Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Auf dem Holzweg

von chunni
OneshotHumor, Liebesgeschichte / P6 / MaleSlash
14.02.2021
14.02.2021
1
2.703
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
14.02.2021 2.703
 
[A/N: Hallo :) Dieser OS ist Teil des wunderschönen Projekts [Wichteln] Happy Valentinsday, 2021 von ladyfangirl. Hier sind die Angaben, die ich genutzt habe:

Prompt: Liebesschlösser sind eine doofe Erfindung und ein ganz bestimmtes wurde viel zu früh angebracht. Wie kommt man nur an den Schlüssel heran? Oder hilft da nur noch der Bolzenschneider?

Mein Wichtelkind war ladyfangirl. Danke für die tollen Angaben. Ich hoffe, dir gefällt die Geschichte ;)]

~

Auf dem Holzweg


~

Benedikt starrte mit zusammengekniffenen Augen das Schild an.

Sein Blick wanderte zu der aufgeschlagenen Karte in seinen Händen und dann zurück zu dem Schild. Zur Karte. Zum Schild. Ohne Erfolg. Es hatte sich nicht verändert, zeigte immer noch einen Pfeil in eine Richtung, die so nicht stimmen konnte, unterlegt mit einem Dorfnamen, den er noch nie zuvor gehört hatte. Die Karte schien auch nicht davon gehört zu haben. So sehr er auch danach suchte, er fand ihn nicht. Benedikt verzog das Gesicht und seufzte, strich sich mit einer Hand über die schweißbenetzten Schläfen.

War ja klar, dass das passieren musste. Es reichte anscheinend nicht, dass sein zauberhafter Ex-Freund sich entschieden hatte, ihn hinter seinem Rücken mit seiner Cousine zu betrügen, und er gezwungen war, an diesem besonders kalten Februarmorgen auf einen Berg zu klettern, um das Liebesschloss abzuschneiden. Nein, jetzt hatte er sich auch noch verlaufen.

Klar, er hätte nicht auf den Berg steigen müssen. Es war nur ein Schloss mit eingravierten Namen, was war da schon Böses dran? Diese metallene Bank, an der sie es befestigt hatten, war nicht einmal gut besucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ihre Namen wiedererkennen würde, war gleich Null.

Und dennoch hatte er sich nicht zurückhalten können. Valentinstag war nähergekommen wie eine unheilvolle Regenwolke und er wusste, dass er sich nicht unangemessenen Fragen und Selbstzweifeln stellen wollte. Er musste das hier machen.

Dieses Schloss war ein Symbol, ein Gewicht, das ihn zurückhielt. Erst wenn das Schloss seinen Platz im Müll und der Vergessenheit gefunden haben würde, könnte er weitergehen. Er dachte immer noch viel zu oft an diesen Mistkerl. Das musste aufhören. Jetzt konnte er wenigstens etwas tun und musste nicht schweigend mitansehen, wie seine Liebe den Abfluss heruntergespült wurde.

Er hätte gewusst, wie wir zur Bank kommen, dachte Benedikt, das Schild mit Blicken durchbohrend. Etwas verschnürte seine Kehle wie steifes Band und er schluckte hart. Weil dieser Gedanke zu nett war, schob er eine Beleidigung nach: Mistkerl.

Er schaute zum Himmel. Graue Wolken krochen über den Horizont, doch wenigstens schneite es nicht. Der Wind war frisch, doch er spürte ihn kaum, nachdem er bereits eine gute Stunde gewandert war. Die Winterjacke ließ den Schweiß aus allen Poren fließen und die blaue Mütze, die er getragen hatte, war längst zum Bolzenschneider und einer Wasserflasche in den Rucksack gewandert. Die sandblonden, fransigen Haare klebten an seiner Stirn.

Eigentlich hätte der Weg zu dem Aussichtspunkt nur eine Dreiviertelstunde dauern sollen, doch anscheinend hatte er eine falsche Abzweigung genommen. Wenn er die nur wiederfinden könnte… Benedikt widerstand dem Drang, die Karte zusammenzuknüllen. Das würde ihm nicht helfen. Vielleicht sollte er einfach dem Pfeil folgen? Vielleicht führte der ja auch zu dem Aussichtspunkt, den er suchte? Er dachte über die Möglichkeit nach, als eine fremde Stimme ihn aus seinen Gedanken riss.

