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Falsche Nummer

GeschichteRomance / P18 / Het
OC (Own Character) Sebastian Stan
11.02.2021
11.06.2021
14
25.527
23
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 1.531
 
#14 – Zu früh gefreut


Als ich endlich am Brautmodengeschäft ankomme, fällt nicht nur Ava ein kolossal großer Stein vom Herzen, sondern auch mir. Kellan ist mir nicht gefolgt. Ich lasse mich bereitwillig von ihr umarmen; sie hatte wirklich Angst und Bange, dass ich nicht mehr erscheine.
»Elli hat es schon nicht geschafft, weil sie auf einen Termin mit Ian und ihren Eltern ist. Sie wünscht uns zwar viel Spaß und ich soll ihr Bilder schicken, aber ich bin doch total aufgeschmissen, wenn meine Clique nicht dabei ist.« Ava redet so schnell, dass ich Mühe habe, ihr zu folgen.
»Keine Sorge«, beschwichtige ich sie und lächle ihr aufmunternd zu. Jedenfalls hoffe ich das. Ich wirke selbst noch total abgehetzt und bin froh, dass ich eine kurze Atempause bekomme. »Ich habe dir doch gesagt, das ich komme. Ich hatte noch ein bisschen Arbeit zu tun und wollte alles vor deinem Termin schaffen. Wäre doch blöd, wenn ich nach zehn Minuten schon wieder gehen müsste, oder?«
Ava nickt und umarmt mich nochmal. Ich glaube, wenn ich erst eine halbe Stunde später eingetrudelt wäre, wäre sie in Tränen ausgebrochen und die ganze Hochzeit wäre ins Wasser gefallen.
»So und jetzt lass uns gehen. Schließlich wartet dein Traumkleid auf dich.«
Und nicht nur das, wie ich mit einem bitteren Lächeln feststellen muss.
»Wir sind komplett!«, ruft Ava erfreut. Sofort klatscht die Verkäuferin freudig in die Hände und verschwindet mit ihr in den Reihen aus cremeweißen Träumen. Die Verkäuferin hat auf mich nicht angepisst gewirkt – ich meine, warum auch? Ava wird hier ein kleines Vermögen hinlegen. Sie hat sogar nett und zuvorkommend zu den Kunden zu sein und wenn Ava sagt, dass noch jemand fehlt, dann wird eben kollektiv gewartet. Ist ja nicht so, dass es in der Boutique ungemütlich wäre.
»Wie schön, dass uns die Hoheit beehrt.« Dieser Satz kann nur von Leah stammen. Noch für einen Augenblick bleibt mein Blick an einem wunderschönen weißen Kleid mit aufwendiger Spitze und Tüll hängen, dann drehe ich mich um.
Leah sitzt mit überschlagenen Beinen auf einer sehr gemütlich aussehenden Couch und nippt an einem Glas Champagner. Sie selbst steckt in einem knielangen Kleid, was – ganz ehrlich – aussieht wie ein Satinschlafanzug. Darüber trägt sie einen schwarzen Blazer und dazu noch hohe Schuhe. Ihr Haar trägt sie als niedrigen Dutt im Nacken. Gegen Leah habe ich mich immer wie ein graues Mäuschen gefühlt, aber ich beschließe in dem Moment, dass ich mir das nicht länger geben werde. Ich straffe die Schultern, will ihr einen Spruch pfeffern, da geht eine Nachricht in mein Handy ein, die mich vergessen lässt, was ich eigentlich sagen wollte.
Während ich es aus meiner Handtasche verkrame, besehe ich Leah stattdessen mit einem gespielt dramatischen Blick und einem »Danke, dass du die Güte besessen hast zu warten.«
Es ist ein Bild, welches mir Bas geschickt hat. Nur seine nackten Füße und noch ein Stück seiner sonnengebräunten Beine sind zu sehen. Wie es den Anschein macht liegt er auf einer Liege. Im Hintergrund will ich einen Pool erkennen, dessen türkisfarbenes Wasser in der Sonne glitzert.

Mia:
Und das nennst du arbeiten?

Bas:
Ist nicht zum Aushalten, wie anstrengend es ist. ;)

Und überhaupt, wo auf der Welt ist er gleich nochmal? Wenn es dort sonnig ist, will ich auch sofort dahin.
Ava ruft uns nach hinten. Leah steht so schnell auf, dass ich verwirrt bin. Im Vorbeigehen wirft sie mir einen fiesen Blick zu, den ich aber gekonnt ignoriere. Stattdessen beeile ich mich zu Ava zu kommen.
Sie steht auf einem Schemel vor einem großen Spiegel und dreht sich nach links und rechts, um sich von allen Seiten begutachten zu können.
»Wow«, stößt Leah aus. Wie schnell sie mich vergessen hat …
Wow trifft es am besten. Das schneeweiße Kleid hat einen V-Ausschnitt, der mit Perlen und feiner Stickerei verziert ist. Ava dreht sich zu uns um. Zwar lächelt sie, aber es erreicht ihre Augen nicht.
»Wie findet ihr es?«, fragt sie uns. Sie streicht über den zarten Stoff. Die Verkäuferin sieht nervös zwischen Ava, Leah und mir hin und her. Während Leah hin und weg ist und Ava fast dazu nötigt, gleich dieses Kleid zu nehmen, bin ich noch am Grübeln.
Es ist nicht so, dass Ava nicht die Figur für jegliche Formen von Kleidern hätte, aber ich bin nicht ganz so überzeugt wie Leah. Ava, als ob sie meine Gedanken erraten hat, legt den Kopf wissend schief, nachdem ich zu ihr gehe. »Und du, Miamaus? Wie findest du es?«
»Du siehst super aus, keine Frage. Aber …«
»Aber was?«
»Ich glaube, dass ein wenig Farbe besser zu dir passen würde. Versteh mich nicht falsch. Weiß ist toll, aber vielleicht solltest du mal eins in Elfenbein oder Creme probieren.«
»Meinst du?«
Ich nicke euphorisch. »Versuch’s einfach mal. Wenn es dir nicht gefällt, kannst du immer noch eins in weiß nehmen.« Ava dreht sich zur Verkäuferin um, die ihren Wink verstanden hat und sich sofort auf die Suche macht.
Ich bin ganz ehrlich: Weiß steht nicht jedem – und Ava sieht darin fehl am Platz aus, obwohl der Schnitt des Kleides perfekt an ihr aussieht. Nichts gegen Ava, aber ihre sonnengebräunte Haut spricht eine andere Sprache als das steril wirkende weiße Kleid, das sie just in diesem Moment glatt streicht, als die Verkäuferin wieder auf der Bildfläche erscheint. Auf dem Arm hält sie ein paar cremefarbene Kleider. Ava klatscht in die Hände. Sofort rauscht sie der Verkäuferin entgegen und verschwindet mit ihr in der nächsten Umkleidekabine.
Ich schaue mich gerade etwas in den farbigen Kleidern um, als ein Räuspern hinter mir ertönt. Es kann nur von einer Person sein. Ich drehe mich halb zu Leah um.
Sie steht mit einem undefinierbaren Blick vor mir und mustert mich abschätzend. Ihre ganze Haltung wirkt aggressiv.
»Was gibt’s?«, frage ich und straffe die Schultern.
Sie legt den Kopf schief. »Ich weiß immer noch nicht, was Ava an dir findet …« Die Leier schon wieder. »Aber ich muss dir danken, dass du ihr das weiße Kleid ausgeredet hast. Es sieht schrecklich an ihr aus.«
Ich hebe verdutzt eine Augenbraue. »Was willst du mir damit sagen?« Noch vor ein paar Minuten hat sie das Brautkleid in den höchsten Tönen gelobt.
»Ich will dir etwas vorschlagen«, sagt sie unbekümmert und streicht mit ihren perfekt lackierten Fingernägeln über die Kleider. »Wir werden uns vertragen bis zu Avas Hochzeit.« Ich schnaube. Sie will der Welt allen Ernstes vorheucheln, dass wir von einer Sekunde auf die andere die dicksten Freunde geworden sind?
»Ich brauche keinen Waffenstillstand«, erwidere ich und recke das Kinn. »Du bist diejenige, die mich nicht leiden kann.«
Leah knirscht mit den Zähnen.
Kurz denke ich daran, die Flucht zu ergreifen, denn mal ganz ehrlich: Wenn Leah beginnt wütend zu werden und sich ihre Gesichtsfarbe in ein tiefes Rot verwandelt, sollte man schleunigst das Weite suchen und sich am besten unter einem neuen Namen in einem weit entfernten Land ein neues Leben aufbauen. Überraschenderweise legt sich ihr kleiner Wutanfall schnell wieder und sie streckt mir die Hand entgegen. »Wir lieben Ava und wollen beide nur ihr Bestes. Es wäre von Vorteil, wenn wir wenigstens jetzt zusammenarbeiten würden.«
Immer noch skeptisch betrachte ich Leah. Nach einer kurzen Überlegung schlage ich ein. Ruckartig zieht sie mich an sich.
»Ich weiß so einiges über dich, Mia Carter. Oder sollte ich lieber sagen Mia Morrison? Deine Eltern haben sich ja unglücklicherweise scheiden lassen.« Das Blut gefriert mir in den Adern.
»Was willst du von mir, Leah?« Ich bleibe unter ihrem herrischen Blick stand. Sie zischt.
»Ich weiß, dass deine Mom pleite ist. Meine Mom hat sie bereits um Geld gefragt. 75.000 Dollar. Die Raten werden bald fällig. Und da deine liebe Mom ja bankrott ist, wirst du für sie bürgen. Sie will jeden einzelnen Cent zurückhaben.« Sie lässt mich ruckartig los, als hätte sie sich an mir verbrannt.
»Ta-Da!« Ava hebt beide Arme in die Luft und dreht eine Pirouette. »Wie findet ihr es?«
Leah grinst sie an, als sei nichts gewesen und eilt auf sie zu. Wenig später höre ich die beiden lachen, während Ava sich ein weiteres Mal im Kreis dreht. Sie sieht traumhaft schön aus. Mein Magen dreht sich um.
Ich bin froh, dass gleich neben mir eine Kleiderstange ist. Krampfhaft halte ich mich an ihr fest. Panisch kneife ich die Augen zusammen. 75.000 Dollar? Ich habe meine Mom nie gefragt, wer alles bei den Mädelsabenden dabei ist, und dann ist es ausgerechnet die Mom von Leah, die um Geld angepumpt wurde? Ich krame mein Handy wieder hervor, tippe mit zittrigen Fingern die PIN ein und besehe mir den Schaden selbst. 112,56 Dollar.
Ava quietscht, während die Verkäuferin völlig hin- und hergerissen ist von der Schönheit des Kleides und wie gemacht es für Ava ist. Sie dreht sich auf dem Schemel und betrachtet sich von allen Seiten genauestens.
Ich schleppe mich auf die Couch und trinke beide Gläser Champagner in einem Zug leer, die auf dem Beistelltisch stehen. In was für einen Schlamassel hat mich Mom da reingezogen?
O Gott … ich will zurück nach Colorado. Zurück in meine Heimatstadt und zurück zu Riley. Weniger Stress, kein Drama und vor allem keine Leah.


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A/N: Das nächste Kapitel spielt (endlich) auf der Con. :-)
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