Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Yu gonplei ste odon

von Afaim
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Bellamy "Bell" Blake
13.02.2021
13.02.2021
1
10.950
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
13.02.2021 10.950
 


Yu gonplei ste odon





Vorbemerk: Nachdem ich die ersten sechs Staffeln von „The 100“ sehr geliebt habe, waren Staffel 7 im Allgemeinen und das Finale im Speziellen vorsichtig formuliert eine ziemliche Enttäuschung für mich (Ich könnte meine wahren Gefühle auch noch ganz anders umschreiben). Zu Beginn war es vor allem merkwürdig, aber mit dem Ende von 7x13 hat die Serie sich selbst ruiniert. Dieser Moment war der Haisprung, von dem sich „The 100“ innerhalb der drei darauffolgenden Folgen auch nie mehr erholt hat. (Und es hilft auch nichts, dass wir wissen, dass dieses Ende und die danach kommenden Folgen offenbar umgeschrieben wurden, aber zumindest erklärt uns das einiges). Das Finale selbst war dann zu allem Überfluss auch noch eine ziemliche Katastrophe mit vielen widersprüchlichen Botschaften. Die große moralische Lehre des Finales, die es laut JR hätte geben sollen, wurde nicht wirklich deutlich, da es viel zu viele Widersprüche gab, und ich will gar nicht erst damit beginnen mich über die Strandszene auszulassen, die einfach hinten und vorne nicht funktioniert hat.

Auf jeden Fall ist das mein Versuch zumindest ein wenig von der Katastrophe in Ordnung zu bringen. Es ist eher ein halbgares Fix-It - für ein wirkliches Fix-It hätte ich im Grunde die ganze 7. Staffel und die Teile der 6., die diese vorbereiten, umschreiben müssen, und dafür konnte ich einfach keine Motivation finden, weil ich mich dazu noch einmal näher mit Staffel 7 auseinandersetzen müsste. Vielleicht später mal.

Also ist hier im Prinzip alles Canon, was am Bildschirm zu sehen war, aber Bellamys Reise ist nicht mit 7x13 zu Ende, und ich habe hier ein wenig mehr Sinn in ein paar Dinge hinein getretconned, und die größten Widersprüche des Finales (und der Staffel im Allgemeinen) problematisiert oder zumindest angesprochen, und habe versucht das zu betonen, was ich im Grunde als die wirklich wichtige moralische Lehre von „The 100“ ansehe. Ob es das ist, was JR gemeint hat, sei dahin gestellt, aber diese Fic endet zumindest mit der Szene und der Moral, mit der die Serie hätte enden sollen.



Pairings: Impliziertes Bellarke, ansonsten Canon Pairings Becho (ist nun mal leider Canon), Levtavia, Memori, Miller/Jackson, und Hope/Jordan

Warnings: Fix-It, aber trotzdem ist im Grunde alles passiert, was im Canon passiert ist, Spoiler für alle Folgen, Gewalt (es ist The 100“), Erw. von Character Death, Erw. von Kannibalismus, die komischen transzendierten Aliens sind sehr präsent, Diskussionen über moralische Fragen (es ist „The 100“), Depression, angeknackste Psyche (mehrfach), Geister, Lexa wird nur ein einziges Mal in dieser Fic erwähnt und das in keinen romantischen im Zusammenhang mit Clarke



Disclaimer: „The 100“ gehört nicht mir, sondern Jason Rothenberg, Kass Morgan, The CW und diversen anderen Leute, mit denen ich nichts zu tun habe. Ich spiele nur auf ihrer Wiese.



There are no good guys.“ – Clarke Griffin, The 100 5x01 „Eden“



Bellamy. Bellamy. Wach auf!

Er schlug die Augen auf. Zumindest dachte er, dass es das war, was er tun würde. Aber … Moment, das ist alles … falsch. Clarke hatte auf ihn geschossen, nein, falsch, sie hatte nicht nur auf ihn geschossen, sie hatte ihn erschossen. Hatte ihn direkt ins Herz geschossen. Sie, seine engste Freundin, der Mensch, der ihm nächsten stand, zuletzt näher als seine eigene Schwester, sie, für die er alles getan hätte – getan hatte – sogar noch mehr als für Octavia, sie, für die er alles riskiert hatte, wieder und wieder, sie, die er als einziger niemals aufgegeben hatte, von der er sich nie abgewandt hatte, und die er sogar zurück ins Leben geholt hatte, hatte ihn erschossen, getötet, einfach nur deswegen, weil sie nicht darauf vertraute, dass er Madi beschützen würde. Einfach nur weil sie nicht an ihn glaubte, weil sie ihm nicht vertraute.

Er hatte gewusst, dass die anderen es nicht verstanden, dass sie denken würden, er hätte den Verstand verloren, dass sie von ihm enttäuscht wären. Er hatte das alles in Octavias und Echos Augen gelesen. Und in Ravens. Sogar in Murphys, der nicht einmal wusste, worum es eigentlich ging. Doch keiner von ihnen hätte ihn deswegen getötet, das wusste er, keiner von ihnen hätte ihn so vollkommen …. aufgegeben. Und ausgerechnet Clarke, die ihn besser verstand als irgendjemand sonst auf den Welten, ausgerechnet sie, hatte ihn vollkommen aufgegeben.

Du wusstest, dass du Opfer bringen würden müsstest.

Ducette hatte es ihm auf Etherea gesagt, und Bellamy hatte es damals nicht hören wollen, obwohl er schon da gewusst hatte, dass es wahr war: „Das Problem ist nicht, dass du andere liebst, es ist die Art und Weise, auf die du sie liebst“, hatte er Bellamy erklärt, und Bellamy wusste, dass das der Wahrheit entsprach, jetzt erkannte er das deutlicher als jemals zuvor – wer auf die falsche Art und Weise liebte, für den gab es keine Grenze um diejenigen, die er dachte zu lieben, vor Schaden zu bewahren. Für den gab es immer diejenigen, die er mehr liebte als alle anderen, und für die er alle anderen opfern würde.

Bellamy war immer bereit gewesen alles und jeden für Octavia zu opfern. Bis er sie nach Jahren wiedergesehen hatte und erkennen musste, dass die Schwester, die er einst beschützt und aufgezogen hatte, durch eine Fremde ersetzt worden war. Doch selbst da hatte er nicht aufhören können sie zu lieben, hatte nicht getan, was getan werden musste, weil er es nicht konnte, weil er zu schwach gewesen war.

Um den Rest seiner Familie, den Rest der Menschheit, zu retten, hatte er sich letztlich von ihr abgewandt, sich gegen sie entschieden, und für alle anderen, aber trotzdem wäre er niemals so weit gegangen sie umzubringen, zumindest hoffte er das. Selbst als er sie auf Sanctum ausgesetzt hatte, hatte es wie Echo richtig gesagt hatte, immer eine Chance gegeben alles wieder rückgängig zu machen, sie zurückzuholen, sie wieder aufzunehmen und ihr zu verzeihen. Das Exil war Strafe gewesen, eine Strafe, auf die der Tod folgen konnte, aber nicht musste. Dieses eine Fenster hatte sich Bellamy offen gelassen, dieses eine, das alles ändern könnte. Und er wusste, dass er den Menschen, den er so lange Zeit mehr als alle anderen geliebt hatte, für den er bereit gewesen war den Kanzler umzubringen, opfern musste um die gesamte Menschheit zu retten. Weil er gelernt hatte, mit dem Kopf und den Herzen zusammen zu denken anstatt nur mit den Herzen. Clarke hatte das von ihm verlangt, also hatte er es gelernt. Und letztlich war er nicht nur bereit gewesen Octavia zu opfern, er war bereit gewesen Echos Liebe, Ravens Zuneigung, sogar Clarkes Freundschaft zu opfern um die gesamte Menschheit zu retten.

Weil er auf Etherea gelernt hatte, dass es falsch gewesen war Octavia opfern zu wollen um alle anderen zu retten, und dass er stattdessen einen Weg hätte finden müssen sowohl Octavia als auch alle anderen zu retten. Und genauso war es gekommen, ein Wunder war geschehen, die Anomalie war geschehen, hatte ihm seine Schwester zurückgegeben, hatte ihm die alte Octavia zurückgebracht. Und trotzdem musste er sie wieder einmal enttäuschen um die gesamte Menschheit zu retten. Und er war dazu bereit gewesen.

Nicht weil er sie nicht mehr lieben würde, sondern eben weil er sie so sehr liebte. Das war es, was Octavia, Echo, Raven, und Clarke nicht verstanden, was Miller nicht verstand, genauso wenig wie Jordan oder Niylah. Was Murphy niemals verstanden hatte und vielleicht auch niemals verstehen würde: Dass Liebe nur dann rein war, wenn sie selbstlos war.

Bellamy selbst hatte lange gebraucht um es zu verstehen, er machte den anderen keinen Vorwurf daraus, aber selbstlose Liebe bedeutete auch, dass man das tun musste, was für alle anderen am besten war, nicht nur für manche von ihnen, und nicht nur im augenblicklichen Moment. Um die Transzendenz zu erreichen, um ihrer würdig zu sein, musste man loslassen, musste man seine Ängste und Zweifel hinter sich lassen und darauf vertrauen, dass alle Menschen seine Liebe verdienten, nicht nur ausgewählte. Man musste darauf vertrauen, dass in allen Menschen Gutes war, das im Ende obsiegen würde. Und man musste sie alle retten, jeden einzelnen von ihnen.

Wann immer man die Wahl zwischen wenigen und allen hatte, dann musste man sich, egal wie schwer es einem fiel, für alle von ihnen entscheiden und das tun, was für alle am besten war. Wahre Liebe zeigte sich dadurch, dass sie keine Besitzansprüche stellte, und selbstlos war. Bellamy durfte keine anderen Menschen mehr töten um Octavia oder Clarke zu retten. Doch er hätte niemals zugelassen, dass Madi ein Leid widerfuhr. Immerhin liebte er auch Madi. Aber wenn sie wusste, wie die Menschheit transzendieren konnte, dann musste diese Information mit allen geteilt werden.

