, als würde sie sie aus der noch fliegenden Kutsche werfen wollen. Es folgten einige Worte auf Französisch, die Cathrina nicht verstand, ehe sich die Schulleiterin wieder dem Fenster zuwandte.

Ungeduldig zappelte Cathrina auf ihrem Sitz herum und warf ebenfalls einen Blick anch draußen. Sie wusste nicht, mit was für einem Zauber die Kutsche belegt war, doch wurden sie bei weitem nicht so sehr darin herumgeworfen, wie es von außen hin den Anschein machen musste.
Ihr wurde das Herz schwer, als sie die vertrauten Mauern von Hogwarts von Nahem betrachten konnte. So schön die Zeit in Frankreich auch gewesen war, so war Beauxbatons doch nie so ein Zuhause für sie geworden, wie es Hogwarts seit ihrem ersten Schuljahr gewesen war.
Die Kutsche flog immer tiefer und von weitem konnte sie trotz des Schnees die Landebahn auf den Ländereien entdecken. Instinktiv krallte sie sich in ihrem Sitz fest und wartete darauf, dass die Kutsche den Boden berührte. Doch da kam kein heftiger Aufprall – im Gegenteil. Sie konnte ihr staunen nicht verbergen, als sie mit einem sanften Rück zum stehen kamen.

Madame Maxime fixierte sie mit einem nicht deutbaren Blick. »Willkommen zu Hause, Miss Jones.«

--

Cathrina versuchte die unzähligen Gefühle zu Kontrollieren, die in Bruchteilen von Sekunden auf sie einwirkten. Sie spürte, wie ihre Wangen schon anfingen zu schmerzen, so sehr strahlte sie über das ganze Gesicht, als sie aus der Kutsche gestiegen war und das erste Mal seit über einem Jahr auf den wunderschönen Ländereien von Hogwarts stand.

»Rina! Schön dich zu sehen!«

Cathrina fuhr herum, als sie die dröhnende Stimme des Wildhüters vernahm. »Hallo Hagrid!«

»Warst lange weg. Hab dich gar nicht mehr erkannt! Schön, dass du wieder da bist.« Hagrids Liebevolles lächeln ließ ihr das Herz aufgehen. Dann warf er die beiden zusammengeschusterten Holzschilder achtlos zur Seite, mit denen er die Kutsche eingewiesen hatte, und starrte zu Madame Maxime, die nun ebenfalls die Kutsche verlassen hatte. »Guten Tag, Madame. H-herzlich willkommen in Hogwarts.«

Cathrina musste sich ein Lachen verkneifen, als der Wildhüter unbeholfen sogar einen kleinen Knicks vollführte und war augenblicklich wieder daran erinnert, dass er zu Beginn ihres Austauschjahres genauso auf die große Schulleiterin von Beauxbatons reagiert hatte, als sie das erste Mal nach Hogwarts gekommen war, um ihre Schüler herzubringen und sie selbst abzuholen. Madame Maxime erwiderte die Begrüßung mit einem leichten Senken des Kopfes.

»Professor Dumbledore wartet schon oben am Schloss. Und ziemlich viele Schüler auch. Die Jungs sind bestimmt auch dabei.« Hagrid lachte. »Haben dich ziemlich vermisst. Kannst dir nicht vorstellen, wie oft sie mir das erzählt haben.«

»Na das hoffe ich doch.«, erwiderte Cathrina. Weil ich sie mindestens genauso sehr vermisst habe. Sie wandte sich der Kutsche zu. »Moment, mein Koffer-«

»Keine Sorge, da kümmer ich mich drum!« Hagrid winkte ab. »Los, geh schon.«

»Bist du sicher, ich kann-«

»Hopp, hopp! Kannst den Schulleiter und Professor McGonagall doch nich warten lassen!«

Cathrina verkniff sich anzudeuten, dass Professor McGonagall sie bestimmt nicht vermisst hatte, bedankte sich dann jedoch und machte sich mit Madame Maxime an ihrer Seite auf den Weg zum Schloss.

Ziemlich schnell musste sie feststellen, dass die Schuluniformen von Beauxbatons definitiv nicht für das holprige und aktuell dazu noch verschneite Gelände von Hogwarts geeignet waren. Sie musste ihre Absatzschuhe einige Male aus dem ein oder anderem Loch herausziehen, ehe sie den gepflasterten Weg erreichten auf dem sie einfacher vorankamen.

