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Wenn man die Schwäche des Gegners kennt…

von - Leela -
OneshotAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Prime Evil Tracy
07.02.2021
07.02.2021
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07.02.2021 2.500
 
Projektanmerkung: Diese Geschichte wurde für den Jahreskalender 2020 von lula-chan geschrieben.
      Das Zitat für den 11. September 2020 war: "Selbst der stärkste Gegner hat eine Schwäche." (Naruto)
      Schaut doch auch mal bei den anderen Tagen rein:
      10. September 2020: »Die Kriegerin« von Ginada
      12. September 2020: »Am Lagerfeuer« von Ginada

Kommentar des Autors: Als ich das Zitat das erste Mal gelesen habe, wußte ich sofort, in welchem Fandom ich schreiben wollte. Ich hatte aber noch keine Ahnung, was aus der Inspiration werden würde. Das Ergebnis ließ mich einigermaßen erstaunt zurück – und hier ist es für euch! Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.



Eddy hat einen nicht ganz alltäglichen Beruf. Ob er immer so ganz damit glücklich ist? Manchmal kommt es auf die Sichtweise, oder die Tagesform an. Denn dieser Beruf ist nicht nur speziell, sondern auch gefährlich. Aber lassen wir ihn selbst erzählen…

Wenn man die Schwäche des Gegners kennt…

Als ich den Beruf des Geisterjägers ergriff, war ich mir nicht im geringsten darüber im klaren, was das zu bedeuten hatte.
      Im Grunde genommen hatte ich mit meinen jungen Jahren nicht richtig nachgedacht. Die Väter von meinem besten Freund und mir waren Ghostbusters, mein Kumpel konnte es kaum abwarten, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, und ich Idiot hatte mich dazu verleiten lassen, es ihm gleich zu tun, weil das so schön einfach war und ich so mit Jake zusammen arbeiten konnte. Die Söhne übernehmen die Firma der Väter! Wie romantisch! Hätte ich damals ein bißchen nachgedacht, und reflektiert, was ich möchte, dann wäre ich Bibliothekar geworden.
      Nun hing ich also in der Spirale drin, und wenn man einmal eine Entscheidung getroffen hat, wird es schwieriger, sich daraus wieder zu lösen. Wir absolvierten also die Ausbildung unter unseren Vätern und Tracy, dem dritten Teilhaber der Firma. Wir lernten, die Waffen anzuwenden und mit den verschiedensten Situationen umzugehen, wir erfuhren viel über verschiedene Geistererscheinungen und wie man sie bekämpfen konnte; sofern man es mußte.
      So weit war die Sache auch an sich gut. Es gab gefährlichere Geister und harmlosere, nervige und solche, die einem einfach nur leid tun konnten, welche, die erlöst werden wollten, oder auch solche, mit denen man Freundschaft schließen konnte… Wir hatten alles schon erlebt. Und es gab auch Ereignisse, die mich wirklich bis an die Grenzen meiner Courage brachten. Geister, die so gefährlich waren, daß man sich über die Notwendigkeit des Berufs des Ghostbusters erst so richtig bewußt wurde, oder Situationen, die uns in nicht einzuschätzende Gefahren brachten. Irgendwie gelang es uns, mit allem fertig zu werden, insbesondere, weil Tracy, nachdem sich unsere Väter zur Ruhe gesetzt hatten, bei uns im Team blieb, und mit seiner Erfahrung, Routine und seinem Können eine mehr als wertvolle Unterstützung war.
      Insbesondere für mich war Tracy ein großer moralischer Beistand. Als Gorilla, und das ist wörtlich zu verstehen, konnte er mit seiner Kraft auftrumpfen, wenn es darauf ankam, und als der intelligenteste Gorilla der Welt, glänzte er in unserem Team als Technikgenie, Bastler, und manchmal sogar Wissenschaftler. Wo ich ohne Tracy in dieser Firma gelandet wäre, weiß ich nicht. Aber ich bin überzeugt davon, daß ich das alles nicht so gut durchgestanden hätte, wenn ich unseren alten Freund nicht immer im Rücken gehabt hätte.
      Ich fragte mich in der Anfangszeit mehr als einmal, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. War ich überhaupt geeignet für den Job des Ghostbusters? Mit der Zeit wächst man ja mit seinen Aufgaben – manchmal hatte ich aber das Gefühl, ich würde nie richtig sicher in dieser Art von Arbeit werden. Das, was mich allerdings beruhigte war, daß wir so ein gutes Team waren. Ich war nie auf mich allein gestellt, und wir ergänzten uns prima. So freundete ich mich langsam mit dem Beruf an, und war recht zufrieden, auch wenn ich manchmal Todesängste ausstand, und ich war stolz, wenn wir eine brisante Angelegenheit gemeistert hatten und ich etwas hatte dazu beitragen können.

