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You are the one

von Wolke22
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Anastasia Steele Christian Grey OC (Own Character) Taylor
15.02.2021
10.05.2021
20
36.503
27
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
01.03.2021 3.623
 
ANA POV

Freitag, das Wochenende steht vor der Türe. Alle sind bereits gegangen. Ich habs nicht eilig und sitze immer noch hier in meinem Büro. ‚Mein Büro’, wie sich das anhört. Aber ja, ich hab es wohl ganz gut angetroffen für eine, die gerade erst von der Uni kommt. Keine Ahnung, was Christian in mir sieht. Sicher hätte es Bessere gegeben für die Stelle. Eine mit mehr Erfahrung.

Die erste Woche mit Christian alleine ist nun vorbei. Ich glaube, ich habe mich ganz gut geschlagen. Gröbere Fehler sind ausgeblieben. Nur den Unmut von dieser Mrs. Lincoln habe ich auf mich gezogen. Aber schließlich hat Christian mir gesagt, dass er nicht mit ihr sprechen möchte. Und ich habe nur seine Anweisungen befolgt. Irgendwas stimmt mit der Frau nicht.

Von Andrea weiß ich ja dass sie in die Kategorie der „GIP“ einzuordnen ist. Auf der Liste „Grey’s important persones“ stehen nur seine Familie drauf, eine Gail Jones, seine Haushälterin und Taylor natürlich, der immer Zutritt hat. Diese GIP-Personen bekommen auch schon mal Zutritt ins Büro oder deren Gespräche werden weiter geleitet, wenn Grey ansonsten nicht gestört werden will oder in einem Gespräch ist. Das von ihm erwähnte Fingerspitzengefühl ist hier wichtig. Und ich denke, bei allen hab ich es gut gemacht, nur dieser Mrs. Lincoln kann man es offensichtlich nicht recht machen.

Wen ich ganz toll finde, sind seine Geschwister. Beide waren in dieser Woche mal kurz hier im Büro. Elliot scheint ein Casanova zu sein. Das Gerede der anderen Mädels hier auf der Etage lässt darauf schließen. Sein Weg ins Büro seines Bruders hat sehr viel „Flirtzeit“ beansprucht. Sie sind alle an seinen Lippen gehangen. Aber irgendwie, find ich ihn nicht so toll. Im Gegensatz zu seinem Bruder. Aber Geschmäcker sind halt verschieden. Offensichtlich ist er ja auch vergeben. Und ausgerechnet Kate Kavanagh ist seine Freundin. Kate und ich kennen uns von der Uni. Wir haben zusammen für die Studentenzeitung gearbeitet. Ich mochte sie schon immer. Wir haben vereinbart uns nun öfter zu treffen. Schön endlich ein wenig Anschluss in Seattle zu haben.

Mia, Christians Schwester scheint ein kleiner Wirbelwind zu sein. Ein wenig laut und verrückt. Aber er liebt sie sehr, dass kann man den beiden ansehen. So wie sie, sieht er niemanden sonst an. Und sie ist die einzige, die ihm auch körperlich nahe kommen kann. Bei allen anderen spüre und sehe ich eine Distanz. Wo das wohl herkommt?

Ein Klingelton holt mich aus meinen Gedanken. Eigentlich bin ich alleine hier. Alle anderen sind schon längst weg. Ich wollte noch ein bisschen mein neues Büro umräumen. Es mir gemütlich machen. Viel darf ich wohl nicht verändern. Aber alles so, dass ich gut damit arbeiten kann. Andrea hatte ihre Ordnung und ich hab meine. Im Laufe der Woche, hab ich nicht so viel geschafft von diesen Dingen wie ich wollte, deswegen bin ich heute etwas länger geblieben.

Wo also kommt dieses Klingeln her? Mein Handy ist es jedenfalls nicht. Das erkenne ich am Klingelton. Ich stehe auf und folge dem Geräusch. Er kommt eindeutig aus Christians Büro. Da ich einen Schlüssel habe, schließe ich auf und trete ein. Leider ist nun wieder alles leise. Aber ich muss mich nicht lange umschauen. Auf dem Sofa liegt das Handy. Achtlos weggeworfen oder aus einer Tasche gefallen. Wie erwartet ist es gesperrt, aber ich muss nicht lange nachdenken. Das ist Christians Handy. Sicher vermisst er es schon. Bestimmt werden er oder Taylor in den nächsten Minuten hier auftauchen. Wenn nicht, dann werde ich es ihm bringen. Mal sehen, wie der große Boss wohnt.


