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The right one  – Es ist nicht einfach den Richtigen zu finden

von Catweazle
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
OC (Own Character) Samu Haber
20.02.2021
12.05.2021
13
26.001
17
Alle Kapitel
81 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
20.02.2021 2.496
 
Hi,

diesmal eine 'leichte' Geschichte zur Entspannung. :)

Diese kleine Geschichte führt euch in Samus Vergangenheit, in eine Zeit, noch bevor er mit der Band erfolgreich wurde.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Jo. (Josefiina)

Wie immer ist das alles lediglich ein Produkt meiner Fantasie und ich danke allen die dabei sind!

Liebe Grüße
Cat
_________________________________________________________________


Kapitel 1: Prolog:          Wir alle freuen uns schon auf dich!  


Ich war genau zwei Jahre und 228 Tage alt, als wir von Finnland nach Deutschland umzogen.
Wir, das waren meine Eltern, meine Geschwister und ich. Und Humphrey Bogart, unser inzwischen verstorbener Hund, kurz Humbo genannt.
Der Grund für den Umzug war die berufliche Versetzung meines Vater, der im Diplomatischen Dienst tätig war.
Die Finnische Botschaft in Deutschland befand sich zwar mitten in Berlin, aber wir lebten außerhalb. Meine Mutter mochte diesen Trubel der Großstadt nicht, sie war eben eine waschechte Finnin und kam besser in einer ruhigen Umgebung klar.

Für mich war die Umgewöhnung kein Problem gewesen, wie gesagt, ich war ja praktisch gerade erst den Windeln entwachsen, aber für meine älteren Geschwister Mara und  Linus war das nicht so einfach, sie mussten die Schule wechseln und ließen ihre Freunde zurück.
Irgendwie lief dann aber alles, auch Mara und Linus lebten sich hier gut ein und fanden neue Freunde.
Unsere Eltern, Arja und Tapio, sprachen zuhause finnisch mit uns damit wir diese Sprache nicht verlernten, beziehungsweise, damit ich sie erst mal richtig lernen konnte, aber außerhalb des Hauses ging es nur auf deutsch. Es war immer so, als würde ich einen Hebel umlegen: Haustür auf, Schritt nach draußen: deutsch. Haustür auf, Fuß rein: finnisch. Wenn meine Eltern Gäste hatten oder unsere Freunde da waren wurde deutsch gesprochen.

Die ersten Jahre nach dem Umzug flogen wir in den Sommerferien auch regelmäßig in die alte Heimat, aber dann starb meine Oma und Opa folgte ihr nur wenige Monate später. Ich fand das damals furchtbar traurig, aber irgendwie auch sehr romantisch. Er hatte einfach nicht mehr ohne sie leben wollen, hatte Mama mir erklärt. In meiner kindlichen Vorstellung hatte er sich in einer besonders schönen Sternennacht von Oma abholen lassen und war friedlich mit ihr, Hand in Hand, durch einen mit herrlichen Blumen geschmückten Lichttunnel ins Paradies gegangen.
Ja, ich weiß, ich habe mitunter etwas viel Fantasie ...

So, nun aber weiter, damit ich zu dem komme was wirklich interessant ist, oder doch zumindest zu dem was mein Leben interessant gemacht hat. Und das ist eine Brieffreundschaft die durch ein Schulprojekt begann.  Freundschaft mit Freunden in aller Welt,  hieß dieses Projekt und eine Sanna aus meiner alten Heimat Finnland wurde meine Brieffreundin. Sie lebte in Helsinki. Ihre Eltern waren geschieden, die Mutter zum zweiten Mal verheiratet. Sanna hatte einen älteren Bruder, Samu, und dann gab es noch den jüngeren Halbbruder Santtu, den die Mutter mit ihrem neuen Mann hatte.

Ich liebte es wenn Sanna über ihre Familie schrieb, besonders zu Samu hatte sie ein ausgezeichnetes Verhältnis und so erfuhr ich auch recht viel von dem was sein Leben betraf. Angeblich konnte er super singen, hatte sogar mit Freunden eine Band gegründet, aber die Leute waren bisher nicht so recht auf seine Musik angesprungen.
Dann berichtete Sanna mir eines Tages, dass Samu nach Spanien auswandern wollte, ihr Brief war quasi mit Tränen durchtränkt. Aber es kamen auch fröhliche, glückliche Briefe. Etwas später hörten die Briefwechsel zunehmend auf, weil wir fortan das soziale Netzwerk nutzten das immer größere Bedeutung einnahm. Ich bekam Sannas große Liebe Mikka per Mausklick vorgestellt, erfuhr von ihrer Hochzeit, von ihrer Schwangerschaft, und erhielt auch sofort die Benachrichtigung als die kleine Kaisa das Licht der Welt erblickte.