So weit zu unserem Ghostbuster-Job im allgemeinen. Ich hatte mich damit arrangiert, sowohl mit den Gefahren, wie auch mit meiner Unsicherheit. Aber wie ihr euch denken könnt, es geht immer, noch einen obendrauf zu setzen!
      Und dies präsentierte sich uns in einer Geistererscheinung, die alles in den Schatten stellte, was wir bis dahin erlebt hatten! Und zwar wortwörtlich! Dieser Geist nannte sich Prime Evil, und der Name kam nicht von ungefähr! Er war ein mächtiger Geist aus einer anderen Dimension, den wir schwerlich einschätzen oder berechnen konnten. Seine imposante riesige Gestalt wirkte roboterhaft, mit der blauen Stahlmaske, die in den moosgrünen Kopf eingelassen war, dem Display anstelle des Mundes und den genieteten Händen. Seine dunklen Augen hatten immer ein bedrohliches Funkeln. Er war umgeben von einem Flammengewand und berührte den Boden nicht, wenn er sich bewegte.
      Prime Evil war von Grund auf böse, aber er war nicht nur mächtig, sondern auch kreativ, und das machte ihn um so gefährlicher! Und das schlimmste war, daß er, seit es uns gelungen war - fragt mich bitte nicht, wie wir das geschafft hatten - einige seiner üblen Pläne zu vereiteln, es auf uns abgesehen hatte! Die Sache war zu einer persönlichen Angelegenheit geworden, mit seinem erklärten Ziel, uns aus dem Weg zu räumen! Dies sind die Momente, in denen man so etwas realisiert, wo man sich als Alternative auch problemlos mit dem Job eines Kloputzers angefreundet hätte, nur um solchen Erfahrungen zu entgehen!
      Dieser Prime Evil-Typ entsetzte mich wirklich! Sobald er ins Spiel kam, überlief es mich eiskalt, und ich hätte am liebsten all meine berufliche Ehre und Würde sofort über Bord geworfen. An dieser Stelle wünschte ich mir eins ums andere Mal, ich wäre doch Bibliothekar geworden. Wir kamen mehr als einmal an unsere Grenzen, da wir mit unseren Waffen, die extra von Tracy, überwiegend schon zu Zeiten unserer Väter, für die Geistervernichtung konzipiert worden waren, nichts gegen diesen übermächtigen Geist ausrichten konnten. Unser Dematerialisator war wirkungslos. Unser Geisterentfernerspray war wirkungslos. Unser Spectre Snare war wirkungslos. Egal, wie wir es angingen, er war stärker! Und er lernte dazu! Hatten wir einen Weg gefunden, ihm beizukommen, hatte er diesen beim nächsten Mal adaptiert, und unsere guten Ideen wurden wieder wirkungslos.
      Wir hatten es ein paar Mal geschafft, ihn zu besiegen, indem wir verschiedene Waffen kombinierten. Aber auch damit gelang es uns nur, ihn zu schwächen, nicht, ihn zu vernichten. Mittlerweile hatte der Großbösemeister sich darauf eingestellt, und wir waren gezwungen, uns etwas neues auszudenken. Jedes Mal, wenn wir Prime Evil begegneten, mußten wir uns darauf einstellen, daß alle Wege, mit denen wir ihn vorher hatten in die Knie zwingen können, nicht mehr funktionierten, und wir mußten schnell einen neuen Plan entwickeln, meistens unter den ungünstigsten Bedingungen, die man sich vorstellen konnte. Und mehr als einmal entging die Welt dabei nur knapp dem Untergang, weil Prime Evil den Planeten entweder vernichten, oder seine Schreckensherrschaft über die Welt bringen wollte.