CHRISTIAN POV
Freitag Abend. Ich hab bereits gegessen, geduscht und nun mache ich mich wieder an die Arbeit. Meine Firmen und Partner in Asien beginnen gerade wieder mit ihrer Arbeit. Und trotzdem lassen mich meine Gedanken an die kleine Miss Steele nicht los. Die erste Arbeitswoche mit Ana war nahezu perfekt. Allerdings muss ich mit ihr mal über Elena sprechen. Sie hat sie wohl ziemlich harsch abgewiesen, als sie einen Termin haben wollte. Die geschäftliche Verbindung ist ihr nicht klar. Außerdem sollte sie sich Elena nicht zum Feind machen. Sie kann ungemütlich werden, wenn sie nicht bekommt was sie will. Prompt ist sie im Escala aufgetaucht. Aber, von wegen Geschäft. Es ging wieder nur um das leidige Thema Sub. Ich frage mich, wie oft ich ihr noch sagen muss, dass ich daran nicht mehr interessiert bin. Ich habe mich geändert. Ich will dieses Leben nicht mehr. Dass ich Ana will, dass sage ich ihr natürlich nicht. Ich weiß ja selbst nicht, wie das gehen soll. Und was mach ich mit meiner Regel? Fick nie das Personal. Wie soll ich das durchhalten? Flynn sagt, ich soll alles auf mich zukommen lassen. Nichts überstürzen. Also versuche ich mich in Geduld zu üben. Und vielleicht ist es ja wirklich so. Nach Drei Wochen ebbt das Interesse ab oder ich finde noch eine andere geeignete Kandidatin. Kann doch schwer möglich sein, dass mir das Schicksal genau an dem Tag die Traumfrau vor die Füße wirft, an dem ich beschließe mein Leben zu ändern. Oder doch? Ist das Schicksal so?

Jeden Morgen sind Ana und ich zusammen gejoggt. Jeden Morgen stehe ich mit Freude und Elan auf. Ich könnte mich daran gewöhnen. Sie ist zwar nicht so fit, wie es sein könnte, aber das stört mich nicht. Einfach nur ihre Gegenwart spüren, hat was für sich.

Das Wochenende wird wohl eher wieder langweilig werden. Am Samstag ist wieder Dinner bei Mum. Elliot bringt wohl Kate mit und Mia Ethan. Ich muss mal mit ihr sprechen, wie es weiter gehen soll, jetzt nachdem sie zurück ist aus Paris. Mal sehen, was meine kleine Schwester für Pläne hat. Kann ja nicht ewig auf Kosten unserer Eltern leben und Ethan ist auch noch weit weg davon, ihr das Leben bieten zu können, das sie gewohnt ist.

Gegen 16 Uhr habe ich mein Büro verlassen und mich von Ana verabschiedet. Bereits auf der Fahrt ins Escala machte ich mir Gedanken, wie ich es weiterhin schaffe, Distanz zwischen Ana und mir herzustellen. Ich traue mir gerade selbst nicht. Meine oberste Regel bröckelt immer mehr. Aber sie ist auch wirklich atemberaubend. Heute Morgen zum Beispiel. Sie sollte mir Unterlagen kopieren und als sie schon aus dem Büro raus war, sehe ich, dass ich zwei Seiten vergessen habe. Also springe ich ihr nach. Ich finde sie im Kopierraum und komme gerade dazu, wie sie auf einem wackligen Hocker steht und eine Tonerkassette vom obersten Regalboden holt. Sie erschrickt, es wackelt bedenklich und schon liegt sie in meinen Armen. Ein paar Zentimeter näher und ich hätte sie geküsst. Aber ich konnte mich gerade nochmal zusammenreißen.  

Ana schwirrt immer öfter in meinem Kopf herum. Ich bin nie ein Freund vom selber Hand anlegen gewesen. Aber in letzter Zeit. In der Dusche stehend, schloss ich meine Augen und sehe in ihre. Sehe dieses wunderschöne Blau. Dann rieche ich sie. Ihren Duft nach Sommer und frischen Rosen. Ich spüre ihre Hände auf meinem Körper, höre ihre Stimme und werde automatisch immer schneller. Mein Atem kommt stoßweise und ich kann es nicht mehr aufhalten. Mit einem lauten stöhnen komme ich so heftig wie … ja, wie? Wie eigentlich noch nie. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so heftig abgespritzt zu haben. Oh Ana, was machst Du nur mit mir? Wie lange soll ich das noch aushalten. Es war eine scheiß Idee sie einzustellen!

