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Wie wird man Bundespräsident?

GeschichteHumor / P12 / Gen
20.02.2021
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Nachdem ich Wochenlang in diesem dreckigen Gurkenkeller festgesessen habe (mehr dazu in „Die Unwahrheit über…..“), kam mir ein Gedanke: Politiker müsste Mann sein. Urlaub auf Staatskosten, überall hingefahren werden, mal eben Putin besuchen, Steuergeld kassieren, für Skandale sorgen, Wahlkampf machen, etc…..
Dann bräuchte ich ja auch nicht diese Storys hier zu schreiben, sondern könnte sie live im Fernsehen bei den Nachrichten erzählen. Wäre das nicht toll? Nein? .....egal.
Dann kam mir die Idee „Ich werde Bundespräsident“, denn Kanzler kann ja jeder. Natürlich habe ich das auch dem Lehrling erzählt, doch der war davon nicht so begeistert. Er nannte mich „grantiger Opa“. Abgesehen von dem Opa hatte er recht. Macht ja nichts. Ich brauche ja sowieso nur die Stimmen der Bundesversammlung. Das sind eh alles mehr oder weniger prominente Persönlichkeiten. Solche Leute haben sicherlich noch Respekt vor dem Adel. Es ist ja nicht die Jugend von heute, die mich wählen soll. Dieses Bauernvolk braucht mich also überhaupt nicht zu interessieren.
Mein Anfangsziel war es, erstmal eine Wählerstimme zu gewinnen. Man sollte ja immer klein anfangen. Ich hielt Ausschau nach einem schwachen Opfer und fand es auch sofort. Es handelt sich um einen Mann am Tiefpunkt seiner Karriere. Er hat alles versaut und ist kurz davor, gefeuert zu werden. Ihr wisst es sicher schon: Der Löw. Mit etwas Bestechung sollte das funktionieren, dachte ich mir und machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Ich versprach ihm, nach meiner Wahl werde ich den Özil zurückholen und alles wird wieder wie früher werden. Das gab ihm Hoffnung und so willigte er auch gleich ein. Es macht doch immer wieder Spaß, Menschen glücklich zu machen.
Allerdings stellte er mir dann eine Frage, die ich nicht beantworten konnte: „Von welchem Verein sind Sie?“. Damit hatte ich nicht gerechnet und war darauf auch nicht vorbereitet. Mir fiel auch gerade keine Partei ein und so probierte ich einfach sämtliche Abkürzungen durch: „DDR? CIA? OTTO? K+S? BND? GSG9? NABU? BVB?“. An dieser Stelle unterbrach er mich dann. BVB gefiel ihm gut. Allerdings hatte er da wohl etwas falsch verstanden. Er hielt mich die ganze Zeit für einen Stürzer….. äh Stürmer und wollte mich in die Nationalelf aufnehmen. Dem Typen ist echt nicht mehr zu helfen. Der nimmt mittlerweile scheinbar jeden Idioten auf. So wurde ich an diesem Tag kein Bundespräsident, sondern Nationalspieler. Wenigstens brachte mir die Aktion etwas Bekanntheit. Wenn ihr da diesen Stürmer seht (der mit dem weißen Trikot), das bin ich.
Dann kam die Halbzeit. In der Mannschaftskabine fragte ich ihn dann, ob ich wenigstens seine Stimme bekomme, wenn ich mich hier schon den ganzen Tag für ihn foulen lasse. Nachdenklich versenkte er seine Hand in der Sporthose. „Hand drauf!“, sagte er plötzlich, doch ich war nur noch angeekelt und verließ die Kabine wieder. Kein Wunder, dass bei solchen Schweinereien die ganzen guten Spieler nicht mehr mitmachen wollen. Letztendlich sind das wahrscheinlich alles gescheiterte Bundespräsidenten. So habe ich gleich meine erste Wählerstimme verloren. Doch da gibt es ja zum Glück noch andere in der Bundesversammlung.
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