Schon von weitem konnte sie unzählige Schüler sehen. Sie waren überall verteilt, auf den Ländereien, saßen im Gras oder oben auf den Mauern des Schlosses. Sie kniff die Augen zusammen und suchte nach vier ihr mehr als bekannten Gesichter, konnte sie allerdings nirgendwo entdecken. Wer ihr jedoch ins Auge stach, war Lily Evans, die gemeinsam mit Alice Eberton in einiger Entfernung bei der Schlossmauer stand.

Sie waren alle im selben Jahrgang, im selben Haus und waren im selben Schlafsaal untergebracht. Da hörten die Gemeinsamkeiten allerdings auch schon wieder auf. Mit Alice verstand sie sich im Großen und Ganzen gut, Lily hingegen war ihr einfach zu... langweilig. Sie würde nicht so weit gehen zu sagen, dass sie sich nicht ausstehen konnten, Freundinnen waren sie allerdings definitiv auch keine. Da alle mit dem Wohnarrangement zufrieden waren, störten sie sich jedoch auch nicht weiter daran.

Cathrina und Madame Maxime durchschritten den Torbogen, der zum Haupteingang des Schlosses führte. Mit einem seeligen Lächeln im Gesicht wartete dort Albus Dumbledore, an seiner Seite die strenge Hauslehrerin von Gryffindor, die zu Cathrina Überraschung jedoch ebenfalls lächelte.

»Madame Maxime! Schön, Sie wieder in Hogwarts begrüßen zu dürfen.« Dumbledore kam ihnen einige Schritte entgegen und hob die Hand.

»Albus, es ist eine Freude, wieder hier sein zu dürfen.« Madame Maxime beugte sich leicht hinab um die Hand des Professors entgegenzunehmen.

»Sie sind hier jederzeit willkommen, vergessen Sie das nicht.« Er drückte ihr einen Kuss auf den Handrücken, bevor er sich schließlich seinem heimgekehrten Schützling zuwandte, der überraschend schweigsam gewartet hatte. »Miss Jones. Willkommen zurück.«

Cathrina war sich sicher, dass sie vom vielen Lächeln noch eine Gesichtsstarre kriegen würde. »Hallo Professor Dumbledore.« Sie nickte ihrer Hauslehrerin zu, die einige Schritte hinter ihrem Schulleiter zum stehen gekommen war. »Professor McGonagall.«

»Eine äußerst interessante Vorstellung, an der Sie uns haben Teilhaben lassen.« Dumbledore senkte den Kopf und warf ihr über den Rand seiner Brille hinweg einen amüsierten Blick zu. »Raketen, Miss Jones?«

Cathrina biss sich grinsend auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf. »Pulver, Sir. Hatte Angst, mit Raketen die Kutsche abzufackeln.«

»Äußerst rücksichtsvoll von Ihnen. Ich bin mir sicher, Madame Maxime möchte ihre Kutsche noch einige Jahre weiter nutzen.«

Entweder schien Dumbledore den empörten Blick der französischen Schulleiterin nicht zu bemerken, oder hatte sich entschieden ihn zu ignorieren. »Madame Maxime, wie wäre es, wenn wir uns in mein Büro zurückziehen. Ihre drei Schüler sind noch dabei sich zu verabschieden und werden sich in der kommenden Stunde ebenfalls dort einfinden.«

»Sehr gerne, Albus.« Madame Maxime lächelte, ehe sie sich Cathrina zuwandte. »Miss Jones. Es war ein... Abenteuer, Sie in Beauxbatons zu Gast zu haben.«

Mit anderen Worten: Sie waren eine Plage und ich hoffe Sie nie wieder zu sehen. Cathrina presste die Lippen aufeinander um ihre Gedanken für sich zu behalten.

»Ich hoffe, Sie haben Ihre Zeit bei uns genossen und können nur in den höchsten Tönen von uns berichten.«

»Da müssen Sie sich keine Sorgen machen, Madame.« Diesmal lächelte Cathrina – aufrichtig. »Danke, dass ich Sie besuchen habe dürfen. Es war eine tolle Zeit.«

»Schön.« Dumbledore fixierte etwas in Cathrina Rücken, was ihn zum Schmunzeln brachte. »Ich denke, Sie sollten Ihre Freunde begrüßen, Miss Jones. Ich bin mir nicht sicher, wie lange Mr. Lupin Mr. Potter und Mr. Pettigrew noch zurückhalten kann.«


--


Sirius und die anderen hatten die spektakuläre Show am Himmel mitverfolgt und gewartet, bis die Kutsche auf den Ländereien gelandet war, ehe sie von der Mauer hinabkletterten.

»Das war gut.« James half Peter hinunter und schüttelte anerkennend den Kopf. »Wirklich gut. Habt ihr erkennen können, was sie da hochgejagt hat?«

»Raketen?«, fragte Peter.

