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Bostons Wintertraum

OneshotHumor, Familie / P12 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
16.02.2021
16.02.2021
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4.540
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Hallo :)
Ich dachte, zu dem sich derzeit angebotenem Wetter, ist es doch ganz nett, die beiden Süßen mal in unsere winterliche Situation zu schreiben.
Die Idee kam mir auf dem Schlitten, als meine Mama mich wieder nach Hause kutschiert hat. Die Blicke der Fußgänger waren genial XD
Und seid mal ehrlich: wer nimmt sich auch einfach ein Alibi-Kind mit, um auf dem Rodelberg nicht doof angeguckt zu werden?

Wünsche ganz viel Spaß beim Lesen

LG Vani-Sashanista



Janes Sicht


„TJ, jetzt halt still oder du trittst ihr die Füße noch ins Gesicht!“, versuchte ich meinen kleinen Neffen zu belehren, worauf ich jedoch lachen musste, als er dann nur noch mehr strampelte, dass meine Freundin schon Schwierigkeiten hatte, ihm die Schuhe denn über die Füße zu ziehen, mit denen er in voller Inbrunst sein Unwohlsein kundgab. Doch Maura wusste sich selbst zu helfen und fasste seine Fußgelenke einfach etwas fester, wodurch ihm jegliches Zappeln unmöglich gemacht wurde. Sie lachte siegessicher auf. Jetzt jedoch veränderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig und er schob seine Unterlippe vor, bevor diese auch schon zu beben begann.

„Ohoh“, machte ich und Maura, die zu ihm kniete, wollte mir noch einen fragenden Blick zuwerfen, als der Sohn meines jüngsten Bruders auch schon zu weinen begann.

„Oh mein Gott“, entfuhr es ihr und sie sprang auf, sichtlich überfordert mit der Situation, hatte sie schließlich hauptsächlich Umgang mit Menschen, die weniger gesprächig waren. Was daran liegen musste, dass sie tot waren.

Maura wich so schnell zurück, dass ich kaum gucken konnte und so lag es an mir, das schreiende Kleinkind zu beruhigen, dem Maura wohl unabsichtlich weggetan hatte.

„Aber TJ“, sagte ich, als er seine Arme ausstreckte, das kleine Gesicht schon ganz rot und angestrengt vom empört sein. Ich war mir sicher, dass Maura ihn nicht allzu sehr festgehalten hat, immerhin hatte der Junge wohl das Gen seines Vaters geerbt, bei jeder Kleinigkeit nach unserer Mutter zu rufen. Trotzdem tat er mir leid und ich nahm ihn auf den Arm, beruhigte ihn schnell und küsste seine Wange immer wieder, während ich ihm über den Rücken fuhr. „Das hat Maura nicht mit Absicht gemacht und auch nicht böse gemeint. Sie wollte doch nur, dass du warme Füße hast, wenn wir gleich durch den Schnee laufen, hörst du?“ Ich strich ihm die kleinen Tränchen weg.

Als ich mir sicher war, dass er wieder in Ordnung war, setzte ich ihn zurück auf den Treppenabsatz und band ihm die Schnürsenkel, die meine Freundin vor Schreck wieder aufgemacht hatte. „Siehst du? So ist es schön warm.“ Ich grinste ihn breit an und auch er lächelte und gackerte dabei. Genau wie mein Bruder konnte innerhalb weniger Sekunden nach einem Sturm wieder die Sonne scheinen.

„Du ziehst dir jetzt deine Jacke an und wartest dann einen Moment auf uns, ja?“, gab ich ihm Anweisung und reichte ihm seine neongelbe Jacke mit Reflektionsstreifen, mit der er für jeden gut sichtbar wäre, war es mittlerweile nicht mehr ganz so hell draußen. Und trotz unseres langgeplanten Vorhabens, den heutigen Nachmittag, den ich meinen Neffen hüten sollte, Zuhause bei meiner Freundin zu verbringen, hatte er uns breitgeschlagen, mit ihm Schlittenfahren zu gehen. Beacon Hill hieß nicht umsonst Beacon Hill. Und der Berg, auf dem ich damals in meiner Kindheit mit meinen Brüdern selbst rodeln war, lag gar nicht fern ab.

