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Telepathen unter sich

von Xyn
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P12 / Gen
Alfred Bester
07.02.2021
07.02.2021
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Telepathen unter sich




Zufrieden lehnte Bester sich zurück und ließ die letzten vergangenen Tage, die er auf dem Mars verbracht hatte, durch sein inneres Auge wandern. Es war selten, dass er solch intensive Glücksgefühle empfand. Alles hatte funktioniert wie am Schnürchen, es war eine Geheimmission wie aus dem Lehrbuch. Garibaldi hatte genau nach Plan agiert und als Bonbon auch noch für die Beseitigung eines zweiten Ärgernisses gesorgt.... Garibaldi lockte als Beweis für seine Loyalität zu Edgar´s John Sheridan in eine Falle, als Preis dafür erhielt Garibaldi endlich alle Informationen über die wahren Motive Edgar´s und somit den hauptsächlichen Grund, warum er deswegen gezielt ausgesucht worden war. Nur Garibaldi konnte ihm all das liefern was er wollte und das hatte er mit Bravour erledigt. Edgars hatte danach zufrieden mit seinen Männern den Raum verlassen,  ohne sich weiter um Garibaldi zu kümmern, schließlich musste ja noch Sheridan´s Auslieferung medienwirksam arrangiert werden. Diese kurze Zeit reichte Garibaldi, einen Code an das Psi-Chor zu übermitteln, eingespeist in einem Minitransponder, die das Psi-Chor in einem seiner Backenzähne versteckt hatte.

Ein weiteres Motiv für Bester´s Schadenfreude war persönlicher Natur. Sheridan hatte ihn mehr als einmal gnadenlos ausgebremst und ihn manchmal vor aller Augen gedemütigt. Jetzt, wo Sheridan endlich außer Gefecht gesetzt war dürfte es für das Psi-Chor leichter werden Abtrünnigen Telepathen auf Babylon 5 leichter habhaft zu werden,

Doch dies war nicht der Grund warum er Garibaldi entführen und in eines seiner Labore verschleppen lies, um ihn mental für eine Geheimmission umzudrehen. Der Grund warum er den Auftrag von dessen Entführung erteilte war viel ernster. Die Existenz der Telepathen stand auf dem Spiel, es ging im  wahrsten Worte um Leben und Tod. Bester´s Erinnerungen drifteten noch weitere Tage zurück. Im Grunde in jene Zeit, wo alles seinen Anfang nahm..

Im Laufe der Zeit hatte das Psi-Chor ein dichtes Netz an Spitzeln und Informationen geflochten, die selbst in den entferntesten Kolonien tätig waren. In erster Linie um zu verhindern, das abtrünnige Telepathen ihnen entwischten, auch, um potenzielle Gefahren, die das Psi-Chor gefährden könnten rechtzeitig zu erkennen und so schnell wie möglichst darauf zu reagieren. Tagtäglich füllten Berichte seiner Spitzel die Schreibtische des Psi-Chor´s und das nicht zu knapp.

Vieles Berichte enthielten meist das übliche, doch zunehmend gelangten auch Informationen zu Bester, die ihm Anlass zur Sorge gaben. Seit einer geraumen Zeitspanne tauchte immer wieder ein Gerücht um angeblich bereits existierendes Virus auf, das gezielt gegen Telepathen eingesetzt werden konnte... und das es unter den Menschen einige Interessenten gab, die nicht nur die finanziellen Mittel und Verbindungen verfügten, sondern auch die eindeutige Absicht in den Besitz des Virus zu gelangen.

Bester kannte auch den Grund dafür, es war die paranoide Angst der >Normalen<, eines Tages nicht mehr die dominante Bevölkerung auf der Erde zu sein und jetzt schon die Ansicht vertraten, dass die Telepathen zu viel Einfluss besaßen.

Er hatte für die Paranoia der >Normalen< üblicherweise nur ein müdes Grinsen übrig, aber ihm war momentan nicht danach zumute. Obwohl es absolut nichts an stichhaltigen Beweisen gab nahm Bester dieses Gerücht sehr ernst denn die Liste ihrer Gegner, von abtrünnigen Telepathen bis hin zu diversen Personen, die auf das Psi-Chor nicht gut zu sprechen waren und ihnen alles mögliche an den Hals wünschten, war sehr lang. Doch bis jetzt hatte er trotz intensivster Suche absolut nichts an Beweisen in seinen Händen, ob dieses Virus wirklich existierte oder in etwas verrannte wurde, was sich letzten Endes als kalte Spur erwies, denn viele der unzähligen Gerüchte, die im Umlauf waren, hatten sich im letzten Endes als haltlos erwiesen und viel Zeit und Ressourcen für die Recherche verbraucht. Bester hatte die Leute nicht beneidet, die sich manchmal über mehrere Wochen zwecks Faktencheck durch unzählige Akten und Daten wälzen mussten um zu dem Schluss zu kommen, das absolut nichts an diesen Behauptungen dran war. Er hoffte, dass dieses Gerücht ebenfalls sich als sprichwörtliche Zeitungsente entpuppte.

Doch leider funktionierte das Prinzip Hoffnung nicht immer.

Der Tag, wo er mit der unangenehmen Wahrheit konfrontiert wurde fing an wie immer. Papierkram wälzen, junge Anwärter unter die Fittiche nehmen und sie unterrichten. Abends noch ein Meeting um schließlich, es war wieder mal spät geworden, müde in sein Appartement zurückzukehren....  übliche Routine eben wenn er nicht im Außeneinsatz war. Er freute sich mit einem Glas Wein den Abend ausklingen zu lassen und danach in Morpheus Arme zu sinken.

