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Dancing on Broken Glass

von Lupae
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Drachen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Gestaltwandler Kobolde & Feen Vampire Zauberer & Hexen
08.02.2021
17.03.2021
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08.02.2021 4.056
 
„Eine Fee?!“
Sie standen vor der Scheibe des Einwegspiegels. Er - eine der gefürchtetsten Mächte der Welt - und zwei seiner besten Männer. Alle in voller Kampfmontur und bis an die Zähne bewaffnet.
Sie sahen in einen kleinen, fast leeren Raum. Da waren nur kühle Steinwände, ein kleiner Tisch, ein Stuhl und dieses spindeldürre Ding das sich in eine Ecke verkrochen hatte. Niemand wusste wo sie herkam und wie sie es überhaupt hierher geschafft hatte.

Das hier war sein privates Haus, eines der am besten gesicherten Gebäude der Welt, seine Lage war streng geheim. Alle hier im Raum waren bei ihrer Ankunft anwesend gewesen - Raubtiere, die Blut noch Meilen gegen den Wind witterten. Dieses Kind war voll von Blut und doch war es unbemerkt auf dieses Gelände gelangt, nur um panisch an seine Tür zu Klopfen.

Er legte den Kopf schief. Sie war höchstens fünfzehn und für ihn, der zumeist von großgewachsenen und kräftig gebauten Persönlichkeiten umgeben war, wirkte sie – auch wenn sie für ihr Volk, jetzt schon hochgewachsen war – zart wie ein Zweig. Ihre helle Haut war mit Wunden und blauen Flecken übersäht und beschmiert mit Dreck und Blut. Besonders ihre Füße sahen schlimm aus: Die Sohlen waren komplett aufgerissen und blutig. Dort wo noch heile Haut übrig war, war sie mit Blasen übersäht. Ihr verfilztes schmuddeliges Haar war wohl mal… blond gewesen. Genau konnte man das nicht mehr erkennen. Sie trug etwas am Leib das wie ein… Nachthemd wirkte. Ein Stoff zart wie Seide. Aber auch das war besudelt, zerrissen, und bedeckte kaum noch das Nötigste. Daher hatte sie diese Flügel, die ebenso zart und zerbrechlich wie der Stoff wirkten, eng um ihren Körper geschlungen.

Er musste zugeben das diese Flügel eine Augenweide waren. Sie schimmerten, in allen Regenbogenfarben, kühl und mystisch wie Wassertropfen im Mondlicht. Wie Libellenflügel.
Er mochte glänzende Dinge.

Sie hatte die Knie eng an ihren Körper gezogen und die Arme darum geschlungen. Sie starrte ins und nur an ihren leisen flachen Atemzügen erkannte er, dass sie keine makabre Statue war.
Er war alt. Er hatte bereits vieles gesehen, eigentlich war er der Meinung gewesen er hätte bereits alles gesehen. Feen war er bisher nur selten begegnet, denn Feen WAREN selten. Besonders die hochgeborenen mit Flügeln. Aber er kannte sie. Was er hingegen noch nie gesehen hatte war das eine von ihnen sich Freiwillig auf SEIN Gebiet wagte. Die Feen hatten alle eine Scheißangst vor ihm.

Zurecht.

Und dann hatte er noch nie eine in solchem Zustand gesehen.
„Ich habe noch nie eine hochgeborene Fee gesehen.“ Briec, der jüngste unter seinen Wächtern, sah sie fasziniert an.
„Die Feen leben zurückgezogen, nur wenige von ihnen mischen sich unter Menschen, oder andere Völker. Die Adeligen leben fast ausschließlich an ihren Höfen im Anderland. Sie kommen selten auf diese Seite der Übergänge. Im Grunde nur aus politischen Gründen, oder es ist die Neugierde der Jüngeren.“ Erklärte er ruhig, wandte dabei aber nicht den Blick von diesen Augen ab.

Ihre Farbe… alles an ihr wirkte neben dem Dreck hell und farblos. Wie… Pastell. Doch ihre Augen. Ein tiefes klares Violett. In seinem Hort befanden sich Amethyste, die die gleiche Farbe hatten. Doch sie waren dunkel, stumpf und leer. Tot. Er stellte fest das ihm das nicht gefiel. Wie gesagt, er mochte glänzende Dinge. Diese Augen glänzten nicht mehr.