Clarke hatte das anders gesehen, befürchtet, dass Madi gefoltert werden würde, dass man ihr Gehirn auseinander nehmen würde auf der Suche nach ihrem verborgenen Wissen, das sie irgendwie von der zerstörten Flammen zurückbehalten hatte. Sie hatte nicht erkannt, was Bellamy wusste, dass Madi alles getan hätte, um alle, die sie liebte, um alle Menschen, zu retten, dass Madi ihr Wissen freiwillig geteilt hätte, und dass Bellamy ihr dabei zur Seite gestanden hätte, jede Sekunde lang, und nie zugelassen hätte, dass ihr dabei weh getan werden würde.

Doch Clarke liebte Madi mehr als ihn, hatte ihn aufgegeben, liebte Madi nicht selbstlos, sondern egoistisch. Es war noch nicht allzu lange her, da hatte er dieses Verhalten verteidigt. „Eine Bärenmutter denkt nicht nach, sondern verteidigt ihr Junges“, hatte er gesagt, und außerdem gemeint, dass die anderen das eines Tages verstehen würden. Dass sie ihr eines Tages verzeihen würden, dass sie bereit gewesen war ihn dem Tod zu überlassen.

Doch es bestand ein Unterschied dazwischen jemand dem Tod zu überlassen und jemanden aktiv umzubringen. Clarke hatte die letzte Grenze überschritten, die man wegen der falschen Art der Liebe überschreiten konnte, sie hatte nicht nur einen anderen für die Person, die sie am meisten liebte, geopfert, sie hatte zwischen zwei Personen, die sie liebte abgewogen, und sich dazu entschlossen, dass am Ende nur eine von diesen beiden ihre Liebe verdient hatte. Sie war zu Mörderin geworden, war von jemand, der mordetet, weil es keine andere Wahl zu geben schien, zu jemanden geworden, der mordete, weil es einfacher war als nach einer Alternative zu suchen.

Damals als er sie zurückgelassen hatte um die anderen zu retten, hatte er sie verloren, das wurde ihm jetzt bewusst. Er hatte damit die Frau getötet, die er geliebt hatte, er hatte ausgelöscht wer sie zuvor gewesen war, weil sie in der Folge nur noch einen anderen Menschen um sich gehabt hatte, und es deswegen von da an nur für sie noch auf diesen einen anderen Menschen ankam. Sie hatte ihm versprochen, dass sie nicht noch einmal darauf vergessen würde, dass auch er ihre Familie war, doch sie hatte es vergessen. Schon wieder.

Vielleicht weil sie Abby verloren hatte und fürchtete, was aus ihr werden würde, wenn sie auch noch Madi verlieren würde. Doch während er, dadurch, dass er zur Erde gekommen war, gelernt hatte mehr Menschen als nur diesen einen zu lieben, hatte sie auf der Erde gelernt nur noch einen Menschen zu lieben.

Bellamy wusste, dass es seine Schuld war. Dass er sie niemals hätte zurücklassen dürfen. Damals nicht während Praimfaya, und auch nicht nach Abbys Tod. Er hatte Octavia und der Anomalie die Priorität eingeräumt, hatte wieder einmal einen Menschen, den er liebte, einem anderen vorgezogen. Und dadurch hatte er sie verloren. Und nun würde sie niemals transzendieren. Und wäre niemals dazu in der Lage die Menschheit zu retten.

Er wusste, dass sie es sein würde, die geprüft werden würde, weil es letztlich immer Clarke Griffin war, die über das Schicksal der Menschheit entschied. Aber er wusste auch, dass sie versagen würde. Seinetwegen. Weil sie dieses eine Mal zu weit gegangen war, weil sie sich den Mord an ihm niemals würde verzeihen können, und weil sie versuchen würde ihn zu rechtfertigen und mit ihm klar zu kommen, indem sie Madi und alle anderen, die es ihrer Meinung nach verdienten, aggressiver als jemals zuvor beschützen würde, um nicht Gefahr zu laufen noch jemanden zu verlieren.

Sie würden denken, dass der letzte Krieg ein wirklicher Krieg war. Sie würde weiter morden. Und damit würde sie die Menschheit zum Untergang verdammen.

Cadogan hätte sie vielleicht zur Transzendenz führen können, auch ohne Bellamy an seiner Seite, doch Clarke würde das nun niemals zulassen. Sie würde Cadogan als den Grund dafür ansehen, dass sie Bellamy verloren hatte. Und Cadogan würde in ihr nun erst recht eine Feindin sehen und alles versuchen um Madi an sich zu bringen ohne Rücksicht auf Verluste, und dadurch würden noch mehr Menschen sterben. Ohne Bellamy dort um Madi zu beschützen, ohne Ducette dort ….

Ducette ist auch tot. Sie hat ihn ebenfalls umgebracht. Daran wollte Bellamy nicht denken, daran konnte er nicht denken, denn das tat fast noch mehr weh, als die Tatsache, dass sie ihn getötet hatte. Dass sie den Mann getötet hatte, der ihn gerettet hatte, der ihm die Augen für die Wahrheit geöffnet hatte. Und den Bellamy wiederum die Augen für die tatsächliche Wahrheit geöffnet hatte.

„Ich weiß es jetzt, und du weißt es auch, dass der letzte Krieg keine Art Krieg ist, wie die Menschheit sie kennt, dass er eine Metapher ist, für den einzig wahren Krieg, den Krieg gegen seine eigenen falschen Impulse. Es ist eine Prüfung. So wie unsere Pilgerfahrt eine Prüfung war.“ Sie hätten hier gemeinsam stehen müssen um diesen Prüfung zu bestehen. Vereint – die Jünger mit Sanctum und den Überlebenden der Erde.

Das war der Plan gewesen. Bellamy wäre der Heilsbringer gewesen, und Ducette sein Oberster Jünger. „Ich weiß es ist nicht einfach, aber vergiss nicht, wir tun es für die gesamte Menschheit“, hatte Ducette ihm eingeschärft, „Und du darfst kein Wort sagen. Deine Freunde hätten fast ganz Bardo ausgelöscht. Jedes ihrer Worte wird überwacht, du darfst nicht andeuten, was gegen den Heilsbringer ausgelegt werden könnte. Die anderen wissen noch nicht, dass er nur Johannes der Täufer war, du aber der Erlöser bist. Ich werde es ihnen beibringen, aber bis sie soweit sind, müssen wir vorsichtig sein, Bellamy.“

Und sie waren vorsichtig gewesen. Zu vorsichtig. Und nun waren sie beide tot.

Aber wenn ich tot bin, wo bin ich dann gelandet? Ist das ... die Unterwelt? Bellamy blickte sich nach Monty und Harper um, nach Jasper und Kane, nach Abby, nach Monroe, nach Maya, nach seiner Mutter. Doch keiner von ihnen war hier.

Du bist nicht tot, Bellamy.

Das, so erkannte er jetzt, war nicht seine eigene Stimme. Sie klang nur so ähnlich.

Ist das hier besser? Da stand sie wieder vor ihm. Seine Mutter, er erkannte sie sofort. Er wusste, dass sie es war, zugleich war sie es aber auch nicht, auch das wusste er. Das hier war nicht Aurora Blake. Sie konnte es auch nicht sein, denn er war nicht tot. Es war wie damals auf … Etherea….

Ja, genau Etherea. Du warst dort, wurdest geprüft, und wurdest für würdig befunden, weißt du das nicht mehr?, sagte Nicht-Aurora.

Tatsächlich wusste er davon rein gar nichts mehr. „Ich verstehe nicht. Wenn das damals … wenn das die Prüfung gewesen wäre, und ich sie abgelegt hätte, und ich sie bestanden hätte, dann hätte die gesamte Menschheit schon damals aufsteigen müssen“, erwiderte Bellamy.

Er sprach nicht wirklich, es erschien ihn nur so als würde er sprechen, das wusste er, doch er klammerte sich an die Illusion, so wie er sich an das Abbild seiner Mutter mitten auf dieser Terrasse unter dem Sternenzelt, auf der er sich befand, klammerte, obwohl er wusste, dass beides nicht wirklich so aussah, wie es ihm erschien.

Du hast nicht die Prüfung für deine Spezies gemacht, du hast die individuelle Prüfung gemacht. Ohne den Code werden keine Spezies geprüft, nur einzelne Individuen, wenn sie es wünschen. Erinnerst du dich wirklich nicht?

Langsam erinnerte er sich, und es schien ihm so klar zu sein. Diese Wesen, die Transzendierten, er hatte sie getroffen, sie waren ihm in der Form seiner Mutter erschienen, hatten ihn geprüft, und er hatte bestanden. Du hast zum ersten Mal gebetet, und der Himmel ist aufgeklärt.

„Ich erinnere mich“, gab er zu, „Ihr habt mir gesagt, dass ich nun transzendieren kann, mich euch anschließen kann, aber ich wollte erst aufsteigen, wenn der Rest meines Volkes das auch kann.“

Also haben wir dir gesagt, dass du zurückgehen sollst, dein Volk vorbereiten sollst, und dann mit dem Rest deines Volkes transzendieren wirst, oder falls du zuvor umkommen solltest….

… im Moment meines Todes automatisch transzendieren werde“, vervollständigte Bellamy den Satz, „Ja, ich erinnere mich.“

Dazu war er nun endlich in der Lage. Er war der Auserwählte gewesen, derjenige, der dazu ausersehen gewesen war die Menschheit zum letzten Test zu führen. So wie Cadogan vor ihm. Nur, dass Cadogan damals den Test verweigert hatte, weil er ihn nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Menschheit hatte ablegen wollen. Sie hatte ihm gesagt, dass er dafür den Code benötigte. Und das hatte alles in Gang gesetzt. Hatte zum Hier und Jetzt geführt.

„Was ist geschehen?“, wollte er wissen, „Die Prüfung, der Test, haben wir ihn bestanden?“

Die Menschheit hat bestanden, sie ist aufgestiegen und wurde zu einem Teil von uns. Gerade jetzt, während wir sprechen, sind wir dabei von ihr zu lernen. Das alles ist geschehen, während du damit beschäftigt warst deinen eigenen Aufstieg zu verarbeiten. Du standest unter Schock, als du gestorben bist. Dein biologisches System war darauf ausgelegt aufzusteigen, doch ein Teil von dir hat sich geweigert, selbst nachdem sich dein Körper aufgelöst hat, bist du in einer teilweise noch menschlichen Form festgesteckt. Sogar jetzt bist du noch nicht vollkommen transzendiert, ein Teil von dir weigert sich immer noch zu uns zu kommen, erklärte ihm Nicht-Aurora, Deine fehlenden Erinnerungen sind nur ein Symptom von deinem momentanen Zustand.

Bellamy hätte gerne geantwortet, dass er verstand, doch in Wahrheit verstand er nicht. Nicht vollkommen. Aber er wusste, dass er unter Schock stand, immer noch nicht glauben konnte und wollte, was Clarke getan hatte. Doch zu hören, dass es ohne Konsequenzen geblieben war … das beruhigte ihn, brachte ihn wieder zu Sinnen.

„Also sind sie alle hier? Sind zu einem Teil von euch geworden? Clarke, Madi, Raven, meine Schwester, und all die anderen?“, vergewisserte er sich und wollte nicht „Sogar Murphy?“ hinzufügen, weil das Murphy nicht gerecht werden würde.

Nicht-Aurora schien zu zögern. Die gesamte Menschheit ist transzendiert. Mit Ausnahme von Clarke Griffin.

„Was? Wieso? Ich dachte der Sinn des Codes ist, dass sich die gesamte Spezies euch anschließen kann, Verfehlung der Einzelnen hin oder her!?!“, entfuhr es Bellamy ungläubig.

Clarke Griffin hat die Prüfung nicht bestanden, der Rest der Menschheit hat das schon. Raven und Octavia haben uns dazu erweicht die Menschheit transzendieren zu lassen, obwohl Clarke zu diesem Zeitpunkt bereits durchgefallen war, sagte Nicht-Aurora.

Bellamy hatte es gewusst, aber er wollte es trotzdem nicht wahr haben. „Aber ihr habt alle anderen aufsteigen lassen“, argumentierte er, „Sie aber nicht? Das ist doch nicht fair?!“

Nicht-Aurora schüttelte den Kopf. Ihre Schandtat war zu groß. Wir konnten sie nicht aufnehmen, können das niemals tun.

„War der ganze Sinn des Codes nicht entweder alle oder keiner?“, hielt Bellamy dagegen.

Sie hat während der Prüfung einen anderen Kandidaten ermordet, Bellamy. Sie wusste, dass es sich um einen Charaktertest handelt, und hat trotzdem wissentlich Rache genommen. Sie hat selbst zugegeben, dass das der Grund für ihre Tat war. Es war nicht um die Prüfung selbst ablegen zu können, dafür hätte sie nicht morden müssen. Es war um das auszuüben, was sie Gerechtigkeit nennt, in Wahrheit aber nur ihren Blutdurst befriedigt hat. Sie hat auch dich ermordet, Bellamy, obwohl es andere Möglichkeiten gab. Du solltest unsere Entscheidung verstehen, meinte Nicht-Aurora.

„Ich bin sicher, dass sie einen Grund dafür hatte das zu tun“, beharrte Bellamy.

Gründe zählen nicht, Entscheidungen zählen. Jeder hat immer seine Gründe. Es kommt auf die Entscheidungen an, die man auf ihnen basierend trifft. Clarke hat entschieden zu morden, während der moralische Wert der Menschheit untersucht wurde. Das können wir nicht belohnen. Wir haben ganze Spezies wegen kleineren Verfehlungen ausgelöscht.

Bellamy schwieg. Er suchte nach Worten. „Aber wenn sie als einziger Mensch noch übrig ist ... dann ist sie … ganz alleine“, meinte er, „Ihr habt recht, sie kann für ihre Taten nicht belohnt werden, aber sie auf diese Weise zu bestrafen? Ist das nicht unglaublich hart?“

Sie ist nicht alleine. Ein Teil eurer Spezies hat sich dazu entschieden in ihre körperliche Form zurückzukehren und den Rest ihres Lebens mit ihr zu verbringen, teilte ihm Nicht-Auora mit.

Bellamy war unglaublich erleichtert das zu hören. „Dann ist sie also nicht alleine“, stellte er fest, „Dann hat sie immer noch Madi, und Raven, und all die anderen…“

Madi Griffin hat sich entschieden nicht das letzte Kind auf Erden zu sein und stattdessen bei uns zu bleiben, lautete die Entgegnung, Aber ja, Raven Reyes, deine Schwester Octavia, deine Partnerin Echo, und deine restlichen Freunde haben sich dazu entschieden uns zu verlassen und sich Clarke anzuschließen.

Bellamy runzelte die Stirn, obwohl er wusste, dass er das nicht wirklich tat. „Aber warum ist Madi nicht mit den anderen gegangen?“, wunderte er sich.

Weil sie niemals mit anderen Kindern zusammen sein könnte. Und ihre Freunde nie mehr wieder sehen würde.

„Wie meint ihr das?“

Nach der Rückkehr in die körperliche Form können sie sich uns nie mehr wieder anschließen. Sie sind wieder in der Lage dazu zu sterben, werden nach ihrem Tod aber nicht wieder zu uns zurückkehren. Die Transzendenz ist eine einmalige Sache. Man kann sie rückgängig machen, wir lassen allen die Wahl, aber wer einmal ablehnt, nicht um mehr Zeit bittet vor der Prüfung oder dem Aufstieg selbst, sondern wer ablehnt, kann nie wieder aufsteigen. Der biologische Organismus, den sie sich wiederhergestellt haben, ist dazu nicht ausgelegt.

Bellamy glaubte nicht was er da hörte. Bedeutete das, dass nicht nur Madi und Clarke einander nie wieder sehen würden, sondern auch, dass Clarke, Raven, Octavia, Echo, und wer immer sich ihnen noch angeschlossen hatte, niemals wieder mit denen, die transzendiert waren, vereint werden würden?! Das war nicht fair. Andererseits wenn man sich einen Körper irgendwie neu baute, dann mussten viele Dinge anders sein als vorher, nicht wahr?

„Moment, wartet, dieser wiederhergestellte biologische Organismus … was genau kann der noch alles nicht?“, wollte er wissen, „Kann er noch … essen und trinken und andere Körperfunktionen ausführen?“

Du bist klug, Bellamy, deswegen haben wir dich immer gemocht. Ja, du hast recht, wer zurückkehrt in seine körperliche Form ist nicht mehr das, was er zuvor gewesen ist. Clarke Griffin ist der letzte noch lebende Mensch. Die anderen haben sich Faksimile ihrer alten Körper neu erschaffen. Sie sind nicht mehr zur Fortpflanzung fähig. Und was die anderen Körperfunktionen angeht … das kommt darauf an, wie sie sich neu programmiert haben.

„Aber Jordan, Jordan war noch so jung, vielleicht wollte er Kinder! Und Hope, sie genauso. Und Murphy und Emori. Ich weiß, dass sie immer Kinder wollten“, sagte Bellamy erschrocken, „Und jetzt sagt ihr mir, dass sie sich nie mehr fortpflanzen können, und wer weiß zu was noch allem nicht mehr fähig sind?!“

Sie wussten worauf sie sich eingelassen haben. Es war ihre Entscheidung trotzdem zurückzukehren, meinte Nicht-Aurora, Sie wollten unbedingt bei Clarke sein.

Das war nicht der Punkt. „Wie kann es eine Rückkehr sein, wenn sie nicht mehr sie selbst sind? Die Menschheit … ihr habt sie ausgerottet. Genauso effektiv als ob ihr sie alle umgebracht hättet“, meinte Bellamy erschüttert, „Wenn Clarke stirbt, dann ist der letzte Mensch gestorben. Aber was ist mit O und den anderen? Altern sie noch? Erlöscht ihre Zellfunktion noch? Werden sie auch nach Clarkes Tod immer noch so aussehen wie jetzt?“ Bellamy schauderte bei dem Gedanken, was sie alles geopfert könnten haben.

Sie haben sich selbst rekonstruiert, aber daran haben sie gedacht. Sie haben ihre Lebensspanne an die von Clarke gebunden. Sie altern zusammen mit Clarke. Und wie bei allen fleischlichen Leben, werden sie alle irgendwann ihren natürlichen Endpunkt erreichen und aufhören zu existieren, lautete die Antwort, Sie wollten das, Bellamy. Mehr als alles andere. Und ja, es wird nach Clarkes Tod keine Menschen mehr geben. Aber ist das wirklich so schlimm? Hat Jasper nicht gesagt, dass die Menschen das Problem sind? Hast du das tief in dir nicht auch geglaubt, und bist du nicht genau deswegen darauf aus gewesen den ewigen Kreislauf der Gewalt zu beenden?

Bellamy schüttelte den Kopf, ohne es wirklich zu tun. „Ja, das war ich. Aber ich wollte nicht, dass es so endet. Ich wollte, dass wir alle aufsteigen, und nicht, dass Clarke zurückbleiben muss, und die anderen alles opfern um bei ihr zu sein“, meinte er.