Mit leisem Fauchen öffnete sich die Tür zu seinem Appartement, nachdem das Türschloss die DNA seines Bewohners identifiziert hatte. Doch irgendetwas schien anders zu sein. Statt den Lichtschalter zu betätigen blinzelte Bester in die Dunkelheit seines Zimmers, das lediglich nur durch das fahle Licht der Laternen von außen erhellt wurde. Denn er registrierte, dass er nicht allein war. Deutlich spürte er die Präsenz einer weiteren Person in seinem Zimmer, auch sah er, nachdem sich seine Augen an das schummrige Zwielicht gewöhnt hatten, dass eine bereits geöffnete Rotweinflasche und zwei Gläser auf dem Tisch standen, während die Sessellehne ihm rückseitig zugewandt war so dass er nicht sehen konnte, wer in seinem Sessel saß. Bester wusste definitiv, dass er vor dem Verlassen seines Appartements weder eine Weinflasche geöffnet noch den Sessel entgegengesetzt Richtung Fenster gedreht hatte.

War es vielleicht ein junger Anwärter, der sich einer Art Mutprobe unterzogen hatte? Oder war es gar eine Verehrerin? Bester wusste, dass er eine gewisse Anziehungskraft auf das andere Geschlecht besaß und manchmal mit eindeutigen Avancen bedacht wurde. Es entlockte ihm ein ein sanftes Lächeln. Schließlich war auch er einst junger Mann gewesen bevor die Pflichten ihn zu dem machten, was er nun war.

Vorsichtig dimmte er das Licht auf eine angenehme Leuchtstärke auf und das erste was er sah war eine Hand, das ein halb gefülltes Weinglas hielt, dann die Beine, die er oder sie lässig auf der Kante des Fensterbretts überschlagen hatte. Sein Grinsen wurde noch breiter, während er sich vorsichtig heranschlich. Da hatte sich einer eindeutig etwas zu gemütlich gemacht.

„Überrasch....“ Abrupt blieben ihm die Worte in seinem Hals stecken, als der Sessel sich in Bewegung setzte und nun jene Person präsentierte, die ihn okkupiert hatte.

Er blickte in das Gesicht einer Frau. Bester stellte fest, dass sie sehr attraktiv und ihre Frisur recht  extravagant frisiert war. Vielleicht ein wenig zu viel Make Up nach seinem Geschmack. Doch als er in ihre Augen sah registrierte er, dass sie keine Angehörige des Psi-Chor´s war. Ihre schlitzförmigen Pupillen sowie markante Flecken an Schläfe und Nacken, das ihn an eine eine Raubkatze erinnerte, verriet ihm ihre außerirdische Herkunft.

„Sie sollten mal Ihr Weinsortiment erweitern.“ Lasziv blickte sie in das Glas ohne Bester aus den Augen zu lassen. „Eine süffige Sorte wäre nicht schlecht in Reserve zu haben.“

„Wie sind sie hier reingekommen?“ Bester hatte das Gefühl gegen eine steinharte Betonwand gelaufen zu sein als er versuchte sie zu scannen. Deutliches Indiz, dass sein ungebetener Besuch ebenfalls über telepathische Fähigkeiten verfügte und fähig war sich mental abzuschotten. Doch zugleich spürte er ihre mentale Präsenz seinem Bewusstsein, deutliches Zeichen, das sie seine mentale Abschirmung problemlos überwunden hatte.

„Sie stellen vielleicht Fragen Mr. Bester. Durch die Tür natürlich, wie denn sonst?“

Bester fühlte sich unbehaglich und das lag nicht nur daran, dass er eine außerirdische Telepathin vor sich hatte, die ihm mental die Stirn bieten konnte. Auch eine falsche Bewegung könnte ihn in Schwierigkeiten bringen denn er sah, dass ihre Fingernägel ebenfalls nicht dem eines Menschen entsprachen... sie waren geformt wie Krallen, lang und scharf genug um ihn schwer zu verletzen. Er zweifelte nicht eine Sekunde daran dass sie auch körperlich in Top-Form war. Sie schien zwar recht entspannt vor ihm zu sitzen, doch ihre gespannten Sehnen am Hals verriet ihm, dass sie zum Sprung bereit war, sollte er eine Gefahr für sie darstellen. Eine physische Auseinandersetzung kam daher für ihn vorerst nicht in Frage, denn bei diesen würde er eindeutig den kürzeren ziehen. So musste er erst einmal notgedrungen in die Rolle des Gastgebers schlüpfen.

„Nun... sie haben sicher einen Grund warum sie hier sind auch wenn Sie mir nicht sagen werden, wie sie die Sicherheitssysteme austricksen konnten. Aber es wäre für mich leichter wenn Sie mir sagen wer sie sind und was Sie von mir wollen. Sich mir vorzustellen wäre das mindeste an Anstand was ich von Ihnen erwarte wenn sie schon ungefragt sich Zugang in fremde Appartements verschaffen... und in meinem Kopf.“

Bester sprach wie immer mit ruhiger Stimme, doch innerlich hatte Mühe seinen Groll im Zaum zu halten. Er hasste unliebsame Überraschungen, das seine Person betraf und erst recht das Gefühl von Schwäche. Er hätte in diesem Moment alles für eine Waffe gegeben. Er hatte zwar eine, doch seine MPG lag in der Schublade seines Schreibtisches und der Alarmknopf war in diesem Moment ebenfalls unerreichbar für ihn, da sich dieser ebenfalls diskret versteckt unter seinem Schreibtisch befand. Er hatte ja auch nie einen Anlass gehabt hier in diesem Gebäude seine Handfeuerwaffe bei sich zu tragen und es war auch noch nie vorgekommen, dass es Unbefugten gelungen war, unbemerkt in den gesicherten Bereich, zu dem dieser Wohnblock gehörte, vorzudringen. Dieser ungebetene Besuch beunruhigte ihn, doch er musste unter allen Umständen seine Fassung wahren um sich ihr gegenüber nicht noch weitere Blößen zu geben solange er nicht wusste, woran er mit ihr war und was ihre Absichten waren.