Das war also Sannas Leben. Und ich? Ein paar sehr unglücklich verlaufene Versuche den Mann  fürs Leben zu finden war alles was ich Privat zu bieten hatte. Meinen Job als Verkäuferin in einer Konditorei machte ich allerdings gerne. Immer wieder wurde ich von Kunden gefragt: Wie schaffen sie es nur, bei all den Leckereien so schlank zu bleiben?
Nun ja, vom Ansehen wird man ja normalerweise nicht dick, und auch wenn es im Laden wirklich herrlich duftete, aber nach einiger Zeit war ich allein schon von dem Geruch satt, und Kuchen und Co. reizten mich nicht die Spur.

Und damit bin ich auch schon da wo ich heute stehe. Im Augenblick in meinem Zimmer in meinem Elternhaus, obwohl ich schon verzweifelt auf der Suche nach einer eigenen Bleibe bin. Aber es ist gar nicht mal so einfach das von meinem Verdienst finanzieren zu können.
Heute steckte ein Brief aus Finnland im Briefkasten, adressiert an:  Meine Freundin Josefiina Suomlinen.
Josefiina Suomlinen, das bin übrigens ich.
Der Brief enthielt ein Foto von Baby Kaisa das auf einer Karte klebte, und als ich sie aufklappte sah ich, dass es eine Einladung war.

>Ich möchte dich, liebe Jo, zu meiner Taufe einladen.
Es wird Zeit, dass meine Mama und du sich endlich kennenlernen. Wir alle freuen uns schon auf dich!
Deine Kaisa<


Natürlich hatte Sanna diese Einladung dann noch mal offiziell bestätigt. Sanna schrieb, wenn ich nicht auftauchen würde, dann wäre sie zum ersten Mal in all den Jahren richtig böse auf mich.
Ich ließ den Brief sinken, merkte erst jetzt, dass mein Herz ganz aufgeregt klopfte. Ich sollte nach Finnland reisen? Zu Sanna? Zu der Frau die zwar seit meinem 14. Lebensjahr meine Freundin war, die ich persönlich aber gar nicht kannte?
Normalerweise bin ich immer sehr zögerlich wenn ich eine Entscheidung treffen muss, ich überlege hin- und her, wäge das Für und Wider ab bevor ich mich überhaupt zu irgendetwas durchringen kann, aber diesmal stand mein Entschluss in Sekundenschnelle fest. Und bevor ich wieder Zweifel an meiner eigenen Entscheidung bekam setzte ich mich an meinen PC und sandte eine Nachricht Richtung Finnland, an die Adresse meiner Freundin Sanna.

> Hallo ihr Lieben,
Herzlichen Dank für die Einladung!
Sanna, du brauchst nicht böse auf mich zu sein, ich werde zu Kaisas Taufe an Ort und Stelle sein! Einzelheiten können wir gerne die Tage besprechen.
Eine liebe Umarmung von deiner Freundin Jo.<


So, der Grundstein war gelegt und ich freute mich schon wahnsinnig auf Finnland und darauf, Sanna und ihre Familie kennenlernen zu dürfen!

                                                                         ~ ~ ~


Papa hatte mich zum Flughafen gebracht. Er war es auch gewesen der mir geholfen hatte den Flug und alles was damit zusammenhing zu organisieren. Ich war da nicht so der Fuchs und auch recht unsicher, und warum sollte ich seine Hilfe nicht annehmen wenn er sie mir anbot?
Mit seiner Engelsgeduld hatte Papa mir alles erklärt, denn eins war klar, wenn ich durch denn Sicherheitscheck war, dann war ich wirklich ganz auf mich alleine gestellt. Und das – peinlich aber wahr – zum ersten Mal in meinem fünfundzwanzigjährigen Leben.

Mit Sanna war abgemacht, dass sie mich vom Flughafen in Helsinki abholen würde, sodass ich dem Flug nun entspannt entgegensehen konnte. Ich stellte meine Armbanduhr schon mal vor, auch wenn es noch nicht so spät war, aber Helsinki lag ja in einer anderen Zeitzone, dort war es schon später. Gewissenhaft überprüfte ich, ob ich auch Kaisas Taufgeschenk dabei hatte. Für die kleine Maus hatte ich ein Silberkettchen besorgt an dem eine Feenfigur hing. Konnte man auch als Engel ansehen, egal. Außerdem würde sie noch ein Kinderbesteck erhalten. Auf den breiten Stielen war das Bild eines süßen Marienkäfers zu sehen. Und dann hatte ich ihren Namen eingravieren lassen. Hoffentlich würde sie sich darüber freuen. Irgendwann.
Für Sanna und Mann gab es riesige Kaffeetassen, die für Mikka trug das Motiv des Brandenburger Tores, auf der von Sanna glotzte ihr der Berliner Bär entgegen. Beide Tasse waren angefüllt mit Pralinen aus der Konditorei in der ich arbeitete, von mir höchstpersönlich abgefüllt und in knisterndes Cellophan verpackt, Schleifchen inklusive.

