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Falsche Nummer

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P18 / Het
OC (Own Character) Sebastian Stan
11.02.2021
23.07.2022
25
45.677
42
Alle Kapitel
169 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.02.2021 1.620
 
#2 – Kellner sind gefährlich


»Suchst du mich?«
Reflexartig fasse ich mir ans Herz. »Verdammt! Musst du mich so er–« Mit großen Augen starre ich auf die Person, die ich eben noch vermisst habe. Ich blinzle mehrmals hintereinander und mustere ihn schnell.
Längere, dunkle Locken, einen rockigen 3-Tage-Bart und immer noch trägt er die Sonnenbrille auf der Nase. Gerne würde ich sie ihm entreißen, weil ich die Farbe seiner Augen wissen will. Und dann ist da dieses charmante Lächeln, was mich – ich gebe es ungern zu – schockverliebt zurücklässt.
»Ich … ich wollte zurück zu meinen Freundinnen«, stammle ich vor mich hin und wünsche mir gleichzeitig das sagenumwobene Erdloch, in dem ich verschwinden kann.
»Ah«, macht er spitz und mustert mich innig. Woran ich das erkennen kann, obwohl er eine Sonnenbrille trägt? Mein ganzer Körper kribbelt und mein Gesicht wird heiß.
Habe ich schon mal erwähnt, dass ich eine totale Niete im Flirten bin? Es ist also egal, was passiert, ich werde kein weiteres Wort sagen. Ich sollte schleunigst zurück an den Tisch gehen. Ja, genau das werde ich machen …
In dem Moment, als ich mich dazu entscheide dem rockigen Wichtigtuer den Rücken zu kehren, schneit ein Kellner an mir vorbei. Er stößt mich mit dem vollbeladenen Tablett in den Rücken.
Mit dem Kopf falle ich nach vorne, während hinter mir etwas laut scheppert und mit einem dumpfen Laut zu Boden fällt. O Mist. Mein Atem stockt. Mein Gegenüber hat verschämt harte Brustmuskeln, die sich unter meinen feuchten Händen anspannen.
Mein Kopf wird puderrot, als ich meiner Situation klarwerde. Seine Hände sind fest an meine Oberarme gepresst und stützen mich. O Gott, ist das peinlich …
»Normalerweise stellt sich ein Mädchen erst vor, bevor ich sie an mich ranlasse.« Mein Blut gerät noch mehr in Wallungen. Kann eigentlich gar nicht sein, ist aber so. Leider.
Als ich einmal tief durchgeatmet habe, schaue ich nach oben.
»Mia.«
»Kellan.« Während er sich vorstellt, grinst er selbstbewusst und nimmt tatsächlich die Sonnenbrille ab. Er hat blaue Augen! O Himmel … ich unterliege dem Charme von blauen Augen. Sie sind mein absoluter Favorit, und ich werde jedes Mal bei meiner kleinen Schwester schwach, wenn diese etwas von mir will.
»Geht’ dir gut?«, fragt Kellan und schaut mich erst prüfend an, dann das Chaos hinter mir. Er schnalzt missbilligend mit der Zunge.
»Kellner sind gefährlich«, murmle ich.
Kellner sind … gefährlich? Allen Ernstes? Etwas blöderes hätte mir nicht einfallen können, oder? Am liebsten hätte ich mich mit der flachen Hand vor die Stirn geschlagen, wenn ich damit meine Zurechnungsfähigkeit nicht noch mehr untergraben hätte.
»Dann sei besser vorsichtig. Skilifte sind es auch nicht.«
Was?! Wahrscheinlich sollte ich darüber schmunzeln, aber mir bleibt die Spuke weg. Skilifte … wie kommt er jetzt ausgerechnet auf Skilifte?
»Äh …« Mein Mund bleibt einen Spalt offen stehen und ich schiebe mich ein Stückchen weg von ihm. »Danke fürs Auffangen.«
Kellen grinst und entblößt dabei eine Reihe von perlweißen Zähnen. »Bist du öfter hier?«
»Flirtest du mit mir?«
Kellan legt den Kopf schief. »Und wenn ich es täte?«
Ich verziehe minimal das Gesicht. Er hat mich mit Ava, Elli und Leah gesehen … ganz bestimmt will er nichts von mir, sondern sich mit den anderen gutstellen.
