Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Nur gute Freunde

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
Chris Evans OC (Own Character)
17.02.2021
19.05.2021
2
4.393
2
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
17.02.2021 2.241
 
#1 – it's alright, it's okay


Wir schreiben das Jahr 2018.
Mein Mitbewohner und bester Freund Chris kommt in wenigen Minuten von einem anstrengenden Vierteljahr des Filmens zurück.
Ich schaue wie gebannt auf mein Handy, und die Nachricht, die Chris mir eben gesendet hat, lese ich mir jetzt zum vierten Mal durch. Es sind nicht viele Wörter – und wenn ich ehrlich bin, ist es nur ein Satz, aber trotzdem bringt er mein Herz heftig ins Schleudern.
Bin gleich zu Hause. :))
Das Smiley alleine lässt mich euphorisch die letzten Teller in die Schränke räumen. Mit einem schwungvollen Hüftschwung stoße ich den Geschirrspüler zu und starre aufgeregt aus dem Fenster.
Ein gelbes Auto hält vor dem Haus … ein Taxi! Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, um mehr erkennen zu können. Die hintere Tür öffnet sich und … Chris steigt aus! Endlich!
Ich hüpfe auf der Stelle und klatsche wie eine Verrückte in die Hände. Alles stehen und liegen lassend, rausche ich an die Haustür, um ihn zu begrüßen.
Was mir schon von weitem auffällt, ist, dass er weder müde noch erschöpft wirkt. Er lässt die Schultern nicht hängen, hat keine dunklen Augenringe, seine Haare sind ordentlich und er lächelt. Letzteres hat er schon viel zu lange nicht mehr gemacht, wenn er nach Hause zurückgekehrt ist.
Nur ein einziges Mal gähnt Chris, als er dem Taxifahrer ein paar Scheine in die Hand drückt, als dieser den Motor wieder aufheulen lässt.
»Willkommen zurück!«, rufe ich inbrünstig und breite meine Arme aus. Meine Wangen schmerzen bereits, weil ich so heftig grinse.
Chris lacht mein Lieblingslachen, bei dem süße Grübchen in seinen Wangen entstehen, und presst mich fest an sich.
»Ich habe dich vermisst, Riley.« Seine Stimme ist gedämpft, weil er sein Gesicht in meine Haare drückt. Alles fängt an, an mir zu kribbeln. Ein paar Momente stehen wir einfach nur so da. Tief atme ich sein Parfüm ein. Kann ich überhaupt noch glücklicher werden?
Als wir uns voneinander lösen, betrachtet er mich von Kopf bis Fuß: Meine rotschimmernden Haare, die ich heute morgen zu einem unordentlichen Dutt gedreht habe, mein viel zu weites Shirt und meine Jogginghose, bis hin zu meinen nackten Füßen. Es ist nicht wirklich ein schönes Outfit, und als Chris auch noch den Kopf schieflegt und sich über die Unterlippe leckt, platze ich vor Hitze.
»Alles in Ordnung?«, fragt er mich mit tiefer Stimme, dessen Klang erst langsam in meinem Bauch vergeht. Ich ordne meine Gedanken.
Ich seufze resigniert und verlagere das Gewicht von einem Bein auf das andere. »Nur Absagen. Aber ansonsten geht's mir gut. Jetzt da du wieder da bist.« Da schlingt Chris seinen Arm um meinen Rücken und zieht mich erneut an sich.
»Am Ende wird alles gut«, beteuert er. »Du wirst schon wieder einen Job finden. Davon bin ich überzeugt.« Ein freundschaftlicher Klaps auf die Schulter ist sein Zeichen, endlich ins Haus gehen zu wollen.
Ich drücke mich an den Türrahmen, damit Chris mit seinem Koffer nirgends aneckt.
Ohne ein weiteres Wort schlendert Chris in Richtung Treppe; wahrscheinlich ins Schlafzimmer, um seinen wohlverdienten Schlaf nachzuholen.
Ich schließe die Tür und lehne meinen mittlerweile wieder schwer gewordenen Kopf daran.
Chris war so nett, mich aufzunehmen, als ich meinen Job vor über einem Jahr verloren habe. Ich habe die Miete nicht mehr zahlen können und wäre um ein Haar auf der Straße gelandet.
