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Lady Cat - Rumtreiberin No. 5

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
21.02.2021
05.08.2022
39
195.427
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21.07.2022 5.980
 
»Ich kann einfach nicht fassen, dass du mich zu so etwas überredet hast.« Lily vergrub kopfschüttelnd das Gesicht in beiden Händen. »Schon wieder

Cathrina tätschelte ihr die Schulter. »Diesmal ist es aber anders«, sagte sie aufmunternd. »Du musst nichts weiter tun, als mit deinem Professor eine Tasse Tee zu trinken. Den Rest übernehme ich.«

»Ist dir eigentlich klar was passiert, wenn er dich erwischt? Wir sind dran. Wir beide

»Er wird mich aber nicht erwischen. Und zwar wegen dem hier.« Cathrina zog den ordentlich zusammengefalteten Tarnumhang aus ihrer Tasche. »Nachdem du das letzte Mal mit darunter warst, solltest du ein bisschen mehr vertrauen in James‘ Gardine haben.«

Lily verdrehte die Augen. »Slughorn könnte dich trotzdem noch bemerken.«

»Nicht, wenn du deine Aufgabe erledigst und ihn die ganze Zeit über in ein Gespräch verwickelst«, entgegnete Cathrina nüchtern und ließ den Blick durch den menschenleeren Korridor wandern. »Mach dir keine Sorgen. Wird schon schief gehen.«

Ihnen blieb nicht viel Zeit. Der Unterricht würde in den kommenden Minuten beendet werden und ihnen ein Zeitfenster von etwas mehr als einer Stunde geben, ehe die nächsten Klassen in die Kerker strömten. Nicht viel, aber noch immer besser, als eine weitere Woche zu warten.

»Du wirst deine Aufgabe gut machen und es schaffen«, sagte Cathrina zuversichtlich. »Immerhin willst du doch wissen, was es mit unserer Karte auf sich hat.«

Sie wusste, dass sie sie überzeugt hatte, als Lily die Lippen fest aufeinanderpresste, aber nicht widersprach. Cathrinas Plan war simpel. Verborgen unter James’ Tarnumhang würde sie Lily und dem Zaubertränkeprofessor in dessen private Räumlichkeiten folgen und sich auf die Suche nach der Karte des Rumtreibers begeben, sobald Slughorn abgelenkt war. Der Preis für Lilys Mitarbeit jedoch war hoch. Sie hatte sich erst bereiterklärt zu helfen, nachdem sie im Gegenzug versprochen bekommen hatte zu erfahren, was genau es mit der Karte des Rumtreibers auf sich hatte. Aufgrund ihrer mehr als begrenzten Optionen die Karte wiederzuerlangen war einstimmig beschlossen worden, auf den Deal einzugehen.

»Hast du dir überlegt, über was du mit Slughorn sprechen könntest?«, fragte Cathrina.

Lily nickte angespannt. »Meine berufliche Zukunft. Wir haben schon häufiger darüber gesprochen was ich mit meinem Talent für Zaubertränke später alles anfangen könnte. Damit werde ich ihn Problemlos beschäftigen können.«

»Gut.« Cathrina schüttelte den Tarnumhang aus. »Dann verschwinde ich lieber schon einmal. Du weißt noch, was für Zeichen wir vereinbart haben?«

»Eine Berührung an der linken Schulter bedeutet das alles erledigt ist und wir gehen können. Eine an der rechten bedeutet, dass du mehr Zeit brauchst.«

Cathrina lächelte zufrieden. »Sehr gut. Bleib ruhig, versuch dich so zu benehmen wie immer und lass mich einfach machen.«

Lily schnaufte leise. »Das sagst du so leicht.«

»Es ist leicht. Vertrau einfach auf meine Fähigkeiten.«

»Deine Fähigkeiten? Beim Einbrechen? Oder nennen wir es der Einfachheit halber einfach direkt Diebstahl

»Es ist kein Diebstahl, wenn man sich etwas zurückholt, was einem selbst gehört«, widersprach Cathrina vergnügt. »Außerdem klaue ich nichts, sondern tausche es aus.« Ihre Hand wanderte zu ihrer Hosentasche und ertastete das von Remus‘ geschaffene Pergament. »Das ist ein gewaltiger Unterschied.«

»Euphemismus«, brummte Lily leise, schüttelte dann aber den Kopf. »Aber versprochen ist versprochen. Geh schon unter den Umhang, es kann jederzeit losgehen.«

Cathrina drückte ihr ein letztes Mal die Hand, dann breitete sie den Tarnumhang über sich aus. Sie platzierte sich mit dem Rücken zur Wand, bereit den bald auftauchenden Schülern auszuweichen und sich an Lilys Fersen zu heften, sobald Slughorn seine Lieblingsschülerin in seine Räumlichkeiten bitten würde.

Die Tür des Klassenraumes öffnete sich wenige Augenblicke später. Ravenclaws und Hufflepuffs strömten in Scharen heraus und schienen es überhaupt nicht erwarten zu können die Kerker zu verlassen. Es war Slughorn, der als Letztes den Saal verließ und hinaus auf den Korridor trat.

»Professor Slughorn«, begrüßte ihn Lily mit einem Lächeln.

»Lily«, entfuhr es ihm überrascht. »Was tun Sie denn hier? Wir haben heute keinen Unterricht.«

»Nein, das haben wir nicht«, bestätigte sie sofort, »aber deshalb bin ich auch nicht hier. Ich wollte fragen ob sie ein paar Minuten Zeit hätten, um mit mir über meine Bewerbungen zu sprechen, die ich in den Sommerferien abschicken muss.«

Slughorn stand die Freude ins Gesicht geschrieben. »Also haben Sie sich entschieden?«

Lily nickte zögerlich. »Ja, ich denke schon.«

»Hervorragend. Sie müssen mir alles erzählen. Wie wäre es mit einer Tasse frischem Tee?« Slughorn hatte sich bereits auf den Weg zu seiner privaten Unterkunft gemacht, die sich nur unweit entfernt einen Korridor weiter befand. »Ich habe eine hervorragende Gewürzmischung von einem ehemaligen Schüler erhalten, der in Afrika arbeitet. Robert Harrison. Talentierter Junge, auch wenn er nie an Ihre Fähigkeiten herankommen wird, aber dennoch ein Juwel, wenn es um das Brauen der kompliziertesten Tränke geht.«

Cathrina folgte den beiden mit einem gewissen Sicherheitsabstand, um zu vermeiden, Slughorns misstrauen zu erwecken. Seinen euphorischen Worten nach zu urteilen schien Lily ihren Professor jedoch bestens im Griff zu haben.

