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Life is made by memories

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Arthur Morgan Charles Smith Colm O'Driscoll Dutch van der Linde John Marston Tilly Jackson
08.02.2021
15.04.2021
49
139.594
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07.04.2021 3.202
 
"Versprecht mir, dass ihr das für mich tun werdet!"
"Emilia, wenn wir das machen, wird Arthur uns für immer hassen. Außerdem wirst du dabei umkommen!"
Tilly schaute skeptisch von mir zu Mary-Beth, welche zustimmend nickte.
"Das wird er nicht! Er wird es früher oder später verstehen... aber es ist die einzige Möglichkeit euch alle in Sicherheit zu bringen... und ich werd schon auf mich aufpassen... ich muss das tun... Bitte..."
Flehend und betend stierte ich die beiden Frauen mit einem aufgelegten Hundeblick an.


Die Afroamerikanerin und der Bücherwurm schauten sich gegenseitig ernst in die Augen und anschließend wieder zu mir.
"Okay, wir machen es! Aber wenn es nicht funktioniert, darfst du uns nicht böse sein", meinte Mary-Beth entschlossen.
"Das werde ich nicht... aber es wird funktionieren... ich kenne Arthur... ich weiß es einfach!"
Beide nickten bloß als Antwort und mir schlich sich ein dankbares Lächeln auf die Lippen.
Der Plan, welcher mir in den Sinn gekommen war, als ich noch mit Arthur zusammengestanden hatte, war nun in vollem Gange und ich betete, dass er am Ende auch aufgehen würde.
Ohne weiter miteinander zu reden, packten wir drei Frauen unsere Sachen...

PENG! PENG! PENG!... PENG!

Ohrenbetäubende Schüsse hallten durch die Luft, wodurch ich erschrak und die Hände über dem Kopf zusammenschlug.
Am Rande bekam ich mit, wie Bill laut aufschrie und als ich zu ihm rüber spähte, lag er am Boden und hielt sich sein Bein fest. Die Hose färbte sich an der Stelle rot und da wusste ich, dass er getroffen worden war.
"Verdammt, warum haben sie uns schon gefunden!? So schnell konnten sie doch überhaupt nicht ausmachen, wo wir sind", hörte ich Dutch schreien, als er zu mir rannte und mich festhielt.
Gleichzeitig sah ich, wie Bill eine weitere Kugel traf und diesmal direkt in die Brust.
Sein Schreien verstarb und er blieb reglos am Boden liegen.


Eine Welle an Adrenalin überschwemmte meinen gesamten Körper und ich riss vor Unglauben die Augen auf.
Ich hatte Bill zwar nie gemocht, aber den Tod hätte ich ihm auch nicht unbedingt gewünscht.
"Kommen Sie Miss Lopez, wir müssen hier weg! Arthur!!!", rief Dutch direkt an meinem Ohr.
Weitere Schüsse ertönten, doch diesmal konnte ich erkennen, dass auch unsere Leute aus ihren Waffen große Mengen an Blei und Schrot abfeuerten.
In der nächsten Sekunde war Arthur schon bei mir mit seinem Cattleman-Revolver in der Hand.
Er schlang schützend seinen freien Arm um meinen Kopf und Schulter und ich konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie Hosea zu Tilly und Mary-Beth rannte und sie wegbugsierte, während mich dabei beide fragend und ängstlich ansahen.


Verdammt, wie sollte denn jetzt mein Plan aufgehen!? Das Cornwall schon nach einer halben Stunde hier auftaucht, hatte ich nicht mit einberechnet.
"Dutch sieh zu, dass du hier wegkommst, ich nehme Miss Lopez mit!", rief Arthur dem Anführer zu, der neben uns stand und mit beiden Revolvern abwechselnd Kugeln abfeuerte, wobei er sich zwischendurch duckte.
Auch Arthur schoss gelegentlich mit dem Revolver in seiner Hand, konzentrierte sich aber wohl mehr darauf mich vor den gegnerischen Kugeln zu schützen.
Das Blut vibrierte in meinen Ohren und ich presste mich so fest ich konnte an Arthurs harten Körper. Hoffentlich würde er nicht verletzte werden oder Schlimmeres...


