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Herzrasen

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
19.02.2021
19.02.2021
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Anmerkung: Ein Text so intim wie doch jeder von mir. So real wie doch jeder von mir.



Herzrasen


Manchmal, da will ich sterben und das ist für mich vollkommen okay. An manchen Tagen will ich es so sehr, dass die lebenswichtigen Verbindungen nur davon gehalten werden, dass ich weiß ... dass dort etwas ist.
In mir. Mit mir. Hier und Jetzt. Damals und heute. Niemals und dennoch für immer.
Auch wenn ich in sterbenden Zeiten von Vergessen heimgesucht werde, so spüre ich es doch überall.
Sehe es. Höre es.
Sehe dich in den Schatten zwischen all dem fahlen, bedeutungslosen Licht. Sehe dich auf jedem Blatt Papier, hinter jeder noch so weit entfernten Kurve und eingebrannt in die Innenseite meiner Schädeldecke. So klar, dass du selbst dann da bist, wenn ich die Lider schließe und mich der fauligen Verzweiflung hingeben möchte.

Ich spüre dich mit jeder Faser meines Körpers. Spüre das Lachen in meinem Bauch, dass Lieben im großen Zeh und das Träumen in der Nasenspitze. Ich höre deine Stimme, als würdest du vor mir stehen.
Ich sehe dich rennen ... sehe dich tanzen und lieben und leben und weinen und kämpfen, kämpfen, kämpfen. Für dich. Für mich. Für ihn.
Sehe dein großes Herz mit unendlich viel Licht und Mut und Narben und Schmerz und Hoffnung, so viel Hoffnung ... immer diese Hoffnung.

Ich bin der Mensch für dich allein, du mein und sein. Wir sind zusammen. Damals, heute und für immer. Hier dort und an jenem entfernten Ort.

Ich kann ihnen erklären, wie du bist. Deinen Geruch, dein breites Lächeln ... den Körper voller Narben, bleiche Haut, tiefe Augenringe, wirres Haar. Jenes viel zu schnell rasende Herz.

Dein Herz, es rast in mir. Erst letztens fragte er mich, ob ich es kenne. Dieses Herzrasen kenne. Ob ich es öfter hätte. Sah diese Ausschläge im Elektrokardiogramm.
Dein Herz, ja es rast immer ... im Schlaf, wenn du isst ... wenn du mit ihm und mir bist. Nur nicht wenn die Wut dich zerfrisst.
Mein Herz? Mein Herz schlägt so sacht und ruhig ... rast nur in Momenten der Panik und der Angst. In der Dunkelheit der Nacht, auch wenn ich weiß, dass du über mich wachst.

Und lass mich dir eines sagen. Eines sagen, das möchte ich dir.

Niemand; niemand sieht dich so wie ich. Niemand; niemand kennt dich so wie ich.
Niemand; niemand sieht mich so wie du. Niemand; niemand kennt mich so wie du.

Du existierst nur in meinem Kopf und ich in dem deinen. Wir beide wohl in seinem.
Wessen Realität die Wahre ist ... dass Wissen, das habe ich nicht.


.

Schlussbemerkung: Manchmal kommt es vor, dass Menschen sich Sorgen machen, und deshalb möchte ich sagen, ich habe einen Psychologen und eine Psychiaterin. Ein sehr gut aufgestelltes Hilfsnetzwerk aus Freunden und professionellen Anteilen.

Auch möchte ich jedem, der Ängste und Probleme und dunkle Gedanken hat sagen ... dass du dir Hilfe holen darfst. Dass es keine Schande ist, sondern Stärke. Du bist es wert, dass man dich hört, dass man dich sieht. Du darfst Hilfe in Anspruch nehmen.

Danke, dass du bis hierhin gelesen hast.
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