»Das klingt äußerst interessant«, sagte Lily. »Was genau macht er in Afrika?«

»Die Trank-Ressourcen auf dem Kontinent sind begrenzt, was es schwierig macht die einfachsten Tränke herzustellen«, erklärte Slughorn nachdem sie vor einer Tür angehalten. »Robert und seine Kollegen arbeiten daran standardisierte Rezepturen an die Gegebenheiten anderer Länder anzupassen. Äußerst knifflig, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.« Stirnrunzelnd tastete er seinen Umhang ab. »Wo ist er denn… wo ist er denn… da!« Er zog einen vom hohen Alter bereits verrosteten Schlüssel aus der Tasche und entriegelte die Tür.

Bevor er dazu kam, Lily den fortritt zu lassen, trat diese einen Schritt zurück. »Nach Ihnen, Professor.«

Slughorn wirkte ein wenig überrumpelt, lächelte dann aber und betrat den Raum.

Cathrina legte Lily eine Hand auf den unteren Rücken, um ihr deutlich zu machen, wo genau sie sich befand. Dann folgen sie hintereinander ihrem Professor.

Slughorn hatte seine Tasche abgestellt und sich auf direktem Wege zu dem kleinen Beistelltisch begeben, auf dem neben einer Teekanne auch Tassen, Löffel, Zucker und Milch bereitstanden. »Setzen Sie sich. Ich komme gleich zu Ihnen.«

Lily bedankte sich lächelnd und zögerte einen kurzen Augenblick, ehe sie sich zu der kleinen Sitzgruppe begab, in der sie zweifellos bereits unzählige Male zuvor gesessen hatte. Slughorn beschäftigt und außerhalb ihrer Reichweite wissend nutzte Cathrina die Zeit, sich genauer umzusehen.

Der Raum war nicht sonderlich breit geschnitten, dafür jedoch äußerst lang. Der Wohnbereich, in dem sich Slughorn und Lily befanden, bestand im Wesentlichen aus einem monströsen Kamin samt zweier Sofas, mehreren Sesseln und einem großen Kaffeetisch, um den herum sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mitglieder des Slug-Clubs während ihrer Treffen sammelten. Es war der gegenüberliegende Teil des Raumes, der Cathrinas Aufmerksamkeit auf sich zog. Umringt von deckenhohen Bücherregalen thronte ein riesiger Holzschreibtisch, der genau mit Sirius‘ Beschreibung übereinstimmte.

Cathrina zwang sich zur Geduld und wartete, bis Slughorn den Tee zubereitet und sich zu Lily begeben hatte. »Bitte sehr. Er ist vorzüglich.«

Lily lächelte dankbar. »Ich habe mich dazu entschlossen meinen Fokus auf das St. Mungo zu legen.«

»Das St. Mungo?« Slughorn ließ sich auf einem der Sessel nieder und gab ein kleinwenig Milch in seine Tasse. »Eine interessante Wahl will ich meinen. Welches Berufsfeld genau?«

Nachdem sie sich davon überzeugt hatte, dass ihr Professor seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf Lily gerichtet hatte, huschte Cathrina so schnell sie konnte in Richtung des Arbeitsbereiches. Slughorn wirkte häufig ein wenig neben der Spur und hinterließ den Eindruck eines Chaoten. Sein Schreibtisch hingegen war fein säuberlich aufgeräumt. Was sie dazu zwingen würde nur noch vorsichtiger zu sein.

Cathrina zögerte nicht, sondern umfasste den kleinen Griff der ersten Schublade. Das Holz knarrte leise, kaum wahrnehmbar, bescherte ihr allerdings trotzdem eine regelrechte Panikattacke. Erschrocken riss sie den Kopf nach oben, um sich zu vergewissern, ob sie bemerkt worden war.

»Zwei mögliche Karrieren sind am Ende übriggeblieben«, fuhr Lily ungezwungen fort, »die der Pharmakantin im Bereich der allgemeinen Heilkunde und die der Heilerin. Für letzteres habe ich mich entschieden.«

»Eine Heilerin. So, so.« Slughorn klang fast ein wenig traurig. »Ich bin mir sicher, Sie werden hervorragende Arbeit leisten. Aber dennoch muss ich gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht bin Sie nicht in einem mehr Tränke-spezifischen Bereich zu wissen, in dem Sie Ihr unbestreitbares Talent ausspielen können.«

Cathrina durchsuchte die Schublade, konnte außer einiger ungeöffneter Briefe und Notizen aber nichts entdecken. Leise schob sie sie zurück in den Schreibtisch und öffnete die Nächste.

»Das habe ich mir schon gedacht«, entgegnete Lily. »Ich habe wirklich lange überlegt und wollte all meine Optionen abwägen. Aber am Ende bin ich immer wieder bei ein und derselben Karriere hängen geblieben.«

Eine Heilerin, dachte Cathrina erstaunt. Je länger sie darüber nachdachte, je besser konnte sie sich Lily im St. Mungo vorstellen. Sie war nicht nur intelligent, ihre natürliche Empathie und offene Art würden ihr das Arbeiten mit fremden Menschen noch einfacher machen.

Sie stockte einen Moment.

Sofern Lily tatsächlich vorhatte Heilerin zu werden und sich das Ganze nicht nur aus den Fingern zog, um Slughorn zu beschäftigen.

