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The right one  – Es ist nicht einfach den Richtigen zu finden

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
20.02.2021
21.10.2021
21
45.163
24
Alle Kapitel
153 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
02.05.2021 2.138
 
Hi!

Mit einem Dankeschön an shootigstar, Miwi, SunriseAve66, Bella-2017, Sternchen1208 und Dani Leseratte für die lieben Reviews, sowie für alle die Klicks starte ich nun mit Kapitel 12.
Eure Gedanken dazu sind herzlich willkommen, ich hoffe ihr seid bereit sie zu äußern.

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 12:     Alles in Ordnung, Josefiina?


Das war eine ziemlich gezielte Frage von Eve ...
„Das mit Samu und mir würde niemals gutgehen, das weiß er, das weiß ich, aber wir können es trotzdem nicht sein lassen miteinander zu flirten“, gestand ich ganz ehrlich. „Na ja, von Samus Seite aus ist es eigentlich weniger flirten, er ist schon sehr direkt.“ Ich merkte richtig, wie wieder diese verdammte Röte mein Gesicht eroberte, deshalb setzte ich schnell das Wasserglas an meine Lippen.
„Ich verstehe“, erwiderte Eve gelassen, „er will Sex.“
„Uäh!“, hustete ich, weil ich mich prompt an meinem Wasser verschluckt hatte. Eve war anscheinend genauso gradlinig wie ihr Sohn.
„Kann man so sagen“, nuschelte ich und wischte mir mit dem Handrücken das feuchte Kinn ab.
„Ich werde dich jetzt nicht fragen was du möchtest“, lachte Eve und legte ihre Hand auf meinen Arm, „ihr müsst euch fragen wie sich das auf eure Freundschaft auswirkt. Könnet ihr damit umgehen?“
Mein Blick wanderte in den Garten, zu Samu hinüber.

„Ich denke das könnten wir, aber ich kann mich sowieso nicht auf Samu einlassen, ohne dass er ehrlich zu mir ist, ohne zu wissen was da mit Stella war und warum er sich so schuldig fühlt.“
„Dann weißt du es noch gar nicht? Ihr habt schon so vertraut auf mich gewirkt, da dachte ich ...“ Eve wirkte wirklich überrascht.
„Samu hat mir versprochen, dass er es mir erzählt. Allerdings erst nach der Taufe von Kaisa. Er möchte nicht, dass speziell du dich um ihn sorgst. Ich hoffe es war kein Fehler es dir zu erzählen, denn es ist gewiss nicht meine Absicht dich zu beunruhigen.“
„Oh nein, es ist in Ordnung“, beruhigte mich Eve. „Samu wird schon wissen wann der richtige Zeitpunkt da ist dir davon zu erzählen.“
„Eve“, begann ich nochmals, „Samu hat sie doch nicht ...“ getötet, dachte ich. „Ich meine, er ist doch kein ...“ Mörder, sprach ich in meinen Gedanken das Wort aus.
Eves Blick wurde traurig. „Ich verstehe was du denkst. Nein, Jo, das ist er nicht, aber er fühlt sich so und ich denke das ist aus seiner Sicht auch verständlich. In der ersten Zeit danach ist er oft laut schreiend in der Nacht aufgewacht, aber durch das Schreiben von Songs hat er seinen Weg gefunden um das zu verarbeiten.“ Eve schwieg einen Moment. „Aber nun lass uns von etwas anderem reden. Was haben wir morgen noch zu tun? Ach ja, wir könnten ...“

Später lag ich auf meinem Luftmatratzenbett. Diese Stella-Geschichte schien nicht nur Samus Problem zu sein, anscheinend hatte es alle Familienmitglieder seelisch mitgenommen. Freund und Leid wurde hier geteilt, man lachte und litt miteinander. Aber vielleicht sollte das auch so sein, vielleicht war genau das der Sinn einer Familie.