Die Schüsse sowie auch das Geschrei und Getümmel wurden immer lauter um mich herum und das Adrenalin in mir pumpte sich durch jede Vene, wodurch die Angst zum Großteil versiegte.
Da fiel mir schlagartig etwas ein... ich konnte es selbst... ich konnte mit einer Waffe umgehen und ich konnte helfen.
Ich löste mich hastig von Arthur, der mich nur entgeistert anstarrte.


Zwei Kugeln schossen haarscharf an uns vorbei und wir beide duckten uns blitzartig.
Doch ich wartete nicht weiter, sondern rannte so schnell ich konnte zu Bill, schmiss mich neben ihn auf den Boden und fuchtelte seinen Revolver aus dem Holster.
"Verdammt Emilia!", schrie Arthur, als er bei mir ankam und schützend vor meinem Körper halb zum Stehen kam, wobei er die nächsten Kugeln aus seinen Revolvern abfeuerte, die er nun beide gleichzeitig benutzte.
Ich erhob mich reflexartig und fing ohne weiter darüber nachzudenken an zu schießen.
Zunächst einfach nur in die Richtung, aus der die Kugeln kamen, da ich noch niemanden ausfindig machen konnte.


Verblüfft sah Arthur mich für den Bruchteil einer Sekunde an, schoss dann aber selber wieder.
Lenny und Karen kamen von der Seite auf uns zugerannt, und riefen etwas Unverständliches, doch es reichte, damit ich erkannte, dass hinter den beiden mehrere fremde Kerle auftauchten.
Ich zielte, schoss und traf dem ersten direkt ins Gesicht.
Der folgende Schuss kam von Arthur zwischen die Augen des zweiten.
Wieder schoss ich und traf direkt unters Auge von dem nächsten, woraufhin er leblos in sich zusammensackte.


Dann merkte ich, dass ich nachladen musste und ging in Deckung während Arthur den letzten aus dieser Richtung kommend erledigte.
Verdammt, ich hatte vollkommen vergessen, dass ich gar keine Patronen zum Nachladen hatte, aber jetzt nochmal zu Bill zu rennen war auch keine Option mehr.
"Kommt schon, wir hauen ab! Sie haben sich kurzzeitig zurückgezogen. Das ist unsere Chance!!!" rief Sadie, die ebenfalls einiges an Munition abgefeuert hatte und nach ihren Worten einem Kerl die Kehle durchschnitt, der es bis ins Camp geschafft, aber bereits eine Kugel in der Schulter hatte.
Die Frau war wirklich knallhart und furchtlos.
Und wie mir auffiel, hatte sie recht.
Der Kugelhagel von der Seite von Cornwall verstummte und kurzzeitig wurde es so still, dass man nur die Atmungen von manchen hören konnte, weil sie außer Puste waren oder einfach ziemlich aufgeregt.


Ich hockte noch immer an gleichen Stelle, wo ich den Revolver hatte nachladen wollen, als Arthur plötzlich bei mir war und mich vor sich herschob auf die andere Seite des Camps, wo sich die meisten versammelten und hinter einigen Kisten, Baumstämmen und Felsen in Deckung gegangen waren.
Plötzlich kam Dutch von der anderen Seite an mich heran und begleitete mich mit Arthur zu den anderen.
Warum war er nur so!?