Die letzte Aktion dieser Art war nun gerade mal zwei Stunden her. Tracy, Jake und ich saßen fix und fertig in einem Diner und versuchten zu realisieren, daß wir noch lebten. Uns klebte das Haar noch vom Angstschweiß auf dem Körper, was insbesondere bei unserem Gorilla einen eindrucksvollen Effekt lieferte.
      Wenn ich eines Prime Evil zusprechen mußte, dann Einfallsreichtum! Er hatte versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Weltherrschaft zu übernehmen, indem er die ganze Welt mit Geisterschmetterlingen terrorisierte, und dabei zu versuchen, uns mit den Viechern zu ersticken. Und fast wäre es auch geglückt; die Viecher waren überall, nahmen einem die Sicht, den Atem, und dämpften sogar die Geräusche um uns herum. Schafften wir es, einen Schlag der geisterhaften, bunten Flattermänner, die eigentlich hübsch anzusehen gewesen waren, zu dematerialisieren, kamen gleich von allen Seiten Unmengen nach und versuchten in alle erreichbaren Körperöffnungen einzudringen. Es war eine Katastrophe, wie wir sie noch nie erlebt hatten, und es zeigte uns auf eine bunte, schillernde Weise deutlich, wie mächtig Prime Evil geworden war.
      Wir wußten, daß wir die Ursache des Übels bekämpfen mußten, nicht die Wirkung, auch wenn das schwierig wurde, da wir aufgrund der Wirkung nicht an die Ursache herankamen. Es war wie ein Paradoxon, denn wir konnten die Schmetterlinge nur stoppen, wenn wir Prime Evil bezwingen konnten, an den kamen wir aber aufgrund der Schmetterlingsflut nicht heran. Es schien, als würden die Geisterschmetterlinge in Massen aus seinem Flammengewand kommen. Und wir hatten keine Idee, wie wir die Schmetterlinge, oder Prime Evil bekämpfen sollten. Der Dämonenfürst hatte allen Grund zu seinem diabolischen Lachen! DIeses Mal hatte er es wirklich geschafft…
      Tracy war es schließlich, der den rettenden Einfall hatte. Er hatte sich von der Glaskuppel inspirieren lassen, die das Tropenhaus vom botanischen Garten zierte, welcher auf paradox passende Weise ganz in der Nähe von unserem aktuellen Standort - oder sollte ich besser sagen: dem Schlachtfeld? - lag. Während er also unser Ghostbuggy zur Unterstützung mitnahm, mit ihm fast im Blindflug durch die Flut von Schmetterlingen steuerte, und auf das Dach stieg, verschluckte Jake neben mir einen Schmetterling und hustete sich fast die Seele aus dem Leib. Glücklicherweise konnte ich das Problem mit einem beherzten Klopfen auf seinen Rücken lösen, so daß der Schmetterling wieder herauskam. Immerhin, schlimmer als meine eigene Erfahrung, als eine Handvoll Schmetterlinge es geschafft hatte, unter meinen Mantel und bis fast in meine Unterhose zu kommen, hatte das kaum sein können.
      Wir beobachteten, so gut es in dem bunten Schmetterlingswimmelbild ging, wie Tracy die Kuppel präparierte – es mußte das superintensive Geistervernichtungsspray sein, dessen Formel er im vergangenen halben Jahr drei Mal verbessert hatte, und von dem wir schon festgestellt hatten, daß es nichts bei Prime Evil bewirkte. Als er fertig war, hob er mit seinen Gorillakräften die Kuppel an, balancierte damit in das im Flugmodus wartende Ghostbuggy, und paßte Richtung und Moment so ab, daß der Dämonenfürst das Unheil nicht kommen sah. Wenigstens dafür waren die Schmetterlinge in dem Augenblick gut – auch Prime Evil hatte keine freie Sicht auf das, was um ihn herum geschah, auch wenn Tracy sich vorsorglich trotzdem bemühte, ihm immer im Rücken zu bleiben.
      Tracys Aktion gelang besser, als wir alle es uns erhofft hatten. Im richtigen Moment ließ er die Kuppel über unserem Widersacher fallen, und Prime Evil war gefangen. Die Schmetterlinge, die aus seinem Gewand kamen, konnten Dank des Geisterentfernersprays nicht weg, und es kamen immer mehr nach, so daß die Kuppel bald schon kurz davor stand zu zerbersten. Das wäre unter der Voraussetzung, daß der Druck so immens hoch war, daß die Impregnierung mit dem Spray den spirituellen Schmetterlingen nicht mehr stand hielt. Ich mochte mir nicht ausrechnen, wie viele Schmetterlinge dafür notwendig waren. Nach Tracys Aussage würde es erst Schmetterlings-Evil-Matsch geben, bevor das passierte.
      Wir beobachteten gebannt das Geschehen, soweit es die Schmetterlinge, die außerhalb der Kuppel flogen, zuließen. Es war nur ein buntes Geflatter im Inneren zu sehen, bald schon wurden die armen Wesen aber platt an die Kuppelwand gedrückt, und nichts konnte sich innen mehr rühren – einschließlich des Großbösemeisters! Als nichts mehr ging, schien im Inneren alles in einem Schwall aus Farben zu implodieren. Kurz darauf war der Zauber verschwunden. Prime Evil hatte aufgegeben. Oder keine andere Wahl gehabt, das werden wir wohl nie erfahren.
      Als die Quelle der Geisterschmetterlinge nicht mehr in unserer Dimension vorhanden war, zerstoben die Exemplare, die noch auf unserer Welt flatterten, in einem Meer aus Farben, das für einen Augenblick hübsch anzusehen war, bevor sich alles in Wohlgefallen auflöste. Der Spuk war vorbei. Und dennoch hatten wir auch dieses Mal Prime Evil nur mit viel Glück und eigener Kreativität besiegt. Nicht vernichtet.
      Und nun saßen wir also hier im Diner und reflektierten die Schmetterlingskatastrophe. Worauf mußten wir uns beim nächsten Mal einstellen? Ich war bis in die Grundfesten erschüttert und wollte am liebsten meinen Job an den Nagel hängen. Und ich sah Jake an, daß er ebenfalls noch von dem Horror ergriffen war; das wollte etwas heißen!
      Nachdem wir uns mit etwas heißem zu trinken und etwas zuckerhaltigem zu essen einigermaßen wieder in einen ansprechbaren Stand gebracht hatten, tauschten wir verhaltene Blicke und atmete tief durch. Wenn Prime Evil beim nächsten Mal noch eine Spur obendrauf legte, hatten wir verloren! Das war uns klar; in diesem verhängnisvollen Moment spürten wir alle genau dieses Damoklesschwert über uns hängen.
      Tracy beraumte ein Brainstorming an. Selbst der stärkste Gegner hat eine Schwäche, sagte er, womit er sicher Recht hatte, es galt nur herauszufinden, was das war. Und dazu sollten wir alle unsere Ideen einwerfen.
      Jake sinnierte, wenn Prime Evil wirklich eine Art Robotergeist wäre, ob es dann nicht vielleicht einen Schalter gäbe, beispielsweise am Rücken, mit dem man ihn einfach abschalten könnte. Das wäre doch möglich, behauptete er, man müsse nur wissen, wo dieser Schalter sich befände. Das wäre sicher eine solche Schwäche, dem stimmte ich zu, auch wenn es in erster Instanz zu romantisch klang, für meinen Geschmack.
      Meine Idee war, da man nie sah, wie er unter der Robe aussah, ob er darunter überhaupt existierte. Vielleicht reichte es aus, einfach das Flammengewand mit Wasser oder einem Feuerlöscher zu löschen, um damit seiner imposanten Geisterpräsenz ein Ende zu setzen, weil es unter den Flammen gar nichts gab, was er als Körper präsentieren konnte. Okay, ich gebe zu, der Gedanke klang ebenso romantisch wie Jakes. Aber immerhin war es ein Anfang.
      Tracy überlegte seinerseits und kam mit folgender Theorie heraus: Wenn Prime Evil die Welt beherrschen wollte, vielleicht brachte es den Effekt, es ihm zu erlauben! Hatte er, was er wollte, wurde ihm vielleicht langweilig, und er verlor das Interesse daran und zog weiter. Die Variante fanden Jake und ich allerdings etwas gewagt.

