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Life is made by memories

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Arthur Morgan Charles Smith Colm O'Driscoll Dutch van der Linde John Marston Tilly Jackson
08.02.2021
15.04.2021
49
139.594
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08.04.2021 2.483
 
Mit weit aufgerissenen Augen fixierte ich Cornwalls Gesicht.
Ich lag halb auf ihm drauf und wir beide waren durch die Wucht meiner Kraft, als ich auf ihn gesprungen bin, zu Boden gegangen.
Dass mein schmächtiger Körper mal einen so wuchtigen umschmeißen könnte, hätte ich niemals vermutet... Wahrscheinlich hatte ich durch den enormen Adrenalinschub mehr Kraft als normalerweise gehabt.
Das Messer steckte noch in seiner Brust und sein weißes Hemd färbte sich in tiefem rot.
Ich war immer noch so voller Adrenalin gepumpt, dass ich kaum noch meine Umwelt wahrnahm.
Es rauschte in meinen Ohren... es hörte sich an, als würde ich an einem Bahngleis stehen und ein anfahrender Zug würde warnend das Makrofon betätigen.


Schwer atmend hockte ich mich neben Cornwall und meine Pupillen wanderten zwischen ihm und meinen blutverschmierten Händen hin und her.
Seine Augenlider waren geschlossen, doch ich konnte an dem Heben und Senken seines Brustkorbes erkennen, dass er noch lebte.
Ich war wie paralysiert, zitterte am gesamten Körper und machte keine Anstalten das Weite zu suchen.
Ich hatte gerade ein Messer in meinen Onkel gestochen.
Dies war der einzige Gedanke, der durch meine Synapsen floss... alles andere schien gerade meilenweit entfernt.


Nur am Rande bekam ich mit, dass Schüsse draußen und vermutlich auch im Haus ertönten, da sie durch die massiven Doppeltüren zu diesem Raum sehr gedämpft klangen.
Auch lautes Geschrei war nicht zu überhören, doch ich ignorierte all das und horchte in mich hinein... versuchte meine Gefühle zu sortieren... zu realisieren, was gerade passiert war, aber da war nichts...
Eigentlich müsste ich mich doch schuldig fühlen, oder zumindest irgendetwas Negatives fühlen... aber mich füllte einfach ein unendliches Nichts.
Es war mir schlichtweg egal, dass ich ihm die Klinge in die Brust gerammt hatte...


Aus dem Nichts riss Cornwall seine Augen auf, hustete heftig und versuchte sich zu orientieren.
Ich erschrak für einen kurzen Augenblick, wich zurück und plumpste auf meinen Hintern.
Als seine Augen mich fanden, schien er Angst zu kriegen und sah sich hastig um, vermutlich um zu sehen, wo sein Revolver lag.
Meine Pupillen huschten ebenfalls schnell durch den Raum und erkannten die Waffe ca. einen Meter von seinem Kopf entfernt am Boden liegen.
Aus Reflex warf ich mich mit meinem gesamten Gewicht auf Cornwall und hinderte ihn so daran sich aufzurappeln und seine Waffe zu erreichen.


Ich zog mit einem Ruck das Messer aus seiner Brust, kniete mich auf ihn und stach hart zu.
Erneut glitt der Stahl in das Fleisch um seinen Brustkorb und ich konnte spüren, wie der Widerstand kam, als ich vermutlich den Knochen erreichte.
Ohne zu zögern, riss ich es sofort wieder heraus und stach erneut zu.
Die Laute von Cornwall überhörte ich, denn das Rauschen war lauter denn je.
Ich spürte oder dachte in dieser Sekunde nichts.
Meine Körper hatte praktisch ein Eigenleben entwickelt.
Wieder stach ich heftig zu und mein Gesicht war nur noch eine verzerrte Fratze.
Durch meinen Kraftaufwand entfloh mir bei jedem Stich ein lautes Stöhnen.
Erneut stach ich zu... und nochmal... und nochmal.


Cornwall bewegte sich längst nicht mehr und gab auch keinen Laut mehr von sich, aber mein Körper arbeitete weiter auf Hochtouren.
Ich war vollkommen im Blutrausch und sah nicht mehr, als einem roten Schleier vor meinen Augen.
Wein weiteres Mal ließ ich das Messer in seine mittlerweile zerfetzt Brust sinken.... und noch einmal.
Dann fanden meine Augen seinen Hals und der Drang ihm das Mordinstrument dort hineinzurammen überkam mich übergangslos.
Mit einem Lauten Schrei stieß ich das Messer mit maximaler Kraft seitlich in seinen Hals und das Blut spritzte unvermittelt auf meine Hand und auf den Boden.


