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Drawings

OneshotFamilie, Fantasy / P12 / Gen
Edmund Pevensie Lucy Pevensie Peter Pevensie
06.02.2021
06.02.2021
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06.02.2021 1.015
 
Edmund durchstreifte den Wald. Er war gerne für sich und allein mit seinen Gedanken; im Gegensatz zu seinen Geschwistern. Peter und Lucy mussten immer noch jemanden in der Nähe haben, den sie vollquatschen konnten. Und Susan… er wischte den Gedanken an seine ältere Schwester weg. Sie hatte sich entschieden und er wollte keinen teuren Gedanken an sie verschwenden. Das war sie ihm nicht mehr wert. Er strich mit den Fingern durch ein Farngewächs; es war weich und zart. Er liebte es, Dinge zu studieren und zu skizzieren. Pflanzen waren ihm sogar am liebsten, denn die verwickelten einen in keine Gespräche und sie bewegten sich nicht, wenn man sie zeichnen wollte. Der Dunkelhaarige ließ sich auf dem Waldboden nieder und zog einen Block und ein Mäppchen mit Stiften hervor, dass er immer dabei hatte. Seit ihrem letzten Abenteuer in Narnia, um genau zu sein. Seitdem malte und zeichnete er alles, was er für schön und wertvoll hielt. So wie diesen Farn. Sanft glitt er mit seinem Bleistift über die weiße Fläche des Papiers, skizzierte Schritt für Schritt den Farn auf das Papier. Mit jedem Strich verlieh er der Pflanze mehr Lebendigkeit.

Er vergaß die Zeit. Bald hatten sich zu dem Farn Formen, Figuren und Wesen aus Narnia gesellt, so wie es ihm inzwischen immer wieder passierte. Edmund behielt die Zeichnungen für sich; seine Geschwister sollten nicht denken, dass er ein kleines Kind war. Das war peinlich und ganz und gar nicht erwachsen. Na gut, erwachsen war er zwar noch nicht, aber mit 17 war man erwachsener als mit 12. Zumindest fühlte er sich erwachsener. Das könnte aber auch daran liegen, dass er zum zweiten Mal 17 war. In Narnia hatte er gelernt, ernst, würdevoll und höflich zu sein. Er war erwachsener geworden als er es jemals in der Jetzt-Welt hätte werden können. Schon versank Edmund in Träumereien an die schöne Zeit damals.

„Edmund!“ „Ed! Wo bist du?“ Rufe rissen ihn aus seiner Melancholie. Seufzend stand er auf und klopfte sich die Tannennadeln von der Hose. Dann verstaute er seine Zeichenutensilien in seiner Tasche. „Ich bin hier!“, rief er laut und kletterte auf einen umgestürzten Baum. Von dort aus konnte er seine zwei Geschwister sehen, sie standen am Abhang und winkten wild. Erneut seufzend sprang er vom Baumstamm und begann, zu Peter und Lucy hinauf zu klettern. Er war trainiert, daher war es denkbar einfach. „Ach, Edmund“, seufzte Lucy und schlang ihre Arme um seinen Oberkörper. Er tätschelte ihren Rücken. Peter wuschelte ihm durch die dunklen Haare, was Edmund mit einem Knurren quittierte. Was aber nicht ganz so wütend klang wie sonst. „Wir müssen gehen“, sagte Peter leise und Lucy löste sich leicht widerstrebend von Edmund. „Wohin denn“, fragte Edmund. „Nach Hause“, sagte Peter nur und nahm Lucy an die Hand. Sie reichte Edmund die andere und er nahm sie.

Er hasste „zuhause“. Das klang drastisch, aber es stimmte. Seit einigen Jahren lebten sie zwar nun schon hier, aber für Edmund fühlte sich das neue Haus falsch an. Vielleicht lag es daran, dass er die meiste Zeit seines Lebens in Narnia verbracht hatte.

„Alles okay, Ed?“ Lucy sah ihn mit ihren großen, grünen Augen an und er nickte widerstrebend. Er war, seit Narnia, schlechter im Lügen geworden und das nagte in solchen Augenblicken an ihm. „Ja, alles in Ordnung“, gab er, starr nach vorne schauend, zur Antwort. Weder Lucy, noch Peter glaubten ihm, doch er wollte jetzt keine Fragestunde über sich ergehen lassen. „Warum warst du da unten, Ed?“ „Weil ich es wollte.“ Keinen anderen Grund hatte es tatsächlich gegeben. Er tat Dinge, weil er sie wollte. Sollte Margaret ihn doch nachher einen egoistischen Bastard nennen. Es könnte ihm nicht weniger egal sein!

„Manchmal wünschte ich, wir könnten zurückkehren“, unterbrach Lucy die Stille. „Nach Narnia, meine ich“, schob sie noch nach, als wüsste keiner der beiden Jungen nicht, wovon sie sprach. Peter nickte: „Das verstehe ich. Auch ich wäre jetzt so gern dort.“ Edmund senkte den Kopf. „Wirklich alles okay mit dir“, fragte Lucy wieder. Edmund sagte nichts, bewegte sich nicht. Er dachte an die Zeichnungen. Keiner seiner Geschwister wusste von seinem Hobby. Niemand hatte je ein Bild oder eine Zeichnung gesehen. Aber jetzt hatte er einen Drang in sich, der ihm sagte, dass er zumindest Peter und Lucy die Zeichnungen und Skizzen zeigen sollte. Diesem inneren Impuls folgend zog er schweigend den Block hervor und drückte ihn Peter in die Hand; dann lief er schnell weiter. Seine Gedanken rasten. Was würden sie denken? „Warte, Ed“, rief Peter von hinten; Edmund lief schneller. Er wollte sich nicht anhören müssen, was er hätte besser machen können. Er bereute es schon wieder, ihnen den Block gegeben zu haben. „Edmund“, rief jetzt Lucy laut. Welche Skizzen hatten sie jetzt entdeckt? Die von ihnen als Erwachsene? Die von Aslan? Eine Hand legte sich auf seine Schulter. „Ed“, hörte er die sanfte Stimme Peters. „Bleib doch stehen. Bitte.“ Und Edmund blieb stehen. Er wollte es nicht hören, aber er blieb stehen und spitzte die Ohren. „Die sind großartig“, rief Lucy aus, kaum dass sie zu ihnen aufgeschlossen hatte. Ihre Hände hielten den Bock umklammert als wäre etwas ungeheuer wertvolles. „Hast du dir all die Farben und Formen wirklich gemerkt?“ Er nickte langsam, erwartete etwas abwertendes, irgendetwas derartiges, aber nichts dergleichen kam. „Die sind unglaublich“, sagte Peter. In seiner Stimme lag Bewunderung. „Kannst du mich mal malen“, fragte Lucy aufgeregt. Edmund musste lächeln; „Wenn du es schaffst, mal für zwei Stunden ruhig zu sitzen, dann vielleicht.“ Sie lachte laut und Peter stimmte mit ein. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich Edmund wieder wohl.

„Im Ernst, Ed, die sind echt gut“, griff Peter das Thema wieder auf, als sie vor dem großen Haus standen, dass ihr Onkel und ihre Tante ihr Eigen nannten. „Du solltest sie mal einer Ausstellung geben.“ Edmund schüttelte sofort den Kopf. Das ging niemanden etwas an; das war privat! „Lass ihn doch, Pete“, rief Lucy dazwischen und nahm die Hände ihrer Brüder fester. „Aber, Ed“; er wandte sich zu ihr um; „Das sie sehr gut sind, da hat Peter aber Recht. Du bist wirklich sehr begabt.
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