„Hey, Kal! Mensch, ich wusste gar nicht, dass du-“

Benedikt zuckte zusammen, drehte reflexartig den Kopf, um den Fremden anzusehen.

„Oh,“ meinte der mit runden Augen. „Du bist nicht Kal.“

Der Mann war groß, das war das erste, das Benedikt auffiel. Einen guten Kopf größer als er, groß genug, um in ihm altbekannte Komplexe aufflackern zu lassen. Er hasste es, an seine unterdurchschnittliche Größe zu denken. Das war etwas, womit ihn sein Ex-Freund immer aufgezogen hatte.

Das nächste, das Benedikt bemerkte, waren die schwarzen Locken, die ihn an Italien erinnerten, und die Tatsache, dass der Mann kein Kälteempfinden zu haben schien. Er trug nur ein grünes T-Shirt mit dem Aufdruck ‚I tell bad chemistry jokes because all the good ones argon‘.

Seine Größe hätte es einfach machen können, sich eingeschüchtert zu fühlen, doch als der Mann ihm ein breites Lächeln zeigte und mit lockeren Schritten auf ihn zuging, konnte Benedikt nicht anders, als sich zu entspannen. Irgendwie schaffte es der Fremde, gleichzeitig verschlafen und energievoll zu wirken. Vielleicht lag das an den Schatten unter den Augen. Er mochte ein, zwei Jahre älter sein als Benedikt selbst.

„Du bist nicht einmal eine Frau,“ lachte der Fremde. Bei jedem anderen hätte der Spruch beleidigend gewirkt. Die geröteten Wangen und die zusammengesunkenen Schultern ließen jedoch eher ihn peinlich berührt erscheinen, als könnte er nicht glauben, so einen dummen Fehler gemacht zu haben. „Tut mir leid. Kal sagt immer, wenn ich meine volle Konzentration nutzen würde, könnte ich ein Heilmittel gegen Krebs erfinden. Ist leider noch nicht passiert.“

Benedikt runzelte die Stirn. Er dachte immer, Fremde, die in ein Gespräch verwickelt wurden, gab es nur in Filmen. Der Mann hier schien jedoch hartnäckig daran interessiert zu sein, genau das zu tun. Vielleicht könnte er das zu seinem Vorteil nutzen.

„Sie scheint nicht dumm zu sein, deine Freundin…,“ murmelte er. „Kennst du die Gegend? Ich, nun ja… ich glaube, ich habe mich etwas verlaufen.“

Der Mann nickte wissend. Er kam näher und streckte eine große Hand aus. „Der Name ist Fridolin. Schön, dich kennenzulernen.“

Benedikt erfasste die Hand zögerlich. Durch den dünnen Handschuh, den er trug, spürte er ihre Wärme. „Benedikt.“

Fridolins Lächeln wurde breiter, ließ seine grünen Augen funkeln.

„Benedikt, so so. Hast dich verlaufen. Keine Sorge, das passiert öfter. Ich wohne am Fuß des Berges und gehe hier oft spazieren.“ Das Funkeln wurde schelmisch. „Ich habe jedoch noch nie jemanden am Valentinstag hier getroffen. Hast du kein Herzblatt zu Hause sitzen? Oder vielleicht wartet eine Bergnymphe da oben auf dich?“

Benedikt hob eine Augenbraue, die Lippen zu einer dünnen Linie gepresst. Nichtsdestotrotz, irgendetwas gefiel ihm an Fridolin. Er schien im Moment zu leben, frei und optimistisch, und das war beeindruckend. Benedikt hatte das nie schaffen können. Er fühlte sich immer von Zukunft und Vergangenheit eingeengt, immer beschäftigt, immer geplagt von Problemen, die vielleicht gar keine waren. Leider erinnerte ihn der Kommentar auch wieder daran, wieso er hier war. Wegen wem. Seine Mundwinkel fielen herab.

