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The right one  – Es ist nicht einfach den Richtigen zu finden

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
20.02.2021
21.10.2021
21
45.163
24
Alle Kapitel
153 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
18.04.2021 1.899
 
Hi,

es ist heute später geworden als geplant, aber vor dem neuen Kapitel möchte ich mich doch noch ganz herzlich für all die Klicks, die Favos und für die Reviews von Miwi, JayJillsKleine Welt, Bella-2017, SunriseAve66, Sternchen1208 und shootingstar bedanken!

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 10:    Mama, du kennst sie eben nicht!


Ein wenig irritiert folgte ich Samus Blick und stellte fest, dass wir bereits wieder bei Sanna und Mikka angekommen waren. Trotzdem konnte ich mit seinem Himmel, sie sind da!, nicht viel anfangen, wo sollten Sanna, Mikka und Kaisa denn sein, wenn nicht Zuhause?
„Du wirst die Drei mögen Jo, sie sind wirklich wahnsinnig liebe Menschen“, versicherte Samu.
War Samu jetzt total durch? Ich hatte alle doch bereits am Mittwoch kennengelernt, heute war Freitag!
„Und red sie bloß nicht mit Frau Haber an, so heißt sie nicht“, erläuterte Samu nachdem wir ausgestiegen waren.
„Das weiß ich doch!“, entgegnete ich heftig und wollte gerade darauf verweisen, dass mir durchaus geläufig war, dass Sanna nach ihrer Hochzeit Mikkas Nachnamen angenommen hatte, als Samu sagte:
„Stimmt, du hast dir ja immer mit Sanna geschrieben, da weißt du natürlich, dass unsere Mutter Vasmaa mit Nachnamen heißt. Aber wie ich sie kenne wird sie sowieso wollen, dass du sie Eve nennst.“
Da machte es bei mir Klick, und mir war klar wen Samu mit dem Ausruf gemeint hatte, nämlich seine Eltern und den jüngeren Bruder, die zur Taufe anreisen wollten.

Samu klingelte ungeduldig und als die Tür aufging wurde er gleich lautstark von einem jugendlichen Burschen begrüßt, vermutlich Santtu.
„Jo, wo bleibst du denn?“, drehte Samu sich nach mir um. „Das ist mein kleiner Bruder Santtu. Santtu, das ist Jo, Sannas Brieffreundin aus Deutschland. Aber sie ist Finnin.“
„Hi Santtu“, grüßte ich.
Freundlich reichte er mir die Hand. „Hallo Jo, ich bin Santtu.“ Dann wandte er sich sofort wieder an seinen großen Bruder, an dem er fortan wie eine Klette hing. Es war ganz offensichtlich, dass er Samu bewunderte, auch wenn ich nicht so recht wusste wofür ...
Samus Mutter war sehr aufgeschlossen und bot mir tatsächlich gleich an sie Eve zu nennen. Ihr Mann Jaakob, Samus Stiefvater, war etwas zurückhaltender, aber auch er war jemand mit dem man problemlos auskommen konnte.
Da so ein Übernachtungsbesuch eigentlich nicht eingeplant war wurde nun umdisponiert. Samu überließ seinen Eltern das Gästezimmer und beschloss mit Santtu draußen im Garten zu zelten. Natürlich hätte Samu auch in seine Wohnung zurückfahren können, immerhin war sie ja soweit wieder bewohnbar, aber es gab – laut Samu – gute Gründe um lieber zu zelten.
Erstens: Santtu wünschte sich das.
Zweitens: Dann konnte er sich auch mal das eine oder andere alkoholische Getränk genehmigen, weil er ja nicht mehr fahren musste.
Drittens: Es bestand nicht die Gefahr, dass er am Sonntag die Taufe verschlief.