"Neiiin, ich lasse sie nicht hier!" hörte ich Tilly auf halbem Weg plötzlich schreien und riss meinen Kopf in die Richtung des Geräuschs.
Sie hockte an einem Felsen und Hosea hielt sie an den Schultern fest.
Vor den beiden lag jemand auf den Boden, denn ich konnte zwei Füße erkennen und den Teil eines Kleides, welches hinter dem Felsen hervorschaute.
Es sah aus wie das Kleid von...
"Oh mein Gott NEIN!"
Ohne einen weiteren Gedanken sprintete ich manisch zu der Stelle, ignorierte dabei Arthurs und Dutchs Rufe hinter mir und meine schlimmste Befürchtung bewahrheitete sich, als ich erkannte, wer dort an den Felsen gelehnt lag.


"Gott Mary, bitte nicht... Nicht du!"
Ich kniete neben die halb bewusstlose Frau, sodass Tilly mir gegenüber war.
Mary-Beth hielt sich den Bauch fest, aus dem schon jede Menge Blut gekommen sein musste, denn ihr Kleid hatte sich in dieser Gegend dunkelrot verfärbt.
Ihre Augen flatterten wild und ich schluchzte qualvoll auf.
Nur am Rande vernahm ich, wie Dutch Arthur befahl mich zu holen und zu den anderen zu bringen.


"Es tut mir so leid", wimmerte ich vor mich hin, während dicke Tränen aus meinen Augen quollen.
Auch Tilly weinte fürchterlich und tätschelte Mary-Beth liebevoll den Kopf.
Auf einmal griff Mary unvorhergesehen nach meiner Hand und ich zuckte unweigerlich zusammen.
"Es ist nicht deine Schuld... bitte gib dir nicht die Schuld dafür... ihr beide könnt nichts dafür... versprecht es mir!... es... es ist in Ordnung..."
Ihr hauchdünnen zittrigen Worte hallten in meinem inneren wieder und Mary-Beth kullerte eine einsame Träne über die Wange, wobei sie mich flehend und unfassbar traurig anschaute... ich warf einen kurzen Blick zu Tilly, die mich ebenfalls in der gleichen Sekunde vollkommen aufgelöst ansah.
"Werden wir nicht!", sagten wir beide fast gleichzeitig und ich konnte sehen, wie Marys Mundwinkel zuckten, so als würde sie ein letztes Mal Lächeln...
Noch im gleichen Atemzug schloss sie langsam ihre Augenlider und man konnte sehen, wie sich ihr Brustkorb ein letztes Mal langsam hob und wieder senkte.
Sie war fort.


"Es tut mir wirklich leid, aber wir müssen gehen. Wir können ihr nicht mehr helfen. Sie würde nicht wollen, dass ihr hier bleibt!", mahnte Hosea und hatte seine Hände immer noch tröstend aber auch gleichzeitig fordernd um Tillys Schultern gelegt.
Abertausende Stiche jagten durch mein Herz, doch anstatt nun vollkommen vor Trauer in Tränen auszubrechen entstand unerwartet ein viel mächtigeres und gefährlicheres Gefühl in mir.
Wut!
Ich dachte an Mary-Beth's Worte.... Es ist nicht meine Schuld... und auch, wenn es mir schwerfiel, aber ich konzentrierte mich auf diese Worte und sah ihre Bedeutung... Es war nicht meine, sondern die Schuld von denjenigen, die auf sie geschossen hatten und die Person, die sie dazu befehligt hatte... Cornwall!


Im selben Moment schoss mir der Plan wieder durch den Kopf... Ich hatte es nicht geschafft alle zu retten, aber ich konnte wenigstens dafür sorgen, dass die restlichen in Sicherheit kommen konnten und dadurch würde ich die Gelegenheit bekommen Cornwall ins Gesicht zu sehen und herauszufinden, warum er all das getan hatte... woher er mich kannte... ob er mein Vater war... und selbst, wenn das der Fall wäre... ich würde ihn verdammt nochmal umbringen!!!
Die Wut in mir entfachte sich mehr und mehr und das Feuer brannte sich mir durch Mark und Knochen. Ich nahm Tilly, die immer noch bitterlich weinte an die Hand und zog sie mit hoch, sodass wir aufrecht standen.
Mit versteinertem Blick nahm ich ihren Kopf in meine Hände und stierte sie an.
"Wir müssen gehen!", hauchte ich so leise, dass nur sie es hören konnte und sie schien daraufhin wieder etwas klarer zu werden und nickte verschnupft als Antwort.


