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Körpertausch [Soulmate]

von Sira-la
OneshotRomance / P12 / Het
Hugh "Hughie" Campbell Jr. Starlight
16.02.2021
16.02.2021
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1.826
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Ein OneShot zum Soulmate-Projekt, Prompt 36: „An dem 18. Geburtstag des Jüngeren, tauschen die Seelenverwandte für einen Tag lang ihre Körper.“
Viel Spaß beim Lesen
Sira

Körpertausch
Hughie wusste sofort, dass er nicht in seinem eigenen Bett lag, als er aufwachte. Es mochte daran liegen, dass die Sonne in sein Gesicht schien und er am Abend noch den Rollladen geschlossen hatte. Es konnte aber auch daran liegen, dass er auf dem Bauch lag und etwas sehr unangenehm in seine Brust drückte.
Genau genommen wusste er dadurch, dass er sich nicht mehr in seinem Körper befand.
Dieser Gedanke schaffte es, den letzten Rest Müdigkeit zu vertreiben. Hughie fiel beinahe aus dem ungewohnt schmalen Bett, als er versuchte, sich aufzurichten. Es dauerte ein wenig, bis er endlich auf seinen Füßen stand – oder den Füßen, die zu dem Körper gehörten, in dem er sich befand – und einen Spiegel gefunden hatte.
„Oh mein Gott“, hauchte er und musterte sein Spiegelbild. Warme braune Augen, blonde Haare mit leichten Locken, sehr schlank, schöne Haut, all das nahm er wie im Traum wahr. „Oh mein Gott“, wiederholte er, legte einen der schmalen Finger auf seine warmen Lippen. „Oh mein Gott!“
Hughie wusste, was das bedeutete. Er wusste es und er konnte es nicht glauben. Es war selten und niemals hätte er damit gerechnet, dass er einer derjenigen war, die tatsächlich einen Seelenverwandten hatten. Neugierig sah er sich in dem Zimmer um. „The Deep, hm?“, murmelte er, als er das große Plakat entdeckte, das an der Tür hing. Er zuckte mit den Schultern. Vermutlich sollte er nichts sagen, in seinem Zimmer befand sich schließlich … „Oh, sh…“ Er hatte nicht aufgeräumt, und dass er immer noch in seinem Kinderzimmer lebte, sah man an manchen Stellen doch recht deutlich. Andererseits war er ja wohl nicht der einzige Zwanzigjährige, der noch nicht ausgezogen war. Und wenn er sich hier so umsah und die Puppe, die im Bücherregal saß, als Indiz nahm, war auch das hier das ursprüngliche Zimmer seiner Seelenverwandten. Er lachte ungläubig. Seelenverwandte, an den Gedanken würde er sich wirklich noch gewöhnen müssen. Jetzt galt es aber erst einmal, herauszufinden, wer sie eigentlich war.

***

Erschrocken zuckte Annie zusammen, als das Handy, das auf dem Nachttisch lag, plötzlich zu klingeln anfing. Erst als sie die Nummer erkannte, ihre Nummer, um genau zu sein, nahm sie den Anruf entgegen.
„Hallo?“ Die Stimme, die aus ihrem Mund kam, war noch immer viel zu ungewohnt.
„Hi.“ Ihre Stimme am anderen Ende der Leitung zu hören, setzte dem Ganzen allerdings die Krone auf. „Hier spricht Hughie. Ich schätze, ich stecke in deinem Körper.“
Sie musste lachen. „Das denke ich auch. Ich bin Annie.“
„Freut mich, dich kennenzulernen, Annie.“
„Mich ebenfalls.“ Seelenverwandtschaft, ein seltenes Gut. Sie hatte sich daran gewöhnt, eine Supe zu sein, aber damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Apropos … „Es gibt da was, das du wissen musst.“
Hughie hörte ihr neugierig zu, während sie ihre Fähigkeiten erklärte. „Du bist so cool!“, stieß er dann hervor, als sie fertig war.
Sie lächelte geschmeichelt. Es fühlte sich mit dem fremden Gesicht immer noch merkwürdig an. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie bereits knappe zehn Stunden in diesem Körper steckte. Ihre Mutter hatte ihr – für alle Eventualitäten – genau eingebläut, zu welcher Uhrzeit sie auf die Welt gekommen war. Den Wechsel hatte sie also ganz glorreich verschlafen. Allerdings wollte sie sich auch nicht vorstellen, wie sich so ein Körpertausch bei vollem Bewusstsein anfühlte.
Jetzt gab es nur das nächste Problem: Sie würde Hughie wirklich gerne persönlich gegenüberstehen, aber … „Wo genau bin ich hier eigentlich?“, wollte sie wissen und fragte sich gleichzeitig, wie die Menschen das früher gemacht hatten, bevor es Telefone gab.
„In einem Vorort von New York. Und wo bin ich?“
„New York? Da wollte ich schon immer mal hin. Du bist in Des Moines. In Iowa.“
„Iowa? Das ist … ganz schön weit weg.“
Annie nickte, auch wenn er das nicht sehen konnte. Es war ganz schön weit, vor allem, da sie in vierzehn Stunden ihre Körper wieder tauschen würden. Und eigentlich fände Annie es toll, wenn sie zu diesem Zeitpunkt zusammen wären. Aber sie wusste, wie teuer ein Flug war. Das hatte sie schon oft genug nachgeschaut, schließlich befand sich das Hauptquartier der Seven in New York.