„Keine Sorge.“ erwiderte sie.“Ich habe nicht mein Leben riskiert um Ihnen böses zu wollen. Wenn ich das gewollt hätte hätte ich genug Gelegenheiten gehabt. Das All ist kalt und der Hyperraum noch kälter.... man kann dort leicht für immer ins Nirgendwo entschwinden wenn man den Kontakt zum Leitstrahl verliert.... Immerhin kann man Sie fast schon als Dauergast auf Babylon 5 bezeichnen, sind also viel zwischen der Erde und der Station unterwegs. Ja, diese Station ist auch uns bekannt, es ist immerhin die wichtigste Anlaufstelle für Waren und Dienstleistungen aller Art... und wie Sie haben auch wir unsere Leute stationiert, die uns permanent auf dem Laufenden halten....“

„Das beantwortet meine Frage nicht.“ schnitt er ihr das Wort ab. “Wer und was sind Sie... und vor allem, was wollen Sie von mir?“

„Ohhh... natürlich“ Sie schlug fast schon theatralisch ihre Hand auf ihre Brust.“ Wie unhöflich von mir. Mein Name ist Numa Ral. Und wie sie unschwer bemerkt bin ich eine Telepathin wie Sie. In gewisser Hinsicht sind wir Kollegen. Auch wenn sie es versuchen es vor mir zu verbergen und natürlich zu recht darüber verärgert sind, dass ich so ungefragt hier Zutritt verschafft habe und Ihnen den Weg zur Waffe und zum Alarmmelder unter dem Schreibtisch versperrt habe... ich spüre eindeutig Neugier und die vielen Fragen. Vielleicht kann ich ein Teil ihres Wissensdurstes befriedigen, es wird aber davon abhängig sein, wie sich das Gespräch entwickeln wird.“ Sie deutete auf einem freien Platz gegenüber. „Setzen Sie sich, denn ich habe sehr viel riskiert und musste tief in die Trickkiste greifen um unbehelligt zu Ihnen zu gelangen. Eure Regierung ist momentan Fremden gegenüber nicht sonderlich Gastfreundlich.“

Zwar blieb sie ihm immer noch die Antwort schuldig wie es ihr gelungen war, unbemerkt in das Gebäude des Psi-Chors und erst recht in sein Zimmer einzudringen, ohne dass die Sicherheit etwas mitbekommen hatte. Doch es musste wirklich sehr wichtig sein dass sie bereit war, dieses enorm hohe Risiko einzugehen, nur um ihn zu treffen.

„Ich bin ganz Ohr.“erwiderte er und schenkte sich ebenfalls Wein ein. Dabei ließ auch er sie nicht aus den Augen.

„Sagen Sie mir Mr. Bester... ich nehme doch mal stark an, dass auch bei Ihnen gewisse Gerüchte über ein Virus zu Ohren gekommen sind.“

„Es gibt viele Gerüchte, manche haben eben Spaß daran manchmal die wildesten Theorien in die Welt zu setzen....Und ja, auch dies ist mir auch zu Ohren gekommen“ Bester fühlte sich plötzlich wie elektrisiert. Nur wenige im Psi-Chor hatten wussten davon. „Und Sie haben die Informationen.“

So ganz konnte er seinen Sarkasmus nicht verbergen.

Sie griff in ihre Jackentasche und beförderte etwas silbriges ans Licht. Bester erkannte, das es sich um ein Datenkristall handelte.

„Ich bin hierhergekommen um Sie davor zu warnen und weil wir Ihre Hilfe brauchen....gezwungenermaßen. Normalerweise erledigen wir unsere Angelegenheiten selbst. Aber eure politische Lage hat sich sehr zu unseren Ungunsten verändert. Die Blockadepolitik eures Präsidenten, das sich der Abwehr von allem außerirdischen auf die Fahnen geschrieben hat, erschwert die Arbeit meiner Agenten massiv, zumal ist euer Nachbarplanet Mars, wo meine Leute zur Zeit operieren, ein Unruheherd. Auf Grund dieser Umstände habe ich beschlossen das Risiko einzugehen und Sie um Mitarbeit zu bitten. Normalerweise vermeiden wir es Fremde mit einzubeziehen, denn das Virus, um das es hier geht, stammt von unserer einstigen Heimatwelt, es ist eigentlich unsere alleinige Angelegenheit. Doch angesichts dessen, was sich sein einer geraumen Zeitspanne zusammenbraut haben wir beschlossen, Ausnahmen zuzulassen. Das Risiko, dass sich ein gewisse Eigendynamik entwickelt, die sich nicht mehr kontrollieren lässt, ist einfach zu hoch um es allein zu schaffen. Es gibt nun mal einige Grenzen, die man nicht überschreiten sollte.“

Numa´s Augen blitzten zornig auf.