»Lily, ich kann nicht oft genug betonen, wie froh ich bin, dass Sie bereits jetzt eine Entscheidung getroffen haben.« Er klatschte in die Hände. »Sie sind so viel reifer und verantwortungsbewusster als die meisten Ihrer Mitschüler, dabei sind Sie noch in der sechsten Klasse und haben noch ein ganzes Schuljahr vor sich.«

Cathrina musste sich eingestehen, dass sie sich selbst noch keine allzu großen Gedanken darüber gemacht hatte, was sie nach Hogwarts tun wollte. Leise durchsuchte sie die nächste Schublade. Erfolglos.

»Sie hatten nie irgendwelchen unanständigen Flausen im Kopf. Sie erledigen Ihre Aufgaben verlässlich und haben mir noch nie einen Grund gegeben Sie anzuzweifeln.« Slughorn stieß einen enttäuschten Laut aus. »Würden Ihre Hauskameraden sich nur ein Beispiel an Ihnen nehmen.«

»Wie meinen Sie das, Professor?«

»Erst vor zwei Nächten habe ich einen Schüler dabei erwischt, wie er versucht hat sich an meinem Vorratsschrank zu bedienen.«

Cathrina hatte die linke Seite des Schreibtisches vollständig durchsucht und sich gerade auf die andere Seite begeben, als sie innehielt. Auch ohne genannte Namen lag auf der Hand, von wem Slughorn sprach.

»Wirklich?«, wiederholte Lily gespielt erstaunt.

»Wirklich.« Slughorn schlürfte geräuschvoll an seiner Teetasse, als müsse er sich erst wieder sammeln, ehe er weitersprechen konnte. »Baldriankraut, drei getrocknete Alraunenblätter, der Saft zweier Blutkirschen.« Seine Stimme überschlug sich fast, je weiter er sprach. »Und das waren nur die uninteressanten Zutaten!«

Cathrina war in die Hocke gegangen, um eine der größeren Schubladen zu durchsuchen. Auch wenn sie versuchte sich auf ihre Suche nach der Karte zu konzentrieren, konnte sie nicht anders als dem Gespräch zu folgen. Baldriankraut, Alraunenblätter, Blutkirschen. Sie runzelte die Stirn. Eine ungewöhnliche Kombination. Und keine, mit der sie etwas anfangen konnte.

»Sogar an der Murtlap-Essenz hat er sich bedient, dabei ist die so unfassbar teuer! Unfassbar, unfassbar.«

Ihr Kopf arbeitete auf Hochtouren und versuchte ihr eine Antwort zu liefern, was um alles in der Welt Sirius mit gerade diesen Zutaten gewollt hatte. Unglücklicherweise lenkten sie ihre Gedankengänge so ab, dass sie unabsichtlich gegen zwei leere Fläschchen stieß, die in einer kleinen Halterung im unteren Teil des Schreibtisches steckten. Das deutlich wahrnehmbare Klirren ließ sie erschrocken innehalten.

»Was war denn das?«

So schnell sie konnte – und ohne weitere Geräusche zu verursachen – schloss Cathrina die Schublade und wich zurück. Keine Sekunde zu früh. Slughorn war zu ihr getreten und ließ den Blick aufmerksam über den Schreibtisch wandern.

»Hm«, machte er kurz darauf, »wie ungewöhnlich. Da habe ich mich wohl verhört.«

»Ich bin noch nicht auf den eigentlichen Grund meines Besuches zu sprechen gekommen, Professor.« Lilys Stimme klang plötzlich eine Oktave höher als üblich.

Slughorn verharrte noch einen Moment lang auf der Stelle, ehe er sich kopfschüttelnd wieder umwandte, um zur Sitzgruppe zurückzukehren. »Wie unhöflich von mir. Fahren Sie fort.«

Cathrina schloss erleichtert die Augen, nachdem er sich entfernt hatte. Konzentrierter als zuvor begab sie sich erneut auf die Suche.

»Während meines Praktikums im St. Mungo wurde mir mitgeteilt, dass es im Bewerbungsverfahren nicht schaden kann Empfehlungsschreiben mit einzureichen.«

»Ich verstehe.« Slughorn ließ sich wieder in seinen Sessel sinken. »Selbstverständlich werde ich Ihnen ein solches Schreiben ausstellen.«

»Vielen Dank, Professor.«

»Natürlich, natürlich.« Er winkte ab. »Ich werde es noch vor den Ferien aufsetzen.«

Während das Gespräch der beiden begann sich um spezifische Inhalte und Referenzen zu drehen, öffnete Cathrina die letzte von ihr noch nicht durchsuchte Schublade. Ganz oben, wie daher drapiert und fast schon für sie bereitgelegt entdeckte sie das vertraute, leicht mitgenommen aussehende Stück Pergament, in das sie und ihre Freunde unzählige Stunden investiert hatten. Erleichterung machte sich in ihr breit. Gefunden. So leise sie konnte, schob sie sich die Karte des Rumtreibers in ihre Westentasche und zog die falsche Karte aus ihrer hinteren Hosentasche. Nachdem sie das Pergament so gefaltet hatte, dass es äußerlich nicht von der richtigen Karte zu unterscheiden war, rückte sie es noch mehrere Male umher, bis sie endgültig zufrieden war. Dann schloss sie die Schublade.

Cathrina bewegte sich fast lautlos durch den Raum, stets darauf bedacht nicht versehentlich irgendetwas zu berühren oder gar umzustoßen, bis sie hinter dem kleinen Zweiersofa zu stehen kam. Sie passte den Moment ab, bis Slughorn sich eine weitere Tasse Tee ausschenkte und legte ihre Hand auf Lilys linke Schulter.