***

Hughie sah auf das Telefon in seiner Hand, dann zur Tür. „Das kann lustig werden.“
Annie hatte ihm erklärt, wie es möglich wäre, dass sie sich trafen, bevor sie zurück tauschten. Das beinhaltete allerdings, dass er sich ihrer Mutter vorstellen sollte, ohne – und das hatte Annie mehrmals betont – die Fassung zu verlieren, denn sobald er wütend wurde oder ängstlich oder irgendetwas anderes, würde sich die Supe-Fähigkeit aktivieren, die er jetzt hatte. Eine Supe, heilige Scheiße, das konnte er auch nicht wirklich fassen. Seelenverwandtschaft zwischen einem Normalo und einem Supe, davon hatte er bis jetzt noch nicht einmal gehört. So etwas gab es einfach nicht. Wie auch? Es lagen Welten zwischen ihnen. Und doch war Annie seine Seelenverwandte, daran gab es nichts zu rütteln. Und sie war eine Supe, wie er jetzt ganz deutlich erkennen konnte, als das Display des Telefons plötzlich zu flackern begann. „Heilige …“, flüsterte er und atmete einmal tief durch, um sich wieder zu beruhigen. Vielleicht sollte er mit einem persönlichen Treffen – oder eher, dem Flug dort hin – doch lieber warten, bis er wieder in seinem eigenen Körper steckte. Und vor allem, bis Annie wieder in ihrem steckte. Er war sich grade nicht so sicher, ob er wirklich mit diesen Kräften in ein Flugzeug steigen wollte. Das konnte ja nur schiefgehen. Auf der anderen Seite wollte er Annie aber auch nicht enttäuschen.
„Kneif die Arschbacken zusammen und los“, trieb er sich selbst an. Dann ging er nach unten.

***

Unruhig tigerte Annie in der Empfangshalle auf und ab. Zumindest das schaffte sie inzwischen, ohne ständig über die ungewohnt großen Füße zu stolpern, was sie als kleines Erfolgserlebnis ansah. Trotzdem, die Wartezeit war zermürbend. Erneut warf sie einen Blick auf die große Uhr. Sie würde noch ungefähr acht Stunden in diesem Körper verbringen. Aber darum ging es ihr gerade gar nicht. Sie wartete darauf, dass Hughies Flugzeug auch endlich landete. Der Detroit Metropolitan Wayne County Airport war vielleicht nicht der romantischste Ort für ein erstes persönliches Treffen, aber er lag ungefähr genau in der Mitte zwischen ihren Heimatstädten. Und da es keine Direktflüge von Des Moines nach New York gab, wie Annie sehr genau wusste, war ihr das als die geschickteste Möglichkeit erschienen, rechtzeitig ein Treffen hinzubekommen.
Die Minuten vergingen quälend langsam. Annie hatte sich eine Flasche Wasser besorgt. Da sie nicht wusste, ob Hughie irgendwelche Lebensmittelunverträglichkeiten hatte, hatte sie sich nicht getraut, zu Kaffee, den sie nur mit Milch mochte, oder gar zu etwas zu essen zu greifen. Erneut fragte sie sich, wie die Menschen das früher gemacht hatten, ohne Telefone und Flugzeuge. Oder noch früher, in den alten Zeiten, in denen Pferde die einzigen Transportmittel waren und ein Teil der Bevölkerung nicht einmal schreiben konnte. Annie hatte noch dazu das Glück, dass ihr Seelenverwandter im gleichen Land lebte – auch wenn es natürlich ein ziemlich großes Land war. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, heute Morgen in Europa aufzuwachen, oder Afrika, oder Asien. Selbst Mittel- und Südamerika hätten sie vor Herausforderungen gestellt, beherrschte sie doch keine andere Sprache als Englisch. Wobei sie natürlich auch hier Glück hatte, denn das war eine Sprache, die weltweit sehr viele Menschen sprachen. Auch da gab es bestimmt andere Fälle.
Erneut warf sie einen Blick auf die große Anzeigetafel. Der Flug aus Des Moines sollte in fünf Minuten landen. „Endlich“, flüsterte sie und trank noch einen kleinen Schluck. Sie wollte auch nicht zu viel trinken, der eine Klogang, der bisher nötig geworden war, hatte ihr bereits die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Sie wollte das ungern wiederholen.
Sie nahm ihre Wanderung durch die Halle wieder auf. Für ihren Geschmack waren hier zu viele Menschen, aber daran ließ sich nichts ändern. Sie konnte nur hoffen, dass Hughie sie finden würde.