Sie hielten es für kein großes Opfer. Sie fanden, dass Clarke in der Vergangenheit so viel für sie geopfert hat, dass es nur richtig ist, dass sie jetzt im Gegenzug dazu etwas für sie opfern, erwiderte Nicht-Aurora, Das hier war das beste Ende, das sich aus dieser Situation ergeben konnte.

Nein, das war es nicht. Das wusste Bellamy mit Sicherheit. Er konnte spüren wie sein Ich, sein Geist, sich mit dem der anderen Transzendierten verband. Wie er nun wusste, was die anderen wussten. Er konnte die Vorwürfe hören, die Clarke der Richterin gemacht hatte, und er wusste, dass sie wahr waren. Nicht nur, dass es nicht das beste Ende war, nein, es nicht einmal ein Ende, das sich irgendjemand hätte aussuchen können.

„Ihr, ihr habt dafür gesorgt, dass es so enden muss. Mit der Auslöschung der Menschheit. Und vielleicht habt ihr ja recht, vielleicht hatte Jasper recht, und wir waren das Problem und der Rest der Galaxis ist ohne uns besser dran, aber ihr habt das für uns entschieden. Genau wie für alle anderen Spezies, die ihr getestet habt. Ihr habt das Artefakt auf der Erde und all den anderen Planeten hinterlassen, das die Brücke bildet, und die Bewohner dieser Welten letztlich zu euren Test führt. Und egal ob diese Bewohner diesen nun bestehen oder nicht, es ist das Ende für sie. Entweder ihr vernichtet sie, weil sie versagt haben. Oder ihr nehmt sie auf, macht zu einem Teil von euch, und sie werden zu etwas anderem. Und selbst wenn sie sich entscheiden zurückzukehren und wieder zu Fleisch zu werden, können sie nie mehr das sein, was sie zuvor waren, können sie sich nie mehr fortpflanzen. Ihr habt von Anfang an dafür gesorgt, dass es so enden wird. Und ja, ihr zwingt niemanden zu eurer Prüfung, aber es wird immer – immer – einen Bill Cadogan geben, oder jemanden wie mich, der sein Volk zu euren Test führen wird, dafür habt ihr gesorgt“, sagte Bellamy bitter, „Ihr habt den Grundstein für das Ende aller Völker unseres Brückensystems gelegt, und wer weiß für wie viele andere Völker in anderen Systemen ebenfalls.“

Er konnte sie vor seinem geistigen Auge sehen. All die Völker, die geprüft wurden, die assimiliert oder vernichtet wurden. Keines von ihnen hatte je eine Chance gehabt.

Nicht-Aurora musterte ihn mit ehrlicher Verblüffung. Wir verstehen nicht, Bellamy. Du wolltest, dass dein Volk sich uns anschließt. Du wolltest, dass der Kreislauf der Gewalt endet. Dass ihr leben könnt anstatt nur zu überleben. Dass ihr endlich Frieden habt. Zueinander findet und ein Volk werdet. Und genau das ist geschehen. Ja, es gab einen Preis. Aber Veränderung, Entwicklung, fordert immer einen Preis.

Damit hatten sie recht, mit allem davon, aber sie übersahen eine wichtige Sache. „Ja, ich wollte es, ich wollte, dass wir alle transzendieren. Ich wollte, dass wir besser werden, Frieden finden, und es endlich keinen Krieg mehr gibt. Ich wollte, dass keiner von uns jemals wieder entscheiden muss wen und was er opfert um andere zu retten. Aber als ich das alles wollte, da dachte ich, dass ihr anders seid“, erklärte er ihnen, „Da dachte ich, dass ihr gut seid. Aber Clarke hatte Recht, nicht wahr? Es gibt keine Guten. Ihr seid nicht gut, ihr seid nicht besser als wir es waren. Ihr haltet euch nur dafür.“

Nicht-Aurora schüttelte den Kopf. Dein Schmerz, mein wunderschöner Junge, ist tief, das spüren wir, auch wenn wir es nicht verstehen. Aber genau deswegen tun wir doch die Dinge, die wir tun, weil wir besser werden wollen, weil wir verstehen lernen wollen. Vielleicht hast du recht, vielleicht ist es keine Wahl, nicht wirklich zumindest. Aber wenn du uns hilfst, wenn du bei uns bleibst, dann können wir vielleicht zusammen herausfinden wie wir es zu einer wirklichen Wahl werden lassen können, meinte sie dann.

Wenn du bei uns bleibst. Sie wussten es natürlich, wussten es genauso gut wie er es wusste. Wussten, dass er nicht bleiben konnte. Dass er niemals bleiben könnte, selbst, wenn die Dinge anders gelaufen wären und alle transzendiert wären.

„Ich kann kein Mörder mehr sein“, erklärte Bellamy, „Ich wollte zu euch kommen um kein Mörder mehr sein zu müssen. Aber wenn ich bei euch bleiben würde, dann würdet ihr genau das aus mir machen. Schon wieder. Ihr würdet nicht einfach so damit anfangen diejenigen zu verschonen, die bei euren Test durchfallen.“ Das wusste er nun, da er mit ihnen verbunden war, ganz genau.

Was hatte er nur getan? Diese hier waren schon mörderische Aliens gewesen, bevor sie die Menschheit assimiliert hatten, doch nun, nachdem sie Wonkru und die Gefangenen und die Bewohner von Sanctum und Bardo in sich aufgenommen hatten, hatten sie auch alle Mordlust und Dunkelheit von all diesen in sich aufgenommen. So wie sie das jedes Mal in der Vergangenheit getan hatten, wenn sie ein weiteres Volk zu ihrem Kollektiv hinzugefügt hatten, ein Volk, das vor der Wahl Auslöschung oder Transzendenz gestanden hatte, und diese Erfahrung mit sich mitnahm, nachdem es aufgestiegen war, und das nächste Volk, das geprüft werden würde, nicht so einfach würde davon kommen lassen wollen, wenn es in ihm seine eigene Dunkelheit wieder erkannte.

Der Kreislauf aus Tod und Schmerz, aus Krieg und Leid, dem er zu entkommen versucht hatte, er war ihm nicht entkommen, er war nur eine Stufe höher aufgestiegen, von jemanden, der diejenigen tötete, die sich und diejenigen, die er liebte, direkt bedrohten, zu jemanden, der diejenigen tötete, die eines Tages irgendjemand anderen bedrohen könnten.

Wenn du zurückgehst, dann verlierst du das hier. Dann war all dein Leid und Schmerz, deine Qualen, für nichts. Dann bist du wieder Fleisch und wieder den Versuchungen und Gefahren des Fleisches ausgesetzt, rief ihm Nicht-Aurora in Erinnerung.

„Möglich“, gab Bellamy zu, „Aber zumindest besteht die Chance, dass mir niemand mehr über den Weg läuft, dem ich gezwungen bin Schaden zuzufügen.“

Nicht-Aurora wirkte traurig. Wenn du schon gehst, dann geh an einen Ort, an dem du Frieden gefunden hast. Geh nach Etherea, geh nicht zurück zu Erde. Geh nicht zurück zu Clarke Griffin, bat sie ihn, Geh nicht zu der Frau, die dich getötet hat.

„Das muss ich aber. Ihr sagt ihr wollt von mir lernen, dann lernt das hier: Nichts ist wichtiger als Vergebung“, erwiderte Bellamy, „Gerade weil sie mich getötet hat, muss ich zurück zu ihr, und ihr zeigen, dass ich ihr vergebe.“

Das haben die anderen auch gesagt.



Als die Engel aus dem Himmel ausgestoßen worden waren, hatten sie geweint. Bellamy hatte nie wirklich begriffen warum, bis er die Transzendierten verließ. Er glaubte immer noch Madis Umarmung zu spüren, auch wenn es keine Umarmung im eigentlichen Sinn gewesen war, als er sich im verlassenen Bunker wiederfand.

Die anderen waren am Strand, das wusste er, er musste dorthin, musste zu ihnen, doch irgendetwas hatte ihn stattdessen hierher gezogen, hier wiederkommen lassen, hier am Ort, wo alles begonnen hatte und wo alles ein Ende gefunden hatte. Von hier aus hatte Cadogan den Second Dawn nach Bardo geführt, hier hatte Octavia ihre Seele verloren, und hier, das wusste er von Madi, hatte es die anderen nach seinem Tod hin verschlagen, hier war Gabriel gestorben, als letztes Opfer vor der Transzendenz. Und hier an diesem Ort hatten seine Schwester und seine Freunde andere Menschen gegessen.

Bellamy weinte. Was hab ich nur getan? Wie konnte ich einfach … gehen? Alles aufgeben für … das hier? Dieses Mal, das wusste er, war es seine eigene Stimme. Niemand anderer sprach mehr zu ihm. Er war alleine hier. Vollkommen alleine. Er hatte Madi, die Bewohner von Sanctum, Nicki und ihre Leute, und die Jünger verlassen, und war nun wieder ganz alleine, war nun wieder nur Bellamy. Und spürte all den Schmerz, den er gedacht hatte hinter sich zu lassen mit einem Schlag wieder. Allen Schmerz und all seine Zweifel.

Ich habe sie alle zurückgelassen, zurückgelassen bei diesen mörderischen Aliens…. Ich habe denen Madi überlassen….

Aber das hatte er nicht, er hatte sie angefleht mit ihm zu kommen, aber sie hatte abgelehnt, sie alle hatten das. Es würde zu viel kosten, alles aufzugeben, was sie erreicht hatten um wieder Fleisch zu werden, denn wer wieder Fleisch war, der kannte keinen Frieden mehr, der war wieder allem ausgesetzt, das ihn einst gequält hatte, der sah nicht mehr klar, was wirklich war, sah nicht mehr das, was einem selbst und andere ausmachte, sondern nur noch das, was er dachte zu wissen und zu sehen.