„Ganz gleich wie verhasst der Gegner ist, biologische Kampfstoffe sind ein absolutes No-Go. Aber leider gibt es immer wieder Leute denen das egal ist. Sie bedenken nicht dass Viren sehr schnell ein Eigenleben entwickeln, dass sich nicht kontrollieren lässt. Dieses Virus, um das es geht ist ein Krankheitserreger, das im unmodifiziertem Zustand bei uns eine aggressive Form von Meningitis auslöst, eine Art Hirnhautentzündung. Wie alle Krankheitserreger hat man es gründlich erforscht um ein wirksames Medikament dagegen zu entwickeln. Nichts ungewöhnliches also, doch man stieß dabei auf ein besonders bemerkenswertes Detail ...“

Bester ließ die Worte auf sich wirken. „Und dieses Virus betrifft nur Telepathen, verstehe ich Sie da richtig?.“

„Nicht ganz,“ erwiderte sie.“ Auch die >Blinden< erkranken wenn sie infiziert sind.... so nennen wir diejenigen, die keine Telepathen sind. Man hat Statistiken erstellt um den Infektionsweg besser nachvollziehen zu können, wenn es wieder mal zu einer Epidemie kam, denn das Virus ist hoch ansteckend und mutiert sehr schnell. Bei den Auswertungen der Daten hat man irgendwann festgestellt, dass die Krankheitsverläufe und die Sterblichkeitsrate bei Telepathen sehr hoch war, während die Nicht-Telepathen recht glimpflich davonkamen, obwohl beide Gruppen mit dem gleichen Medikamenten behandelt wurden. Ein Virus, das vor allem Telepathen massiv schadet.... Wer ein bisschen Ahnung von Genetik und zugleich eine Phobie gegen Telepathen hat kommt schnell zu dem Schluss, dass da noch etwas geht. Verstehen Sie, was ich meine?“

„Ja, ich verstehe. Sie sind zwar Telepathin und somit gefährdet, aber Sie sind kein Mensch.“ entgegnete Bester. „Ich bin kein Mediziner, aber es gibt sicher Unterschiede zwischen uns. Sind Sie sicher, dass es auch uns betreffen kann?“

„Ja.“ erwiderte sie, ihre Stimme wurde schneidend. „Wie sagt man so schön bei ihnen... es kann der Frömmste nicht in Frieden Leben wenn es dem Nachbarn nicht gefällt. Nicht jeder ist ist begeistert Telepathen in seiner Nachbarschaft zu wissen. Immer und immer wieder wurden wir deshalb zur Zielscheibe. Diese Angriffe hörten auch nicht auf, als wir schließlich emigrierten und uns auf den Nachbarplaneten niederließen, da die Technologie damals noch keine weiten Reisen ins Universum erlaubten um möglichst weitab eine eigene Telepathen-Kolonie aufzubauen, wo wir unsere Ruhe gehabt hätten. Die noch zu enge Nachbarschaft zu unserer einstigen Heimatwelt zwang uns, ein sehr dichtes Agentennetz aufzubauen um Angriffe von außen zuvorzukommen.

Dieses Netzwerk ist seit mehreren Jahren auch auf Babylon 5 aktiv, denn dort läuft alles an Informationen zusammen, denn wir können es uns nicht leisten in der Wachsamkeit nachzulassen. Durch den emsigen und unermüdlichen Einsatz unserer Agenten sowie mehreren anonymen Hinweisen gelang es uns vor wenigen Wochen, ein illegales Gen-Labor aufzuspüren, wo wir eine genetisch veränderte Variante dieses Virus vorfanden, das unter der Hand unverblümt mit dem Prädikat >Telepathen-Killer< zum Verkauf angeboten wird. Sie können sich nicht vorstellen wie sehr wir von dieser Entdeckung schockiert waren. Dieses veränderte Virus hat nur noch rudimentär mit dem Virus zu tun, das in Natura auf unserer einstigen Heimatwelt existiert. Wir haben es gründlichst untersucht, es wurde auf eine Art und Weise modifiziert, dass es universell eingesetzt werden kann. Es gleicht im Aufbau einem Universalschlüssel, dass in jedes Schloss passt. Das ist eine Bio-Waffe erster Güte mit extremer Reichweite. Modifiziert mit Techniken, das die Handschrift von Genetikern trägt, die nicht unserer Art angehören. Wir haben die Befürchtung, dass es noch weitere geheime Gen-Labore gibt. Vielleicht auf Welten die wir nicht kennen, denn wir leben sehr zurückgezogen und halten nur sehr wenige Kontakte zu anderen Zivilisationen. Glücklicherweise konnten wir einige involvierte Personen festsetzen. Einige Wissenschaftler gaben ihr Wissen freiwillig preis, weil sie kalte Füße bekommen haben, andere etwas renitente Klienten mussten wir natürlich gründlichster Befragung unterziehen, schließlich geht es um unsere Sicherheit. So konnten wir nach und nach einige sehr wichtige Verbindungen und potenzielle Kaufinteressenten in Kenntnis bringen, von denen einige Kontakte auch in das Gebiet der Erd-Allianz führten.... und eine der Spuren führt direkt auf den Mars.“

Bester schwirrte der Kopf, er hatte Mühe das Gesagte zu verkraften. Das, was bisher nur als vager Nebel durch die Gerüchteküche waberte, begann nun immer mehr Konturen anzunehmen. Er wusste natürlich, dass solche Viren existieren und auch entsprechend verändert werden konnten, wenn das Know-How vorhanden war um solche Modifikationen am Genom vornehmen zu können. Das war nichts neues, schließlich erprobten sie selbst alles mögliche in ihren unzähligen und teilweise inoffiziell existierenden Laboren auf Erde und Mars mit dem Ziel, die Fähigkeiten der Telepathie zu potenzieren. Das Psi-Chor war in dieser Beziehung kein Chorknabenverein, viele Experimente waren illegal und abtrünnige Telepathen ihre Versuchskarnickel. Bester fragte sich, ob Numa oder einer ihrer Agenten Kenntnis über die Forschungseinrichtungen des Psi-Chors auf dem Mars oder anderen Kolonien besaß. Wusste sie gar, was dort vor sich ging?