Taylor holt mich aus meinen Gedanken. Er steht in der Türe zum Arbeitszimmer.

„Mr. Grey, Miss Steele ist hier. Sie sagt, sie hätten was im Büro vergessen.

„Sagen sie ihr, sie soll warten. Ich komme gleich.“ Scheiße, Ana hier. Und ich nur in Jogginghose und T-Shirt. Zumindest sollte ich auf eine Jeans umsteigen. Schnell umziehen und dann raus zu Ana. Was hab ich denn vergessen? Und wer spielt da Klavier?


(Elvis Presley: Falling in Love with you)

Wise men say only fools rush in
but I can't help falling in love with you
Shall I say
would it be a sin

If I can't help falling in love with you
Like a river flows surely to the sea

Darlin' so it goes
some things are meant to be
take my hand, take my whole life, too
for I can't help falling in love with you
Like a river flows surely to the sea

Darling so it goes
some things are meant to be
take my hand, take my whole life, too
for I can't help falling in love with you
for I can't help falling in love


Youtube Video

Ana sitzt an meinem Klavier, spielt und singt dieses Lied. Wunderschön. Mehr kann ich dazu gar nicht sagen. Warum weiß ich nicht, dass sie spielen kann? ‚Grey, Du weißt so vieles nicht.‘ Und was will sie mir mit diesem Text sagen.

„Hallo Miss Steele. Sie spielen wundervoll.“

„Danke Mr. Grey. Dies ist aber auch ein wundervoller Flügel. Seit wann spielen Sie?“

„Seit meinem 6. Lebensjahr. Mum legt darauf wert, dass wir alle ein Instrument spielen.“

„Wie bei mir. Meine Mum hat selbst gespielt und es mir beigebracht. Ich war 3 als sie mir die ersten kleinen Lieder beigebracht hat.“ Irgendwie werden Anas Augen ganz traurig.

„Sie vermissen ihre Mum.“

„Ja, das tue ich.“ Sie steht auf und schaut kurz in die Ferne. Und wieder verfange ich mich in ihrem Anblick. Hat mich schon jemals eine Frau so angezogen? NEIN. Eindeutig NEIN.

„Sie haben ihr Handy liegen lassen. Ich dachte sie brauchen es am Wochenende.“

„Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“

‚Das ist mir ja noch nie passiert.‘ Ich bin einfach zu sehr in meine Gedanken an Dich gefangen, würde ich ihr gerne sagen. Aber das geht nicht. Ich bin ihr Boss. Sie ist meine PA. ‚Distanz schaffen Grey!‘ Aber wie so oft bei ihr, mein Mund ist schneller als mein Hirn.

„Haben sie noch was vor heute Abend Miss Steele?“

„Nicht wirklich, Mr. Grey.“

„Wie schnell brauchen Sie um ein schönes Kleid anzuziehen?“

„Vielleicht 10 Minuten. Bisschen Make Up noch. Wenn’s gut läuft dann kann ich in 30 Minuten fertig sein.“

„Dann wird Sawyer sie jetzt nach Hause bringen. Ich hole sie in einer Stunde ab und dann gehen wir gemeinsam zur 007 Premiere. Ich hab zwei Karten bekommen und wollte eigentlich nicht hingehen. Aber vielleicht können Sie sich ja dazu durchringen mich zu begleiten.“ ‚Scheiße, was mach ich hier? Wollte ich nicht vor 10 Minuten noch Distanz schaffen? Und jetzt mach ich genau das Gegenteil. Die Frau macht mich noch ganz verrückt.‘

„Das geht nicht Mr. Grey. Dort sind mir entschieden zu viele Fotografen und Reporter. Ich will nicht, das irgendwelche Bilder von mir in der Presse oder im Internet auftauchen.“

„Ist es ihnen peinlich mit mir gesehen zu werden Miss Steele?“

„Ganz bestimmt nicht Mr. Grey, aber das ändert nichts an der Tatsache. Keine Bilder.“

„Taylor,“ rufe ich durch die Wohnung und es dauert keine Minute bis er antwortet.

