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Alea iacta est

von qNicole
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Bob Andrews Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw
17.02.2021
04.03.2021
15
21.453
5
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23.02.2021 2.412
 

Endlich Schulschluss. Peter hatte sich die restliche Zeit des Unterrichts kaum konzentrieren können und war nun froh endlich zu Bob fahren zu können. Gestern waren nur seine Eltern bei ihm gewesen und keiner wollte Peter und Justus so richtig darüber aufklären, was eigentlich passiert war.
Wie versprochen wartete Peter nach dem Sportunterricht neben seinem MG.
Nach kurzer Zeit erschien Justus auch schon und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen.

„Also“, begann der erste Detektiv sogleich, „ich hatte dir vorhin ja bereits gesagt, dass ich mit Inspektor Cotta telefoniert habe. Wie so immer, dürfte er uns diese Information natürlich alle nicht mitteilen, aber da es nun mal um Bob geht, hat er beide Augen zugedrückt. Die Tat hat sich vor dem Haus von Skinny Norris ereignet, als bei Skinny selbst wohl eine große Party stieg, weshalb auch niemand etwas gehört hatte. Inspektor Cotta sagt, Bob hätte Glück gehabt, dass sein Retter die Lage sofort erkannt hat und mit den lebenserhaltenden Maßnahmen begonnen hatte, ansonsten, wäre unser Dritter wohl nicht mehr am Leben. Aber Peter, da ist noch etwas.“
Er machte eine kurze Pause.

„Was Just‘? Viel schlimmer kann es doch jetzt auch nicht mehr kommen.“ Er seufzte.
„Sie haben Drogen in Bobs Blut nachgewiesen und keine geringe Menge.“
„Bob würde nie. Justus, nein, Bob doch nicht.“
„Peter, reg dich nicht auf. Ich gebe gerade nur die Fakten wieder. Warum Bob die Drogen genommen hat, wird nur er uns beantworten können.“
„Nie im Leben hat er die freiwillig genommen.“ Justus hörte die Wut in Peters Stimme.
„Peter, du hast dich die letzten Wochen echt zurückgezogen. Bob ist dein bester Freund. Er hat darunter gelitten, dass du uns ausgeschlossen hast.“
„Willst du mich jetzt dafür verantwortlich machen, dass Bob Drogen genommen hat?“, zischte Peter Justus an.
Peter schaute zu Justus rüber.
„Peter, sieh auf die Straße und selbstverständlich mache ich dich nicht dafür verantwortlich. Jeder ist für seine Entscheidungen letztendlich selbst verantwortlich. Bob, du, ich.“
Den Rest der Fahrt wechselten sie kein Wort.

„Wir möchten gerne zu Bob Andrews. Wir sind Peter Shaw und Justus Jonas.“
„Zimmer 221. Es befindet sich im zweiten Stock.“
Peter wollte schon die Türklinke herunterdrücken, als Justus ihn zurückhielt.
„Peter, wir sollten uns vor Bob nicht streiten.“
Peter nickte.
„Sollte für die Dauer, die wir bei Bob sind, kein Problem sein.“
Er drückte die Türklinke hinunter und ging zielstrebig auf Bobs Bett zu. Justus folgte ihm.
„Bob, ein Glück.“
„Peter, Justus.“ Bob freute sich die beiden zu sehen.
„Wir sind so froh, dass es dir gut geht.“
„Naja, gut gehen ist ein wenig übertrieben“, kam es schwach von Bob.
„Nicht?“, fragte Peter besorgt.
„Ich habe immer noch Kopfschmerzen. Ich habe mich seitdem ich hier bin bestimmt schon sechs Mal übergeben müssen und das Schlimmste ist, dass ich mich an kaum etwas erinnern kann. Und wenn ich mich darauf konzentriere werden die Kopfschmerzen schlimmer. Dazu habe ich noch einige blaue Flecken und eine Rippenprellung.“