Ich ging in die Küche, wollte ich immerhin nach meinem Mädchen sehen, das nicht einmal die übelriechendste Wasserleiche aus dem Konzept bringen konnte, jetzt aber von meinem Neffen verschreckt wurde.

„Na? Wie geht’s meinem anderen Riesenbaby?“, kam ich neckend in die Küche. Was ich da jedoch erblickte, ließ mir sämtliche Gesichtszüge entgleiten. Sie saß mit den Rücken zu mir an der Kochinsel und weinte. Jedenfalls entnahm ich das der Tatsache, dass ihr Rücken zitterte und ich ganz leise gedämpftes Schluchzen hören konnte.

„Maur.“ Ich kam schnell auf sie zu und sah, wie sie die Hände vors Gesicht gelegt hatte. „Mach die Hände runter, Süße, komm schon“, bat ich sie, nachdem mein Versuch, dies selbst zu tun, gescheitert war. Sie schüttelte den Kopf heftig und ich seufzte. „Was hast du denn? Du heulst doch jetzt nicht, nur weil TJ maßlos übertrieben hat? Oder hat er dich getreten?“ Wieder schüttelte sie den Kopf, was mit einem Rucken ihres Körpers begleitet wurde.

„Was ist es dann?“

„Ich kann nicht“, sagte sie, doch ich verstand wegen ihrer Hände nur die Hälfte und dazu nicht mal ansatzweise, was sie damit meinte.

„Nimm die Hände runter, ich kann kein Gebrabbel verstehen.“ Ich wusste, dass es harsch war, das zu sagen, immerhin waren die Tränen, die Maura da weinte, echt. Jedoch ließ sie mich danach wirklich ihr Gesicht sehen. „Und jetzt sag das nochmal“, gab ich in einem angemesseneren und liebevollen Ton von mir.

„Ich kann nicht mitkommen“, sagte sie, nachdem ich ihr ein Taschentuch gegeben hatte, dass sie ihr hübsches Gesicht trocknen konnte.

„Warum das? Du hast mich doch schließlich dazu überredet und außerdem spricht auch sonst nichts dagegen.“

„Ich bringe ein kleines Kind zum Weinen, wenn ich ihm nur die Schuhe anziehe! Wie soll das werden, wenn er sich mal ernsthaft verletzt? Durch mich? Ich kann einfach nicht mit Kindern, konnte ich noch nie. Dafür bin ich nicht gemacht! Ein Grund, dass ich keine eigenen habe und wohl auch nie haben werde.“ Maura sah mich mit ihren großen haselnussgrünen Augen an und es ließ mir das Herz krampfen. Ich fand sie mit Kindern nämlich großartig.

„Maura“, sagte ich nur und zog sie dann vom Stuhl auf ihre Beine, was sie zu mir hochgucken ließ. Ich zog sie in die Arme, streichelte sie und sog nebenbei ihren Duft ein, wonach ich für einen Augenblick genießerisch die Augen schloss.

Sie umfasste mich ebenfalls, schmiegte sich eng an mich, als hätte sie Angst, mich loslassen zu müssen. Ich spürte ihre gepflegten, kurzen Nägel, die sich durch die Lagen Stoff in meine Haut gruben und kleine Halbmonde hinterlassen würden. Es schmerzte nicht. Das tat es nur, wenn sie sich während unseres Liebesspiels in mich krallte, wenn die Lust sie übermannte und sie animalisch meinen Namen schrie, erfüllt von Glückseligkeit. Spüren würde ich meine kleinen Verletzungen immer erst dann, wenn das heiße Wasser der Dusche meinen Körper hinabrinnen würde. Momente zum Genießen; dieser süße Schmerz.

Ich hielt Maura nun ein Stück von mir, umfasste mit beiden Händen ihre Wangen und strich ihr über die warme Haut, vor Anstrengung ganz rot durch die Durchblutung. „Du hast TJ nicht verletzt. Du hast das Beste für ihn gewollt und ihn dadurch in der Situation falsch eingeschätzt. Er hat doch keine Blutergüsse oder Hämatome oder sonst was davongetragen.“

„Dir ist schon klar, dass die Begriffe für das Gleiche sprechen, richtig?“, sagte sie und ich war froh, dass ich meine Maura zurückhatte.

