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Tess und der Beginn ihres wilden Lebens

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Gonzo Gonzales Juli Leon Markus OC (Own Character) Vanessa
16.02.2021
03.03.2021
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22.02.2021 1.341
 
Kurz darauf kam sie allerdings wieder zurück und stellte sich neben Gonzo. Der Junge mit dem unreinen Gesicht und den teils blauen Haaren meinte irgendwas von wegen „die Kinder“ seien da, und mit einer leisen Vorahnung stellte auch ich mich zu den Flammenmützen.
Tatschlich fuhren kurz darauf Leon und Deniz durch den Eingang. Was wollten die denn jetzt?
Beim allmächtigen Neptun, wenn das mal nicht schief ging!
Leon verlangte von Vanessa und mir zurück zu kommen, der Idiot hatte aber auch gar nichts begriffen. Warum jäklar¹ sollten wir das denn tun?
Es war echt peinlich Leon bei seinem Versuch zusehen zu müssen.
Manche „Flammenmützen“ machten sich über die beiden Jungen lustig und bedrängten sie, bis Gonzo auf Nachfrage von Blauhaar schließlich meinte, sie sollten sie loslassen. Dann wurde es aber interessant, denn Gonzo ging auf Vanessa zu: „Und du kannst deine Freunde begleiten“
Nun wandte er sich an mich: „Los, haut ab, ihr seit frei. Ihr könnt gehen, kleiner Stern“ Letzteres war dabei natürlich wieder an Vanessa gerichtet.
„Aber wenn ihr hier bleibt, dann ist es für immer. Das ist euch doch hoffentlich bewusst“, grinste der blasse Vampir.
Für immer, dass ich nicht lache!
Allerdings war das ein neues Argument, was mich durchaus veranlasste, über ein Verlassen der Nebelburg nachzudenken.
Andererseits, das werden wir dann schon sehen, ob ich dann wirklich hier nicht mehr wegkomme, aber so einfach wollte ich die Jungs nicht gewinnen lassen. Erst mussten sie ihren Fehler verstehen, denn das hatten sie offensichtlich noch nicht. Was genau ich da allerdings erwartete… Nun, dass konnte ich nicht so genau sagen.
Um genau zu sein hatte ich keinen Plan, auf was ich wartete, aber ich würde es schon noch herausfinden.

Nachdem die beiden „Wilden Kerle“ wieder weg waren, ging jeder wieder seinen Tätigkeiten nach. Ich nutzte die Zeit, um selbst das Skateboard fahren zu lernen. So schwer konnte das doch wohl nicht sein! Einer der Jugendlichen zeigte mir ein paar einfache Techniken, und es machte sogar spaß, auch wenn ich noch sehr wackelig auf dem Brett war.

Ich übte auch wieder am  nächsten  Morgen, als meine Tätigkeit durch Vanessas Rückkehr unterbrochen wurde. Sie war mit ihrem Skateboard in Grünwald unterwegs, aber scheinbar war irgendwas passiert, was ihr die Laune verhagelt hatte.
Zornig stapfte das blonde Mädchen in die Halle und warf mir einen Zettel mit den Worten „Ich hab sie getroffen“ zu. Wen sie mit was oder wo getroffen hatte, ließ sie dabei im dunklen.
Ich schaute mir das zusammengeknüllte Papier an, auf das ein großer schwarzer Punkt gekritzelt worden war. Überfordert mit der Situation sah ich Vanessa an: „Was soll dass sein? Wen hast du bitte getroffen?“
Sie schnaubte bloß.
„Deniz und Leon“, fauchte sie und ging an mir vorbei in Richtung Gonzales, welcher hinter mir erschienen war.
Ich drehte mich um und zog fragend eine Augenbraue in die Höhe: „Fan helvete², ich habe keine Ahnung wovon du redest!“ Gonzo zog verwirrt die Augenbrauen zusammen, anscheinend war mir einmal mehr ein schwedischer Ausdruck entwichen. Doch dieses Mal ging ich nicht weiter darauf ein – sollte er doch rätseln – und bedachte Vanessa stattdessen mit einem fragenden Blick.
Musste man ihr denn alles aus der Nase ziehen?
Doch da begann sie schon davon zu berichten, dass sie Leon und Deniz über den Weg gelaufen sei, wobei diese eher nach ihr gesucht hatten, und ihr eben jenes Papier überreichten, welches ich nun in den Händen hielt und ebenso für mich wie für sie bestimmt war.
„Und was bedeutet dieser ominöse schwarze Punkt nun?“, wollte ich wissen.
„Den bekommen Verräter", schnaubte sie verächtlich. „Und morgen wollen sie uns bestrafen. Die haben nur das Spiel am Samstag im Kopf!“
Ach, da war ja noch dieses, und ich zitiere, „alles entscheidende Match“ am Samstag.

