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Nur gute Freunde

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
Chris Evans OC (Own Character)
17.02.2021
19.05.2021
2
4.393
3
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
19.05.2021 2.152
 
A/N: Endlich ist es geschafft! Das zweite, und somit auch letzte Kapitel ist raus.

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#2 – TE AMO


Es ist zwei Jahre her. Zwei Jahre, in denen ich hin und wieder eine Zeitarbeit gefunden habe. Zwei Jahre, die mir alles abverlangt haben – egal, ob körperlich oder seelisch.
Ich lebe immer noch mit Chris zusammen. Nun … und jetzt kommt das große Aber: Wir reden kaum noch miteinander, manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass er mir aktiv aus dem Weg geht, nur um sich nicht mit mir unterhalten zu müssen. Ob es an Leighton liegt, weiß ich nicht, und ich will mich nicht aus dem Fenster lehnen und böse Behauptungen aufstellen. Dafür ist mir Chris zu wichtig, obwohl er sich so merkwürdig verhält.
Es hat lange gedauert, bis ich seine neue Beziehung akzeptiert und um mich jedes Mal gezwungen habe, nett und freundlich zu ihr zu sein. Immer, wenn sie sich angekündigt hat, habe ich mich in mein Zimmer verbarrikadiert. Die ersten paar Male hat Chris noch nach mir gefragt, ob denn alles in Ordnung sei, aber das macht er jetzt auch nicht mehr. Gut so.
»Warum kommst du nicht ein wenig zu uns?«, hatte er mich einmal gefragt. Ich musste meine Mimik schneller unter Kontrolle bringen als dass ich Leighton aussprechen konnte und habe das Erstbeste gemacht, was mir in dem Moment eingefallen ist: Ich habe ihm direkt ins Gesicht gelogen.
Ich hatte einmal behauptet, dass ich mich nicht wohl fühle – wobei diese Lüge irgendwann aufgeflogen wäre –, also habe ich meine Geschichte weiter ausgeschmückt und kam näher an die Wahrheit als es mir lieb war.
»Ich muss über einige Dinge nachdenken, die mich nicht mehr ruhig schlafen lassen. Ich weiß nicht, wie ich zu einer Lösung kommen soll.« Damit hatte ich ihn stehengelassen, genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Leighton stand vor der Tür. Es war nicht meine Absicht, ihn stehenzulassen, geschweige denn zu ignorieren, aber ich habe damals einfach keinen anderen Weg gesehen, als die Flucht zu ergreifen.
Ich habe in dieser Zeit viel Zeit mit mir selbst verbracht, habe gelesen, Musik gehört, gezeichnet. Das Schlafzimmer ist wie mein eigenes kleines Reich geworden
Wie auch dieses Mal bin ich dort anzutreffen.
Gerade lese ich – mal wieder – der Hobbit auf meinem Bett, als ich Chris' Stimme laut und deutlich hören kann. Ich setze mich auf und schalte die Musik auf dem Handy aus. Ich will nicht lauschen – wirklich nicht –, aber es ist einfach zu verlockend … und außerdem spricht Chris so laut, dass es geradewegs einer Einladung gleichkommt.
Ich lege mein Ohr an die Tür und schließe die Augen, um mich besser auf seine Worte zu konzentrieren.
»Du willst mir also sagen, dass es diesmal wirklich vorbei ist?«, ruft Chris erzürnt. Es ist vorbei? Was ist vorbei? Ich runzle die Stirn und kann im Endeffekt nichts für den Adrenalinkick, den ich durch seine Worte bekomme. Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich mich freue, dass Chris' Beziehung den Bach runtergeht?
Ich beiße mir auf die Lippe und streiche meine Haare zurück, die mich an der Nase kitzeln.
Alles ist ruhig. Viel zu ruhig. Ich lege provisorisch mein Ohr nochmal an die Tür, aber auch in dieser Position höre ich nichts. Rein gar nichts.