„Wo ist der Heiler?“ fragte er dann ruhig weiter. Auch wenn er Feen kannte, und manchmal mit ihnen zu tun hatte, wusste er kaum etwas über sie und ihre Physiologie. Außerdem lag seine Spezialität eher darauf Fleisch zu zerreißen als es zu heilen.

„Gleich da. Er ist noch zur Kontrolle.“ entgegnete sein erster Wächter neben ihm ruhig.
Aiden war erster Wächter, weil er der Diplomat unter ihnen war. Er hatte versucht mit ihr zu Reden. Das Mädchen hatte einen Blick auf die große bedrohliche Gestalt geworfen, und ihr Herz hatte so schnell zu hämmern angefangen das sie dachten sie würde einen Herzinfarkt erleiden. Sie hatte Hyperventiliert und je mehr er versucht hatte sie zu beruhigen desto schlimmer war es geworden.

Dann hatten sie es mit einer Frau versucht. Unter seinen sieben Wächtern gab es nur zwei Frauen. Alyssa und Rhielle. Letztere war derzeit mit ihrer Truppe weiß der Geier wo, und bestimmt dabei irgendwem das Leben schwer zu machen. Wenn alle Verhandlungen gescheitert waren und er ein Gefecht beenden wollte, schickte er Rhielle, wer nicht vor ihr floh, starb. Ganz einfach. Sie nahm keine Gefangenen.

Alyssa war jung, und ungestüm. Deshalb hielt er sie hier an der kurzen Leine. Was er sich vielleicht hätte vor Augen halten sollen, BEVOR er die Frau zu der traumatisierten Fee schickte. Immerhin hatte hatten sie sie in diesen Raum bringen können. Werfen… wie auch immer. Doch seitdem hatte das Mädchen sich keinen Millimeter mehr bewegt. Sie hofften der Heiler könnte ihnen weiterhelfen.

Und so blieben sie schweigend einige Minute stehen. Immer noch auf dieses Wesen starrend, das so viel zarter war als jeder von ihnen es gewohnt waren.
Dann ging die Tür auf. Der Heiler kam herein, an seinem Arm hing ein Weidenkorb voller Blumen. Er quillte fast über.
„Ich bin gekommen so schnell ich konnte.“ Entgegnete er.
„Und du hast mir Blumen mitgebracht.“ Briec lächelte. „Wäre doch nicht nötig gewesen.“
„Die sind nicht für dich.“ Ich schnappte der alte Mann zurück. „Blumen beruhigen und stärken Feen. Sie werden ihr guttun.“ Dann sah auch er durchs Glas.

„Bei den Göttern. Was habt ihr mit ihr gemacht?!“ Hauchte er dann bei dem Anblick ihres Zustandes.
„Wir waren das nicht. Wir haben sie so auf meinem Land gefunden.“ erwiderte er knurrend. Er war nicht wütend, weil der Heiler ihm eine Misshandlung vorgeworfen hatte. Im Grunde war es eine legitime Annahme. Er war ungeduldig, weil er von einem Heiler erwartete, den Unterschied zwischen den Wunden einer Flucht und denen die seine Leute hinterließen, zu erkennen. Denn wenn sie angriffen floss das Blut in Strömen und nicht aus Kratzern.
„Kannst du ihr nun helfen?“ blaffte er.

Der Mann sah ihn nun ängstlich an. „Ich… Feen haben ihre eigenen Heiler ich habe bisher nur sehr wenige behandelt, aber ich denke ich kann ihr helfen.“
Er nickte knapp zögerte dann aber.
„Sie reagierte panisch auf meinen Wächter, ich weiß nicht ob das für alle Männer gilt. Sie riecht nicht als sei sie vergewaltigt worden. Da ist zwar fremdes Blut an ihr, aber keine weiteren Körperflüssigkeiten, die nicht von ihr stammen. Dennoch können wir es nicht völlig ausschließen.“ Führte er weiter aus.

Der Heiler nickte wieder. „Ich bin für solche Situationen ausgebildet.“ Sagte er nur.
„Dann geh!“
Der Geruch von Blut, besonders in diesen Mengen, machte ihn langsam Wahnsinnig. Es weckte die Bestie in ihm. Sie dürstete immer nach Beute. Und Feen… waren Beute. Der Heiler zog sich zurück, und kurz darauf sahen sie die Tür des Raumes aufgehen. Sie reagierte diesmal nicht als der Mann den Raum betrat. Sah nicht auf. Zuckte nicht einmal. Der Mann hatte eine zurückhaltende Haltung angenommen. Er versuchte alles um nicht dominant oder bedrohlich zu wirken. Das half offenbar.