Seine Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück. „Und wie sollen wir Ihnen helfen?“

„Ich konnte in eurem Sonnensystem einen wichtigen Käufer ausfindig machen natürlich mit dem Preis, dass ich den Schmugglern freie Hand geben muss, damit sie sich in Sicherheit wiegen konnten. Nur so war es überhaupt erst möglich, den Auftraggeber zu ermitteln. Er ist sehr auf Sicherheit bedacht, hat sehr viel Geld und die Möglichkeit, das Virus in großen Stückzahlen produzieren zu können da er Besitzer einer Forschungseinrichtung ist, das sich auf ihrem Nachbarplaneten befindet. Seine Art und Weise, wie er vorgeht weicht von der üblichen Vorgehensweise ab. Es ist nahezu unmöglich irgendwie an ihn heranzukommen. Angesichts dessen, was er haben will und wahrscheinlich auch plant kann ich es nachvollziehen, dass er um jeden Preis im Hintergrund bleiben will. Leider hat Ihr Glorreicher Präsident mit seiner Xenophobie-Politik dafür gesorgt, dass wir zunehmend Schwierigkeiten haben, uns überhaupt noch frei bewegen zu können, was unsere Mission sehr erschwert.  Den Mars anzufliegen ist nahezu fast schon unmöglich geworden, es gibt oft Anschläge, einen Agenten, den ich erfolgreich dort einschleusen konnte, habe ich bereits dadurch verloren. Das hat uns um viele Monate zurückgeworfen. Leider haben wir nicht mehr die Zeit einen neuen Agenten einzuschleusen, denn die Entwicklung dieses Virus ist schon zu weit fortgeschritten. Diese ungünstige Situation hat uns keine andere Wahl gelassen als dieses Gerücht gezielt unter deinen Agenten zu streuen. Ich wusste, dass Sie Sie informieren und das Psi-Chor früher oder später darauf reagieren wird. Ich habe Sie gründlichst in Augenschein genommen, wenn Sie auf Babylon 5 waren. Ich musste mich vergewissern, dass ich wirklich den Richtigen Mann für diese Mission gefunden habe.“

„Ich fühle mich geschmeichelt.“ Bester wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. Diese Numa begann ihm langsam sympathisch zu werden, denn sie schien genau auf die gleiche Art vorzugehen wie er selbst. Als Mensch wäre sie eine Agentin nach Maß. Normalerweise war er es, der die Leute observierte, nicht umgekehrt. Angesichts dieser brenzligen Situation hätte er an ihrer Stelle nicht anders gehandelt. „Und, habe ich den Test bestanden?“

Ihr Blick wurde hintergründig.“Sie haben alles, was notwendig ist. Sie haben die Ressourcen, den Mut und den Schneid notfalls über alle Grenzen zu gehen um das Psi-Chor zu schützen. So wie wir. Deshalb habe ich sie Ausgesucht weil ich weiß dass Sie alles tun werden diese Katastrophe zu verhindern. So oder so, es muss sofort gehandelt werden. Schon auch in Ihrem eigenem Interesse. Wer immer dieses Virus bestellt hat, darf unter keinen Umständen einen Vorsprung bekommen, denn wenn einmal ein Virus freigesetzt ist, kann man es nicht mehr zurückholen. Vieren haben leider die fatale Neigung sich sehr schnell zu verändern, sie halten sich nicht an das Drehbuch, dass die Genetiker für sie geschrieben haben.“

„Ja, das kann ich gut nachvollziehen.“ erwiderte Bester. „Sie wissen also, wer der Empfänger ist.“

„Ja, wir kennen seinen Namen und ich denke, dass auch Sie es bereits wissen. Die Auswahl an potenziellen Käufern ist auf dem Mars nicht sonderlich groß. Wenn man alles aussortiert was man dafür braucht bleibt nur ein Einziger übrig, der alle dafür notwendigen Mittel besitzt.“ Numa nahm den Linsenförmigen Kristall erneut in die Hand. „Alles, was wir wissen, was der momentane Stand unserer Ermittlung ist, ist auf diesem Kristall gespeichert. Die Nachricht ist exakt auf Ihre EEG-Frequenz abgestimmt, dass heißt, nur Sie allein können diese Nachricht lesen. Das stellt sicher, dass kein weiterer Kenntnis über den Inhalt erhält sollte der Kristall in falsche Hände geraten. Den Inhalt können Sie nur ein einziges Mal abspielen, danach zerstört sich der Kristall.... übrigens, das geschieht auch, wenn Sie versuchen, den Inhalt zu kopieren oder den Kristall gar technologisch untersuchen zu lassen.“

Numa nippte am Glas ehe sie fortfuhr.