„Du Genius.“ Ich zog sie an mich und küsste sie tief und innig, wie wir es immer taten und jedes Mal kurz darauf eskalierte. Doch ich ließ ihrer suchenden Zunge keinen Einlass, als sie meine Unterlippe entlang strich und eine Hand sich unter meine Locken um meinen Nacken schlang. Stattdessen brachte ich wenige Zentimeter Platz zwischen uns und leckte meine Lippen, auf welchen ich sie schmeckte, bevor ich mit noch immer geschlossenen Augen zum Besten gab: „Außerdem heult er schon, wenn er sich beim Anziehen seiner Jacke auch nur das Kinn einklemmt.“

„Das tut aber auch weh!“

„Auch wieder wahr“, gab ich zu, wonach wir beide lachten. Ich ließ sie los und gab ihr einen Klaps auf ihren schönen Hintern, den ich so sehr liebte und anfasste, wann und wo ich nur konnte. Wenn die eigene Liebste schließlich so ein Gestell Gottes besaß, musste man das immerhin ausnutzen.

„Fertig“, sagte TJ, der plötzlich in voller Montur im Rahmen der Tür stand, das kastanienbraune Haar lag ihm wirr in alle Richtungen. Ich sah Maura an, die darauf schlucke, noch immer nicht ganz sicher, ob sie denn wirklich in der Nähe des Kindes sein könnte, ohne es zu verletzten. Schwachsinniger Einfall, wie ich wusste, hegte sie ihn jedoch in ihrem hübschen Köpfchen, in dem sie sich unpraktischer Weise über alles und jeden Gedanken machte, dass es manchmal an mir lag, sie zu bremsen.

Mit einem Nicken versicherte sie mir dann jedoch, dass sie bereit wäre und ich war froh, meine beiden kleinen Heulsusen wieder glücklich gemacht zu haben.


Mauras Sicht


Ich beobachtete, wie Jane dem kleinen Kind seine Mütze mit Dino Aufdruck aufsetzte und konnte nicht anders, als sie mir mit einem eigenen vorzustellen. Unserem. Ich hatte zuvor schon mehrmals einige Gedanken dafür aufgebracht, mir vorzustellen, mit Jane irgendwann diesen Schritt zu gehen, hielt ich sie insgeheim schon immer für den mütterlichen Typ Frau, was sie natürlich nie zugeben wollen würde, und ich spräche es nicht aus.

Ich stand nun mit meinem langen Wintermantel in der Tür und haderte mit dem Reißverschluss meiner hohen Stiefel, bis mich die Stimme Janes wieder von meinem Tun ablenkte.

„Maur, verdammt zieh doch noch höhere Absätze an!“

„Meinst du? Aber die passen dann nicht mehr zu meinem Mantel. Der müsste dann kürzer sein, etwa-“

„Herrgott Frau! Wann wirst du dich endlich an Sarkasmus gewöhnen?!“ Sie verdrehte die Augen, unter einem Arm den Schlitten, an der andern Hand TJ. Ich sah sie indigniert wegen ihres Kommentars an, immerhin hätte es ja sein können, sie meinte es wirklich ernst.

„Maura, das ist ein Berg und so wie ich ihn kenne und auch allgemein das Wetter einschätze, bist du besser dran, wenn du dir flache Schuhe anziehst. Ganz einfach welche mit einem ausgeprägteren Profil. Ich hab sonst Angst, dass dein süßer Arsch dabei draufgeht“, zwinkerte sie mir zu, doch ich war darüber fassungslos.

„Jane! Nicht vor dem Kind!“

„Was ist ein Arsch?“, fragte Tommys Sohn jetzt jedoch und während ich mir nach der Anweisung meiner Freundin andere, wettertauglichere Schuhe besorgte, lauschte ich nur zu gern, wie Jane versuchte, sich da wieder rauszureden. Selber schuld, dachte ich mir insgeheim gehässig.

„Naja, weißt du. Das ist so ein ... Ding, das Maura hat, das ganz doll weh tun kann, wenn sie es kaputt macht.“ Dümmlicher hätte man es mit Sicherheit nicht aussprechen können, doch ich verstand Janes Not und ihre versuchsweise gezischten Rufe nach mir, vernahm ich ebenfalls.

„Was deine Tante versucht zu sagen, ist, dass dieser umgangssprachliche Ausdruck nur eine andere Bezeichnung für die Muskelpartie ist, die sich hauptsächlich aus dem Gluteus Maximus, Medius und Minimus zusammensetzt. Sie arbeiten alle zusammen, um die Beine zu bewegen und zu rotieren, um die Hüfte zu strecken und den Beckenboden nach hinten zu kippen. Wie der Name schon verrät, ist der Gluteus Maximus der größte Muskel. Durch exzessives Trainieren dieses Muskel, ist es allerdings möglich, ihn um dreißig Prozent zu vergrößern.“ Ich war so begeistert, während meiner Erzählung nicht unterbrochen worden zu sein, dass ich aufblickte, nur um zu sehen, wie TJ sich den aufgehäuften Schnee von meiner Auffahrt in den Mund steckte und meine Freundin mir auf den Allerwertesten starrte, als ich gebückt stand.

„Das könnte so einiges erklären“, stammelte sie.

Ich hatte mir mittlerweile meine Schuhe angezogen und schloss dann das Haus ab, wonach ich auf meine Freundin zuging und ihr den einklappbaren Schlitten abnehmen wollte, den ich gestern gekauft hatte, nachdem feststand, dass wir einen Nachmittag auf TJ aufpassen durften, da Lydia und Tommy sich einen schönen Tag machen wollten. Und das gönnten wir den beiden natürlich vom ganzen Herzen. Schließlich hatte es ihnen ihre On- Off-Beziehung in den letzten Jahren nicht leicht gemacht, auch wenn sie mittlerweile verheiratet waren und weglaufen, sowie Trostfindung im Alkohol auch um des Kindeswohl keine Option mehr darstellten.

„Nein, den halt ich“, sagte Jane und zog den Schlitten außer Reichweite.

„Aber es ist meiner!“

„Das ist mir egal, ich halt den trotzdem.“ Ich seufzte und ließ dieses Machtgehabe über mich ergehen, während wir uns endlich in Bewegung setzten. Da der Weg und die Straße gestreut waren, konnten wir TJ noch nicht auf den Schlitten setzen, was dazu führte, dass ich mir neben den beiden sich anfassenden Rizzolis wie ein Überbleibsel vorkam, bis sich eine kleine Hand um meinen Mantelzipfel schlang. Ich neigte den Kopf, um zu sehen, was mich denn da gegriffen hatte und sah dann, dass TJ sich an mir festhielt.

„Auch an die Hand“, forderte er dann und streckte mir seinen kleinen Fäustling entgegen, den ich schließlich in meinen nahm. Ich lächelte glücklich und sah Jane an, die über mein Verhalten nur den Kopf schütteln musste, aber ebenfalls grinste.

„Halb so schlimm, was?“, meinte sie dann und ich sagte nichts dazu, hatte sie immerhin wieder einmal recht gehabt.

Mittlerweile waren wir auf einem Stück Pfad angekommen, auf dem der Schnee nun lag und so klappte Jane den Schlitten aus, was ihren Neffen laut zum Quietschen brachte. Ich beobachtete, wie sie ein paar Handgriffe nötig hatte, ehe er völlig einsatzfähig dastand.

„So und jetzt rauf da und halt dich gut fest, ja?“, gab sie Anweisung, der TJ breitwillig folgte. Sie fädelte sich die dicke Schnur um die Finger und begann dann zu ziehen, worauf der Junge glücklich aufschrie. Ich war insgeheim glücklich mit mir, die richtige Wahl getroffen zu haben.

„Komm her“, meinte Jane dann und hielt mir auffordernd die Hand hin, nachdem ich wohl einfach stehengeblieben sein musste. Schnell kam ich auf sie zu und reichte ihr meine Hand, die sie sich darauf samt ihrer eigenen in ihre Jackentasche steckte. Dann spürte ich plötzlich ihren Atem auf meiner Wange und kurz darauf legte sie ihre Lippen auf meine Haut und küsste mich. Ich sah sie an und biss mir dabei auf die Unterlippe, liebte ich es schließlich, wenn sie das tat.

„Ich bin richtig stolz auf dich.“


Wir hatten den Fuß des Hügels nun erreicht, war mir dabei immer schleierhaft gewesen, warum man ihn als Berg bezeichnete, doch viel Überlegungszeit blieb mir nicht, als auch schon ein Kind auf einem Schlitten auf uns zukam und Jane mich schnell zur Seite zog, ehe es auch schon an uns vorbei sauste. Ich blickte nach oben zur Spitze und sah, dass da gar nicht allzu viele Menschen standen, wir mussten also eine gute Uhrzeit abgepasst haben.

„Na was wartest du? Komm rauf hier, damit der Spaß beginnt!“ Jane hatte mich losgelassen und war wie ein kleines Kind mit TJ auf dem Schlitten den Berg hochgelaufen, von wo sie mir nun zurief. Ich konnte manchmal nicht glauben, dass die Frau, die ich liebte und Detective der Mordkommission war, sich so verhielt, dass man meinen könnte, sie wäre Teil der sich im Schnee raufenden Rasselbande.

Ich tat ihr kopfschüttelnd den Gefallen und lief den Berg hoch, erhellt vom Blitzlicht mancher Eltern, die die Abfahrt ihrer Sprösslinge aufzeichneten. Ich hoffte, ich sah gut aus, im Falle, dass ich ebenfalls da zu sehen war. Es käme immerhin ungünstig, sähe die leitende Gerichtsmedizinerin des Bundesstaates aus wie ... nun ja, wie man in solchen Fällen eben misslich aussehen könnte.

Ich war gerade oben angekommen, da hatte Jane sich schon auf den Schlitten gesetzt, zog TJ an ihre Brust und rutschte dann den Abhang runter.

„Jane!“, schrie ich auf, doch meine Rufe wurden von ihren Glücksschreien übertönt. Ich hörte ebenfalls, wie andere Eltern die Luft einzogen, als Jane mit Gewichtsverlagerungen geschickt den Schlitten lenkte und kleinen Hindernissen dabei immer wieder auswich.


Janes Sicht


Ich musste gestehen, dass Maura, bestimmt hatte sie einen Haufen Kohle dafür investiert, eine gute Wahl getroffen hatte. Man könnte meinen, man gleite mit einem heißen Messer durch Butter. Zumindest hatte sie mir dieses Sinnbild in den Kopf gesetzt, als sie mir einen Vortrag von der Machart der Kufen hielt, die in dem Schnee eine besondere Gleitfähigkeit hätten.

„Nochmal!“, kreischte TJ, der sich eng in meinem Arm befand, während wir den Hügel runter gebrettert waren. Nicht nur er hatte dabei einen Heidenspaß gehabt, auch ich fühlte mich wieder wie ein Kind, als ich mich schnell ans Aufstehen machte und mit dem Schlitten samt TJ wieder den Berg herauf stapfte, wo meine Freundin uns schon erwartet hatte. Und wie ich in ihrem Gesicht trotz der Dämmerung sehen konnte, hatte auch Frau Doktor ihr Amüsement daran gefunden.

„Hat’s Spaß gemacht?“, fragte sie und ich nickte nur übereifrig, ehe ich wieder auf dem Schlitten saß, meinen kleinen Neffen eng vor mich geschnallt und als der Weg frei war, waren wir wieder an der Reihe, unsere besten zehn Sekunden zu haben, die den immer und immer wieder mühseligen Anstieg hundertprozentig wett machten.

Ich war so damit beschäftigt, diesem Kind und ebenfalls mir selbst, die überhaupt beste Zeit zu bereiten, dass ich ganz vergaß, wen ich da denn eigentlich noch in Begleitung hatte.

Beim nächsten Aufstieg deutete ich Tommy Junior einen Moment zu warten und auf keinen Fall ohne mich zu rutschen, da ich drohte, ihm sonst die Hölle heiß zu machen und ging zu meiner Freundin, die sich oben auf eine Bank gesetzt hatte. Die einzige Erwachsene, die ihrem Alter hier entsprechen wollte und nicht wie die anderen Eltern freudig jubelten, mit ihren Kindern oder gar alleine rodelten.

„Na? Was hast du da so Interessantes?“, fragte ich sie, als ich das kleine Gerät in ihren Fingern sah, für dessen Bedienung sie sich sogar extra die Handschuhe ausgezogen hatte.