Samstagmorgen. Die Aufregung war im ganzen Haus spürbar, Sanna wirkte wie ein kopfloses Huhn. Ich verstand nicht wirklich weshalb sie so aufgeregt war, es würde doch nur die Familie anwesend sein. Plus meine Wenigkeit. Sanna allerdings tat so, als würde die finnische Regierungsriege antreten. Jaakob und Mikka bauten einen Pavillion auf damit der Grill- sollte es regnen - im Trockenen stehen würde. Santtu erzählte den Männern etwas von Stichflammen und riet ihnen dazu Wasserschlauch  und die Telefonnummer der Feuerwehr schon mal parat zu halten. Eve kümmerte sich um die morgige Hauptperson und Sanna räumte mit meiner Hilfe das Wohnzimmer um, sodass alle Platz haben würden. Samu war zum Handlanger degradiert und durfte Hilfsarbeiten verrichten, was ihm schließlich zu dumm wurde.
„Weißt du was, Sanna? Du hast doch diese spezielle Tauftorte in der Bäckerei bestellt, die hole ich jetzt ab“, bot er an, „in Ordnung?“
„Ja, ja“, entgegnete sie geistesabwesend.
Samu nahm Sannas Auto, fuhr zu der mal gerade einen Kilometer entfernten Bäckerei in der Sanna die Torte bestellt hatte und ward die nächsten Stunden nicht mehr gesehen. Nachdem alles so war wie Sanna das wollte spendierte Mikka Pizza für alle.

„Wo ist denn Samu?“, wunderte sich Sanna.
„Er wollte doch die Torte holen“, erinnerte ich sie. Sanna runzelte die Stirn.
„Und dann ist er immer noch nicht wieder da? Oh Mann, das ist ja so typisch für ihn!“, schimpfte sie. „Ich rufe ihn mal an. Mensch, jetzt geht er nicht mal ran!“, ärgerte sie sich nach einer Weile.
„Hoffentlich ist ihm nichts passiert“, meldete sich die besorgte Mutter.
„Was soll ihm denn schon passiert sein?“, entgegnete Sanna. „Vermutlich hat er die Torte aufgefressen und klappert jetzt panisch alle in Frage kommenden Läden an in denen er so eine Torte auftreiben könn... Samu, endlich! Wo bist du? Wir wart... Waaas? Krankenhaus? Du bist im ... Krankenhaus? Was ist denn passiert?“ Alle schaute erschrocken zu Sanna, nur Santtu schien sich keine Sorgen zu machen.
„Der hat sich bestimmt an der Torte überfressen und ist mit Magenkrämpfen ins Krankenhaus“, mutmaßte er und bekam dafür eine Kopfnuss von seiner Mutter verpasst.
Sanna spazierte mit dem Mobiltelefon am Ohr durch das Wohnzimmer.
„Oh... Autsch... Ja, natürlich holt Mikka dich ab.“ Mikka riss die Augen weit auf und tippte sich mit dem Zeigefinger auf die Brust während sein Mund ganz eindeutig ein lautloses iiiich? formte. „Ja, ich sags ihm. Wie? Ach Samu ... Ja, du bist ein Held. Ja, ich habe dich auch lieb“, schickte sie einen Schmatzer durch das Telefon. Sie legte auf und seufzte tief.
„Und?“, fragten alle – einschließlich Santtu – gespannt.

„Also: Mein werter Herr Bruder hat die Torte abgeholt. Das Auto hatte er am Straßenrand geparkt. Als er die Beifahrertür aufgemacht hat, um die Torte reinzustellen ist er an der Bordsteinkante mit dem Fuß abgerutscht. Anstatt sich am Auto abzustützen, damit er nicht auch noch umknickt, hat er alles menschenmögliche getan um die Torte zu retten. Folge: er ist umgeknickt, hat sich den Fuß verstaucht und jede Menge blauer Flecken geholt als er gegen das Auto geknallt ist.“
„So ein Idiot“, wagte Santtu einen Kommentar.
„Immerhin ist die Torte heile geblieben, also wage es nicht Samu als Idioten zu bezeichnen!“, nahm Sanna ihn in Schutz. „Er ist ein Held. Irgendjemand hat das alles mitbekommen und einen Krankenwagen gerufen. Na ja, und nun ist Samu im Krankenhaus und wartet darauf samt Torte abgeholt zu werden.“ Ihr Blick wanderte zu ihrem Mann. „Mikka, würdest du bitte ...“ Sie versuchte es mit einem Hundeblick der sofort Erfolg zeigte.
„Also gut, ich hole ihn ab“, willigte Mikka ein. „In welchem Krankenhaus ist er denn?“
„Äh... das hat er nicht gesagt.“ Mikka schüttelte den Kopf.
„Frauen!“ Dann rief er seinen Schwager an, um das zu erfragen. Santtu wollte unbedingt mit und Sanna beschloss den Ersatzschlüssel ihres Wagens zu nehmen, bis zur Bäckerei zu laufen und das Auto abzuholen. Ich blieb mit Eve, Jaakob und Kaisa im Haus zurück.


