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~Louder than love~

von LunaStar
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Bill Georg Gustav OC (Own Character) Tom
10.02.2021
04.03.2021
13
27.065
 
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23.02.2021 2.119
 
Hallo ihr Lieben.

Viel Spaß mit Kapitel 10! :)



~Tom~


Wir saßen schweigend in meinem Wagen und ich fragte mich, was mich geritten hatte, als ich Luna vorgeschlagen hatte mit mir spazieren zu gehen?
Fest stand, ich hätte sie niemals alleine vor die Türe gehen gelassen.
Nun hatte ich den Salat und das alles nur, weil ich unter diesen krankhaften Wahnvorstellungen litt, irgendjemand da draußen könnte den Menschen die mir wichtig waren Schaden zufügen.
Es hatte schon gefühlte Ewigkeiten gedauert bis ich einigermaßen damit klar gekommen war, dass Bill auch mal ohne mich loszog.
Und das war ein schmerzhafter Prozess gewesen.
Tatsächlich hatte ich Bill öfter als einmal in den Wahnsinn getrieben gehabt, weil ich ihm alle halbe Stunde eine Nachricht geschrieben hatte, um mich nach seinen Wohlbefinden zu erkundigen.
Am schlimmsten aber war es gewesen, wenn er mir nicht direkt antwortete.
Mein Hirn hatte sich dann die schlimmsten Szenarien ausgemalt und ich war vor Panik teils zu Boden gegangen und hatte keine Luft mehr bekommen.
„Soll ich dir mal etwas verraten? Ich hatte mir letztens überlegt eine Strichliste zu machen, wie oft ich an einem einzigen Tag hier im Stau stehe, also wie oft und wie lange. Das wollte ich dann über einen Monat lang machen und dann anonym an die Zeitung schicken. Ey, darüber muss berichtet werden und wenn sich niemand beschwert, dann wird das Verkehrssystem hier doch nie besser! Oder ich miete mir `nen Privatjet, aber so protzig möchte ich eigentlich echt nicht sein.“ sagte ich in die Stille hinein und versuchte mich von meinen düsteren Gedanken abzulenken. Seit knapp zwanzig Minuten kamen wir nur in Schrittgeschwindigkeit voran, es war zum Verrücktwerden.
Luna schwieg und zuckte desinteressiert mit den Schultern, starrte stur aus dem Fenster.
„Und jetzt lass uns dieses super tolle Spiel spielen, sonst verblöde ich hier noch in diesem Dreckstau: Ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist grün!“
“ Der Vorgarten dort hinten?“ sagte sie gelangweilt und sah mich fragend an.
Endlich, endlich hatte ich dieses unerträgliche Schweigen zwischen uns gebrochen.
„Nö!“
„ Der grüne Wagen, dort auf der rechten Seite?!“
„Nö!“
„Ähm? Dein Schnürsenkel?“
„Nö!“
„Ich weiß es nicht!“
„Mein Gesicht, wenn das mit dem Stau so weiter geht! Dann muss ich nämlich kotzen!“ antwortete ich spöttisch.
Ich drückte entnervt auf die Hupe, als ich sah das der Verkehr langsam wieder ins Rollen kam und sich mein Vordermann trotzdem nicht von der Stelle bewegte.
„Boah Tom, lass den armen Mann doch erstmal in Ruhe anfahren. Das ist so peinlich wie du dich verhältst.“ zischte Luna verständnislos und griff nach meiner Hand, löste sie von der Hupe.
Meine Haut reagierte sofort auf diese plötzliche Berührung und eine verräterische Gänsehaut schlich sich auf meinem Arm.
„Deine Geduld, will ich echt mal haben!“ knurrte ich und schüttelte meine Hand aus ihrer.
„Zumindest im Straßenverkehr würde dir ein kleines Fünkchen mehr Geduld echt keine Zacke aus der Krone brechen, also schenk dir diesen ironischen Unterton.“
„Und du spar dir endlich diese Besserwisserei!“ konterte ich und konnte nicht verhindern, dass sich ein Lächeln in mein Gesicht schlich.
Luna schwieg, zuckte mit den Schultern und sah nun wieder gelangweilt aus dem Fenster.
„Jetzt sei doch nicht gleich wieder beleidigt!“
„Bin ich nicht!“
„Doch!“
„Nein!“
„Doch!
„Nein!“
„Doch!“
„Jetzt halt endlich die Klappe, Tom!“ keifte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
Endlich löste sich der Stau auf und deshalb trat ich amüsiert aufs Gas:“ Es war echt langweilig ohne dich, weißt du das? Und jetzt halt dich besser fest, denn ich würde gerne heute noch meinen Hund Gassi führen können!“


„So, alles aussteigen!“
„Dein Fahrstil ist tatsächlich noch schlimmer als ich ihn in Erinnerung hatte.“ flüsterte Luna und legte ihren Kopf in den Nacken.
„Stell dich nicht so an!“ antwortete ich, zog den Schlüssel aus dem Wagen und stieg aus.
Pfeifend öffnete ich den Kofferraum und half Scotty heraus: “Die Freiheit ruft!“
Luna machte keine Anstalten den Wagen zu verlassen und ich fragte mich ob sie mich provozieren wollte.
Ich nahm Scotty an die Leine und öffnete die Beifahrer-Türe“: Jetzt steig doch endlich aus!“
„Nein!“ flüsterte Luna wehleidig und rieb sich die Stirn.
Sie war ziemlich blass geworden und augenblicklich schlug meine Stimmung um.
„Ist dir schlecht? Ach komm, so schlimm kann es doch nicht gewesen sein.“
Ich ging in die Hocke, um mit ihr auf einer Höhe zu sein und blickte ihr verunsichert in die Augen.
„Du bist gefahren wie ein Irrer, fast genauso wie damals!“ sagte sie und der vorwurfsvolle Klang in ihrer Stimme war unüberhörbar.
Erinnerungsfetzten schoben sich vor mein Schichtfeld und es wurde schwer das Hier und Jetzt davon zu unterscheiden.
Eine Welle der Panik übermannte mich und ich sah mich hektisch um.
„Tom, wir müssen von der Autobahn, wir müssen hier weg.“
„Das weiß ich selbst, aber bisher ist keine Ausfahrt in Sicht und die Tussi nutzt jede Gelegenheit aus mich an einer Flucht zu hindern.“
„Halt dich rechts, wechsele irgendwie auf die rechte Spur, ich glaube die nächste Ausfahrt kommt in 500 Metern!“
„Das wird sie nicht davon abhalten uns zu folgen!“
„Egal, Hauptsache wir gefährden keine unschuldigen Menschen!“
„Mhm!“

Der Druck, mit dem Luna nun nach meiner Hand  griff riss mich aus der Erinnerung: “Tom, es ist alles gut! Niemand ist hier, niemand verfolgt uns. Atme tief ein und aus. Tut mir leid, wenn ich gewusst hätte wie du drauf reagierst, dann hätte ich es nicht erwähnt.“
Irritiert sah ich sie an und seufzte: „Nein, nein du hast ja recht. Es ist nur, ich hatte grade das Gefühl wieder auf dieser Autobahn zu sein und diese Schlampe mit ihrem Wagen hinter uns…“
„Entschuldige, ich hab das wirklich nicht gewollt.“
„Das weiß ich doch, ist schon gut. Meinst du, du schaffst es jetzt aufzustehen? Ich würde dir gerne etwas zeigen, aber das ist schon noch eine Ecke zu laufen.“ antwortete ich schnell, wollte dem Thema keine weitere Beachtung schenken.
Es tat mir nicht gut, ganz und gar nicht gut.
Luna war immer noch recht blass und deshalb kramte ich nun in meinem Rucksack und suchte nach den Wasserflaschen die ich eingepackt hatte.
„Hier nimm, bitte trinke mal was! “
Dankbar griff sie nach der Flasche die ich ihr hinhielt und öffnete diese.
„Du musst dich hier wirklich nicht mehr wie auf der Flucht fühlen, Tom. Ich sage das nur, weil ich das Gefühl habe, du fühlst dich immer noch wie jemand, auf den Jagd gemacht wird. Die Stalkerinnen, sind Geschichte. Die haben sich aufgelöst. Sie können euch nichts mehr anhaben. Bitte glaub mir das. In Ordnung? Versprichst du mir, dich nicht mehr länger vor ihnen zu fürchten?! Bitte!“
Der Schmerz der nun gegen meine Brust drückte, sich über mich lustig zu machen schien, war so heftig, dass ich aufspringen und Luna den Rücken zuwenden musste.
„Ok, versprochen!“
Ich wollte diese Bilder nicht wieder in meinem Kopf haben, die sich mir nun aufdrängten:
Maskierte Weiber, die Luna, Bill, Mama, Georg, Gustav und mir nur Leid hatten zufügen wollen.
Ich wollte die Gefühle nicht wieder wahrnehmen müssen, die damals in mir gehaust hatten.
Nichts davon wollte ich je wieder fühlen müssen.
Diese unerträgliche Angst, dieses Gefühl die Kontrolle über mein Leben zu verlieren, all das wollte ich nicht mehr in meinem Kopf haben.
Es beherrschte mich auch ohne all diese Flashbacks, schon genug.
„Tut mir leid, aber es war mir wichtig das zu sagen!“
Luna stand hinter mir und ließ die Beifahrertür ins Schloss fallen.
„Danke und jetzt komm, lass uns losgehen!!“
Ich drehte mich zu ihr um und lächelte krampfhaft, hoffte dass sie nun endlich damit aufhören würde über diese vergangenen Zeiten zu sprechen.
„Gerne…“


Seit knapp einer Stunde liefen Luna, Scotty und ich nun schon stillschweigend durch dieses abgelegene Waldstück, welches Bill und ich nur durch Zufall entdeckt hatten.
Die meiste Zeit über beobachtete ich mit Freude, wie Luna immer wieder vor verwilderten Blumen und Stauden stehen blieb.
Es war Mitte April und hier und dort spross nun der kalifornische Goldmohn.
Er tauchte die Umgebung in ein warmes, goldorangenes Meer voller Blütenblätter.
So etwas suchte man in Deutschland vergeblich, es gab nichts vergleichbares, wenn überhaupt vielleicht die blühenden Rapsfelder im Oktober.
„Es ist so unglaublich schön hier!“ rief mir Luna zu und lächelte.
„Nicht so schön wie du!“ flüsterte ich, weil ich mich in Sicherheit wog und wusste, dass sie mich nicht hören konnte.
Scotty sprang ausgelassen auf sie zu, drückte ihr ein Stöckchen gegen die Knie.
„Oh ja, stimmt! Fang, na los lauf!“
Das Stöckchen schoss durch die Luft und Scotty jagte sofort hinterher.
Ich schloss zu Luna auf und grinste:“ Du hältst meinen alten Mann ganz schön auf Trab.“
„Er will es so!“
Ich nickte, legte den Kopf schief und kaute auf meinem Unterlippenpiercing herum:“ Aber er sollte es trotzdem nicht übertreiben. Er hat Arthrose in den Hinterpfoten.“
„Oh, verstehe…“
„Komm, wir sind fast da. Allerdings muss ich dich warnen, das letzte Stück jetzt, wird etwas steinig und steil. Aber es lohnt sich.“ wechselte ich prompt das Thema und griff ohne drüber nachzudenken nach ihrer Hand, die ich auch erst wieder losließ nachdem wir den schwierigsten Teil, über einen kleinen Bach und Geröll hinter uns gelassen hatten.
„Und jetzt mach dich auf die Aussicht gefasst!“ flüsterte ich, als wir mein Ziel endlich erreicht hatten.
Wir standen nun auf diesem Hügel, von dem aus man ganz L.A. überblicken konnte.
Bill und ich hatten hier schon oft gestanden und alles ganz genau in uns aufgenommen.
Hier oben, da waren wir wirklich frei, hatten die Kontrolle über alles, es war schwer zu erklären.
Aber wenn man diese riesige Stadt quasi vor seinen Füßen liegen hatte, da kam es einem so vor, als stünde man über allem, vergleichbar wie ein König, der auf sein Volk herabschaute.
Luna stand der Mund offen und ich grinste in mich hinein.
„Da biste platt was?!“
„Allerdings!“
„Ich liebe diese Aussicht, abends ist sie ganz besonders schön. Dann gehen nach und nach all die Lichter in den Häusern an und über dir da zieht dieser unbeschreibliche Sternenhimmel auf. Das ist nicht vergleichbar mit dem Sternenhimmel den du in Deutschland zu sehen bekommst. Allein die Milchstraße kommt dir hier oben zum Greifen nah vor. Wirklich, dass musst du dir demnächst mal mit mir…- Ähm mit uns angucken! „sprach ich munter drauf los, wollte dieses Gefühl von Freiheit unbedingt mit ihr teilen.
„Wird gemacht!“
„Gut und irgendwann da müssen wir mal in einen der Nationalparks, hier in der Gegend fahren. Da gibt es gefühlt endlose Blumenmeere. Nichts als Blumen egal wohin du siehst. Und Tiere, die du sonst nur in Zoos zu Gesicht bekommst. Ich hatte Bill zuletzt vorgeschlagen mal für eine ganze Woche, mit einem Zelt im Gepäck, durch eines dieser Gebiete zu ziehen, aber er wollte nicht.“ sprudelte es weiter aus mir heraus und ich fragte mich, weshalb ich nicht einfach die Klappe halten konnte.
Das alles, was ich ihr erzählte, all diese Pläne, die würde ich ja doch nicht mit ihr an meiner Seite in die Tat umsetzen können.
Es würde Jessica sein, Jessica die mir schlecht gelaunt verdeutlichen würde, dass ihr die Natur getrost gestohlen bleiben konnte.
Ich verlor mich in diese tristen Zukunftsvisionen und trat mürrisch einen Stein zur Seite, ganz einfach, weil er da lag und es sich anbot.
„Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt, also du und Jessica!“ fragte Luna plötzlich in die Stille hinein und mein Herz rutschte mir in die Hose.
Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet, ich war mir nicht einmal sicher, ob ich sie überhaupt beantworten wollte.
„Warum willst du das wissen?!“ zischte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Nur so, weil…“ Luna schien den Mut zu verlieren und hockte sie zu Scotty herunter, der treuherzig vor unseren Füßen lag.
„Weil was?!“
„Naja, sie ist ja quasi meine Nachfolgerin! Und deshalb interessiert es mich.“
Nachfolgerin!!
In mir zog sich alles zusammen, jede Zelle meines Körpers schien sich gegen diese Aussage auflehnen zu wollen, schien sie unter keinerlei Umständen akzeptieren zu wollen.
„Es wird so sein wie du es möchtest. Wir sind Geschichte, es hat uns nie gegeben. Dein Wunsch ist mir Befehl!!“ rief ich mir meine eigenen Worte in Erinnerung und ärgerte mich über mich selbst.
Warum nur hatte ich das gesagt?
Wieso war ich solch ein Feigling, solch ein Versager?
Weshalb kämpfte ich nicht um das was ich wirklich wollte?
Ich verstand mich selbst nicht.
Aber wann hatte ich das je getan?
Hatte ich es überhaupt jemals getan?
Ich wusste es nicht, konnte mir diese Frage beim besten Willen nicht beantworten und biss mir so fest auf die Unterlippe, dass ich plötzlich Blut schmeckte.
„Erzählst du es mir nun oder nicht?!“ Luna ließ nicht nach, sah mir klar und fest in die Augen.
„Also gut, da du ja nicht lockerlässt. Es war so…“
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