Während ich mich an diese Zeit zurückerinnere, merke ich, dass Chris immer für mich da war. Ohne mit der Wimper zu zucken, hat er mir einfach so ein Schlafzimmer angeboten. Bleib so lange du willst. Das waren seine Worte.
Hin und wieder zahle ich ihm Geld, wenn ich Zeitarbeiten finde, doch mein größtes Dankeschön besteht darin, dass ich koche, backe und putze, die Wäsche wasche, den Garten in Schuss halte und selbstverständlich mit Dodger Gassi gehe. Für viele dürfte das zu viel sein, aber für mich ist es genau richtig.
Seufzend schließe ich meine Augen.
Ich liebe die Momente, in denen Chris da ist. Er ist ein wahnsinnig lustiger Kerl, aber auch gefühlvoll, kann aber mindestens genauso gut zuhören und baut mich immer wieder auf, wenn es mir schlecht geht. Er ist wie eine perfekte Mischung aus bestem Freund und großem Bruder.
Wenn nicht diese dummen Gefühle wären, die ich über das Jahr entwickelt habe. Manchmal kann ich nicht länger als fünf Minuten in seiner Nähe sein, ohne verrückt zu werden.
Ja, ich kann noch glücklicher werden. Chris könnte meine Gefühle erwidern.

»Hey Chris?« Ich klopfe an seine Schlafzimmertür. »Hast du Hunger? Ich wollte Pizza bestellen.«
Ganz bestimmt mache ich nochmal denselben Fehler und platze unangekündigt in sein Zimmer. Das letzte Mal habe ich ihn nackt auf seinem Bett vorgefunden – keine Ahnung, was er gemacht hat … oder noch machen wollte. Bei der bloßen Erinnerung werde ich rot und will mir am liebsten einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf schütten.
Ich vernehme leises Gemurmel, dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Er telefoniert mit seiner Mom! Das hat er zu seinem Ritual gemacht, wann immer er nach Hause kommt.
»Ja, das wäre super!«, antwortet Chris verspätet.
Ich nicke mir selbst zu und gehe zurück ins Wohnzimmer.
Die Pizza wurde in einer neuen Rekordzeit geliefert.
Erneut klopfe ich an Chris' Tür, um ihm zu signalisieren, dass das Abendessen da ist.
»Komme gleich!«, ruft er.
Währenddessen schwinge ich mich auf einen der vier Barhocker und zupfe die Stücke auseinander, die durch den geschmolzenen Käse zusammenkleben.
Nach ein paar Momenten kommt Chris freudestrahlend die Treppe runter. Er hat sein dunkles Shirt gegen ein weißes eingetauscht und trägt anstatt einer Jeans eine lockersitzende Jogginghose.
Er schnuppert geräuschvoll. »Etwas riecht hier sehr gut.« Bevor er die Pizza mit funkelnden Augen betrachtet, lässt er sich auf den Stuhl plumpsen.
»Da hat aber jemand gute Laune.« Ich genehmige mir das erste Stück Pizza und beiße genüsslich hinein. Das ist einfach nur verdammt geil.
»Das Leben ist gut«, flötet er breitgrinsend. »Du hast da übrigens was.« Er zeigt auf meinen linken Mundwinkel.
Ich wische mir über besagte Stelle und finde … nichts. Chris lacht schadenfreudig. Ich verenge die Augen. Na warte.
Wir verfallen in angenehmes Schweigen, jeder isst sein Stück von der Pizza und wir trinken Cola. Gerade, als ich ihm nach seiner Arbeit fragen will, jault er laut auf.
»Heiß, heiß, heiß …« Er verzieht angeekelt das Gesicht, weil der Käse auf seinem Kinn kleben bleibt. Tja, Strafe folgt auf den Fuß. Aber im nächsten Augenblick grinst er schon wieder. Sein Verhalten ist sonderbar. Und gleich werde ich die Erklärung dafür bekommen.
Chris räuspert sich, nachdem er sein Kinn abgeputzt hat und legt das angebissene Stück Pizza zurück in den Karton. »Also … Riley? Ich muss dir etwas sagen …« Er knüllt die Serviette mehrmals, was mich skeptisch werden lässt. Ich nicke, damit er weiterredet.