Nachdem alle wieder da waren wurde erst einmal mit einem Salmiakki angestoßen. Da ich eigentlich nie viel Alkohol trank zeigte das sofort seine Wirkung, was sich bei mir in Form knallroter Ohren und albernem Gekicher zeigte. Zum Glück fiel es nicht so auf, weil außer Sanna und Santtu irgendwann alle Salmiakki-geschädigt waren.
Und damit waren dann auch die Vorbereitungen für den morgigen Tag abgeschlossen.

Obwohl Samu kaum laufen konnte bestand er darauf sein Versprechen zu halten und im Zelt zu schlafen. Eve schimpfte ihn dafür aus, was ihn aber herzlich wenig interessierte. „So eine Unvernunft! Denk an deinen Fuß!“
„Lieber nicht, der tut nämlich weh“, antwortete der Sohnemann. „Mama, wenn du wüsstest was ich schon alles gemacht habe, dann würdest du das hier nicht Unvernunft nennen!“ Sie winkte ab.
„Vermutlich ist es gut wenn man als Mutter nicht alles weiß. Wenn man später dahinter kommt ... Ich erinnere mich zum Beispiel ...“ Und dann begann sie ein paar Dinge aus dem Leben ihres Ältesten zu erzählen. Normalerweise ist so etwas für die Betroffen ja immer peinlich, aber Samu amüsierte sich scheinbar darüber und fügte stets noch ein paar schockierende Dinge hinzu, sodass Eve von selbst aufhörte diese Erinnerungen zum Besten zu geben. Dann wurde es auch für alle Zeit sich zur Nachtruhe zu begeben und zum ersten Mal kam ich dazu in Ruhe über das Gespräch mit Eve nachzudenken. Und über meine Gefühle zu Samu.

Er war attraktiv. Okay, sehr attraktiv, dennoch sah er nicht so aus wie ich mir immer meinen Traummann vorgestellt hatte. Und seine Einstellung zu Partnerschaft und Familie kollidierte sowieso stark mit meiner. Aber selbst unsere unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen konnten nicht verhindern, dass wir doch etwas mehr füreinander empfanden als wir uns selbst eingestanden. Ich hatte doch mit eigenen Ohren gehört wie er zu Sanna gesagt hatte: Ja, ich habe mich in Jo verguckt. Doch dann war wieder dieses aber gekommen. Und vergucken war in meinen Augen sowieso nur eine stärkere Form der Schwärmerei, noch unter verliebt sein. Von lieben mal ganz abgesehen. An welchem Punkt befand ich mich? Das musste ich herausfinden, denn ehrlich gesagt wusste ich es selbst nicht so genau.