Lily zuckte leicht zusammen, schaffte es jedoch bemerkenswert schnell, ihr freundliches Lächeln zu begradigen und sich auf den Zaubertränkemeister konzentrieren. Auch wenn sie bezweifelte, dass Slughorn sie tatsächlich bemerken würde, wich Cathrina von der Sitzgruppe zurück und huschte hinüber zum Ausgang. Ihre Aufgabe war erledigt. Nun war es an Lily ihr Gespräch zu einem Ende zu bringen und ihr den Weg hinaus zu eröffnen. So lange es auch dauern würde.



∞•••|||•••∞




»Es hat funktioniert«, flüsterte Lily gut dreißig Minuten später, nachdem sie sich von Slughorn verabschiedet und auf direktem Wege hinauf in den zweiten Stock begeben hatten. »Es hat tatsächlich funktioniert.«

Das ehemalige Klassenzimmer, in das sie sich geschlichen hatten, war größtenteils leerstehend. »Natürlich hat es funktioniert.« Cathrina verriegelte die Tür, legte einen zusätzlichen Schutzzauber darauf, um sie vor potenziellen Besuchern zu warnen, und murmelte ein leises ›Muffliato‹, ehe sie zufrieden den Zauberstab senkte.

Lily beobachtete sie kritisch. »Ist das nicht ein bisschen übertrieben?«

Cathrina schüttelte den Kopf und zückte die Karte des Rumtreibers. »Nicht, wenn es hierum geht.«

Es war ein seltsames Gefühl, mit jemand anderem außer ihren Freunden über die Karte zu sprechen. Doch sie alle waren sich einig gewesen. Deal war Deal. Lily hatte ihnen dabei geholfen die Karte wiederzubeschaffen, also hatte sie es auch verdient in deren Geheimnisse eingeweiht zu werden.

Cathrina holte tief Luft und pustete über die Oberfläche des einzigen im Raum verbliebenen Tisches. Es dauerte einen Moment, bis sich der aufgewirbelte Staub gelegt hatte. Ein wenig unschlüssig, wie sie am besten beginnen sollte, benötigte sie eine Weile, um die richtigen Worte zu finden.

»Wie du sicher weißt haben meine Freunde und ich seit unserem ersten Schuljahr unzählige Stunden damit verbracht durch das Schloss zu streifen, Geheimgänge zu entdecken oder verborgene Passagen. Sagen wir einfach, wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Hogwarts’ besser kennenzulernen als jemals jemand zuvor.« Sie lächelte, als sie daran zurückdachte, wie sie die ersten nächtlichen Streifzüge unternommen hatten, um sich Hogwarts’ genauer anzusehen. »Und wir waren gut. Verdammt gut. Innerhalb der ersten beiden Jahre haben wir so viele Geheimgänge entdeckt, dass wir Probleme damit hatten uns alle zu merken. Das war der Grund, weshalb wir anfangen haben uns grobe Skizzen des Schlosses anzufertigen.«

Lily beobachtete sie aufmerksam dabei, wie sie die Karte auf den Tisch legte. »Also ist das hier ein Lageplan des Schlosses? Mit allen Geheimgängen?«

»Teilweise, ja«, bestätigte Cathrina. »Aber es ist noch so viel mehr. Und ich denke, dass du es einfach selbst sehen solltest.«

Lily verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie abwartend an.

»Miss Evans.« Sie räusperte sich theatralisch. »Ich präsentiere Ihnen: Die Karte des Rumtreibers.« Sie berührte mit der Spitze ihres Zauberstabes das Pergament. »Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin.«

Farben begannen ineinanderzulaufen, Linien bildeten sich auf den zuvor noch leeren Seiten und formten Muster. Cathrina hätte sich ein Grinsen selbst dann nicht verkneifen können, hätte ihr Leben davon abgehangen. Erfüllt von Stolz beobachtete sie Lilys wechselnde Emotionen. Das irritierte Runzeln ihrer Stirn, während sie versuchte zu verstehen, was sie vor sich sah. Der ungläubige Gesichtsausdruck, als sie begann zu verstehen. Und die pure Fassungslosigkeit, nachdem sich ihr Blick auf einen ganz bestimmten Teil der Karte gerichtet hatte.

»Lily Evans. Cathrina Jones«, entfuhr es ihr leise. Ihre Fingerspitzen fuhren über die eingerahmten Namen in einem der eingezeichneten Klassenzimmer.

Cathrina lächelte amüsiert und begann damit im Raum umherzulaufen, wohl wissend, was dadurch auf der Karte zu sehen war.

»Merlin«, flüsterte Lily schockiert, ohne den Blick abzuwenden. »Fußabdrücke. Es zeigt an, wie du dich bewegst. Aber nicht nur du.« Konzentriert überflog sie naheliegenden Korridore. »Professor Flittwick… Professor McGonagall… Mary! Gemeinsam mit Alice und Frank. In der großen Halle. Du meine Güte, selbst Peeves ist zu sehen.«

»Ausnahmslos jede Person wird von der Karte erfasst«, erklärte Cathrina und trat zurück an den Tisch. »Sobald er oder sie das Schulgelände betritt.«

»Jede Person«, wiederholte Lily langsam. Dann weiteten sich ihre Augen. »Natürlich! So hat mich Potter gefunden, als Malfoy und Bellatrix auf mich losgegangen sind. Er hat mich-« Sie stockte. »Er hat mich beobachtet

Wohl wissend, dass das Gespräch dabei war eine gefährliche Wendung zu nehmen, hob Cathrina abwehrend die Hände. »In gewisser weiße schon, ja«, gab sie zu, »aber er hat nicht speziell dich beobachtet, sondern die Karte allgemein überflogen. Das machen wir häufiger.«

Lily schien nicht wirklich überzeugt, ging jedoch nicht weiter darauf ein. »Das ist einfach… unglaublich.« Sie stützte sich mit den Händen an der Tischkante ab und starrte auf die Karte. »Die Arbeit die ihr hier reingesteckt haben müsst, die Magie

Cathrina lächelte Stolz. »Es hat uns Monate gekostet, bis wir diese Karte hier fertiggestellt hatten. Stundenlanges Nachforschen über entsprechende Zauber, die wir benutzen könnten. Ausprobieren verschiedener Variationen, wie die Karte aussehen könnte. Von den unzähligen Fehlschlägen will ich gar nicht erst anfangen.«

Lily blätterte sichtlich überwältigt weiter, bis die Ländereien zu erkennen waren. Ihre Augen überflogen die unzähligen Namen ihrer Mitschüler, die sich am schwarzen See tummelten und ihren freien Nachmittag draußen verbrachten. »Das ist einfach… mir fällt kein passendes Wort dafür ein.« Wieder schüttelte sie mit dem Kopf. »Unglaublich.«

»Dann verstehst du jetzt sicherlich auch, wieso wir die Karte unbedingt zurückhaben wollten.« Cathrina hielt sich zurück und gab Lily Zeit, sich über das eigentliche Ausmaß der Karte klar zu werden.

