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Echo der Zukunft

von Rna
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dr. Matteo Moreau OC (Own Character)
15.02.2021
04.03.2021
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23.02.2021 3.953
 
Mir war übel und mir ging es übel. Ich hatte heute Nacht kein einziges Auge zugetan. Ich lag die ganze Nacht in Bens Armen und hatte vor mich her getrauert. Matteo war einfach gegangen und hatte mich mit meinen Gedanken alleine gelassen. Er hatte sich zu Leyla versteckt und war die ganze Nacht nicht aufgetaucht. Wenigstens wusste ich wo er war. Ich atmete ein, als der Fahrstuhl aufging zur Station. „Halte durch, du kannst das!“, sagte Ben nur und strich über meine Hand, bevor wir herausgingen. Ausgerechnet am Counter stand Matteo und blickte in sein Tablet. Ich schluckte und spürte den Stich in meinem Herzen. „Guten Morgen!“, sagte Theresa langgezogen und musterte uns. „Morgen!“, sagte Ben nur, was Matteo aufschauen ließ. Sein Blick traf meinen und das Gefühl im Inneren ließ mich die Luft anhalten. Er sah müde aus und hatte anscheinend keine Sekunde geschlafen. Doch darauf durfte ich nicht schauen. Er hatte mich in so einer Situation alleine gelassen und wenn es ihm schlecht ging, dann war er selber daran schuld. Er konnte mir für nichts die Schuld geben, weil daran immer zwei Leute beteiligt sind. „Ich gehe mich umziehen!“, sagte ich nur und ging dann am Counter und Matteo ohne etwas zu sagen vorbei und versteckte mich in der Umkleide. Allerdings war dort Julia und blickte mich sofort besorgt an. „Ist alles okay?“ Ich schluckte. Wenn ich jetzt darüber reden musste, würde ich anfangen zu weinen. „Ally? Ist was passiert?“ Aber ich musste es ihr sagen. Ich verzog das Gesicht, als mir Tränen in die Augen kamen und atmete schwer aus. „Er will das Kind nicht!“ „Wie er will das Kind nicht?“ „Ich habe es ihm gestern gesagt und er ist einfach gegangen und nicht mehr aufgetaucht!“ Sofort atmete sie aus und kam auf mich zu. Wortlos legte sie die Arme um mich und zog mich in eine Umarmung, wo ich mich nicht mehr halten konnte. Die Tränen schwammen über mein Gesicht und mein Oberkörper vibrierte durch die Schluchzer. Matteo hatte mich unglaublich verletzt. Nicht nur das, er hat mir meine Lebenskraft genommen und mich mit einem Angstgefühl alleine gelassen. Ich wusste nicht was ich tun sollte und ich wusste nicht wie ich ohne Matteo leben sollte. Wir hatten uns ein Leben aufgebaut und jetzt zerplatzte es einfach wie eine Seifenblase. Sie löste sich und wischte mir die Tränen weg. „Was hat er denn gesagt?“ „Das er das nicht kann und Zeit für sich braucht!“ Sie musterte mich traurig. „Aber dann hat er doch nicht direkt gesagt das er es nicht will!“ „Wie soll ich das dann deuten, Julia?“, fragte ich sie hauchend. „Für ihn ist das bestimmt nur ein Schock, weil er damit nicht gerechnet hätte, weil für ihn immer alles geplant sein muss. Das letzte Mal als er in der Situation war, hat er sein Kind und seine Frau verloren!“ „Das verstehe ich doch, aber er kann mich doch nicht einfach alleine lassen!“ Als ich diese Worte ausgesprochen hatte, klingelte Julias Telefon. Sie stöhnte auf, musterte den Bildschirm und dann wieder mich. „Ich muss in die Notaufnahme!“ Ich wischte mir die Tränen weg und nickte dann nur. „Es wird sich alles klären, dass weiß ich. Ihr beide liebt euch, er liebt dich so wie er noch nie jemanden geliebt hat. Er braucht einfach nur Zeit!“ Ich nickte und versuchte mich zu beruhigen. Vielleicht hatte sie auch einfach Recht. Die Hoffnung war noch irgendwo da, schließlich hatte er auch das Ultraschallbild mitgenommen. Aber in den letzten Jahren waren wir noch nie in so eine Situation gekommen. Matteo rannte nicht mehr vor irgendwas weg, deshalb war ich so verunsichert. Wieder klingelte ihr Telefon. „Geh schon!“, hauchte ich. „Ich komme schon klar!“ „Wir reden später, ja?“ „Ja!“, sagte ich und versuchte zu lächeln, als sie dann verschwand. Ich atmete aus und wischte mir die wiederaufkommenden Tränen weg, bevor ich zu meinem Spind ging und ihn öffnete. In der Tür schaute mich Matteo an. Ein Foto, welches wir letztes Jahr in Amerika geschossen hatten. Ich schluchzte leise auf und wischte mir dann sofort wieder über die Augen. Ich musste stark sein. Wenn nicht für mich, dann für das kleine Baby in meinem Bauch. Ich zog mich bis auf die Unterwäsche aus, als plötzlich die Tür aufging.

Sofort erschrak ich und schaute zur Tür. Dort stand Matteo. Ausgerechnet er. Ich schluckte wieder schwer und nahm mir dann meine Kasackhose. „Hey!“ Ich presste meine Lippen aufeinander, weil ich nicht wieder weinen wollte. Ich war mir aber sicher, dass es Matteo sah, denn ich war völlig verweint. „Ally?“ Ich versuchte ihn zu ignorieren. Ich wollte nicht mit ihm sprechen. Ich konnte auch nicht mit ihm sprechen. Es tat zu weh der Gedanke daran, was gestern passiert war. Außerdem war der richtige Zeitpunkt zu reden gestern. „Ally bitte rede mit mir!“ Ich nahm das Kasackoberteil und zog es mir ebenfalls rüber. „Ally!“ Ich musterte ihn. „Jetzt willst du reden? Ein bisschen spät oder? Der richtige Zeitpunkt zum reden war gestern, aber da hast du mich alleine gelassen und bist einfach abgehauen!“ Er seufzte. „Versuche mich bitte zu verstehen…ich!“ Sofort unterbrach ich ihn. „Ich soll dich verstehen? Was gibt es da zu verstehen? Deine Antwort war eindeutig, Matteo!“ „Ich hätte vielleicht anders reagieren sollen, aber ich war einfach überfordert und dann kam da noch die Angst!“ „Ach und ich nicht oder was?“, fragte ich ihn etwas lauter. Er musterte mich still. Ich musterte ihn still. „Wie ist das passiert?“ Das war nicht sein ernst oder? „Das muss ich dir nicht wirklich erklären oder?“ „Du nimmst doch aber die Spritzen, ich verstehe es nicht!“ „Als wir auf den Bahamas waren, habe ich die Tage verschoben, weil ich über den Zeitraum war und wir haben nicht verhütet!“ „Du hast die Tage verschoben? Und du sagst nichts?“ „Natürlich habe ich etwas gesagt Matteo, aber du hast doch noch gelacht und gesagt da wird sowieso nichts passieren!“ „Da wusste ich doch nicht wie erst das ist!“ „Es ist immer Ernst Matteo wenn es um Verhütung geht, vor allem wenn man Sex hat und wir haben nun mal eine Menge Sex!“ Er schüttelte den Kopf. „Denkst du damit machst du es jetzt besser? Indem du mir die Schuld gibst?“ „Irgendwie muss es ja passiert sein!“ Mein Herz zerbrach immer weiter. Seine Worte machten die Situation nur schlimmer. Ich hatte es verstanden. „Weißt du was Matteo? Ich habe es verstanden. Ich habe keine Zeit und keine Kraft mir irgendwelche Schuldzuweisungen anzuhören. An deiner Stelle würde ich erstmal darüber nachdenken was du eigentlich sagst!“ Ich schmiss die Tür vom Spind zu. „Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich habe eine wichtige OP!“ „Du hast was?“, fragte er sofort laut und folgte mir als ich den Raum verließ. „Du gehst nicht in den OP!“, sagte er und hielt mich fest. Ich schaute ihn fassungslos an. „Was wird das jetzt?“ Wollte er mich jetzt sagen was ich tun und lassen soll? „Du bist schwanger, da wirst du nicht in den OP gehen!“ „Und wer will mir das verbieten? Du oder was?“ „Du bist im ersten Trimester da kann so viel passieren. Vor allem bist du gefährdet wegen deiner Asplenie!“ „Jetzt interessiert dich das?“ „Es hat mich gestern auch interessiert!“ „Ach echt? Davon habe ich kein Stück gesehen Matteo, als tu nicht so als ob du dir Sorgen machen würdest. Außerdem ist es sowieso egal, weil ich nicht mal weiß ob ich das Baby behalte!“ Es war eine Kurzschlussreaktion, die mir in den Kopf kam. Aber ich musste darüber nachdenken. Wenn Matteo nicht mitzog, dann könnte ich es nicht gebären. Vielerlei Gründe waren dafür verantwortlich. „Bitte was?“ Jede Faser seines Gesichts entfiel ihm. „Du hast mich richtig verstanden!“ „Du überlegst unser Kind zu töten?“ „Jetzt ist es unser Kind?“ „Ich brauchte Zeit für mich, das ist für mich alles nicht so einfach, okay?“ „Aber für mich oder was? Ich mache mir so große Sorgen, ich ersticke beinahe daran, dabei war es doch klar das du mich alleine lässt. Du hast schon immer den einfachen Weg gewählt und vermutlich willst du es auch nicht wegen Miriam, weil sie schwanger war, weil es eurer Wunsch ist!“ „Halt Miriam daraus, sie hat damit nichts zu tun!“ Ich schüttelte den Kopf und spürte längst die Tränen, die mir über die Wange rollten. Ich war unfair, aber es war die Wahrheit. Ich musste mit ihm offen sprechen und meinen Gefühlen freien Lauf lassen. „Du willst mir doch nicht sagen, dass du dir darum keine Gedanken gemacht hast? Das du jetzt ein Kind von einer anderen bekommst!“ „Das hat damit nichts zu tun!“, sagte er streng und hob seinen Zeigefinger gegen mich. „Und lass Miriam da raus erwähne nicht ihren Namen!“ Ich schüttelte nur den Kopf. „Du kannst das nicht alleine für dich entscheiden, ich bin bald dein Ehemann!“ „Denkst du wirklich ich heirate dich wenn du das Kind nicht möchtest?“ „Du stellst alles infrage?“ „Ich knüpfe mich dir nur an!“ „Das kannst du nicht tun!“ „Ich tue das was ich für richtig halte, dass tust du schließlich auch, sonst wärst du nicht abgehauen!“ „Weißt du wie das für mich ist? Beim letzten Mal habe ich nicht nur meine Tochter verloren, sondern auch meine Frau die ich über alles geliebt habe!“, schrie er laut. „Und ich verliere deshalb meinen Bald Ehemann, weil er alles lieber mit sich alleine klärt und in der Vergangenheit herumschwirrt, anstatt das mit seiner Bald Frau zu klären, die er ja jetzt anscheinend über alles liebt!“, schrie ich laut zurück. „Was ist denn hier los?“ Vivienne kam zu uns gelaufen und musterte uns beide schockiert. Sofort wischte ich mir über die Augen. „Matteo, Ally?“ Ich starrte Vivi kurz an und dann Matteo. Es war mir zu viel. Ich musste verschwinden. Ich hatte sowieso eine OP mit Marc. „Ich muss in den OP!“, sagte ich nur und drehte mich dann um. „Was war das denn? Habt ihr Streit? Ist alles In Ordnung?“ „Nichts ist in Ordnung!“, schrie er Vivi laut an. „Hör auf mich anzuschreien, ich will euch nur helfen!“ „Lass mich einfach in Ruhe!“ Ich presste meine Lippen nur aufeinander und rannte beinahe in die Umkleide im OP.

Dort wusch ich erstmal mein Gesicht richtig und versuchte einen klaren Kopf für die Operation zu bekommen. Als ich mich einigermaßen gefangen hatte, bewegte ich mich in den Waschraum, wo mich Marc komisch musterte. „Guten Morgen!“, sagte er. „Guten Morgen!“ „Ist alles okay?“ „Alles bestens!“, sagte ich und wusch mich dann ein, während ich in den OP starrte. „Okay..!“, sagte er nur und spürte das ich anscheinend nicht drüber sprechen wollte. „Ich warte im OP auf dich!“ Ich musterte ihn kurz und nickte dann. Als ich mich dann fertig gewaschen hatte, lief ich in den OP und zog mich steril an. Kaum stand ich gegenüber von Marc am Tisch, ging die Operation auch schon los. Ich war froh, dass ich nur assistierte, denn ich hatte absolut keinen Kopf für sowas. Mitten in der Operation ein wenig später, ging dann plötzlich die Tür auf. „Entschuldigung für die Störung Dr. Lindner, aber ich müsste mit Prof. Dr. Sommer sprechen!“ Marc musterte erst Julia und dann mich. „Worum geht es?“, fragte ich sie. „Um eine Patientin!“ „Geh ruhig, ich kriege das hin!“ Ich nickte nur und gab den Bausch an die Schwester ab. Steril folgte ich Julia in den Waschraum und musterte sie. „Sag mir nicht das du Matteo gesagt hast, dass du das Kind abtreiben möchtest!“ Woher wusste sie das denn? „Woher weißt du das?“ „Woher ich das weiß? Dein Ehemann randaliert hier im ganzen Klinikum und macht sowas von eine Szene, dass ich mich ja nicht trauen sollte eurer Kind zu töten! Kannst du mir mal sagen was das soll?“, fragte sie lauter. Ich atmete schwer aus und schloss kurz die Augen. „Tut mir leid. Ich wusste nicht das er zu dir geht!“ „Tut mir leid? Was stimmt denn nicht mit dir? Wie kannst du daran denken?“ „Du siehst doch das er es nicht will!“ „Natürlich will er es, sonst würde er nicht so reagieren. Matteo muss man manchmal eben zu seinem Glück zwingen, aber das gibt dir nicht das Recht ihm sowas an den Kopf zu werfen!“ Ich schluckte nur. „Ich fasse es nicht das du an sowas denkst!“ „Du musst mich auch verstehen!“ „Ich verstehe dich besser als irgendjemand anders, aber trotzdem würdest du so etwas nie wollen und Matteo auch nicht!“ Ich war verzweifelt. „Ich weiß doch auch nicht was ich machen soll!“ „Mit ihm reden und das klären! Ihr heiratet in 2 Wochen wie soll das denn werden?“ „Ich weiß es nicht!“ „Redet miteinander und schafft das aus der Welt. Ihr liebt euch und habt schon so viel geschafft zusammen!“ Ich nickte. „Danke!“ Sie nickte ebenfalls. „Ihn nimmt das wirklich mit, Ally!“ „Ich weiß!“ „Siehst du!“ „Ich habe einfach Angst, dass er mich alleine lässt!“ „Dafür liebt er dich viel zu sehr. Du glaubst doch nicht das er wieder riskiert seine Frau und sein Kind zu verlieren!“ „Ich hoffe es!“ „Redet miteinander!“ „Ja!“ Sie atmete aus. „Ihr macht mich fertig, wirklich. Ich habe mir Sorgen gemacht, als ich das gehört habe!“ „Es war eine Kurzschlussreaktion!“ „Das habe ich gemerkt!“ Ich nickte nur. „Wir reden nochmal darüber wenn ihr geredet habt!“ „Machen wir!“ „Jetzt geh wieder rein, Dr. Lindner wartet bestimmt schon!“ „Schon okay!“ „Pass auf dich auf ja?“ „Mach ich!“, verabschiedete ich mich und lief wieder in den OP. „Ist wirklich alles gut?“ Ich seufzte. „Es ist gar nichts gut, Marc!“ „Willst du drüber reden?“ „Danke!“, murmelte ich. „Aber ich fürchte ich muss das erstmal auf die Reihe kriegen!“ „Das verstehe ich, wenn doch du weißt wo du mich findest!“ „Danke!“, lächelte ich wieder und versuchte mich dann auf die Operation zu konzentrieren. Und ein wenig funktionierte es auch. Julia hatte mir neue Hoffnung gegeben an der ich mich versuchte stark zu machen. Als wir Stunden später wieder in den Waschraum traten musterte mich Marc. „Tu mir einen gefallen, Ally!“ „Mhm?“ „Geh nach Hause und ruhe dich etwas aus. Ich kümmere mich um den Rest!“ „Das geht nicht!“ „Doch das geht. Du bist blass und siehst nicht gesund aus!“ Ich hatte nicht nur Sorgen wegen Matteo, ich hatte auch noch nichts gegessen und mir war immer noch kotzübel, wie die letzten Tage. „Danke!“ „Gerne!“, sagte er und ließ mich dann alleine. Ich atmete wieder schwer ein und aus, als mir ein wenig Galle hervor kam. Sofort hielt ich mir die Hand vor den Mund und lief zur Toilette, wo ich mich erstmal übergab. Jetzt hatte ich mich zu weit hineingesteigert. Ich war die ganze Zeit abgelenkt gewesen und jetzt wo es nicht so was, kam die Übelkeit und traf mich. Erneut würgte ich grüne Flüssigkeit in die Toilette und spülte im Nachgang. Ich musste wirklich nach Hause. Mit mir was nichts mehr anzufangen.

Mühsam rappelte ich mich auf und verließ erschöpft die Toilette. Ich verließ umgezogen den OP-Trakt und zog mich gleich darauf wieder um. Als ich meine Sachen beisammen hatte, verließ ich die Umkleidekabine wieder und lief zum Counter. Dort trubelte nur Ben ein wenig herum, der stockte als er mich sah. „Was hast du denn vor?“ „Ich gehe nach Hause!“ „Jetzt schon?“ „Mir geht es nicht gut!“ Er atmete aus. „Soll ich mitkommen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich will ein wenig alleine sein!“ „Matteo ist schon vor Stunden nach Hause!“ „Okay!“, sagte ich und lief weiter. „Redet bitte miteinander, er ist völlig fertig!“ „Was soll ich denn sagen Ben?“ „Du warst diejenige die gesagt hat das du das Kind abtreiben möchtest!“ Er hatte es anscheinend jedem erzählt. „Hat er dir das gesagt?“ „Hat er!“ „Ich wusste nicht das er mit dir auch darüber spricht!“ „Du solltest wissen das wir langsam wie Freunde sind!“ Ich nickte nur. „Ich liebe dich, Ally, aber diese Entscheidung kann ich nicht unterstützen!“ „Wenn er es nicht will was soll ich denn machen?“ „Das glaubst du doch nicht wirklich oder? So wie er hier eine Szene macht?“ „Ich weiß es nicht!“ Ich schloss kurz meine Augen und atmete aus. Mir stieg wieder Galle nach oben. „Was ist los?“ „Mir ist Übel!“, brachte ich hervor und unterdrückte das Gefühl. Er seufzte. „Ally redet miteinander bitte. Du kannst die Entscheidung nicht ohne ihn treffen!“ „Ich habe das auch eher gesagt um ihn zu verletzen!“ „Das hast du auf jeden Fall geschafft!“ „Danke Ben. Für alles!“ Ich war es ihm schuldig. Er kam auf mich zu und umarmte mich dann fest. „Ich hab dich lieb!“, sagte er und drückte mich fest an sich. „Ich dich auch, Ben!“, sagte ich und musterte dann Leyla, die im Hintergrund kam. Ich löste mich wieder von Ben und musterte sie dann. „Du gehst schon?“ Ich nickte und seufzte. Sie seufzte ebenfalls. „Ihr solltet miteinander reden!“ „Ich weiß!“ „Gut, dann hoffe ich das ich euch morgen wieder glücklich sehe!“ „Wir werden es sehen!“ „Ihr macht das schon!“, sagte jetzt Ben, gab Leyla einen Kuss auf die Wange und verschwand hinter dem Counter. Wenn selbst die Beiden ihre Krise überwunden hatten, würden Matteo und ich das auch irgendwie schaffen oder? Aber die Beiden waren Ben und Leyla. Sie konnten alles schaffen. „Wir sehen uns!“, sagte ich dann und ging zum Fahrstuhl. „Ally?“ Vivis Stimme brachte mir eine Gänsehaut. Jetzt musste ich mich rechtfertigen. „Hey!“, sagte ich und mustert sie lächelnd. „Du gehst schon nach Hause?“ Ich nickte. „Wo ist Matteo?“ „Er ist auch schon gegangen!“ „Warum habt ihr Streit?“ „Dr. Kling haben Sie eine Minute?“ Leyla wollte mich anscheinend retten. „Ich komme sofort, Dr. Sherbaz!“ Sie musterte mich. „Sei mir nicht böse Vivi, aber ich möchte nicht darüber reden!“ „Ist es was Schlimmes?“ „Vivi es ist alles okay!“ „Das sieht mir aber nicht so aus. Du weinst, Matteo weint in seinem Labor, ihr streitet euch im Flur?“ Matteo hatte geweint? „Manchmal streitet man sich und verletzt sich!“ „Aber ihr trennt euch doch nicht oder?“, fragte sie ängstlich. „Vivi nur weil man streitet trennt man sich nicht!“ „Ihr habt euch aber noch nie so gestritten!“ „Vivi bitte!“ Sie nickte nur und schaute mich traurig an. „Hat er es verbockt?“ „An einem Streit sind immer zwei Leute beteiligt!“, sagte ich ehrlich und stieg dann in den Fahrstuhl, der aufging. Und jetzt hatte ich mir auch die Wahrheit eingestanden. An dieser Situation sind Matteo und ich schuld. Er war gestern abgehauen und heute als er mit mir reden wollte, hatte ich es verbockt.

Seufzend verließ ich den Fahrstuhl wieder und begab mich zu meinem Auto. Als ich ein paar Autominuten später in unserer Wohnung ankam, war sie wie leer gefegt. Anscheinend war er doch nicht zu Hause.  Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, suchte sich die Galle wieder einen Weg nach oben und zwang mich ins Bad. Dort würgte ich die grüne Flüssigkeit erneut in die Toilette und hielt mich angestrengt fest. Sie wollte einfach nicht aufhören. Die Schwangerschaftsübelkeit machte mich fertig. Nicht nur das erbrechen, sondern auch das Übelkeitsgefühl machte einem zu schaffen. Wieder übergab ich mich lautstark, während ich nur am Rande mitbekam wie die Tür aufging. „Was ist los?“ Matteos Stimme klang besorgt und sofort hockte er sich neben mich. „Nichts!“, murmelte ich nur und schloss die Augen. „Deswegen übergibst du dich?“ War er wirklich so blöd? „Ich bin schwanger, das ist los!“, brachte ich hervor, während ich mich wieder übergab. Matteos Hand wandert zu meinem Rücken, wo er mir sanft drüber strich. „Lass!“, murmelte ich nur und musterte ihn dann. „Du musst das nicht tun!“ „Ich will es aber!“, sagte er, nahm ein Stück Papier und wischte mir damit fürsorglich über den Mund. „Ich komme gleich wieder!“, sagte er und stand wieder auf. Ich atmete nur aus und bediente die Spülung. Danach lehnte ich mich nur an die Wand und versuchte mich zu entspannen. Kurze Zeit später kam Matteo wieder mit einer verpackten Box. Verwirrt musterte ich ihn. „Was ist das?“ Er setzte sich neben mich auf den Boden und gab es mir. „Mach es auf!“ „Matteo!“, seufzte ich. „Mach es auf!“, forderte er mich erneut auf. Zögernd nahm ich das Geschenk dann in die Hand und öffnete es langsam. Zum Vorschein kamen mir zwei Geschenke-Sets für Neugeborene. Mit offenem Mund starrte ich Matteo an und dann wieder die Geschenke. Es war einmal ein Geschenke-Set mit „Puh der Bär“  in Beige/Naturweiß. Es war 5-Teilig und bestand aus einer Decke, einer Mütze, einem Paar Booties-Socken und zwei Lätzchen. Das andere Set war ein Baumwollsweat mit seitlich versetzter Druckknopfleiste auf der „Hello!