Da merkte ich, dass nun auch Arthur näher trat und mir behutsam eine Hand auf den Rücken legte.
Er hatte offensichtlich die ganze Zeit über hinter mir gestanden und mir den Moment gegeben von Mary abschied zu nehmen.
"Es tut mir leid Emilia, aber-."
"Mister van der Linde! Sie haben immer noch was, was mir gehört... oder besser gesagt... jemanden! Es war ein Fehler von Ihnen zu mir zu kommen. Jetzt sind wir bei Ihnen und wir werden nicht wieder gehen bevor wir Miss Lopez haben!..."
Ich hörte, wie der Mann mit kratziger Stimme lachte, nachdem er die Worte gerufen hatte.
War das etwa Cornwall? Er musste es sein...


"Los jetzt! Da lang" zischte Hosea nun ungeduldig und zeigte in die Richtung, in die wir laufen sollten.
Arthur ließ mich los und ich ging mit Tilly voran in geduckter Haltung hinter einigen Felsen und Büschen entlang.
"Bitte denk an den Plan!", flüsterte ich Tilly so leise zu, dass nur unsere Ohren es vernehmen konnten.
"Jetzt noch? Nachdem Mary-Be-."
"Erst recht jetzt! Für Mary-beth! Damit sie die letzte gewesen ist, die sterben musste. Dieser Cornwall hat genug angerichtet... jedoch muss das Ganze jetzt etwas anders laufen..."
Ich erklärte der Afroamerikanerin mit knappen Sätzen, was ich nun vorhatte...
"Bitte Tilly!"
Sie schaute mir erst unsicher an, nickte jedoch dann umgehend und als Zeichen meiner Dankbarkeit nickte ich ebenfalls lächelnd.


"Mister Cornwall, so schnell habe ich ja gar nicht mit Ihnen gerechnet... bestimmt finden wir eine Lösung, mit der wir uns beide abfinden können!"
Dutch lugte hinter einem Stein hervor, als er die Worte in hohen Tönen rief.
Wir waren endlich bei den anderen angekommen und Arthur, Hosea, Tilly und ich hockten uns in die Nähe von ihnen und in geringer Entfernung hinter Dutch.
Mit fieberhaftem Puls bereitete ich mich darauf vor, was gleich passieren würde.
Mein Herz donnerte von innen gegen meine Brust und ich befürchtete, es könnte jeden Moment vor Ungestümheit herausspringen.


"Ohh nein, die einzige Lösung, die es gibt, ist die, dass Sie die Frau rausgeben. Dann Lasse ich Sie und Ihre Bande von Wilden vielleicht in Ruhe!"
Wieder dieses Lachen. Da merkte ich plötzlich, dass es mir bekannt vorkam... auf eine merkwürdige Art und Weise, doch es blieb keine Zeit darüber nachzugrübeln.
Ich lehnte mich derweil an einen Baumstumpf, sodass Arthur sehen konnte, dass ich vorerst in Sicherheit war.
"Wenn ich mich recht entsinne, können wohl kaum noch genug Männer von Ihnen übrig sein Mister Cornwall... also geben Sie schon auf!"


Während Dutch sprach, schielte ich unauffällig zu Tilly rüber, als Arthur sich prüfend in alle Richtungen umsah.
Als sich unsere Augen trafen, nickte ich ihr kaum merklich zu als Zeichen dafür, dass es losgehen konnte.
Tilly fing an unruhig zu werden und erhob sich, um wieder in Richtung von der toten Mary-Beth zu laufen. Hosea fing sie ab und hielt sie fest, doch sie strampelte und wütete so gut sie nur konnte.
"Nein lass mich los, ich muss zu ihr, ich darf sich nicht alleine lassen!!!"
Sie machte das wirklich gut.
In einem anderen Leben hätte sie eine ausgezeichnete Schauspielerin werden können.