„Sie und Ich, wir beide haben das gleiche Schicksal. Wir sind Telepathen und ich weiß, dass auch auf hier auf der Erde das Psi-Chor nicht gerade sehr hoch auf der Beliebtheitsskala steht. Die, die wir in unserer Sprache die >Blinden< und Ihr die >Normalen< nennt, haben Angst vor Telepathen, sie sehen uns als Bedrohung. Manche sind bereit daher jegliche moralische Grenze über Bord zu werfen um ihr Ziel zu erreichen... die totale Auslöschung der Telepathen weil sie Angst haben, dass sie ihre Vormachtstellung zu verlieren. Die >Blinden< und die >Normalen< akzeptieren nicht, dass Evolution sich nicht stoppen lässt und sie selbst langsam zum Auslaufmodell werden. Sollten diejenigen Erfolg haben dieses Virus auf den Mars zu schmuggeln bevor dem Einhalt geboten wird, wird es in ein paar Jahren auf eurem Planeten keine Telepathen mehr geben und was dann danach folgen wird....Ich wage es mir nicht auszudenken. Auch wenn es vielleicht einige Differenzen zwischen unseren Spezies gibt, diese sind bedeutungslos angesichts dieser Bedrohung.... Kann Ich auf Sie zählen?“

Bester war sich noch unschlüssig.„Ich danke Ihnen sehr für die Informationen, verehrte Numa. Aber ich muss erst einmal ihre Bitte überdenken. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich nehme ihre Warnung sehr ernst, aber ich muss auch ihre Daten gründlich überprüfen bevor ich eine Entscheidung fälle....“

Bester hatte nach diesem Gespräch nur wenige Augenblicke in der Sanitärzelle verbracht. Als er seinen Wohnraum wieder betrat, war er allein.

„Numa.... Wo sind Sie?“

Keine Antwort. Bester wählte den Sicherheitsdienst. Offenbar war Numa bereits auf den Weg, um das Gebäude zu verlassen. Doch das, was er von dem Sicherheitsdienst zu hören bekam verwirrte ihn noch mehr.

Es gab keinerlei Aufzeichnungen, dass eine Person um diese Uhrzeit das Gebäude verlassen oder betreten hatte. Zwar waren alle Räume und Flure mit Kameras bestückt die Tadellos funktioniert hatten, trotzdem gab es keine audiovisuelle Aufzeichnungen seines Besuches oder irgend eine Notiz in den Sicherheitsprotokollen, das auf seinen Besucher passte. Numa war somit auf dem gleichen geheimnisvollem Weg verschwunden, wie sie ihm erschienen war.... als wäre sie ein Geist. Würde vor ihm auf dem Tisch nicht ein zweites benutztes Weinglas und ein silbrig schimmernder Datenkristall liegen würde er sich fragen, ob er nicht einer Illusion aufgesessen war. Wie konnte eine Person sich in diesem Gebäude bewegen, ohne auch nur eine einzige Spur in den Bewegungsprotokollen zu hinterlassen?

Er war unschlüssig, ob er den Kristall abspielen sollte. Immerhin konnte der Inhalt etwas völlig anderes enthalten als angegeben, schließlich galt er bei vielen als Hassfigur. Wenn es einen Weg gab einen Telepathen wirklich zu schaden, dann nur über den mentalen Weg. Bester kannte alle Methoden der Bewusstseinsveränderung und Umprogrammierung. Anderseits war das, was wie ein drohender Schatten am Horizont sich aufzubauen begann, nicht zu ignorieren. Einiges, was jene Numa zu ihm sagte entsprach dem, was er bereits kannte. Es war ein enormes Risiko einer Frau zu vertrauen, die einer ihm unbekannten Zivilisation abstammte, denn es gab keinerlei Einträge in der Datenbank, das auf die äußere oder mentale Erscheinung von Numa zutraf. Selbst die DNA, das er von ihrem benutzten Weinglas hatte extrahieren lassen um in der Datenbank einen Treffer zu landen, führte ins Leere.

Schließlich gab sich Bester wenige Tage nach diesem seltsamen Besuch einen Ruck und steckte den Kristall in das Lesegerät.
Wie in einem Nebel gleich bauten sich Bilder in seinem Bewusstsein auf. Was erst sich vage vor seinem inneren Auge präsentierte, nahm zunehmend klare Konturen an. Bester bekam endlich die Bestätigung dass das, was bisher als Gerücht existierte, kein Gerücht war. Dieses Virus, erschaffen in einem illegalen Labor auf einer Kolonie, das im Territorium dieser unbekannten Spezies lag besaß die Fähigkeit Telepathen gezielt zu infizieren und zu töten während Nicht-Telepathen immun gegen diesem Virus waren.... und eine Spur führte direkt auf den Mars.

Bester wusste sofort, wer gemeint war, den es gab nur eine einzige Kompanie, das die dafür notwendigen Mittel und Finanzen besaß, auch wusste Bester, dass der Boss dieses Firmen-Imperiums keine große Zuneigung für Telepathen besaß...wie die meisten der >Normalen<. Offenbar ein Problem, mit dem nicht nur das Psi-Chor konfrontiert war, sondern auch jene Fremde Besucherin Namens Numa Ral. Die restriktive Politik von Präsident Clark, der alles Außerirdische zu seinem Feindbild  gemacht hatte, die Blockade gegen Babylon 5 sowie der Belagerungsring um den Mars, der den roten Nachbarplaneten regelrecht hermetisch abschottete, die ständigen Anschläge des Mars-Widerstandes gegen die Erd-Regierung, die Vergeltungsmaßnahmen der Erd-Regierung anderseits....dies alles hatte die Arbeit von Numa´s Agenten nahezu zum erliegen gebracht und ihr letzten Endes keine Wahl gelassen.

Bester konnte und durfte unter keinen Umständen zulassen, dass dieser William Edgars mit diesem Virus experimentierte. In dieser Beziehung war er mit Numa Ral uneingeschränkt einer Meinung. Ihre Kolonie und das Psi-Chor teilten das gleiche Schicksal. Sie waren Telepathen, die sich in einer feindlich gesinnten Umgebung behaupten mussten.

