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Eine andere Art Wärme

von Calandraa
KurzgeschichteRomance, Freundschaft / P16 / Gen
Hexensucher-Feldwebel Shadwell Madam Tracy
15.02.2021
15.02.2021
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Die deutsche Fassung einer Kurzgeschichte, die ich für einen Discord Server zum Stichwort "Warm" geschrieben habe.
Original: https://archiveofourown.org/works/29343024


Irgendwann im Winter 2017

Die Tür fiel hinter Sergeant Shadwell ins Schloss. Wild stampfte er auf der Fußmatte herum, um seine Stiefel von Schnee zu befreien- und um seine Frustration über das eisige Wetter herauszulassen. Die Kälte und die immer noch fallenden Schneeflocken hatten seine Mittwochspatrouille ruiniert. Wie sollte er die Hexen unter den Besucher im Park ausmachen, wenn keine Besucher im Park waren?

Mit einem genervten Grunzen ging er die Treppe hinauf und schloss seine Wohnungstür auf. Er runzelte die Stirn, als sich die Tür auf der gegenüberliegenden Seite nicht öffnete. Keine Majorie, um ihn zu begrüßen und zu fragen, ob es ihm gut ginge?

Naja, umso besser. Je weniger Zeit er mit dieser gottlosen Frau verbrachte, desto besser. Er schüttelte das Gefühl ab, das Enttäuschung gewesen sein könnte, wenn er Grund zur Enttäuschung hätte. Was er nicht hatte!

Nachdem er seinen feuchten Mantel und die nassen Stiefel losgeworden war, richtete er den Rest seiner Kleidung, während er immer wieder durch das Milchglas seiner Eingangstür blickte. Natürlich ohne besonderen Grund. Nur der Instinkt eines alten Kriegers, immer wachsam zu sein. Ja, das war es.

Er griff nach der heutigen Zeitung, ging zu seinem alten Sessel und wollte sich gerade setzen, als er eine Thermoskanne auf dem kleinen Beistelltisch bemerkte. Eine Notiz lehnte daran.

Ich habe gesehen, wie Sie in die Kälte hinausgegangen sind. Es ist bewundernswert, wie sehr Sie sich Ihrer Arbeit widmen. Ich habe Tee für Ihre Rückkehr gemacht. Entspannen Sie sich ein wenig. M.

Shadwell tat sein Bestes, um das seltsame Gefühl zu bekämpfen, das sich in seiner Brust auszubreiten drohte. Um sich abzulenken, schüttelte er den Kopf und schimpfte über das ahnungslose Weibsbild.

"Entspannen", spottete er. "Diese sündhafte Jezebel hat keine Ahnung. Es gibt keine Rast für einen Hexensucher, denn das Böse ruht auch nicht."

Mit einem Seufzen ließ er sich in seinen Sessel fallen und griff nach dem Zuckertopf neben der Thermoskanne. Vertrautes Gelächter von draußen erregte seine Aufmerksamkeit. Also ließ er die Zeitung und den Tee zurück, um aufzustehen und ans Fenster zu treten.

Dort, in dem kleinen Gemeinschaftsgarten hinter dem Haus, stand sie: Majorie Potts alias Madame Tracy alias die Hure von nebenan, und sprach mit einem Nachbarn.

Shadwell schluckte und wollte sich wirklich wirklich wirklich vom Fenster abwenden, konnte es aber irgendwie nicht.

Er versuchte, nicht zu bemerken, wie eng die Hose war, die Majorie trug. Er versuchte, nicht zu bemerken, wie die figurbetonte Jacke ihre Hüften und Brüste umschmeichelte. Er versuchte, nicht zu bemerken, wie tief der Ausschnitt war. Er versuchte, nicht zu bemerken, wie sich die Wintersonne in ihren feuerroten Locken verfing.

Nach einer Weile, in der er definitiv nicht starrte, stieß er ein genervtes Knurren aus.

Er stapfte auf seine Garderobe zu und schnappte sich eine alte graue Strickjacke. Mit dem Kleidungsstück in der Hand eilte er zur Hintertür und nach draußen.

Als sich die Tür öffnete, wandte Majorie den Kopf und lächelte ihn an.

"Mr. Shadwell", grüßte sie mit ihrer samtenen Stimme. "Sie sind schon zurück? Hatten sie Erf... "

"Um Himmels willen, Jezebel", rief Shadwell aus, während er die viel zu große Jacke über sie warf. "Es gibt keinen Mann in dieser Stadt, der all das noch nicht gesehen hat. Du musst dir keine Erkältung einfangen, um dafür zu werben!"

Für einen Moment starrte Majorie ihn überrascht an. Aber dann bildete sich ein dankbares Lächeln auf ihren zarten Gesichtszügen.

"Oh, Mr. Shadwell", schnurrte sie. "Wie nett von Ihnen! Danke!"

"Aye", sagte er. "Du musst den Ruf des Hauses ja nicht noch mehr ruinieren als ohnehin schon."

"Wissen Sie", sagte sie verführerisch. "Es mag den einen oder anderen Mann geben, der noch nicht alles gesehen hat..."

Shadwell brummte, ignorierte das schelmische Funkeln in ihren tiefblauen Augen sowie den peinlich berührten Nachbarn, und kehrte ins Haus zurück.

Murrend sank er in seinen Sessel und erlaubte schließlich dem Tee, ihn von innen zu wärmen.

Es war natürlich nur der Tee.

Ende
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