Sonntagmorgen. Es ging alles etwas hektisch zu, schließlich musste jeder ins Bad und das dauerte bei so vielen Leuten eben eine gewisse Zeit. Ich war ziemlich früh auf und zu meinem großen Erstaunen war auch Samu schon wach. Er saß in der Küche und hatte – wie konnte es anders sein – einen Kaffeebecher in der Hand aus dem der Dampf wie ein tanzender Geist emporstieg.
„Mein Fuß hat mich nicht schlafen lassen“, erklärte er, „das tut ganz schön weh.“
„Ja, Verstauchungen sind fies.“
„Hast du wenigstens gut geschlafen?“ Seine Stimme klang so sanft, dass es mir unangenehm war ihn anzuschauen.
„Ja, hab ich.“
„Schön.“ Samu führte seinen Kaffeebecher zum Mund und schlürfte etwas. „Alles in Ordnung, Josefiina?“
„Ja, doch.“ Es wurde wieder still zwischen uns. „Setzten wir uns ein wenig auf die Terrasse? Ich würde gerne mit dir reden.“
Sofort begann mein Herz wie ein Schnellzug zu rasen. Über was wollte er mit mir reden? Mir gestehen, dasss er sich im mich verguckt hatte?“
Ich nickte nur. Samu humpelte vorwärts.
„Kann ich dir helfen? Soll ich dich stützen?“
„Es wäre auf jeden Fall etwas einfacher für mich“, gab Samu zu. Im Schneckentempo erreichten wir die Terrasse und setzten uns.
„Und? Um was geht es?“, hakte ich nach.
„Ich wollte dich fragen, ob ... Nun ja, ob du mich gleich in der Kirche nach vorne an das Taufbecken begleiten magst. Ich bin schließlich Kaisas Pate und kann nicht in der Bank sitzen bleiben.“
„Oh ... Wenn Sanna und Mikka nichts dagegen haben mache ich das, natürlich.“
„Danke.“ Wieder entstand dieses Schweigen. Es zerrte an meinen Nerven.
„Samu“, platzte ich heraus, „ich habe gestern zufälliger Weise mitbekommen was du in der Küche zu Sanna gesagt hast. Im Bezug auf mich. Stimmt das?“ Samu schluckte. Offensichtlich wusste er ganz genau was ich meinte.
„Ich will ehrlich zu dir sein, und deshalb ... Jo, ich glaube nicht, dass das mit uns was werden kann“, begann er behutsam. „Ja es stimmt, ich habe das zu Sanna gesagt, ich wusste, dass sie sonst keine Ruhe geben würde. Wie gesagt, ich mag dich supergerne, aber ...“ Er schüttelte den Kopf. „Es reicht nicht zum dem was du dir für die Zukunft wünscht.“

Ja, ich muss zugeben, dass ich da schon einen kleinen Stich im Herzen verspürte, andererseits war ich froh darüber, denn auch  ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich in einer Beziehung mit Samu glücklich werden würde.
Etwas mühevoll erhob sich Samu und humpelte zu dem jungen Apfelbaum herüber der im Garten stand. Mit der Hand klopfte er gegen den Stamm. „Denn hat Mikka gepflanzt nachdem sie das Haus gebaut haben. Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und ein Kind zeugen, das hat bei Mikka wunderbar geklappt und ich bin glücklich für ihn, aber ich bin nicht er.“ Samus Finger knibbelten ein wenig an der Rinde herum. „Sanna wollte vermeiden, dass da etwas zwischen uns entsteht, aber sie hat mitbekommen, dass da doch etwas zwischen uns ist, sie hat es einfach nur falsch interpretiert“, fuhr er fort. „Sie ist nicht der Typ Frau der es okay findet sich aufeinander einzulassen ohne sich zu lieben. Nach meinen Worten wird sie jetzt Ruhe geben, denn das was sie vermeiden wollte, nämlich dass wir uns verlieben, ist ihrer Ansicht nach nun doch passiert, also heißt es für sie das Beste daraus machen. In Zukunft wird sie alles daran setzen damit das mit uns beiden klappt. Ich weiß, das hört sich irre an, vielleicht ist es das ja auch, aber alle gefühlsmäßigen Dinge sind nun mal irre, oder denkst du nicht?“ Er grinste mich leicht an. Ich stand ebenfalls auf und ging zu ihm.
„Dann soll ich Sanna jetzt auch etwas vorspielen und verliebt tun? Samu, wie stellst du dir das vor?“, sah ich ihn an.
„So“, sagte er, neigte seinen Kopf herab und drückte seine Lippen fest auf meine.
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