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Alastair

von Tatu
OneshotHorror, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Alastair Dean Winchester
06.02.2021
06.02.2021
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Ihr Lieben,
ich freue mich, euch meinen neuen Oneshot präsentieren zu können und dass ihr hierhergefunden habt.
Der Oneshot ist aus einer ungewöhnlichen Sicht geschrieben. Ich bin gespannt, wie sie euch gefällt.
Durch Wildcats wunderbares Betalesen hat diese kleine Geschichte ihren letzten Schliff bekommen. Ich danke dir sehr für deine Geduld und deine tollen Schreibtipps.

Der Oneshot ist in Staffel 4 anzusiedeln.

Ich möchte hier eine Warnung vor Gewaltverherrlichung und Folter aussprechen, bei der Berücksichtigung des Protagonisten, ist das allerdings nicht verwunderlich.

Wer jetzt noch dabei ist, dem wünsche ich viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sonntag.
Eure Tatu


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Alastair saß in seinem Ledersessel und fuhr mit seinen Fingern gedankenverloren über die Ziernähte, die das braune Leder in Quadrate teilte.
Ausgerechnet ein Engel hatte ihm seinen besten Foltermeister entrissen. Wie war das überhaupt möglich? Wie konnte ein Engel in die Hölle eindringen? Das gab es seines Wissens nach noch nie! Und noch nie wurde jemand aus der Hölle befreit. Alastair fühlte sich um seinen besten Mann im Stall betrogen. Dean Winchester!
Der Dämon erinnerte sich an den ersten Moment, als er Dean auf seiner Folterbank liegen sah. Mit Ledergurten gefesselt. Wehrlos. Alastair schloss seine Augen und lächelte. Damals begann eine seiner reizvollsten Zeiten in der Hölle.