Vielleicht können sie sich ja ändern. Vielleicht geling es Madi und den Jüngern und denen, die von den Primes ausgenutzt worden sind, sie zu ändern. Aber wenn nicht …..

was wenn nicht?

Ich war es, der sie dorthin geführt hat. Ich habe die Menschheit ausgelöscht, ich habe sie in die Arme der Aliens geführt… Ihm war als würde er keine Luft mehr bekommen. Wie sollte er weitermachen mit dem Wissen, dass er sein eigenes Volk zum Untergang verdammt hatte?

„Was habe ich dir darüber gesagt wie man weitermacht, wenn man denkt, dass man nicht mehr weitermachen kann?“

Bellamy sah mit tränenverschleierten Augen auf. Weinen konnte er also wirklich wieder. Das hatte er irgendwie wieder hergestellt. Er starrte Marcus Kane an, der neben ihm kniete, beinahe so als wäre er wirklich da. „Man blättert die Seite um, fängt ein neues Kapitel an, ist heute besser als man es gestern war“, murmelte Bellamy.

Kane nickte zufrieden. „Was geschehen ist, ist geschehen. Aber solange du noch weitermachen kannst, kannst du es besser machen“, erklärte er, „Mach es dieses Mal besser, Bellamy.“

Bellamy nickte und rappelte sich mühsam auf. Fand sich auf den Beinen stehend wieder. „Was wenn …. Was wenn sie mir nicht verziehen haben?“, wollte er wissen.

Madi hatte ihm gesagt, dass sie ihn verziehen hatten, dass Octavia sein Vorbild heran zitiert hatte um den Menschen zur Transzendenz zu verhelfen, aber Clarke hatte ihn erschossen! Er wusste nicht, was genau er getan hatte, das so viel unverzeihlicher war als die Dinge, die andere getan hatten, aber offenbar hatten Clarke und Echo und Raven und vielleicht sogar Octavia es so gesehen, dass seine Taten unverzeihlicher waren als all die ihren.

„Dann erkämpfst du dir eben ihre Vergebung. Das hier ist eine neue Welt, oder etwa nicht? Das hier ist nicht mehr die Erde, die wir verlassen haben. Mach es dieses Mal einfach besser.“ Das war nicht mehr Kane. Es war Monty.

Bellamy stöhnte. „Die Erde, sie lebt wieder. Wenn wir gewartet hätten … Monty, du und Harper, ihr habt euch für uns alle geopfert, ihr habt euch für die Menschheit geopfert! Und ich …. ich habe die Menschheit in den Abgrund geführt“, stellte er fest, „Wir alle haben das. Zusammen.“

„Und deswegen willst du jetzt, was? Aufgeben?!“, wollte Monty in steinernen Tonfall wissen, „Aufzugeben und vor seinen Fehlern davon zu laufen ist nicht das Gleiche wie es besser zu machen. Und irgendjemand muss auf Jordan aufpassen. Willst du das etwa Murphy überlassen?“

Bellamy schüttelte den Kopf. „Aber dieser Planet … sie hatten recht … dieser Planet hier hat das Schlimmste in uns allen – in mir – zum Vorschein gebracht“, wandte er ein, „Was wenn das wieder passiert?“

„Der beste Weg eine Sucht zu überwinden ist es ihr nicht nachzugeben.“ Abby stand neben ihm. „Wir kämpfen gegen unsere eigene Dunkelheit und für das, was gut und recht ist, und das jeden Tag. So ist das Leben, nun einmal. Wir kämpfen dafür, solange wir leben. Und du lebst immer noch, Bellamy.“

Aber was, wenn er in Wahrheit lieber tot wäre? Was wenn es besser gewesen wäre, wenn Clarkes Kugel ihn wirklich getötet hätte? Er wusste nicht mehr, was die Transzendierten, was Ducette und Cadogan in ihm gesehen hatten. Und eigentlich war es ihm auch gleich. Wenn er sich selbst ansah, dann sah er jemanden, der gewollt hatte, dass alle schlimmen Taten seines Lebens einen Sinn gehabt hatten, der dann aber hatte erkennen müssen, dass das, was er für den Sinn gehalten hatte, ein falscher Weg gewesen war. Vielleicht wollte er gar nicht mehr weitermachen, nicht umblättern, sich keine Vergebung verdienen, vielleicht wollte er einfach nur die Augen zumachen und nie wieder öffnen.

„Und wer würde dann auf Clarke aufpassen?“ Wells Jaha stand vor ihm, als wäre er niemals weggewesen. „Wer wird das tun, wenn du es nicht machst? Der Kopf und das Herz – diese beiden brauchen einander. Octavia, Raven, sogar Echo – sie sind zurückgekommen, weil sie wissen, dass Clarke jetzt dringender als jemals zuvor jemanden an ihrer Seite braucht, der ihr den richtigen Weg weist.“

Eine Aufgabe. So wie ihm seine Mutter vor all dem Jahren ihr neues Baby in die Arme gedrückt hatte und ihm gesagt hatte, dass es nun seine Aufgabe war sich um dieses Baby zu kümmern. So war es nun seine Aufgabe sich um Clarke zu kümmern. Und um dieses Baby von damals. Und um den Rest seiner Familie: Um Raven, um Echo, und Murphy und Emori. Und irgendjemand musste sich dringend um Miller kümmern, und um Jackson, da diese beiden eindeutig nicht dazu in der Lage waren sich um sich selbst zu kümmern.

„Aber wozu das alles, wenn am Ende keine Erlösung auf uns wartet?“, wollte er wissen.

„Wir tun das Richtige, weil es richtig ist. Nicht weil wir uns davon eine Belohnung versprechen. Denn wenn wir es aus diesen Gründen tun, dann sind wir in Wahrheit eben doch wirklich das Problem. Und willst du mir nach all der Zeit etwa wirklich doch noch recht geben? Nachdem Octavia bewiesen hat, dass ich mich möglicherweise doch irren könnte?“ Bellamy wandte seinen Blick zu Jasper. Ein bitteres Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

„Nein, Jasper“, meinte er, „Am Ende sind nicht wir das Problem gewesen. Es waren unsere Entscheidungen. Und jetzt, da keiner mehr da ist, der darunter leiden kann, wenn wir die falschen treffen, können wir stattdessen vielleicht endlich die richtigen treffen.“

Und dann setzte er sich in Bewegung, durchquerte den Bunker, durchquerte den Wald, und machte sich auf in Richtung Strand.



„Oh, mein Gott! Bellamy?!“ Es war Octavia, die ihn zuerst entdeckte, die auf ihn zugerannt kam und dann verwirrt stehen blieb. „Du bist doch Bellamy, oder?“

Bellamy nickte. „Ja, ich bin es“, meinte er.

Und kaum, dass er fertig gesprochen hatte, wurde er von seiner Schwester auch schon angesprungen und an sich gedrückt. „Aber wie?!“, murmelte sie in seine Haare, „Nur diejenigen, die noch leben können, transzendieren. Das sind die Regeln. Und du warst tot….“

„Die Blakes bleiben nicht lange am Boden“, erwiderte Bellamy als Anspielung auf das, was sie gesagt hatte, als sie auf Bardo zum zweiten Mal wiedervereint worden waren, „Ich bin transzendiert, als ich gestorben bin. Clarke hat das nicht mehr gesehen, weil sie schon weg war. Ich habe nur … ein wenig länger dafür gebraucht als ihr anderen.“

Octavia löste sich von ihm und starrte ihn an. „Eigentlich ist mir gleich wie es sein kann“, meinte sie, „Die Hauptsache ist, dass du zurück bist.“ Dann umarmte sie ihn noch einmal. „Es tut mir so leid, Bell. Alles tut mir so leid. Dass ich auf dich losgegangen bin, nachdem Lincoln gestorben ist. Alles, was ich als Bloodreigna getan habe. Dass ich dich auf Bardo aufgegeben habe. Ich habe so viel Zeit verschwendet….“

„Du bist nicht die Einzige“, meinte Bellamy sofort, „Ich habe auch viele Fehler gemacht. Was zählt ist, dass wir es von jetzt an besser machen.“

Die Geschwister lösten sich wieder voneinander und starrten einander an. Erst jetzt konnte Bellamy so richtig erkennen und zu schätzen wissen wie viel älter und reifer Octavia aussah. Und wie von Frieden erfüllt sie wirkte. Seit sie zur Erde geschickt worden waren, hatte Bellamy seine Schwester nach jenem ersten Tag, als sie noch gedacht hatten die Erde wäre ein friedlicher Ort, nur noch selten gelöst und entspannt gesehen. Selbst in ihren fröhlichsten Momenten war ein gewisser gehetzter Ausdruck in ihren Augen zu erkennen gewesen, doch der war nun verschwunden. Octavia wirkte befreit und glücklich. Sie war nie schöner gewesen.

Inzwischen hatten sich die anderen Bewohner des Strandcamps ihnen genähert. „Bell, das ist Levitt, ich weiß nicht, ob du dich an ihn erinnern kannst….“ Octavia deutete auf den  dunkelhaarigen Jüngers von Bardo, der Bellamy Hand zum Gruß entgegenstreckte. „Wir hatten nie wirklich Zeit uns miteinander zu unterhalten“, meinte der junge Mann zögerlich.

„Ja, ich erinnere mich an dich“, unterbrach ihn Bellamy, der wirklich nicht wollte, dass das Thema Bardo ausgerechnet jetzt wieder aufkam. Octavia nahm Levitts andere Hand in ihre und blickte ihren Bruder einfach nur an. „Ich bin froh, dass du jemanden gefunden hast, der dich glücklich macht, O“, fuhr Bellamy fort.

Auch wenn Levitt sie genau genommen gefoltert hatte, Octavia hatte sie noch nie die Männer ausgesucht, mit denen zusammen zu sein einfach wäre, nein, schon ihre Beziehung zu Lincoln war nicht unbedingt das gewesen, was man als gesund beschreiben würde, und dann war da Illian und was auch immer alles mit ihm gelaufen oder nicht gelaufen war. Und jetzt also Levitt. Aber Bellamy wusste, dass der Mann Octavia geholfen hatte zu entkommen und zu ihm zurückzukehren, und dass er seine eigenen Leute für O verraten hatte, wieder und wieder. Und er selbst hatte Echo verziehen, trotz ihrem Mord an Gina, ihren Versuch Octavia selbst umzubringen, und ihrem Verrat während der Konklave. Also verurteilte er seine Schwester nicht, er freute sich einfach nur für sie.

Octavia lächelte. Dann winkte sie eine blonde junge Frau herüber. „Und du erinnerst dich an Hope“, meinte sie. Ja, so hatte sie auf Bardo ausgesehen, doch Bellamy hatte dort kaum Zeit gehabt mit ihr zu interagieren. Sie wirkte älter als damals auf Sanctum, als sie Octavia nach Bardo geschickt hatte. Bellamy nahm an, dass das mit diesem seltsamen Zeitdilattationsphänomen zu tun hatte, das auf manchen der Planeten, die von der Brücke miteinander verbunden waren, vorherrschte. Ducette hatte ihn auf Etherea davon erzählt, von der Welt, auf der Hope geboren worden war, auf der Octavia so lange zusammen mit Diyoza und dem Mädchen gelebt hatte - der Strafkolonie für die Jünger, die sündigten.

Jordan stand direkt hinter Hope, als würde er über sie wachen. Bellamy lächelte darüber. Also hatte Jordan auch Liebe gefunden, sich von dem Verlust von Delilah erholt, und jemanden gefunden, der ebenso ungewöhnlich aufgewachsen war wie er selbst. „Ich freue mich dich endlich unter normalen Umständen kennenlernen zu können“, sagte er zu Hope. Er erwägte kurz ihr sein Beileid zu Diyozas Tod auszusprechen, verspätet aber doch, doch diejenigen, die sie verloren hatten, nun zu erwähnen wäre keine gute Idee, und noch dazu war Diyoza auf Bardo gestorben. Er nickte Jordan zu. „Jordan.“

Jordan nickte nur zurück. „Bellamy“, meinte er. Er schien Bellamy nichts vorzuwerfen, sondern sich einfach nur zu freuen ihn wiederzusehen. „Du warst nicht der Einzige, der eine Vision von der Transzendenz hatte, ich hatte auch eine auf Sanctum“, fügte er dann hinzu, „Ich wusste, dass es kein Krieg sein würde, sondern ein Test. Und ich wusste, dass du es auch wusstest, und dass du recht hattest. Ich hätte etwas sagen sollen, aber….“

„Aber ich habe dir dazu keine Chance gelassen“, unterbrach ihn Bellamy. Nach seiner Rückkehr von Etherea hatte er nach Möglichkeit den Kontakt zu allen gemieden, die keine Informationen über den Fundort des Codes hatten, und seine Aufmerksamkeit auf Clarke und Raven konzentriert, um Cadogan gar nicht erst auf die Idee zu bringen in die Köpfe der anderen zu sehen. Er hatte sich von Jordan, Miller, Niylah und Hope ferngehalten so sehr es ging.

„Aber wenn ich darauf bestanden hätte es zu erklären, dann….“, setzte Jordan an, doch Bellamy unterbrach ihn.

„Nein, kein was wäre wenn jetzt, Jordan. Was geschehen ist, ist geschehen. Wir haben es überstanden, nur darauf kommt es an“, erwiderte er.

Es war an der Zeit sich den anderen zuzuwenden, die sich um ihn herum versammelt hatten. Niylah nickte er einfach nur zu, und sie nickte zurück. Er war froh sie zu sehen, dankbar dafür, dass nach Bardo gekommen war um ihn und Octavia zu retten, aber sie hatten einander noch nie sonderlich viel zu sagen gehabt. Wer weiß, vielleicht würde sich das jetzt ändern, jetzt, wo es nur noch sie beide und in etwa ein Dutzend andere hier auf der Erde gab.

Gaia und er schüttelten einander die Hände. Sie hatte nichts von all dem, was auf Bardo passiert war, mitbekommen, da sie niemals dort gewesen war, doch durch den Aufstieg hatte sie natürlich von allem erfahren. Trotzdem wusste er, dass es niemanden hier gab, der mehr Verständnis für sein Verhalten hatte als sie. Selbst wenn es anders ausgegangen wäre, hätte Gaia ihn verstanden, da sie anders als alle anderen hier Glauben kannte und um seine Macht wusste. „Ich bin froh dich zu sehen, Bellamy“, sagte sie, „Bringst du Nachricht von Madi?“

„Es geht ihr gut“, bestätigte Bellamy, „Sie lässt dir Grüße ausrichten und vermisst dich, will aber, dass ihre Seda weiß, dass sie nichts bereut.“ Den Noch-Nicht-Teil fügte er nicht hinzu, denn das wären seine Worte, nicht die von Madi.

Gaia nickte und wirkte einen Moment lang erleichtert. Indra drückte Gaias Schulter. „Es ist gut dich zu sehen, Bellamy“, meinte die ehemalige Anführerin der Trikru, „Jeder Tote, den man nicht nach dem Ende des Krieges zu betrauern hat, ist ein Gewinn.“ Indra, so nahm Bellamy an, würde sich wohl niemals ändern. Transzendenz hin oder her.

Sein Herz – und ja er schien wieder ein Herz zu haben – schlug etwas schneller, als er sich nun denen zuwandte, von denen er wusste, dass er sie enttäuscht hatte.

Miller stand neben Jackson, und beide sahen ihn an, und Bellamy setzte dazu an, etwas zu sagen, doch bevor er dazu kam, hatte Miller ihn einfach umarmt. „Deine Schwester hat mir einmal gesagt, dass ich sie einfach umarmen soll, und das habe ich dann getan, obwohl ich es nicht wollte, und seltsamer Weise war danach wirklich alles gesagt, ohne, dass es jemand gesagt hätte“, erklärte Miller, während er sich an ihn drückte.

Vergebung nahm Bellamy an war immer dann einfach, wenn man zuließ, dass sie einfach war. Er erwiderte die Umarmung. Dann löste sich Miller von ihm, und Jackson nahm Bellamys Hand in seine. „Indra hat recht, wir haben so viele verloren, jeder, der zu uns zurückkommt, ist ein Wunder“, erklärte er.

„Madi hat mir aufgetragen auch dich zu grüßen“, erwiderte Bellamy, „Sie hofft, dass auch du hier das findest, was du immer gesucht hast.“ Jackson nickte nur. Was er immer gesucht hatte, das wusste Bellamy, war das, was sie alle immer gesucht und nie gefunden hatten – es war Frieden, und hier und jetzt würde Jackson ihn hoffentlich finden können.

Nun waren Emori und Murphy an der Reihe. Bevor Bellamy noch irgendetwas sagen konnte, hatte Emori ihn schon umarmt. „Komm her, du“, meinte sie nur, „Erschreck mich nie wieder so. Ich dachte, wir hätten dich verloren.“

„Es tut mir leid“, erwiderte Bellamy ehrlich, „Ich war in dieser ganze Transzendenz-Sache wohl einfach schlechter als ihr anderen.“

„Die besten Lehrer sind immer die schlechtesten Schüler“, murmelte Emori, löste sich von ihm, und boxte ihn in den Arm. „Tu so etwas einfach nie wieder.“

Murphy nickte ihm zu. „Sie hat recht“, meinte er, „Tu so was nie wieder. Nichts davon. Wenn du nicht da bist um den Helden zu spielen, dann muss ich es tun, und wir wissen alle wie schlecht ich darin bin.“

„Oh, ich weiß nicht, ich finde du hast dich ganz gut gemacht. Du hättest ihn sehen sollen, Bellamy, er hat Sanctum gerettet“, meinte Emori, „Die Menschen dort haben an ihn geglaubt, nicht an Daniel Prime, sondern an John Murphy. Er war es, der sie bis zum Ende nicht im Stich lassen wollte.“

„Bis ich sie doch im Stich gelassen habe, und mich nur noch mit dir beschäftigt habe“, wandte Murphy ein.

„Es ist kein Verbrechen einen Menschen mehr zu lieben als alle anderen, Murphy“, sagte Bellamy, „Das ist nur menschlich. Wichtig ist dabei nur, dass man lernt nicht über diesen einen Menschen auf alle anderen zu vergessen.“

„Und immerhin hast du Raven losgeschickt die anderen zu retten“, rief ihm Emori in Erinnerung.

„Ja schon, aber, trotzdem, ich war ein schlechter Ersatz für Bellamy“, behauptete Murphy.

„Du bist John Murphy, du hast es nicht nötig irgendjemanden zu ersetzen“, widersprach Bellamy, „Du bist schon in Ordnung, genau so wie du bist.“ Und dann war er es, der Murphy umarmte, schnell bevor sich der andere dagegen wehren konnte, was dieser aber nicht einmal versuchte. „Ich hab dich vermisst, Mann“, meinte Murphy leise.

„Ich dich auch“, lautete Bellamys einzige Antwort darauf.

Sie lösten sich voneinander. Und Bellamy wusste, dass ihm nun der wirklich schwierige Teil bevorstand. Er begann mit Raven, die ihn einfach nur stumm musterte. „Raven, du bist meine Familie, das hat sich nie geändert, auch wenn ich es dir nicht zeigen konnte. Ich weiß, dass du mir vermutlich niemals verzeihen kannst, aber Cadogan hätte alle Gedächtnis scannen lassen, wenn ich ihm nicht gesagt hätte, in wessen Erinnerungen er Hinweise auf den Verbleib der Flamme finden kann. Ich wollte nie, dass dir ein Leid geschieht, aber wenn ich Cadogan nicht gesagt hätte, was wirklich mit der Flamme passiert wäre, dann hätte er euch noch viel Schlimmeres angetan. Ich habe nur versucht euch allen zu helfen, das schwöre ich dir“, begann er, und verstummte dann, weil sie ihn immer noch anblickte.