Wir kamen an dem Abend nicht weiter. Unsere Ideen behielten wir zwar im Hinterkopf, mindestens Jakes und meine konnten wir zu späteren Anlässen aber widerlegen.
      Es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis wir herausfanden, daß Prime Evil tatsächlich eine Schwäche hatte, wenngleich eine, die sich erst mit der Zeit zu einem sehr speziellen Ereignis entwickelt hatte. Er hatte uns zu einer Gelegenheit im Schwimmbad gestellt, mit der etwas phantasielosen aber möglicherweise effektiven Intention, uns zu ertränken, als plötzlich ganz unbedarft ein Schmetterling am Großbösemeister vorbeiflog. Ich werde nie diesen Blick vergessen! Bei einem mächtigen Dämonenfürsten wie ihm die pure Panik in den Augen zu sehen, war etwas, was man nicht unbedingt erwarten durfte. Wir erlebten es hier live! Und während Jake und ich noch staunten, arbeitete es bereits im Gehirn unseres brillanten Gorillas.
      Selbst der stärkste Gegner hat eine Schwäche. Das stimmt! Wir hatten sie herausgefunden. Genau genommen haben wir sie sogar erst forciert! Seit dem haben wir die Schmetterlingskanonen im Einsatz. Und gegen Prime Evil funktionieren die!
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