Er redete leise und sanft in ihrer Sprache auf sie ein, und setzte sich in einiger Entfernung zu ihr, auf den Boden. Langsam kehrte der Fokus in ihren Blick zurück. Sie nahm den Mann vor sich ins Visier und sah ihn misstrauisch an, geriet aber nicht in Panik. Das war gut oder?
Dann nahm er eine der Blumen, eine gelbe Rose, und reichte sie ihr Vorsichtig. Sie sah die üppig blühende Pflanze an und er sah das Zögern, sah die Angst. Dann nahm sie sie aber. Sie musterte sie mit leerem Blick.

Er selbst sprach die Sprache der Feen nicht sonderlich gut. Es war eine melodische Ansammlung von lauten die ihm unangenehm auf der Zunge waren. Es war fast wie das Zwitschern aufgebrachter Vögel. Doch er verstand sie ziemlich gut. Bei der Fee war jedoch keine Melodie mehr in den Worten. Sie antwortete auf kaum eine Frage und wenn dann war es tonlos. Dumpf.

„Was ist passiert?“
Schweigen.
„Wie bist du hierhergekommen?“
Weiteres Schweigen.
„Wie ist dein Name?“
Da zögerte sie.
„Lorelle“ Seine Augen weiteten sich einen Moment. Lorelle…

Der Heiler nickte. „Hast du Schmerzen. Lorelle?“
„Meine Füße… Meine Füße tun sehr weh.“
Das glaubten sie ihr aufs Wort. Diese winzigen Füße die fast nur noch rohes Fleisch waren.
„Ich kann dir helfen. Ich bin Heiler, ich kann sie Heilen.“
Wieder dieser misstrauische und gleichzeitig furchtsame Blick. Dann hielt sie ihm Vorsichtig einen ihrer Füße hin. Er rutschte näher, legte den Fuß auf seine Knie und strich mit den Händen über die Verletzungen. Er spürte die aufwallende Magie, sie war nicht stark aber sehr kontrolliert und zielgerichtet. Ein warmer und beruhigender Hauch, der die Luft auflud.

Sie zuckte zurück, kniff die Lippen zusammen und verzog schmerzlich das Gesicht. Die Faust ballte sich um den Stiel der Rose. Aber vorrausschauend waren die Dornen entfernt worden. Gut. Noch mehr Blut und sie würden alle noch angespannter werden.
Auf den Schmerz folgte Erleichterung. Schnell hielt sie ihm ihren anderen Fuß hin. Er wiederholte die Prozedur und sie seufzte erleichtert auf.
Dann zog sie ihre Füße wieder an den Körper und kehrte in die letzte Haltung zurück.

„Lorelle, du musst uns sagen warum du hier bist. Du hast Verträge gebrochen, und damit ein Verbrechen begangen, als du herkamst. Du musst uns sagen wie und warum du das getan hast.“
„Ja vor allem das Wie interessiert mich.“ knurrte Aiden grimmig und durchbrach damit die Stille in dem kleinen Raum.
„Was mich viel mehr beunruhigt.“ Warf er selbst einfach ein und wischte damit das andere Thema fort. Das war ihm jetzt plötzlich gar nicht mehr wichtig. „Ist ihr Name.“
Seine Männer sahen ihn an. „Wieso?“

„Die Feen sind sehr speziell. Zurückgezogene versnobte Hurensöhne.“ Sagte er rau. „Daher kommen sie selten mit anderen Völkern in Kontakt. Sie tragen Feennamen. Lorelle ist keiner davon, das macht ihn unter Feen selten. Ich persönlich weiß nur von einer hochgeborenen Fee mit diesem Namen.“ Ein Grollen stieg in seiner Brust hoch.
„Und wem?“
Er sah seinen ersten Wächter wütend an. „Lorelle ist der Name, der zweiten Tochter des Feenkönigs.“

Wenn das stimmte. Wenn SIE das war… dann war sie vierzehn.
Als hätte sie ihn gehört sah sie auf einmal zum ihnen. Sie konnte nicht Wissen das es mehr war als ein Spiegel. Sie war wohlbehütet im Anderland aufgewachsen, wo Erfindungen dieser Art nicht benutzt wurden. Sie stand auf. Es war eine ruckartige ungeschickte Bewegung, immer noch mit der Rose in der Hand ging sie an dem Heiler vorbei und zu dem Spiegel.

Sie war schlaksig, als sei sie in die Höhe geschossen beovor der restliche Körper begriffen hatte das er mitwachsen müsste. Ein Kind. Ein Baby. Feingliedrig aber für eine Fee außergewöhnlich kräftige Läuferbeine. Eine gerade erhabene Haltung, die von nervösen ängstlichen Bewegungen verschleiert wurde. Ihre Flügel vibrierten unwillkürlich und stießen dabei ein tiefes Summen aus. Sie stellte sich vor den Spiegel und legte den Kopf schief. Wenn es nicht so verdreckt gewesen wäre hätte sie ein hübsches Gesicht gehabt. Es war noch ganz kindlich, die großen Augen, die Stupsnase die vollen Lippen.

'Unschuldig' Dachte er bei sich. Das war der Begriff. Wieder ein Begriff den er nicht oft benutzte. Er hatte nicht viele Berührungspunkte mit Unschuld. Ihre Erscheinung sah wirklich unschuldig aus, zerbrechlich. Vierzehn Jahre… das war gar nichts. Ein Gedanke. Ein Wimpernschlag. Nicht mehr. Sie war nicht mehr als ein Küken.

Sie sah durch den Spiegel durch. Er wusste das sie ihn nicht wirklich sah. Denn sie fixierte ihn nicht mit ihrem Blick. Aber sie schien ihn zu spüren, diese toten violetten Augen – aus denen diese Kindliche Unschuld geraubt worden war – sahen genau in seine Richtung.
„Meine Familie.“ Sagte sie, nun nicht mehr in ihrer Sprache, sondern in seiner. Ihre Stimme war heiser, sie schien die Worte nicht gewohnt zu sein und sprach daher mit einem starken Akzent. „ist Tod. Der König ist Tod. Ich musste mich vor einem Monster verstecken, und bin daher zu dem größten aller Monster geflohen.“

Der König war Tod? War er jetzt ein herzloser Bastard, weil er sich Hauptsächlich darum sorgte was der offensichtliche Putsch, politisch nun für ihn bedeutete? Wahrscheinlich. Er hasste Politik, da durfte man niemanden Fressen.
Sie legte die Hand auf den Spiegel, und sagte ein einziges Wort. Wieder in der Sprache der Feen – aber diesmal war es ein sehr alter Dialekt, der seine Wächter verwirrt das Stirnrunzeln ließ.
Er hatte es verstanden. Natürlich hatte er es verstanden. Auch wenn er dieses Wort lange nicht mehr gehört hatte.

„Was hat sie gesagt?“
Er verzog das Gesicht zu einem grimmigen Lächeln. „Meinen Namen.“ Sagte er kühl „Sie hat ein altes Feenwort für ‚Drache‘ benutzt.“

Sie sah ihn noch ein paar Sekunden ausdruckslos an, dann drehte sie sich wieder zum Heiler. Sie ging zurück in ihre Ecke, rupfte im Gehen einige der Blütenblätter von der Rose und steckte sie sich in den Mund. Sie schien offenbar unglaublich hungrig zu sein, denn ehe sie blinzeln konnten war nur noch ein leerer Stängel übrig. Im Gehen nahm sie den mit Blumen gefüllten Korb auf dem Boden und kniete sich wieder in ihre Ecke. Dort begann sie dann zu essen. Sie knabberte die Blütenblätter wie Chips.

Er wusste nicht warum, aber die Tatsache das sie Blumen aß irritierte ihn mehr als alles andere an diesem Kind.



Sie hatte alles was für sie essbar war hinuntergeschlungen. Sie wussten das Blumen helfen würden. Die Blätter stärkten sie, regten die Heilung ihrer Wunden an, und halfen dabei das ihr Körper nicht mehr bei jeder Bewegung schmerzte.

Dann hatten sie sie in ein anderes Zimmer geführt, darin gab es ein Badezimmer, und einige von ihren Frauen, die zum Glück nicht so furchteinflößend war wie die die sie hier zuletzt gesehen hatte. Sie halfen ihr endlich das Blut und den Schmutz abzuwaschen. Auch wenn die Blumen ihr halfen hatte sie dennoch Schmerzen, und war froh um die Hilfe. Sie war fast erleichtert als sie ihre Haare endlich nicht mehr verfilzt und schmutzig waren.

Dann brachten sie ihr Kleidung. Es war ganz offensichtlich Männerkleidung, und ihr viel zu groß. Der Stoff war rauer als sie es gewohnt war, aber hielt sie warm und war Robust. Dann wurde sie wieder allein gelassen. Sie kauerte sich auf dem Bett zusammen und wartete. Der Stoff des Bettes war genauso rau wie ihre Kleidung.

Sie war müde. Aber sie konnte nicht schlafen. Jedes mal, wenn sie die Augen schloss kamen die Bilder wieder. Zusätzlich machte dieser Ort ihr Angst. Die Monster machten ihr Angst.
Also blieb sie sitzen, verlor jegliches Gefühl von Zeit und starrte ratlos vor sich hin.
Bis er kam.

Sie war seiner Magie an diesen Ort gefolgt, dieser rohen so ursprünglichen Kraft, die sie über eine so weite Entfernung immer noch so deutlich gespürt hatte. Hier, in diesem Gebäude überstrahlte er alles. Sie hatte ihn hinter diesem Spiegel gespürt, auch wenn sie ihn nicht gesehen hatte. Die Sonne spürte man auch, man wusste das sie da war auch ohne sie zu sehen und jetzt spürte sie wie er sich der Tür näherte.
Sie spannte sich an und sah zur Tür. Er klopfte nicht an, er fragte nicht um Erlaubnis. Er stieß einfach die schwere Tür auf und nahm auf einem Schlag den ganzen Raum ein. Er Beanspruchte ihn allein durch seine Anwesenheit.

Er war… ganz anders als die Jungen und Männer, die sie kannte. Männliche Feen waren auch… stark Aber ihre Stärke war unauffälliger, geschmeidig und elegant wie junge Bäume. Subtil. An diesem Mann war gar nicht subtil, er war wie ein Fels. Groß, breit, und selbst dieses grobe Hemd konnte die Muskeln nicht verbergen. Dunkle bronzefarbene Haus spannte sich darüber, er hatte ein markantes Gesicht, unbarmherzige rotbraune Augen, und dunkles Haar. Nein nicht dunkel. Es war schwarz. Tiefschwarz. Wie Tinte. Sein Haar faszinierte sie. Sie hatte noch nie so schwarzes Haar gesehen. Als würde es alles Licht aufsaugen.
Die meisten Feen waren hell, zart. Die dunkelste Haarfarbe, die sie je gesehen hatte war ein helles braun gewesen. Aber diese waren so Dunkel! Am liebsten hätte sie sie mal angefasst. Sie sahen weich aus.

Er baute sich vor ihr auf. Ihr Herz begann zu klopfen. Und in dem Moment wurde ihr eine Sache klar: es gab nur einen Grund warum sie hier sein durfte, warum er sie nicht getötet hatte, warum sie sauber war und Essen bekommen hatte.
Weil er es ihr erlaubte. Jeden Atemzug. Jeden Herzschlag.
Und er könnte sich jeder Zeit umentscheiden.

„Dein Onkel hat sich heute zum König krönen lassen.“ sagte er mit fester, kalter Stimme.
Auch die war ganz anders, da lag keine Melodie in seinen Worten. Nein.. sie waren hart und gnadenlos.
Sie hatte sich so etwas schon gedacht und nickte daher nur...
Er nahm einen Stuhl und zog ihn zu sich. Mit der Lehne auf in ihre Richtung setzte sich breitbeinig hin.
„Das Haus deiner Familie ist niedergebrannt, Prinzessin Lorelle ist offiziell Tod.“
Auch das hatte sie sich denken können also nickte sie wieder.

„Ich stelle eines klar: Wenn du hier bist damit ich dir helfe dich zu rächen hast du Pech.“ Rächen? Sie sah ihn verwundert an. Der Gedanke an Rache war ihr eigentlich noch nicht gekommen. Bisher hatte sie nur versucht am Leben zu bleiben. Doch wenn sie ihn so ansah... Natürlich. Für jemanden wie ihn musste es aber ein ganz natürlicher Gedanke sein.
„Denn: So viel Spaß mir ein Krieg auch macht, ich habe keine Zeit für so etwas. Und ich werde bestimmt keinen Krieg für etwas anfangen, dass mich nichts angeht.“ Stellte er kalt klar „Jemand wie du darf nicht einfach mein Land betreten, und ich bin wiederum verpflichtet dich Auszuliefern. Erkennst du das Problem?“ Sie spannte sich an. Sobald er sie auslieferte war sie genauso Tod wie alle anderen.

„Ob ich das allerdings tue… ob du bleiben darfst, kommt auf die Antwort, an die du mir auf meine nächste Frage gibst. Denn im Grunde will ich nur eine Sache wissen.“ Er lehnte sich vor und verzog grimmig das Gesicht. „Was habe ich von der Sache?“
Sie blinzelte verwirrt.
„Was kannst du mir anbieten? Gib mir einen Grund mich Vereinbarungen zu widersetzen, die seit Jahrhunderten den Frieden sichern.“

Sie senkte den Blick und überlegte. Sie war keine Kriegerin, sie hatte keine Familie mehr, keinen Einfluss mehr auf ihr Volk, und erst recht kein Geld. Es gab nicht viel das sich der Schweinehund nicht unter den Nagel gerissen hatte. Es gab nur wenig das sie anbieten konnte. Im Grunde war ihr nur ihr Leben geblieben und besonders: Ihr Potential. Die Besonderheiten, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte, das was sie selbst vor den anderen Feen verborgen hatte.
Wenn sie eines über den Drachen wusste dann das er Gierig war. Alle wussten es.

Sie schwieg ihm offenbar zu lange, denn er seufzte und stand auf.
„Ich spüre Magie.“ die Stimme klang leise durch den Raum. „Ich kann sie differenziert und über weite Entfernung spüren, ich kann spezifisch nach ihr suchen und sie lokalisieren.“
Sie sah zu ihm rauf. Seine Augen verengten sich.
„So habe ich diesen Ort gefunden.“ sagte sie. „Deine Magie, deine ganz persönliche magische Signatur ist einzigartig. Ich habe es aus dem Anderland hierher geschafft und dann bin ich gerannt.“ Tage lang. Sie war Tage lang gerannt, immer der Spur hinterher. Es war einfach gewesen. Als würde sie der Sonne folgen.

„Dich zu finden war einfach. Aber ich kann auch feineren Spuren Folgen, ich kann Gegenstände finden, Schätze, oder Personen. So lange man mir nur sagt wonach ich suchen soll.“ Sie zögerte. Ihre Mutter hatte ihr eingeschärft das nie zu verraten. Zu groß war die Gefahr das man sie Benutzen wollte. Das man sie zu dem Zwang, was sie gerade zur Verhandlungsbasis machte.
„Dieser Ort wird durch einen Zauber geschützt. Wenn du mich dennoch Spüren konntest...“ er dachte laut darüber nach. „Wie genau ist das?“ hakte er nach.
Sie schloss die Augen. Normalerweise konnte er spüren, wenn jemand Magie einsetzte, aber das was sie da tat war keine Magie, es war eine Eigenart ihres Wesens, natürlich wie atmen. So etwas war nicht zu spüren.

Als sie die Augen wieder öffnete sah sie ihn fest in die Augen. „Ich habe keinen Plan des Gebäudes, aber etwa vier Meter über mir, und zwei Meter in diese Richtung“ sie zeigte nach rechts. „Da ist ein Gegenstand. Ein Schwert. Seine Magie ist stark. Aber kalt. Sie ist ins Metall geschmiedet worden und hat es Feuerfest und Magieresistent gemacht.“ erklärte sie ruhig. „Gerade wird es bewegt. Jemand Trainiert damit… vermute ich. Der Mann, der es führt… ist von ihrem Volk. Er ist ein Manticor."
Wieder sah er auf sie hinab. Sie hatte ihn beeindruckt, das konnte sie sehen. Sie sah es genau an seinem Blick. Und sie sah die Gier, er erkannte das Potential.

Es gab eine menge hübscher Dinge die andere vor ihm Versteckten. Und sie, konnte diese Aufspüren. Und sie könnte Personen aufspüren die sich vor ihm Verstecken wollten.

Er setzte sich wieder. „Gut. Die Sache sieht so aus.“ Er beugte sich vor. „Ich sorge für deine Sicherheit, und dafür das es dir Gut geht, außerdem sorge ich für deine Ausbildung. Schwach und dumm nützt du mir nichts. Ich habe weder für das eine noch das andere Verständnis. Wenn du deinen Abschluss gemacht hast, bist du für zwanzig Jahre Zwangsverpflichtet. Du erledigst die Aufträge, die ich dir gebe. Ohne Fragen, ohne Diskussionen. Nach diesen zwanzig Jahren ist es deine Entscheidung. Dann darfst du gehen wohin du willst. Wenn du gehst, geht mich dein scheiß nichts mehr an. Du siehst zu das du selbst überlebst. Wenn du aber bleibst, bleibt das Arrangement bestehen, so lange du für mich arbeitest kannst du ein sicheres und angenehmes Leben führen.“

Sie blinzelte. Verwirrt. Das war… großzügig. Aber sie hatte Angst vor dem, das er von ihr Verlangen würde, wenn sie zustimmte. Das er all ihre Geheimnisse aufdecken würde. Das öffentlich wurde was sie noch war.
„Ich möchte einen Punkt hinzufügen.“ Sagte sie dann leise.
„Du stellst BEDINGUNGEN?“ fragte er überrascht. Dann aber begann er zu Lachen
„Nur eine.“ erwiderte sie und holte tief Luft. „Niemand darf etwas von meinen Fähigkeiten erfahren. Auch wenn ich Ihren Dienst verlassen sollte. Das ist etwas zwischen Ihnen und mir.“
„Und warum sollte ich dem zustimmen?“

Ihr Blick wurde kühl. Was ihn - schon wieder - überraschte. „Da sind eine Menge magischer Gegenstände in ihrem Hort.“ Bemerkte sie. „Besonders ein Gegenstand dort…“ Sie sah an ihrem Blick genau welchen er meinte. „Ich könnte ihn immer finden, egal wie oft sie ihn Verlegen.“ Sie zögerte. „Erzählst du mein Geheimnis, erzähle ich deins.“
Er schien es einen Moment abzuwägen. „Du bist Beute.“ Sagte er dann. „Und meine Beute teile ich nicht.“ sie überlegte kurz ob das etwas Gutes war. Hieß das er würde nicht erzählen?
Er hielt ihr die riesige Pranke hin. „Dann wird es so sein. Haben haben wir einen Vertrag?“

Sie zögerte wieder. „Ich weiß nicht ob ich dir Vertrauen kann.“ flüsterte sie.
Er hielt die Hand in der Luft und lächelte sein grausames Lächeln. „Nein. Das weißt du nicht. Du hast deiner Familie vertraut, und wie ist das geendet?“
Mit dem Tod all jener die sie liebte.
„Ich bin nicht nett, ich bin grausam, gnadenlos und ich fresse Menschen.“ Davon hatte sie gehört…Er zuckte mit den Schultern. „Aber in meinem Volk ist mein Wort Gesetz, und deshalb halte ich es.
Immer.“

Der Drache hatte im Laufe der Jahrhunderte viele Namen gehabt. So viele, dass er selbst sich nicht mehr an alle erinnerte. Monster hatte man ihn genannt.
Wyrm.

Sie hielten ihn für grausam und unbarmherzig und er sah keinen Grund diese Meinung nicht zu bestätigen. Denn er musste grausam sein. Barmherzigkeit war in seiner Welt unangebracht. Denn er hatte es geschafft alle anderen Monster zusammen zu treiben. Hatte sie gezwungen seine Regeln zu Schlucken. Nur so hatte er es geschafft das jene ursprünglichen Tierwesen heute friedlich zusammen Leben konnten. Raubtiere, Pflanzenfresser, magisch oder nicht magisch, unsterblich oder nicht und alles das auch noch unter den Menschen.

Er hatte sie in einem Volk vereint und ihnen einen Namen gegeben, der ein Statement war für jeden der ihn je ein Monster genannte hatte. Der den Namen Wyrm als Beleidigung an den Kopf geworfen hatte.
Wyr.

Jeder kannte diese Geschichte. Jeder wusste von der blutigen Anfangszeit, es war barbarisch gewesen. Auch sie wusste davon.

Dennoch hatte sie an diesem Tag eingeschlagen. Und danach hatte sie mit dem Wissen sicher und beschützt zu sein, tief und traumlos geschlafen.
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