»Ich habe jemanden kennengelernt. Ihr Name ist Leighton und sie war mein Co-Star für den Film, den wir seit zwei Tagen im Kasten haben.« Er strahlt voller Liebe und Zuneigung. »Ich mag sie sehr.«
Eine Minute lang steht die Welt vollkommen still. Mein Herz hämmert so wild und ungestüm in meiner Brust, dass ich Angst habe, es könne jeden Moment zerspringen.
Diese Neuigkeit … sie zerreißt mein Innerstes und lässt mich nicht mehr atmen. Meine Brust zieht sich zusammen.
Natürlich will ich nichts sehnlicheres, als dass er glücklich ist, aber ich habe fest daran geglaubt, dass er meine unzähligen Hinweise richtig deutet und ich die Glückliche an seiner Seite sein kann. Pustekuchen.
Monatelang habe ich ihm überdeutliche Hinweise gegeben – verdammt, sogar zu meinem Geburtstag habe ich den Mut aufgebracht, ihm zu beichten, dass ich mich in ihn verliebt habe. Ich weiß noch ganz genau, wie ihm die Sache unangenehm war und mir stattdessen kühl beipflichtete, dass ich schon noch den richtigen Kerl finden werde.
Das war alles für die Tonne.
Ein heftiges Blinzeln später und ich merke, dass ich Chris noch eine Antwort schulde. Ich weiß nicht, wie lange es still zwischen uns war, aber an Chris' tippenden Fingern auf der Tischplatte zu urteilen, bestimmt schon zu lange.
»Oh … wow«, meine ich perplex, zwinge mich aber zu einem Lächeln, was mir erst nach dem dritten Anlauf richtig gelingt. »Das sind echt … tolle Neuigkeiten.« Mein erzwungenes Lächeln kann ich nicht lange aufrechterhalten, deswegen versuche ich dahingehend etwas anderes. Nämlich dämlich zu lachen. »Ich freue mich so, so, so sehr für dich! Ich wünsche euch alles erdenklich Gute für die Zukunft!« Der Nerv unter meinem rechten Auge zuckt bedrohlich. Während ich rasselnd Luft hole, hat sich meine Befürchtung erhärtet, dass mein Herz die Sache doch nicht überstehen wird. Ich knete nervös meine schweißnassen Finger und stehe ruckartig auf. Hinter meinen Augen brennt es verräterisch.
Chris' Worte verletzen mich mehr, als dass es mir lieb ist. Obwohl ich meine Tagträume mit Chris habe und mir zig Mal vorgestellt habe, wie es wäre, wenn wir zusammen kämen, so ist die Realität, dass er eine andere Frau gefunden hat, erschütternd. Weil es eine Bestätigung ist, die ich schon tief in mir befürchtet habe – er mag mich lediglich auf einer freundschaftlichen Ebene.
Die Wahrheit in seinen Worten ziehen mir den Boden unter den Füßen weg. Ich stütze mich vergebens am Spülbecken ab. Panisch kneife ich die Augen zusammen und beiße die Zähne heftig zusammen.
»Bist du okay?« Auf einmal steht Chris neben mir; ich sehe ihn zwar nicht, aber ich spüre seine Wärme – und seine Hand auf meinen Rücken.
Ich will ihn am liebsten aus der Küche scheuchen. Merkt er nicht, dass ich lieber alleine sein will?
Ich fühle mich nur noch schlechter, weil ich in diesem Moment meinen Egoismus noch mehr verabscheue. Ich habe keinerlei Rechte auf ihn – auch wenn wir zusammen wohnen und miteinander befreundet sind.
Ich traue meiner Stimme nicht. Zwar öffnet sich mein Mund, um »Ja« zu sagen, aber keine Silbe entweicht meinen Lippen. Deswegen nicke ich bloß und lasse den Blick gesenkt. Ich würde nur anfangen zu heulen, wenn ich Chris sehe. Und ich bin ein hässlicher Weiner.
Mein Gegenüber sagt nichts weiter, nimmt schlussendlich seine Hand von meinem Rücken und murmelt etwas davon, dass er bald zurück sei.