Peter hatte seine Hand genommen.
„Bob, das wird schon wieder. Du warst immerhin einige Zeit bewusstlos.“
„An was erinnerst du dich denn?“
„Das letzte an was ich mich erinnere ist, dass ich mit Peter telefoniert habe. Und dann sind da nur Bruchstücke. Ich habe zu lauter Musik getanzt.“
„Du hast was?“, entfuhr es Peter.
„Peter, wieso erfahre ich erst jetzt, dass du noch mit Bob vor seinem Verschwinden gesprochen hast. Das hättest du doch erwähnen müssen. Ist dir während des Gespräches denn nichts aufgefallen?“
Peter rief sich das Telefonat in Erinnerung.
„Oh Mann! Bob, es tut mir leid. Ich hätte sofort schalten müssen, als ich keine Antwort mehr von dir bekommen habe, da, da“, Peter sprach nicht weiter.
Justus Blick traf Peter, als würde er ihn auf der Stelle den Hals umdrehen wollen, aber er hielt sich zurück.
„Langsam Kollegen, langsam. Wir müssen die Geschehnisse einmal in chronologischer Reihenfolge erfassen.“
Bob ließ sein Kopf wieder ins Kissen sinken.
„Justus, ich glaube das macht mein Kopf noch nicht mit.“
„Das sind wohl ehr die Nachwirkung der Drogen, als die Nachwirkung der Schläge“, schlussfolgerte Justus.
„Drogen?“, fragte Bob.
„Hat denn noch niemand mit dir gesprochen?“, fragte Justus erstaunt.
„Gestern waren nur meine Eltern bei mir. Sie waren besorgt, aber auch überaus glücklich, dass ich noch lebe. Justus, Peter, ich würde niemals Drogen nehmen, das wisst ihr doch“, er sah von Einem zum anderen.
„Bob, wenn ich ehrlich bin“, begann Justus.

Peter funkelte Justus an und unterbrach ihn.
„Natürlich wissen wir das. Wir müssen herausfinden, wer dir das angetan hat. Inspektor Cotta sagt, dass sie dich vor dem Haus von Skinny Norris gefunden haben. Erinnerst du dich, was du da gewollt haben könntest?“, fragte Peter.

Bob schüttelte den Kopf. Er erinnerte sich einfach nicht.
„Meine Eltern sprachen gestern davon, dass ich Glück hatte, dass die Ersthelfer wussten, was sie in einer solchen Situation tun mussten. Hat Cotta euch gesagt wer es war? Wisst ihr, ich würde mich gerne bei ihnen bedanken.“
„Das habe ich Cotta auch schon gefragt, aber dazu schweigt er vehement. Er sagt, dass die beiden nicht wollen, dass in einem kleinen Ort wie Rocky Beach jeder darüber spricht. Sie wollen keine Helden sein. Sie haben getan, was getan werden musste und damit ist die Sache für sie erledigt.“
„Ich dachte sie würden vielleicht gerne wissen, dass ich dank ihnen noch lebe.“

„Das weiß sie.“ Im gleichen Moment hätte Peter sich am liebsten auf die Zunge gebissen.
„Sie?“, entfuhr es Justus und Bob gleichzeitig.
Peter hatte Bobs Hand losgelassen, die er die ganze Zeit über festgehalten hatte und war ans Fenster getreten.
„Peter, nun rede schon“, bat Bob.
„Peter wirklich, wir sind deine besten Freunde, oder nicht? Seit wann hast du Geheimnisse vor uns?“
Er drehte sich um.
„Versprecht mir, dass ihr mit niemandem darüber sprecht. Sie will nicht, dass es jeder weiß.“
Die beiden nickten.

„Wir haben also eine neue Klassenkameradin, die mir mal eben das Leben gerettet hat und das wolltest du für dich behalten?“, fragte Bob verständnislos.
„Warum?“
Peter antwortete nicht.
„Du glaubst sie könnte mehr wissen?“, fragte Justus vorsichtig.
Peter nickte kaum wahrnehmbar.
„Dann sollten wir als nächstes mit ihr sprechen.“
„Justus, wie willst du ihr erklären, woher du weißt, dass sie Bob gerettet hat?“

Es klopfte an der Tür.
„Die haben hier aber heiße Krankenschwestern“, entfuhr es Bob leise bei dem Anblick, der sich durch die Tür schob.
Peter und Justus drehten ihren Kopf um.
„Kiara?“
Sie schloss die Tür hinter sich.
Langsam ging sie auf Bob zu. Sie war ganz in weiß gekleidet. Man hätte sie wirklich für eine Krankenschwester halten können. Einzig ihr dünnes grau-gelbes Tuch, welches sie trug, brachte ein wenig Akzent in ihr Outfit.
Peter starrte sie an. Sie war wirklich unglaublich attraktiv, aber was machte sie hier?