Und mit einem Mal schwingt die Tür auf. Ich reagiere nicht schnell genug, und sie trifft mit voller Wucht meine Stirn.
»Aua … verdammt!«
Chris steht völlig geschockt im Türrahmen. »Scheiße Riley! Was ist passiert?« Er will nach meiner Hand greifen, die ich auf meine pochende Stirn gelegt habe.
Ich weiche kurzerhand zurück. »N-nichts verdammt nochmal …«, stammle ich wütend. Scheiße, sogar reden tut weh … Ich reibe mir ein paar Mal vorsichtig über die malträtierte Stelle. Ich zische zwar und zucke ein paar Mal zusammen, aber ich denke nicht, dass ich mir mehr zugezogen habe als einen fetten roten Striemen. Chris steht wie angewurzelt vor mir und schaut mich mit einem Mix aus Empörung und Überraschung an. Ich verenge die Augen.
»Weißt du nicht mehr, wie man anklopft?«, zische ich ihm entgegen. »Ich könnte … Dinge machen!«
Chris gluckst amüsiert – zwar nur für eine Sekunde, aber ich sehe es trotzdem und werde nur noch wütender. Er schaut auf, genau in dem Moment, als ich meine Hand von meiner Stirn nehme, und muss sich das Lächeln nun wirklich verkneifen.
»Hat man dir nicht gesagt, dass es unhöflich ist, zu lauschen?«
Murrend verschränke ich die Arme vor der Brust und imitiere damit seine Gestik.
»Zu deiner Information, Evans, ich habe nicht gelauscht«, erwidere ich stur, »und zweitens, brauchst du etwas oder kommt Leighton vorbei und du willst mich so lange aus dem Haus haben?« Ich kann mich selbst nicht daran hindern, dass ich genervt klinge. Wenn es um Leighton geht, kann ich mich nur selten wirklich gut zusammenreißen. Ich glaube, dass Chris das weiß – und wenn nicht, ahnt er es zumindest.
Chris lässt die Schultern hängen und senkt den Blick gen Boden. »Eigentlich bin ich zu dir gekommen, weil ich mit einer Freundin reden will«, er schüttelt schwach den Kopf, »aber ich denke, dass ich das schon länger verspielt habe.« Er reibt sich über den Nacken und tritt den Rückweg an.
Momentchen mal!
Ich lasse meine defensive Haltung fallen und stolpere mit einem Ruck auf ihn zu. »Was meinst du damit?«
Chris dreht sich zwar nicht um, zuckt aber nonchalant mit den Schultern. Na warte.
»Chris!« Ich muss fast schon joggen, um ihn einzuholen. »Wie meinst du das?« Meine Stimme ist jetzt laut genug, dass er hellhörig wird und sich zu mir umdreht.
Ich schraube meine Lautstärke zurück. »Was ist passiert?« Erst jetzt bemerke ich die Traurigkeit in seinen Augen. »Chris, bitte …« Ich berühre zaghaft seinen Oberarm und drücke ihn leicht.
»Leighton und ich …« Er atmet zittrig ein. »Wir gehen von nun an getrennte Wege. Diesmal endgültig.« Er senkt den Blick auf seine Schuhspitzen, während er den Kopf immer wieder schüttelt.
Ich fühle mich eigenartig. Eigenartig auf eine Art und Weise, dass ich mich gleichzeitig freue und Reue verspüre. Ich hätte ihn nicht so angehen dürfen, aber kann man mir wirklich Vorwürfe deswegen machen?
»Ich … es tut mir Leid. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist –«
»Du brauchst dich nicht zu entschuldigen«, fällt mir Chris ins Wort und legt seinen Zeigefinger auf meine Lippen. Ich lächle traurig. »Lass uns trotzdem reden«, sagt er und deutet mit einem Nicken Richtung Wohnzimmer.
Während er sich schon auf die Couch gesetzt hat, mache ich uns heiße Schokolade. So wie ich es immer mache, wenn einer von uns beiden nicht gut drauf ist. Generell ist heiße Schokolade das Hausmittel bei allen möglichen Gebrechen.