Schwer schnaubend ließ ich die Klinge los und richtete meinen Oberkörper auf.
Mein kraftvoller verrückter Atem ging durch die Luft und ich stierte Cornwalls Gesicht voller Hass an, während noch immer jede Faser in meinem Körper vor Anspannung vibrierte.
Nach einigen Sekunden stand ich mit immer noch bebendem wie elektrisierte aus der Hocke auf bis ich kerzengerade über ihm stand.


Völlig außer Puste starrte ich Cornwalls Leiche an und meine Iriden wanderten langsam zu meinen blutverschmierten Händen. Auch meine Bluse war nahezu vollständig mit seinem rotem Lebenssaft besudelt.
Langsam setzte mein Verstand wieder ein und ich begriff das Ausmaß meiner Handlung.
Ich hatte diesen Mann bestialisch verunstaltet und ihn getötet, ohne mit der Wimper zu zucken.... hatte auf ihn eingestochen wie eine Wilde, ohne das es nötig gewesen wäre.


Ein einziger Stich direkt in den Hals hätte auch vollkommen ausgereicht, aber ich hatte nicht anders gekonnt... mein Körper hatte selbst agiert.
Und jetzt, wo ich es realisierte, rechnete ich mit einer riesigen Welle an Emotionen und Schuldgefühlen.... aber... wieder passierte nichts...
Nein im Gegenteil.... ich wusste genau, was ich gerade getan hatte und... ich fühlte mich... erleichtert.... es fühlte sich gut an... zu wissen, dass ich es war, die ihn getötet hatte...
Wie versteinert stand ich bloß da und starrte den toten Mann zu meinen Füßen nach wie vor an.


Schlagartig wurde die Doppeltüre aufgeschmissen und ich konnte hören, wie jemand hereinstürmte.
Doch die Schritte verstummten schnell und langsam drehte ich meinen Kopf in die Richtung des Geräuschs.
Ich konnte sehen, wie Dutch's Blick von Cornwalls Körper zu mir wanderte und an mir haften blieb.
"Emilia...", fing er vorsichtig an und kam einen Schritt näher auf mich zu.
Ich glotzte ihn einfach schwer atmend mit offenem Mund an und sagte kein Wort.
Mein Verstand war immer noch durcheinandergewirbelt...


Ich konnte lediglich daran denken, wie gut ich mich in diesem Moment fühlte... und das war es, was mir nach und nach anfing Angst zu machen.
Ich vernahm außerdem einen stechenden Schmerz im Bauch, doch ich ignorierte ihn...
Cornwall hatte mich hart geschlagen und da war es normal, dass jetzt, wo das Adrenalin langsam absackte, die Schmerzen zurückkehrten.
"Dutch...", hauchte schließlich doch zurück und der Anführer schien doch tatsächlich einen überaus besorgten Gesichtsausdruck zu haben... oder bildete ich mir das nur ein, weil ich vollkommen neben mir stand?


Plötzlich tauchte Arthur hinter Dutch auf, stoppte abrupt in seiner Bewegung und erstarrte ebenfalls, als er mich und Cornwall zu meinen Füßen entdeckte.
Ich wandte mich vollständig zu den beiden Männern um und als sich unsere Blicke trafen, fand ich meine Gefühle wieder...
Der Mann, den ich liebte, stand vor mir und er lebte... er war nicht tot...
Er war hier... wegen mir...
Ein Schluchzen entfuhr meiner trockenen Kehle und ich fing am ganzen Leib enorm zu zittern an.
Sofort kam Arthur zu mir und hielt dabei seine Arme auf, in die ich mich völlig entkräftet fallen ließ.


"Komm her Kleines, ist ja gut... Es ist vorbei...", sagte er unfassbar sanft und ich vergrub mein Gesicht in seiner Halsbeuge.
Am Rande bekam ich mit, dass auch noch Lenny und Sadie in den Raum traten, jedoch wortlos stehen blieben.
Auch Dutch war überraschend an meiner Seite und tätschelte mir den Kopf während Arthur mich fest in seinen starken Armen hielt und mir sachte über den Rücken strich.
"Ich bin ja bei hier... jetzt wird alles gut..." hauchte er zart mit seiner tiefen Stimme in mein Ohr und ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten.
Jetzt, wo der Damm gebrochen war und sich mein Verstand dank Arthur wieder geklärt hatte, überfluteten mich die unterschiedlichsten Gefühle nur so.
Doch von Schuldgefühlen wegen dem, was ich gerade getan hatte, fehlte immer noch jede Spur.


"Hören Sie Miss Lopez, Sie haben das Richtige getan... Dieser Mann war Abschaum und musste sterben!", sprach Dutch aus dem Nichts trocken.
"Dutch...", mahnte Arthur ihn und ich löste mich aus seiner Umarmung, um ihn ansehen zu können.
"Er... er hat recht... Cornwall musste sterben... er... hat Milton meine Eltern töten lassen Arthur... er war mein Onkel... Mein Vater war sein Bruder... er hat Milton auch beauftragt mich zu töten... und er wollte euch eine Falle stellen... er... er war der Drahtzieher bei allem."
Erneut schluchzte ich und Athur sah mich mit großen mitfühlendem Blick an, aber gleichzeitig vernahm ich, wie Dutch abrupt einen Schritt zurücktrat.


Arthur und ich ließen zeitgleich unseren Blick zu ihm wandern und ich konnte seine verstörte Miene erkennen.
Was hatte er denn jetzt bloß?
Er sah aus, als hätte er gerade einen Geist gesehen...
"Allen in Ord-."
"Ja ja Arthur... alles bestens... ich... wir sollten hier verschwinden... hier ist es nicht sicher... wir haben Miss Lopez ja jetzt..."
Seine Art, wie er sprach, gefiel mir überhaupt nicht... irgendetwas stimmte nicht... irgendetwas hatte sich da gerade bei ihm geändert, als ich meine Worte über Cornwall kundgetan hatte...


Der Anführer machte sich auf und verließ den Raum ohne sich nochmal umzudrehen.
Arthur und ich schauten uns verwirrt an und er schien genauso planlos darüber zu sein, was in Dutch gefahren war.
"Dutch hat recht. Wir müssen abhauen!", rief Sadie nun durch den Raum und ihre Stimme hallte an den Wänden wieder.
Arthur riss den Kopf zu ihr herum und nickte ihr stumpf zu.
Lenny hatte unterdessen den Raum nach Wertgegenständen abgesucht und machte sich mit Sadie zum Gehen auf, als er wieder bei ihr ankam.


Dann wandte Arthur sich mir wieder zu, lächelte mich aufmunternd an und legte seinen Arm um meinte Schulter, um mich aus diesem Raum zu bugsieren.
Da wir uns im ersten Stock befanden, mussten wie die Treppe nach unten nehmen und auf dem Weg kamen wir an jeder Menge Leichen vorbei, welche wohl Cornwalls Männer gewesen sein mussten.
Ich konnte John und Hosea sehen, die seitlich aus einem Raum gerannt kamen und Sadie, die einen Kerl erschoss, der noch nicht ganz tot war.


"Gott sei Dank geht es Ihnen gut Miss Lopez, was haben Sie sich bloß bei dabei gedacht Cornwall alleine in die Arme zu laufen!?", fragte Hosea etwas sauer, aber dennoch erleichtert und eilte zu uns.
"Darübe reden wir später!", sagte Arthur trocken und ich ahnte, dass ich von ihm noch eine Standpauke gehalten bekommen würde, sobald wir in Sicherheit waren und ich mich einigermaßen von dem Spektakel erholt hätte.
Kurzzeitig hatte ich völlig vergessen, wie wütend er mich angestiert hatte, als ich mich auf Bill's Pferd nochmal zu ihm umgedreht hatte, bevor ich auf dem Gaul davon gejagt war.


Als wir bei den Pferden ankamen, half Arthur mir auf sein Ross.
Wieder spürte ich diesen Druckschmerz im Bauch.
Wenn wir in Sicherheit waren, musste ich mich unbedingt mal von einem Arzt untersuchen lassen, ob ich vielleicht innere Verletzungen von Cornwalls Schlägen davongetragen hatte.
Arthur setzte sich vor mich und ich schlang meine Arme um seinen Bauch.
Ich hatte wirklich keine Ahnung wie er und die anderen es geschafft hatten mich hier rauszuholen, doch ich war heilfroh darüber.
Nun hatte ich endlich Klarheit über das, was mir zugestoßen war, aber was Dutch mit allem dem zu tun hatte, blieb immer noch fraglich.
Ich entschied, mir darüber später Gedanken zu machen, sobald ich wieder die Kraft dazu hatte.
"Heaaaa!", rief Arthur und sein schwarz-brauner Turkmene galoppierte in Windeseile los.

***

Wir kamen an einem riesigen alten vermoderten weißen Haus an, das sich versteckt in einem Sumpfgebiet befand und unweit von Saint-Denis war.
Einige Pflanzen rankten bereits an den Wänden hoch und bei einem Fenster neben dem Eingang war das Glas zersprungen.
Arthur hatte mir bereits erklärt, dass Dutch die anderen vorgeschickt hatte, um hier ein neues Lager aufzuschlagen.
Lenny hatte diesen Ort als vorübergehendes Versteck vorgeschlagen, weil er hier mit John bereits mal ein paar miese Kerle zur Strecke gebracht hatte.
Dutch hatte entschieden hier so lange zu bleiben, bis er sich überlegt hatte, wo wir als Nächstes ein sicheres Lager aufschlagen konnten.


Ich hatte während des gesamten Ritts mehr und mehr Schmerzen im Bauchbereich bekommen und so langsam machte ich mir wirklich Gedanken, dass Cornwall mit seinen Fäusten mehr angerichtet hatte, als ich es zu Anfang vermutet hatte.
Arthurs Pferd kam zum Stehen und er hielt meinen Arm, sodass ich sicher vom Pferd rutschen konnte.
Als ich Boden unter den Füßen hatte, merkte ich wie wackelig ich plötzlich auf den Beinen war.
Nanu... was war denn jetzt los?
Ich schaute zu Arthur, welcher gerade dabei war vom Pferd zu steigen und entdeckte, dass an seinem Rücken sein blaues Hemd blutrot gefärbt war.


"Oh mein Gott Arthur, dein Rücken! Du bist verletzt!" stieß ich entsetzt hervor und einige Bandenmitglieder, darunter auch Dutch, drehten uns erschrocken Ihre Gesichter zu.
Arthur sah mich verwundert an und fasste sich prüfend an seinen Rücken.
"Nein ich... ich bin nicht getroffen worden!", sagte er und sah seine nun mit Blut verklebte Hand an.
In dem Moment machte es Klick und der Groschen fiel bei mir, wie eine Reihe aufgestellter Dominosteine.


Der stechende Schmerz im Bauch überrumpelte mich nun mit voller Kraft.
"Emilia, was ist denn...", fragte Arthur irritiert, doch in der nächsten Sekunde weiteten sich seine Pupillen, als sie an meinem Bauch haften blieben.
Ich riss gleichzeitig meinen Kopf runter und sah die blutgetränkte Bluse, von der ich die ganze Zeit gedacht hatte, es wäre nur Cornwalls Blut.
Ich zog den Stoff aus meinem Rock und hielt ihn hoch.


Eine tiefe Schusswunde zierte meinen Bauch und ich starrte Arthur schockiert an.
"Arthur...", wisperte ich und im gleichen Atemzug brachen meine Beine unter mir weg.
Ich erreichte den Boden jedoch nicht, sondern wurde von zwei Armen aufgefangen, die mich daraufhin sanft auf die Erde gleiten ließen.
"Verdammt Emilia!!! Warum hast du nichts gesagt!!", brüllte Arthur bestürzt und ich konnte sein angsterfülltes Gesicht über meinem erkennen.
"Ich wusste nicht...", brachte ich mit aller Kraft hervor, doch meine Worte versagten.


Am Rande erkannte ich, wie einige weitere Köpfe über mir auftauchten und eine bekannte Stimme nach Miss Grimshaw rief.
Ich konnte sie jedoch nicht genau zuordnen.
Dann war Dutch ebenfalls direkt über mir und hatte einen unglaublich besorgten Gesichtsausdruck aufgelegt...
"Verdammt, wir müssen diese beschissene Kugel sofort rausholen!", schrie er heiser und sah dabei zu den anderen, bevor er sich wieder mir zuwandte und meinen Kopf stützte.
Ich jedoch konzentrierte mich mit aller Gewalt nur auf Arthur.
Wenn ich schon ins Gras beißen würde, wollte ich, dass er das letzte war, was ich vor meinem Tod sah.
Alles verschwamm vor meinen Augen und ich brachte meine letzte Kraft auf, um meine blutverschmierte Hand an Arthurs Wange zu legen.
"Ich liebe dich", hauchte ich kaum noch verständlich und meine Augenlider wurden langsam schwer.


"Verdammt Emilia, du stirbst mir jetzt hier nicht weg verstanden! Bleib bei mir bitte!!!!", rief Arthur mit zittriger verzweifelter Stimme, aber dessen Ton erreichte mein Gehör kaum noch...
"Komm schon Emilia!!!... ICH LIEBE DICH, HÖRST DU?! ICH LIEBE DICH VERDAMMT NOCHMAL!!!!"
Ich hörte diese Worte nur noch ganz weit entfernt und war mir sicher sie mir nur eingebildet zu haben... Doch das störte mich nicht weiter... Ich war bereit zu gehen...

Dann ergriff mich eine schwarze Unendlichkeit.
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