„Hallo Bob, oder Robert?“
Sie hatte sich auf Peters leeren Stuhl gesetzt, der selbst immer noch am Fenster stand.
„Bob. Robert nennen ihn nur seine Eltern“, stellte Justus klar.
„Ich bin Justus Jonas.“
„Kiara Fernandez.“
„Aber woher kennst du seinen richtigen Namen?“
„Danke“, brachte Bob heraus.
„Also hat Peter dir erzählt, wer dich gerettet hat?“ Sie blickte zu Peter.
Schuldbewusst wich er ihrem Blick aus.
„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Ich bin hier um mich bei dir zu entschuldigen. Hätte ich gleich reagiert, wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen.“
„Gleich reagiert? Ich verstehe nicht.“ Er fasste sich an den Kopf. Diese Kopfschmerzen.
„Ich tippe auf Speed oder Ecstasy.“
„Bitte?“, das war Peters Stimme.
„Bob, kannst du dich an etwas von der Party erinnern?“
„Welche Party?“, fragte Justus.
„Ich erinnere mich nur daran, dass ich getanzt habe.“
„Halt, Stop, ich komme da nicht mehr mit“, warf Justus ein.

„Peter, du hast mir doch vorhin erzählt, dass ihr ein Detektivbüro betreibt. Ich habe mich dann heute in der Schule ein wenig umgehört. Ihr macht das ja echt professionell. Ich will nicht zur Polizei gehen. Ich habe Angst.“
Sie sah zu Bob.
„Kiara, du musst uns erzählen was du weißt. Ansonsten passiert vielleicht auch Anderen das, was Bob passiert ist und er erinnert sich leider an nichts.“
„Kann ich erst alleine mit Bob darüber sprechen?“
Peter und Justus sahen sich an.
„Ich glaube nicht, dass Bob Geheimnisse vor uns hat“, sagte Justus und sah dabei Peter mit argwöhnischem Blick an, der schnell zu Boden blickte.
„Kiara, ich möchte wissen, was passiert ist und meine beiden besten Freunde haben auch ein Recht darauf es zu erfahren.“

„Ich bin erst seit drei Wochen hier. Vor einigen Tagen habe ich Peter mit meinem Bruder Ben zusammen am Strand getroffen. Bis auf ihn und Jeffrey kenne ich hier noch niemanden mit Namen. Also mal abgesehen von den vielen neuen Mitschülern. Ben fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mit auf eine Houseparty zu gehen. Meine Mutter war anfänglich dagegen, weil dort alle älter sein würden und sicherlich auch Alkohol getrunken werden würde. Mein Bruder versprach ihr auf mich aufzupassen und somit gingen wir zusammen zu Skinner Norris.“
„Skinny“, zischte Peter.
Kiara war zusammengezuckt.
„Ist er sehr gefährlich?“, fragte sie vorsichtig.
„Nun ja, wir machen lieber einen Bogen um ihn. Er ist häufig in kleinere Machenschaften verstrickt.“
Sie sah erneut zu Bob. Er hatte ein Pflaster über seiner Augenbraue, die bei Skinnys Schlag aufgeplatzt war. Ansonsten sah sie keine offensichtlichen Verletzungen.
„Ich finde nicht, dass es kleine Machenschaften sind“, sagte sie leise.
Sie spielte nervös an dem kleinen Adler an ihrem Armband herum.
„Darf ich dich bitten weiter zu erzählen?“, drängte Justus.
In diesem Moment wurde die Tür geöffnet und ein Arzt und eine Krankenschwester traten hinein.
„Oh, sie haben Besuch. Ich muss sie bitten kurz draußen zu warten.“
Justus wollte gerade protestieren, doch Bob nickte ihm zu.

Kiara, Peter und Justus warteten vor Bobs Zimmer.
„Kiara. Skinner ist nur in den Ferien in Rocky Beach.“
„Dann ist er jetzt also schon wieder weg? Die Ferien sind ja vorbei.“
Peter merkte, wie Kiara sich entspannte.
„Kiara. Normalerweise ja. Aber bei ihm kann man sich leider nie sicher sein.“
„Peter, das ist nicht besonders hilfreich.“
„Aber es entspricht doch der Wahrheit“, entgegnete Peter.
„Was Bob machen musste, ich glaube nicht, dass er es wollte. Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob es gut ist, wenn ich es ihm erzähle.“
„Kiara, wer hat Bob das angetan?“
„Skinner und ein anderer Mann, von dem ich den Namen nicht kenne.“
Peters ganze Haltung war angespannt. Kiara sah seine angespannte Nackenmuskulatur.
„Skinner hat Bob gezwungen Drogen zu nehmen und Dinge auf der Party zu tun, die er freiwillig wohl nicht gemacht hätte.“
„Ich bring ihn um diesen Scheißkerl.“
„Peter! Reiß dich zusammen. Das bringt uns nicht weiter“, fuhr Justus ihn an.
„Skinny kam mir auf der Party näher als ich es wollte“, fuhr Kiara fort.
„Bob hat ihn gebeten mich in Ruhe zu lassen und dann hat Skinny“, sie machte eine Pause, „ihm ohne Vorwarnung ins Gesicht geschlagen. Ich bin dann ins Wohnzimmer gelaufen, während Skinny und ein anderer Bob nach draußen brachten. Ich wollte zu meinem Bruder, aber ich konnte ihn nirgends entdecken. Ich musste dort weg und schlich durch die Terrassentür hinaus. Als ich vorne angekommen war wollte ich nur noch nach Hause. Weg von diesem Haus. Weg von diesen Leuten.“