Ich stelle die Tassen auf den Tisch und setze mich neben ihn.
Ein paar Sekunden verstreichen, in denen niemand etwas sagt – ich glaube, das liegt daran, dass wir nicht wissen, was wir eigentlich sagen sollen.
Es tut mir Leid, dass Chris und Leighton sich getrennt haben, aber auf der anderen Hand haben die beiden einen so unterschiedlichen Lebensstil, dass es ist unmöglich gewesen wäre, dass die beiden für ewig zusammenbleiben würden. Ich meine, ja, sowas funktioniert unter verschiedenen Voraussetzungen. Aber Leighton habe ich nicht grad … positiv in Gedanken. Aber gut, ich habe meine Vorurteile gegen sie.
»Riley …« Chris' Stimme ist noch immer nur ein klägliches Fiepen und passt so gar nicht zu dem muskelbepackten Mann. »Erinnerst du dich noch an deine Geburtstagsfeier?«
Das trifft mich unvorbereitet. Ich verziehe die Mundwinkel. »Wie könnte ich den vergessen?« Ich kaue nervös auf meiner Unterlippe herum.
»Du sagtest, du wärst verliebt in mich.« Chris schiebt die Augenbrauen zusammen und wartet auf meine Antwort.
»Ich war betrun–«
»Hast du es ernst gemeint?«, fällt er mir ins Wort. Er hält mich mit seinem durchdringenden Blick gefangen. Ich fange an zu schwitzen.
»Warum fängst du jetzt damit an?« Ich merke Galle in mir aufsteigen. »Du hast gesagt, dass nie etwas zwischen uns sein wird.« Der Schmerz überfällt mich augenblicklich. Ich glaube, ich muss mich übergeben.
»Riley, beantworte die Frage.« Warum ist Chris auf einmal wütend? Das ist die längste Konversation, die wir seit zwei Jahren haben. Und er verplempert diese Chance und will über die Vergangenheit reden?
Ich sehe betroffen weg. »Ja«, hauche ich zittrig. »Warum ist das relevant?«
»Willst du es probieren?« Chris steht in einer schwungvollen Bewegung von der Couch auf, nur um sich vor mich zu knien und meine Hände in seine zu legen. Ich atme scharf ein.
»Was?!« Ich fege seine Hände von meinen. »Was redest du da?« Wenn das ein Witz sein soll, ist das ganz bestimmt nicht lustig. Wie kann er nur so mit meinen Gefühlen spielen? Schließlich weiß er ganz genau, wie ich für ihn empfinde.
»Riley bitte … hör mir zu«, er greift erneut nach meinen Händen, auch wenn sich alles in mir sträubt, den Kontakt zuzulassen, »willst du es versuchen? Eine Beziehung?«
»Bist du betrunken oder meinst du es ernst oder nimmst du mich auf den Arm oder testest du meine Reaktion oder …?« Ich werfe ihm hundert Fragen in Schnellfeuerenglisch an den Kopf. Er besitzt den Nerv kurz aufzulachen.
»Nein, ja, nein und nein«, gibt Chris zurück und verzieht kurz das Gesicht. »Riley, wir sind schon so lange befreundet. Verdammt, du bist meine beste Freundin. Ich habe nicht gelogen, als ich sagte, dass du wie eine Schwester für mich bist, aber … du behandelst mich wie eine normale Person, weißt, wann ich mies drauf bin, wann ich mit jemanden reden will oder allgemein aus meiner Komfortzone rausgeholt werden muss.« Er lacht heiser. »Ich bin es Leid, Angst zu haben. Was wäre, wenn das«, er gestikuliert zwischen uns beiden hin und her, »wirklich funktionieren könnte?« Er beugt sich näher zu mir. »Ich will es probieren.«
»Du bist auf Drogen?«
Chris schüttelt den Kopf. Hält inne, kratzt sich am Kopf und nickt schließlich. Ich habe meine Gefühle stets hinter einer dicken Mauer versteckt, und es ist ausgerechnet Chris, der sie einreißt. Wegen ihm habe ich sie in erster Linie erst gebaut.