„Ja Mr. Grey.“

„Wird es eine Möglichkeit geben, die Premiere zu besuchen ohne an der Pressemeute vorbei zu müssen?“

„Kein Problem Mr. Grey, wir können in die Tiefgarage und von dort direkt ins Kino. Dann entgehen wir der Meute. Im Saal ist die Presse unerwünscht.“

„Unter diesen Umständen, Miss Steele, geben sie mir die Ehre mich zu begleiten?“ Ich sehe ihr direkt in die Augen. Sie kämpft mit sich. ‚Komm Ana, nur heute, nur für mich.‘

„Gerne Mr. Grey.“ ‚Yes! Du weißt nicht, wie glücklich Du mich gerade machst.‘

„Taylor, Sawyer soll Miss Steele nach Hause fahren. Wir werden Sie dann gegen 19.30 Uhr wieder abholen.“

Während Ana an Taylors Seite in den Aufzug steigt, raufe ich mir die Haare. Ich muss komplett verrückt geworden sein. Mit einer Frau ausgehen. Und dann ausgerechnet mit einer Angestellten. Ich bin dabei mir mein eigenes Grab zu schaufeln. Das kann nie und niemals gutgehen. Aber ich will in ihrer Nähe sein. Ich will sie kennenlernen. Ich will Ana, dass wird mir immer klarer.


ANA POV

Was hab ich getan? Ich muss verrückt sein. Nicht nur, dass ich mich quasi auf ein Date mit meinem Chef einlassen, nein, ich riskiere auch noch von Fotografen abgelichtet zu werden. Das darf nicht passieren!

Während wir den kurzen Weg zu mir nach Hause fahren frage ich meinen Fahrer:„Sawyer, werden wir es wirklich schaffen, ohne ein Foto den Abend hinter uns zu bringen?“

„Ganz sicher Miss Steele, aber es wird Berichte geben und man wird sich fragen, wer die Frau an Christian Greys Seite war.“

„Damit kann ich leben, aber es darf keine Bilder geben.“

„Ich werde mein Bestes geben. Der Wagen ist verdunkelt, da wird sie niemand sehen und in der Tiefgarage lassen wir alles checken. Wir schicken ein Team vorweg, die dafür sorgen, dass sie jemand ablichtet. Beruhigt Miss Steele?“

„Ja, danke Sawyer.“

Was wird er nun denken? Wenn er so gut ist, wie man sich erzählt, dann wird er nun misstrauisch sein. Was sollten meine Gründe sein? Jede andere würde alles dafür tun, um an der Seite von Christian Grey zu erscheinen. Das bringt Publicity. Aber genau die kann ich nicht gebrauchen. Wenn die falschen Leute auf mich aufmerksam werden, dann kann ich mein neues Leben komplett vergessen. Dann fängt alles wieder von vorne an.

„Wir sind da Miss Steele. Um 19.30 holen wir sie wieder ab. Machen sie sich keine Sorgen. Mr. Grey steht auch nicht gerne in der Öffentlichkeit. Am liebsten würde er wahrscheinlich heute Abend mit ihnen alleine den Film anschauen. Zu viele Menschen sind nicht sein Ding.“

„Danke Sawyer. Ich werde pünktlich hier sein.“

Ich hab noch gute 40 Minuten. Ausreichend Zeit für ein Styling. Bei der Kleiderauswahl muss ich nicht lange nachdenken. Ich habe nur ein langes Kleid. Irgendwann Mal hab ich es mir aus einer Laune heraus gekauft. Es gefiel mir so sehr. Aber getragen hab ich noch niemals. Jedenfalls nicht außerhalb meiner eigenen vier Wände. Ein oder zweimal hab ich es angezogen um zu schauen, ob es noch passt. Es ist verdammt eng, vorne hochgeschlossen mit einem beachtlichen Rückenausschnitt. Das ganze aus einem Stretch-Stoff in einem edlen, dunklen Grünton. Meine lange „Engelsrufer-Kette“ werde ich darauf tragen. Mehr nicht. Ein schwarzes Cape, die schwarze Clutch und die Peeptoes von Jimmy Choo. Oh mein Gott. Ich gehe mit Christian Grey aus. Meinem Chef und dem Mann, der mir seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht.
<Keine gute Idee, Ana> geht mir durch den Kopf. Aber einen Rückzieher kann ich nun wohl auch nicht mehr machen. Und dann bemerke ich etwas, dass mir die Röte ins Gesicht treibt: Dieses Kleid kann ich nur anziehen ohne Unterwäsche. Selbst mein kleinster Tanga würde deutlich sichtbar sein. Kann ich das wirklich bringen? Mit meinem Chef ausgehen ohne Unterwäsche. Scheiße, warum hab ich nicht abgesagt.