***

Hugie fühlte sich leicht benommen, als er das Flugzeug endlich verlassen konnte. Vielleicht hatte er ein oder zwei Pillen zu viel genommen, aber da er noch nie zuvor geflogen war, hatte er nichts riskieren wollen. Lieber benommen sein als einen Absturz verursachen, hatte er sich gesagt, und die Beruhigungstabletten genommen, die Annies Mutter ihm mitgegeben hatte. Am liebsten wäre sie selbst auch mitgekommen, aber zu seinem Glück war nur noch ein Platz in dem nächsten Flug nach Detroit frei gewesen. Die wenige Zeit, die er mit ihr verbracht hatte, hatte ihm nämlich durchaus gereicht. Die Frau war anstrengend, etwas, das er Annie vielleicht lieber nicht als Erstes sagen sollte.
Aber jetzt galt es erst einmal, Annie zu finden. Sie hatten SMS ausgetauscht, bevor sie die Handys ausschalten mussten, und er wusste daher, dass sie in der Empfangshalle auf ihn warten würde. Ihr Flug war eine knappe Stunde vor seinem gestartet und dementsprechend natürlich auch früher angekommen.
Aufmerksam sah er sich um, was gar nicht so einfach war. Annie war um einiges kleiner als er selbst, und dass er jetzt nicht mehr über die meisten Menschen hinwegsehen konnte, ziemlich ungewohnt.
Dann kam plötzlich jemand auf ihn zu. Hughie blinzelte. Es war schon verwirrend genug gewesen, einen falschen Körper im Spiegelbild zu sehen. Jetzt den eigenen Körper auf sich zulaufen zu sehen, das toppte diese Erfahrung allerdings nochmal um Welten. Bevor er etwas sagen konnte, umarmte er sich schon selbst. Oder eher, Annie, die in seinem Körper steckte, umarmte ihn in ihrem Körper.
„Das ist so verrückt.“ Die Worte entkamen ihm, bevor er drüber nachdenken konnte.
Sie lachte. „Da stimme ich dir uneingeschränkt zu“, meinte sie mit einem frechen Grinsen, das so gar nicht zu seinem Gesicht passen wollte.
Hughie lächelte. „Ich würde dich jetzt gerne küssen“, sagte er. Er wusste nicht genau, wo dieses Bedürfnis herkam, eigentlich wollte er Annie zuerst kennenlernen. Aber es war da und Annie schien es ähnlich zu gehen, denn sie nickte nur und beugte sich zu ihm herunter.
Er schloss die Augen und genoss den Kuss. Mit einem Mal fühlte er sich anders und als er die Augen wieder öffnete, sah er in Annies Gesicht. „Ist die Zeit schon um?“, wollte er wissen und war erleichtert, dabei seine eigene Stimme zu hören.
Sie sah zu der Uhr hinüber und schüttelte den Kopf. „Lag vielleicht an dem Kuss“, meinte sie und hielt sich an ihm fest. „Warum fühle ich mich so … merkwürdig?“
Hughie lächelte sie entschuldigend an und stützte sie. „Ich hab mich mit Beruhigungstabletten abgefüllt, um deine Kräfte unter Kontrolle zu halten.“
Annie verzog etwas das Gesicht. „Es war vielleicht eine zu viel“, meinte sie, grinste dann aber. „Wobei das bestimmt besser ist, als wenn das Flugzeug wegen elektronischen Interferenzen abgestürzt wäre.“
Hughie lachte leise. „Das dachte ich mir auch“, erklärte er und führte sie zu einer Bank. „Darf ich dich auf ein Flughafenbuden-Dinner einladen?“
Annie streckte sich etwas und gab ihm noch einen Kuss, bevor sie sich auf die Bank setzte. „Sehr gerne.“
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