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Das Märchen vom schönen Töchterlein

von J FR
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
17.02.2021
17.02.2021
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Es war einmal vor langer Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat, eine Witwe, die hatte zwei Töchter die glichen einander wie ein Ei dem anderem, davon hieß die Ältere Gertrude und die Jüngere Gerlind. Gertrude, in ihrer Gestallt schön wie die Sonne selbst, war schön aber faul, während ihre Schwester, gepeinigt durch ihre Hässlichkeit stets fleißig und fromm ward. Eines Tages, die Frauen arbeiteten auf dem Feld um Futter für die Tiere zu schneiden, kam zu ihnen gegangen ein altes Weib, deren Last sie zwang gebückt zu laufen und fragte: „Wo führt der Weg zum Dorf?“-„Wenn Ihr zum Dorf wollt“, sprach die Mutter, „so folgt diesem Weg.“ Die ältere der Töchter setzte hinzu: „Ihr erreicht vor Sonnenuntergang das Dorf, wenn eure Last euch nicht erdrückt“ Der jüngsten Tochter aber tat das Mütterchen leid und so sprach es: „Armes Mütterchen, lasst mich Euch helfen mit eurer Last. Ich führe euch zum Dorf, kommt mit mir.“ So nahm sie dem alten Weib die schwere Last von den Schultern und führte sie zum Dorf. Das Mütterchen dankte es dem jungen Mädchen und in ihrem Zorn gegen die Mutter und der älteren Schwester gewehrte sie dem Mädchen drei Wünsche. „Ich, alt Mütterlein, möchte dir drei Wünsche gewähren. Suche dir drei Sachen aus, die möchte ich dir geben.“ Das Mädchen überlegte nicht lange und sprach: „Ich wünschte, ich hätte ein Säcklein voll Münzen dessen Inhalt niemals leer würde“; alsbald hatte sie ein kleines Säckchen voll Münzen an ihrem Gürtel klimpern. Dann sprach das Mädchen weiter: „Dann hätte ich gerne, dass ich niemals Hunger leide.“ Auch dies gewährte die Alte. „Zu aller letzt“,sprach das Mädchen, „Wünschte ich mir, ich wäre so schön und hell wie mein Schwesterlein“-„Du, mein liebes frommes Mädchen“, widersprach die Alte dem Mädchen, „sollst schöner und heller sein als deine Schwester“ Und so gewährte das Mütterchen auch diesen Wunsch und ging von dannen. Als das Mädchen nach Hause kam, und Mutter und Schwester sahen, dass das Mädchen seine Hässlichkeit verloren und nun schön und von hellerer Gestallt war als sie selbst, stieg Neid in ihrem Herzen auf.
Arbeiteten sie auf dem Feld, so riefen die Frauen des Dorfes:

„Was ein schönes Töchterlein ihr habt,
Das zweite gar verblasst.“

Kauften sie ein auf dem Markt, riefen die Händler und Buben:

„Was ein schönes Töchterlein ihr habt,
Das zweite gar verblasst.“

Und selbst in der Kirche, zwischen den Kirchenbänken hörte man es flüstern:

„Was ein schönes Töchterlein ihr habt,
Das zweite gar verblasst.“

Der Mutter, welche das erste Kind stets das liebste war, ward es alsbald genug. Schon bald, unter einem Vorwand, lockte sie das schöne Kind in den Kornspeicher des Hauses.
„Komm mein liebes Kind“, sprach sie, „geh deiner Mutter zur Hand. Das Korn ist schwer, und dein Mütterlein alt. Nimm du es und trag es voran.“ Das Mädchen fromm und hilfsbereit, folgte der Bitte der Mutter und trat in den Kornspeicher. Kaum hatte sie den ersten Schritt in den Speicher getan, schlug die Mutter die Tür hinter dem armen Mädchen zu und verriegelte diese geschwind. Mit den Fäusten gegen die Tür schlagend rief das Mädchen: „Mütterlein, ich bin noch hier. Lass mich raus!“ Doch die Mutter dachte nicht daran und versteckte den Schlüssel im Haus.
Da trug es sich zu, dass der König zu dieser Zeit eine Jagd austrug. Als er, nach einem erfolgreichen Tag, in das Dorf geritten und die Bewohner über das sonderbare Mädchen sprechen hörte, sprach er zu den Dörflern: „Spricht. Wer ist dieses Kind über das ihr so zahlreich sprecht.“ Die Dorfbewohner scharrten sich um den jungen König und berichteten: „Die Witwe am Rande des Dorfes, die hat eine Tochter schöner wie der Tag selbst und fromm wie ein Lämmlein“ Der König, der dem Mädchen sichtlich angetan ward, ließ sich sogleich den Weg zum Hof der Familien weisen.
Zur selben Zeit, auf dem Hof der Familie, saß die ältere Schwester auf einer Bank vor dem Häuschen und frönte dem Nichtstun. „Schau Mutter“, rief das Mädchen, „Da kommt ein Reiter auf unseren Hof zugeritten“ Die Mutter die sich zu ihrer Tochter gesellt hatte, sah den Reiter ebenfalls und rief: „Das ist der König! Schnell mein Kind, zieh deine schönsten Kleider an und mach dich rasch frisch.“
Die beiden Frauen liefen geschäftig umher und während sich die ältere Schwester in ihr schönstes Kleid zwang, bekam die Jüngere von der Aufruhr nichts mit. Bittere Tränen weinend saß sie noch immer eingesperrt in der Kornkammer und wartete auf die Rückkehr der Mutter.
Diese verschwendete keinen Gedanken mehr an das eingesperrte Mädchen und empfing den König in aller Förmlichkeit. „Wo ist das Mädchen?“, fragte der König und die Mutter antwortete:„Sie ist gleich da, nur noch etwas Geduld.“ Einen Augenblick später trat die ältere Schwester aus dem Haus. „Hier bin ich, edler König.“, sagte sie und lächelte. Der König bezaubert von ihrer Schönheit nahm sie bei der Hand und führte sie zu seinem Pferd. „Ein so hübsches und frommes Mädchen. Kommt mit mir auf mein Schloss und werdet meine Königin“ Die ältere Schwester willigte bereitwillig ein und so setze der König sie auf sein Pferd und ritt mit ihr von dannen.
Als sie jedoch alsbald durch das Dorf ritten, begannen die Dörfler zu munkeln.

