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Bilder

OneshotAllgemein / P12 / Gen
Elizabeth Swann Will Turner
08.02.2021
08.02.2021
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Der Spiegel war an den Rändern ein wenig angelaufen und beschlagen. Ein Riss trennte die obere rechte Ecke vom Rest der sonst so glatten Fläche. Er war gezackt, die markante Linie hätte sie mit geschlossenen Augen nachzeichnen können... wenn sie Papier oder Pergament dafür gehabt hätte.
Immerhin, zwei Seiten besaß sie noch, zwei Zeichnungen, Skizzen, die sie in einer wasserdichten, zylinderförmigen Dose aufbewahrte. Das eine Bild war ein Porträt ihres Vaters, das andere zeigte sie selbst, mit sechzehn oder siebzehn Jahren.
Manchmal nahm sie eines der flüchtig angefertigten Kunstwerke hervor und betrachtete es. Meistens war es das Bild ihres Vaters, und wenn sie es ansah, sagte sie dazu oft seinen Namen. Dann erinnerte sie sich so genau wie möglich an vieles, was sie von ihm gewusst, was er zu ihr oder irgendwem anders gesagt hatte, und an die Abenteuer und die ruhigeren Tage, die sie gemeinsam erlebt hatten. Daran erinnerte sie sich, um es nicht zu vergessen. Sie wollte und durfte ihn nicht vergessen.
Denn das geschah viel zu leicht: man vergaß einiges, wenn man Jahr um Jahr durch die kalte, feuchte Dunkelheit segelte um Seelen ins Jenseits zu geleiten. Zum Beispiel, wie sich fester Boden anfühlte. Oder wie frisches Obst schmeckte. Oder wie die Gesichter der Menschen aussahen, mit denen man einst jeden Tag gesprochen, die man gemocht, die man seine Freunde genannt hatte.

Ihr eigenes Bild holte sie nur sehr selten hervor, und wenn sie es tat, dann während sie vor diesem Spiegel stand. So wie jetzt.
Nachdenklich sah Elizabeth Turner ihrem Spiegelbild in die Augen. Ihre Finger tasteten wie von selbst nach den silbrigen Schuppen, die im fahlen Licht der verzweifelt flackernden Kerze schimmerten. Sie bedeckten einen kleinen Teil ihrer rechten Wange und verschwanden erst auf Höhe ihrer Augenbrauen wieder unter ihrem Haaransatz. Fischschuppen. Der Blick der Frau huschte unwillkürlich zwischen dem Bild und der wirklichen Spiegelung hin und her. Nicht, dass es genug gewesen wäre, Fischschuppen im Gesicht zu tragen. Auch zwei oder drei Strähnen ihres ehemals goldblonden Haares hatten sich algengrün gefärbt, und hinter den Ohren hatten sich Ansätze von Kiemen gebildet. Außerdem war sie sich sicher, dass sie blasser geworden war, viel blasser.
Wenn sie auf Will gehört hätte... Wenn sie an Land geblieben wäre, sich nicht heimlich an Bord geschmuggelt hätte, um der Crew beizutreten... Wieder einmal überkamen die Zweifel sie. Warum hatte sie sich das angetan? Will hatte gewusst, warum er sie lieber zurückgelassen hätte. Aber als sie sich der Crew angeschlossen hatte, war es zu spät gewesen, um umzukehren. Es gab keinen Weg zurück.

Die Tür öffnete sich mit einem leisen Quietschen. „Elizabeth? Ist alles in Ordnung?“ Es klang liebevoll besorgt. Im Spiegel erschien das Gesicht ihres Ehemannes. Darum, sagte sie sich, wegen ihm hatte sie sich für ein ewiges Leben Flying Dutchman entschieden. Sie drehte sich zu ihm um und musste lächeln. Sie brauchte das Licht und das Land nicht, nicht so dringend wie sie ihn brauchte. Es mochte Dunkel und kalt sein auf diesem Schiff, aber ganz und gar trostlos war es nicht. Sie hatte William, das genügte.
„Es geht mir gut, Will. Ich habe nur etwas nachgedacht“, erwiderte sie also.
„Es tut mir leid. Du hättest das nicht tun müssen. Ich hätte es verhindern sollen...“
„Nein. Ich sagte doch, es geht mir gut. Ich hatte meine Gründe, und ich habe sie immer noch. Ich mag unwissend mein Schicksal gewählt haben, aber ich bereue es nicht.“
Will schloss sie in seine Arme und beide waren für einen Moment einfach nur glücklich, einander zu haben.
„Morgen ist unser zehnter Hochzeitstag“, sagte er unvermittelt. „Weißt du, was das heißt?“
Elizabeth nickte strahlend und antwortete: „Dass wir einen geeigneten Kurs errechnen sollten!“

Morgen konnten sie nach der langen Zeit wieder an Land gehen. Sie würden Jack und Henry besuchen. Nach langem Nachdenken hatte das Paar nämlich beschlossen, ihren Sohn in die Obhut des Piraten zu geben. Es war eine schwere Entscheidung gewesen, aber Captain Sparrow hatte sich durch ihr Vertrauen in ihn geehrt gefühlt und ihnen geschworen, sein bestes zu geben.
Vielleicht würde Henry auch eine Abhängigkeit von Rum und der See entwickeln, aber Jack würde einen guten Menschen aus ihm machen.
Hoffnung und Freude durchströmten Elizabeth Turner, als sie Will ins Navigations- und Kartenzimmer folgte. Sie würden Land sehen, sie würden Sonne sehen, ihren Sohn treffen und Wills Vater mit seinem Enkel bekannt machen können. Die zehn Jahre Dunkelheit hatten sich gelohnt, und wenn noch so viele folgen würden, es gab Hoffnung.


A/N: Eigentlich kann ich mich nicht wirklich für Lizzy begeistern, vielleicht, weil sie die Kennzeichen einer Mary-Sue trägt, vielleicht, weil... was weiß ich..., aber ich hatte die Idee und wollte sowieso etwas zu Fluch der Karibik schreiben. Ich hoffe es hat euch gefallen, wenn ja, ich würde mich über ein Reveiw freuen, wenn nein, würde ich mich auch über ein Review freuen... :)
niemand
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