„Der 14. Februar ist auch nur ein weiterer Tag des Kalenders.“ Er rollte die Augen, konnte die Schärfe im Ton nicht ganz vermeiden. „Wieso sollte ich ihn nicht so nutzen, wie ich möchte? Außerdem… du bist doch auch hier.“

Fridolin neigte den Kopf zur Seite. „Hm. Da hast du Recht. Ich glaube trotzdem, dass dir dieser Tag nicht ganz egal ist. Ich für meinen Teil finde den sogenannten Valentinstag schrecklich und meine das auch so. Reiner Kommerz. Wenn ich einen Partner hätte, bräuchte ich keine Gesellschaft, die mir vorschreibt, wann ich ihn zu lieben habe. Ich würde es einfach tun. Ist das nicht der Sinn der Liebe? Dass sie bedingungslos ist? Rein?“

Benedikt beobachtete, wie er die Arme hob, so als wäre ihm das Thema ganz wichtig, wichtig genug, dass er mit vollem Körpereinsatz seine Meinung kundtun musste. Seine rechte Hand verfing sich im Ast eines Baumes und ließ eine Wolke von Schnee über ihn regnen.

„Verdammt.“ Fridolin stieß ein leises Keuchen aus und sprang zur Seite, die Haare schüttelnd. Benedikt musste sich auf die Zunge beißen, um nicht loszulachen. Der Teil von ihm, der nicht damit beschäftigt war, sich über Fridolin zu amüsieren, hoffte, dieser würde das Thema Liebe nicht weiter anschneiden.

Seine Worte hatten seinen Nacken mit Unwohlsein prickeln lassen. Er fühlte sich auf einmal richtig dumm, hier nur wegen eines Liebesschlosses den Berg hochzuklettern, zumal Fridolin Recht hatte – er tat es, weil heute Valentinstag war. Weil ihm der Tag eben nicht egal war. Und irgendwie hatte er schon Recht mit seiner Philosophie. Nichtsdestotrotz, Benedikt hatte seine Entscheidung getroffen und jetzt würde er sie auch zu Ende bringen.

„Ja, ja… mach dich ruhig lustig über mich,“ murmelte Fridolin, als er zu ihm sah und vermutlich das Grinsen erblickte, das sich Benedikt nicht verkneifen konnte. Er klang nicht wirklich beleidigt, aber Benedikt schaute trotzdem weg. Er räusperte sich.

„Weißt du, wie ich zum Aussichtspunkt mit der Metallbank komme?“

„Ah… ja, das weiß ich tatsächlich. Was bekomme ich als Kompensation?“

Benedikt warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Meine ewig währende Dankbarkeit?“

Fridolin schürzte die Lippen und betrachtete ihn mit dem Blick eines Kunstkenners, der sich ein Gemälde ansah. Er hob eine dunkle Augenbraue. „Bist du dir da sicher? Scheint mir fast ein zu guter Deal zu sein. Bist du bereit einen so hohen Preis dafür zu zahlen, dass ich dich ein Stück begleite? Deine Dankbarkeit kannst du nicht so leicht wieder zurücknehmen, mein Freund. Nicht, wenn sie ewig währt.“

Benedikt schmunzelte, merkwürdig erleichtert. Fast hatte er gedacht, Fridolin würde Geld oder sonst was von ihm verlangen. Wenn er jedoch darüber nachdachte, hätte das wirklich nicht zu ihm gepasst.

„Ich glaube, das ist es mir wert,“ sagte er.

„Sehr schön!“ Fridolin kam zu ihm und legte einen Arm um seine Schultern, bevor Benedikt ihn zurückhalten konnte. Wieder bemerkte Benedikt, wie warm sein Körper war, obwohl er so leicht bekleidet war. Vielleicht bist du ja die Bergnymphe, schoss durch seinen Kopf, vielleicht, um seine Nervosität zu beruhigen. Das ist echt nicht menschlich.

Fridolin zeigte den Pfad hinauf, dahin, wo der Pfeil zeigte. Sein Atem kitzelte Benedikts Ohr, als er sprach und Hitze schoss in seine Wangen. „Schau, du folgst dem Pfad für etwa zwanzig Minuten. Da gibt’s eine Abzweigung, links nach unten, die führt zu dem Aussichtspunkt. Ganz einfach.“

Fridolin trat zurück und Benedikt konnte wieder atmen.

„Natürlich musss ich als dein selbsternannter Guide trotzdem sicherstellen, dass du heil ankommst und nicht in eine Lawine gerätst.“

Benedikt sah ihn an und fühlte sich merkwürdig leicht. Seine Muskeln schmerzten nicht mehr. Es war fast, als hätte er gerade erst angefangen, zu wandern, motiviert und bereit, sein Ziel zu erreichen. Ein schmales Lächeln erreichte seine Lippen.

„Worauf wartest du dann noch?“, fragte er und begann in die Richtung zu gehen, die Fridolin ihm gedeutet hatte. Keine Sekunde später hörte er Schritte hinter sich und als er zur Seite blickte, war da der nun recht bekannte Fremde. Fridolin.

Es war witzig, wie schnell die Zeit vergehen konnte, wenn du nicht auf sie achtetest. Benedikt erschien es, dass sie kaum ein, zwei Höhenmeter zurückgelegt hatten, bis Fridolin ihre Unterhaltung unterbrach, um ihn anzuweisen, sich links zu halten.

Er erzählte ihm davon, wie es war, hier zu leben, und Benedikt war offen genug, zuzugeben, dass er zwar eine gute halbe Stunde mit dem Auto entfernt lebte, aber das ein oder andere Mal hier gewesen war. Mit Freunden.

Fridolin hatte da wieder so ein merkwürdiges Funkeln in den Augen gehabt, dieses Funkeln, das sagen wollte: das glaub ich dir nicht, mein Freund. Wir wissen doch beide, was wirklich Sache ist.

Er hatte es jedoch nicht gesagt und so war es einfach gewesen, sich auf haarsträubende Geschichten von verschütteten Ski-Fahrern und verlorengeglaubten Kindern zu konzentrieren. Es war schön, mit ihm zu reden. Fridolin hatte eine Art, die es allzu leicht machte, ihm zu vertrauen. Er schaffte es immer, das Gespräch in eine neue Richtung zu lenken, auf eine natürliche, ungezwungene Weise, als wäre er ehrlich interessiert daran, mehr über Benedikt zu erfahren.

Als sich die Bäume lichteten und Benedikt realisierte, dass sie den Aussichtspunkt erreicht haben mussten, war er fast enttäuscht. Nichtsdestotrotz, wenigstens würde er endlich das machen können, weswegen er hier war. Hoffentlich, ohne, dass Fridolin ihm dabei über die Schulter blickte. Irgendwie war ihm das Ganze jetzt noch peinlicher als ohnehin schon. Seine Starrköpfigkeit siegte jedoch und so folgte er dem Weg, der zu einem von einem Zaun gesicherten Abhang führte.

„Danke. Du hast mir wirklich sehr geholfen,“ sagte Benedikt, bevor ihm das Lächeln im Gesicht erstarrte.

„Nicht der Rede wert!“, meinte Fridolin, doch er hörte es kaum.

Der Ausblick war traumhaft, ohne Frage. Die Sonne hatte sich ihren Platz am Himmel erkämpft und ließ den Frost der Bäume leuchten. Hier und da zischte der dunkle Fleck eines Vogels durch die Luft und vervollständigte die menschenleere Idylle.

Doch das war in diesem Moment egal, denn Benedikt sah auch eine Bank. Eine neue Bank, das warme Holz wie frisch geschliffen und nur an den unteren Rändern mit Erdtupfen beschmiert. Weit und breit waren keine Liebesschlösser zu sehen. Benedikt starrte zum Himmel und dann zum Zaun, zu der Bank, und er realisierte noch etwas. Das hier war gar nicht der Aussichtspunkt, den er kannte. Fridolin konnte nichts dafür, aber er hatte ihn zu einem komplett anderen geführt.

„Ist irgendetwas? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen?“

Benedikt schluckte schwer. Der Bolzenschneider kam ihm plötzlich doppelt so schwer vor. Wieso hatte er das Teil nochmal den ganzen Weg über getragen? Jetzt würde er garantiert nicht noch einmal auf die Suche nach dieser verdammten Bank gehen. Das war’s jetzt. Chance vertan.

„Weißt du was,“ murmelte er, von Fassungslosigkeit überwältigt. Jetzt war sowieso alles egal. Sollte Fridolin doch erfahren, worum es ihm wirklich ging. „Mir ist der Valentinstag nicht egal. Ich bin hierhergekommen, um ein altes Liebesschloss zu knacken. Mein Ex-Freund hat mich mit meiner Cousine betrogen.“

Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich Fridolin versteifte. Benedikt rechnete fast damit, dass er wieder einen blöden Spruch brachte, aber Fridolin nickte ruhig mit einem verständnisvollen Ausdruck in den Augen. „Das ist nur fair.“

Benedikt zuckte mit den Schultern. „Und egal. Wie es aussieht, ist die Bank, an der es hing, nicht hier.“

Er ließ seinen Blick über die windzerzausten Wipfel kreisen, sah dann zum graublauen Horizont. Mit einem Seufzen setzte er sich, die Glieder schwer, doch auf eine gute Art und Weise. Er sah in sich und spürte keinen Schmerz. Es war friedlich hier. Ruhig. Vielleicht war es doch richtig gewesen, herzukommen. Vielleicht konnte er mit den Gespenstern der Vergangenheit auch so abschließen. Hier, auf diesem Berg, nach der Unterhaltung mit Fridolin, erschienen sie ihm jedenfalls so entfernt wie nie zuvor.

Fridolin nahm neben ihm Platz. Seine Wärme strahlte zu Benedikt über, vereinigte sich mit dem Sonnenlicht, und ließ ihn denken, es könnte bald Frühling werden.

„Hm… Liebesschloss sagtest du? Benedikt, ich glaube heute ist dein Glückstag. Der Stadtrat hat dir deine Aufgabe abgenommen,“ sagte Fridolin mit einem Grinsen. „Du meinst bestimmt Aussichtspunkt A2. Da waren immer jede Menge Pärchen und jede Menge Schlösser. War auch die einzige Metallbank, bei der das überhaupt möglich war. Es gab großes Geschrei, als festgestellt wurde, dass die Erde unter dem Abhang zu porös und der Aussichtspunkt damit zu gefährlich war. Die Bank wurde kurz vor Weihnachten geschrottet.“

Benedikt hob die Augenbrauen, ließ die Worte in seinem Gehirn ankommen, und fing an zu lachen. Zuerst war es nur ein leichtes Kichern, aber irgendwie fühlte er sich so befreit, dass er kaum aufhören konnte. Da hatte er tatsächlich einen so weiten Weg auf sich genommen, nur um zu erfahren, dass da gar keine Aufgabe mehr auf ihn wartete. Das Schloss war längst im Müll, längst vergessen von allen außer ihm. Vielleicht sollte er das nun auch tun.

Benedikt lächelte. Er fühlte sich, als wäre ein Gewicht von seiner Schulter gefallen. Obwohl… vielleicht war dieses Gewicht schon vorher nicht mehr da gewesen. Er blickte zu Fridolin – und stockte. Ihre anfängliche Konversation zuckte durch seine Erinnerung.

„Warte… ich habe dir gesagt, dass ich eine Metallbank suche.“

Fridolins Wangen flammten auf, doch er schien sich dessen bewusst zu sein. Sein Grinsen vertiefte sich, genau wie das Funkeln seiner Augen. Seine Zähne blitzen im Sonnenlicht, als er sprach.

„Kann schon sein,“ meinte er, ohne den Blick abzuwenden. „Vielleicht habe ich ganz genau gewusst, weswegen du hier warst, seit du sie erwähnt hast. Vielleicht habe ich schon viele zerbrochene Herzen hier hochwandern sehen, einen Bolzenschneider im Rucksack.“

Benedikt verengte die Augen, doch er konnte nicht böse sein. Eher enttäuscht. „Das heißt du führst sie alle hierher? Wie viele Herzen hast du schon geheilt?“

Fridolin zuckte mit den Schultern. „Eigentlich war da nur eine Person… und ein Herz. Hoffe ich.“

Mit diesen Worten lehnte er sich vor und drückte seine Lippen gegen Benedikts. Sie waren sanft, und warm. Doch das war keine Überraschung mehr. Benedikts Lippen kribbelten noch lange, nachdem sich Fridolin gelöst hatte. Sein Gesicht brannte. Seine Augen waren weit. Er atmete zittrig aus, dann ein.

Und lächelte.

~
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast