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Oneshort-Sammlung

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
07.02.2021
21.10.2021
12
18.250
3
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07.02.2021 1.230
 
Draußen regnet es, dicke Tropfen laufen an ihrer Fensterscheibe hinunter, ihr Blick hing im Nichts. Es ist still, sehr still. Vor wenigen Tagen hat sie es beendet, ihre Koffer gepackt und ist gegangen. Nicht allzu weit weg, aber weit genug um ihn zu vermissen.

Doch die ständige Streiterei geht ihr nicht mehr aus dem Kopf, beide haben sich anscheinend nicht mehr viel zu sagen. Wenn doch dann machen sie sich nur noch Vorwürfe. Es gibt kaum noch Momente in denen sie sich mal nicht streiten.

Innerlich hat sie trotzdem gehofft, dass er sie aufhält. Ihr einredet nicht zu gehen und bei ihm zu bleiben. Jedoch zeigt er keinerlei Reaktion, nur ein stummes Nicken, vielleicht ein trauriger Blick, den könnte sie sich aber auch eingebildet haben. Nun sitzt sie hier, zwischen Umzugskisten auf einem alten Sofa, die Beine angewinkelt mit dem Blick nach draußen. Er fehlt ihr, sehr sogar. Allein bei dem Gedanken an ihn, wird ihr wieder leicht schwindlig. Ein ziehen in ihrer Herzgegend. Verzweifelt beißt sie sich auf die Lippe, diese blutet bereits.

Sie fragt sich die ganze Zeit, ob es ihm auch so geht. Vermisst er sie genauso oder ist es ihm egal. Ihre Gedanken rasen, ihre Atmung beschleunigt sich. Mit ihren Fingern krallt sie sich in ihre Beine. Die Gefühle drohen damit sie zu ersticken. Kaum noch Luft dringt durch ihre Lungen, trotzdem denkt sie nur an ihn.

Doch er hat sich nicht mehr gerührt, es scheint als sei es ihm egal. Auf der eine Seite machte sie das alles ziemlich sauer, auf der anderen einfach nur traurig. Wie kann es jemandem nach all den Jahren so egal sein, wirft man wirklich sofort alles hin. Gibt man entgültig auf, ist jetzt alles vorbei.

Niemals hätte sie auch nur einen Moment daran gedacht, dass sie sich Trennen. Jeder hat immer gesagt, was für ein schönes Paar sie doch sind, auch in ihren Augen war das alles so. Doch irgendwas hat sich verändert, es ist etwas passiert was ihnen beiden die Balance genommen hat. Es war kein Lieben mehr eher ein es ist selbstverständlich. Der andere wird nicht mehr geschätzt, ihre Leichtigkeit ist verflogen. Alles was einmal im reinen gewesen ist, scheint zerstört.

Hastig wischt sie sich die Tränen aus dem Auge. Ihr ist bewusst das die nächsten Wochen nicht besser werden, oder sogar die nächsten Jahre. Bei dem Gedanken muss sie schlucken, nach 10 Jahren soll es das jetzt gewesen sein. Haben sie ihre Ehe tatsächlich so gegen die Wand gefahren, oder ist diese noch zu retten. Natürlich ist sie gegangen, eigentlich aber nur damit sie etwas Abstand zwischen sich bringen können. Wieder einen klaren Kopf bekommen, schneller als eigentlich gedacht. Ist dieser kurze Auszug, in einen richtigen umgeschlagen.

In Gedanken steht sie auf und zieht sich eine Jacke über. In den letzten Tagen war sie empfindlich geworden, Geräusche, Gerüche alles ist intensiver als vorher. Nachts liegt sie einfach nur da und denkt, Stundenlang, Tagsüber auch. Es ist ein Kreis aus dem es grade keinen Fluchtweg gibt. Der Kreis raubt ihr die letzten Kräfte, sie möchte wieder Atmen. Dafür braucht sie aber ihren Mann. Der nicht hier ist, sie schließt die Augen.

Da vernimmt sie das klingeln der Tür, überrascht steht sie auf. Mit leicht zitternden Händen öffnet sie die Tür. Tatsächlich steht ihr Mann da, schaut sie einfach nur an. Keine Emotionen kann man ihm aus dem Gesicht lesen. Nur tiefe Augenringe, die für härtere Nächte sprechen können. Er macht einen Schritt auf seine Frau zu, dabei legt er seine Arme an ihren Rücken. Sofort verschwindet das Gefühl der Kälte in ihr, alles ist auf einmal so warm.

Nachdem sie sich aus der Erstarrung gelöst hat, legt sie ihre Arme ebenfalls um ihren Mann. Ein leiser dennoch sehr zufriedener Seufzer überkommt ihre Lippen. Sein Geruch, seine Ausstrahlung alles von ihm, bringt sie wieder zur Ruhe. Nichts von der Anspannung der letzten Wochen ist mehr über. In diesem Moment gibt es einfach nur noch sie beide.

Beide gehen einen kleinen Schritt zurück, ihre Blicke treffen aufeinander. Seine Hand legt sich an ihre Wange, rau und dennoch so vertraut fühlt sich das für sie an. Ihre Gesichter kommen sich langsam näher, ihre Lippen treffen sich für einen kurzen und dennoch intensiven Kuss. Kurz verharren sie in dieser Position und genießen den Augenblick. Viel zu schnell löst er sich vorsichtig wieder von ihr und schaut sie an.

Er scheint zu zögern, greift nach ihrer Hand dabei Fixiert er ihre Augen,, Komm wieder nach Hause, ich vermisse dich Anja. Ich liebe dich doch, wir schaffen das gemeinsam“ Sein Blick ist bei diesen Worten so verletzt wie sie es schon sehr lange nicht mehr gesehen hat. Aber genau auf solche Worte hat sie eigentlich die ganze Zeit gewartet. Sie legt ihre Arme in seinen Nacken,, Ich liebe Dich doch auch Franz, sonst hätte ich dich nicht geheiratet. Aber wir müssen wieder mehr aufeinander eingehen, damit es nicht mehr so eskaliert“ Schnell nickt er mit dem Kopf, sie muss leicht lächeln.

Kurze Zeit später schnappt sie sich ihren Mantel und die Handtasche, er legt einen Arm um seine Frau. Die beiden laufen zu Fuß zurück zu ihrem gemeinsamen Haus, in dem es die letzten Wochen eng geworden ist. Doch beim eintreten ist endlich alles wieder so vertraut, sie hat nicht mehr das Gefühl hier nicht hinzugehören. Dennoch ist ihr bewusst, das sie die nächsten Wochen dennoch vor einem Entscheiden Prozess geworfen werden. Ob ihre Ehe nun tatsächlich hält, sie nicht nur kurz wieder so vereint sind. Er scheint ähnliche Gedanken im Kopf zu haben, da er sie ganz fest an sich zieht.

,, Bitte geh nie wieder, ich verspreche dir mehr auf dich einzugehen“ Doch so viel will sie gar nicht, nur genau solche Worte zwischendurch, seine liebevolle und fürsorgliche Seite. Die Seite die er eben niemanden außer ihr sehen lässt. Das hat ihr gefehlt, wenn sie eine Wand zum sprechen möchte, dann hätte sie schließlich diese geheiratet und nicht ihn. Auch wenn er manchmal genau so ein Dickkopf sein kann, fast so wie eine Wand.

Er drückt ihr einen Kuss auf die Stirn und zieht sie mit sich. Dieses Haus aber vor allem dieser Mann hat ihr mehr als gefehlt, eigentlich kann sie sich gar nicht mehr vorstellen jemals richtig von ihm getrennt zu sein. Allein bei dem Gedanken wird ihr wieder leicht schlecht. Das solche großen Streitereien aufkommen werden, ist ihr bewusst, aber die Scheidung, dass kommt für sie nicht in Frage.

Die beiden haben sich die darauf folgenden Wochen wieder mehr Zeit für sich als Paar genommen, es ist die Richtige Entscheidung gewesen. Beide haben ihr Glück wieder gefunden und die alte Chemie zwischen ihnen ist endlich wieder neu aufgekeimt. Ihre Leichtigkeit ist zu ihnen zurück gekehrt und die beiden streben wieder die gleiche Richtung an.

Was so eine kurze Trennung mit zwei Menschen machen kann. Anja liegt zufrieden in seinem Arm, beide lächeln. Ohne den jeweils anderen geht es gar nicht mehr, dass wissen sie nun. Er streicht ihr einige Strähnen hinters Ohr, sie seufzt zufrieden auf.,, Kannst du mir etwas versprechen?" murmelt er ganz leise. Sie dreht ihren Kopf so, dass sie ihn ansehen kann. Auffordernd schaut sie ihm in die Augen.,, Wir dürfen es nie wieder soweit kommen lassen, ich möchte dich auf keinen Fall verlieren" Ihre Augen schimmern leicht,, Versprochen" Wieder kommen sich Ihre Gesichter näher, bis ihre Lippen sanft aufeinander treffen. Ende.
 
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