„Edler König, das ist sie nicht.
Ihr sucht ein Mädchen schöner als der Tag selbst,
Doch dieses Mädchen ist nicht schön, nein, ihre Seele ist schwarz wie die Nacht.“

Der König, geblendet von der Schönheit des Mädchens, missachtete die Worte der Händler und ritt von dannen. Alsbald trat eine alte Frau aus ihrem Haus und sprach:

„Edler König, das ist sie nicht.
Ihr sucht ein Mädchen schöner als der Tag selbst,
Doch dieses Mädchen ist nicht schön, nein, ihre Seele ist schwarz wie die Nacht.“

Der König sah auf seien Braut hinab. Doch als er ihre Schönheit sah, verwarf er seine Zweifel.
„Mein König, diese Menschen missgönnen unser Glück“, sprach die ältere Schwester und der König antwortete: „So scheint es mir.“
Da trat ein junges Mädchen hervor und sprach ein drittes Mal:

„Edler König, das ist sie nicht.
Ihr sucht ein Mädchen schöner als der Tag selbst,
Doch dieses Mädchen ist nicht schön, nein, ihre Seele ist schwarz wie die Nacht.“

Da zog der König sein Pferd herum und ritt zurück zum Hof der Familie.
Als König und Braut ankamen, ward die Mutter noch immer auf dem Hof. „Was begehrt mein König?“, fragte sie. „Habt ihr noch eine Tochter?“, fragte der König die alte Witwe. Diese stellte sich dumm, missgönnte sie ihrer jüngsten Tochter doch jegliches Glück. „Nein, dies ist meine einzige Tochter“, gab sie zur Antwort. Der König glaubte der Alten jedoch nicht und sprang ab um das richtige Mädchen zu finden. „Ich glaube dir nicht Weib.“, sprach er und lief zu dem Kornspeicher der Familie um dort mit seiner Suche zu beginnen. Als er um den Speicher lief, hörte er ein leises Wimmern. „Hier ist jemand“, sprach er, „Weib öffne den Speicher.“ Doch die alte Witwe tat nichts der gleichen. „Das sind die Mäuse.“, entgegnete sie stattdessen. Der König, wenig überzeugt, schlug gegen den Verschlag. Das leise Weinen verstummte. „Mutter bist du es?“, fragte eine leise Stimme von Innen. „Lass mich raus, Mutter. Oh bitte, lass mich raus.“ „Das sind keine Mäuse.“, sagte der König. „Hol mir den Schlüssel.“ Und so blieb der Mutter nichts anderes übrig als den Schlüssel aus dem Wohnhaus zu bringen. Als der König bald schon den Speicher aufsperrte erblickte er ein Mädchen, schöner als der Tag in einer Gestallt die heller Strahlte als die Sonne selbst. „Dies ist meine Braut.“, sprach er und führte das Mädchen aus dem Kornspeicher hinaus zu seinem Pferd. Rasch setzte er es darauf und wandte sich den beiden Frauen zu. Der Mutter und der Schwester befahl er, selbst in den Speicher zu treten und dort auszuharren bis er zurückkommen, und sich um sie kümmern würde. Als er die Tür hinter Mutter und Tochter verriegelt hatte, saß er hinter seiner Braut auf. „Lass mich dich zu meinem Schloss bringen.“, sprach er und zügelte sein Pferd. „Dort werde meine Braut.“ Das Mädchen nickte überglücklich und bejahte sogleich.
Als der König nun ein drittes Mal durch das Dorf ritt, riefen die Menschen:

„Edler König, das ist sie.
Ihr suchtet ein Mädchen schöner als der Tag selbst,
Dieses Mädchen ist fromm und schön, ihre Seele scheint wie ein Stern am Himmelszelt.“

Der König glücklich über die Worte der Dorfbewohner führte seine rechtmäßige Braut zurück auf sein Schloss. Die Mutter und ältere Schwester währenddessen mussten hoffnungslos im Kornspeicher verenden.
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