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Flamme im Eis

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
07.02.2021
09.02.2021
2
1.430
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09.02.2021 964
 
Einkauf, das alltägliche Leid. Abgesehen davon, dass der Laden am anderen Ende es Berges war, fehlte mir auch Motivation dazu. Doch das Essen kaufte sich nicht von selbst ein und dementsprechend schlüpfte ich in meine Schuhe, nahm die Tasche auf die Schultern und machte mich auf den Weg.
Im Laden angekommen landeten die benötigten Lebensmittel in den Einkaufswagen. Maultaschen, Käse, Wurst, Brot. Es waren eben alltägliche Dinge, damit man zuhause nicht verhungerte. Mit einer Packung Lasagne in der Hand, die man nur in den Backofen schieben musste, bemerkte ich ein bedrückendes Gefühl. Es fühlte sich so an, ob Augen auf mir ruhten, besser gesagt mich starrten. Ich sah über meine eigenen Schultern nach hinten, versuchte, den Grund für das Unwohlsein herauszufinden, doch da war nichts. Jeder kaufte ein. Niemand schien wirklich Notiz von mir zu nehmen. Woher kam also das Gefühl, beobachtet zu werden? Einen Ursache dafür konnte ich nicht ausmachen. Über den ganzen Einkauf blieb das Gefühl und ließ mich immer nervöser werden. Erst als ich erneut kontrollierend durch die Gegend blickte, entdeckte ich einen hochgewachsenen Mann. Er sah starr meine Richtung, als sei ich eine absurde Attraktion auf einem Fest. Mit wachsamen Blick zu ihm, kümmerte ich mich um den Zahlvorgang. Je schneller ich hier raus kam, desto besser war es.
Mit eiligen Schritten lief ich nach draußen und machte mich gerade auf den Heimweg, da ertönte eine fremde Männerstimme. „Rose, du bist das!“, sprach er in meine Richtung. „Huh?“, gab ich verwirrt von mir. Nicht jeder Fremde wusste, wie ich hieß. Kannten wir uns? Hatten ich sein Gesicht vergessen, was mir ständig passierte? „Kennen wir un-“, begann ich, doch aussprechen konnte ich nicht. „Endlich! Bist du bereit?“, entkam es dem Mann beinah hektisch, aufgeregt und viel zu schnell. Es gab kaum Zeit darauf zu reagieren, was er sagte. „Du weißt gar nicht, wie froh ich bin. Es ist wirklich schwer, jemanden zu finden, aber das ist jetzt auch egal. Ich habe dich“, sprach der Blonde weiter und gab keinerlei brauchbare Informationen von sich. Wer? Was? Wie bitte? Meine Augenbrauen zogen sich verärgert zusammen. Ich ahnte Übles. War der Mann vor mir auf Drogen? So wie er sich verhielt, sicherlich und ich wollte nur nach Hause, meinen Einkauf verräumen und schauen, was der restliche Tag noch so bringen würde. „Sie müssen mich verwechseln“, wies ich ihn mürrisch ab, doch sein energisches Kopfschütteln verriet mir: er war sich sicher, die Richtige gefunden zu haben. „Keine Sorge, ich verwechsel dich nicht. Bist du bereit?“, fragt er mich, woraufhin ich zurückwich. „Bereit wofür?“, war meine Frage, doch ich bekam keine Antwort. Ganz im Gegenteil. Der Mann quasselte unaufhörlich wirr daher und drückte mir dabei irgendeinen Rucksack in die Hände. „Da findest du alles, was du brauchst. Bleib ja am Leben, verstanden?“, erklärte der Fremde und meine einzige Reaktion darauf war, das ich eine Augenbraue hochzog. So langsam reichte es mir. Dieser Unfug musste jetzt ein Ende haben, bevor er auf die Idee kam, ich gehöre wirklich zu ihm.
Ich trat einen Schritt zurück und stieß gegen jemanden, woraufhin ich sofort eine Entschuldigung murmelte. Mein Blick glitt über meine Schulter zu der Person, die ich angerempelt hatte, auf eine Reaktion wartend. Doch die die Frau stand still da, mitten in ihrer Bewegung. Als ob die Zeit eingefroren wäre. Heftig fuhr ich zusammen und mein Blick wanderte zu dem Mann, der immer noch vor sich hin quasselte. „Was ist hier los?“, murmelte ich fragend. Die ganze Situation war mir nicht mehr geheuer. Angst nahm mich ein und lähmte meine sämtlichen Muskeln. Ich wollte flüchten, doch ich konnte mich nicht bewegen. Meine Beine bewegten sich keinen einzigen Millimeter, nichts reagierte. Der Blonde lächelte breit und legte dann seine Hände auf meine Schultern. „Ich weiß, du wirst es großartig meistern!“, erklärte er und gab mir einen kräftigen Schubser nach hinten.

In der Erwartung, auf dem harten Steinboden aufzukommen, erschreckte mich der freie Fall in ein helles Portal umso mehr. Ich konnte aus dem Augenwinkel ein goldenes Schimmern wahrnehmen, dann landete ich unsanft auf dem Boden. „Aua“, entkam es mir schmerzerfüllt. Das Portal, durch welches ich gefallen war, schloss sich im nächsten Augenblick. Was zur Hölle! Ich hatte nicht einmal die Zeit zum Schreiben gehabt, da die ganze Situation mich überfordert hatte. Mit dem Rucksack in der Hand lag ich inmitten einer Seitengasse auf dem dreckigen Steinboden. Das Wispern von Stimmen drang in die Gasse, füllte die Stille mit unverständlichem Brabbeln, welches ich nicht einsortieren konnte.  Langsam richtete ich mich auf und drückte den Rucksack an meinen Körper. So absurd das klang: Er vermittelte mir die Sicherheit, die mich verlassen hatte. „Was zum“, entkam es mir, während mein Blick durch die Gasse, die Wänden und Dächer entlangglitt. Es wirkte alles so mittelalterlich, doch die Umgebung kam mir bekannt vor. Woher kannte ich diesen Ort? Meine Orientierung war immer mistig gewesen. Noch schlimmer war es, Städte oder Orte wiederzuerkennen. Ein Nachteil, der mir erst jetzt richtig bewusst wurde. Mein erster Gedanke war, auf die Straße zu zulaufen. Ein Aufenthalt in einer dunklen Gasse war selten  gut. Mit wenigen Schritten erreichte ich Hauptstraße und bemerkte  eins sofort - besser gesagt: es schlug mir ins Gesicht. Stratholme. Die Stadt und ihre Geschichte kannte ich sehr gut, dank den Höhlen der Zeit. Nun musste ich herausfinden, in welcher Zeitlinie ich war. Immerhin gab es einige zeitliche Geschehnisse, welche diesen Ort gezeichnet hatten. Ein Schrei ertönte und riss meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Schrei? Oh bitte nicht.
Die Geschichte in World of WarCraft war selten Friede, Freude, Eierkuchen. Ganz im Gegenteil. Die Begebenheiten waren grausam und geprägt durch die Geißel, welche erst ausgemerzt und dann angeführt wurde von Arthas Menethil. Ich musste unbedingt zurück in meine Welt. Das hier war zu gefährlich. Und meine Einkäufe wurden bestimmt auch schon schlecht. Verdammt nochmal.
 
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