»Woher der plötzliche Sinneswandel?«, frage ich. Eine berechtigte Frage, denn er hat doch erst vor einer knappen Stunde mit Leighton Schluss gemacht.
»Nicht plötzlich. Ich … ich habe schon länger Gefühle für dich gehabt, aber das weißt du ja.« Oh ja … an diesen Tag kann ich mich noch genauestens erinnern. »Ich dachte, wenn ich genug Abstand zu dir habe, mich in Arbeit ertränke und zusätzlich noch eine Beziehung anfange, könnte ich dich vergessen.« Er zuckt nonchalant mit den Armen. »Das war wohl ein Schuss in den Ofen. Ich konnte dich nicht vergessen. Über den Trubel mit Leighton und der Arbeit habe ich erst gemerkt, dass mir etwas fehlt, dass du mir fehlst. Wie oft hatte ich mein Handy in der Hand und wollte dich anrufen?« Mir liegt auf der Zunge zu fragen, warum er es nicht getan hat, da fährt er fort: »Ich habe mich so gehasst dafür, dass ich dir damals gesagt habe, dass ich nie eine Beziehung mit dir anfangen würde, aber ich habe mir selbst nur etwas vorgemacht. Ich wollte es, aber ich hatte solche Angst, dass wir uns noch mehr auseinanderleben, als wir es ohnehin schon getan haben. Auch meine Schuld. Du hast bloß meinen Wunsch akzeptiert, Distanz zu wahren. Ich bin so ein Idiot gewesen.« Er schaut auf. Sein niedergeschlagener Anblick bricht mir das Herz. »Ich wollte es mir nicht eingestehen, dass ich dich liebe, Riley und es tut mir Leid, dass ich dich verletzt habe.«
Ich presse die Lippen fest zusammen. Das ist genau das, was ich immer hören wollte. Und trotzdem haben die Worte einen fahlen Beigeschmack.
»Sag bitte was«, flüstert Chris unsicher und drückt meine Hände.
»Chris … ich hätte nicht gedacht, dass –« Ich würge mich selbst ab. »Hast du dich deswegen von Leighton getrennt? Wegen mir?« Der Gedanke klingt absurd, aber irgendwie habe ich das dumme Gefühl, dass es mehr ist, als nur der altbekannte Spruch: »Wir haben uns getrennt, weil wir nicht mehr zusammenpassen.« Kann ich mir nämlich nicht mehr so richtig vorstellen, nachdem Chris auf meinen Geburtstag zusprechen kam.
Erst presst mein Gegenüber nervös die Lippen aufeinander, dann ein »Ja«. Er hebt mein Kinn an, sodass wir uns in die Augen schauen können. »Willst du das hier? Willst du mich?« Mein Atem stockt.
»Ja.« Mehr als alles andere.
Chris nimmt mein Gesicht in seine Hände. Ganz langsam presst er einen zarten Kuss auf meine Lippen. Die Berührung ist kaum spürbar. Aber als ich die Augen aufschlage, ist er da, und es ist kein Traum.
Ich lecke mir über die Lippen und beuge mich zu ihm. Dieser nächste Kuss ist inniger, ich dränge mich gegen Chris, der erschrocken japst. Meine Hände verselbstständigen sich, krallen sich in seine Haare. Seine Stoppeln kratzen an meiner Wange.
Wir müssen beide nach Luft schnappen, als wir uns voneinander lösen. Chris' Blick ist undurchdringlich und trotzdem liegt eine Erleichterung und Zuneigung in seinen Zügen, die ich wohl nie wieder vergessen werde.
»Wir haben ganz offiziell unsere Freundschaft ruiniert«, raunt Chris und schmunzelt.
»Der Kakao ist kalt geworden …«, ist mein einziger Kommentar dazu. Den hätte ich gerne warm getrunken.
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