Doch es gab ein gewaltiges Problem, was selbst für das Psi-Chor ein unüberwindbares Hindernis darstellte... nämlich unbemerkt an William Edgars heranzukommen. Zwar konnte das Psi-Chor den Mars ungehindert anfliegen, da sie auch dort mehrere Objekte leiteten, doch einen Telepathen unbemerkt bei Edgar´s Industrie´s einzuschleusen war ein Ding der Unmöglichkeit. Wer sich bei Edgar´s Industrie´s bewarb wurde im wahrsten Sinne durchleuchtet, es war für Edgars kein Problem an jede noch so kleinste Information heranzukommen. Sich privat Edgars anzunähern war auch nicht möglich. Niemand wusste wie Edgars aussah, es gab kein offizielles Foto vom ihn. Sogar vor  dem Großteil seiner Angestellten zeigte er sich nie. Seine privaten Häuser wie all seine Forschungseinrichtungen und Produktionsstätten hatte er mit einem Sicherheitssystem versehen, dass jedes Hochsicherheitsgefängnis locker in den Schatten stellte. Eine Heerschar von loyalen Mitarbeitern und Bodyguards sowie üppige Geldzuwendungen an wichtige Entscheidungsträger sorgten dafür, dass niemand Edgar´s zu nahe kam oder gar einen Blick hinter den Kulissen erheischte.

Doch Alfred Bester wäre er nicht Alfred Bester wenn er nicht ein Ass im Ärmel hätte. Und der hieß Garibaldi. Alfred Bester hatte Babylon 5 sehr oft besucht und war natürlich mehrfach  mit dem Sicherheitschef der Station aneinander geraten. Dieser machte wie viele der >Normalen<, wie das Psi Chor alle Nicht-Telepathen nannten, aus seiner Abneigung dem Psi-Chor gegenüber keinen Hehl. Garibaldi war nicht nur für die Sicherheit auf dieser riesigen Station verantwortlich. sondern hatte auch die Pflicht, illegale Substanzen jeder Art und ihre Schmuggler aus dem Verkehr zu ziehen. Schmuggel von Drogen oder illegale Waren war überall ein großes Problem, da war Babylon 5 keine Ausnahme.

Bester erkannte sehr schnell, dass Garibaldi diesen Job nicht nur sehr ernst nahm, sondern auch Persönlichkeitsmerkmale besaß, das ihn für diesen Posten geradezu prädestinierten. Garibaldis unorthodoxe und manchmal an Paranoia grenzende Persönlichkeit war notwendig, um die Sicherheit auf solch einer riesigen Station wie Babylon 5 zu gewährleisten und hart durchzugreifen, wenn es notwendig wurde und das war nicht selten. Die Station bot genug Platz unerkannt unterzutauchen und sich dauerhaft einzunisten mit dem Ergebnis, dass viele Bereiche, vor allem die untersten Sektionen der Station,  fest in den Händen krimineller Elemente befand. Und wo Banden hausten waren auch Schmuggler nicht weit, denn beide Seiten brauchten einander, die einen zahlten, um die heiße Ware unbemerkt zu schleusen, die Gegenseite kassierte, um den Transfer zu ermöglichen. Eine lukrative Quelle, von der Beide Seiten profitierten.

Dies war dem Psi-Chor bekannt, viele dieser Gangs hatten sie infiltriert, um unbemerkt ihre eigenen Aktionen durchzuziehen und gleichzeitig stets auf dem Laufenden zu bleiben, was auf Babylon 5 vor sich ging. Denn die Sicherheitsebene zu infiltrieren war nicht möglich, Telepathen war der Eintritt bei den Streitkräften und dazu gehörte auch der Sicherheitsbereich auf Babylon 5, nicht erlaubt, eigene Aktionen hätten sofort Misstrauen erregt. Deshalb brauchten sie Garibaldi um so mehr, denn wer, wenn nicht er, kannte sämtliche Schlupflöcher und Tricks um verbotene Ware durch die Kontrollen zu schmuggeln? Trotz der Blockade war Babylon 5 immer noch der wichtigste Handelsstützpunkt wo alles zusammen lief, auch wenn durch die restriktiven Maßnahmen der Erde der Warenfluss zurückgegangen war. Händler und deren Waren aus allen Ecken und Enden ihrer Territorien mussten Babylon 5 ansteuern,  um von dort zu ihrem Bestimmungsort weitergeleitet zu werden. Irgendwann würde er zwangsläufig auch mit jenen Leuten in Kontakt kommen, die versuchen würden diese brisante Ware durch die Station zu schmuggeln. Wenn es diesen einen Weg gab um Gewissheit zu erlangen ob die Gerüchte der Wahrheit entsprachen, kam nur Garibaldi in Frage

Das zwischen Garibaldi und Liese, Edgar´s Ehefrau, eine enge Verbindung kam natürlich seinem Plan noch mehr entgegen. Bester wusste, dass Edgar´s nie etwas dem Zufall überließ, selbst eine Eheschließung nicht. Kurzerhand durchleuchtete Bester die Vergangenheit von Edgar´s Ehefrau und wie es der Zufall so will stieß er auf einige sehr interessante Details, was die Eheschließung in einen völlig anderen Licht erscheinen ließ. Bester hatte seine Zweifel, ob Edgar´s überhaupt zu einer Beziehung fähig war. Im Grunde liebte Edgar´s nur sich selbst und natürlich die Macht, die er auf andere ausüben konnte. Er hatte Liese wahrscheinlich nur geheiratet, um an Garibaldi heranzukommen, der unverkennbar immer noch tiefe Gefühle für sie hegte und das wusste Edgar´s. Sie war sein Köder, er brauchte sie, damit sie den einstige Chef der Sicherheit auf Babylon 5 auf seine Seite zog  mit der Absicht, mit seiner Hilfe illegale Waren an den Zoll vorbei zu schmuggeln.