Justus sah sie auffordernd an.
„Und dann habe ich gehört, wie Skinner zu dem Mann sagte: War doch eine Scheißidee von mir ihn mit dem Speed dazu zu zwingen.“
„Kiara, das musst du der Polizei sagen. Bob könnte tot sein. Du hast dich vorhin bei Bob entschuldigt, weil du nicht früher etwas getan hast. Wie meintest du das?“
„Bob tanzte nicht nur, er musste strippen.“
„Was?!“, entwich es Peter.
Justus wollte gerade etwas sagen, um Peter zu beruhigen, jedoch kam Kiara ihm zuvor.
Sie legte ihre Hand auf seine Brust.
„Bob stand vor mir. Genau So. Er hatte meine Hand auf seine nackte Brust gelegt. Sein Herz schlug viel zu schnell. Meine Mutter ist Ärztin, da bekommt man einige Dinge mit. Aber er kam mir immer näher und wollte mich küssen. Ich wollte das nicht und dann ist mein Bruder dazwischen gegangen.
Kurze Zeit später hat Skinny Bob mit nach oben genommen. Ich hätte was sagen sollen, aber ich tat nichts.“
Ihre Hand ruhte immer noch auf Peters Brust.
Peter umgriff ihr Handgelenk und blickte ihr in die Augen. Diese Augen. Sie erinnerten ihn an das Meer. Dieses tiefe strahlende blau. Nicht so strahlend, wie letztens am Strand, als das Sonnenlicht sich in ihren Augen brach, aber einfach atemberaubend.  
„Kiara, du hast ihm geholfen. Du hast ihm geholfen indem du ihn wiederbelebt hast. Deinetwegen lebt Bob noch. Du hast nichts falsch gemacht“, sagte Justus.
Peter ließ Kiaras Hand los.
In dem Moment traten der Arzt und die Krankenschwester wieder aus Bobs Zimmer.
„Ihr könnt noch kurz zu eurem Freund, aber nicht länger als 10 Minuten.“

„Aber wir können es ihm nicht beweisen“, schloss Kiara ihre Erzählung Bob gegenüber.
Bob war in seinem Bett immer tiefer in sein Kissen gesunken. Er konnte und vor alledem wollte sich nicht vorstellen, dass es sich so abgespielt hatte, wie Kiara es berichtete. Das war ihm so unglaublich peinlich.
„Kiara, es tut mir leid.“
„Bob, bitte entschuldige du dich nicht bei mir.“
„Bob, ich frage mich nur, wieso du da mitgemacht hast. Du hättest da doch auch einfach verschwinden können. Also ich meine als du noch klar im Kopf warst.“
„Justus, ich erinnere mich leider nicht. Freiwillig hätte ich das Ganze auf jeden Fall nicht gemacht.“
Die Tür öffnete sich erneut und die Krankenschwester betrat das Zimmer.
„So, ihr müsst jetzt gehen.“
Die drei verabschiedeten sich von Bob.

„Kiara, am besten wir fahren jetzt gleich zu Inspektor Cotta.“
„Justus, ich habe es euch erzählt. Ich werde es bei der Polizei nicht erzählen. Es gibt keinen einzigen Beweis, dass es sich so zugetragen hat, wie ich es gerade berichtet habe. Was macht es also für einen Unterschied?“
„Kiara, du musst.“
„Ich MUSS gar nichts“, fiel Kiara Justus ins Wort.
„Und jetzt werde ich nach Hause fahren.“
Sie ließ die beiden Detektive stehen.

„Das kann doch jetzt nicht ihr Ernst sein“, entfuhr es Justus.
„Justus, sie hat recht. Sie würde sich nur in Gefahr bringen, wenn sie es Cotta erzählt. Die Polizei würde Skinny Fragen stellen und er ist nicht so blöd. Er weiß, dass seine Freunde loyal zu ihm sind. Ich wette kein einziger hat zu Protokoll gegeben, dass Bob auch auf der Party war. Er würde sofort darauf kommen, dass Kiara geredet haben könnte.“
„Peter, das hat dich doch noch nie interessiert. Und ich bin mir nicht einmal sicher, dass überhaupt jeder von der Party befragt wurde.“
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