Sirius schüttelte den Kopf. »Kann ich mir nicht vorstellen. Dafür waren die Explosionen zu geordnet. Wären es Raketen gewesen, wäre viel mehr Chaos entstanden.«

Remus klopfte sich den Staub von der Hose. »Ich weiß nicht, ob ich an diesem Gespräch teilnehmen oder mir Sorgen machen soll, dass ihr so gut über Explosionen Bescheid wisst.«

»Ach Moony, tu nicht so, als würdest du nicht auch hin und wieder gerne ein wenig mit Pyrotechnik spielen.« James klopfte ihm auf die Schulter und grinste. »Kann mich noch gut daran erinnern, dass selbst du Spaß daran hattest, als wir die Feuerwerkskörper mit Zaubern manipuliert und in Tierfiguren verwandelt haben.«

»Es hat auch Spaß gemacht.« Remus warf ihm einen tadelnden Blick zu. »Bis Sirius und du es übertreiben musstet und wir dabei fast das Quidditchfeld abgefackelt haben.«

Sirius winkte ab. »Übertreib mal nicht. War doch nur ein bisschen Rauch. Halb so wild.«

»Ich bin mir nicht sicher, ob Madame Hooch das auch so lustig gefunden hat, als sie am nächsten Morgen die Brandflecken auf dem Rasen entdeckt hatte.«

James verdrehte die Augen. »Ja, ja, wir sind ganz schlimm. Tut uns leid, werden wir nie wieder tun, bla, bla bla.«

»Hört endlich auf zu trödeln und bewegt euch.« Sirius deutete ungeduldig in Richtung Haupteingang des Schlosses. »Kann nicht mehr lange dauern, bis sie da sind.«

»Hetz den alten Mann nicht, Pad. Moony ist nicht mehr der jüngste.«

»Aber immer noch jung genug, um dich in eine Ratte zu verwandeln.« Remus warf einen entschuldigenden Blick zu Peter. »Nichts für ungut.«

Peter winkte ab. »Schon okay.«

Wie sich wenig später herausstellte, hatten sie eindeutig zu viel getrödelt. Es hatten sich einige Schüler auf dem großen Platz vor dem Haupteingang des Schlosses versammelt und verfolgten neugierig, wie Professor Dumbledore und Professor McGonagall die beiden Besucher im Empfang nahmen.

»Ich kann nichts sehen.«, brummte Sirius verstimmt und versuchte über eine Gruppe Ravenclaws hinweg etwas zu erkennen.

James fluchte lautstark. »Ich auch nicht!«

Es war Remus, der die beiden an den Armen packte, an einigen Schülern vorbei zog bis sie eine Lücke erreichten, von der aus sie einen freien Blick auf den Vorplatz des Schlosses hatten. Madame Maxim war schon einmal in Hogwarts gewesen, um die französischen Austauschschüler persönlich vorbeizubringen, weshalb ihr Anblick kein allzugroßes Staunen mehr auslöste.

»Diese Frau ist aber auch groß.«, murmelte James. »Sogar größer als Hagrid.«

Sirius brummte nur zustimmend, da sein Blick auf etwas vollkommen anderes fixiert war. Oder eher auf jemanden. Dort vorne, zwischen Madame Maxime, Professor Dumbledore und Professor McGonagall, stand ein ihm mehr als bekanntes Mädchen, auf deren Rückkehr er – und seine Freunde natürlich! – eineinhalb Jahre lang gewartet hatten.

Bis zu diesem Moment hatte Sirius keinen Gedanken daran verschwendet, dass Cathrina sich während ihrer Zeit in Frankreich verändert haben könnte. Noch immer hatte er das Bild einer aufgeweckten Vierzehnjährigen vor Augen, mit schulterlangen, hellblonden Haaren, die sie so gut wie nie offen getragen hatte. Die von der Kälte geröteten Wangen, wenn sie ihnen bei den Quidditchspielen von der Tribüne aus zugejubelt hatte und mit diesem schelmischen Grinsen im Gesicht, wenn sie dabei waren neue Streiche auszuhecken.

Das Mädchen, dass jetzt dort vorn neben dem Schulleiter und seiner Hauslehrerin stand, passte nicht zu dem Bild in seiner Erinnerung.