»Kein Interesse«, sage ich deswegen. Wenn Kellan von meinen harten Worten irritiert ist, zeigt er es nicht. »Ich muss dann auch wieder. Danke nochmal und tschüss.«
»Auf Wiedersehen«, höre ich hinter mir. Lieber nicht.
Schon von weitem merke ich, wie ich angestarrt werde. Auf eine Befragung habe ich keine Lust, komme trotzdem nicht drumherum.
»Keine Dates, hm?« Süffisant grinsend sieht Elli mich über ihre Brille an. Wahrscheinlich hätte sie es einfach einfädeln können, dass Kellan ihr seine Nummer gibt, aber ich habe bei diesem komischen Kauz ein ungutes Gefühl. Ich kann es nicht näher beschreiben, aber alleine das spöttische Grinsen, was automatisch auf seine Lippen geschlichen ist, als er mich gemustert hat … irgendwie eklig und ich habe mich ziemlich nackt unter seinem Blick gefühlt.
»Er ist …«, stammle ich noch immer und ziehe die Stirn kraus. »Der Kellner war Schuld. Er hat nicht aufgepasst, wohin er läuft.« Ich weiß, wie sich meine Rechtfertigung anhört. Frei nach dem Motto: Immer schön die Schuld auf andere schieben.
Elli hebt die in einer schwungvollen Linie verlaufenen Augenbrauen, als würde sie sagen: ›Natürlich, Darling. Und du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann?‹
»Also?«, versuche ich das Thema zu wechseln, »über was unterhaltet ihr euch grad?« Ich setze mich an meinen Platz, nicht aber ohne Kellan noch einen schnellen Blick zuzuwerfen.
Er grinst – genau, wie ich es mir dachte – und zwinkert mir dabei zu, was mich augenblicklich wütend macht. Soll er sich doch einer Horde ausgehungerter, nach Klatsch und Tratsch suchenden Frauen zum Fraß vorwerfen.
Elli ist diejenige, die das Gespräch an sich reißt. Ganz zum Verdruss von Leah, die ihr einen vorwurfsvollen Blick zuwirft.
Dinge wie Hochzeitskleid, Essen, Sitzordnung, Location und Co. wurden besprochen und nicht nur einmal frage ich mich, ob ich wirklich so viel verpasst habe.
Meine Mimik scheint Bände zu sprechen; Leah sieht ihre Möglichkeit, wieder Öl ins Feuer zu gießen.
»Hättest du aufgepasst, wüsstest du, über was wir geredet haben! Aber Madame findet es ja viel reizvoller, auf ihr dummes Handy zu starren und sich bei der erstbesten Gelegenheit an einen wildfremden Kerl ranzuschmeißen.« Hätte sie ein kleines bisschen lauter geredet, wüssten jetzt alle Gäste Bescheid. Ihr drohender Unterton heißt so viel wie: »Kauf dir endlich ein neues Handy und verschwinde anschließend von hier.« Aber den Gefallen werde ich ihr ganz sicher nicht tun. Nicht nachdem Ava mich gebeten hat, Teil ihrer Hochzeitsplanung zu werden.
Mit einem zuckersüßen Lächeln trinke ich den letzten – jetzt ziemlich kalten – Schluck Kaffee und warte sehnsüchtig auf das Ende unserer kleinen Gesellschaft.

»Nimm es nicht persönlich, Miamaus.« Tröstend legt Ava ihre Hand auf meinen Rücken.
Ich schüttle den Kopf, sage jedoch nichts weiter dazu. Warum auch?
Leah habe ich als kleine – Pardon, große – Zicke kennengelernt und genauso wie zu mir, ist sie zu jedem anderen auch, den sie nicht leiden kann. Ich bin ihr ohnehin schon von Anfang an ein Dorn im Auge, weil Ava mich in die Clique gebracht hat. Wenn sie nicht wäre, hätte mich Leah schon längst rausgeekelt.
Ich musste noch weitere zweieinhalb Stunden in dem Café ausharren. Zweieinhalb Stunden, in denen ich mir allerlei Quatsch anhören musste, denn es definitiv auf meiner eigenen Hochzeit nie geben wird. Wenn ich schon daran denke, überkommt mich ein eisiger Schauer.
