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Unerwartet angezogen - eine Dramione FF

von cookbert
GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
Blaise Zabini Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
10.02.2021
14.05.2021
35
42.500
10
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.05.2021 1.978
 
Hallo ihr Lieben,
ihr seht, die Kreativität hat mich gepackt und hält mich außerdem nächtelang wach. Sehr anstrengend, aber sehr passend zum heutigen Kapitel.
Dieses Mal gibt es keine Musik, sondern ein Überraschungsvideo fürs Ambiente. https://youtu.be/SK9s2oDmp8I
Viel Spaß mit dem Ergebnis meiner schlaflosen Nächte. :)

Nächtliche Recherche

Sofort, als Hermine und Draco in den Gemeinschaftsraum hinüber gegangen waren, hatte sich Draco elegant in einem der bereitstehenden dunkelgrünen Samtsessel niedergelassen. Nur Hermine war stehen geblieben und fühlte sich plötzlich ziemlich fehl am Platz. Was hatte sie sich nur gedacht? Dass sie herkommen und ganz normal mit Malfoy arbeiten könnte, in Slytherin? Ginny hatte Recht gehabt, als sie dachte, Hermine würde scherzen. Malfoys Stimme durchschnitt die unangenehme Stille, die sich über sie gelegt hatte. „Was ist denn los?“, fragte er schon fast betont gelangweilt, doch seine Körperhaltung strahlte aus jeder Pore Anmut und Aufmerksamkeit aus und widersprach somit gänzlich seinem Tonfall. Hermine seufzte leise. „Ich weiß es auch nicht“, sagte sie und umschlang ihren Oberkörper mit den Armen. „Ich fühle mich etwas...“ Sie ließ den Satz in der Luft hängen und drehte sich einmal langsam um die eigene Achse.

Der Gemeinschaftsraum war, wie ihr eigener auch, in den Hausfarben ausstaffiert. Es gab in diesem ganzen Zimmer kein einziges Fleckchen, das nicht vor Silber und Smaragdgrün nur so strotzte. Zwei edle Farben, wie Hermine neidlos zugeben musste. Sie hatte ihre Drehung beendet und war wieder Draco zugewandt. Ein Fleckchen gab es doch, an dem nicht die Hausfarben leuchteten, dachte das Mädchen und musste schmunzeln. Der Malfoy-Spross saß dort, vollständig in Schwarz gekleidet, und sah aus wie die Verkörperung von distinguiert. Neben ihm fühlte sie sich noch unpassender in ihren Jeans und dem dunkelroten Pullover. Mit einer Hand rieb Malfoy sich nachdenklich das Kinn und es schien ihn nicht zu stören, so unverhohlen gemustert zu werden, denn er sah seinerseits Hermine unverwandt und ohne Spott in die Augen. Nach einigen Minuten Stille, die aber diesmal nicht unangenehm waren, erklang wieder seine Stimme: „Verloren?“ Die Brünette blinzelte verwirrt, bis ihr auffiel, dass Draco nur ihren Satz von vorhin beendet hatte. Sie räusperte sich. „Ehm ja, genau.“

„Setz dich doch erst einmal“, schlug der Slytherin vor und wies gönnerhaft  mit einer Hand auf das Sofa zu seiner rechten. Unsicher trat Hermine zu ihm und ließ sich in das etwas zu weiche Polster sinken. Sicher war es durchgesessen von den vielen Generationen an Schülern, die bereits diese heiligen Hallen bevölkert hatten. Die Gryffindor verschränkte ihre Finger. „Ich habe ein paar Bücher mitgebracht. Du hast sicher Pergament und Federn“, sagte sie dann, um die Arbeitsperiode zu eröffnen. „Wozu sollten wir das brauchen?“, fragte Draco und ließ seinen Nacken knacken. „Um unsere Erkenntnisse zu notieren, zu sammeln und so einen besseren Überblick zu haben. Oder wirst du dir das alles merken können?“, fragte sie herausfordernd, erwartete aber keine Antwort und griff schon nach dem ersten Buch, als Malfoy aufstand. „Meinetwegen“, murrte er. „Dabei dachte ich, du wärst so ein Genie“, murmelte er, als er das Zimmer verließ. Hermine schmunzelte. Sie fühlte sich von diesem Spruch nicht wirklich angegriffen, er amüsierte sie eher. Sicher hätte sie sich alles merken können, doch es war immer gut, eine Absicherung zu haben. Doch um Dracos Ego nicht zu verletzen, sagte sie nichts, als er mit Pergament, Feder und einem kleinen Tintenfässchen zurückkehrte.

„Hör mal“, meinte sie stattdessen, nachdem er sich wieder gesetzt hatte. „Ich bin ganz Ohr, Granger“, meinte Malfoy daraufhin. Hermine überhörte seinen ironisch spottenden Unterton. „Wir sollten zuerst alles zusammentragen, was wir ohne die Bücher wissen. Alles, was wir bisher mit unserem reinen Verstand ausmachen können“, sagte sie, während sie schon nach Feder und Pergament griff. Doch sie hielt plötzlich inne. „Oder willst du vielleicht schreiben?“ „Mach dich nicht lächerlich“, erwiderte Draco sofort, bereute jedoch seinen harten Tonfall sogleich. Um abzulenken, begann er, seinen Wissensstand zu erläutern: „In der Bibliothek habe ich einen Zettel gefunden. Das müsste so vor zwei Wochen gewesen sein.“ Hermine nickte, denn davon hatte Draco ihr bereits im Krankenflügel erzählt. Sie notierte außerdem das Datum und forderte Draco auf, weiterzusprechen. „Mal überlegen.“

Der Malfoy-Spross tippte sich ans Kinn, was die Brünette  dazu verleitete, auf seine überraschend vollen Lippen zu starren. Auf einmal fiel ihr wieder ein, wie sich sein Mund auf ihrem eigenen angefühlt hatte und ihr wurde ganz heiß. Mit einer Kraft, von der sie nicht gedacht hätte, sie aufbringen zu müssen, riss sie sich zusammen und konzentrierte sich wieder auf die vor ihr liegende Aufgabe. Doch der Gedanke an Dracos Kuss war nicht spurlos an ihr vorbei gegangen und sie zog ihre Jacke sowie den Pullover aus. Neben dem Kamin war es auch wirklich mollig warm. Unter dem Pullover kam ein einfaches, rosafarbenes T-Shirt zum Vorschein, das sich eng an ihren Körper schmiegte. Jetzt war Draco derjenige, der abgelenkt schien. „Draco?“, versuchte Hermine ihn anzusprechen und damit in die Wirklichkeit zurückzuholen. Es funktionierte, denn der fiebrige Glanz verschwand aus seinen Augen genauso schnell, wie er gekommen war. Malfoy räusperte sich verhalten und lockerte seine Krawatte, was ihm sehr gut stand.

„Der Besen ist mein eigener, das erkenne ich an der Seriennummer“, führte er weiter aus, so als hätte es die kleine Unterbrechung nie gegeben. Hermine schrieb fleißig mit. „Ich habe ihn vor drei – nein, vier Jahren von meinem Vater erhalten.“ „Wo war der Besen direkt vor dem Spiel?“, wollte die Brünette wissen und lehnte sich interessiert zu ihm. Sie ging jetzt ganz in der Aufgabe auf. Es gab ein Rätsel, das es zu lösen galt und sie würde nicht eher ruhen, bis es geknackt und weit ausgebreitet vor ihr lag. „Blaise hat ihn aus unserem Schlafsaal geholt, weil ich ja etwas später zum Training kam...“ Wieder musste er unterbrechen und sturmgraue Augen trafen auf kastanienbraune. Und wieder war es Hermine, die zuerst wegsehen musste, weil ihr die Hitze in die Wangen stieg. Sie wollte nicht, dass Malfoy ihre Verlegenheit sah und auf irgendeine Weise ausnutzte. „Nachdem wir uns dann umgezogen hatten“, nahm Draco den Gesprächsfaden wieder auf, „hat Finley alle Besen mit zum Spielfeld genommen.“ Auf Hermines fragenden Blick hin erklärte er großmütig: „Finley ist der Co-Kapitän unserer Mannschaft. Ein sehr nervöser Sechstklässler, der neu in der Mannschaft ist, aber ein sagenhaftes Jägertalent sein soll. Er hat am Sonntag zum ersten Mal das Training geleitet.“ Die Gryffindor nickte bestätigend, während ihre Hand, die die Feder hielt, über das Blatt flog. „Und dann passierte schon der Vorfall.“ Malfoy rutschte bis an die Sesselkante vor, betrachtete jedoch seine Hände. „Du hast mein Leben gerettet.“ Sollte das etwa ein Dank sein? Hermine versuchte, nicht zu enttäuscht zu sein. Das Malfoy sich zu dieser Geste durchgerungen hatte, bewies schon etwas und sie wollte ihm zeigen, dass sie verstand. Also legte sie eine Hand auf seine, sodass er nun ihre Hand ansehen musste. „Ich kann doch niemanden sterben lassen, wenn ich etwas dagegen tun kann“, sagte das Mädchen leise und strich mit ihrem Daumen über Dracos Fingerknöchel, die weiß angelaufen waren, so sehr umklammerte er seine andere Hand.

Nach einer Weile und nachdem Draco sich wieder etwas entspannt hatte, rutschte sie an ihre vorherige Position zurück und nahm wieder die Feder in die Hand. „Das bedeutet also“, setzte sie an, „dass der Besen praktisch die ganze Zeit unbeobachtet in deinem Zimmer steht und für jeden zugänglich ist, der das aktuelle Passwort für euer Haus kennt.“ Sie tippte sich mit der Feder an die Stirn. „Außerdem wissen wir, dass es im Schloss einen Maulwurf geben muss.“ „Warum?“, warf Draco sofort ein. „Weil“, erklärte Hermine und rieb sich die Nasenwurzel, „keine Informationen über den ersten Anschlag auf dich und sein Scheitern außerhalb dieser Schlossmauern gelangt sind. Professor McGonagall sagte mir, sie habe zu deiner Sicherheit nicht einmal deine Mutter davon unterrichtet. Da es einen zweiten Anschlag auf dein Leben gab, müssen die Attentäter erfahren haben, dass du nach dem ersten Versuch noch gelebt hast.“ Langsam lehnte sich der Blonde zurück. Das ergab Sinn, allerdings war es eine äußerst unschöne Vorstellung, dass andere Schüler ihm an den Kragen wollten. „Zudem habe ich in einem Buch eine verschlüsselte Notiz entdeckt“, sagte Hermine gerade und riss ihn aus seinen Gedanken. Sie schlug das Buch auf, das zuoberst auf dem wackeligen Stapel gelegen hatte, und zeigte mit dem Zauberstab auf eine Randnotiz neben einem langen Text. Doch alles, was Malfoy dort sehen konnte, waren Zeichen, die ihm unbekannt waren. „Was soll das sein?“, fragte er deshalb. „Warte“, erwiderte Hermine nur und sprach mit geschlossenen Augen einen Zauber. Augenblicklich veränderten sich die unbekannten Zeichen und wurden zu Runen, die zwar nicht mehr gebraucht wurden, aber für jemanden mit Kenntnissen im Fach Alte Runen durchaus lesbar waren. „Anschlag auf M vorbereitet. E plant bereits für Z. Treffen wie üblich“ waren die Worte, die Draco dort entziffern konnte. „So haben sie sich also für meine Ermordung abgesprochen?“, sprach er das Erste aus, was ihm in den Sinn kam. Hermine nickte flüchtig.

„Dieser Zauber hier war auch der Grund, warum ich damals im Krankenflügel war“, setzte sie erklärend hinzu. „Ein wenig habe ich darüber schon nachgelesen, wie du siehst. Sonst hätte ich den Zauber nicht anwenden können. Allerdings müssen wir noch herausfinden, was das für ein Zauber ist und ob er eventuell verboten ist oder seine Nutzung registriert werden muss.“ Granger hatte wirklich einen messerscharfen verstand, das musste Draco ihr lassen. Sie dachte wohl daran, später in alten Akten nachzusehen, ob jemand diesen Zauber oder etwas ähnliches früher schon angewendet hatte und damit negativ aufgefallen war. „Na dann mal los“, sagte Draco ohne viel Freude und griff nach einem weiteren Buch, das die Gryffindor mitgebracht hatte.

Als die große Uhr auf dem Kaminsims zwölf Mal schlug, schreckten Hermine und Draco auf. Beide waren so in die Recherche vertieft gewesen, dass sie nicht bemerkt hatten, wie spät es bereits war. Da Draco außerdem jedem verboten hatte, während Hermines Anwesenheit den Gemeinschaftsraum zu betreten, hatte sie auch niemand auf die Uhrzeit aufmerksam machen können. Hermine seufzte und dehnte Nacken und Finger, sodass ihre Gelenke leise knackten. Sie hatte sich zwischenzeitlich auf den Boden gesetzt, um die aufgeschlagenen Bücher um sich herum ausbreiten zu können und lehnte mit dem Rücken an der grünen Ledercouch. Die Brünette strich sich eine Locke aus dem Gesicht und sah heimlich zu Draco hinüber. Er sah unfassbar müde aus, allerdings hatte er mittlerweile Krawatte und Sakko abgelegt, den obersten Hemdknopf geöffnet und seine Ärmel hochgekrempelt, was ihm ein verwegenes Aussehen gab. Zusätzlich hatte er sich in den letzten Stunden die Haare gerauft. Seine blonden Haare lagen wirr auf seinem Kopf und Hermine wäre zu gern mit den Fingern hindurch gefahren und hätte zu gern seine zarte Haut an den entblößten Unterarmen gestreichelt – und auch an anderen Stellen, wenn sie ehrlich war. Malfoys blasse Haut bekam durch das nahe Kaminfeuer einen angenehm warmen Schimmer und sah so einladend aus wie eine warme Milch mit Honig.

Das Mädchen lächelte. Früher wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, sich in ihrer Gegenwart so vollkommen zu entspannen, wie er es jetzt gerade tat. Dieser Sinneswandel löste eine unbändige Freude in ihrem Herzen aus. Doch auch sie war müde und durch das lange Sitzen schmerzten ihre Glieder. „Ich sollte jetzt gehen“, sagte sie daher, nicht ohne Bedauern in der Stimme. Draco sah auf und seine grauen Augen erstrahlten wie ein edles Silberschmuckstück, als der Kaminschein auf sie fiel. Hermine spürte, wie sie unter diesem Blick jede Sekunde weicher wurde rappelte sich daher schnell auf und hoffte doch, dass er nie enden würde. „Ist es in Ordnung, wenn ich die Bücher erst einmal hier lassen würde?“, fragte sie zerstreut, während sie ihren Pullover überstreifte und nach ihrer Jacke griff. „Ja selbstverständlich“, sagte Draco. Auch er klang müde und wie zum Beweis rieb er sich die Augen. Nachdem sie noch einen Moment unschlüssig herumgestanden hatte, ging Hermine langsam zur Tür. „Na dann“, meinte sie und winkte leicht in seine Richtung. „Gute Nacht, Draco.“
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