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Melinas Film- und Serienkritik

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
07.02.2021
17.06.2021
11
10.820
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07.02.2021 2.235
 
Fangen wir doch gleich mal mit der Serie, die diese Kolumne inspiriert hat, an!

„Fate: The Winx Saga“ ist ein Reboot der italienischen Zeichtrickserie „Winx Club“. Anders als das Original, ist „Fate“ deutlich düsterer als der bunte Cartoon. Laut den Machern ist „Fate“ eine Serie für die Leute die mit „Winx“ aufgewachsen und nun erwachsen sind.
Passenderweise habe ich kurz bevor ich mir "Fate" angesehen habe, nochmals die erste Staffel von "Winx Club" wiederholt.

Titel: „Fate: The Winx Saga“.

Staffel: 1. (Mit 6 Episoden.)

Staffeln insgesamt: 1.

Erscheinungsjahr: 2020.

Publisher: Archery Pictures.

Genre: Fantasy, YA, Mystery.

Sprache: Englisch (hab’s aber auf Deutsch gesehen.)

Gesehen: Jänner 2021.

Intro: Ist nur superkurz. Man sieht den Titel vor einem Feenflügelpaar, dass sich sekündlich verändert: Mal besteht es aus Feuer, dann wieder aus Wasser oder Pflanzen.

Ich find das Intro ganz cool, aber es könnte meiner Meinung nach noch ein bisschen besser sein. (Auch wenn ich nicht weiß wie.)

Inhalt: Bloom, eine Fee mit Feuerkräften, kommt neu nach Alfea, ein magisches Internat in der sogenannten „Anderswelt“. Hier teilt sie sich eine Wohnung mit Stella (einer Licht-Fee), Aisha (einer Wasser-Fee), Terra (einer Erd-Fee) und Musa (einer Gedanken-Fee). Mit der Hilfe ihrer neuen Freunde, versucht Bloom mehr über ihre Vergangenheit und ihre Kräfte herauszufinden. Währenddessen kehren alte Kreaturen, die „Verbrannten“, in die Anderswelt zurück und bedrohten jeden in Alfea...

Musik: Um ehrlich zu sein, hab ich gar nicht so sehr auf die Musik geachtet. Jetzt beim zweiten Mal ansehen, ist die Musik ganz ok.

Meine Meinung zu der Serie (Enthält SPOILER!!): Ich bin 25 Jahre alt und mit „Winx Club“ aufgewachsen. Ich war immer schon ein großer Fan der Serie, der sowohl die Show gesehen als auch die Comics gelesen hat. Meine Cousinen und ich haben fast jedes Mal, wenn wir uns gesehen haben ausschließlich „Winx Club“ gespielt. (Ich war immer Flora.) Ich habe diese Serie wirklich, wirklich geliebt!

Die Macher von „Fate: the Winx Saga“ haben bestätigt, dass sie die neue Serie mit Absicht dunkler und düsterer gemacht haben, da sie nicht für Kinder, sondern für die Generation gemacht ist, die damals mit dem Original aufgewachsen ist. Und genau da liegt meiner Meinung nach das Problem! Die Leute die mit dem Original aufgewachsen sind (so wie ich), sind jetzt in ihren Zwanzigern. Zwanzigjährige wollen keine Reboots die dark und edgy sind! Wir wollen Nostalgie!
Tut mir Leid, aber wenn ich an „Winx Club“ denke, dann denke ich nicht an dark, gothic und edgy, sondern an Spaß, Freundschaft, Magie, Glitzer, Humor, Action, Abenteuer, die knalligen Farben und an die tollen die bunten Outfits! „Winx Club“ ist das genaue Gegenteil von dark und edgy!!

Von den sechs original Winx Club-Mitgliedern (Bloom, Stella, Flora, Layla, Musa und Tecna) waren die Hälfte WOC (Flora, Layla und Musa).
(BTW laut den Machern wurde jedes Mitglied nach einem Celebrity von damals designt: Bloom nach Britney Spears, Stella nach Cameron Diaz, Flora nach Jennifer Lopez, Tecna nach P!nk, Musa nach Lucy Liu und Layla nach Beonce.)
Das Problem ist, dass in der Live Action Serie Tecna und Flora komplett gestrichen wurden. Stattdessen wurde Flora von einem Mädchen namens Terra ersetzt, die ihre Cousine ist. Ich nehme an, dass sie das deswegen gemacht haben, um auch Mädchen mit verschiedenen Körperformen zu zeigen, was ich eigentlich gut finde. (Weil mal ehrlich: die Mädchen im Originalcartoon waren alle extrem dünn.) Nun ist es allerdings so, dass die Schauspielerin von Terra sehr helle Haut hat. Das ist keine gute Repräsentation!! Kommt schon Leute; es ist 2020! Ich verstehe nicht warum Terra/Flora nicht einfach pluse sized UND woc sein kann?
(Nur damit das klar ist: Ich habe absolut GAR KEIN Problem mit den Schauspielerinnen! Sie alle machen einen tollen Job! Ich hab eher ein Problem mit denjenigen die das Casting gemacht haben und dem Regisseur.)
Ist die Tatsache, dass sie Flora durch Terra ersetzt haben etwa ihre Ausrede für Whitewashing? Ich kann es nicht oft genug betonen, aber Repräsentation ist wichtig Leute!

Musa ist in „Fate“ eine Gedanken- statt eine Musikfee. (Was ich aber nachvollziehen kann, denn wie soll man Musas Musik-Kräfte in der Live Action Serie gut darstellen?). Tecna war immer mein am wenigsten gemochtes Mitglied des „Winx Clubs“, aber das heißt nicht, dass ich sie überhaupt nicht mochte! Ernsthaft: Wieso bitte streichen die einfach Tecna?? Ihr könnt doch nicht einfach, die Fee der Technologie ausschließen!

Am Schlimmsten aber finde ich, dass die Mädchen in „Fate“ sich einfach nicht wie Freunde anfühlen! Sie hängen kaum jemals miteinander ab und sind meist eher in Paare oder kleinere Gruppen aufgeteilt. Fast alle behandeln Terra schlecht, Stella ist die meiste Zeit gemein zu allen (obwohl sie im Original Blooms beste Freundin war und diejenige die sie in die magische Welt eingeführt hat) und ich kann ehrlich gesagt nicht wirklich sagen, dass die Mädchen richtige Freunde sind. Die beste Beziehung haben noch Terra und Musa. Aisha, die in der Serie Blooms Zimmerkollegin anstatt Flora ist, verhält sich eher wie eine Mutter als eine Freundin und wenn sie mal ein Problem hat, kümmert sich niemand darum. Nicht einmal Bloom, der sich Aisha gegenüber eher wie eine Babysitterin, anstatt einer Freundin verhält. Aisha hat außerdem einfach keinen Charakter, außer den Bloom zu unterstützen und Stella ist viel zu bitchig. Ja, auch im Original konnte Stella manchmal sehr zickig sein, aber sie war trotzdem immer noch Blooms beste Freundin und die Erste, die ihr von der magischen Welt erzählt hat. Außerdem macht sich (wie schon gesagt) fast jeder in der Serie über Terra aufgrund ihrer Figur lustig. Kommt schon Leute! Muss das sein?
Außerdem gibt es noch dieses dämlich Lovetriangle zwischen Bloom, Stella und Sky, das im Original nicht existierte. Ihr müsst wissen; Ich hasse Lovetriangles! Diesen Mist gab es in der Zeichentrickserie nicht. Außerdem ging mir Bloom auf die Nerven.

Mein nächster Punkt: die Outfits! OMG diese Outfits! Ihr müsst wissen: ich designe sehr gerne und interessiere mich sehr für Mode. Die Outfits in der Originalserie waren einfach so hübsch und Iconic! Wusstet ihr, dass sie Outfits der Figuren von echten Designern entworfen wurden? Und dann seh ich mir so die Mode in „Fate“ an und denk mir nur so: „The hell is this??“ Jetzt mal ernsthaft: Die Mädchen sehen nicht mal aus wie echte Teenager, sondern eher wie dreißig jährige Frauen in 2014. Die Kostüme sind einfach nur hässlich und lächerlich! Die echte Stella hätte so etwas nie zugelassen!
Ich mag Blooms Lederjackenstyle, aber es ist etwas irritierend, dass sie die ganze Zeit in Rot herumläuft, statt in blau und rosa wie im Original. Nur weil sie eine Feuer-Fee ist, muss das nicht heißen, dass sie fast nur rot tragen muss. Das Selbe mit Aisha: Ja, Aisha/Layla ist eine Wasserfee (und Morphixfee), aber deswegen muss sie ja nicht nur blau tragen! Die Outfits sind einfach nur hässlich und unpassend und unstylisch!

Apropos Layla. Als ich ein Kind war, lief „Winx Club“ auf Nickelodeon. Anscheinend gibt es mehrere Übersetzungen aus der Originalsprache Italienisch. In der deutschen Übersetzung, mit der ich aufgewachsen bin, hieß Layla eben Layla, nicht Aisha und Blooms Heimatplanet hieß Domino nicht Sparks.

Doch nicht nur der Winx Club vermisst Mitglieder; Die einzigen Spezialisten die vorkommen, sind Sky, Brandon und Riven und die drei Trix sind zu einer einzigen Figur namens Beatrix verschmolzen. Ganz ehrlich: ich finde das einfach nur enttäuschend. Icy, Darcy und Stormy waren so coole Bösewichte und die Spezialisten waren alle sehr unterschiedlich aber sehr unterhaltsam und sympathisch. (Bis auf Riven. Den mocht ich nie.) Die Spezialisten haben auch keine coolen futuristischen Schwerter und andere Waffen oder Drachen oder schwebende Motorräder.

Generell ist das ganze Setting so anders! Was ich als Kind an „Winx Club“ wirklich mochte, war diese Kombination aus Magie, Legenden und Mythen mit Sci-Fy Dingen wie schwebenden Autos. Das ganze Worldbuilding war so cool und anders als bei anderen Serien damals! Magix City war eher wie eine moderne Großstadt, nicht so mittelalterlich wie bei vielen anderen Serien. Nicht zu vergessen der Rest des Originalworldbuildings: Der Schulplanet Magix, mit seinen Internaten und netten Städten, Domino, das gefrorene Königreich, das sonnendurchflutete Solaria, die Wälder von Linphea mit seinem rückwärtsfließenden Wasserfall, Andros mit seinen Meerjungfrauen, etc.
Stattdessen gibt es in „Fate“ die „Anderswelt“, von der man leider nicht viel mitbekommt und Alfea sieht aus wie jede andere magische Schule auch und die meisten Sci-Fi-Elemente sind weg. (Ich nehme an, dass sie deswegen auch Tecna gestrichen haben. Weil sie mit ihrer Technologie-Magie nicht in das Setting der Serie passen würde.) Stattdessen bekommen wir nichts als Erwähnungen von Insta oder Snapchat, was vor allem deswegen so seltsam ist, da Tecna im Original Blooms Handy, das auf der Erde das neuste Model war, als „antik“ bezeichnet.
Im Original wurden die Schulen mit einer Schutzbarriere geschützt. Aber hier ist es möglich als nicht magischer Mensch einfach so in die Anderswelt zu stolpern. Es ist auch echt schwer sich um das Schicksal der Anderswelt Sorgen zu machen, wenn man einfach nichts von ihr sieht!
Seltsamerweise kennen die Figuren die nicht von der Erde sind (also alle außer Bloom) auch Dinge wie Instagram und Snapchat. Und woher wissen Stella und Terra was „der geheime Garten“ ist, wenn es doch ein Buch von der Erde ist?
Was ich allerdings wirklich mochte waren die keltischen und gälische Einflüsse, wie die Steinkreise und auch die Architektur hat mich ein bisschen an Lórien und Bruchtal aus "Herr der Ringe" erinnert. Die "Anderswelt" wurde beispielsweise auch von keltischen Mythen inspiriert.

In „Fate“ befindet sich Alfea in einem typischen (nicht pinken, allerdings ziemlich cool aussehenden) Schloss und auf Solaria, statt auf Magix. Außerdem haben sie die Planeten wie Solaria zu „Reichen“ in der „Anderswelt“ (statt der magischen Dimension) gemacht. Andere Schulen scheinen nicht zu existieren. Weswegen die Schule nicht nur Feen, sondern auch Spezialisten beherbergt. Somit wurde die rote Fontäne komplett gestrichen. Auch der Wolkenturm musste dran glauben, da es statt den Hexen nun sogenannte „Bluthexen“ gibt. (Diese kommen aber in der ersten Staffel nicht vor.) Ich finde das sehr schade, denn die Unterschiede und Interaktion zwischen den Schulen im Original fand ich immer interessant.
Auch Frauen können im Reboot Spezialisten sein und wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es auch männliche Feen und Hexen. Ich sehe das eher zwiegespalten: Einerseits finde ich das gut, aber andererseits waren die drei Schulen immer so interessant und es war einfach nie notwendig, dass die Männer auch Feen und Hexen waren, weil sie eh tolle Krieger und Zauberer waren, die auf coolen Drachen ritten und mit futuristischen Waffen kämpften.

Die Flügel der Feen sind in „Fate“ im Lauf der Evolution verloren gegangen. Ich verstehe absolut, dass das an dem vermutlich geringen Budget liegt, aber live action Feenflügel wie in „Carnival Row“ oder „X Men: First Class“/„X Men: Erste Entscheidung“ sehen auch gut aus. Ich jedenfalls finde Blooms Flügel, die sie erst im Staffelfinale bekommt, ziemlich gut. Generell mag ich die Effekte in der Serie.

Weniger gut sind dagegen die Dialoge. Diese wirken leider ziemlich unrealistisch. Weniger wie echte Teenager sprechen und eher wie dreißig bis vierzigjährige denken, dass Teenager sprechen.

Was mir allerdings sehr gut gefallen hat war, dass sie Bloom zu einem Wechselbalg gemacht haben, weil Wechselbälger einfach viel zu unterrepräsentiert im Fantasy-Genere sind. (Ich finde es allerdings etwas komisch, dass das schon in der allerersten Folge herauskommt.)
Dummerweise wurde die Beziehung von Bloom zu ihren Eltern für „Fate“ geändert: Im Original hatte Bloom eine sehr gute Beziehung zu ihren Eltern, selbst nachdem sie erfahren hat, dass diese sie adoptiert haben. In „Fate“ jedoch streitet sich Bloom andauernd mit ihren Eltern (besonderes mit ihrer Mutter) und erzählt ihnen nicht einmal, dass sie eine Fee ist. Warum ich etwas dagegen habe? Weil die Original „Winx Club“-Serie so ein tolles Beispiel für gesunde Beziehung zwischen Kindern und Adoptiveltern war! Bloom im Original hat nie aufgehört ihre Eltern zu lieben, selbst nachdem sie ihre leiblichen Eltern gefunden hat und das fand ich einfach großartig! Genauso hasse ich es, wenn in Filmen, Büchern und Serien von den leiblichen Eltern als „richtige Eltern“ gesprochen wird. Adoptiveltern sind genauso wichtig wie leibliche Eltern!! Außerdem haben sie Blooms Hintergrundgeschichte komplett geändert.

Ich fühl mich ganz ehrlich schlecht, dass ich hier so negativ über die Serie herziehe! Ich hab mir ein paar Interviews mit dem Schöpfer des „Winx Clubs“ Iginio Straffi angesehen und der scheint zufrieden mit dem fertigen Produkt zu sein.
Auch wenn ich Probleme mit der Serie habe, interessiert es mich doch wie‘s weiter geht. Allerdings sind mir viele der Figuren (im Gegensatz zum Original) ganz einfach völlig egal. Ich mochte das Setting aber irgendwie konzentriert sich die Serie zu sehr auf Bloom und die anderen Figuren gehen total unter. Die Dialoge sind außerdem ziemlich cringe und überhaupt nicht so wie echte Teenager sprechen. Die Serie ist eigentlich nicht schlecht, nur fühlt es sich einfach nicht nach „Winx Club“ an!
Im Allgemeinen würde ich sagen, dass „Fate: the Winx Saga“ eine interessante comming of age-Fantasy-Serie ist (aber eher am unteren Ende von Fantasy, nicht so wie „Game of Thrones“).

Allerdings: Basierend auf den letzten paar Minuten der letzten Folge glaube ich, dass wir in Zukunft mehr von den Dingen zu sehen bekommen, die im Original wichtig waren. Ich glaube, dass dies bis jetzt nur der Anfang war. Ich glaube, dass in der Zukunft verschiedene geliebte Elemente aus der Originalserie dazukommen werden.
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