Meine Arme und Beine zittern. Ich muss mich dringend hinlegen.
Wer hätte gedacht, dass sich nicht erwiderte Gefühle so schrecklich fies anfühlen können? Ein wahrer Freund würde sich freuen – wirklich freuen.
Ich gehe zurück ins Wohnzimmer und sehe die angefangene Pizza. Ich bezweifle, dass ich noch einen Bissen davon runterkriege.
Stattdessen verstecke ich mich in meinem Zimmer und verkrieche mich unter der Bettdecke. In meinem Kopf sausen die Gedanken so schnell, dass mir schwindlig wird. Dabei lässt sich ein Gedanke nicht mehr abschütteln; er ist präsent und fühlt sich an wie ein Dolch.
Wir werden nie mehr als Freunde sein.

Als meine Schlafzimmertür geöffnet wird, höre ich nicht das Quietschen, sondern fühle, wie sich jemand neben mich setzt. Wieder legt Chris seine Hand auf meinen Rücken. Über die Bettdecke schauend, lächle ich einem sehr traurig wirkenden Chris Evans zu. Ich fühle mich wie vor den Kopf gestoßen, als ich in seine schimmernden Augen schaue. Da ist etwas in seinem Blick, was ich nicht deuten kann.
»Brauchst du irgendwas?«, frage ich schwach.
»Ja«, antwortet Chris wie aus der Pistole geschossen. »Ich brauche meine beste Freundin zurück. Ich will, dass sie mir erzählt, was los ist, denn ich werde diesen Raum nicht eher verlassen.«
Die Tränen kommen automatisch, dass ich keine Zeit habe, meinen Kopf wieder unter der Bettdecke zu verstecken.
»Chris … ich schwöre, es ist nichts …«
»Natürlich ist was!« Chris ist laut geworden. Er wird niemals laut. Ich zucke unweigerlich zusammen. »Ich weiß schon eine Weile, dass du mich magst und für eine Weile habe ich dich auch sehr gemocht. Aber verdammt, Riley! Du bist wie eine Schwester für mich und … und wenn wir angefangen hätten, uns auf einer anderen Ebene zu treffen …« Er wirft den Kopf in den Nacken und seufzt ergebend. »Und wenn das zwischen uns nicht geklappt hätte, hätte ich nicht nur dich als Freundin verloren, sondern gleichzeitig meine beste Freundin. Das ist einfach … – Ich will das nicht aufs Spiel setzen. Ich liebe dich wie eine Schwester. Du bedeutest die Welt für mich. Es tut mir Leid, dass wir nie mehr als das sein werden.« Chris sieht mich mit diesem intensiven Blick an, bei dem ich heftig schluchze. Der Kloß in meinem Hals schwillt rapide an.
Ich habe ja keine Ahnung gehabt, dass er so fühlt. Ich krieche unter der Decke hervor und umarme ihn so fest wie es mir möglich ist.
Mit dem Gesicht in seine Schulter gedrückt, nuschle ich, dass es mir Leid tut. »Ich wollte nicht … – Ich bin wirklich glücklich für dich.« Trotz alledem schniefe ich heftig. Salzige Tränen bahnen sich den Weg in Chris' Shirt, während er stumm über meinen Rücken streichelt.
»Du wirst immer meine beste Freundin bleiben. Ich schwöre, dass ich dich niemals außen vor lassen werde.« Er gibt meinem Scheitel einen kleinen Kuss.
»Ich … – Es tut mir Leid. Ich habe es echt vermasselt.« Ich nehme einen tiefen Atemzug, um mich zu beruhigen und wische mir mehrmals über die Augen.
»Nein, hast du nicht«, beschwichtigt er. »Aber das nächste Mal sprich bitte mit mir, okay?« Chris versucht sich an einem Lächeln, was so zaghaft ist, dass ich es mir genauso gut hätte einbilden, und streicht mit beiden Daumen unter meinen Augen die Spur an Tränen weg. Ich nicke schwach.

-----
A/N: Es wird noch ein zweites Kapitel geben. Die Frage ist nur, wann, denn ich bin mit meinen beiden Sebastian Stan-FFs total ausgelastet. ^^'
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast