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Echo der Zukunft

von Rna
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dr. Matteo Moreau OC (Own Character)
15.02.2021
28.03.2021
7
25.433
5
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Dieses Kapitel
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15.02.2021 3.620
 
Zeitsprung 1 Jahr

Ich trat aus dem OP heraus und wusch mit der hautneutralen Seife meine Hände. Ein Jahr war es nun her, dass ich Matteos Heiratsantrag angenommen hatte. Ein Jahr in denen es turbulent zuging und wir alle an unsere Grenzen gestoßen sind. Sowohl Privat als auch Beruflich. Es war ein auf und ab unserer Gefühle. Trotzdem konnte ich sagen, dass wir jetzt beinahe alle zufrieden waren. Ich hätte niemals gedacht es nach fast 4 Jahren zu sagen, aber Matteo und ich waren sehr glücklich. Wir heirateten in 2 Wochen und würden in weniger als einem Monat in unser selbstgebautes Traumhaus ziehen. Er hatte mir zu Verlobung völlig unerwartet ein Grundstück geschenkt und wie er immer für Überraschungen gut war, hatte er auch schon einen Termin beim Architekten gemacht. Ma konnte sagen wir waren wirklich sehr glücklich. „Was lächelst du so vor dich hin?“, fragte mich Ben und musterte mich von der Seite. Er hatte mir bei der OP geholfen. Seit Tom von uns gegangen war, hatte sich auch in der Pankreaschirurgie einiges geändert. „Ich schwelge nur in Erinnerung!“ „Achja? An den Sex den du gestern Abend hattest?“ „Woher weißt du das?“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe es mal geraten!“ Ich lachte auf und trocknete meine Hände. „Ehrlich gesagt habe ich gerade ein wenig nachgedacht wie sich alles verändert hat!“ „Du wirst doch jetzt nicht sentimental?“ „Sehr witzig, Dr. Ahlbeck!“ Er grinste nur und musterte mich dann. „Es hat sich sehr viel verändert, aber irgendwie wurde es doch zum positiven!“ Ich nickte und atmete aus. „Ich übernehme die Nachsorge, in Ordnung?“ „Ich kann das auch machen!“ Er winkte ab. „Ich mach das schon!“ „Danke!“, murmelte ich und musterte ihn. „Bis später!“ „Bis dann!“, atmete ich aus und verließ dann den OP Saal. Wenn Ben sich um die Nachsorge kümmerte, konnte ich noch einige Fälle im Zentrum abarbeiten. Ich verließ also den OP-Trakt, zog mich um und lief den Flur in Richtung Counter entlang. Als ich an Matteos erfolgreichem Labor entlanglief und sah das die Türe offen stand, lunste ich kurz herein. Er saß dort sehr konzentriert über einigen Blättern und dachte scharf nach. Seine Falten waren deutlich zu erkennen und sein Bart war auch ein wenig länger geworden. Seit einigen Tagen versteckte er sich wieder hier, weil er einige Ideen abgeändert hatte und hinter Ergebnissen her war. „Ich hoffe ich störe Sie nicht, Dr. Moreau?“, machte ich mich dann bemerkbar und lehnte mich gegen den Türrahmen. Sofort schallte sein Kopf nach oben und er musterte mich. „Keinesfalls, Dr. Sommer!“ „Prof. Dr. Sommer wenn ich bitten darf!“, lachte ich und trat in das Büro ein. Ich schloss die Tür hinter mir und lief dann um die Ablage herum, nur um meine Arme um seinen breiten Oberkörper zu schlangen. Matteo hatte einiges an Gewicht zugelegt und war somit kräftiger als noch vor einem Jahr. Aber es störte mich nicht, auch wenn er wieder abgenommen hatte. Es war nur ein Zeichen dafür, dass er glücklich war. Und ich musste zugeben, ich hatte in den letzten 2 Monaten auch ein wenig zugenommen vor allem am Bauchumfang. „Wie lief die OP?“, fragte er, legte seine Hände auf meine, die ich um ihn geschlungen hatte und lehnte seinen Kopf an meinen. „Ganz gut!“ „Ihr wart schnell!“ „Wir haben nur den Pankreaslinks reseziert. Der Tumor lag doch nicht im Kopf, sondern im Schwanz!“ „Dann ist die Prognose besser!“ „Das ist sie!“, lächelte ich, als er sich umdrehte und aufstand. Sofort schlang er seine Arme um mich und küsste mich sanft. „Und was hast du jetzt vor?“, fragte er neugierig. „Ich werde mir jetzt einige Fälle anschauen und planen!“ „Aber vorher..!“, murmelte er und hob mich hoch, nur um die Akten wegzufeuern und mich auf die Ablage zu setzen. „Werden wir uns ein wenig Vergnügen!“ „Achja?“ „Ja!“, sagte er und küsste meinen Hals. „Schließlich warst du 3 Tage weg und wir müssen einiges aufholen!“ „Ich dachte dein Labor ist Tabu!“ „Jetzt mache ich eine Ausnahme!“, sagte er und zog sich den Kittel aus. Danach presste er sich zwischen meine Beine und küsste mich gierig. Ich erwiderte den Kuss nur zu gerne und fuhr unter seinen Kasack. Er löste sich aber abrupt, zog meinen Kasackoberteil aus und drückte mich nach unten um meinen Bauch zu küssen. Und in dem Moment, als ich mit dem Kopf auf der Platte lag, schwummte mein Kopf und eine Übelkeit kroch mir vom Magen hoch. Ich atmete aprupt auf und schloss angestrengt meine Augen. Mir war schon den ganzen Morgen flau im Magen, aber jetzt war mir richtig Übel, wie auch schon verteilt die letzten Tage. „Matteo!“, sagte ich sofort und stoppte ihn. „Was?“, fragte er. „Mir ist übel!“, sagte ich und richtete mich sofort auf. Das Gefühl verschwand nicht aber es wurde besser. Ich schloss meine Augen und atmete einmal tief ein und aus. „Ist alles okay?“ „Es geht schon!“, murmelte ich. „Bist du krank?“ Ich schüttelte den Kopf. „Mir ist ein wenig flau im Magen!“ „Schon wieder? Du hast das doch schon die letzten Tage!“ Ich schluckte. „Vielleicht habe ich mir den Magen verdorben!“ Er tastete meine Stirn. „Hast du sonst noch was?“, fragte er und ich stockte sofort. Oh nein. Nein, Nein, Nein. Das durfte nicht wahr sein. Das war keine Magenverstimmung. Das war Morgenübelkeit. Ich hatte seit Tagen eine Morgenübelkeit. Mit einem Mal wurde mir bewusst, dass es was anderes war. Oder was anderes sein konnte. Ich hatte es Wochenlang verdrängt, aber es traten immer mehr Symptome auf. „Ally?“ Ich musterte Matteo. „Was hast du gefragt?“ „Ob du sonst noch irgendwelche Symptome hast?“ „Nein!“, log ich sofort. „Vielleicht liegt es einfach daran das ich in letzter Zeit so viel und ungesund esse!“ Es war nicht mal gelogen. Er grinste. „Ich mag es das du ein wenig zugenommen hast!“ Bitte erwähne es nicht, Matteo. „Ja!“, schmunzelte ich nur und zog mich wieder an. „Tut mir leid!“ „Ich nehme dir jetzt Blut ab, in Ordnung?“ Er küsste mich kurz. „Und du musst dich nicht entschuldigen wir machen einfach später weiter!“ Ich nickte nur. „Weißt du was? Ben kann mir Blut abnehmen, du kannst dich einfach weiter hier konzentrieren!“ „Ich kann dir Blut abnehmen!“ „Ben macht das schon!“, grinste ich. Er zog eine Augenbraue hoch. „Ist alles in Ordnung?“ „Ja natürlich, aber du hast doch hier zutun und ich muss sowieso dorthin!“ Er musterte mich noch kurz und nickte dann. „Okay!“, hauchte ich und küsste dann ihn. Ich konnte ihn unmöglich Blut abnehmen lassen, wer weiß was er dann sehen würde. „Dann nimm sofort Blut ab und schicke es per Notfall ins Labor!“ „Matteo, ich sterbe nicht!“ „Vielleicht ist es was ernstes wegen deiner Asplenie!“ „Matteo, mir ist nur ein wenig übel. Es geht mir gut!“ „Das sehen wir dann!“ Ich atmete aus. „Ich nehme jetzt Blut ab!“, sagte ich und stand dann auf.  Er nickte. „Wenn das Ergebnis da ist sag mir sofort Bescheid!“ „Mach ich!“, nickte ich ihm zu und hob dann die Papiere auf, die er runtergeschmissen hatte. „Bis später!“, sagte ich und gab ihm dann noch seinen Kittel. „Bis dann!“ Er küsste meine Lippen nochmal ausgiebig, ehe ich dann beinahe fluchtartig das Labor verließ in Richtung Counter. Dort fand ich sofort was ich finden wollte. „Julia!“, sagte ich sofort und lief zu ihr. „Ist die OP fertig?“ Ich nickte nur und nahm ihre Hände, die auf dem Counter lagen. Julia hatte das Kinderwunschzentrum wieder übernommen, nachdem sie ihren Schock über die Unfruchtbarkeit überwunden hatte. Mit Niklas an ihrer Seite schaffte sie das und eine kleine Hoffnung war ja noch da, denn sie hatte die Eizellen nicht einfrieren lassen. „Hast du kurz Zeit?“ Sie schaute auf die Uhr. „Meine nächste Patientin kommt in 20 Minuten!“ „Das reicht!“ „Wofür?“ Sie schaute mich verwirrt an. „Du musst einen Ultraschall machen!“ „Einen Ultraschall?“ „Pscht!“, sagte ich sofort und sprach leiser. „Du weißt schon!“, sagte ich leise. „Den Ultraschall?“, fragte sie und machte große Augen. „Den Ultraschall!“, bestätigte ich. Sofort schrie sie leise auf. „Nein!“, sagte ich sofort. „Meine Lippen sind verschlossen!“, sagte sie ernst, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. Ich atmete aus und lief ihr dann in den Untersuchungsraum hinter her. „Okay und jetzt erzähl!“, sagte sie sofort, nachdem sie die Tür geschlossen hatte. „Mir ist übel seit einigen Tagen jeden Morgen. Eben wäre es mir fast hochgekommen!“ „Und weiter?“ „Meine Periode habe ich seit 2 Monaten nicht mehr, mein Bauch ist gewachsen und meine Brüste tun weh!“ „Du hast seit 2 Monaten deine Periode nicht mehr?“ „Ich dachte es kommt von den Spritzen, weil als wir auf den Bahamas waren war ich ja über den Zeitraum und das braucht immer solange bis es sich einspielt!“ „Hast du einen Test gemacht?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich hatte Angst!“ „Warum Angst?“ „Wegen Matteo!“ Ich hatte große Angst. Wir hatten nie über das Thema gesprochen und ich wusste nicht wie er dazu stand. Jetzt war ich wahrscheinlich schwanger und wir hatten nie darüber gesprochen. „Ihr liebt euch, ihr heiratet bald und dann habt ihr bald ein Haus. Ich glaube ein Baby macht das ganze perfekt oder?“ „Wir haben aber nie darüber gesprochen!“, murmelte ich und zog mein Kasack hoch. „Das sieht mir eindeutig nach einem Babybäuchlein aus!“ „Julia!“ „Ist ja gut!“, grinste sie, machte ein wenig Geld auf den Schallkopf und hielt es dann auf meinen Unterleib. Gefühlte lange Sekunden und Minuten bewegte Julia den Ultraschallkopf ruhig und musterte dabei gespannt den Bildschirm. „Und?“ Sie musterte mich. „Herzlichen Glückwunsch. Das ist eure Tochter der eurer Sohn!“ Damit drehte sie den Bildschirm zu mir um und zeigte mir den Bildschirm. Innerlich
überfielen mich alle Gefühle. Ich war schwanger. Ich war schwarz auf weiß schwanger. Ich hatte es in den letzten Wochen versucht zu ignorieren und zu verdrängen, doch dieses Bild, bestätigte alles. In der schwarzen Blase war ein weiß-graues Baby zu sehen mit einem Kopf, einem Körper, Armen und Beinen. Tränen traten mir in die Augen und ich schnappte nach Luft. „Ich bin schwanger!“, hauchte ich. „Ja!“, sagte sie und musterte mich schief. Eine Träne verlief meine Wange herunter und ich wischte sie sofort weg. Wieso weinte ich jetzt? „Ich hoffe das sind Freudentränen!“ „Ich weiß es nicht!“, sagte ich ehrlich und versuchte mich zu beruhigen. Wie sollte ich das Matteo beibringen? Er wird ausflippen. „Es ist schon ziemlich groß!“, murmelte sie. „Du müsstest schon in der 10. Woche sein. Das würde passen mit dem Bauch und das Aussetzen der Periode!“ Ich atmete aus. „Was soll ich tun?“, fragte ich ehrlich, während sie mich traurig musterte. „Mit ihm sprechen, ich bin mir sicher er wird sich freuen!“ Ich war mir nicht sehr sicher. „Das ist eurer Kind, Ally!“, sagte sie und zeigte mir den Herzschlag, der mein Herzschlag zum schlagen brachte. „Oh mein Gott!“, hauchte ich völlig berauscht und bekam noch mehr Tränen in die Augen. Diesmal Freudentränen. Es war der Herzschlag eines Babys. Eines kleinen Wunders, welches ich unter meinem Herzen trug. „Es sieht alles gut aus!“ Ich schniefte und nickte. „Ich drucke dir die Bilder aus!“, sagte sie und nahm das Ultraschallgerät weg. „Wenn du möchtest können wir weitere Untersuchungen schon machen!“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich würde gerne noch ein wenig nachdenken, okay? Und mit Matteo reden!“ Ich wusste ich kam trotzdem nicht drumherum das Gesamtpaket zu machen an den Untersuchungen die man machte. „Ich verstehe das!“ „Danke!“ Sie atmete aus. „Komm mal her!“ Sofort legte sie die Arme um mich und umarmte mich fest. „Egal was ist, wir sind alle für dich da!“ „Ich weiß Julia, danke!“ „Dafür sind wir da!“, sagte sie und gab mir was zum Saubermachen, als die Tür aufging und Niklas uns anstarrte. „Niklas? Was machst du denn hier?“ „Ich habe dich gesucht!“, sagte er und musterte uns schief. Ich wischte mir schnell den Bauch sauber und zog mich wieder an. „Was ist los?“ Er sah vermutlich meine Tränen, die ich nochmal wegwischte. Sollte ich es wirklich sagen? Schließlich würde er mit Julia mich betreuen. „Nichts!“, lächelte Julia und knüllte die Bilder in der Hand. „Nichts?“ Ich atmete aus. „Ich bin schwanger!“ „Du bist schwanger?“ Ich nickte nur. „Das ist doch großartig!“, sagte er und lächelte. „Oder nicht?“ „Das weiß ich noch nicht ganz!“ Er lächelte. „Ich bin mir sicher er wird sich freuen!“ „Und das aus deinem Mund!“ Er lachte. „Ja das hätte ich auch nicht gedacht, aber wir wissen alle wie sehr er sich verändert hat. Dieses Kapitel wird bei ihm natürlich viel Angst aussetzen aber dafür sind wir da. Rede mit ihm in Ruhe darüber und wir finden eine Lösung!“ Ich war wirklich froh solche Freunde zu haben. „Danke Niklas!“ Er nickte und musterte dann Julia. „Wir müssen los oder?“ Er nickte. „Die Kleinerts warten!“ Julia musterte mich. „Es ist schon okay!“, murmelte ich und stand auf. „Die Bilder!“ „Danke!“ „Wenn etwas ist dann melde dich einfach, ja?“ „Mach ich. Ich gehe ein bisschen an die frische Luft!“ Sie nickte, bevor ich den beiden nochmal zunickte und dann den Raum verließ. Mit direktem Weg ging ich nach oben auf das Dach und setzte mich auf die Bank. Ich lehnte mich zurück und musterte dann das Bild, welches mir Julia ausgedruckt hatte. Ich war schwanger in der 10. Woche von dem Mann, den ich bald heiraten würde. Es war in den letzten Jahren so viel los, dass wir nie darüber geredet hatten, im Gegenteil. Wir hatten die Zeit zusammen genossen und die Welt bereist, neben unserem Erfolg im Beruf. Ich atmete aus. Ich hatte eigentlich nie Angst mit Matteo etwas zu teilen, aber das war das erste Mal das ich Angst hatte. Angst das er es nicht wollte oder das er mich verließ. Ohne das ich es wollte, liefen mir wieder Tränen über die Wange. Das waren vermutlich die Hormone. Ich atmete laut aus und schloss kurz meine Augen. „Da bist du ja!“ Sofort öffnete ich meine Augen und versteckte die Bilder als Ben kam. „Julia hat gesagt das du vermutlich hier bist!“ Ich nickte. Sie machte sich bestimmt Sorgen. „Was ist los?“ Ich überlegte und haderte. Ich wollte ihn nicht anlügen aber auf der anderen Seite sollte Matteo es eigentlich als erstes erfahren. „Ally?“ Ich schluckte einmal und gab ihm dann das Bild in die Hand, welches er mit großen Augen musterte. Sekundenlang starrte er es dann an und dann mich. „Ich bin schwanger in der 10. Woche!“ „Aber das ist super!“ „Ich weiß es nicht Ben!“, gab ich ehrlich zu. „Vielleicht will er keine Kinder!“ „Natürlich will e Kinder, du siehst doch wie er mit Raya umgeht!“ „Du weißt genau weshalb!“ „Ja aber irgendwann wäre es sowieso dazu gekommen und dann ist es eben jetzt passiert!“ „Du weißt doch wie er ist!“ „Wenn man viel Sex hat dann passiert das eben und damit muss er rechnen, vor allem wenn man das Risiko eingeht und mit der Spritze über ist!“ Ich atmete aus. „Ja du hast recht!“ „Du musst immer positiv denken!“ Er legte einen Arm um mich und zog mich zu sich. „Ich werde Patenonkel!“ „Sieht so aus!“ Er gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Ich freue mich!“ „Danke Ben!“ Ich lehnte mich noch näher an ihn und genoss einige Zeit die Nähe von Ben. Irgendwann lösten wir uns dann wieder voneinander und liefen wieder in die Realität.
Ich setzte mich in mein Büro und arbeitete noch einige Akten ab. Natürlich nicht ohne ständig das Bild zu betrachten und über unser Baby nachzudenken. Irgendwann klopfte es an der Tür und ich verstecke das Bild sofort. „Ja?“ Die Tür öffnete sich und ein grinsender Matteo Moreau kann herein. „Matteo!“ „Ich habe dich vermisst!“, sagte er und kam auf mich zu. Er küsste mich kurz und lehnte sich dann an seinen Schreibtisch, bevor er mich zu sich zog und umarmte. Ich schloss die Augen und atmete seinen Geruch tief ein. Es tat gut das er da war, aber trotzdem hatte ich Angst. „Ich muss dir später was erzählen!“, sagte ich als ich mich löste. Er verzog sein Gesicht. „Was ist los?“ „Wir reden später, okay?“ „Ally!“ „Hier ist nicht der richtige Zeitpunkt, außerdem muss ich in den OP!“ „Bist du krank? Ist was wegen deiner Asplenie?“ Ich schüttelte sofort den Kopf. „Mir geht es gut!“ „Dann kannst du es mir ja sagen!“ „Matteo!“, ermahnte ich ihn. „Später okay?“ „Aber..!“, doch ich küsste ihn einfach. „Ich muss in den OP!“ Wieder küsste ich ihn kurz und ließ ihn dann alleine im Büro sitzen mit seinen Gedanke. Ich wusste das ist nicht die beste Lösung, aber er würde nicht locker bleiben. Wenigstens hatte ich die Bilder noch schnell eingepackt. Ich seufzte wieder und machte mich sofort auf den Weg in den OP, wo ich mit Rebecca eine Blinddarm-Operation offen durchführte.
Als wir gegen 16 Uhr den OP wieder verließen, wusste ich das ich nicht mehr lange darum kommen würde. Matteo und ich würde gleich nach Hause fahren und ich musste es ihm sagen. Ich verschanzte mich noch kurz auf die Intensivstation zur Nachkontrolle unserer ersten OP, zog mich dann umm und lief in Richtung Counter, wo Ben ebenfalls saß und mich musterte. „Was?“ „Du machst deinem Bald Ehemann ganz schön Angst!“ Ich atmete aus. „Er hat mich gefragt ob du was hast wegen deiner Asplenie!“ „Er macht sich zu viele Gedanken!“ „Nun du hast auch nicht wirklich das Gegenteil behauptet!“ „Du hättest es ihm sagen können!“ „Hier und jetzt oder was?“ „Das nicht aber du weißt doch wie er ist!“ Ich nickte nur. „Wo ist er?“ „Er wartet unten er meinte ihr wolltet um halb 5 fahren!“ Ich nickte nur wieder. „Du schaffst das und wenn etwas ist dann meldest du dich, wir fahren auch gleich nach Hause!“ „Danke!“ Er fasste kurz meine Hand. „Bis dann!“ Ich zog mir schnell meine normalen Klamotten an und lief dann nach unten in die Eingangshalle, wo Matteo mit einer schwarzen Jeans und einem dunkelblauen Hemd stand. „Da bist du ja!“, sagte er. „Da bin ich!“, lächelte ich und nahm seine Hand. „Alles gut?“ Ich nickte und lächelte ihn dann leicht an. Er führte uns in Richtung Audi Q7 und fuhr uns dann nach Hause. Umso näher wir kamen umso aufgeregter wurde ich. Die Übelkeit schlummerte in meinem Magen und wartete nur darauf mir die Speiseröhre hochzukriechen. Ich konnte nicht mehr fliehen. Ich musste es ihm sagen. Er hatte ein Recht darauf, auch wenn ich Angst hatte. Wir würden heiraten. Wir liebten uns. Matteo parkte den Wagen in der Tiefgarage und konnte es anscheinend kaum erwarten nach Hause zu kommen. Er wirkte sehr ungeduldig. Ich wusste er würde die Bombe sofort platzen lassen. Gerade als ich meine Jacke aufhängte und die Schuhe auszog, wartete er schon im Wohnzimmer auf mich. „Was ist mit dir?“ „Matteo!“ „Nein, ich will wissen was los ist!“ „Es ist alles gut!“, beruhigte ich ihn. „Bist du krank? Ist was mit deiner Leber? Deinem Herzen?“ „Matteo, nein!“ Er ließ mir nicht mal Minuten zu Hause. „Du sagst mir jetzt sofort was los ist!“, sagte er und zog mich mit aufs Sofa. Ich schluckte und musterte ihn kurz. „Bitte sei nicht böse!“ „Warum sollte ich böse sein?“ Ich hatte Angst. Unheimliche Angst. Langsam holte ich aus meiner Hosentasche die Ultraschallbilder heraus und gab sie ihm. Matteo nahm die Bilder sofort in die Hand und schaute sie sich an. Wobei eigentlich starrte er sie an. Er starrte sie an und hielt gefühlt die Luft an. Sein Kopf ratterte und er wusste ganz genau was darauf zu sehen war. Ich gab ihm die Zeit, auch wenn es sich wie Stunden anfühlte. Irgendwann blickte er mich an. „Du bist schwanger?“ Seine Stimme war hoch, aber gefangen. „Ja!“ Er starrte mich an und wusste anscheinend nicht so richtig was er sagen sollte. „Ich werde Vater?“ Ich nickte. „Du wirst Vater!“ Er starrte wieder das Bild an und fuhr sich dann über das Gesicht. „Wie weit bist du?“ „Ende 10. Woche!“ „Du bist in der 10. Woche und erzählst es mir erst jetzt?“ „Ich weiß es selber erst seit heute, Matteo. Meine Periode ist seit zwei Monaten ausgeblieben aber ich dachte das liegt nur an den Spritzen. Aber irgendwie konnte ich die Symptome nicht mehr ausblenden!“ Wieder fuhr er sich über das Gesicht und sagte nichts. Er sagte eine ganze Zeit nichts. „Matteo?“, bat ich ihn leise. Er starrte mich an und schüttelte den Kopf. „Ich kann das nicht!“, sagte er. „Was?“, fragte ich ihn schockiert. „Du..du kannst nicht schwanger sein, dass geht nicht!“  Er sah mich völlig panisch an. „Matteo bitte, es ist dein Kind!“ „Ich kann das nicht!“, sagte er und stand auf. Ich tat es ihm gleich. „Ich brauche Zeit für mich!“, sagte er nur und lief los. „Ich kann das nicht!“, stotterte er wieder. „Matteo?“, fragte ich und lief ihm hinter her. Er nahm sich die Schlüssel, zog sich die Schuhe an und verließ einfach die Wohnung. „Matteo?“, rief ich ihm hinter her, doch er verschwand einfach und ließ mich alleine. Alleine mit den Gedanken und alleine mit den Sorgen, weil er es nicht konnte. Er konnte es nicht und genau das war meine Angst die eingetreten war. Nach dem Schock kam die Trauer. Und nach der Trauer kamen die Tränen, die ich nicht mehr zurückhalten konnte. Er hatte mich einfach alleine gelassen. Sofort nahm ich mein Handy. Ich konnte nicht alleine sein. Ich brauchte jemanden. „Hey Ally!“ „Ben!“, schluchzte ich laut. „Was ist passiert?“ „Er wird mich verlassen, er kann es nicht!“ „Er ist bestimmt nur schockiert!“ „Er wird mich verlassen!“, weinte ich laut. „Ich kann das Kind nicht behalten!“ „Ally ich komme jetzt zu dir, ja?“ „Er wird mich verlassen!“ „Ich bin gleich bei dir!“, sagte er, bevor er auflegte und mich kurzzeitig ebenfalls alleine ließ in den Trümmern meiner Beziehung, weil ich schwanger war. Schwanger von dem Mann den ich über alles liebte.
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