Aber jetzt aber Mal im Ernst: Wie för sjutton³ sollte ich etwas „verraten“ haben, wovon ich nicht einmal Teil war? Die Argumentation hinkte und kindisch war sie noch obendrein.
Andererseits, was hatte ich erwartet? Ich kannte doch mein Bruder und seine Freunde mittlerweile auch ganz gut; es war doch klar, dass sie es auf so eine Weise probieren würden! Für mich war offensichtlich, dass das ein weiterer Versuch sein sollte, uns zurück zu holen. Zugegebenermaßen ein ziemlich gescheiterter Versuch, aber trotz allem waren es eben noch die „Wilden Kerle“; sie versuchen es eben auf ihre Weise.

Während ich mir also erneut meine Gedanken zu dem Thema machte, gab Gonzales seine Meinung zu dem Thema ab, nach der ihn eigentlichen niemand gefragt hatte: „Lass die Kinder doch, die haben dich gar nicht verdient“, und Ähnliches. Er redete auf Vanessa ein und stellte die Jungs dabei in einem definitiv unnötig schlechten Licht dar.
Herre gud⁴, der Typ regte mich echt auf. Er redete immerhin, trotz allem, auch von meinem Zwillingsbruder, selbst wenn er dass nicht wusste.

Am Nachmittag tauchte dann schließlich eine schwarze Limousine in der Nebelburg auf und unterbrach damit endlich das Geflirte von Gonzales und Vanessa. Die Beiden gingen mir langsam so richtig auf die Nerven und ich wurde das Gefühl nicht los, dass Gonzales nicht bloß Liebe im Sinn hatte.
Aus dem Auto stieg ein Mann in Anzug und Krawatte, er hatte einen Hut auf dem Kopf. „Ich suche eine gewisse … äh… Butz. Aäh… mh.. Vanessa Butz“, stotterte der Mann vor sich hin. Schließlich zeigte er an „Pickels“ vorbei, welcher sich vor ihm aufgebaut hatte, auf die Blonde und meinte: „Ah, da…., da ist sie ja“ Dann ging er auf sie zu und streckte ihr seine Hand entgegen: „Guten Tag. Meier-Schwammbacke, DFB. Äh.. ja…“ Nachdem niemand seine Geste erwiderte, räusperte er sich. „Ich will nur sagen, dass sie in der Schülernationalmannschaft spielen.“ Na wenn da mal nicht die Kerle dahinter steckten. Auf Nachfrage Vanessas führte er aus: „In der Jungenmannschaft natürlich“ Alles klar, dass war die Idee der Jungs. Zwar kreativ, aber absolut zum Scheitern verurteilt. Ich musste wirklich aufpassen, nicht laut loszuprusten, denn ich wollte die Vorstellung keinesfalls stören.
Während sich also Herr „Meier-Schwammbacke" – wirklich sehr glaubwürdig, Leon! – mit Vanessa und Gonzo, welcher sich natürlich mit einmischen musste, unterhielt, sah ich mich möglichst unauffällig nach weiteren „Wilden Kerlen" um. Ich konnte mir gut vorstellen, dass sich manche von ihnen hier in eine der Nischen oder ähnlichem versteckt hatten, um zu sehen, ob der Plan klappt – das glauben die doch bitte nicht wirklich – oder um sich einfach die Show anzusehen.
Und tatsächlich entdeckte ich Leon und Deniz auf einem Vorsprung unter Decke. Sie merkten nicht, dass ich sie ansah. Ich verkniff mir ein Grinsen und drehte mich wieder Richtung Limousine, noch gerade rechtzeitig um mitzukriegen, wie Bewegung in die bizarre Szene kam. Anscheinend hatten sie ebenfalls die Wahrheit erkannt. Der Fahrer stieg, oder eher hechtete, aus der Limousine und aus der Nebelburg. Ich meinte Raban erkannt zu habe, aber sicher war ich mir nicht, da die Person, die nebenbei bemerkt relativ klein war, unförmige Klamotten trug. Ein Kissen war an den Hintern gebunden worten und an den Füßen hatte er auch irgend etwas, vermutlich, um die Pedale des Autos zu erreichen. Es sah ur-komisch aus.
Bevor er jedoch ganz weg rannte, brüllte er noch irgendetwas in Richtung  Deniz und Leon, was ich nicht verstand. Daraufhin ergriffen auch diese Beiden die Flucht, da sie aufgeflogen waren.

Der Plan war, wie erwartet, eine einzige Katastrophe. Ohne Hilfe würde das vermutlich nichts mehr werden. Sie brauchten Vanessa vielleicht am Samstag, doch ganz besonders für die gesamte Dynamik des Teams und ihrer Freundschaft - ob sie das je zugeben würden, stand allerdings in den Sternen.
Aber da mir mein Bruder und seine Träume wichtig waren – er war immerhin mein Zwilling – schnappte ich mir unbemerkt mein Skateboard und stahl mich davon. Es brachte mir nichts, weiterhin die eingeschnappte zu spielen, das führte doch zu nichts.
Ich bekam nur noch am Rande mit, wie die „Flammenmützen“ sich daran machten, die Limousine  und den Anzug zu „verschönern“.
Maxi tat mir in diesem Moment wirklich leid, denn das war bestimmt die Limousine seines Vaters.

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Schwedisch für...

¹ „Zum Teufel“
² „Verdammte Scheiße“
³ „Zum Kuckuck“
⁴ „Mein Gott“
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