„Du bist … manchmal so ein Trottel, Bellamy. Aber ich hab dich trotzdem lieb“, seufzte Raven und umarmte ihn, „Das alles liegt lange hinter uns. Natürlich verzeihe ich dir. Immerhin hattest du recht. Es gab die Transzendenz, und die Transzendierten, und die waren verdammt noch mal versessen darauf uns zu prüfen. Cadogan hätte auch ohne deine Hilfe den Code gefunden.“ Sie löste sich von ihm und hüpfte dann ein paar Mal auf einen Bein vor ihm auf und ab, auf dem anderen Bein als sonst. „Und sieh dir das an: Keine Schmerzen mehr!“

Bellamy lächelte. „Ich freue mich wirklich für dich“, meinte er, „Aber ich weiß nicht wie du mir so einfach verzeihen kannst. Ich habe mich geirrt, die Transzendierten waren nicht die, für die ich sie gehalten haben. Sie waren nicht … gut.“

Sein Blick suchte den von Echo, die bisher stumm und mit diesen für ihn immer noch seltsamen kurzen Haaren, hinter Raven gestanden hatte. „Ich hatte euch nicht aufgegeben, ich wollte euch retten, wollte uns alle retten. Aber ich habe mich getäuscht. Ich bin ihnen begegnet und habe nur das Gute in ihnen gesehen. Alles andere, das wollte ich nicht wahr haben. Die ganze Sache mit der Vernichtung von anderen Spezies, die habe ich nicht glauben wollen, nicht wirklich. Ich hielt alles nur für eine weitere Prüfung“, gestand er ihnen, „Aber dabei waren sie nicht gut, nicht wirklich, sie halten sich für besser, aber sie sind nicht anders als wir, nicht wirklich.“

„Nun, vieles davon war nur eine weitere Prüfung. Sie hatten ein Einsehen. Sie hätten die Prüfung beenden und uns alle auslöschen können, nachdem Clarke durchgefallen ist, aber sie haben mir zugehört, uns allen eine Chance gegeben ihnen zu beweisen, dass wir uns ändern können, dass wir anders sein können, dazu lernen können“, meinte Raven, „Vielleicht hast du recht, und sie sind nicht gut, noch nicht. Aber wenn sie wirklich so sind wie wir, nun, dann sind sie im Großen und Ganzen in Ordnung. Und genauso lernfähig wie wir es sind.“

„Du wolltest, dass der endlose Krieg endlich aufhört. Das kann ich verstehen, das kann vielleicht keiner besser verstehen als ich“, ergriff nun Echo das Wort, „All die Vorwürfe, die ich dir gemacht habe, das war mein Schmerz, den ich auf dich abgeladen habe. Das weiß ich jetzt. Die Wahrheit ist, dass dich mein Verhalten nach deiner Entführung nicht gerade stolz gemacht hätte. Ich hätte beinahe aus Rache heraus ganz Bardo ausgelöscht. Zum Glück habe ich es nicht getan.“ Sie warf einen kurzen dankbaren Blick in Ravens Richtung, die nickte. „Ich hatte eine schwere Zeit, bin durch die Hölle gegangen, habe Jahre damit verbracht zu trainieren um dich zu retten, und wieder zu der Frau zu werden, die ich hinter mir hatte lassen wollen. Ich war wieder eine Spionin, die gelogen, betrogen, und getötet hat. Die Menschen, die ihr vertraut und sie geliebt haben, geopfert hat, nur um ihren Ziel zu dienen“, fuhr sie fort, „Ich hatte immer Angst, dass es soweit kommen würde. Dass der Ring nur ein Traum war, und ich in dem Moment, wenn ich wieder festen Boden unter meinen Füßen spüre, wieder zur alten Echo werden würde. Und letztlich wurde ich wieder dazu, weil ich dich verloren habe. Kaum, dass du weg warst, wurde ich wieder zu der, die ich nie mehr sein wollte. Und das hat niemanden gerettet, weder dich, noch Gabriel, ja noch nicht einmal Hope. Und dich wiederzusehen, aber einen anderen fremden Bellamy zu sehen anstatt dem, den ich kenne, hat mir das Ausmaß meines eigenen Versagens klar gemacht. Und mich erst recht wieder wütend gemacht. Aber ich will nicht mehr wütend sein. Ich will nicht mehr Echo sein. Echo gab es niemals. Mein Name ist Ash.“ Sie streckte Bellamy ihre Hand entgegen. „Das ist der Name, den mir meine Eltern gaben. Ich habe eine weitere Chance bekommen alles besser zu machen, und das werde ich von jetzt an auch. Echo war die Kreation von Königin Nia. Diese Frau bin ich nicht mehr.“ Bellamy schüttelte ein wenig erstaunt ihre Hand. „Hallo, Ash. Es freut mich dich kennenzulernen. Ich bin Bellamy Blake“, erwiderte er.

Er hatte so viele Fragen an sie. Wollte wissen, ob es noch Platz für ihn in ihren Leben gab, ob das, was sie miteinander verbunden hatte, vorbei war, oder gar nie wirklich existiert hatte, und was ihre Ankündigung dafür bedeutete, doch Echo ließ seine Hand wieder los und trat zur Seite, und Bellamy merkte wie sich auch alle anderen zurückzogen.

Denn nun stand sie vor ihm: Clarke Griffin, die Frau, die ihn ermordet hatte. Und sie blickte ihn mit großen Augen an.



Sie war der letzte Mensch, und Bellamy wusste, dass sie das Beste und das Schlechteste der Menschheit zugleich repräsentierte. Niemand verkörperte Liebe und Hingabe mehr als Clarke Griffin. Aber niemand verkörperte zugleich auch mehr all die schrecklichen Dinge, die Menschen auf Grund dieser Liebe und Hingabe bereit waren zu tun. Wenn sie durchgefallen war, die Prüfung nicht bestanden hatte, dann bedeutete das, dass die Menschheit in Wahrheit wirklich nicht würdig gewesen war zu transzendieren. Und dann war es vielleicht sogar die richtige Entscheidung gewesen sie auszulöschen. Zum Wohle aller anderen, die es dort draußen gab, und die irgendwann das Pech haben könnten auf die Menschheit zu stoßen.

Und doch, jetzt stand sie vor ihm und weinte. Menschen konnten so grausam sein, so schreckliche Dinge tun, aber solange sie zugleich auch in der Lage waren Reue zu zeigen, und dazu aus ihren Fehlern zu lernen, solange konnte man sie nicht vollkommen verdammen. Das hatten die Transzendierten erkannt. Und trotzdem hatten sie entschieden Clarke zu bestrafen.

Aber Raven, Octavia, Echo, Murphy, und all die anderen, die hatten beschlossen Clarke zu vergeben. Trotz allem. Denn Menschen waren auch zu Mitgefühl und Vergebung fähig. Und anders als die Transzendierten war ihnen das oft wichtiger als alle Regeln.

„Es tut mir so unendlich leid, Bellamy. Ich habe dich kaltblütig ermordet“, weinte Clarke, „Und das obwohl es nicht notwendig gewesen wäre. Obwohl du immer an mich geglaubt hast, war ich nicht dazu in der Lage dieses eine Mal, als du es gebraucht hättest, an dich zu glauben. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“

„Du wolltest Madi retten“, erwiderte Bellamy.

„Aber es hat nichts gebracht, ich habe sie trotzdem verloren. Vielleicht habe ich sie sogar nur deswegen verloren, weil ich dich umgebracht habe. Wenn ich das nicht getan hätte, dann wäre Cadogan nicht so schnell dahinter gekommen, wer den Code in seinem Kopf hat, dann wäre Gabriel nicht gestorben um Madi zu beschützen, und Madi hätte sich nicht geopfert um zu verhindern, dass noch mehr von uns sterben“, weinte Clarke, „Ich habe alles falsch gemacht.“

„Du konntest nicht wissen, was geschehen würde“, erwiderte Bellamy.

Clarke schüttelte den Kopf. „Aber ich habe nichts daraus gelernt. All die Toten, ich wollte endlich damit aufhören, wollte endlich besser sein, wollte Monty stolz machen. Aber dann ist meine Mom gestorben, und ich habe dich verloren, und habe eine schlechte Entscheidung nach der anderen getroffen. Ich wolle Russell Milde zeigen, habe dann aber doch beschlossen ihn hinzurichten. Und dann habe ich dich getötet, meinen besten Freund, nur weil er sich ein wenig anders als sonst verhalten hat, und nur weil er andere für wichtiger genommen hat als meine Tochter. Und dann habe ich Cadogan erschossen und damit beinahe dafür gesorgt, dass die Menschheit ausgelöscht wurde. Und ich würde es immer wieder tun. Ich bin ein schrecklicher Mensch, so schrecklich, dass ich es nicht verdient habe zu transzendieren, als einziges Mitglied der gesamten Menschheit“, sagte sie, „Alle anderen waren in der Lage sich zu zum Besseren ändern: Kane, Lexa, Roan, Echo, Indra, Octavia, Diyoza, meine Mom, sogar Murphy. Aber ich, ich habe mich zum Schlechteren verändert.“

„Wir haben alle dunkle Phasen“, hielte Bellamy dagegen.

„Aber nur ich begehe in meinen dunklen Phasen Genozid. Wieder und wieder“, weinte Clarke.

Bellamy schwieg. Er wollte sagen: Na dann ist es ja gut, dass es jetzt niemanden mehr gibt den du ausrotten kannst. Wollte es weglachen, doch er wusste, dass dieser Witz bei ihr nicht gut ankommen würde.