Nun bleibt nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken. Mein Handy piept. Eine Nachricht von Christian. Es ist in zwei Minuten da. Ich warte noch bis er klingelt. Draußen ist es heute ungemütlich, da muss ich nicht wartend vor der Türe stehen.



CHRISTIAN POV

Oh, mein Gott! Sie tritt durch die Haustüre und mir bleibt die Spucke weg. Sie sieht umwerfend aus. Dieses Kleid gehört verboten. Sie kann unmöglich irgendwas darunter anhaben. Eine Vorstellung die meinem kleinen Freund extrem gut gefällt. Gut, dass ich einen Mantel über dem Smoking anhabe. Das erspart mir die Peinlichkeit. Wenn ich sie nicht eh schon so begehrenswert finden würde, dann spätestens jetzt. Ihre festen, sehr schönen, nicht zu großen, aber auch nicht zu kleinen Brüste fesseln meinen Blick. Wie gerne würde ich sie anfassen. Ich bin sicher, sie passen perfekt in meine Hand. ‚STOPP Grey. Sofort aufhören. Sie ist Deine Assistentin. Schlag Dir das aus dem Kopf!‘ Das würde ich ja gerne, aber es fällt so schwer.

„Sie sehen fantastisch aus, Miss Steele.“

„Danke, Mr. Grey.“

Wie geplant schaffen wir es ohne Probleme ins Theater. Der Saal ist bereits gut gefüllt. Im Foyer stehen noch jede Menge Leute und halten sich an ihrem Glas fest. Der Film wird in 15 Minuten beginnen. Ich mache einige Journalisten aus. Dann wird es wohl doch etwas zu berichten geben. Aber keine Bilder. Das schien Ana wichtig zu sein. Wir nehmen uns auch ein Glas Champagner und stoßen an. Taylor hat uns Anas Cape und meinen Mantel abgenommen. Ich wage es und lege meinen Arm um ihre Taille. Und da spüre ich es. Ihr Kleid ist hinten bis zum Po offen. Verdammt. Diese Frau macht es mir aber auch unglaublich schwer.

„Miss Steele, dieses Kleid gehört verboten.“ Raune ich Ana ins Ohr

„Ich schlage vor, sie gehen langsam vor mir in den Saal. Dann bewahren wir die älteren Herren hier im Foyer vor einem Herzinfarkt und die Damen vor einem Nervenzusammenbruch, wenn sie sehen, was dieser Anblick gerade mit mir angerichtet hat.“

Anas geweitete Augen schauen mich an. Ich kann ihre Empörung darin sehen.

„Tu nicht so, als ob Du nicht wüsstest, was Dein Anblick mit mir anrichtet.“ Wieder habe ich ihr leise ins Ohr geflüstert.

„Mr. Grey…“

„Psst Ana, alles gut.“ Ich schiebe sie vor mir in den Kinosaal. Ein freundlicher junger Mann, der Ana ebenso von oben bis unten abscannt und dessen bewundernder Blick mir nicht entgeht, begleitet uns zur ersten Reihe. ‚Finger weg mein Freund, diese Frau gehört mir.‘

Als wir uns im Saal endlich auf unsere reservierten Plätze setzen, schaffe ich es langsam mich und meinen kleinen Freund zu beruhigen. Gut, dass es hier schon relativ dunkel ist. Ich versuche mich auf mich zu konzentrieren. Und es gelingt mir meine Gedanken von Ana weg, hin zum Film zu bewegen.

Der Film beginnt und ich schaue immer wieder verstohlen zu ihr hinüber. Sie ist wirklich wunderschön. Eine Frau, wie ich sie mir nur wünschen kann. Klug, ja sogar intelligent, witzig, schlagfertig, sehr kontrolliert und konzentriert bei allem was sie tut. Wunderschön noch dazu. Super hübsches Gesicht und ein Körper für den manche Frau töten würde. Mutter Natur hat es gut mit ihr gemeint. Ein Anflug von Eifersucht packt mich. Das jemals ein anderer diese wunderbare Frau gespürt hat, das versetzt mir einen Stich. Jemals ein anderer sich in ihr versenkt hat. Ich will nicht daran denken. Und dann macht sich Ernüchterung in mir breit. Ob ich dieses Vergnügen jemals haben werde? Es scheint so weit weg zu sein. Und meine Regeln sprechen dagegen.

Anas Griff an mein Knie lässt mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Sie drückt feste zu. Scheiße, wie soll ich jetzt noch Abstand wahren? Ich sehe zu ihr rüber. Lege meine Hand auf ihre und drücke feste zu. Sie schaut verkrampft auf die Leinwand, wo gerade Bond und sein Gegenspieler sich eine wilde Verfolgungsjagd über die Dächer der Medina von Casablanca liefern. Sie beißt sich auf ihre Unterlippe und in dem Moment ist es vorbei mit meiner Beherrschung.

„Hör sofort auf, auf Deiner Unterlippe zu beißen. Du hast keine Ahnung, was dieser Anblick für mich bedeutet.“ Wieder habe ich ihr ins Ohr geflüstert und bewege meine Hand mit ihrer in meinen Schritt.

Erschrocken entzieht sie mir ihre Hand und schaut mich an.

„Entschuldigung, aber…“

„Alles gut. Aber wenn Du nicht willst, dass ich über dich herfalle, dann solltest Du das in meiner Gegenwart unterlassen.“

„Ich werde es mir merken Mr. Grey. Keine rückenfreien Kleider und kein Beißen auf meiner Unterlippe.“ Sie lächelt mich an und ich weiß nicht, wie ich ihren Blick deuten soll. Nimmt sie mich Ernst?

Wir sitzen eine ganze Weile nebeneinander und schauen dem Geschehen auf der Leinwand zu. James Bond mal wieder im Nahkampf mit seiner schönen Gespielin. Daniel Craig ist mit Abstand der besttrainierteste Bond aller Zeiten. Dem Mann nimmt man den Geheimagenten irgendwie ab. Ich weiß wieviel Arbeit ein solcher Körper macht. Mehrmals wöchentlich Training an verschiedenen Geräten. Ich habe viele Jahre dafür gebraucht, das so hinzubekommen. Jetzt bin ich eigentlich ganz zufrieden mit mir. Sicher weiß ich, dass mein Body ein Grund dafür ist, dass mich so viele Frauen mit ihren Blicken ausziehen. Das entgeht mir durchaus nicht. Aber deswegen trainiere ich nicht. Ich mache es ausschließlich für mich. Außerdem ist es in meinem Spielzimmer durchaus von Vorteil, wenn die ein oder andere Körperpartie gut trainiert ist.

Wieder holt Ana mich aus meinen Gedanken.

„Vergessen sie es Mr. Grey, denken sie nicht einmal daran.“ Ihr Blick geht zur Leinwand. Bond liegt gerade über seiner Partnerin und ihr verzücktes Gesicht sagt alles.

Wenigstens ist der Craig Bond ein monogamer Bond. Pro Film nur eine Frau. Bei Moore und Connery konnte man ja manchmal den Überblick verlieren.

Eine Stunde später sitzen Ana und ich wieder im Audi und Taylor fährt uns nach Hause. Die After Show Party haben wir uns geknickt. Ana sind wieder zu viele Fotografen anwesend. Was hat sie nur? Warum ist sie so versessen darauf, dass ja keine Fotos von ihr gemacht werden? Jede andere Frau, die aussieht wie sie und die ich kenne, ist versessen darauf. Die sind geradezu darauf aus, ihr Bild jedes Wochenende in irgendeinem Magazin oder Schmierenblatt zu sehen. Wahrscheinlich schneiden sie sie auch noch aus und kleben sie in ein Album. Und mich als Begleitung, das wäre für die meisten wie ein Sechser im Lotto.

Der Wagen hält vor Anas Haus.

„Danke Mr. Grey für einen schönen Abend.“

„Ich habe zu danken Miss Steele.“

Und das war’s. Wie gerne hätte ich sie mit zu mir genommen. Ich möchte sie unbedingt näher kennen lernen. Das kann ich auch als ihr Chef. Aber es wird so verdammt schwer. Mein Körper scheint ein Eigenleben zu führen bei Ana. Ich reagiere einfach auf sie, auch wenn ich es nicht will. So wie damals bei Elena. Scheiße, warum denke ich gerade jetzt an sie? Das kommt mir ein bisschen wie Verrat an Ana vor. Die beiden sind nicht zu vergleichen. Nein, auf keinen Fall.
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