Da Garibaldi trotz seiner oft sturen und auf Konfrontation gebürsteten Wesensart sehr Gesetzestreu war und niemals sich für kriminelle Schmuggelaktionen hergeben würde, selbst wenn seine Ex-Geliebte mit Engelszungen auf ihn eingewirkt hätte musste Bester eben etwas nachhelfen um Garibaldi auf Abwege zu bringen ohne dass er sich dessen bewusst war. Gleichzeitig durfte keiner seiner Vorgesetzten oder Freunde etwas davon mitbekommen, dass das Psi-Chor seine Finger im Spiel hatte. Das bedeutete für Alfred Bester, sie mussten Garibaldi irgendwie habhaft werden um in einem der unzähligen Geheimlabore seine Persönlichkeit soweit zu verändern die ihn dazu bringen würde, sich komplett von seinen Freunden und Vorgesetzten zu entfernen und sich jenen Personen anzuschließen, die in dem Schmuggel und Handel des Virus involviert waren. Nur so hatte das Psi-Chor die Möglichkeit, an Edgars heranzukommen.

Und dies weckte in Alfred Bester ungeahnte Energien, Nächte schlug er sich um die Ohren bis er endlich einen perfekt ausgearbeiteten Plan vor sich auf dem Tisch liegen hatte. Nicht umsonst war die Re-Programmierung widerspenstiger Telepathen sein Spezialgebiet, die er zur absoluten Perfektion beherrschte. Jetzt mussten sie nur noch den passenden Moment abwarten. Zum Glück waren nun neue Verbündete auf dem Plan getreten, die ihm bei seinem Vorhaben helfen würden. Sie würden dafür sorgen, dass nicht einmal die kleinste Spur auf das Psi-Chor deutete. Nachdem die Schatten Garibaldi entführt und ihn dem Psi-Chor übergeben hatten gingen Bester´s Leute sofort ans Werk die von Alfred Bester angeordneten Anweisungen auszuführen. In dieser Beziehung konnte sich der Chef des Psi-Chor´s wie immer hundertprozentig auf sein Stab verlassen die Garibaldi mental modifizierten, um ihn das tun zu lassen was getan werden musste. Eine günstigere Gelegenheit, das wussten sie, würden sie niemals mehr bekommen.

Als Bester nach dem Ende der Mission in der Magnetbahn Garibaldi gegenüber saß, war dieser einst vor Kraft strotzender Mann kaum mehr als ein Häufchen Elend. Nachdem er ihn eine kleine Weile betrachtet hatte, tat er ihm doch etwas leid. Er hätte Garibaldi in diesem desolatem Zustand belassen können, doch Bester wollte nicht als Sadist dastehen, immerhin hatte Garibaldi den Auftrag mehr als übererfüllt. Nachdem er dem einstigen Sicherheitschef die Wahrheit offenbart hatte welche Rolle er dabei gespielt hatte, gab er nach diesem süffisanten Geständnis gönnerhaft dessen ursprüngliche Persönlichkeit zurück.

Doch Bester war nicht bereit, ihn komplett in sein altes Leben zu entlassen. Während seiner Umprogrammierung hatte er in Garibaldis Bewusstsein eine Blockade installiert, um sich vor ihm zu schützen. Der einstige Sicherheitschef war für seine extreme Hartnäckigkeit bekannt, er würde alles tun Bester zur Rechenschaft zu ziehen für das, was er ihm angetan hatte. Dessen war sich Bester bewusst. Doch er brauchte einen Mann mit diesen Eigenschaften  um zu verhindern, dass eine biologische Massenvernichtungswaffe auf den Markt kam und das Psi-Chor dadurch in die völlige Abhängigkeit von Edgars Industrie´s geriet, dem größten und einflussreichsten Firmenimperium auf dem Mars. Edgars hätte dann als alleiniger Hersteller des Gegenmittels dem Psi-Chor die Bedingungen für den Erhalt des lebensrettenden Medikaments diktieren können, was ihm natürlich eine enorme Macht beschert hätte. Denn die Infektion war nicht heilbar, sie konnte nur mit diesem Gegenmittel im Zaum gehalten werden was für den betreffenden Telepathen eine lebenslange Medikation notwendig machte, für Edgars war dies eine todsichere Einnahmequelle und für das Psi-Chor eine demütigende Abhängigkeit. Eine Situation, das niemals eintreten durfte und >Dank< der Hilfe jene geheimnisvollen Frau namens Numa Ral niemals eintreten wird.

Bester´s Gedanken kehrte wieder in das hier und jetzt zurück. Sinnend fiel sein Blick auf das Weinglas, sich fragend, wo Numa jetzt sein mochte und was sie in diesem Moment tat. Er fühlte in gewisser Hinsicht Dankbarkeit, durch sie war eine Katastrophe verhindert worden. Telepathen waren eben wie eine große Familie, sie hielten zusammen, selbst sogar über ihre eigene Art hinaus.

Er registrierte, dass es langsam zu dämmern begann. Ein neuer Tag im Dienst des Psi-Chor´s brach an....
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