Alastair betrat die Folterkammer. Die Instrumente lagen bereit – Hammer, Meißel, Dolch, Zange und Säge. Dean Winchester lag wie ein Geschenk auf dem Gabentisch. Alastairs Auftrag lautete, den Dämonenkiller zu quälen, bis er brach und bereit war, selbst zu foltern. Erwartungsvoll rieb er die Handflächen aneinander.
„Oh, ein Albino-Dämon. Haben bei euch die kleineren Lichter weiße Augen? Oder ist euch die Farbe ausgegangen?“ Der Winchester grinste schmierig.
Alastair unterdrückte seinen Ärger über so viel Frechheit. Er hatte schon gehört, dass dieser Kerl ein loses Mundwerk hatte. „Ich wäre an deiner Stelle nicht so vorlaut. Du wirst lernen, wofür die weißen Augen stehen.“
„Ich kann’s kaum erwarten!“ Deans gespielte Begeisterung überzeugte Alastair wenig. Aber sein Opfer hatte anscheinend keine Angst vor ihm. Erster Punkt: Ihm Respekt beibringen! Der Wurm würde bald um Gnade winseln und schon in Panik geraten, sobald Alastair die Folterkammer betrat.
Er begutachtete den Tisch mit dem Werkzeug. Womit sollte er beginnen? Er grinste. Die Zange würde einen guten Anfang machen. Fingernägel waren zwar klein, aber die Schmerzen, die beim Herausziehen entstanden, nicht zu unterschätzen. Besonders nicht, wenn einem ein Nagel nach dem anderen gezogen wurde.
Alastair nahm die Zange und griff nach Deans Hand. Dieser versuchte vergeblich, sie wegzuziehen. Der Gurt, der ihn an die Bank fesselte, verhinderten das. Der Winchester riss die Augen weit auf. Genugtuung breitete sich in Alastair aus.
Er legte die Zange an den Nagel des kleinen Fingers an und zog ruckartig. Er wartete auf den ersten Schrei, der jedes Mal wie Musik in seinen Ohren klang. Aber der Winchester biss die Zähne zusammen, anstatt zu schreien.
Alastair zog den Nagel des Ringfingers. Dean verzog die Lippen nur ein kleines bisschen, aber Alastair hat es gesehen. Der Nagel des Mittelfingers würde seinem Opfer aber bestimmt einen Schrei entlocken. Kräftig und langsam zog der Dämon den Nagel mit der Zange. Erste Schweißtropfen bildeten sich auf Deans Stirn. Er stöhnte, aber sein Mund blieb geschlossen.
Dean versuchte seine Hand zur Faust zu ballen, damit Alastair die verbliebenen Fingernägel nicht zu fassen bekam, aber Alastair drückte Deans Handfläche auf die Folterbank. Er ruckte mit der Zange am Nagel und beobachtete Dean genau. Die Kiefer mahlten, die Augen tränten. Ja, der Winchester hatte Schmerzen.
Der Daumen war besonders. Der Nagel größer und schwieriger zu ziehen. Alastair leckte sich über die Lippen. Sein Opfer würde schreien. Der Dämon zerrte an dem Daumennagel. Er hing fest. Mit einem Ruck löste er ihn. Der Winchester zog die Luft scharf durch die Nase ein.
Genüsslich wackelte Alastair an dem Fingernagel, bevor er ihn langsam herauszog. Dean stöhnte. Inzwischen war er schweißgebadet. Aber geschrien hatte er immer noch nicht.
Alastair legte die Zange zurück auf den Tisch. Er hatte noch so viele Möglichkeiten, den Jäger zu quälen. Seine Erfahrung sagte ihm, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis dieser nachgeben würde und zu schreien begann.
Er griff nach einem Dolch.
Als ob es sich um den größten Schatz der Welt handelte, betrachtete Alastair die Klinge. Das Licht reflektierte im glatten Stahl. Alastair grinste. Eine Vorfreude, die er lange nicht mehr gespürt hatte, ergriff ihn.
Er legte die Spitze des Dolches unter Deans rechtes Schlüsselbein und schob die Klinge ins Fleisch. Dean atmete zitternd die Luft ein und wieder aus. Lediglich ein Stöhnen konnte Alastair ihm entlocken.
Alastair drehte die Klinge in der Wunde herum. Und bohrte weiter.
Er glaubte, Dean würde schreien, als dieser den Mund aufmachte. „Scheißkerl. Missgeburt der Hölle!“, platzte es aus ihm stattdessen heraus.
Damit hatte Alastair nicht gerechnet. Dean machte seinem Ruf alle Ehre. Er galt als harter Knochen, der weder leicht einzuschüchtern war, noch sich von Verletzungen aufhalten ließ.
Alastair musste bei Dean rabiater vorgehen. Am besten gleich mit dem Häuten beginnen. Das stellte sich stets als überaus effektiv heraus und bereitete Alastair zusammen mit dem Brechen jedes einzelnen Knochens mit dem Meißel, am meisten Freude. Er leckte sich über die Lippen und schnitt die Haut an Deans linkem Bein ein. Eine Linie nach der anderen zog er mit dem Dolch. Wie bei einer Orange, die man pellen möchte, musste auch die Haut zuerst eingeritzt werden, um sie leichter schälen zu können. Der Winchester wimmerte und grunzte vor Schmerz. Alastair schob die Klinge unter die Lederhaut und begann sie anzuheben. Das Messer ruckte durch das Gewebe. Als der Dämon genug Haut zu fassen bekam, forderte er: „Jetzt, Dean, schrei für mich!“ Grinsend zog er die Haut in einem Streifen ab.
Dean schrie.
Endlich!
Alastair schloss die Augen und lächelte vergnügt. Genau so hatte er sich das vorgestellt. Welch berauschender Klang in seinen Ohren. Ein wohliger Schauer des Triumphes lief durch seinen Körper. Jetzt fing der Spaß an!

Am Ende des Tages setzte er Deans Körper wieder instand und fragte ihn: „Möchtest du, dass ich mit der Folter aufhöre? Dich von der Folterbank hole? Das kann ich nämlich tun. Allerdings nur, wenn du bereit bist, selbst zu foltern.“
„Steck es dir sonst wo hin!“, spuckte ihm der Winchester entgegen.
Dean Winchester hatte Eier. Das musste er ihm lassen.

Alastair hatte viel Geduld und all sein Können gebraucht, um Dean zu brechen. Dreißig Jahre hatte es gedauert. Und Alastair hatte jede Sekunde genossen. Jeden Abend hatte er Dean die gleiche Frage gestellt. Jedes Mal hatte dieser dieselbe Antwort gegeben.
Alastair lächelte anerkennend bei dem Gedanken.
Der Winchester hatte lange standgehalten, sehr lange. Lediglich dessen Vater hatte länger ausgehalten.
Alastair erinnerte sich noch gut an den Abend, der alles verändert hatte.

Dean wies keinerlei Ähnlichkeit mehr mit dem einst so großmäuligen Kerl auf, der er am Anfang gewesen war. Er hatte sich verändert. Seine Kraft aufgebraucht, die Spannung aus seinem Körper gewichen.
Die Zeit und die Schmerzen hatten ihn zermürbt.
„Nun, Dean. Du kennst mein Angebot. Wenn du von der Folterbank herunter willst, dann musst du dir andere Seelen vornehmen. Sie foltern. Lass ihn raus - all den Hass, den Schmerz und den Frust.“ Alastair ließ seine Worte wirken.
Deans Fassade bröckelte. Alastair erkannte es deutlich an seinen Augen.
„Die Seelen, die hierherkommen, sind verdorben. Sie haben es verdient, hier zu sein. Es sind Monster, Dean.“
Dean fiel sichtbar in sich zusammen. Die erste Barriere war gefallen. Auf zum finalen Stoß.  
„Es sind die Monster, denen du auf der Erde kein Haar krümmen durftest. Vergewaltiger, Kinderschänder und Mörder. Du kannst das tun, was du immer schon getan hast. Wozu du geboren bist: Monstern Schmerzen zuführen. Sie quälen. Lass deine Wut raus.“
Dean schwieg.
„Auch gut, dann sehen wir uns morgen früh.“ Alastair wollte sich bereits abwenden, weil er mit der alltäglichen Antwort gerechnet hatte.
„Ich mach’s.“
Es war nur ein Flüstern, aber Alastair hörte es. Überrascht drehte er sich um. Dean liefen Tränen über die Wangen. „Was hast du gesagt?“ Alastair wollte es nochmal hören. Laut und deutlich.
„Ich sagte: Ich mach es. Ich werde foltern. Aber lass mich endlich hier runter.“ Dean schluchzte.
Alastair fühlte sich, als wenn ein Feuerwerk in ihm explodierte. Endlich war er am Ziel! Er hatte gewonnen!

Am nächsten Tag war es dann so weit. Alastair brachte Dean zu dessen ersten Opfer. Ein Mann um die dreißig. Sein durchtrainierter Körper wäre auf der Erde bestimmt imposant gewesen. Hier unten allerdings, gefesselt auf der Folterbank und mit dem Wissen, dass ihm gleich Schmerzen zugefügt werden würden, war er jämmerlich.
„Nun gut, Dean, du hast lange Zeit Erfahrung mit der Folter. Du weißt am besten, was von dir erwartet wird. Leg los!“ Alastair deutete auf die Werkzeuge, die er für Dean hatte bereitlegen lassen.
Dean sah mit weit aufgerissenen Augen zuerst auf das Opfer, dann auf Alastair.
„Du kannst auch erstmal mit etwas Kleinem beginnen, um ... reinzukommen – das Gefühl auf dich wirken zu lassen.“ Alastair grinste.
Zögernd griff Dean nach dem Dolch. Doch dann stand er nur da und starrte das Opfer an, wie das Kaninchen die Schlange.
„Dean, du bist der Folterknecht, er das Opfer. Du hast in der Hand, ob das so bleibt. Oder willst du mit ihm die Rollen tauschen? Ich bin mir sicher, er würde sofort einwilligen.“ Alastair legte einen warnenden Unterton in seine Stimme. Er war schon so weit gekommen. So nah am Ziel. Sein Schützling brauchte anscheinend noch einen letzten Schubs. „Er ist ein Kinderschänder, Dean. Er hat sich an kleinen Kindern vergriffen!“
Es funktionierte. Dean legte die Schneide des Messers mit zittriger Hand an den Brustkorb des Mannes und schnitt. Blut quoll und das Opfer schrie.
Alastairs Herz machte einen Freudensprung. Er fühlte sich berauscht vor Glück. Er wusste, er würde es schaffen. Er hatte Dean dazu gebracht zu foltern.
Mit diesem Schnitt hatte Dean das erste Siegel gebrochen, ohne es zu wissen.
Denn es hieß: Nur ein rechtschaffener Mann, der in der Hölle Blut vergießt, kann das erste Siegel brechen. Das erste Siegel, um Lucifer aus der Hölle zurück auf die Erde zu lassen.

Alastair fand seine Freude daran, Dean beim Foltern zu beobachten. Er hatte ihn geformt und seine unterdrückte Seite befreit. Mit dem ersten Schnitt hatte Dean den Grundstein einer fulminanten Karriere vom Folterknecht zum Foltermeister gelegt. Alastair hatte sich seiner weiter angenommen und Dean ausgebildet. Sie arbeiten gemeinsam. Dean lernte schnell und Alastair konnte sich immer öfter als Zuschauer zurücklehnen und die Vorführung genießen. Mit der Zeit erschuf Dean seine eigene Handwerkskunst des Folterns.
Was als Lehrmeister und sein Schüler begann, entwickelte sich zu Alastair und Dean als Team. Neun Jahre bildeten sie ein grandioses Gespann.
Bei Deans Art zu foltern handelte es sich tatsächlich um Kunst. Seine Messerführung und das Einsetzen der Werkzeuge waren hingebungsvoll. Wie ein Maler im Farbrausch seinen Pinsel über die Leinwand fegte, jagte Dean sein Messer in die unversehrte Haut seiner Opfer. Wie ein Geigenvirtuose seinen Bogen über die Saiten tanzen ließ, führte Dean die Säge durch die Knochen. Und wie der Bildhauer den Stein bearbeitete, setzte Dean den Meißel präzise ein. Begleitet wurde sein Schaffen von einer Sinfonie aus Schreien. Ein Genuss in Alastairs Ohren.
Wenn Dean Winchester folterte, umspielte dessen Mund ein vergnügtes Grinsen und in seinen Augen spiegelte sich ungezähmte Boshaftigkeit wider. Das ließ selbst hartgesottene Knechte in Schrecken zurückweichen.

Nun war der Winchester weg. Und für Alastair gab es wieder mehr Arbeit. Sicher machte ihm das Foltern von Seelen Spaß, aber noch mehr Freude hatte er mit Dean gemeinsam gehabt.
Er musste seinen Partner zurückholen.
Außerdem stellte Dean gemeinsam mit seinem Bruder eine Gefahr dar. Die beiden würden nämlich versuchen, die Apokalypse aufzuhalten. 66 von 666 Siegel müssen gebrochen werden. Sicherlich eine gute Chance, die Alastair und Lilith hatten. Aber die Bindung in den letzten neun Jahren zwischen Alastair und Dean war eng gewesen. Sie standen sich so nah, dass Alastair wusste, Dean würde sich festbeißen. Würde nicht lockerlassen, bis er gewinnen oder bei dem Versuch sterben würde. Er musste sich den Winchester wiederholen. Erst dann würde keine Gefahr mehr von ihm ausgehen, weil Dean wieder an seiner Seite wäre.
Alastair wollte ihn zurück. Er gab es ungern zu, aber die Hölle war nicht mehr dieselbe, wie die letzten Jahrzehnte mit Dean. Er liebte es, den Winchester bei sich zu haben. Er hatte noch viel mit Dean vorgehabt. Er wäre einer die Karriereleiter der Hölle noch viele Stufen nach oben gestiegen.
Er wollte Dean wiederhaben! Er würde sich ihn holen!
 
 
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