Die männlichen Vertreter der Gattung Mensch machten sich also daran das Zelt aufzubauen, wir Frauen saßen auf der Terrasse, tranken Kaffee und amüsierten uns über die Helden die mehr oder weniger erfolgreich versuchten mit dem Zeltaufbau weiter zu kommen. Sanna freute sich aufrichtig über den verfrühten Besuch.
„Es war Jaakobs Idee“, erklärte Eve, „er meinte, es wäre doch schön wenn ich dich noch unterstützen könnte, und wenn auch nur indem ich dir Kaisa abnehme. Sie ist für mich das schönste Geschenk nach Samu, dir und Santtu“, schwärmte sie und gab ihrem Enkeltöchterchen einen Kuss auf die Stirn. Unbeeindruckt davon schlummerte Kaisa im Arm ihrer Oma weiter. „Und jetzt freue ich mich noch ein wenig mehr, weil auch Samu da ist. Zwei volle Tage mit meinen Kindern, das ist wunderschön!“ Sie schaute zu mir herüber. „Sannas Brieffreundin kennenzulernen finde ich auch wunderbar. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern als Sanna aus der Schule kam und mir ganz aufgeregt erzählte, dass sie nun eine finnische Brieffreundin in Deutschland hat. Leben hier noch Verwandte von dir, Jo?“
„Leider nicht“, schüttelte ich den Kopf. „Nach dem Tod meiner Großeltern ist meine Verbindung zu meinem Geburtsland ganz abgerissen. Erst durch Sanna wurde das alles wieder belebt. Sie, und auch Samu sind sehr darum bemüht mir dieses Land wieder näher zu bringen.“ Ohne ersichtlichen Grund wurde ich rot, vielleicht weil Eve mich so intensiv musterte.
„Dann kommst du gut mit Samu aus?“
War das jetzt eine Fangfrage?
„Ja, er ist sehr freundlich, lustig und unterhaltsam. Auch wenn ich ihn heute anders erlebt habe“, setzte ich hinzu.
„Inwiefern?“, wollte Sanna wissen und sah kurz zu ihrem älteren Bruder herüber, der sich gerade mit ihrem jüngeren Bruder einen Spaßkampf um ein paar Zeltheringe leistete.
„Er war gestern schon so komisch als in einem Gespräch der Name meiner Kindergartenfreundin Stella fiel“, berichtete ich. „ Danach ...“
„Stella“, wiederholte Eve und seufzte. Sorgenvolle Falten tauchten auf ihrer Stirn auf und ich bedauerte schon das überhaupt erwähnt zu habe. Eve war so eine liebe Frau und ich wollte sie bestimmt nicht an etwas erinnern was offensichtlich nicht schön gewesen war.

Wohl in der Annahme, dass Samu mir diese Geschichte erzählt hatte, berichtet sie davon, dass sie mit Samu nach diesem Ereignis zum Psychologen gegangen war, damit er das was passiert war verarbeiten konnte.
„Es hat ihm viel gebracht, sein Lebensmut kam wieder, er hat auch wieder Pläne gemacht, dennoch hat es ihn verändert. Feste Beziehungen lehnt er ab, weil er dann auch nicht in die Lage kommen kann in der er damals war. Das alles ist nun schon über zehn Jahre her und ich hoffe, dass Samu eines Tages doch noch eine Frau findet für die er all seine Bedenken über Bord ...“

„Mama, Mama, Mama, der Samu hat ...“ Santtu kam nicht weiter, weil besagter Bruder ihn in den Schwitzkasten nahm.
„Weißt du was man zu meiner Zeit mit Petzen gemacht hat?“, wollte er von Santtu wissen. Santtu röchelte, „... da ... da hat man so jemanden vermutlich in eine Kampfarena gesperrt und wie einen Gladiator kämpfen lassen, nur, dass die Gegner zu deiner Zeit Dinosaurier waren!“
„Okay Kleiner, das reicht. Frechheit wird bestraft.“ Damit schnappte er sich Santtu und warf ihn wie so einen Mehlsack über seine Schulter. Endstation war die Gartendusche von der nun empörte Schreie und Samus tiefes Lachen zu hören war.

Eve blieb erstaunlich ruhig, was ich ihr auch sagte. „Ach Gott, hätte ich mich über alles aufgeregt was speziell die Jungs angestellt haben, dann hätte ich vermutlich kein einziges Haar mehr auf dem Kopf. Was Dummheiten anging, beziehungsweise angeht, da bin ich so einiges gewohnt. Da bleibt einem nur eines: Gelassenheit, sonst dreht man durch. Merkt dir das Sanna, denn diese kleine Lady wird bestimmt nicht immer so friedlich bleiben.“ Wieder wandte Eve sich an mich. „Wie sieht es bei dir aus, Jo, möchtest du auch eine eigene Familie?“
„Oh ja, aber leider fehlt mir noch jemand der den Gegenpart bildet der für so ein Projekt nötig ist. Aber ich habe auch noch andere Pläne“, erzählte ich schnell weiter, „und das verdanke ich ganz allein Samu.“
„Samu?“, fragten Eve und Sanna gleichzeitig.
„Ich weiß ja nicht was er dir vorgeschlagen hat, aber Samus Ideen sollte man mit etwas Vorsicht genießen“, warnte mich Sanna. „Dürfen wir wissen um was es geht?“
„Ja, natürlich.“ Ich gönnte mir einen Schluck Kaffee bevor ich davon erzählte was  für Pläne da gerade so in meinem Kopf entstanden. „Ich denke darüber nach aus meinem Elternhaus auszuziehen und mir in einer anderen Stadt eine Wohnung und einen neuen Job zu suchen. Vielleicht sogar in einem anderen Land. Ich bin Finnin, warum also sollte ich nicht wieder hier leben?“ Das war natürlich eine rhetorische Frage von mir gewesen, aber Sanna begann sofort wie ein Schweinchen loszuquieken.
„Ja, Jo, ja, das musst du unbedingt machen! Du musst unbedingt in diese Gegend ziehen! Wir beide könnten so viel Spaß haben! Und ich habe in meinem Freundeskreis auch noch ein paar sehr schnuckelige Junggesellen!“