Da Hosea sie kaum unter Kontrolle halten konnte, was absolute Absicht war, machte nun auch Arthur Anstalten zu ihr zu eilen, doch er sah mich vorher fragend an.
"Ist schon gut. Helf Hosea und beruhige sie, bevor ihr noch was passiert!", sagte ich fordernd mit zusammengezogenen Augenbrauen und er gehorchte mir aufs Wort.
Meine Schauspielkunst war wohl auch nicht so übel.
Dank Tilly's Ausbruch waren nun Hosea und Arthur weitestgehend abgelenkt und die anderen hatten sich so verschanzt, dass sie derzeit kein Auge auf mich haben konnten.
Dutch war zu meinem Glück gerade sehr auf Cornwall konzentriert.
Wie gerne hätte ich mich von Arthur richtig verabschiedet und ihn nochmal leidenschaftlich umarmt und geküsst, aber dann wäre mein Plan zunichtegemacht gewesen.
Ich schluckte die aufkommende Tränenflut nur mit größter Mühe hinunter.


Und so nahm ich meine Beine in die Hand und schlich mich wieder auf die andere Seite des Camps vorbei an der Leiche von Mary-Beth, die ich aus dem Augenwinkel kurz bekümmert musterte.
Doch ich behielt mein Vorhaben klar vor Augen und als ich am Rande des Lagers ankam, schnappte ich mir Bills Pferd, was von den anderen Bandenmitgliedern nicht zur anderen Seite des Camps gebracht worden war, so wie alle anderen Pferde.
Ich schmiss mich mit Schwung in den Sattel und fand glücklicherweise noch eine abgenutzte Flinte, die für meinen Plan ausreichen sollte.


"Emilia!", hörte ich Arthurs Stimme leise hinter meinem Rücken zischen und ich wusste, er hatte meine Abwesenheit inzwischen bemerkt.
Aber Tilly hatte ihre Aufgabe erfüllt und mir genug Zeit verschafft.
Ich drehte mich schlagartig nochmal zu dem Mann meines Herzens um und sah, wie er noch in einiger Entfernung zwischen einigen Büschen war und dabei war näher zu kommen.
Er stierte mich fuchsteufelswild an, doch das brachte mich kein Stück aus der Fassung.


Ich musste das jetzt zu Ende bringen.
Egal, was mit mir passieren würde, es wäre mein Schicksal... Aber es war nicht das von Arthur oder Tilly oder sonst wem... genauso wenig wäre es das von Mary-Beth oder Bill gewesen... oder Kieran... oder Sean...
Cornwall wollte nur mich und er sollte mich kriegen... aber es würde nicht kampflos geschehen.
"Ich liebe Dich!", hauchte ich und schlug im gleichen Wimpernschlag die Hacken in die Seiten des Vierbeiners.
Es wieherte auf und galoppierte auf der Stelle los.
Ganz leise konnte ich noch hören, wie Arthur fluchte, doch ich beachtete es nicht.


Ich zog die Flinte am Sattel heraus und als ich zwischen Büsche und Bäumen vorpreschte, ritt ich geradewegs auf einige Männer zu und visierte sie an.
"Ihr wollt mich! Dann holt mich!!!!", schrie ich so laut ich konnte und feuerte prompt auf die Männer vor mir, die gar nicht so schnell hätten reagieren können.
Ich funktionierte in dieser Sekunde nur noch wie eine Maschine und das Adrenalin füllte mich ganz und gar aus.
Beide fielen krächzend zu Boden neben viele andere Leichen, die von der van der Linde Gang bereits erledigt worden waren.


"Nicht schießen! Ich will sie lebend!!!", hörte ich Cornwalls Stimme rufen und ich reckte meinen Kopf zur Seite und erhaschte einen kurzen Blick auf ihn, der aber zu knapp war, um entscheiden zu können, ob er so aussah wie mein Vater, den ich in meinen Erinnerungen gesehen hatte.
Denn sechs weitere und wohl auch die letzten übrigen Männer, die um Cornwall herum gestanden hatten, galoppierten nun schnurstracks auf mich zu wobei Cornwall direkt hinter ihnen war.


Doch innerlich schlug ich vor Freude Purzelbäume.
Sie ließen Arthur und alle anderen in Ruhe und konzentrierte sich nur noch auf mich.
Ja verdammt! Genau das hatte ich erreichen wollen.
Ich ritt über einen Pfad und verschwand dann zwischen einigen Bäumen, um es den Mistkerlen möglichst schwer zu machen.
Jetzt kam der Teil, über den ich noch nicht nachgedacht hatte und damit einhergehend kroch nun doch auch ein wenig Unbehaglichkeit in mir hoch.


Wie sollte ich es schaffen diese Männer zu erledigen und Cornwall zu entwaffnen, damit ich ihn mit der Flinte am Kopf zur Rede stellen konnte?
Klar könnte ich mich auch fangen lassen, aber ich wollte definitiv nicht kampflos aufgeben... nicht, nachdem sie Mary-Beth kaltblütig erschossen hatten.
Wenn Cornwall wirklich mein Vater war, dann würde ich ihm das ohnehin nie verzeihen und sowieso nicht freiwillig bei ihm bleiben...
Wenn ich vielleicht...


Unerwartet stolperte Bills Gaul über irgendein Geäst oder einen Stein auf dem aufgelockerten Erdboden und knickte um, sodass ich mit dem Tier zusammen dem Boden entgegenraste, wobei ich mich überschlug und unsanft mit der Schulter gegen einen Baum stieß.
Ich stöhnte vor Schmerzen, rappelte mich aber weitestgehend zügig wieder auf und sah dann auch schon, wie die sechs Kerle plus Cornwall mich erreichten und einen Kreis um mich bildeten. Sie sprangen eilig von ihren Pferden wobei der Anführer als letzter abstieg.
Alle außer Cornwall richteten ihre Schießeisen auf mich.


Eine Art Panik überkam mich, doch ich war noch so voller Adrenalin und Zorn, dass ich sie nur am Rande meines Verstandes wahrnahm.
Ich stand aufrecht und reckte dem Anführer mein Kinn selbstsicher entgegen.
Er blieb eine Armlänge vor mir stehen und grinste mich siegreich und zufrieden an, sagte zunächst jedoch erstmal nichts.


Ich begutachtete ganz genau sein Gesicht und dachte dabei an die Erinnerung mit meinen Eltern, als ich meinen Vater gesehen hatte.
Zwischen der Erinnerung und dem hier und jetzt lagen natürlich viele Jahre und es war klar, dass mein Vater sich mit Sicherheit äußerlich ein wenig verändert hatte.
Aber... Cornwalls Gesichtszüge und die Augen... aber auch die Form seiner Nase... er... er sah dem Mann aus meinen Erinnerungen wirklich unheimlich ähnlich... Wenn ich mir Cornwall ca. zwei Jahrzehnte jünger vorstellte dann... oh Gott, er musste es sein....


Ich riss die Augen bei der Erkenntnis weit auf und im selben Moment hob Cornwall seine Hand, die in schwarze Handschuhe gehüllt war, um meine Wange zu streicheln.
"Hallo mein süßer Liebling!", hörte ich ihn rau sagen und er grinste noch breiter, wobei ich in seinen Augen etwas Finsteres erkennen konnte.


"Vater...?", flüsterte ich mit zitternder ungläubiger Stimme...

Ein dumpfer Schlag auf den Hinterkopf ließ mein Bewusstsein in Schwärze eintauchen...
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