»Sie hat recht«, gebe ich zur Überraschung von Ava zu. »Meine Kleidung ist wirklich von der vorletzten Kollektion und mein Handy einen Steinwurf von den Dinos entfernt.« Früher wäre mir das fünf Meter am Allerwertesten vorbeigegangen, und es ist mir immer noch schleierhaft, warum man die neuste Technik oder die angesagtesten Kleidungsstücke kaufen muss, sobald sie auf den Markt kommen. Die scharfen Kommentare von Leah bewirken allerdings, dass ich mich schlecht fühle für die Dinge, die ich liebe. Deswegen halte ich mich jedes Mal zurück, wenn das Thema ›Hobbys‹ angerissen wird.
Ava bleibt unvermittelt stehen. »Ich habe dich immer dafür bewundert, dass du dir treu bleibst.« Ich bekomme große Augen. Das sagt sie mir nicht zum ersten Mal, trotz alledem bin ich überrascht. »Ich muss deiner Ma unbedingt danken, dass sie dich damals auf die Party geschleppt hat.« Mein Schmunzeln straft mich Lügen. »Ich glaube, dass ich ohne dich nie den Mut gehabt hätte, etwas anderes als Jura zu studieren.«
»Dafür sind Freunde da.«
Ava umarmt mich herzlich und ihr süßes Parfüm steigt mir in die Nase, die anfängt zu kribbeln.
»Ich würde dich gerne dabei haben, wenn ich mich mit dem Weddingplaner treffe.« Ihr Geständnis lässt mich erblassen. Haben die vier Stunden nicht gereicht?
Ava deutet meinen erschrockenen Blick richtig, denn sie wedelt mit der Hand. »Elli und Leah werden nicht dabei sein. Ich habe selbst gemerkt, dass sie ganz andere Vorstellungen haben als ich. Außerdem möchte dich Will dabeihaben. Wir würden uns beide riesig freuen. Bitte?« Sie sieht mich mit ihren großen dunklen Rehaugen an, dass ich gar nicht anders kann, als zuzusagen.
»Bist du sicher?«, hake ich nach.
Leah ist uns schon ein paar hundert Meter voraus, und stakst mit ihren kostspieligen High Heels den Fußgängerüberweg entlang. Sie hat uns noch nicht entdeckt. Ich hoffe einmal mal, dass das so bleiben wird.
»Die beiden würden sich sicherlich mehr darüber freuen. Vor allem Leah.« Es ist nicht so, dass ich mich nicht für Ava freue. Es ist nur die Aussicht darauf, dass eine Hochzeit mit einer sehr großen Verantwortung verbunden ist – alles muss geplant und durchdacht werden. Ich will gar nicht so genau wissen, wen Ava und Will alles auf ihrer Gästeliste stehen haben. Dazu kommen noch die Leute von der Presse und das Chaos ist komplett.
Als ich Avas flehenden Blick merke, seufze ich ergebend. »Ich komme mit.«
Ava quietscht vergnügt. »Ich wusste, du würdest mir meinen Wunsch nicht abschlagen. Wo steht dein Auto?«
Mein Auto, wie sie es so schön sagte, ist eigentlich eine Schrotkarre aus Rost und abblätternder Farbe – okay, so schlimm nun auch wieder nicht –, die mich jedoch sicher von A nach B bringt und ich mich aus emotionalen Gründen nicht von ihr trennen kann.
»Da hinten.« Ich deute mit einem vagen Nicken auf die nächste Querstraße. Ich habe mit der Intension ›Hauptsache weit weg von Leah‹ in einer dunklen Seitengasse geparkt. Es fehlt noch, dass sie Egon beleidigt.
Wenn man vom Teufel spricht … Leah wurde per Chauffeur hergebracht und natürlich auch wieder abgeholt. In dem Moment, als Ava und ich uns verabschieden, fährt die schwarze, auf Hochglanz poltierte Limousine an uns vorbei.
»Ich will einen Abstecher in die Videothek machen«, füge ich hinzu. »Die Auswahl bei Netflix haut mich nicht vom Hocker.«
»Okay, dann schreiben wir uns heute Abend?« Ich bejahe und schlage die entgegengesetzte Richtung ein.
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