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Die 69. Hungerspiele

von -someone-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Caesar Flickerman Claudius Templesmith OC (Own Character)
11.02.2021
29.04.2021
23
31.469
3
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
11.02.2021 1.050
 
Hey:) Bevor es losgeht noch ganz kurz: Die Welt, in der die Geschichte spielt, gehört Suzanne Collins und einige der Figuren auch.
Viel Spaß beim Lesen, hoffentlich gefällt euch meine Fanfiction:))
Ich würde mich über Reviews echt freuen! So, jetzt aber...




Als ich aufwachte, wusste ich zuerst nicht, was mich geweckt hatte. Es war mitten in der Nacht, so schien es zumindest. Draußen vor meinem Fenster war alles ruhig, ich hörte nur den Wind in den Bäumen singen und das Plätschern des Flusses unten an der Brücke. Diese Geräusche gehörten zu meinem Leben dazu, ich war sie gewohnt. Durch sie war ich wohl kaum aufgewacht. Aber warum dann? Ich blickte in meinem Zimmer hin und her, mein Blick schweifte über die vom Mondlicht beleuchtete blaue Tapete und blieb schließlich an der Tür hängen. Beim Einschlafen war sie zu gewesen, dessen war ich mir sicher. Aber jetzt war sie ziemlich weit offen und ein schmaler Lichtschein drang in mein Zimmer. War jemand bei mir gewesen, während ich schlief? Dieser Gedanke verursachte ein peinlich berührtes Gefühl in mir. Ich brauchte meine Privatsphäre und dass mir jemand beim Schlafen zugesehen haben könnte, war mir unangenehm. Aber vermutlich war das nur Gracie gewesen, die vor Angst zu mir gekommen war. Hm. Warum war sie nicht in mein Bett gekrochen? Schlechtes Gewissen überkam mich, als ich an meine kleine Schwester dachte. Ich hatte sie in den letzten Tagen sehr vernachlässigt, ich war nur mit meinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen. Eigentlich war sie meine engste Vertraute, meine Seelenverwandte und ich konnte ihr alles erzählen, was mich beschäftigte und bewegte. Doch zur Zeit hatte sich das geändert... Wahrscheinlich war Gracie zwar hier gewesen, hatte sich aber nicht getraut, mich zu wecken. Ich seufzte.
Plötzlich hörte ich wieder das Geräusch, das mich geweckt hatte. Ein leises Wimmern, ein kaum vernehmbares Schluchzen.
Leise schlug ich die Bettdecke beiseite und setzte einen Fuß auf die kalten Holzdielen. Ich lief so schnell ich konnte durch den Raum, öffnete die Tür noch ein Stückchen weiter und versuchte die Ursache des Geräusches zu erkennen.
Ich war zwar fast 16, aber die Angst vor der Dunkelheit verschwand einfach nicht. Sollte ich jemals in die Arena müssen, wäre es dort in der Nacht schlimm für mich. Aber in der Arena war die Angst vor der Dunkelheit nebensächlich, dachte ich bitter. Da gab es ganz andere Dinge, vor denen man sich fürchten musste. Ich schluckte und konzentrierte mich wieder auf den dunklen Flur, tapste in Richtung Wohnzimmer, denn von dort schien ein Lichtstrahl durch die Ritzen der Tür hier zu mir nach draußen.
Vorsichtig klopfte ich und öffnete die Tür. Sollte jemand dort drinnen tatsächlich weinen, wollte ich nicht respektlos erscheinen und einfach ins Zimmer stürmen.
Ich blickte mich im Raum um, der mit Blumen bestickte Teppich hatte eine angenehme Wirkung auf mich und die Lampe, die über dem Tisch hing verströmte gelb-rotes Licht. Auf einem der Stühle saß meine Mutter, ihre sonst so weichen Gesichtszüge wirkten im Schein der Lampe kantig und unter ihren Augen lagen Schatten.
Ihre Augen standen voller Tränen, ihre Schultern bebten und ein weiteres Schluchzen drang aus ihrer Kehle. Ich weglaufen, mich von ihr ungesehen wieder in mein Bett verkriechen und nie mehr herauskommen. Und andererseits wollte ich zu ihr laufen, sie trösten und ihr sagen, dass alles gut werden würde. Aber natürlich würde es das nicht. Nichts würde gut werden und das wussten wir alle.
Sie blickte auf und sah mich mit roten Augen unverwandt an.
"Liebes. Was machst du denn noch hier? Hast du etwa noch gar nicht geschlafen?"
Ich seufzte. "Doch, habe ich. Aber was ist mit dir? Was ist los?"
Sie schüttelte nur den den Kopf und strich mir über den Kopf.
"Ach, mach dir um mich keine Sorgen, Liebes. Es geht mir gut. Es ist nicht weiter schlimm."
"Mhm... Soll ich bei dir bleiben?", fragte ich sie. Meine Mutter hat oft Emotionsausbrüche und weint dann tagelang, kommt nicht aus ihrem Zimmer und kümmert sich nicht um meine Schwester und mich. Dadurch hatten wir im Laufe der Zeit gelernt, für uns selbst zu sorgen, Verantwortung zu übernehmen. Unsere Chancen in der Arena waren also nicht unterirdisch. Zumindest waren wir hier in Distrikt 7 nicht so verwöhnt und an gutes Essen gewöhnt wie die Karrieros aus 1, 2 und 4. Naja. Dafür konnten die halt unglaublich gut kämpfen, waren hinterlistig und skrupellos. Zumindest die meisten von ihnen.
Meine Mutter schüttelte als Antwort auf meine Frage den Kopf.
"Nein, morgen ist es doch so weit. Du musst ausgeruht sein."
Heute. Ich blinzelte und wippte auf meinen Zehen und Fußballen auf und ab. Heute war der große Tag, heute war der Tag der Ernte, es war schon weit nach Mitternacht. In meinem Hals bildete sich ein Kloß, ich schluckte ihn mit viel Mühe herunter und sah meine Mutter an.
"Was... was ist, wenn ich gezogen werde? Was ist, wenn Gracie gezogen wird?"
Meine Mutter antwortete verzögert.
"Liebes, unser Distrikt ist groß, du wirst nicht gezogen, weder du, noch Gracie. Mach dir keine Gedanken. Und wie sagt Tessie Wanderton noch so schön: Möge das Glück stets mit euch sein. Das wird es, Linya."
Nein, das Glück war noch nie auf unserer Seite. Wir gehören zu den ärmsten Familien aus Distrikt 7 und mussten schon oft illegal auf dem Schwarzmarkt einkaufen oder Friedenswächter beklauen.
Aber wir hatten uns. Das war das wichtigste. Unser Familienverhältnis war eng, so eng wie man es sich vorstellen kann. Aber viele Freunde hatte niemand von uns. Ich nicht, weil ich niemandem so schnell traute, und meine Mutter nicht, weil sie Angst hatte, verletzt zu werden. Gracie war das liebste Wesen, das ich kannte und doch wurde sie in der Schule gehänselt, weil sie lieber im Wald umhertollte und mit Jungs spielte, als sich Kleider anzuziehen und Teegesellschaft zu spielen.

Ich umarmte meine Mutter, atmete ihren Geruch nach Blumenwiese, Feuerholz und Zuhause ein und fühlte mich geborgen.
Meine Mutter gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn und brachte mich zurück ins Bett. Ich wollte, dass sie blieb, dass sie bei mir war, doch ehe ich ein Wort hervorbringen konnte, war sie zur Tür hinaus.
Ich ließ mich in die Kissen sinken und versuchte, an etwas Schönes zu denken und einzuschlafen.
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