Stattdessen sagte er das Einzige, was er sagen konnte: „Wenn es Vergebung ist, die du brauchst, du hast sie: Ich vergebe dir, Clarke.“

Clarke starrte ihn an. Diese Worte – das waren ihre Worte, die nur ihnen beiden gehörten, damals wie heute, die ihnen alles über den anderen sagten. „Das kannst du mir nicht vergeben, Bellamy“, behauptete sie, „Ich habe dich ermordet!“

Bellamy zuckte die Schultern. „Und danach bin ich transzendiert, habe mich mit einer fremden Alienrasse gestritten, habe erkannt, dass meine Ideale nicht mit deren übereinstimmen, wurde wieder zu Fleisch, und bin zu dir zurück gekehrt“, gab er zurück, „Offenbar hat es nicht gehalten.“

„Nur weil es keine Konsequenzen für dich hatte, heißt das nicht, dass es nicht passiert ist! Es hatte Konsequenzen für mich“, betonte Clarke, „Wenn ich das nicht getan hätte, dann wäre alles anders gekommen.“

Bellamy nickte. „Und wenn ich vor all diesen Jahren keinen Anschlag auf den Kanzler durchgeführt hätte, wäre auch alles anders gekommen“, meinte er.

„Aber du warst es, der uns gerettet hat, wieder und wieder. Deine Anwesenheit am Dropship war eine gute Sache, keine, die dazu geführt hat, dass die Menschheit beinahe ausgelöscht worden wäre“, widersprach Clarke.

„Nicht alle wären deiner Meinung, was das angeht. Ich war nicht immer ein guter Anführer. Aber dafür hatte ich ja dich. Und du hattest mich. Und dann hast du mich verloren, kein Wunder, dass du vom Weg abgekommen bist“, erklärte Bellamy, „Ich hätte bei dir sein müssen. Ich hätte einfach klar machen müssen, dass ich immer noch auf deiner Seite bin. Dir sagen müssen, was wirklich vor sich geht. Selbst wenn das Cadogan klar gemacht hätte, dass ich nicht auf seiner Seite bin. Ich hätte das Risiko eingehen müssen dir klar zu machen was unser Plan ist. Doch ich dachte, dass dafür später noch genug Zeit sein würde. Es tut mir leid, ich habe dich im Stich gelassen.“

Clarke starrte ihn ungläubig an. Dann lachte sie. „Entschuldigst du dich gerade wirklich bei mir dafür, dass ich dich umbringen musste?“, wollte sie ungläubig wissen.

„Ich habe mich geirrt, Clarke. Du hast die Menschheit vielleicht beinahe ausgerottet, aber ich habe sie ausgerottet. Ich habe sie in die Arme von Wesen geführt, die nicht das waren, wofür ich sie gehalten habe“, betonte Bellamy, „Was den Vergleich unserer Sünden angeht, den habe ich damit eindeutig gewonnen.“

Clarke schüttelte den Kopf. „Du hattest recht. Die Menschheit wurde gerettet, ist transzendiert, deinetwegen“, meinte sie, „Über kurz oder lang hätten wir uns gegenseitig ausgerottet. Egal auf welchen Planeten, ob auf der Erde, auf Sanctum, oder auf Bardo, überall war es die gleiche Geschichte. Doch so können wir weiter existieren. Madi kann weiter existieren, nur deinetwegen. Dann sind die Transzendierten eben nicht das, was du gedacht hast, schön, aber wenn sie mehr Moral besitzen als wir, und wir mehr Mitgefühl als sie, und sie von uns lernen, und wir von ihnen, nun dann werden am Ende beide von uns besser. Ist es nicht das, worauf es letztlich ankommt? Darauf besser zu werden? Das ist es, was Monty sich von uns gewünscht hat. Und du hast ihm diesen Wunsch erfüllt.“

Bellamy schüttelte den Kopf. Dann lachte auch er. Ungläubig und ein wenig bitter. „Egal was wir tun, letzen Endes werden wir beide einander alles verzeihen, selbst wenn es uns kein anderer verzeihen kann“, stellte er fest.

Clarke nickte. Und auch sie lachte. „Wer hätte das gedacht, damals vor all den Jahren, als wir die Erde zum ersten Mal betreten haben, dass Mister Was immer wir möchten und die Prinzessin der Ark eines Tages so enden?“, meinte sie dann.

Sie starrten einander einen Moment lang an. Und dann bewegten sie sich gleichzeitig aufeinander zu und umarmten einander – fest und lange. „Ich habe dich so vermisst, Bellamy“, murmelte Clarke in seine Schulter.

„Ich habe dich auch vermisst“, erwiderte er.

Nach langer Zeit lösten sie sich voneinander.

„Ich hatte Angst, dass du mir nicht vergeben würdest“, räumte Bellamy ein, „Aber Madi war der Meinung, dass letztlich du diejenige bist, die meine Vergebung mehr braucht als ich deine, und wie es scheint hatte sie recht.“

„Madi war immer schon ein schlaues Mädchen“, stellte Clarke fest, und ihre Miene zeigte Trauer.

„Vielleicht wirst du sie eines Tages wiedersehen. Vielleicht entscheidet sie sich eines Tages dafür zu uns zu kommen und wieder zu Fleisch zu werden, eines Tages, wenn sie erwachsen ist“, bot ihr Bellamy an.

„Ich hoffe, dass sie das nicht tut. Ich hoffe, dass sie dort bleibt, wo sie ist, und allen anderen beibringt so schlau zu werden wie sie ist. Ich hoffe, dass sie glücklich weiter existieren kann, mit diesen Transzendierten bis in alle Ewigkeit“, gab Clarke zurück.

An ihrer Stelle hätte sich Bellamy das wohl auch für Octavia erhofft, wenn Trennung ihr Schicksal gewesen wäre.

Clarke schenkte ihm ein wehmütiges Lächeln. „Ich weiß, dass das hier nicht das Happy End ist, was du dir erhofft hast, wofür du gestorben bist. Und es ist mit Sicherheit nicht das, was ich mir erträumt habe.“ Sie blickte ihm tief in die Augen. „Aber vielleicht ist es das, was wir verdient haben. Ein bisschen Strafe, und viel Vergebung für alles, was wir getan haben. Ich bin froh, dass du zu mir zurückgekommen bist, Bellamy. Ich wollte nicht für den Rest meiner Tage alleine sein müssen. Ich wollte, dass mir die anderen vergeben. Aber dass du mir vergeben könntest, und dass du zurück zu mir kommen würdest, das hätte ich mir niemals erträumt.“ Sie nahm seine Hand in ihre und drückte sie. „Das ist mehr als ich verdiene.“

„Hier zu sein, bei euch, bei dir, ist auch mehr als ich verdiene“, erwiderte Bellamy.

Clarke seufzte. „Du gibst wirklich nicht auf, nicht wahr?“, stellte sie fest, dann schweifte ihr Blick auf das Meer. „Sie ist wirklich wunderschön, nicht wahr? Die Erde, meine ich. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie versucht uns alle umzubringen, und das hat mich davon abgelenkt wie schön sie eigentlich sein kann.“

Bellamy folgte ihren Blick. „Es ist nicht mehr die selbe Erde, die sie war, als wir sie zum ersten Mal betreten haben“, merkte er an, „Sie hat sich verändert.“

Clarke nickte, als würde er nur etwas sagen, das sie schon seit langem gewusst hatte. „Früher war sie ein Problem“, meinte sie, „Heute ist sie die Lösung für uns. Hier können wir leben, in Sicherheit und in Frieden.“

Bellamy gefiel dieser Gedanke. Ihm gefiel der Gedanke, dass das Problem irgendwann zur Lösung werden konnte, wenn es sich einfach genug veränderte.

Und dann spazierten sie Hand in Hand den Strand entlang in die Richtung ihrer Familie hinüber. Und in ihr neues Leben hinein.



Fin.



A/N: So wie gesagt, das war mein Fix-It-Versuch. Ich habe mir Mühe gegeben zumindest das schlimmste Durcheinander in Ordnung zu bringen, oder zumindest als Durcheinander zu kennzeichnen. „The 100“ hat uns ja eigentlich nie gesagt wie man es machen soll, sondern meistens eher gezeigt wie man es definitiv nicht machen soll. Also war es vielleicht zu erwarten, dass die große moralische Lehre in Widersprüchen untergehen würde, aber trotzdem wäre mir ein wenig mehr Deutlichkeit lieber gewesen. Also habe ich versucht Dinge zu verdeutlichen, die mir richtig erschienen sind, ohne zugleich vor den damit verbundenen Problematiken zurückzuschrecken. Einfache Antworten gibt es trotzdem nicht, aber vielleicht machen sie es ja dieses Mal besser.



Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich ein deutlicheres Bellarke-Ending bevorzugt, aber ich hatte auch keine Lust auf einen langen mühseligen Becho-Break Up, weil dieser das Momentum der Wiedervereinigung/Vergebungs-Parade unterbrochen hätte. Ich habe die Fic also mit Bellamy und Clarke vereint enden lassen, ohne klar zu stellen, auf welche Art sie nun vereint sind, aber mein Headcon ist, dass sich Echo und Bellamy dafür entscheiden, dass sie nicht mehr zusammen sein wollen, und er und Clarke endlich ihr Glück zusammenfinden. Technisch gesehen ist er aber wie im Staffel 5 Finale eigentlich noch mit Echo zusammen, obwohl er mit Clarke Pärchen spielt, aber natürlich kann man auch argumentieren, dass Becho schon auf Bardo sein Ende gefunden hat.

Aber falls es Leser gibt, die Bellarke nach wie vor platonisch lesen wollen und Becho bevorzugen, können sie das natürlich auch gerne tun.



Ich hoffe es hat euch zumindest ein bisschen gefallen.



Reviews?
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast