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Life is made by memories

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Arthur Morgan Charles Smith Colm O'Driscoll Dutch van der Linde John Marston Tilly Jackson
08.02.2021
15.04.2021
49
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08.04.2021 3.500
 
"....mmer br...gt. Fess... s... an de... ...uhl!"
"Ja B...ss."
"..nd so...t ...afür d...ss sie n...cht lau... ...st"

Mein Bewusstsein kratzte an meinem Verstand, doch es ging nicht... ich war zu schwach... wieder wurde es still um mich...


***

Es schepperte in meinem Kopf.
Ein zuckender greller Schmerz brannte auf meiner Wange und riss mich aus meiner Bewusstlosigkeit.
"...ach auf Emilia!"
Ich öffnete halb meine Augenlider und sah zuerst alles vollkommen verschwommen.
Der nächste Knall und damit einhergehend wieder ein wuchtiger Schmerz auf der anderen Gesichtshälfte.
Der metallische Geschmack von Eisen machte sich auf meiner Zunge breit und ich musste stark husten.
"Los, mach deine Augen auf!", hörte ich die mir bekannte Stimme brüllen.
Die schemenhafte Welt vor mir wurde langsam immer schärfer und ich fand mich in einem sehr noblen und schicken Raum wieder, welcher durch das Sonnenlicht überaus erhellt wurde... Der Abend war wohl noch nicht angebrochen... Dann fanden meine Pupillen plötzlich Cornwall.
"Na also meine Liebe, geht doch."


Mich überkam die schiere Panik und mein Herzschlag beschleunigte sich auf das hundertfache.
Ich wollte mich bewegen, doch konnte ich weder aufstehen, da ich auf einem Stuhl saß und meine Füße angebunden waren, noch konnte ich meine Hände bewegen, da sich diese grob mit etwas rauem hinter meinem Rücken und vermutlich ebenfalls an den Stuhl gebunden waren.
Die blanke Angst hatte wieder völlig von mir Besitz ergriffen und von der mutigen selbstsicheren Emilia fehlte im Moment jede Spur.
Was war bloß passiert?
Ich war im Wald gewesen und hatte Cornwall in die Augen geschaut und dann...
Mir wurde mit einem Schlag klar, woher der Wind wehte.
Ich hatte ihn angesehen und realisiert, dass er mein Vater sein musste...
Dann ein Schlag auf den Hinterkopf.
Aber warum tat er mir das alles an, wenn er wirklich der war, von dem ich glaubte, dass er es war?
In meinen Erinnerungen war er doch so liebevoll und fürsorglich gewesen.


"Wo... wo bin ich?", war das Erste, was ich an Worten vor mich hin stammelte.
Ich kriegte kaum einen vernünftigen Ton heraus, denn mein Kopf schmerzte höllisch und alles drehte sich immer noch wie verrückt.
Ich schaute mich erneut vorsichtig um und merkte, dass mir dieser Raum irgendwie bekannt vorkam... Der auf Hochglanz polierte Marmor Fußboden, die großen grünen Pflanzen in Goldständern rechts und links von der gewaltigen Doppeltüre mit Eingravierungen... Die überdimensionalen Fenster mit dunkelblauen Vorhängen... als wäre ich schonmal hier gewesen...


"Oh mein Liebling, du bist natürlich bei mir... da, wo du hingehörst... bis ich mit dir fertig bin!"
Ein barbarisches schrilles Lachen entfuhr Cornwall und mich überfiel ein eisiger Schauer gefolgt von einer gewaltigen Gänsehaut.
Er entfernte sich von mir und ging gelangweilt einige Schritte durch den Raum.
"Aber zuerst... möchte ich dir noch etwas zeigen..."
Ich schluckte schwer, denn ich ahnte nichts Gutes...
"Los, bringt ihn rein!"


Kaum zwei Sekunden später schlugen die großen Türen zu dem Raum auf und zwei fremde Männer trugen einen leblosen Körper hinein.
'Lass es bitten nicht Arthur sein!', war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss.
Da der Kopf des Mannes nach unten hing, konnte ich nicht erkennen, um wen es sich handelte... doch seine Kleidung kam mir unheimlich bekannt vor...
Plötzlich schmissen die beiden Fremden den Mann mit Schwung vor meine Füße und als sein Kopf aufschlug, ertönte ein dumpfer Knall.
Cornwall stellte sich neben den Toten und drückte mit seinem Stiefel gegen den Körper, sodass er sich auf den Rücken drehte.
Ich konnte meinen Augen nicht trauen.
Ein riesiges Loch klaffte auf der Stirn des Mannes.


"Micah...", wisperte ich zu mir selbst.
Natürlich... Dutch hatte erzählt, dass Cornwall's Männer in gefasst hätten... das hatte ich vollkommen vergessen...
Nun, ich hatte ihn auch wirklich gemieden und ihn ständig aus meinem Gedächtnis verdrängt nachdem, was er mir beinah angetan hätte.
Ich war auch ehrlich gesagt nicht traurig darüber, dass er tot war, aber er wäre im direkten Vergleich mit Cornwall sicherlich das kleinere Übel gewesen.
Die fremden Typen verschwanden wieder und grauhaarige bärtige kräftige Mann stellte sich rechts an meine Seite und bückte sich, sodass sein Gesicht vor meinem war.
Mir kam der Gestank von Alkohol und Schweiß in die Nase und ich konnte ein Würgen nur mit größtem Kraftaufwand unterdrücken.


"Wusstest du, dass der gute Mister van der Linde den armen Mister Bell hier einfach zurückgelassen hat? Als sie auf der Flucht waren und Micah's Pferd von unseren Kugeln getroffen wurde, ist van der Linde nicht auf die Idee gekommen umzudrehen und Mister Bell auf seinen eigenen Gaul zu packen. Nein, er hat es genau gesehen und es hat ihn nicht die Bohne interessiert. Und stell dir vor... als wir Mister Bell hatten, war er sehr schnell bereit gewesen uns zu verraten, wo ihr euer Lager aufgeschlagen habt... Dank ihm war's echt ein Kinderspiel euch zu finden... leider war er danach für uns nutzlos und na ja... du siehst ja, welches Schicksal ihn ereilt hat... Aber sieh an... jetzt bist du hier... bei mir... welch schöner Tag, nicht wahr?"


Cornwall lachte grölend und warf seinen runden Kopf dabei in den Nacken.
Ich versuchte zu verarbeiten, was er gesagt hatte, doch dazu bliebt mir keine Zeit.
Denn im nächsten Wimpernschlag donnerte mir Cornwall heftig seine Faust in den Bauch und ich schrie vor Schmerzen auf und krümmte mich so gut es mir in meinem gefesselten Zustand möglich war
Er trat mit seinem Stiefel die Leiche von Micah etwas abseits, nur um sich dann wieder direkt vor mich zu stellen und hinzuhocken.
Ich konnte meine Tränen nicht mehr länger zurückhalten und meine Augen füllten sich mit Flüssigkeit.
"Warum tust du das verdammt? Warum tust du mir das an? Deiner eigenen Tochter!? Was habe ich getan, dass du so-."


Er sprang auf und bekam sich vor schallendem Gelächter gar nicht mehr ein.
Völlig entgeistert stierte ich ihn an und mein Gehirn überschlug sich, denn ich raffte absolut überhaupt nichts mehr.
Als er sich wieder einigermaßen gefasst hatte, musste sich Cornwall selbst eine Träne aus dem Augenwinkel wischen.
Dann wandte er sich mir wieder zu und sein Grinsen wurde breiter denn je.
"Mein Gott, als Milton dir die Kugel verpasst hat, ist tatsächlich alles bei dir verwunden, oder?
Ich meine, es ist wirklich interessant... dass du mich so mit meinem Bruder verwechselst... wir waren zwar Zwillinge, aber keine Eineiigen... Hach ist das witzig, findest du nicht?"
Erneut lachte er und einige Tropfen Speichel flogen in mein Gesicht, doch ich beachtete sie nicht.
Meine Synapsen liefen auf Hochtouren... Bedeutete das etwa...? Und warum sprach er in Vergangenheit.


"Was...? ich...du bist..."
Ich kam einfach nicht mit und Cornwall amüsierte das wohl über alle Maße.
"Okay meine Liebe... ich helfe dir auf die Sprünge... Ich bin dein Onkel... und dein guter Vater... war mein Bruder..."
Mein Kiefer bebte und meine Atmung geriet in einen unkontrollierten Rhythmus.
Er... er war mein Onkel und er... er kannte Milton... was zu Hölle!?... und er sprach von meinem Vater schon wieder in der Vergangenheit... die Gedanken wirbelten durch meinen Verstand und es war alles so viel auf einmal... Unfähig ein Wort zu sagen starrte ich Cornwall mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
"Wenn dein Vater dich jetzt sehen könnte, wie-."
"Was hast du mit meinem Vater gemacht? Wo ist er?", war der erste klarer Gedanke, den ich auszusprechen vermochte.
"Ohhhohhohh... er ist tot Liebling... schon ne ganze Weile... genau wie deine Mutter!"


Die Worte schnitten wie tiefe Messer in mein Herz und es explodierte.
Ich hatte das Gefühl zu ersticken.
Unterbewusst hatte ich es schon lange vermutet, dass ich meine Eltern nie wieder sehen würde, aber die Hoffnung hatte mich angetrieben... Und als dann die Option aufgekommen war, das Cornwall mein Vater war... aber stattdessen war es mein Onkel, der mich scheinbar abgrundtief hasste.
"Wieso..?", krächzte ich bloß heiser... ich war am Ende...
Meine Kehle war wie zu geschnürt und das Blut pulsierte in meinen Ohren.
"Du willst wissen wieso!?"
Cornwalls Gesicht lief knallrot an und er schlug mit der Faust auf den massiven edlen Tisch, welcher unweit neben mir stand.
Scheinbar hatte ihn diese winzige Frage umgehend in Rage gebracht.


"Weil er und deine Mutter verdammte Gesetzlose waren. Diese wertlose Frau hat ihn verführt und ihn dadurch mit in den Abgrund gerissen!!! Er hat unser Familienerbe in den Dreck gezogen, und zwar in dem Moment, als er mit dieser Schlampe durchgebrannt ist... Ich habe mir geschworen ihn zu töten und unsere Familienehre wieder herzustellen und zum Glück hat Milton euch irgendwie gefunden... keine Ahnung wie, denn deine Eltern hatten sich verdammt gut versteckt und auch noch einen anderen Namen angenommen, welcher Lopez war... aber vor Milton ist eben niemand auf Dauer sicher... doch als er dann wieder hier angetanzt ist und dich dabei hatte... ein kleines Kind, was von diesem Bastard von Bruder und seiner Schlampe in die Welt gesetzt wurde... Ein Kind, was Anspruch auf mein Erbe gehabt hätte... Leider war ich damals zu schwach, um dich zu töten und habe Milton befohlen dich zu sich zu nehmen bis du erwachsen bist, damit ich dich dann an jemanden meiner Wahl verheiraten konnte am anderen Ende der Welt. Du solltest niemals erfahren, wessen Blut in deinen Adern fließt, denn du bist es genauso wenig wert den Namen Cornwall zu tragen wie dein Vater es war!

Stille.

Die Puzzlestücke fügten sich nach und nach in meinem Kopf zusammen... alles ergab nun Sinn... Die Erkenntnis, dass Cornwall meine Eltern hatte von Milton töten lassen, ließ erneut Tränen über mein Gesicht wandern.
Meine Eltern mussten sterben, nur weil sie Gesetzlose gewesen waren und mein Vater nicht das Leben hatte führen wollen wie Cornwall es tat...
Dann hatte er mich von Milton jahrelang einsperren lassen, nur um mich anschließend wie eine Sklavin zu verkaufen.
Er war ein Monster... mehr nicht.
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr entflammte eine unbändige Wut in mir, die alle anderen Emotionen zu vernichten schien...
Aber ich war hier angebunden und konnte im Moment nichts tun, außer versuchen Ruhe zu bewahren.
Cornwall lief durch den Raum und rieb sich die Hände während sich Schweißperlen auf seiner Lederhaut im Gesicht bildeten...
Er war vollkommen geisteskrank... aber eine weitere Frage brannte mir dennoch unter den Fingernägeln... auch, wenn ich die Antwort eigentlich schon erahnen konnte...


"Hast du Milton befohlen mich umzubringen?"; hakte ich mit hauchdünner Stimme nach.
"Was denkst du denn Kind? Als du abgehauen warst, wurde mir klar, dass Milton nicht mehr in der Lage war dich unter Kontrolle zu halten. Die Gefahr, dass du schon zu viel über mich oder deine Vergangenheit herausgefunden hattest und mir möglicherweise doch irgendwann mein Erbe streitig machen und dich an mir rächen könntest, hat mich wach gerüttelt. Der einzige sichere Weg war es, dich ein für alle Mal zu beseitigen... und da du kein Kind mehr warst, fiel mir das auch diesmal unglaublich einfach!"
Nach Luft schnappend versuchte ich das Gehörte zu verarbeiten...
Ich regte mich nicht, sondern starrte einfach vor mich hin und vergaß sogar für einen Augenblick, wo ich eigentlich war und dass mir der Tod wahrscheinlich kurz bevor stand...
Doch letztendlich fasste ich mich wieder und mir ging nur noch bloß ein einziges Wort durch den Kopf.


"Monster...", sprach ich meinen Gedanken laut aus, woraufhin er auf mich zu preschte und mir mit seiner Faust ins Gesicht schlug.
Ich schrie laut auf und spürte wie warme Flüssigkeit aus meiner Nase lief und auf meinen
Rock tropfte, wo sich rote Flecken ausbreiteten.
Cornwall sagte nichts, sondern stierte mich aus hasserfüllten Augen an... aber es war mir vollkommen egal.
Ich hatte meine Antworten bekommen und am liebsten würde ich diesen Mann auf der Stelle umbringen, aber ich wusste auch, dass ich wohl oder übel den Kampf verloren hatte...
"Na los, worauf wartest du noch!? Töte mich endlich, dann hast du gewonnen! Das wolltest du doch oder!? Milton hat es auch versucht weißt du... aber er war einfach zu dumm und hat sich zu viel Zeit gelassen... Ich wette, du bist nicht besser als er!"
Wieder flog seine Faust auf mich zu, doch diesmal schlug er mir erneut mit voller Kraft in die Magengrube und ich musste heftig Husten und würgen.
Zum Glück behielt ich meine letzte Mahlzeit aber bei mir.
Lange würde ich diese Prozedere nicht mehr aushalten.


"Weißt du Liebling, du wärst auch bereits längst tot, aber dieser van der Linde... Na ja, über den habe ich so einiges herausgefunden, nachdem meine Männer ein bisschen recherchiert haben... er kannte deinen Vater sehr gut... ich muss zugeben, dass mir das nicht bewusst gewesen war, aber er war dumm genug dich bei sich aufzunehmen und in mein Blickfeld zu treten... und dieser Arthur Morgan.. Ganz offensichtlich liebst du ihn und er dich auch..."
Es ratterte in meinen Gehirnzellen... Dutch hatte ich für einen kurzen Moment vergessen....
Bloß wusste ich nicht, wovon er da überhaupt redete.
"Was meinst du? Was willst du von Dutch?"


Er lehnte seine Hände links und rechts bei mir auf der Stuhllehne ab und sah mir tief in die Augen, wobei er mit seinem Gesicht meinem unglaublich nahe kam.
"Oh ich werde ihn töten. Ich weiß, er und sein Hund Arthur werden herkommen und dich holen wollen. Ich werde ihnen eine kleine Falle stellen und sie werden ein kleines Lebenszeichen von dir kriegen, damit sie sich auf der sicheren Seite fühlen und wenn ich sie erledigt habe, dann mach ich mit dir weiter..."
Der Gedanke daran, dass Arthur womöglich bald sterben würde, wenn er hier aufkreuzte, ließ die Panik erneut in mir hochsteigen.
Doch was sollte ich dagegen tun? Ich musste versuchen Cornwall irgendwie davon zu überzeugen, dass es ein Fehler war ihn zu töten.


"Warum tötest du mich nicht einfach gleich? Dann hast du endlich Ruhe. Wenn Arthur und Dutch sehen, dass ich tot bin ,werden sie nicht mehr versuchen mich zu retten. Den beiden ist die Bande viel wichtiger! Und du willst doch bestimmt nicht noch mehr deiner Männer verlieren. Sollte es Arthur nämlich bis hierhin schaffen und sehen, dass ich noch lebe, wird er dich töten! Dann wäre doch alles umsonst gewesen, oder?", fragte ich trocken und emotionslos, denn funktionierte in diesem Augenblick einfach nur noch wie eine Maschine.
"Hahahaha, du kannst mich nicht verarschen meine Liebe. Und Arthur Morgan wird tot sein, bevor er bis drei zählen kann, genauso wie sein Kumpane van der Linde"
Ich schluckte hart... Ich betete einfach, dass Arthur nicht dumm genug war hierherzukommen... Aber ich wusste, er liebte mich und würde für mich sterben genauso wie ich für ihn... und deswegen würde er vermutlich genau das tun... ich hatte uns alle ins Verderben gerissen...


"Außerdem... weißt du, ich habe die letzten Tage nachgedacht und bin nun doch zu dem Schluss gekommen, dass der Tod für dich viel zu milde wäre, nachdem du mir so viel Ärger gemacht hast und deinetwegen Milton gestorben ist. Ganz zufällig habe ich da jemanden gefunden, der eine riesige Summe für dich bezahlen und dich anschließend zur Frau nehmen wird. Er war überaus begeistert davon, dass du noch Jungfrau bist... er wird dir gehorsam beibringen und glaub mir, bei hm wird es dir wesentlich schlimmer ergehen als bei Milton.... du wirst bestimmt viel-."


"AAAAHHHH HAHAHAHAHAAAA... HAHAHAHAAAA... AHHHHAHAHAHA"


Ich bekam mich vor Lachen gar nicht mehr ein und mir liefen bereits einige Tränen die Wange hinunter.
Cornwall blickte mich zunächst verstört an, was mich noch mehr zum Lachen brachte.
In der nächsten Sekunde klatschte seine Hand wieder unaufhaltsam gegen mein Gesicht.
Kurz verstarb mein Lachen und ich blickte ihn Verblüfft an, doch schon im nächsten Moment musste ich wieder lauthals anfangen zu lachen.
"Hör auf verdammt!", schrie er wütend, doch ich konnte einfach nicht.


Er lief unruhig auf und ab und irgendwann bekam ich mich doch wieder ein...
"Du... du denkst wirklich, ich bin noch Jungfrau?", fragte ich verdutzt und brach zum zweiten Mal in schallendes Gelächter aus.
"Was meinst du damit? Warum lachst du so, du Miststück? HÖR AUF!"
Er zog seinen Revolver und richtete diesen in mein Gesicht.
Tatsächlich endete nun mein Lachanfall, doch ich konnte immer noch nicht fassen, wie Cornwall so unwissend sein konnte.


"Du... du hast wirklich keine Ahnung, oder? Dein guter Freund Milton hat dir wohl nicht gesagt, dass er mich von Colm O'Driscoll hat vergewaltigen lassen bevor er mir die Kugel in den Kopf gejagt hat?"
Grinsend und immer noch außer mir musterte ich ihn.
Cornwalls Gesicht dagegen verwandelte sich in eine ungläubige Fratze...
Wieder musste ich unaufhaltsam lachen... ich konnte wirklich nicht glauben, dass er mehr oder weniger unwissend seinen eigenen Plan durchkreuzt hatte... dass Milton sich über ihn hinweggesetzt und ihm verschwiegen hatte, dass er Colm mir meine Jungfräulichkeit hat nehmen lassen... obwohl... spätestens als ich mir Arthur geschlafen habe, wäre sein Plan sowieso durchkreuzt gewesen...
Das mich das, was mir in der Nacht angetan worden war, tatsächlich mal zum Lachen bringen würde, hätte ich ihm leben nicht vermutet.
Das Ganze war so grausam und schlimm, dass es schon wieder lustig war.
Meine Vergewaltigung hatte mich vermutlich gerade davor bewahrt an diesen Kerl erheiratet zu werden... Jedoch wusste ich nicht, was mir nun stattdessen blühte... vermutlich würde Cornwall mich am Ende des Tages umlegen.


Erneut schlug mir Cornwall ungehalten ins Gesicht und ich keuchte auf.
Doch ich fasste mich schnell wieder und funkelte ihm schadenfroh an.
Er konnte mich so oft schlagen wie er wollte oder mich eben umbringen... aber diesen kleinen Sieg könnte er mir nicht mehr nehmen...
"Lüg mich nicht an!", schrie er aus voller Leibeskraft.
"Glaub was du willst Onkel... Ich habe keinen Grund zu lügen und das weißt du... tief in deinem Inneren weißt du, dass es wahr ist... wie blöd aber auch... du tust mir richtig lei-."


Ein erneuter heftiger Schlag traf mein linkes Ohr und diesmal war es mir so viel Kraft, dass ich samt Stuhl auf die Seite flog und mit der Schulter böse auf den harten Boden aufknallte, was mich aufkreischen ließ.
So langsam merkte ich, dass mir von den ganzen Schlägern immer schwummriger wurde und ich die Sache nicht mehr lange durchhalten konnte, ohne das Bewusstsein zu verlieren.
"Halt dein Maul!!!", hörte ich Cornwall schreien während es in meinem linken Gehörgang maximal rauschte.
"Dann werde ich dich eben töten, nachdem ich dein Gesetzlosenpack erledigt habe! Soll mir nur recht sein!"


Während seiner Worte spürte ich plötzlich, dass sich die Fesseln um meine Hände durch den Sturz mit dem Stuhl gelockert hatten... oder... war vielleicht sogar der Stuhl an einer Stelle unauffällig gebrochen? Ich hatte keine Ahnung, aber ich konnte meine Hände und Arme freier bewegen als zu vor.
Cornwall ging unterdessen unruhig zu der kleinen Bar, welche ebenfalls diesen Raum ausfüllte und goss sich einen hochprozentigen Schnaps in ein mit Goldrand verziertem Glas ein.
Ich zerrte an meinen Fesseln so gut es ging und probierte jede mögliche Bewegung, um mich irgendwie aus dem Knoten zu lösen und tatsächlich...Dank meiner dünnen Handgelenke und dem offensichtlich kaputten Stuhl, der die Fesseln gelockert hatte, konnte ich meine Hände vollständig befreien.
Cornwall stand immer noch mit dem Rücken zu mir und nippte an seinem Glas.
Er stöhnte zufrieden, als er das Gesöff offenbar herunterschluckte.


Unterdessen machte ich mich in Windeseile an meinen Füßen zu schaffen und auch dieser Knoten war von jemandem gebunden worden, der entweder keine Ahnung vom Knoten binden oder einfach schlichtweg keine Lust gehabt hatte ihn richtig festzumachen.
Ich konnte jedenfalls mein Glück kaum fassten, doch mein Körper arbeitete gerade wie von selbst.
Ich schielte zu Micah's Leiche und erkannte, dass noch ein Messer an seinem Waffengürtel befestigt war. Diese Idioten hatten sich wohl gedacht, wenn er sowieso tot war, brauchte man ihm auch nicht mehr seiner Waffen zu entledigen.
Gut für mich...


Nun hieß es innerhalb von wenigen Sekunden zu handeln.
Ich kroch zu der Leiche und zog das Messer als sich im selben Augenblick Cornwall wieder zu mir herumdrehte.
Ich sprang auf so schnell ich konnte, beachtete dabei die Schmerzen in meiner Schulter nicht und stürmte auf ihn zu während ich das Messer angriffsbereit mit dem scharfen Ende zu ihm gezeigt fest in meiner Faust umschlossen hielt.
Dieser Scheißkerl würde für das bezahlen, was er meinen Eltern angetan hatte!
Cornwall, der seinen Revolver kurzzeitig wieder weggesteckt hatte, zog diesen nun in Windeseile aus seinem Holster und hob seinen Arm, um auf mich zu zielen.
In dieser Sekunde gelangte ich bei ihm, sprang hoch und stürzte mich voller Elan auf ihn.


"Aaarrrghhhh!", brüllte ich aus voller Leibeskraft, als ich ihn mit zu Boden riss und ihm dabei das Messer unbarmherzig in den Brustbereich stieß, wobei zeitgleich ein ohrenbetäubender Knall ertönte...
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