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Fremdwelt Chaos

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Mix
Zauberer & Hexen
16.02.2021
14.07.2021
2
4.853
14
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Dieses Kapitel
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16.02.2021 1.808
 
Das Licht der untergehenden Sonne färbte den Himmel in ein dunkles Rot. Elias schleppte sich mit letzter Kraft zum Eingangstor von Mitternachtssonne. Es war die nördlichste und älteste Festung in dieser Welt.
Er musste an all die Geschichten denken, die ihm als Kind über diesen Ort erzählt worden waren. Vor langer Zeit waren die Nachtlande ein Ort voller Magie und Leben gewesen. Doch als die Götter diese Welt verlassen hatten, war die Magie mit ihnen gegangen.
Elias keuchte schwer, jede Faser in seinem Körper schrie nach einer Pause vor Schmerz. Die letzten Tage hatten an seinen Kraftreserven genagt. Der Marsch in das eisige Ödland war anstrengender als erwartet.
Am liebsten hätte er sich in den Schnee gelegt und die Augen geschlossen, doch er durfte nicht aufgeben, es wäre sein Todesurteil.
Die eisige Kälte würde ihn in den ewigen Schlaf schicken und er konnte die anderen nicht in Stich lassen. Nicht nach diesen Strapazen.

Das Klirren von Metall auf Metall und das Klagen der Soldaten nahm er nicht mehr wahr, es war nur noch ein leises Rauschen in der Ferne.
Raehllas Armee hatte vergebens gekämpft. Sie war von Caius abgefangen worden, sodass die Truppen ihrer ursprünglichen Aufgabe nicht mehr folgen konnten. Elias presste seine Lippen aufeinander.
Die einzige Chance, die jetzt noch bestand, war es Ellis und Ares direkt anzugreifen. Elias wusste, dass er diesen Kampf wahrscheinlich nicht überleben würde.
Er stoppte und musterte die zwei gigantischen Statuen der Gottheit Moira, die den Eingang markierten.
Den Griff seines Schwertes fest umklammert, stieg er die endlos wirkenden Stufen zur Festung empor. Der frostige Wind schlug ihm immer wieder Schneeflocken ins Gesicht, die er sich mit seinen klammen Fingern von den Augenlidern wischte. Mit jedem Schritt nahmen die magischen Schwingungen zu. Wie hatte er sich so in seinem Bruder täuschen können? Was war nur passiert?
Ein ohrenbetäubendes Donnern ließ ihn zusammenzucken und riss ihn aus seinen Gedanken.
Ein heller, grüner Lichtkegel erhellte schlagartig den Himmel und der Wind nahm zu. Für einen kurzen Moment musste Elias seine Augen zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden.
Als Elias seine Augen wieder öffnete, traute er ihnen nicht. Der Himmel war in dutzend Teile zersprungen. Es glich einem zersprungenen Spiegel.
Er schüttelte den Kopf. Ellis musste das erste Portal, des Nexus geöffnet haben. Den Blick auf die Festung fokussiert, ging er weiter. Waren alle Portale geöffnet, gab es kein Zurück mehr.


Seine Schritte wurden langsamer, als er das Treppenende erreichte und auf den zerstörten Vorhof trat. Der Geruch von Schwefel und Blut zog ihm in die Nase.
Die Festung war nur noch eine Ruine, ein Schatten. Sie hatte nichts mehr von der Magie, die ihr nachgesagt wurde. Inmitten der Trümmer und zerstörten Statuen befanden sich die Reste des Nexus, der einst alle Welten verbunden und als Portal gedient hatte.
Sein Blick blieb an Ares hängen, der am Boden saß. Er bewegte stumm seine Lippen und zeichnete mit Blut, das aus seiner Hand hervorquoll, Runen auf den Boden.
Ares silbernes Haar klebte strähnig und blutverschmiert an seinem Kopf, seine Augen waren weiß und durch seine blasse Haut schimmerten schwarze Adern. Das Chaos hatte ihn geschluckt. Das war nicht mehr sein Bruder, sondern ein Monster.  Elias wandte sein Blick ab, um sich einen Überblick zu verschaffen, und sah zu der Hexe.
Ellis kniete wenige Meter neben der Lichtsäule. Eine Hand auf den Boden gepresst, in der anderen ein Buch, aus dem sie laut vorlas.
Der Anblick seines Bruders und Ellis stimmte Elias traurig. Was war nur aus ihnen geworden?
Er zog sein Schwert, fest entschlossen, Ares zu töten, auch wenn es ihm das Herz brach. Es war schließlich sein Bruder. Als er den ersten Schritt nach vorne machte, um auf Ares zuzustürmen, traf ihn eine Druckwelle, die ihn zurückwarf.
Elias ohrfeigte sich innerlich, als er auf dem Steinboden aufschlug. Er konnte nicht mehr, er wollte aufstehen, doch sein Körper weigerte sich und seine Sicht verschwamm.
Als seine Sicht wieder klar wurde, sah er in das Gesicht von Caius, der sich über ihn beugte. Wie vom Blitz getroffen, rollte Elias sich auf die Seite, griff nach seinem Schwert und richtete sich unter Schmerzen auf. Das konnte nichts Gutes bedeuten.
„Was machst du hier?“, keuchte Elias.
Caius schloss seine Augen und grinste. „Ich bin hier, um deinen Bruder und Ellis zu beschützen. Das ist schließlich meine Aufgabe.“
Elias sah kurz über seine Schulter hinweg zu Ellis und Ares. Seine Miene wurde ernst. „Caius, das ist Irrsinn, was ihr hier macht. Ihr bringt uns noch alle um. Euer Versuch, das Tor zu öffnen, wird scheitern. Stopp es mit mir! Wir sind doch Freunde.“
Elias sah flehend zu seinen alten Freund, seinem besten seit Kindertagen. Caius schüttelte seinen Kopf. „Nein, ich kann nicht“, presste er hervor.
Zwischen ihnen lag ein eisiges Schweigen. Elias wusste nicht, wie lange er Caius angesehen hatte, er wusste nur, dass er maßlos enttäuscht von ihm war.
„Elias, ich weiß, es ist schwierig für dich, dass alles zu verstehen, aber unsere Welt stirbt. Es ist das Schicksal von Ares, alle Welten wieder zu vereinen. Alles wird wieder wie früher und gleichzeitig wird er ein neues Zeitalter einleiten. Er wird uns aus diesem Gefängnis befreien. Es ist unsere Bestimmung.“
Elias war fassungslos. In ihm machte sich eine Wut breit, wie er sie noch nie gespürt hatte. Er ging einen Schritt zurück, um Abstand zu gewinnen.
„Ihr seid nicht die Ersten, die davon träumen, alle Welten wieder zu vereinen.
Warum sollte es bei euch klappen? Es hat seine Gründe, warum sich die anderen Welten von uns losgelöst haben. War es wirklich notwendig, einen ganzen Hexen- und Elfenstamm zu opfern, um aus ihrer magischen Essenz Energiesteine zu erschaffen? Ihr habt Hunderte einfach so geopfert.“ Seine Stimme bebte.
„Wir alle mussten Opfer bringen.“ Caius Stimme war kühl und ruhig.
„Dafür mussten Unschuldige sterben?“ Elias starrte Caius einfach nur an.
„Wir haben eine Energiequelle benötigt, um Ellis Kräfte zu verstärken.“ Caius schwieg kurz. „Sie hätten uns ihre Magie auch freiwillig geben können, aber sie wollten nicht, also mussten wir sie uns nehmen. Sie haben uns keine andere Wahl gelassen. Wenn es dich beruhigt, wir haben nur die Unwürdigen geopfert.“
Elias war sprachlos.
„Elias, du kannst uns in die Neue Welt folgen oder in der alten sterben. Es ist deine freie Wahl.“
Der Wind wurde stärker und ein erneutes Donnern erklang, gefolgt von einem Lichtblitz.
„Was ist, wenn eure Vision, von einer neuen Welt nicht funktioniert? Was ist, wenn es uns alle ins Chaos stürzt?“
„Es wird funktionieren, vertrau uns.“ Caius zog sein Schwert und sah Elias auffordernd an.
„Lieber sterbe ich in dieser Welt, als in einer neuen zu leben, die aus dem Tod von Tausenden Unschuldigen erschaffen wurde.“
Elias tat es Caius gleich. Den Griff seines Schwertes fest umklammert, holte Elias zum ersten Schlag aus. Augenblicke später knallten beide Schwerter aufeinander. Caius drückte Elias von sich und ging einige Schritte zurück. Elias holte erneut für einen Schlag aus, als er in der Bewegung stoppte.
Sein Atem stockte und stechender Schmerz durchfuhr seinen Körper. Er sah an sich hinab, ein Dolch steckte in seinem Oberkörper. Elias ließ sein Schwert los, das klirrend auf den Boden fiel.
Er blieb wie angewurzelt stehen und starrte Caius an. Ihm wurde schlecht, seine Beine wurden weich, er griff mit zitternden Händen nach dem Dolch und zog ihn aus seinem Bauch, der sich in Rauch auflöste.
Beim Entfernen des Dolches durchfuhr ihn erneut ein brennender Schmerz. Ein Schwall Blut trat aus der Wunde und er sah zu seinem alten Freund.  „Caius, was …wie …“ Weiter kam er nicht.
Seine Beine gaben nach und zwangen ihn in die Knie. Elias presste seine Hand auf die Wunde, aus der immer mehr Blut hervortrat.
In ihm machte sich Panik breit. Wie konnte Caius so unfair kämpfen, schoss es ihm durch den Kopf.
Caius trat an zu Elias und sah zu ihm herab, sein Gesichtsausdruck war leer und kalt.
„Helft mir!“ Flehend streckte Elias seine Hand nach Caius, doch dieser schlug sie weg.
„Es tut mir leid, aber du wolltest es so“, flüsterte er und verpasste Elias einen festen Tritt gegen die Schulter, eher er sich entfernte.
Keuchend kippte Elias zur Seite. Mit letzter Kraft drehte er sich auf den Rücken und starrte regungslos in den Himmel, seine Hand noch immer auf die pochende Wunde gedrückt. Schnee fiel in sein Gesicht und Kälte kroch in seinen Körper. Am zerbrochenen Himmel kreiste ein Drache. „Ich habe es zumindest versucht“, flüsterte er.
Endlich konnte er seine Augen schließen. Das Pochen in seinem Bauch ließ nach und er genoss die Stille, die ihn umgab.
Nichts.


Kalte Wassertropfen fielen auf seine Haut und Elias drehte seinen Kopf zur Seite. Benommen fuhr er mit seiner Hand über den Boden. Der Untergrund, auf dem er lag, war nass, kalt und weich.
Gemächlich öffnete er seine Augen und sah in einen schwarzen Himmel. Ein unbeschreiblicher Lärm herrschte um ihn, und erst jetzt bemerkte er den Schmerz in seiner Bauchregion.
„Mist, wie ist das schon wieder passiert und wo bin ich?“, gab er stöhnend von sich. Unter großen Anstrengungen setzte sich Elias auf, rieb sich die Schläfe und sah sich mit verschwommenem Blick um. Krampfhaft versuchte er, sich daran zu erinnern, was passiert war, doch da war nichts. Nur ein dicker, träger Nebel, der alles umhüllte. Er konnte nicht einmal sagen, wo er war. Es fühlte sich falsch an, hier zu sein.
Elias tastete seinen Körper ab, um zu schauen, ob er noch alles hatte. Seine Hand stoppte. Die Stelle an seinem Bauch war feucht und warm. Er nahm seine Hand hoch, die voller Blut war, und betrachtete sie im schwachen Licht, der Laternen. Innerlich schwor sich Elias sich in diesem Moment, den Alkoholkonsum zu reduzieren.
Sein Blick fiel auf die Kette, die um sein Handgelenk gebunden war, eher er aufstand. Es fiel ihm schwerer als sonst, sein Körper weigerte sich. Das Gefühl von Schwindel durchzog ihn kurz. Elias sah sich orientierungslos um. Er musste sich an dem Baum, neben sich abstützen, um das Gleichgewicht zu halten. Der Ort kam ihn nicht bekannt vor. Ihm war schlecht, ein flaues Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit. Reflexartig schlug er sich seine Hand vor den Mund, doch es war zu spät. Elias erbrach sich. Eine schwarze und zähe Flüssigkeit bildete eine Pfütze zu seinen Füßen. Ein säuerlicher Geschmack hing in seinem Mund und sein Rachen brannte. Elias wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Nie, nie wieder Alkohol, dachte er.
Als er sich von dem Baum löste, um auf eigenen Beinen zu stehen, rutschte er auf dem weichen Untergrund aus und verlor sein Gleichgewicht. Er stolperte rückwärts, versuchte sein Gleichgewicht zurückzuerlangen, es war vergebens. Elias stieß mit jemandem zusammen.
Er vernahm noch ein „Hey pass doch …“, ehe er mit seinem Kopf auf dem Steinboden aufprallte und alles um ihn schwarz wurde.




A/N: Elias und die erste Idee zu dieser Geschichte haben ihren Ursprung in einem RPG.
 
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