Sie sah mich an und ich konnte Tränen in ihren Augen schimmern sehen, was mir schlagartig das Grinsen aus dem Gesicht wischte. „Oh bitte, bitte sag nicht, dass wir einen Fall haben oder du wegen eines Notfalls ins Department kommen musst!“

„Nein, das ist es gar nicht. Dann wäre ich wohl auch nicht so gerührt“, meinte sie und ließ mich aufatmen, während sie sich ganz schnell das verräterische Nass aus den Augenwinkeln wischte, bevor es zum zweiten Mal an diesem Tag ihre süßen Wangen runterlaufen konnte. „Schau einfach.“ Sie hielt mir ihr BlackBerry hin und ich nahm es, verstand kurz darauf, was sie da denn so emotional berührte.

Sie hatte einen Schnappschuss von mir und TJ aufgenommen, zwar von hinten, aber durch die Erhellung des Blitzes, konnte man zumindest etwas erkennen. Für Außenstehende sähe das Foto jedoch aus, als wäre nur ich wie ein großes Kind auf dem Schlitten unterwegs, da ich den Jungen völlig verdeckte und wenn auch nur leicht erkennbar seine behandschuhte Hand zu sehen war.

„Das ist süß, Maura. Aber wäre es nicht besser, du würdest uns von unten fotografieren?“, fragte ich sie, konnte ich mir hierbei jedoch denken, dass sie das hauptsächlich geknipst hatte, um sich selbst einen kleinen Spaß zu machen.

Sie stand schon auf und wollte den kleinen Berg hinunter stapfen, als ich sie bei der Hand fasste.

„Was ist?“, fragte sie darauf verwirrt und blickte auf unsere Verbindungsstelle, musste sie bestimmt denken, ich wollte sie darauf aufmerksam machen, dass sie einen ihrer tollen Handschuhe hatte liegen lassen oder sonstiges. Doch das war nicht meine Absicht.

„Warum lässt du mich dich nicht nach unten geleiten?“

„Das ist sehr süß von dir, Jane, aber ich bin mir sicher, dass ich den kurzen Weg auch alleine laufen kann.“

„Na aber, aber wer hat denn was von Laufen gesagt?“, grinste ich sie schelmisch an und machte dann eine tiefe Verbeugung vor dem Schlitten.

„Jane, nein!“, war Mauras Antwort darauf prompt.

„Och bitte! Tu es für mich! Der hält uns schon aus. Ich hab nachgeschaut und zusammen bringen wir nicht mal die hundertfünfzig Kilo auf die Waage!“ Ich flehte meine Freundin mit großen Augen an, während sie eingeschnappt die Arme vor der Brust verschränkte und sich weigerte, mich anzusehen.

Ich ging schnell auf sie zu und gab ihr einen Kuss, ließ meine Lippen dann über ihre Wange zu ihrem Ohr gleiten, mich nicht kümmernd, wer zusehen könnte, als ich ihr sanft ins Ohrläppchen biss, eine Schwachstelle, die ich bei einem unserer Techtelmechtel durch Zufall entdeckt hatte. „Du wirst es nicht bereuen.“

Ich spürte, wie sie scharf die Luft einsog und ich wusste, dass ich gewonnen hatte.

„Gut, aber ich sitz vorn!“

„Ist okay, dann hab ich was zum Greifen“, neckte ich sie und mahnte meinen Neffen dann, aufzuhören, Schnee zu essen und sich lieber etwas an den Rand zu stellen, wenn er mal richtige Action sehen wollte.

Ich setzte mich hinter Maura auf den Schlitten, gab ihr das Seil in die Hand und fasste sie dann bei den Hüften, ehe wir uns beide mit den Füßen zur Kante robbten.

„Jane, wenn das hier nicht gut ausgehen sollte, dann möchte ich, dass du weißt, wie sehr ich dich l-“ Doch weiter kam sie nicht, denn ich hatte uns schon den Berg hinuntergestoßen und sie schrie nun aus Leibeskräften. Mit unserem beider Gewicht war es mir nicht mehr ganz so gut möglich, den vereisten Maulwurfshügeln auszuweichen und so spürte ich uns einige Male abheben und hart aufkommen, während Maura mir noch immer in ihrer Todesangst ins Ohr schrie. Ihre langen honigblonden Haare versperrten mir etwas die Sicht und so kam ich erst später dazu uns abzubremsen, was so ruckartig geschah, dass Maura fast vornüber stürzte.

„Nie wieder“, sagte sie kräftig um Luft ringend.

„Ach komm, das war doch super!“, meinte ich, während ich mir die Finger in die Ohren steckte und mich auf einen Tinnitus kontrollierte.

„Vergiss es, ich bleib hier unten.“

„Schön. Wie du meinst. Pass nur auf, dass du nicht umgenietet wirst.“ Ich streckte ihr die Zunge raus und machte mich dann wieder nach oben auf den Hügel, auf dem TJ schon freudig lachend auf mich wartete. Immerhin hatte er seinen Spaß dabei gehabt.


Mauras Sicht


Ich rieb mir etwas mein Steißbein und die untere Rückenpartie. Unsere ruppige Abfahrt war mit Sicherheit eine Tortur für meine und Janes Lendenwirbel gewesen, aber so ein wenig hatte ich den Eindruck, dass sie es gerade darauf hatte ankommen lassen wollen.

Ich zückte mein Handy und stellte mich in Startposition, als Jane mir einen Daumen hoch zeigte und dann dem Schlitten Schwung verlieh, ehe sie sich schnell darauf fallen ließ und den kleinen Jung fest an sich zog. Ich drückte mehrfach ab und bekam mehrere Motive geschossen.

„Alles drauf“, sagte ich grinsend, als Jane zu mir gelaufen kam, TJ hinter ihr auf seinem neusten Lieblingsgefährt.

„Die sind schön geworden“, meinte sie und küsste meine Wange, als ich ihr die Fotos zeigte.

„Aber weißt du, was auch schön ist?“ Ehe ich mich versah, drückte sie mir eine Handvoll Schnee ins Gesicht und rieb sie regelrecht über mich, dass ich die Kälte wie tausende kleine Nadelstiche spüren konnte.

„Jane!“, schrie ich spitz auf, konnte ich es immerhin nicht fassen, dass sie das gerade wirklich getan hatte.

„Was? Spaß muss sein!“

Das würde Rache geben. Mit bloßen Fingern, steckten meine Handschuhe schließlich in meiner Jackentasche, griff ich in den Schnee und formte ihn schnell zu einer Kugel, bevor ich sie auf Jane warf, die mir siegessicher den Rücken zugewandt hatte.

Ich traf sie am Hinterkopf, hatte jedoch nicht allzu doll geworfen, dass der Schneeball in ihren Haaren zersprang und sich dann in ihren langen dunklen Locken absetzte.

„Na warte“, gab sie mir nun gefährlich zurück und warf dann ebenfalls einen schnell geformten Ball auf mich, der mich jedoch verfehlte, als ich mich duckte.

„Das bedeutet Krieg!“

Ich war mir der uns beobachtenden Augen nicht mehr bewusst, lag meine Aufmerksamkeit jetzt immerhin darin, meinem Liebling eine Lektion zu erteilen.

„Dafür, dass du weißt, aus wie vielen Molekülen jede verdammte Schneeflocke besteht, wirfst du wie ein Mädchen!“, keifte sie mich an und traf mich sogleich an der Schulter.

„Ich bin ja auch ein Mädchen!“ Mein nächster Wurf traf sie am Oberschenkel und hinterließ dort auf ihrer mittlerweile durchnässten Hose weiteren Schnee.

„Mein Mädchen. Fast richtig“, korrigierte sie mich und ich lachte, wodurch ich abgelenkt war und sie mich mit dem nächsten so traf, dass ich Schnee in den Mund bekam. „Friss das!“, rief sie aus, als hätte sie gerade ein Ungeheuer erledigt und ich war ehrlich angeekelt.

„Ich glaube, es reicht jetzt, Jane“, sagte ich, als ich mir nun der Albernheit bewusstwurde und was die Leute von uns denken mussten, die mit ihren Schlitten den Hügel runter rodelten.

„Was? Aber wir hatten doch gerade so viel Spaß! Ich will noch nicht wieder erwachsen sein.“ Sie schob die Unterlippe vor und unter anderen Umständen hätte ich das unglaublich süß gefunden, doch jetzt war ich zu sehr damit beschäftigt, liebevolle Strenge walten zu lassen.

„Lass uns zurück Nachhause gehen, bevor wir uns noch ernsthaft erkälten und TJ ganz eingeschneit ist.“ Erst jetzt bemerkte sie, dass es wieder zu schneien angefangen hatte und ihr Neffe nahe dem Schlitten lag und einen Schneeengel in die weiße Unschuld schaufelte.

„Na komm, Engelchen. Zeit dich wieder trocken zu machen“, sagte sie, als sie ein Einsehen mit mir hatte und das Kind hochnahm, es so gut wie möglich abklopfte und anschließend auf den Schlitten setzte.

Mir hielt sie eine Hand hin, die ich bereitwillig nahm.


Ich hatte meinen Kopf auf ihre Schulter gebettet, als wir später an diesem Abend auf meiner Couch vor dem Kamin saßen und dem leisen Knacken lauschten, während wir uns am Feuer wärmten. Unsere Haare waren noch immer nass von der gemeinsamen Dusche, die wir genommen hatte. Jane hielt eine Flasche Bier in der Hand und hatte die andere um meine Schulter geschlungen, mit der sie mich näher gegen sich zog, jedoch aufpasste, dass ich meinen Wein nicht verschütten würde.

Die weiße, flauschige Decke hatten wir uns bis ans Kinn gezogen, wärmten uns die Pyjamas immerhin weniger als gedacht.

„Das war wirklich wunderschön.“

„Abgesehen davon, dass Schneeessen mir jetzt Bauchschmerzen bereitet hat“, gab ich als Antwort weniger erfreut zurück, grinste dann jedoch. „Aber ja, du hast recht, es war wirklich wunderbar und lustig. Nur Lydia und Tommy erklären zu müssen, woher TJ denn den Begriff Arsch her hat, musste dir weniger Spaß gemacht haben.“ Ich lachte bei der Erinnerung auf, wusste schließlich auch ich nicht, wie ich darauf antworten sollte und so blieb meiner Freundin nichts anderes übrig als sich dümmlich lächelnd den Kopf zu kratzen und dann eine halbgelogene Erklärung aufzutischen.

„Wir werden nie wieder auf den Kleinen aufpassen dürfen.“

„Glaub ich auch nicht“, pflichtete ich ihr trocken bei, bevor wir beide in schallendes Gelächter ausbrachen.

„Wie war das noch? Du hast Bauchschmerzen, mein Schatz?“

„Etwas, ja.“ Ich sah sie an und sie hatte plötzlich diesen schmutzigen Blick in den dunklen Augen. Kurz darauf nahm sie mir mein Weinglas weg und stellte es zu ihrer Bierflasche auf den Couchtisch, ehe sie sich schon diabolisch, wie ich dachte, die Hände aneinander rieb.

Ich wollte schon fragen, was als nächstes kommen würde, als ihre Hände wieder unter die Decke huschten und eine die Schleife meiner Schlafhose aufzog, ehe sie sich auch schon darunter schlängelte.

„Jane, da hab ich keine Schmerzen. Aber ohhh hör nicht auf!“, atmete ich erstickt auf, als sie begann, meine intimste Stelle zu streicheln, während sie meinen Nacken küsste.

„Dachte ich mir. Und nach so viel Spielen im Schnee, hätte ich nichts dagegen, ein wenig Freude im Warmen zu haben.“ Sie drang in mich ein, als sie das sagte und ich krallte mich in ihre Haut, wusste ich, dass sie den Schmerz liebte.

Ich zog sie zu mir um jegliche Versuche ihrer schmutzigen Wortspiele zu verstummen und gab ihr schließlich eine bessere Aufgabe für ihren Mund, während wir nun gegenseitig begannen, Zärtlichkeit untereinander auszuüben. Ich war froh, meine Finger über ihre glatte, warme Haut bis hoch zu ihrem Busen wandern zu lassen.

Und Jane hatte recht gehabt. Nach so viel Kälte und Aufregung, kam auch mir ein wenig Liebe auf der Couch umgarnt vom flackernden Feuer und heißer Haut ganz gelegen.


Ende-
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