Wie sie alle war sie eindeutig gewachsen, aus der ferne schätzte er allerdings, dass er noch immer mindestens einen halben Kopf größer war als sie. Sie trug die Ausgehuniform von Beauxbatons. Während das blaue Kleid am Oberkörper enger saß und eine schmale Taille enthüllte, viel der seidene Stoff fließend herab und endete knapp oberhalb ihrer Knie. Eine durchsichtige Strumpfhose gewährte einen Blick auf lange, schlanke Beine und die Schuhe mit den Absätzen schummelten sie ein paar Zentimeter größer. Ihre Haare waren noch immer glatt und hellblond, fielen ihr jetzt allerdings zu einem ordentlichen Zopf gebunden bis zur Mitte ihres Rückens.

Hätte er nicht gewusst, dass sie es war, hätte er sie nicht wiedererkannt.

Er wusste nicht, was er war. Geschockt? Entsetzt? Überrascht? Vermutlich ein wenig von allem.

Dreh dich um, schoss es ihm durch den Kopf. Er wollte sie von vorne sehen, wollte irgendeinen Anhaltspunkt, der ihm bestätigte, dass es sich tatsächlich um die Cathrina handelte, die er vor eineinhalb Jahren (mit äußerst männlichen Tränen in den Augen) verabschiedet hatte.

Es war Remus zu verdanken, dass sowohl James als auch Peter nicht kopflos losstürmten, um die Heimkehrerin zu begrüßen. Sirius hingegen war viel zu sehr damit beschäftigt Cathrina anzustarren, als dass er den verwunderten Ausdruck auf Remus‘ Gesicht bemerkt hätte, mit dem sein Freund ihn betrachtete.

Sie waren zu weit entfernt, um verstehen zu können, was gesprochen wurde, doch als Dumbledore sich leicht zur Seite beugte und zu ihnen hinübersah, hatten sie ihre Gespräche wohl beendet.

Na los, dreh dich endlich um. Sirius kniff die Augen zusammen, als könnte er sie dadurch dazu bringen, sich schneller zu bewegen. Dann hielt er unbewusst die Luft an.

Es war Cathrina. Ihr Gesicht war etwas schmaler geworden, der Babyspeck, den sie in der vierten Klasse noch gehabt hatte, war verschwunden und hatte ihre Züge feiner werden lassen. Ihre Haut war immer noch ziemlich hell und hätte Sirius es nicht besser gewusst, hätte er vermutet, dass sie die Sonne meiden würde. Was sich jedoch überhaupt nicht verändert hatte, waren ihre blauen Augen, die suchend durch die Reihen ihrer Mitschüler streiften, ehe sie bei ihnen hängen blieben.

Das strahlende Lächeln, das sich auf Cathrinas Gesicht ausbreitete, würde selbst die Sonne beschämen.

Sirius war entsetzt.

Sie war… hübsch.

Es war nicht so, als wäre sie jemals hässlich gewesen, aber damals hatte er in ihr einfach nur eine gute Freundin gesehen. Es war ihm vollkommen egal gewesen, wie sie ausgesehen hatte. Gut möglich, dass das daran lag, dass er damals bei weitem noch kein so großes Interesse am anderen Geschlecht gehabt hatte, wie es mittlerweile der Fall war.

Cathrina hatte gerade ein paar Schritte in ihre Richtung gemacht, als Remus James und Peter endlich von der Leine ließ. Als stiller Beobachter verfolgte Sirius, wie die beiden die Heimkehrerin mit einer stürmischen Umarmung in Empfang nahmen. Das weibliche Lachen löste in ihm etwas aus, was er auf Anhieb nicht ausstehen konnte.

»Willst du Rina nicht auch begrüßen?«

Remus Stimme riss Sirius aus seinen Gedanken. »Was?«

»Rina.« Remus lachte. »Meinetwegen kannst du sie ja weiterhin anstarren, aber ich für meinen Teil gehe jetzt auch hallo sagen.«

Dem Blick nach zu urteilen, mit dem Remus ihn ansah, musste er einen mehr als wirren Eindruck machen. Ohne weiter auf ihn zu achten ging er jedoch schließlich an ihm vorbei und begrüßte Cathrina mit einer festen Umarmung, nachdem er James und Peter endlich von ihr hatte lösen können.

Wieder dieses helle Lachen, das ihm so bekannt aber dennoch so seltsam fremd vorkam. Dann richteten sich blaue Augen auf ihn.


--


Cathrinas Schritte wurden unbewusst immer größer, als sie ihren Freunden entgegenlief, um die ersten beiden Rumtreiber in die Arme zu schließen. Peter und sie waren schon immer etwa gleich groß gewesen, weshalb sie keinerlei Probleme hatte ihn zu umarmen, James hingegen war ziemlich in die Höhe geschossen und sie musste sich stecken, um ihn zu erreichen.