Es war schon seltsam nach Finnland zu fliegen, mein Geburtsland war mir fremd, aber jetzt, im Flieger, verspürte ich so etwas wie Sehnsucht, oder doch zumindest den Wunsch dieses Land ganz genau kennenzulernen. Vierzehn Tage würde ich bei Sanna und ihrer Familie bleiben und ich ahnte schon jetzt, dass mir der Abschied schwer fallen würde.
Während des Fluges hörte ich Musik, ich brauchte dieses Geschnatter aus Deutsch, Englisch und Finnisch nicht das unentwegt an mein Ohr drang sobald ich die Musik ausstellte.
Der Flug verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug und ich war mächtig aufgeregt nachdem ich meinen Koffer in Empfang genommen hatte und nach meiner lieben Sanna Ausschau hielt.
Oje, so viele Menschen ...

Manche hielten Schilder hoch und auf einem von ihnen entdeckte ich den Namen  Jo.  Okay, damit konnte ich gemeint sein, also begab ich mich in Richtung dieses Schildes. Allerdings stellte ich beim Näherkommen fest, dass es keine Frau war die dieses Schild hielt sondern ein recht groß gewachsener Mann. Trotzdem ging ich weiter. Sanna hatte mir ja ab und zu Bilder von sich und ihrer Familie geschickt und dieser Mann dort konnte eventuell ihr Bruder sein, aber so ganz sicher war ich mir doch nicht. Aber hier doof rumstehen? Nein. Also sprach ich ihn auf finnisch an.

„Hallo, ich bin Jo. Josefiina.“
„So ein Glück, mir tun schon die Arme weh vom Schild hochhalten“, seufzte er auf. „Herzlich willkommen in Finnland! Ich bin Samu, Sannas großer Bruder.“
„Das sehe ich“, blickte ich zu ihm auf.
„Sannchen lässt sich entschuldigen, aber die Kleine hat heute Nacht Fieber bekommen, da wollte sie Kaisa nicht alleine lassen, und da es ja quasi deine Schuld ist musst du nun also mit mir vorlieb nehmen“, erklärte er seine Anwesenheit.
„Meine Schuld?“, sah ich ihn verwundert an. Sanna hatte mir zwar schon berichtet, dass ihr Bruder Samu gerne und viel redete, aber das fand ich nun doch etwas seltsam.  „Es ist meine Schuld, dass Kaisa Fieber bekommen hat?“, vergewisserte ich mich. Samu nickte.
„Sanna hat ihr erzählt, dass du extra zu ihrer Taufe aus good old Germany anreist, da hat sie vor Aufregung glatt Fieber bekommen“, behauptete er. Nun musste ich doch auflachen.
„So ganz viel verstehst du aber nicht von Kindern, was?“
„Dazu kannst du dir ja die nächsten Tage ein Urteil bilden“, meinte er nur und griff nach meinem Koffer. „Ist das alles? Kein zweiter Koffer?“
„Nein, nur dieser. Übrigens kann man ihn ziehen, du brauchst ihn nicht zu tragen. Und ich kann ihn auch selbst ziehen.“
„Kann, kann, kann. Komm lieber mit.“ Samu entschloss sich doch den Koffer zu ziehen und erkundigte sich nebenbei wie denn so der Flug gewesen sei, und dass ich mich hoffentlich nicht mit Flugfood vollgestopft hätte, weil Sanna  doch extra was gekocht hatte.

„Sannas“, erklärte er als wir bei einem altersschwachen Golf ankamen. Samu lud den Koffer ein, ließ mich einsteigen und quetschte sich dann hinters Steuer. Und sofort plauderte er wieder los. Woher denn manche Leute den Führerschein hätten, und warum die Ampeln heute so blöd geschaltet wären und er ständig nur Rot hätte, und dass es nach Regen aussehen würde, aber nicht regnen würde, das sei die letzten Tage auch schon so gewesen. Samu  ließ keine Sekunde Langeweile aufkommen. Er hatte eine schöne tiefe Stimme, ich hörte ihm gerne zu und ja, ich sah ihn auch gerne an, denn er war wirklich ein hübsches Kerlchen. Er musste jetzt 27, 28 Jahre alt sein, ich wusste es nicht so ganz genau, aber im Gegensatz zu meinem Bruder Linus, der 28 Jahre alt war, wirkte Samu viel jugendlicher.

Nach einer Viertelstunde Dauerplaudern fand ich, dass es Zeit wurde Samu auch mal etwas auszufragen, bevor er sich noch nach meiner BH Größe erkundigen würde, da er alles andere schon so gut wie erfragt hatte.
„Und was machst du so beruflich, Samu?“
„Och ... Dies und Das, ich bin sehr vielseitig begabt“, lobte er sich und verschaltete sich  prompt im Gang, woraufhin das Auto ganz kurz wie ein übermütiges Kaninchen hoppelte. Innerlich musste ich lachen.
„Schön. Gehört Autofahren denn auch dazu?“
„Haha! Ich möchte Sänger werden“, ging er auf meine erste Frage ein. „Ich habe mit Freunden eine Band gegründet, mal sehen. Irgendwann klappt es schon.“
„Also nicht mehr Geschäftsmann?“, grinste ich ihn an. „Sanna hat mir verraten, dass du in Spanien ein Geschäft eröffnet hattest das den Bach runtergegangen ist.“
„Puh, ja. Erotikartikel. Die Leute wissen gar nicht was gut ist. Ich habe noch 'ne Menge davon, willst du etwas davon haben?“, grinste er mich ebenfalls an bevor er den Blick wieder auf die Straße richtete.
„Glaub' nicht.“
„Warum nicht? Einen Dildo vielleicht?“, bot er mir nun an und fügte hinzu: „Ich schenke ihn dir sogar. Einfach so, zum Ausprobieren.“
Hoffentlich wurde ich jetzt nicht rot ...
„Danke, aber ich bevorzuge das menschliche Original“, gab ich mich cool.
„Hm“, machte Samu. „Damit kann ich dir nun nicht dienen. Nicht, dass ich so etwas nicht mein Eigen nennen dürfte, aber da bin ich mit der Vergabe nicht ganz so großzügig wie mit den verbliebenen Sextoys.“
„So sollte es auch sein“, bemerkte ich freundlich.
Samu redete schon wieder weiter. „Im Übrigen ist es so ...“, begann er.  Na, was würde jetzt noch kommen?  Er setzte den Blinker, „... dass wir jetzt am Ziel sind.“ Samu deutete auf ein Häuschen vor dem ein junge Frau herum hüpfte und mit beiden Armen wild am winken war. Sanna, ja das war Sanna, eindeutig!

Mein Chauffeur hielt an, ich stieg aus und schon schloss Sanna mich in ihre Arme.
„Hallo Jo! Endlich lernen wir uns nach all den Jahren richtig kennen! Ich freue mich ja soooo unglaublich!“
„Ich auch, ich freue mich auch Sanna!“ Lachend erwiderte ich ihre stürmische Umarmung.
„Mensch, da kann man ja neidisch werden“, kommentierte Samu unsere Begrüßung.
„Ich wette,  du  hast sie schon beim Empfang umarmt“, wandte Sanna sich an ihren Bruder.
„Nein, das habe ich  nicht“,  verteidigte er sich gespielt empört, „ich habe mich zurückgehalten. Mit ihrem Koffer hatte ich mehr körperlichen Kontakt als mit ihr“, holte er das Gepäckstück aus dem Kofferraum.
„Du Ärmster“, bedauerte ihn Sanna. „Aber vielleicht gestattet dir Jo  nun  eine Willkommensumarmung, so mit mir als Anstandswauwau.“
„Klar“, lächelte ich. Samu trat auf mich zu, zog mich in seine Arme und knuddelte mich. Gott, er roch so gut und diese Wärme die er ausstrahlte ... Für Sekunden wünschte ich mir, dass die Zeit anhalten würde.

Tat sie natürlich nicht, aber als er sich von mir löste und mich anlächelte war das auch sehr schön. Samu hatte so klare blaue Augen und sah einfach nur schnuckelig aus. Er beugte sich ein wenig vor und legte eine Hand auf meine Schulter. Tief sah er mir in die Augen.
„Willkommen in meinem Leben, Josefiina“, sagte er ganz leise und zwinkerte mir kaum merklich zu.
Beim Klang seiner ruhigen, tiefen Stimme kroch mir eine Gänsehaut über meinen Körper die jede Gans hätte neidisch werden lassen.
Was für ein Mann!
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