»Jetzt ergibt es auch Sinn, wie ihr es seit Jahren schafft durch das Schloss zu schleichen, ohne erwischt zu werden«, stellte Lily nüchtern fest. »Mit dieser Karte ist es das reinste Kinderspiel unbemerkt von A nach B zu gelangen.«

»Ganz genau.«

»Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass ihr… so etwas habt.« Lily stieß ein trockenes Lachen aus. »Erst ein Tarnumhang, jetzt eine Karte des gesamten Schlossgeländes. Was kommt als nächstes?«

Cathrina musste sich tatsächlich zusammenreißen, um nicht versehentlich etwas von ihrem vierten Schuljahr zu verraten, in dem sie es geschafft hatten illegale Animagi zu werden. »Das war es erst einmal, versprochen«, sagte sie deshalb. »Ich muss mir ja noch was für das nächste Mal aufheben, wenn ich dich dazu überreden muss uns zu helfen.«

Lily schüttelte abrupt mit dem Kopf, studierte aber noch immer interessiert die ausgebreitete Karte. »Oh nein, vergiss es. Das war’s! Endgültig.«

Cathrina zwinkerte. »Das werden wir noch sehen. Du wirst dich dem Charme der Rumtreiber nicht entziehen können.«

»Da scheint sich noch jemand anders dem Charme von einem deiner Freunde nicht entziehen können«, erwiderte Lily spöttisch und deutete auf einen bestimmten Punkt auf der Karte. »Und zwar oben auf dem Astronomieturm.«

Cathrina folgte ihrem Finger. Und ihr Lächeln verblasste.

»Black und Bowen«, sagte Lily. »Was läuft da eigentlich zwischen den beiden? Einmal sehe ich sie rumknutschen, dann gehen sie sich Wochen aus dem Weg.«

Das Atmen fiel Cathrina plötzlich unnatürlich schwer und so sehr sie auch versuchte sich dazu zu bringen wegzusehen, schaffte sie es nicht ihren Blick von den beiden Namen abzuwenden, die sich am höchsten Punkt des Schlosses befanden.

»Aktuell gibt es keinen Astronomieunterricht. Und mit den Hufflepuffs zusammen schon gar nicht«, fuhr Lily sachlich fort. »also können wir uns wohl denken was die beiden da oben treiben.«

Cathrina hatte das Gefühl zu ersticken. Eine unsichtbare Hand hatte sich um ihren Hals geschlossen und ließ es ihr von Sekunde zu Sekunde schwerer fallen zu atmen. Lily musste falschliegen, versuchte sie sich zu beruhigen, ohne den Blick von den beiden Punkten abzuwenden, die aufgehört hatten sich zu bewegen. Mit Sicherheit gab es eine plausible Erklärung dafür, weshalb sich Sirius mit Bowen traf. Einen völlig nachvollziehbaren Grund, den sie einfach nicht verstand.

»Missetat begannen.« Die Linien der Karte begannen augenblicklich zu verblassen, kaum hatte sie erneut das Pergament mit der Spitze ihres Zauberstabes berührt. »Lass uns gehen«, bat sie Lily, ehe diese dazu kam etwas zu sagen, »ich habe langsam aber sicher wirklich Hunger. Aber davor will ich den Tarnumhang zurück zum Turm bringen.«

Lily musterte sie aufmerksam, nickte dann jedoch. »Klar. Es müsste sowieso bald Abendessen geben.«

Sie zwang sich zu einem Lächeln, auch wenn es nicht den Hauch einer Chance hatte ihre Augen zu erreichen, um glaubhaft zu wirken. »Los geht’s.«



∞•••|||•••∞




Der Anblick von Sirius‘ und Bowens Namen auf der Karte war auch noch eine Stunde später nicht aus ihren Gedanken zu vertreiben. Nicht einmal die wirklich unverschämt gutriechende Pasta, die sie sich großzügig auf den Teller gegeben hatte, schaffte es sie so weit abzulenken, damit sie sich zumindest halbwegs auf ihr Essen konzentrieren konnte.

»Ist alles in Ordnung?«

Eine Hand berührte sie an der Schulter und ließ sie erschrocken zusammenzucken.

Lily riss ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. »Hey, hey hey. Was ist denn los mit dir?«

Cathrina brauchte einen Moment, um sich wieder zu fangen. »Mir geht’s gut«, beeilte sie sich zu sagen, »mach dir keine Sorgen.«

Mary, die auf der gegenüberliegenden Seite des Haustisches saß, musterte sie kritisch. »So siehst du aber nicht gerade aus. Wirst du vielleicht krank?«

»Ich bin einfach nur müde«, wich Cathrina aus und zwang sich zu einem kleinen Lächeln. »Langer Tag. Doppelstunde Geschichte der Zauberei, wer kann es mir da verübeln erledigt zu sein?«

Sie verzog mitleidig das Gesicht. »Auch wieder wahr.«

Erleichtert, zumindest Mary davon abgehalten zu haben weiterzubohren, wandte sie sich Lily zu, die ein Stück Pergament aus ihrer Tasche gezogen und auseinandergefaltet hatte. »Was ist das?«

»Eine Zutatenliste«, entgegnete diese knapp. »Oder zumindest ein Teil davon.«

Stirnrunzelnd beugte Cathrina sich ein wenig zur Seite, um einen Blick darauf werfen zu können. Baldriankraut, drei getrocknete Alraunenblätter, der Saft zweier Blutkirschen, Murtlap-Essenz. Sie brauchte einen kurzen Moment, bis sie realisierte, dass es sich um die Zutaten handelte, die Slughorn wenige Stunden zuvor während ihrer gemeinsamen Karten-Rettungsmission aufgezählt hatte. Die Zutaten, die Sirius versucht hatte zu stehlen.