»Ich habe euch alle so vermisst!« Cathrina unterdrückte die Tränen, die ihr plötzlich in den Augen standen, und vergrub ihr Gesicht an James‘ Schulter. »Ihr habt ja keine Ahnung, wie sehr!«

»Wag es ja nicht zu flennen!« James klang zwar streng, das Lachen in seiner Stimme war jedoch nicht zu überhören. »Denk an unseren Rumtreiber-Ruf!«

»Mir doch egal!« Cathrina schniefte leise, strahlte jedoch über das ganze Gesicht, als sie sich von ihm löste. Sie wollte so viel fragen, so viel erzählen und wusste überhaupt nicht, wo sie anfangen sollte.

»Hallo Rina. Schön, dass du wieder da bist.«

Remus’ ruhige Stimme hielten sie davon ab, die anderen beiden mit Fragen zu überhäufen.

»Remus!« Sie überbrückte mit wenigen Schritten die Entfernung und schloss den wohl besonnensten der Rumtreiber in die Arme. »Wie geht es dir?«, flüsterte sie ihm ins Ohr, wohl wissend das er genau wusste, was sie damit meinte.

»Gut. Die Ausflüge… helfen mir.«, war die gemurmelte Antwort.

Cathrinas Augen blitzen, als sie ihm ins Gesicht sah. »Ich freue mich schon, euch wieder begleiten zu können.«

Allein der Gedanke an die Wälder gab ihr das Gefühl, den Waldboden tatsächlich unter ihren Füßen spüren zu können - oder eher Pfoten. Das wohl größte Geheimnis, dass die Rumtreiber miteinander verband, war sogleich auch das Gefährlichste. Sie alle hatten ihre Spitznamen nicht ohne Grund.

»He Pad! Was starrst du denn so?«, rief James über ihre Schulter hinweg. »Wenn du so weiter machst, fallen dir noch die Augen aus dem Schädel! Schmoll nicht und komm her!«

Cathrina wandte den Blick von Remus ab und drehte sich herum, um nach der letzten Person Ausschau zu halten, die sie begrüßen wollte. Er war nicht zu übersehen. Sirius war wie James einige Zentimeter gewachsen und damit gut einen halben Kopf größer als sie selbst. Die Schulter waren breiter, die Haare etwas länger, aber was noch ebenso durchdringend war wie vor zwei Jahren, waren seine grauen Augen, die sie fixierten.

Sie biss sich nervös auf die Unterlippe und hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt, ehe sie langsam in seine Richtung ging. Noch deutlich war ihr bewusst, dass allen voran Sirius derjenige war, der am längsten damit zu hadern gehabt hatte ihr zu verzeihen, dass sie, ohne ihre Freunde vorher zu informieren, ihr Austauschjahr in Frankreich verlängert hatte.

Einen guten Meter von ihm entfernt kam sie zum Stehen, unschlüssig, was sie tun sollte. »Hallo Pad.«

Als hätten ihre Worte ihn aus einer Starre gelöst, blinzelte er einige Male, ehe er reagierte. »Hallo Cat.«

Nervös trat sie von einem Fuß auf den anderen. Sie hatte keinerlei bedenken gehabt James, Remus und Peter zu begrüßen, und kam sich lächerlich vor sich nicht zu trauen dasselbe bei Sirius zu tun. Vermutlich war es dieser undefinierbare Blick, mit dem er sie ansah.

»Ich hab‘ dich schrecklich vermisst.«, platzte es aus ihr heraus.

Nichts. Nicht einmal ein lächeln.

Ungeduldig wippte sie auf ihren Fußballen vor und zurück. »Darf ich dich umarmen?«

Noch immer gewährte er ihr keinen Einblick auf seine Gefühle und sie war gerade dabei innerlich zu verzweifeln, als er die Hände aus den Hosentaschen zog und die Arme ausbreitete.

Als hätte sie Sorge, er könnte es sich anders überlegen, flog sie ihm regelrecht in die Arme. »Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid.«, wiederholte sie immerzu, diesmal jedoch leiser, sodass nur er sie hören konnte. »Sei nicht mehr böse.«

Sirius‘ Arme legten sich um ihren Rücken und drückten sie an sich. »Sicher, dass du dir es nicht anders überlegst und wieder verschwindest?«

Cathrina schüttelte energisch mit dem Kopf. »Auf keinen Fall! Mich werdet ihr nicht mehr so schnell los.« Sie schloss die Augen, als ihr Sirius‘ vertrauter Geruch in die Nase stieg und musste lächeln. »Ich bin zu Hause.«

Keine Aussage, eine Feststellung.

Der Druck seiner Arme wurde fester. »Dann willkommen zu Hause.«
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