“ Stand und einer dazugehörigen Hose. Es war ebenfalls in beige. Ich war völlig überwältigt. Hatte er wirklich für unser Baby die ersten Klamotten besorgt? Und dann auch noch solche wunderschön süßen? „Was hat das zu bedeuten?“, fragte ich hoffnungsvoll.  „Verzeih mir, Ally!“, hauchte er und nahm meine Hand in seine. „Ich liebe dich über alles. Ich liebe auch jetzt schon das kleine Baby in deinem Bauch!“ Mein Mund öffnete sich wieder einige Zentimeter. Sagte er das gerade wirklich? „Ich weiß meine Reaktion gestern hat dich unglaublich verletzt, aber ich wollte dich niemals verletzen oder dir vor den Kopf stoßen. Als du mir dieses Bild gestern gezeigt hast, war mein Kopf auf einmal leer. Wir hatten nie darüber gesprochen und auf einmal wächst da ein kleines Baby in deinem Bauch. Ich hatte in dem Moment einfach unglaubliche Angst und war überfordert, weil ich daran denken musste, wie es das letzte Mal ausgegangen ist. Ich kann das nicht einfach abschalten aber ich habe einfach Angst euch zu verlieren, vor allem als du mir das heute eröffnet hast mit der Abtreibung. Dieses Gefühl es war einfach unerträglich und es war wieder nah dran das ich euch beide verliere und das könnte ich nicht überleben!“ Er schluckte. „Ich habe einfach einen Moment gebraucht Aleyna. Bitte verzeih mir!“ Meine Hormone spielten verrückt und ich hatte wieder Tränen in den Augen. „Du willst unser Baby?“ Jetzt lächelte er. „Natürlich will ich unser Baby. Wir heiraten in 2 Wochen und in einem Monat ziehen wir in ein Haus. Ein Baby macht es nur perfekt!“, hauchte er. Erleichtert atmete ich aus und weinte dabei. „Ich hatte solche Angst!“ „Ich weiß. Es tut mir so leid!“ „Nein mir tut es leid, ich habe heute Morgen Dinge gesagt die ungerecht waren!“ „Du hast sie aus dem Effekt gesagt!“ „Aber das mit Miriam!“ „War berechtigt!“ Ich musterte ihn berührt. Immer mehr Tränen liefen mir über die Wange. „Ich hoffe das sind die Freudentränen!“ „Das sind die Hormontränen!“ „Na hoffentlich geht das nicht die ganze Schwangerschaft so!“ Ich lachte auf und haute ihn leicht. „Tu mir das nie wieder an!“ „Nie wieder!“, sagte er und zog mich schon in eine Umarmung. Ich krallte mich fest an ihn und atmete seinen mir bekannten Geruch ein. Als ich mich kurz löste, küsste er mich. „Nicht!“, murmelte ich. „Ich habe gebrochen!“ „Ist mir egal!“, hauchte er und zog mich auf seine Brust. Ich wollte ihn nicht mehr los lassen. Jedenfalls nicht mehr heute. Ich musterte das Geschenk und lächelte. „Wie bist du darauf gekommen?“ „Ben hat mir geholfen!“ „Danke!“ „Wir wissen ja nicht was es wird, aber das kann ja sowohl Mädchen als auch Junge tragen!“ „Es ist wunderschön!“, hauchte ich und lächelte, als er mir einen Kuss auf die Stirn gab. Einen Kuss der Liebe und einen Kuss der unseren Streit besiegelt hatte. Ich hatte so große Angst und wir hatten uns so verletzt, doch trotzdem hatte man noch irgendwie Hoffnung. Aber die Hoffnung stirb ja immer zuletzt und jetzt war sie nicht gestorben sondern eingetreten. Und sie machte mich gerade zum glücklichsten Menschen auf der Welt.

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Eine kleine Vorstellung von Aleyna Sommer:
https://www.ahaber.com.tr/galeri/magazin/ramonun-sibeli-esra-bilgicin-eski-hali-soke-etti-degisimi-pes-dedirtti
https://www.24newshd.tv/12-Sep-2020/esra-bilgic-shares-poster-of-ramo
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