Doch ehe sie dazu kam sich genauer damit zu befassen, entdeckte sie im Augenwinkel ihre Freunde, die die große Halle betreten hatten. Die fragenden Blicke der vier Rumtreiber waren eindeutig und Cathrina tippte mit der Hand unauffällig gegen die innere Tasche ihrer Weste, bevor sie Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formte. Die Erleichterung war beinahe greifbar, allen voran bei Sirius, der sich neben Mary auf die Bank fallen ließ.

»Was ist eigentlich mit dir los?«, fragte Mary und musterte ihn amüsiert. »Du siehst schon den ganzen Tag so aus, als hätte man dir die Sommerferien gestrichen und dich zu acht Wochen Nachsitzen verdonnert.«

»Sowas in der Art«, entgegnete er langsam und warf Cathrina einen kurzen Blick zu. »Aber das hat sich wohl erledigt.«

Cathrina nickte kaum wahrnehmbar und versuchte sich wieder auf ihre Pasta zu konzentrieren, die mittlerweile kalt war.

»Gab es irgendwelche Zwischenfälle?«, fragte Remus beiläufig und nahm dankend den Kürbissaft entgegen, den Peter ihm reichte. »Irgendetwas, von dem wir wissen sollten?«

Sie schüttelte mit dem Kopf und drehte mit ihrer Gabel ein paar Spagetti auf. »Nichts, was der Rede wert wäre.«

»Was hast du denn auch erwartet Moony?« James, der sich auf den Platz neben Sirius gesetzt hatte, befüllte seinen Teller mit so viel essen, dass problemlos zwei Erwachsene hätten satt werden können. »Mit der Unterstützung die sie hatte.«

Lily sah nicht von der Liste auf, machte aber deutlich, dass sie dennoch genaustens zuhörte. »Gewöhn dich lieber nicht dran, James«, sagte sie gleichgültig. »Das war das letzte Mal.«

Cathrina konnte regelrecht sehen, wie James‘ Laune in ungeahnte Höhen stieg, nachdem Lily ihn beim Vornamen genannt hatte. Wohl wissend, dass damit allerdings die Gefahr drastisch zunahm, dass er sich zum Idioten machte, warf sie ihm einen warnenden Blick zu, der ihn augenblicklich zum Schweigen brachte.

Mary, die dem Gesprächsverlauf aufmerksam gefolgt war, verdrehte die Augen, versuchte aber nicht herauszufinden, von was genau gesprochen wurde. Stattdessen warf sie einen interessierten Blick auf die Zutatenliste in Lilys Händen. »Was ist das denn genau für eine Liste, Lils?«

»Die hab ich von Slughorn«, antwortete Lily konzentriert. »Ein paar Zutaten, die jemand versucht hat zu stehlen.«

Cathrina bemerkte, wie Sirius sich augenblicklich verkrampfte.

»Versucht hat?«, wiederholte Mary erstaunt.

Lily nickte. »Slughorn hat ihn erwischt. Jetzt will ich herausfinden, was genau derjenige damit vorhatte.«

»Lass stecken Evans. Wird schon nichts Besonderes gewesen sein«, sagte Sirius ausweichend. »Vermutlich ein paar Sachen, um Aufpäppeltränke zu brauen. Nach der Abschlussfeier am nächsten Wochenende werden die in Massen gebraucht werden, um alle wieder nüchtern zu bekommen.«

»So simple Zutaten hätte ich wohl erkannt, Black«, widersprach Lily schnippisch. »Und die hier gehören definitiv nicht dazu. Damit könnte man eher jemanden vergiften.«

»Gib mal her.« Mary nahm die Liste entgegen und überflog stirnrunzelnd die einzelnen Stichpunkte. Es dauerte nicht lange, bis sie einen leisen Pfiff ausstieß. »Derjenige der versucht hat die Sachen hier zu klauen, ist erwischt worden?«

Sirius‘ schlagartig erstarrenden Gesichtszüge ließen Cathrina hellhörig werden. »Ja, wurde er«, bestätigte sie deshalb und ignorierte den fast schon flehenden Blick, den er ihr daraufhin zuwarf.

»Dann hat irgendeine Hexe jetzt wohl ein gewaltiges Problem. Zumindest vielleicht.« Mary faltete das Pergament zusammen. »Das sind Zutaten für einen Trank, den man benutzt, um einen vergessenen Verhütungszauber nachträglich zu wirken.«

Cathrina hatte das Gefühl mit der flachen Hand geradewegs ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Verhütungszauber, wiederholte sie gedanklich fassungslos, während ihr die genaue Bedeutung von Marys Worten bewusst wurde. Nicht irgendein Verhütungszauber, ein nachträglich gewirkter Verhütungszauber.

James fiel vor Entsetzen die Gabel aus der Hand. »Bitte was?!«

»Und dafür benutzt man Blutkirschen?«, fragte Lily ungläubig und überging James‘ Zwischenruf gewisslich. »Das Zeug ist in größeren Mengen mehr als gefährlich.«

Mary zuckte mit den Schultern. »Es soll ja auch eine potenzielle Schwangerschaft nachträglich vermeiden. Man hat 48 Stunden, in denen man den Trank einnehmen kann, danach kann er nichts mehr ausrichten.«

Remus verschluckte sich an seinem Kürbissaft und schnappte händeringend nach Luft, während Peter ihm geistesgegenwärtig auf den Rücken klopfte. Sein Blick galt nicht Mary oder Lily, sondern Sirius, der die Lippen zu einer schmalen Linie verzogen und sich keinen Millimeter von der Stelle gerührt hatte.