Mit schnellen Schritten kam Samu auf uns zu. „Ich habe da gerade was von schnuckeligen Junggesellen gehört, meinst du damit etwa auch mich, Schwesterlein?“ Sanna winkte ab.
„Du bist ein hoffnungsloser Fall, aber der Jarno beispielsweise wäre schon was für Jo. Oder Teevo.“
„Teevo?!“, echote Samu. „Du meinst den Teevo? Den Teevo dessen Eltern die Besitzer des Hotels Sonnenschein sind?“
„Genau den. Immerhin wäre er eine gute Partie. Finanziell gesehen“, setzte sie nachdenklich hinzu.
„Nur über meine Leiche!“, entschied Samu. „Außerdem, was soll sie mit einem Freund in Finnland? Jo lebt in Deutschland.“
„Dann weißt du es noch nicht?“
„Hä?“ Verwirrt sah Samu zwischen uns hin und her. „Was weiß ich noch nicht?“
„Jo zieht nach Finnland, nach Helsinki!“, jubelte Sanna.
„Echt? Super, das ist ja super!“ Schon hatte Samu mich von meinem Sitzplatz hochgezogen und ich fand mich in seiner Umarmung wieder. Und das vor den Augen seiner Mutter!

„Samu, bitte, es steht doch noch gar nichts fest! Es ist lediglich eine Überlegung“, löste ich mich.
„Wenn du jetzt nicht handelst wird es auch bei der Überlegung bleiben, du bist nämlich der Typ Mensch der -zig Mal alles durchdenkt bevor er sich entscheiden kann und selbst dann noch an der Richtigkeit zweifelt.“
„Danke für die Analyse, Herr Haber, aber ich entscheide wie ich vorgehe und ich muss das noch mal in Ruhe durchdenken.“
„Blödsinn!“, rief Samu während seine Mutter quasi im gleichen  Atemzug sagte:
„Natürlich, und das ist auch richtig so.“ Samu grummelte.
„Mama, du kennst sie nicht! Jo braucht einen Schubs, sonst wird das nichts.“
„Ah, und du kennst sie schon so gut?“
Eine flammende Röte breitete sich über mein Gesicht aus.
„Ja, ich denke schon. Ich würde sie hier unterstützen wenn sie Hilfe braucht. Und ich werde mich nach einer Wohnung für sie umhören“, erwiderte er aufrichtig.

Diesmal war es Sanna die ihren Bruder sehr intensiv beobachtete. „Jo, wenn es dir ernst ist dann kannst du natürlich auch auf Mikka und mich zählen. Vielleicht kann ich dir einen Job vermitteln. Es gibt hier genügend Konditoreien in denen du als Verkäuferin arbeiten könntest.“
„Evelyn!“, schlug Eve vor. „Evelyn ist eine Freundin von mir und sie arbeitet in einer Konditorei mitten in der City. Ich werde sie mal fragen, ob sie dort noch jemanden suchen.“
„Das ist so lieb von euch, wirklich, aber bitte überstürzt nichts. So ein Umzug geht schließlich nicht von heute auf morgen“, bremste ich die Drei aus.
„Aber von morgen auf übermorgen“, beschloss Samu. „Und jetzt versprichst du uns, dass du dich wirklich darum bemühen wirst.“
„Ja, versprich es!“, drängte auch Sanna.
Hilflos zuckte ich mit den Schultern, lächelte dann. „Also gut, ich verspreche es.“
„Juhu!“, rief Sanna und fiel mir um den Hals.
„Sanna“, meldete sich Eve zu Wort, „ich glaube deine Kleine stinkt wie ein Puma.“
„Puh, ja“, schnupperte Sanna, „dann wickle ich sie mal schnell. Und dann könnten wir zusammen deinen wunderbaren Heidelbeerkuchen backen, okay Mama?“
Mit einem: „Gerne“, erhob sich Eve.
„Kann ich auch helfen? Vielleicht ...“
„Nein, bleib einfach noch etwas im Garten sitzen und feile an deinen Zukunftsplänen.“
Sanna verschwand samt Mutter und Tochter im Haus und ich war mit Samu alleine. Na ja, nicht ganz alleine, Mikka, Jaakob und Santtu beschäftigten sich immer noch mit dem Zeltaufbau.
„Da habt ihr mich ganz schön überrollt“, gestand ich, „aber ich muss dir Recht geben Samu, ich brauche meistens einen Schubs.“
„Das wusste ich, aber keine Angst, du wirst nicht fallen. Nicht, solange ich das verhindern kann.“
„Darf ich dich mal etwas fragen Samu?“
„Klar. Was willst du denn wissen?“, steckte er sich einen Keks in den Mund.
„Warum tust du das für mich, Samu?“
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So, Gelegenheit für Spekulationen aller Art  ;)
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