Cathrinas Kopf arbeitete auf Hochtouren und setzte Puzzleteile zusammen, von denen sie bis zu diesem Moment nicht geahnt hatte, dass sie zueinander gehörten. Die Ereignisse der vergangenen zwei Tage spielten sich in einer so schnellen Geschwindigkeit vor ihrem inneren Auge ab, dass sie damit zu kämpfen hatte ihnen zu folgen, doch waren es einige wenige, ganz spezifische Momente, die hervortraten.

48 Stunden. Der Abend, an dem Sirius behauptet hatte, James im Krankenflügel besucht zu haben. Die darauffolgende Konfrontation im Gemeinschaftsraum, bei der Sirius sie gebeten hatte, ihm zu vertrauen. Die Karte des Rumtreibers. Bowen.

Sie spürte, wie ihre sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich, während sich die einzig logische Erklärung formte, die Sirius‘ ungewöhnliches Verhalten der vergangenen Tage erklärte. Er hatte ihr nicht verraten wollen, wo er gesteckt hatte, weil er mit Bowen zusammen gewesen war.

Etwas in ihrer Brust zog sich so schmerzhaft zusammen, dass sie kaum noch Atmen konnte. Sie musste sich irren. Sie betete, dass sie sich irrte. Doch ein einziger Blick in Sirius‘ Gesicht reicht aus, um zu wissen, dass sie recht hatte.

Er war mit Bowen zusammen gewesen.

Und hatte ihretwegen versucht, die Trankzutaten zu stehlen.



∞•••|||•••∞




Sirius wusste, dass er ein gewaltiges Problem hatte, als Cathrina den Blick von Mary abwandte und auf ihn richtete. Womit er jedoch nicht gerechnet hatte war der zutiefst verletzte Ausdruck in ihren Augen. »Rina«, beeilte er sich zu sagen, wusste aber insgeheim, dass es bereits zu spät war. »Hör zu, das ist nicht-«

Cathrina stieg über die Bank hinweg, warf sich ihre Tasche über die Schulter und stürmte in Richtung Ausgang.

Fluchend sprang er auf die Beine und schüttelte James‘ Hand ab, die ihn am Ärmel seines Hemdes gepackt und versucht hatte festzuhalten. Es kostete ihn einige wertvolle Sekunden einer Gruppe Drittklässler auszuweichen, die sich am Ende der Haustische versammelt hatte, bis er es schaffte das Tor hinaus aus der großen Halle zu passieren. Gerade noch rechtzeitig, um einen weißblonden Schopf im Korridor in Richtung Treppenhaus verschwinden zu sehen.

»Rina!«, rief er und beeilte sich ihr zu folgen. Sie hatte bereits die erste Treppe erklommen und war gerade dabei die nächste zu besteigen, als er sie einholte. »Rina, hör mir zu. Bitte.«

»Sirius? Cat! Was zum Teufel ist hier los?!«

Sirius verzog das Gesicht, als er die Stimme seines besten Freundes vernahm und stieß ein Stoßgebet in Richtung Himmel, als die Treppe nicht nur James, sondern auch Remus, Peter und sogar Lily und Mary gerade rechtzeitig den Weg abschnitt.

Er beschloss das kleine bisschen zusätzliche Zeit zu nutzen und packte Cathrinas Handgelenk, um sie auf der dritten Treppe zu stoppen. »Rina, hör mir verflucht nochmal zu. Ich weiß, wie das klingen muss, aber-«

Sie riss sich mit solcher Gewalt von ihm los, dass sie ins Taumeln geriet und gegen das Treppengeländer stolperte. »Lass mich in Ruhe!«

Sirius presste die Lippen aufeinander und folgte ihr, nachdem sie sich abgewandt und erneut losgelaufen war. »Hör. Mir. Zu! Ich habe nicht

»Es ist mir egal!«, zischte sie aufgebracht und nutzte ihre Chance Abstand zwischen sie zu bringen, als zwei sichtlich verunsicherte Ravenclaws an ihnen vorbeihuschten. Sirius stieß einen lautlosen Fluch aus und nahm zwei Stufen auf einmal, um sie nicht außer Reichweite kommen zu lassen.

»Es ist aber nicht egal!« Er spannte die Muskeln an und überholte sie, ehe sie die nächste Treppe erreichen konnte. »Lass es mich dir erklären, Rina. Aber nicht hier

»Wieso denn nicht?« Ihre zu Fäusten geballten Hände zitterten. Er war sich nicht sicher ob vor Wut. »Wieso stört es dich denn plötzlich, wenn das ganze Schloss weiß, dass du Bowen flachlegst? Ist doch nichts Neues! Wie es scheint, hast du nie damit aufgehört!«

Sirius geriet ins Stocken. »Woher weißt du, dass es um Juliana geht?«, fragte er überrascht.

»Die Karte«, entgegnete sie scharf. »Als ich meinen Teil der Abmachung erfüllt und Lily die Karte gezeigt habe. Rate mal, welche Namen wir ganz allein auf dem Astronomieturm entdeckt haben.«

Oh scheiße. Sirius fuhr sich mit einer Hand gestresst durch die Haare und fragte sich insgeheim, was sein bester Freund mit dieser Geste immer zu bezwecken versuchte. »Ja, es hat mit Juliana zu tun«, gestand er schließlich widerwillig, »aber nicht so, wie du jetzt glaubst.«

»Ich will es nicht hören, Sirius.« Ihre brüchige Stimme verursachte ihm Gefühle, wie er sie noch nie zuvor verspürt hatte. Doch es waren ihre plötzlich glasig gewordenen Augen, die ihm fast das Herz brachen. »Geh zu Bowen oder sonst wem, aber lass mich gefälligst in Ruhe. Das Thema ist für mich endgültig erledigt.«

Er machte einen Schritt zur Seite, um sie am Weglaufen zu hindern. »Tu das nicht. Komm schon, lass es mich bitte erklären. Es ist wirklich nicht so, wie du glaubst. Ich werde dir alles erzählen, aber nicht hier in aller Öffentlichkeit. Bitte Kätzchen.«

»Nenn mich nicht so.« Er konnte ihr ansehen, wie sie mit den Tränen kämpfte. »Merlin. Ich war einfach dumm. So verdammt dumm.« Die Worte blieben ihr im Hals stecken. »Ich dachte wirklich, dass du... dass du und ich...!«

Sirius schüttelte energisch mit dem Kopf. Er wollte nach ihrer Hand greifen und versuchte sich nicht gekränkt zu fühlen, als sie vor ihm zurückwich. »Bitte Rina«, bat er gedämpft, »nur zwei Minuten. Mehr brauche ich nicht. Mach es nicht kaputt.«

Er wollte nicht, dass sie das zerstörte, was sich in den vergangenen Tagen und Wochen zwischen ihnen entwickelt hatte. Dieses zarte Band, das nichts mehr mit einfacher Freundschaft zu tun hatte.

Lautes Fußgetrampel hallte im Treppenhaus wider und Sirius musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass ihre Freunde die Stufen hinauf stürmten.

»Zu spät.« Cathrina sah ihm geraume Zeit in die Augen, ehe sie den Blick auf etwas hinter ihm warf. »Es ist längst passiert.«

»Pad! Cat! Wäre einer von euch bitte so freundlich und würde erklären, was das Ganze soll?«, rief James aufgebracht, der als Erster zu ihnen stieß. »Was ist hier verdammt nochmals los?«

Cathrina hatte sich bereits abgewandt, ehe jemand ihren verletzten Gesichtsausdruck hatte sehen können. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren folgte sie der Treppe hinauf in das nächste Stockwerk. Sirius wollte ihr nachgehen, sie schütteln und dazu zwingen ihm zuzuhören. Irgendetwas sagte ihm allerdings, dass er es nur schlimmer machen würde, sollte er diesem Verlangen in diesem Augenblick nachgeben. Sie glaubte ihm nicht. Und er konnte es ihr beim besten Willen nicht verübeln.

»Später, Prongs«, sagte er deshalb und sah zu seinem besten Freund. »Jetzt hab ich was zu erledigen.«

»Schon wieder?«, platzte es ungewöhnlich aggressiv aus James heraus. »Muss ich dich daran erinnern was das letzte Mal passiert ist, als du ›etwas zu erledigen‹ hattest?«

Sirius warf ihm einen wütenden Blick zu und vermied es gewisslich, in Remus’ Richtung zu sehen, der in der vergangenen Vollmondnacht die Folgen seines Alleinganges zu spüren bekommen hatte. »Wir sehen uns nachher im Schlafsaal«, sagte er knapp und drängte sich an der kleinen Gruppe vorbei.

»Willst du mich verarschen? Sirius!«

»Jetzt nicht, James!«, blaffte er ebenso aufgebracht zurück. »Später

»Aber-!«

»Nichts aber!« Er stieß einen frustrierten Laut aus. »Ich erkläre es euch. Später. Geht in den Turm, ich komme bald nach, dann können wir reden.« Ihm blieb keine Wahl. Zumindest bezüglich seiner Nacht-und-Nebel-Aktion in den Kerkern würde er reinen Tisch machen müssen. »Versprochen. Jetzt geht schon.« Er hatte sich bereits zum Gehen gewandt, als er noch einmal innehielt. »Und Evans?«

Lily, die an Marys Seite das Geschehen besorgt verfolgt hatte, sah ihn an. »Ja?«

»Auf mich ist sie stinksauer«, sagte er verhalten, »aber nicht auf dich. Könntest du...?«

Sie verzog keine Miene, sondern starrte ihn einige quälend lange Sekunden fast schon emotionslos an, bevor sie nickte. »Ich werde nach ihr sehen.«

Sirius hätte nicht erwartet, so erleichtert zu sein. »Gut.« Zögerlich sah er zu Peter und Remus, wobei Letzterer ihn fast schon mit Blicken zu erdolchen drohte. Irgendetwas sagte ihm, das Remus tatsächlich wieder einmal mehr wusste, als er in diesem Moment ahnte. »Ich weiß das ich es verbockt habe«, sagte er deshalb. »Ich werde es wieder in Ordnung bringen. Versprochen. Aber dazu muss ich jetzt gehen.«

Remus’ Augenbrauen zogen sich in die Höhe. Dennoch blieb er stumm und nickte in Richtung Treppe. Eine wortlose Erlaubnis, endlich zu verschwinden.

Sirius nickte kaum wahrnehmbar und beeilte sich, die Stufen hinunterzusteigen. Er hatte gerade die nächste Treppe erreicht, als er James’ Stimme vernahm. »Lass mich durch Moony. Ich will wissen, was hier verdammt nochmal los ist! Und wenn ich ihn vorher verprügeln muss! Die streiten sich! Schon wieder! Das ist ja nicht mehr zum Aushalten!«

Sehe ich ganz genauso, Prongs. Sirius verzog das Gesicht. Aber diesmal bin ausschließlich ich derjenige, der es verbockt hat. Und zwar so richtig. Aber ich mach’s wieder gut.

Sein Weg führte ihn hinunter ins Erdgeschoss. Die große Halle war noch immer gut besucht, während er zielstrebig den Haustisch der Hufflepuffs ansteuerte. Er entdeckte die Hexe mit dem langen braunen Locken bereits von weitem und legte ihr eine Hand auf die Schulter, um sie auf sich aufmerksam zu machen. »Du musst mir helfen, Juliana.«


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Hat leider wieder ein bisschen länger gedauert. Aber ich bin fleißig am schreiben und schaffe es vielleicht sogar noch diesen Monat das nächste Kapitel hochzuladen.

LG

Winterbell
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